
von safranblüte
Hermine weinte und weinte, sie hatte keine Ahnung, wie lang sie schon zusammengekauert am Boden des Zugabteils gesessen hatte. So langsam war sie beinahe zu müde um zu weinen, und auch ihre Tränen versiegten. Nun schluchzte sie nur noch leise vor sich hin.
Etwas später beschloss Hermine, dass es nun genug war, und hob langsam den Kopf, um zu sehen, was ihr Entführer eigentlich so trieb.
Snape sass noch da, das Gesicht der schmutzigen Wand des Waggons zugewandt. So wie er da sass, sowohl Körper wie auch Seele scheinbar regungslos, schien es fast, als hätte er sich die ganze Zeit keinen Millimeter bewegt. Hermine nutzte die Gelegenheit, sich ihren ehemaligen Lehrer etwas genauer anzusehen.
Vieles an ihm schien nun irgendwie anders, aber vielleicht lag das auch nur daran, dass Hermine den Vampir noch niemals genauer angechaut hatte, und dass sie jetzt wusste, [/i]was[/i] der Tränkemeister wirklich war. "Wahrscheinlich hat das noch nie jemand getan.", dachte sie. Ja, wahrscheinlich hatte sich noch nie ein Mensch getraut, so lange mit ihm zusammenzusein, um ihn richtig kennenzulernen. Was ja eigentlich auch klug war, rein überlebenstechnisch gesehen.
Ihr Blick ruhte zuerst auf seinen Augen. Sie waren schwarz, tiefschwarz. Hermine hatte sich schon oft, am heutigen Tag besonders oft, darüber gewundert, wie diese Augen zu manchen Zeiten eine solch überschäumende Breite von Emotionen zeigen konnten, und zu anderen Zeiten so leer und tot zu sein schienen wie Onyxe. Ob er damit wirklich Leute hypnotisieren konnte, so wie Graf Dracula?
Belustigt über den skurrilen Vergleich erschien ein Lächeln auf Hermines Gesicht.
Dann liess sie ihre Augen über die schwarzen Haare ihres Entführers gleiten. Seltsamerweise waren sie nicht mehr so fettig wie zu seinen Lehrerzeiten. Auch dazu hatte die Gryffindor eine Theorie. Snape war im Grunde gar nicht unattraktiv. Sogar das Gegenteil war der Fall, was auch einige Mädchen von Hogwarts gemerkt hatten. Nur traute man sich niemals, über ihn nachzudenken, oder ihn anzusprechen, was an seiner (jetzt begründeten) angsteinflössenden Aura lag. Vielleicht hatte der Vampir ja auch bewusst versucht sich hässlicher zu machen, mit seinen ungewaschenen Haaren und den weiten Roben, die seinen ganzen Körper verbargen. Die Robe hatte er nämlich jetzt ausgezogen, Hermine konnte sich nicht daran erinnern wann, aber das war ja auch nicht verwunderlich, in den letzten paar Stunden hatte sie ja wer weiss andere Sorgen gehabt als Snapes Kleidung.
Doch nun nahm sie die Veränderung bewusst war und liess ihre Blicke auch über Snapes Oberkörper gleiten, und weil sie ihm direkt gegenüber, nämlich an die wand, an die er starrte, gelehnt, sass, sah sie auch mehr als genug.
Dass sein Körper hart war wie Marmor, dass hatte sie bemerkt, als er sie auf seinem Rücken getragen und sie vor dem Sturz auf den Zug abgefangen hatte. Es war ja eigentlich logisch, dass er Muskeln haben musste, die bräuchte er ja wohl oder übel um zu ... jagen. Dieser Gedanke löste bei Hermine noch immer dieselben Schauer aus wie zuvor.
Schnell schüttelte sie den Kopf, um das Bild von ihrem inneren Auge zu verjagen.
Und ganz plötzlich dachte Hermine komischerweise daran, wie seine schlanke und doch muskulöse Gestalt wohl unbekleidet aussah. Wieder schüttelte sie heftig ihren Kopf. Was waren das denn für idiotische Gedanken?! Sie würde ganz bestimmt nicht so naiv sein und dem Stockholm-Syndrom zu Opfer fallen. Sie hasste Snape, und sie hatte Angst vor ihm. Angst davor, was er alles mit ihr machen wollte. [/i] sich mit jemandem beschäftigen [/i]...
Hermine spürte erneut, wie es hinter ihren Augen brannte. "Jetzt hör aber auf, du hast heute schon wirklich genug geheult, das bringt dich hier auch nicht weg!", mahnte sie sich selbst.
Fast im selben Augenblick blieb ihr Blick auf Snapes Brustkorb hängen, und was sie bemerkte, liess sie vor Schreck laut aufkeuchen.
Snape, der schon seit längerem bemerkt hatte, wie er gemustert wurde, drehte sich um und meinte schnippisch: "Und, Miss Granger, was haben sie bei ihrer Inspektion Erschreckendes festgestellt?"
Hermine sah ihn mit grossen Augen an. Er hatte es also gemerkt...
"Ich .. äh..SIE ATMEN GAR NICHT!"
Snape sah sie erst mit einem undefinierbaren Gesichtsausdruck an, und Hermine machte sich schon auf einen Wutausbruch gefasst, als der Vampir plötzlich anfing, schallend zu lachen.
Hermine sah ihr Gegenüber entgeistert an. [/i]Noch nie[/i] hatte sie Severus Snape so lachen sehen. So ehrlich, mit überhaupt keinem Hauch von Schadenfreude. Snape bemerkte bald, wie entgeistert die junge Hexe ihn ansah, und antwortete mit belustigtem Ausdruck im Gesicht: "Das ist ja köstlich! Hermine, sie haben ihr einen Vampir vor sich, einen, naja, einen Untoten, sozusagen. Wenn ich unsterblich bin, warum zum Teufel sollte ich da atmen müssen?"
Hermine wurde rot, ja, es war dämlich gewesen, sich so darüber zu wundern. Doch noch etwas anders liess sie stutzen. Er hatte Hermine gesagt. Nicht Miss Granger, Hermine. Auch das hatte er noch nie zuvor getan.
"Ja, stimmt, das war ganz schön bescheuert.", meinte sie.
Snape grinste.
Hermine beschloss, seine gute Laune zu nutzen und fragte: "Sir, wohin fahren wir eigentlich."
"Nach Hastings."
"Nach...wohin?" Wieder wurde die Hexe rot. Sie hasste es, wenn sie etwas nicht wusste.
Snape grinste noch breiter und sagte dann: "Das liegt am Ärmelkanal. Von da aus werden wir dann mit der Fähre nach Frankreich fahren."
"Nach Frankreich?" Hermines Wangen färbten sich wieder rot, nur diesmal nicht vor Scham, sondern vor Freude. Sie hatte schon immer mal nach Europa gewollt, im Sommer, nicht zum Skilaufen.
Doch schlagartig wurde ihr wieder bewusst, unter welchen Umständen sie nach Europa reisen würde. Als Geisel, lebende Blutbank, und... nein, daran wollte sie erst gar nicht denken.
"Wieso wollen sie nach Europa?"
"Weil es dort wesentlich leichter für mich ist, mich zu verstecken. Ausserdem besitze ich ein Haus in Rumänien, wo mich bestimmt niemand finden wird, denn niemand weiss davon. Dahin werde ich gehen."
Zuerst hätte Hermine fast losgelacht. Rumänien, war das nicht das Land, wo Dracula wohnte? Vielleicht auch nicht, jedenfalls war es in der Nähe davon. Was für ein Klischee. Doch dann fiel der Hexe auf, dass Snape gesagt hatte, "er" wolle dort hin gehen. Sonst hatte er immer "wir" gesagt. oh nein...
"Sie sind müde, nicht wahr?"
Hermine wurde von dieser Frage ziemlich überrumpelt.
"Nein Sir, überhaupt nicht.", log sie. Sie hatte auf keinen Fall vor, in Snapes Nähe zu schlafen. Schon gar nicht, nachdem er ihr gesagt hatte, was für eine Wirkung sie auf ihn hatte.
"Seien sie nicht albern, Miss Granger. Ich weiss genau, dass sie vor Müdigkeit fast umfallen. Und ich habe sie sechs Jahre lang unterrichtet, ohne sie anzufallen, also kann ich mich sehr wohl beherrschen, wenn ich will."
Mist, er hatte schon wieder ihre Gedanken gelesen. wenn ich will
Hermine wurde wütend, sie hasste es, wenn er ihre Gedanken las!
"Damals mussten sie doch auch noch für ihren liebsten dunklen Lord spionieren und durften nicht negativ auffallen, nicht wahr?"
Snapes Gesicht verdunkelte sich augenblicklich, und in seinen Augen flackerte Wut auf.
Ehe Hermine es sich versah, hatte er seine Hand gehoben, doch diesmal nicht, um sie zu berühren. Nein, diesmal schlug er sie wirklich.
Die junge Frau meinte, ihr Kopf würde explodieren. Der Schlag schleuderte ihr Haupt zur Seite, und sie schrie vor Schmerz laut auf. Wimmernd hielt sie sich die Wange, und rutschte augenblicklich weg von dem Vampir.
In dem Gesicht von diesem spiegelte sich kurz etwas, was man wohl als Reue erkannt hätte, wenn er seine Gesichtszüge nicht so schnell wieder unter Kontrolle gehabt hätte.
Plötzlich kniete er wiederum vor der schluchzenden Hermine. Diese geriet in Panik.
"Nein, nein, bitte.", wimmerte sie und hielt sich beide Hände schützend vor das Gesicht.
Der Vampir ergriff diese und legte sie auf seine Knie. Blitzschnell, bevor Hermine die Hände erneut hätte heben können, hatte er seinen Zauberstab gehoben und...wiederum einen Heilspruch gesprochen.
Hermine schüttelte ungläubig den Kopf. Sie wurde nicht schlau aus diesem Mann! Erst schlug er sie, sagte ihr, dass er sie schänden und töten würde, und dann, dann war er plötzlich wieder so anders, so sanft und vorsichtig!
Doch schon bald konnte Hermine nichts mehr denken. Denn Snape hatte ihre Augen fixiert. Wieder blickte sie in seine unendlichen, schwarzen Tiefen und der Strudel seiner Augen saugte sie ein. Sie konnte sich nicht wehren, sie versank in seinem Blick, ihre Gedanken wurden träge, und ihr Geist immer müder.
"Schlaf.", hörte sie Snape murmeln, der wieder ihre Hände ergriffen hatte.
"Nein, nein, nicht gut.", dachte die Hexe noch, bevor sie nach hinten kippte, direkt in die Arme des Vampirs, der sich im Bruchteil einer Sekunde hinter ihr niedergelassen hatte und die Gryffindor sofort zu Boden legte.
@all...soo(= tut mir Leid, aber dieser Schluss musste jetzt sein...Snape ist ja echt unberechenbarXD
Was meint ihr, setzt sich die böse Seite durch und er tut Mine etwas an oder lässt er sich von seiner weichen Seite lenken und lässt die Arme einfach schlafen?
Komis erwünscht(=
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