
von safranblüte
In dieser Nacht schlief Hermine kaum. Sobald sie die Augen schloss, sah sie wieder Snape vor sich, spürte seine Hände, die sich um ihre Handgelenke klammerten. Sie wollte das nicht, eigentlich wollte sie die ganze Sache am liebsten vergessen und an andere Ereignisse denken, Momente, in denen ihr Entführer so erstaunlich einfühlsam und sanft gewesen war.
Doch sie konnte die Tatsache dass Severus Snape sie entführt und gebissen hatte nicht aus ihrem Kopf streichen.
Sie wusste nun, er wollte nicht, dass sie sich vor ihm fürchtete. Nun ja, zumindest um seinetwillen wollte er es nicht. Doch gerade jetzt hatte sie Angst vor ihm, das falsche Gefühl der Sicherheit, dass ihr sein überraschend mildes Benehmen in den letzten Tagen gegeben hatte, war weggewischt. Wohl für immer weggewischt..
Als sie wieder einmal aus einem ihrer Halbschlaf-Träume aufschreckte und panisch die Augen aufschlug, hielt sie instinktiv den Atem an.
Jemand war im Raum, sie konnte ganz genau die Anwesenheit einer anderen Person im Raum spüren.
Als sie Sekunden später vollständig erwacht war, bemerkte sie, dass es sinnlos war zu versuchen, den Atem der Person zu hören, um deren Position herauszufinden.
Es gab nur eine einzige Person, die in diesem Moment mit ihr im Zimmer sein konnte, und diese Person atmete nicht.
Nach ihrem Gespräch in der Bibliothek hatte Snape sie angewiesen, etwas zu schlafen, danach hatte er sie alleine gelassen.
Doch jetzt war er wieder hier.
Panisch setzte Hermine sich auf und drehte ihren Kopf hin und her. Sie sah gar nichts, denn es war stockfinster. Sie hörte auch nichts. Doch sie roch ihn. Und sie spürte ihn.
Was wollte er? Hatte er es sich anders überlegt und war gekommen, um das zu Ende zu bringen, was er Stunden zuvor begonnen hatte?
Sie atmete laut und stossweise, ihr ganzer Körper zitterte.
Als seine kalten Finger ihr Hand streiften, gab sie einen erstickten Aufschrei von sich.
Er rutschte näher zu ihr hin und schloss sie in seine Arme.
"Schsch.."
Es dauerte ein Weilchen, bis sie sich beruhigt hatte, dann wand sich die junge Hexe aus den Armen des Vampirs und rückte ein Stückchen von ihm weg. Diesmal hielt er sie nicht auf.
Schützend schlang sie die Arme um ihren Körper, im vergeblichen Versuch, das andauernde Zittern zu unterdrücken.
Sie konnte ein Gesicht nicht sehen, was ihr gar nicht gefiel. Wenn sie sein Gesicht sah, hatte sie jeweils wenigsten eine verschwindend kleine Ahnung gehabt, was er gerade im Begriff war zu tun.
Doch jetzt war sie vollkommen ahnungslos.
"In der Bibliothek hattest du noch keine Angst."
Flüsternd antwortete Hermine:
"Doch, das hatte ich. Aber ich konnte meine Angst überwinden. Aber jetzt geht das nicht mehr, es ist dunkel und ich habe geträumt und.."
Er war in seiner typisch blitzschnellen Vampir-Art schon wieder viel zu nahe an sie herangerückt und legte ihr einen seiner eiskalten Finger auf die Lippen, um sie zum Schweigen zu bringen.
Dann sagte er leise:
"Schon in Ordnung. Das ist normal."
Sie drehte den Kopf in die Richtung, in der sie ihn vermutete, doch sagte nichts. Was hätte sie noch sagen sollen...
Lange sassen die Beiden so in der Dunkelheit, der Vampir blickte eine Geisel an, die Geisel blickte ins Nichts, denn sie war nicht fähig im Dunkeln zu sehen.
Irgendwann sagte Snape: "Du bist müde, du solltest schlafen."
"Ich kann jetzt nicht schlafen."
"Soll ich gehen?"
Hermine überlegte einen Moment, dann sagte sie:
"Nein, bleib hier. Dann weiss ich wenigstens einigermassen, wo du bist."
Er lachte leise.
"Du magst die Dunkelheit nicht, hmm? Du magst es nicht, wenn du nichts sehen kannst - wenn du nichts unter Kontrolle hast."
Die junge Hexe seufzte. Unter Kontrolle hatte sie zurzeit sowieso gar nichts.
Tastend streckte sie die Hand nach ihrem Entführer aus, doch er hatte schon wieder einen sekundenschnellen Positionswechsel vollzogen.
Er sass jetzt ein bisschen hinter ihr und schob mit einer Hand ihr langes Haar zur Seite.
Dann küsste er die Stelle direkt unter ihrem Ohr.
Hermine erschauerte, nicht nur wegen seiner Berührung, sondern auch wegen der Tatsache, dass er schon wieder so nahe an ihrem Hals war. Das war ganz und gar nicht gut...
Und dann fühlte sie seine Fingerspitzen an genau der Stelle, an der Stunden zuvor seine Zähne ihre Haut durchbohrt hatten.
"Nein."
Er streichelte über die Bisswunde.
"Bitte."
Nun kam auch seine zweite Hand hinzu, er legte sie an ihren Hinterkopf, zog sie so zu sich hin und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn.
"Ich tue es nicht."
"Nicht jetzt..", fügte sie in ihren Gedanken hinzu, wohlwissend, dass er es hören würde.
Er seufzte leise, dann drückte er sie sanft auf die Kissen und legte sich neben sie.
"Schlaf jetzt. Oder muss ich dich wieder hypnotisieren?"
"Das kannst du nicht. Ich kann dich nicht sehen."
Er lachte und legte seine Hand auf ihren Bauch. Sie wischte die Hand von ihrem Körper runter. Aus Trotz..das sagte sie sich zumindest.
"Du bist clever."
Hermine schwieg wiederum, sie versuchte gerade sich zwischen der Todesangst und der wohligen Erregung zu entscheiden, die gleichzeitig durch ihren Körper tobten.
"Willst du immer noch nicht, dass ich gehe?"
"Nein."
"Dann komm her zu mir."
Hermine überlegte kurz und verglich die Angst, die sie hatte, wenn er sie nicht berührte und die, die sie hatte, wenn er sie berührte. Da sie ihre Angst in beiden Situationen für gleich gross befand, entschied sie sich, dass sie in diesem Fall genau so gut zu ihm hinrücken konnte. Dann wusste sie wenigstens, wo er war, oder nicht?
Sie tastete vorsichtig nach seinem Arm, und als sie ihn gefunden hatte, ergriff sie ihn und zog sich daran zu ihm hin.
Er positionierte mit einer Hand ihren Kopf auf seiner Schulter und legte den Arm um sie.
Erstaunlicherweise wärmte Hermine diese Umarmung auf, obwohl seine Haut wie immer eiskalt war.
Minuten später war die junge Hexe eingeschlafen, in den Armen ihres Vampirs.
Er selbst schlief nicht, niemals wieder würde er schlafen. Er wachte über seiner Gefangenen und dachte darüber nach, was sich zwischen ihr und ihm ereignete. Das Ganze war nicht gut, und doch wollte er den Dingen ihren Lauf lassen.
Er hatte sich in seinem Leben schon zu viel entsagt, nun wollte er endlich einmal das tun, was er wirklich zu tun begehrte. Ganz gleich was geschehen würde.
Hermine verschwand in ihren unruhigen Träumen aus Blut, Küssen, Tod und Begierde, während auf Snapes Gesicht ein undefinierbares Lächeln erschien.
TBC
@ all...soo, ein sehr kurzes kapitel, ich weiss *schäm*...allerdings muss ich mir langsam leider überlegen, auf was für ein ende diese ff zusteuern soll..deswegen habe ich erstmal nur ein sehr kurzes kapitel geschrieben..jetzt muss ich nachdenken^^
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