
von safranblüte
Snape blickte sein Anhängsel verwundert an. Er hätte nicht gedacht, dass die Kleine so schnell darauf kommen würde.
"Wie kommst du darauf, dass ich dich nicht beissen will?"
"Nun...es ist offensichtlich. Ich meine, du hast mich geheilt obwohl du...äh..etwas anders hättest tun können."
"Ich will dich nicht [/i]nicht[/i] beissen. Ich will dich bloss noch nicht beissen."
Hermine sah ihn fragend an.
"Ich hätte gedacht, du seiest schlauer, Miss Besserwisserin. Denkst du, ich hab dich nur mitgenommen, damit du niemandem mein kleines Geheimnis verrätst? Weisst du, ich hätte viele andere Wege gehabt, dies zu bewirken. "
Hermine schluckte, da machte Snape schon weiter.
"Ich habe dich mitgenommen, weil ich dich gebrauchen kann. Als Geisel zum Beispiel. Oder aber als, nun ja, sagen wir, du schmeckst besser als das künstliche Zeugs. Und ausserdem", bei diesen Worten erschien ein böses Lächeln auf Snapes Gesicht, "Wird es einem schnell langweilig, wenn man auf der Flucht ist und nicht in die Öffentlichkeit kann. Da braucht man etwas, oder auch jemanden, mit dem man sich beschäftigen kann."
In Hermines Kopf war eine Bombe explodiert. So sah es also aus. Sie hatte zwar schon vorher vermutet, dass Snape sie nur zur, naja, sagen wir, [/i]persönlichen Verwendung[/i] mitgenommen hatte, aber zwischendurch hatte sie wirklich ein paar Mal die Hoffnung gehabt, er würde sie wieder freilassen, wenn er sicher das Land verlassen könnte. Wie ausgesprochen dumm von ihr.
Hermine begann, zu zittern. Sie starrte Snape an, wie wohl ein Hase eine Schlange anstarren würde, wenn sie sich gegenüberstünden.
In Snapes Augen spiegelte sich nicht die geringste Gefühlsregung wieder. Nichts. Gar nichts.
Dann drehte er sich plötzlich um, machte einen Schritt von Hermine weg und setzte sich auf den Boden, den Rücken an einen Karton gelehnt.
Auch Hermine sank auf dem Boden zusammen, vor Hilflosigkeit.
In ihrem Kopf tauchten immer wieder die Bilder der zertrümmerten Körper auf, die sie im Krankenlager gesehen hatte. Und sie dachte daran, wie sehr das wohl wehtun würde. Und ausserdem dachte sie darüber nach, was Snape wohl gemeint hatte, als er sagte, er würde sich mit ihr [/i]beschäftigen[/i]. Dabei wurde ihr übel.
Nach einer Weile hörte sie plötzlich Snapes Stimme.
"Es ist ziemlich ungewöhnlich, mit dir zusammenzusein, ohne von Fragen durchlöchert zu werden. Brennen sie dir denn nicht schon förmlich auf der Zunge?"
Das taten sie. Es gab durchaus viele Dinge, die Hermine einen Vampir fragen wollte. Denn obwohl sie vor allem Angst empfand, mischte sich auch die Hermine-typische Neugierde darunter.
Doch sie hatte sich vorgenommen, ihrem Entführer nicht mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, als unbedingt nötig.
Obwohl, was sollte das nutzen? Sie würde sowieso sterben. Da konnte sie ihre letzten Stunden auch noch sinnvoll nutzen. Also fragte sie:
"Wie hast du das gemacht, jahrelang in Hogwarts zu unterrichten, ohne die Schüler reihenweise auszusaugen?"
Snape konnte sich ein Grinsen nicht unterdrücken. Er hatte gewusst, dass die kleine Intelligenzbestie ihn nicht lange anschweigen können würde.
"Es gibt einen Trank, der die Gelüste etwas abschwächt. Ich habe auch das künstliche Blut getrunken. Und ausserdem wird ein Vampir auch nicht von jedem Menschen gleich angezogen. Die einen riechen und schmecken besser, exquisit, sozusagen, und die anderen könnte man mit Fastfood vergleichen. Okay, aber man muss es nicht unbedingt haben, wenn man nicht am verhungern ist."
Hermine wurde bei dem Vergleich von Menschen mit Fastfood zwar etwas übel, aber sie konnte ihre Neugierde doch nicht unterdrücken.
"Und was haben sie getan, wenn jemand für sie, äh, exquisit roch?"
"Ich bin der Person so gut es geht aus dem Weg gegangen, und hab dafür gesorgt dass auch sie mir aus dem Weg ging."
"Wenn sie jemanden beissen, stirbt die Person dann immer?"
"Nein, nicht unbedingt."
Hermine runzelte die Stirn, und stellte eine Frage, von der sie selber fand, dass sie etwas komisch war. "Aber wenn das so ist, wieso haben sie dann ihre *Lieblingsmenschen* nicht einfach gebissen und sie später mit einem Obliviate versetzt?"
Snape musste lächeln. Er hätte nicht gedacht, dass die kleine Gryffindor so verschlagen wäre.
"Nun, das ist nicht so einfach, wie sie es sich vorstellen."
Hermine war mit dieser Antwort ganz und gar nicht zufrieden. "Wieso nicht?"
Snape verzog das Gesicht, so als sei es ihm nicht angenehm, darüber zu reden, doch dann meinte er: "Wissen sie, bei den Fastfood-Menschen ist es nicht schwierig, aufzuhören. Doch wenn man das Blut eines speziellen Menschen trinkt, von einem Menschen, der einem fast den Verstand raubt, dann kann man nicht so einfach rechtzeitig aufhören. Meistens kann man gar nicht aufhören."
Hermine schauderte bei der Vorstellung.
Obwohl sie eigentlich genug davon erfahren hatte, wie sie vermutlich aus dem Leben scheiden würde, konnte sie es wieder nicht unterdrücken, eine Frage zu stellen. Eine, die sie eigentlich gar nicht stellen wollte, denn die Antwort wollte sie nicht wissen. Und doch:
"Sir?"
"Miss Granger, es reicht jetzt. Sie sind nicht hier, um micht zu nerven."
"Nur noch eine Frage, Sir."
"Von mir aus, doch danach halten sie den Mund, oder ich vergesse mich!"
Hermine nickte.
"Also, stellen sie die verdammte Frage endlich!"
Snape sah, wie die junge Hexe zögerte, und hatte das ungute Gefühl, dass dies keine angenehme Frage sein würde.
"Sir, wie rieche ich?"
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