
von safranblüte
Schon wieder sah er sie mit diesem hypnotisierenden Blick an und schon wieder fragte sie sich, warum er sich überhaupt die Mühe machte, wo er sich so oderso jederzeit nehmen könnte, was er wollte.
"Du hast mir schon öfter ganz schöne Schwierigkeiten bereitet."
Snape war ihr schon wieder viel zu nah. Ihre Körper berührten sich zwar nicht, jedoch schien der Abstand zwischen ihnen fast nichtig zu sein. Fast so wie der Abstand der Lippen zweier Liebenden kurz vor dem ersten Kuss...ein Hauch von Nichts, nur ein paar Millisekunden, um die süsse Qual der Vorfreude, die meist fast besser ist als der Kuss selbst, in die Länge zu ziehen.
"Wieso?", stammelte die junge Hexe. Sie war wütend auf sich selbst, weil sie es noch immer nicht schaffte, in Snapes Nähe ihre Stimme (und ihren Herzschlag) unter Kontrolle zu behalten. Und noch wütender war sie auf Snape, da er sich wiederum köstlich an ihrer Schwäche amüsierte.
"Seit du mir das erste Mal begegnet bist, musste ich mich ständig zurückhalten. Schon als du ein paar Meter vor mir entfernt auf dem kleinen Schemel gesessen hast, den sprechenden Hut, elfjährig und mit diesen unglaublich struppigen Haaren...schon damals hat mich dein Geruch in einen Zustand versetzt, in dem ich seit meiner *Geburt* nur einmal zuvor war.."
"Wieso..."
"Wieso ich dich nicht getötet habe? Es hätte zu viele Umstände gegeben. Jedenfalls zu Beginn. Ich dachte mir, sobald du etwas älter wärst und ab und zu nach Hogsmeade gehen würdest..dann hätte ich bestimmt eine Chance an dein süsses Blut zu kommen. Aber du musstest dich ja mit dem Potter-Jungen anfreunden, sodass fortan dieser Greis Dumbledore auf dich aufpasste...und über alle die Jahre hinweg musste ich mich ständig zurücknehmen und mit deiner Gegenwart quälen...und als du dann älter wurdest und unanzweifelbar eine positive äussere Entwicklung durchmachtest wurde die Sache auch nicht unbedingt einfacher...tja, Pech. Aber jetzt bist du hier."
Hermine zitterte. In dem Moment kam in ihr das Gefühl hoch, welches sie schon von Kindesbeinen an immer am meisten gelenkt hatte: Neugier.
"Wie alt bist du?"
Snape sah sie verwundert an.
"Du dummes Mädchen! Denkst du wirklich, Zeit hätte für jemanden wie mich eine Bedeutung?"
"Es interessiert mich nur."
Jetzt erschien schon wieder ein so seltsam mehrdeutiges Grinsen auf dem Gesicht ihres alten Tränkelehrers. Die junge Hexe zog nur die Augenbrauen hoch und sah ihren ehemaligen Lehrer fragend an.
"Äusserlich hast du dich verändert, aber innerlich bist du noch immer die gleiche kleine Besserwisserin, die einem tagein tagaus Löcher in den Bauch fragt, hm?..Nun, wenn du es unbedingt wissen willst, meine Geburt war im Jahre 1785."
Hermine war sprachlos. Das hiess, er war schon 223 Jahre alt. Zwar gab es Zauberer, die schon so alt waren...aber trotzdem..1785..das war noch vor der französischen Revolution!
"Mach deinen Mund wieder zu, Gryffindor.", sagte Snape zynisch.
"Sie sehen nicht so alt aus."
Sogleich hätte Hermine sich am liebsten auf den Mund geschlagen. Konnte sie nicht noch was Dümmeres sagen?
"Nun, ich erlebte ja auch um 1820 herum eine "zweite Geburt". ...Aber wie schon gesagt, eigentlich geht dich das nichts an und ich wollte ja auch gar nicht mit dir reden.."
Hermine schwieg. Die Überraschung über sein wirkliches Alter hatte für einen kurzen Moment zwar die Angst vor dem, was er ihr antun würde, etwas zurückgedrängt, aber jetzt war sie so präsent wie vor ihrer kleinen Unterhaltung.
Snape überbrückte die letzten Millimeter, die ihre Körper voneinander trennten, und umfasste mit beiden Händen ihre Schultern. Er sah ihr nicht in die Augen.
"In den letzten Jahren bist du zu einer richtigen Schönheit herangewachsen...weisst du wie oft ich mir schon vorgestellt habe, mich in einer Lage wie der jetztigen zu befinden?"
Hermine schluckte.
"Sieh mich an."
Sie tat was er sagte. Vermutlich war es besser so.
Ängstlich blickte sie in seine schwarzen Augen. Die Begierde, die sie darin erblickte, liess wiederum ihren Atem stocken und sie hätte vor Angst beinahe zu weinen begonnen.
"Hör mir zu. Da, wo wir hingehen, kann ich eine kleine Unterhaltung gut gebrauche. Du hast das Glück das ich eine überaus gute Selbstbeherrschung habe. Ich werde dich nicht sofort beissen, oder vielleicht schon, aber ich werde dich nicht sofort töten."
Hermine fühlte sich, als wäre ihr Inneres vor Angst zu Eis gefroren. Ihr ganzer Körper war angespannt und sie bereitete sich darauf vor, sich gegen Snape zu wehren.
"Tu das nicht, bitte. Du weisst doch, dass es sinnlos ist. Selbst wenn ich menschlich wäre wäre ich noch dreimal stärker als du. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder du gibst einem alten, einsamen Mann wie mir was er braucht und wirst nicht unnötig viele Schmerzen haben, oder du widersetzt dich mir und du wirst schon bald darum flehen, dass ich dir sofort deine Halsschlagader durchbeisse."
Jetzt begannen Tränen an Hermines Wangen hinunterzulaufen. Sie wollte nicht vor Snape weinen, doch jetzt kam alles zusammen: die Anspannung und der Stress der letzten Wochen, die Entführung, die unglaubliche Angst vor Snape...
Der Vampir liess seine Hände von ihren Schultern zu ihrem Hinterkopf wander, den er mit beiden Händen umfasste. Er zog die junge Hexe noch näher an sich und seine Lippen senkten sich auf ihre Wangen.
Hermine spürte die Berührung, zuerst auf ihrer linken Wange, als ob jemand einen Eiswürfel an ihre Haut halten würde. Sie weinte noch immer. Ein Teil in ihr wollte auf Snape einschlagen und ihn anschreien. Ein anderer Teil von ihr sah ein, dass dies keinen Sinn machen würde. Vielleicht sollte sie sich Snape einfach hingeben. Vielleicht wäre er gar nicht so grausam zu ihr...obwohl..
Die Hexe spürte wie die Lippen des Vampirs auf ihren Wangen herumwanderten.
Plötzlich merkte sie, was er da eigentlich trieb.
"Er küsst meine Tränen weg."
Snapes Lippen verweilten an Ort und Stelle. Offenbar hatte er auch diesen Gedanken mitbekommen.
Er sah auf und sie blickte direkt in seine Augen. Doch diesmal waren sie nicht kalt und grausam, wie Hermine sie bis jetzt von ihrem Tränkemeister in Erinnerung hatte. In seinem Blick spiegelte sich etwas wider, das Hermine, trotz aller Skepsis, nur als Zärtlichkeit deuten konnte. Verschreckt wich sie etwas von ihm zurück, doch sein stählerner Griff liess ihr nicht viel Spielraum. Sofort veränderte sich der Ausdruck seiner Augen wieder, wieder wurde sein Blick so unergründlich und kalt, dass man keinerlei Gefühlsregung daraus ableiten konnte.
Hermines Gefühle schienen Achterbahn zu fahren. Diese Einsamkeit, die sie gerade eben in seinen Augen gesehen hatte...
Noch immer sass er ihr gegenüber auf dem kleinen Bett in der Kajüte der Fähre, doch nun lagen seine Hände auf ihren Beinen. Hermine betrachtete die Hände. Sie waren sehr feingliedrig, aussergewöhnlich für..einen Mann?
Ohne zu überlegen ergriff Hermine seine Hände. Er hatte sie entführt. Doch hatten seine Hände ihr schon jemals richtig weh getan? Wenns sie so überlegte, hatten diese Hände sie in der Zeit, die sie schon mit ihm verbracht hatte, mehr gestreichelt als verletzt...
Snape sah die junge Hexe verdutzt an. Er hatte sich von Anfang an erhofft, dass sie sich ihm irgendwann fügen würde...doch dass sie schon so früh nachgeben würde, hätte er nicht gedacht.
Hermine besah noch immer Snapes Hände, die jetzt mit den ihren verschlungen waren, als der Vampir sie in einer so blitzschnellen Bewegung, wie nur er sie fertigbrachte, an sich zog.
Ihr Entführer drückte seine eiskalten Lippen auf die ihren, jedoch nicht so hart und unnachgiebig wie sie es erwartet hatte, sondern sehr sanft.
Die junge Hexe wollte gar nicht darüber nachdenken, was für eine Wirkung der Geruch ihres Blutes jetzt auf ihn haben mochte, wo sie sich so nahe waren wie nie zuvor.
Snape liess ihre Hände los und liess die seinen am Rücken der Gryffidor hinaufwandern. Er umschlang sie mit seinem stählernen Vampirgriff, drückte sie so eng an sich wie möglich. Hermine indess merkte langsam, dass nicht nur ihr Geruch eine anziehende Wirkung auf Snape hatte...umgekehrt war es genauso. Der Vampir roch nach einem frostigen Wintertag, nach Schneeflocken und nach Wasser, wenn es langsam zu Eis wird.
Hermine griff mit beiden Händen in seine samtenen Haare und versuchte, so viel wie möglich von seinem Duft in sich aufzunehmen. Wieso er nur eine solche Wirkung auf sie hatte? War das nur ein weiterer evolutionärer Vorteil der Vampir, um leichter an Beute zu kommen?
All dies wurde egal, als die junge Hexe fühlte, wie Snapes Zunge fordernd über ihre Unterlippe strich. Sofort gewährte sie ihm Einlass, und der Vampir und seine Geisel versanken in einem leidenschaftlichen Kuss.
Die Zeit schien zu einem unbedeutenden Faktor zu werden, und ihre Umgebung verschmolz zu einem undeutlichen Spektrum von Farben und Geräuschen.
Sie noch immer küssend legte der Tränkemeister Hermine langsam auf ihren Rücken. Kurz liess er von ihr ab und betrachtete die Hexe, die mit glasigem Blick und vom Kuss roten und geschwollenen Lippen dalag und versuchte, ihren Atem zu beruhigen, dann beugte er sich wieder zu ihr herunter und küsste sie ein zweites Mal.
Als er sich von ihr löste und sich neben sie ebenfalls auf den Rücken fallen liess, atmete Hermine erstmals richtig durch. Als ihr Verstand langsam zurückkehrte, schienen plötzlichen alle Alarmglocken in ihrem Kopf auf einmal loszugehen.
"Tolles Timing", dachte sie.
Sie konnte nicht fassen, was sie eben getan hatte. Sie hatte ihren Entführer geküsst. Naja, eigentlich hatte er sie geküsst, aber sie hatte den Kuss erwidert. Und wie...
Langsam drehte sie auf die Seite, um Snape ansehen zu können. Auch er lag da un starrte gedankenversunken an die Decke. Was wohl in seinem Kopf herumgeisterte?
Sofort merkte er, dass er beobachtet wurde, und drehte sich ebenfalls auf die Seite.
Ihre Gesichter waren schon wieder nur wenige Millimeter voneinander entfernt.
Snape griff mit einer Hand ins Haar der jungen Hexe. Er wickelte sich eine ihrer langen Locken um den Finger und zog sie noch etwas zu sich. Dann hob er sein Kinn und küsste sie auf die Stirn.
@all
soo...nach langer Zeit endlich ein neues Chap. Da ich in der Schule sehr beschäftigt war (die lehrer spinnen..) und auch öfters gesundheitlich nicht so auf dem Damm war, hatte ich in letzter Zeit nicht wirklich die Gelegenheit, weiterzuschreiben. Deshalb entschloss ich mich, lieber eine Pause einzulegen anstatt diese ff..die mir bisher nicht schlecht gefällt^^ durch hektisches Schreiben zu ruinieren....ich hoffe ihr nehmt es mir nicht allzu übel..)=
jaa wie ihr seht gehen die beiden dafür jetzt langsam so richtig zur sache^^wer weiss vielleicht lässt sich als kleines Weihnachtsgeschenk ja sogar eine kleine Lemon/Lime -Szene hinkriegen..hmm wir werden sehen^^
noch mal ein dickes sorry & 223 knuddls an alle^^
safranblüte
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