
von Lilian84
Harry öffnete die Tür zum Grimmauldplatz. “Severus Snape?†erklang Mad- Eye Moodys Stimme. “Ich habe sie nicht getötet Professor.†antwortete er mechanisch. Sofort verschwand die nebelige Figur, die auf ihn zugekommen ist.
Harry ging die Treppen hinunter in die Küche und setzte sich an den langen Holztisch.
Hier standen noch drei Gedecke, die zum Essen einluden. Plötzlich drang ihm ein beißender Geruch in die Nase. Es kam aus dem Ofen. Harry öffnete die Ofenklappe und der Geruch von vergammelten Fleisch drang ihm in die Nase. Erschrocken wich er zurück. Er überlegte kurz, dann fiel es ihm wieder ein. Kreacher wollte Ron, Hermine und ihm Steak- und Nieren- Pastete servieren, wenn sie aus dem Ministerium zurückkamen. Es kam ihm vor, als wäre das schon Ewigkeiten her. Damals sind die Drei aufgebrochen um sich das Medallion von Umbridge zu holen. Mit Vielsaft- Trank haben sie sich in Ministeriumsangestellte verwandelt und nach ihr gesucht. Damals lief nicht alles nach Plan und es war auch schwierig gewesen wieder aus dem Ministerium zu fliehen, aber immerhin haben sie es geschafft. Dennoch, sie konnten nicht in den Grimmaulsplatz zurückkehren. Yaxley, ein Todesser, hatte sich an Hermine festgekrallt, als diese mit Ron und Harry zum Grimmauldplatz apparierte. Dadurch wurde er in das Geheimnis eingeweiht, das ihr Versteck für die Todesser unaufspürbar machte. Dank Hermines Geistesgegenwart konnten sie dennoch fliehen. Als Yaxley das Haus betreten hatte, muss Kreacher sogleich gemerkt haben, dass es nicht die Drei waren und muss dann schnellstmöglich nach Hogwarts geflohen sein. Harry musste ihn bei Gelegenheit fragen, was damals passiert ist.
Mit einem Schlenker des Zauberstabes ließ Harry die verfaulte Pastete verschwinden und mit einem weiteren Schlenkerer flogen auch die Gedecke zurück in die Schränke.
Er setzte sich an den Tisch und vergrub das Gesicht in den Händen. Er dachte an den gestrigen Tag zurück: Sie sind in Gringrotts eingebrochen, haben Huffelpuffs Becher aus dem Verlies der Lestranges gestohlen, den Ron und Hermine später in der Kammer des Schreckens vernichtet haben; sie haben das Diadem von Ravenclaw im Raum der Wünsche gefunden und es wurde von dem Dämonenfeuer, das Crabbe heraufbeschworen hatte, vernichtet; dann hatte Harry erfahren, dass er das letzte Horkrux war; er ist in den Verbotenen Wald gegangen und hat sich töten lassen; danach hatte er ein, so schien es ihm, endloses Gespräch mit Dumbeldore; er ist zurückgekehrt von den Toten; Neville hatte Nagini getötet und es gab keine Horkruxe mehr. Innerhalb eines Tages haben sie vier Horkruxe vernichtet. Nie hätte er gedacht, dass es am Ende dann so schnell geht. Er hat sich Voldemort gestellt. Er wusste, dass er es in diesem Moment versuchen musste und er hat es geschafft, Voldemort war besiegt. Konnte er sich freuen? Nein es war nicht möglich, er sah immer wieder die Gesichter der Toten. Den vorwurfsvollen Blick, den ihm Remus in seinem Traum zugeworfen hatte, erschien ihm immer wieder in seinem Geist. Er fühlte sich schuldig. Wie konnte er nur in der Zaubererwelt Buße tun für das viele Leid, das er ihnen allen zugefügt hatte?
Wie lange er hier saß und grübelte, weinte und sich selbst hasste, wusste Harry nicht.
Plötzlich hörte er die Haustür ins Schloss fallen. “Severus Snape?†erklang Mad- Eye´s Stimme. “Ich habe dich nicht getötet!†sagte eine Stimme, die Harry im ersten Moment nicht zuordnen konnte. Er stand auf, zückte seinen Zauberstab, den Blick zur Tür gerichtet, bereit anzugreifen, wenn es nötig sein sollte. Langsam öffnete sich die Küchentür, Harrys Puls beschleunigte sich… Kingsley trat ein. “Meine Güte Kingsley, du hast mich zu beinahe zu Tode erschreckt.†“Hallo Harry, das kann ich nur zurückgeben.†begrüßte Kingsley ihn. “Wie meinst Du das?†fragte Harry.
“Nun ja wie soll ich das sagen. Ich wollte heute mit dir reden, aber Ron und Hermine meinten, du würdest noch schlafen. Deswegen habe ich gewartet. Nach ein paar Stunden machten wir uns Sorgen. Uns war klar, dass du einen harten Kampf hinter dir hattest, aber wir dachten nicht, dass du 16 Stunden schlafen würdest. Ron ist dann nach oben in den Schlafsaal gegangen und wollte nach der sehen, aber alles, was er fand war ein zerwühltes, leeres Bett. Sofort verstreuten sich alle im ganzen Schloss, aber wir konnten dich nicht finden. Ich hab mir dann schon gedacht, dass ich Dich hier Glück haben würde. Warte kurz, ich muss den anderen Bescheid geben.†Damit zog er seinen Zauberstab und rief: “Expecto Patronum†Sofort schoss ein silberner Luchs aus der Spitze des Zauberstabes. “Sag den anderen Bescheid: Harry gefunden, geht ihm gut. Komme später vorbei†trug er seinem Patronus auf. Dann wand er sich wieder Harry zu. “Wieso bist du hier Harry?†fragte Kingsley. “Ich… ich wollte…†Harrys Stimme erstarb. Kingsley beobachtete Harry. Er erschrak. Noch nie hatte er ihn so verletzlich gesehen. Die Schultern waren zusammengesackt, die Arme hingen schlaff an ihm herunter, der Kopf war gesenkt. “Harry, sieh mich an!†Langsam hob er den Kopf. Kingsley konnte die Spuren der Tränen sehen. Harry war immer so stark und jetzt … so hatte er ihn noch nie gesehen. “Harry ich möchte dir im Namen der Zauberergesellschaft für alles, was du getan hast, danken. Durch dich ist die Schreckensherrschaft von Voldemort nun endlich vorbei.†Harry starrte ihn an. Wie konnte Kingsley sich jetzt bei ihm bedanken. Er war Schuld an so vielen Todesfällen und Kingsley dankte ihm. Kingsley konnte an Harrys Gesichtausdruck erkennen, was in ihm vorging. “Es ist nicht deine Schuld, dass Fred, Tonks, Remus und die anderen gestorben sind. Sie sind freiwillig in den Kampf gezogen und sie alle wussten, dass sie hätten sterben können. Sie wollten mit dir kämpfen, sie wollten dir in der finalen Schlacht zur Seite stehen, es war ihre freie Entscheidung. Sie sind nicht wegen dir gestorben, sie sind wegen Voldemort und seinen Todessern gestorben. Du hast Tom Riddle besiegt und damit dafür gesorgt, dass nicht noch mehr von uns gestorben sind und dafür müssen wir dir danken.†Harry spürte einen Kloß im Hals, leise krächzte er: “Wenn ich ihn eher hätte besiegen können, oder in meinem dritten Schuljahr nicht verhindert hätte, dass Sirius und Remus Wurmschwanz getötet hätten, wäre er nicht wieder zurück gekommen und sie alle hätten nicht sterben müssen.†“Harry… Wenn Wurmschwanz ihm nicht geholfen hätte seine Macht wieder zu erlangen, hätte er einen anderen gefunden, der ihm hilft. Und wenn du Sirius und Lupin damals nicht davon abgehalten hättest Wurmschwanz zu töten, hätten sie sich eines Mordes schuldig gemacht und wären nach Askaban gekommen; dann hätten Remus und Tonks nie zueinander gefunden und dein Patensohn, Teddy, würde nicht existieren.â€
Harry blickte zu Kingsley: “Ja vermutlich hast du Recht. Ich weis auch nicht, was mit mir los ist.†“Ich werde dich jetzt allein lassen Harry. In drei Tagen findet eine Gedenkfeier zu Ehren aller Toten statt. Ich würde mich freuen, wenn du auch dort hinkommen würdest. Die meisten wollen ihre Toten bei sich zu Hause beerdigen, deswegen haben wir beschlossen eine Gedenkfeier für alle auf dem Schlossgelände durchzuführen. Die richtigen Beerdigungen finden dann morgen und übermorgen statt.â€
Harry fuhr hoch “Heißt das es besteht keine Möglichkeit zu jeder einzelnen Beerdigung zu gehen?†“Nein Harry, vermutlich nicht. Häufig laufen mehrere zur gleichen Zeit. Wenn du willst kannst du ja zu denen gehen, die dir besonders am Herzen lagen.†“Nein ich muss zu jeder.†“Willst du dir das wirklich antun, selbst wenn es möglich wäre, es sind über 50 Menschen gestorben und so eine Beerdigung ist nicht leicht zu verkraften.†“Aber es gibt eine Möglichkeit.â€fuhr Harry ihn an und war ganz aufgeregt. “Kingsley, du musst mir einen Zeitumkehrer besorgen.†“Aber woher weist du, dass es so etwas gibt?†fragte ihn Kingsley. “Hermine hatte im dritten Schuljahr einen vom Ministerium bekommen, damit sie alle Fächer besuchen konnte, die sie belegt hatte, deswegen weis ich es. Ich brauche ihn ja nicht so lange, nur für zwei Tage. Bitte Kingsley, das ist die einzige Möglichkeit auf alle Beerdigungen zu gehen. Schließlich war es mein Kampf in dem sie alle gestorben sind. Es ist meine Pflicht sie würdig zu verabschieden.â€
Kingsly sah ihn scharf an, man merkte, dass er angestrengt nachdachte und die Vor- und Nachteile abwog. “Ich werde sehen, was ich tun kann.†sagte er schließlich.
Ich komme morgen wieder, bis dahin müsste ich etwas erreicht haben.
“Danke Kingsley, bis morgen dann.†Kingsley verließ die Küche und Harry hörte wie die Tür ins Schloss fiel. Wenigstens konnte er jetzt die Toten würdigen und sich persönlich von ihnen verabschieden.
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