
von Lilian84
Also mal wieder vielen lieben Dank für die Kommis. Es freut mich total, dass euch die ff gefällt.
Vielleicht könnt ihr mir auch bei einem Problem helfen. Meine Beta, Jessy01, hat ein tolles Bild für die ff gezeichnet. Leider hab ich keine Ahnung, wie ich das jetzt hier einfügen kann. Für Tipps wäre ich euch echt dankbar.
Und jetzt viel SpaĂź beim Lesen.
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Die Beisetzung von Honey Baxter führte diesmal der kleine Mann mit den büscheligen Haaren, der auch schon bei Dumbledores Beerdigung die Trauerrede gehalten hatte. Obwohl Harry Honey Baxter kaum kannte, fielen ihm während der Rede des kleinen Zauberers immer wieder Tränen auf seine Schuhe. Nach der Beisetzung von Honey Baxter nahm er wieder den Zeitumkehrer heraus und stellte ihn eine Stunde zurück. Dann machte er sich auf den Weg zur Beerdigung von Collin Creevey.
Als er dort ankam, durch den Tarnumhang weiterhin vor den Blicken anderer geschützt, sog er vor Überraschung scharf die Luft ein. Die Anzahl der Menschen, die Collin verabschieden wollten, war dreimal so groß, wie bei den vorangegangenen Trauerfeiern. Er ließ den Blick über die Menschen gleiten, die auf den vorgesehenen Stuhlreihen Platz nahmen. Plötzlich erstarrte er, als er um die 25 Leute erblickte, die gemeinsam angekommen waren. Es handelte sich um die gesamte DA. Ginny, Ron, Hermine, Neville und Luna gingen voraus und die Restlichen folgten. Alle hatten Muggelkleidung an. Jetzt erst fiel Harry auf, dass alle Anwesenden wie Muggel gekleidet waren. Collin war muggelstämmig und vermutlich waren seine Eltern die einzigen gewesen, die wussten, dass ihre Söhne Zauberer waren. Immer noch verblüfft darüber, dass wirklich die gesamte DA anwesend war, hatte er gar nicht bemerkt, dass die Trauergemeinde jäh verstummt war. Als er dann die vertraute Stimme von Professor McGonagall vernahm, war er etwas konfus. Er starrte nach vorne zum Rednerpult und hätte beinahe seine Verwandlungslehrerin nicht erkannt. Auch sie trug keinen Zaubererumhang, sondern normale Kleidung. Vermutlich hatte sie sich vorher informiert, was die Muggel momentan in ihrem Alter anzogen. Sie wirkte überhaupt nicht schräg oder anderweitig sonderbar, wie die meisten Zauberer, die den Versuch unternahmen sich der Welt der Muggel anzupassen. Er schüttelte seine Überraschung ab und konzentrierte sich nun auf das, was McGonagall sprach. “Collin war in der Schule ein sehr beliebter Schüler, der sich immer engagierte bei den verschiedensten Projekten. Er half immer seinen Mitschülern, wenn diese ihn brauchten. Am meisten erfreute er sich aber an seinem Hobby zu fotografieren. Collin, wir geben dir das, was du am meisten geliebt hast mit auf deinen Weg, den du jetzt gehen musst. - Dennis, würdest du?” sie sprach nun den ein Jahr jüngeren Bruder von Collin an, der sich schluchzend erhob. In der Hand hielt er die Collins Kamera. Er ging nach vorne zu dem Sarg und stellte sie auf den Deckel. “Ich werde dich schrecklich vermissen.” sagte Dennis und weinte nun noch mehr. Während er zurück zu seinem Platz ging sah Harry, wie sich McGonagall mit einem Taschentuch die Augen trocknete, bevor sie weiter sprach. “Wir alle werden Collin schrecklich vermissen. Er ist leider viel zu früh aus dem Leben gerissen worden…” Weiter konnte Harry nicht zuhören. Er schluchzte laut auf und versteckte sich nun hinter einem Baum, damit die Leute nicht doch noch auf ihn aufmerksam wurden. Er versuchte, sein Schluchzen durch ein Taschentuch zu dämpfen. Wie hatte er es nur zulassen können, dass Collin starb? Er hatte es nicht verdient, so früh zu sterben. Wie nur sollte er das wieder gut machen können? Harry weinte und weinte, immer noch verdeckt durch den Tarnumhang. Auf einmal nahm er einen ihm bekannten Duft von Blumen wahr. Er drehte sich um und sah, dass Ginny genau neben ihm stand. “Ich weiß, dass du da bist. Harry, zeig dich mir. Kein anderer wird dich sehen.” Auch Ginny vergoss stumme Tränen, während sie sich suchend umschaute. Mit einem weiteren ersticktem Schluchzen zog sich Harry den Tarnumhang vom Kopf. Ginny, die kurz erschrocken zurückwich, da sie sich nicht im Klaren war, wie nah sie bei ihm stand, sank kurz darauf zu ihm auf die Knie und nahm ihn in den Arm. Dann warf sie den Umhang, der sie vor den Blicken der anderen schützte, über sie beide. Sie wiegte Harry, wie ein Kind in ihren Armen hin und her. Harry genoss ihre Nähe und war ihr dankbar, dass sie ihn nichts fragte, sondern einfach nur für ihn da war. Nachdem er sich wieder einigermaßen gefasst hatte, folgten beide weiter stumm der Feier. Gerade wurde Collins Sarg in die Erde herabgelassen und die Menschen stellten sich in einer Schlange auf. Dann ging jeder einzeln an dem Grab vorbei und murmelte ein paar Worte. Jeder der Anwesenden warf eine handvoll Erde auf den Sarg. “Ich muss gehen.” murmelte Harry, der immer noch an Ginny gekuschelt auf dem Gras saß. “Ich weiß.” antwortete sie und gab ihm einen langen, sanften Kuss. “Wir sehen uns morgen.” Damit ließ er Ginny unter dem Umhang hervor kriechen und drehte sich. Ginny hörte das vertraute Knallen, das ertönte, wenn jemand disapparierte, und wusste, dass er fort war. Sie ging zurück zu den anderen. “Ginny, wo warst du denn?” fragte Hermine, die sie zuerst entdeckt hatte. “Ich war bei Harry.”, “Harry?”, “Ist er hier?”, “Wo ist er denn?”, “Ich hab ihn gar nicht gesehen.” fragten Hermine, Ron, Neville und Luna gleichzeitig. “Er ist schon wieder weg. Er war unter seinem Umhang. Ich glaube, er wollte sich auch von Collin verabschieden.” erwiderte sie traurig. Hermine umarmte ihre Freundin und flüsterte ihr ins Ohr, sodass nur sie es hören konnte “Er wird sich schon wieder fangen, mach dir keinen Gedanken. Harry kann schon auf sich selbst aufpassen.” Aber wirklich glauben, konnte sie sich das selbst nicht…
Harry war zurück zum Grimmauldplatz appariert. Er lehnte sich gegen die Wand im Flur. Eine letzte einzelne Träne floss ihm über die Wange. Er atmete ein paar Mal tief ein. Er holte die Liste, die ihm Kingsley gegeben hatte. In den nächsten drei Stunden sollten die Beisetzungen von Frederick Jones, David Plum, Ward Howards, Mary-Jane Newson, Christian Grown , Elizabeth Watson, Henry Green, Chuck Milestone und Cecilia Monroe stattfinden. Er ging auf jede einzelne Trauerfeier. Wie auch zuvor führten Kingsley, der kleine Zauberer des Ministeriums mit den buschigen Haaren und Professor McGonagall jeweils die einzelnen Ansprachen. Nachdem er wieder zurück in den Grimmauldplatz kam, roch der gesamte Hausflur nach Essen. Kreacher kam auf ihn zugetappst. “Ich habe dem Meister einen Eintopf gekocht, bestimmt ist er hungrig, da er schon seit dem Morgen unterwegs ist.” „Danke Kreacher, vielleicht esse ich eine Kleinigkeit.” Damit folgte er dem Elfen in die Küche. Sofort hatte er einen großen Teller vor sich. Er nahm den Löffel und begann zu essen, aber bereits nach dem vierten Löffel erhob er sich wieder und sagte zu dem Elfen “Danke Kreacher, aber ich muss wieder los. Ich esse heute Abend noch etwas, wenn ich wieder komme.” Damit ging er hinaus und bemerkte nicht, dass der Hauself ihm einen sorgenvollen Blick nachwarf.
Als er den Grimmauldplatz Nr. 12 verlassen hatte, ging er auf die Grünfläche auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Dort holte er noch einmal Kingsleys Liste hervor und unterdrückte ein Gähnen. Er wollte sich nicht eingestehen, dass er langsam müde wurde. Er würde sich von jedem Einzelnen verabschieden. Am heutigen Tag fanden noch zwölf weitere Beerdigungen statt. Als er am Abend in das alte Haus der Blacks zurückkehrte, war ihm nicht bewusst, dass er bereits über 24 Stunden am Stück wach war. Die Sonne stand noch hoch am Horizont, als er die Küche betrat, in der Kreacher bereits den Eintopf aufwärmte. “Ich hoffe der Meister hatte einen nicht all zu anstrengenden Tag. Möchte der Meister einen Feuerwhisky zu seinem Essen?” “Danke Kreacher, dass wäre nett.” Harry setzte sich und aß seine Suppe. Mehr als einen halben Teller nahm er aber nicht zu sich. Danach hob er sein Glas Feuerwhisky, gedachte noch einmal all derjenigen, die heute beerdigt wurden - besonders Collin - und trank es in einem Zug leer. Nachdem er sich von Kreacher verabschiedet hatte, ging er hinauf in das alte Zimmer von Sirius und legte sich aufs Bett, ohne seinen Schlafanzug anzuziehen. Ihm fielen schon nach kurzer Zeit die Augen zu. Aber sobald er zu träumen begann, sah er wieder dieselben Bilder, wie schon in der Nacht nach der Schlacht. Collin, der unbedingt ein Foto von ihm schießen wollte, die Familie Weasley, wie sie um Freds Leichnam standen, und die geisterhaften Gestalten von Tonks und Lupin am Gitterbettchen, die ihm vorwurfsvolle Blicke zuwarfen. Harry erwachte häufig schweißgebadet, doch obwohl er sich wehrte, sank er immer wieder in einen unruhigen Schlaf zurück, in dem ihn seine Träume verfolgten.
Am Morgen erwachte Harry, als Kreacher, wie angewiesen, um acht Uhr die Tür aufstieß, um ihn zu wecken. “Das Frühstück steht bereit, Meister.” krächzte er mit einer tiefen Verbeugung. “Ja, danke.” murmelte Harry. Langsam erhob er sich. Er fühlte sich überhaupt nicht erholt. Sein Rücken schmerzte, da er neben dem schlechten Träumen anscheinend noch ungünstig gelegen hatte. Harry ging ins Badezimmer und trank dann nur einen Kaffee, bevor er aufbrach. Die Beerdigung von Fred fand erst um 15Uhr am Nachmittag statt. Vorher musste er noch zum Fuchsbau. Er hatte Ginny versprochen, sie abzuholen. Zuvor war er wieder auf jeder Beerdigung, die stattfand. Wie oft er den Zeitumkehrer nun schon benutzt hatte, konnte er schon gar nicht mehr sagen. Er konnte kaum noch klar denken. Der Schlafmangel war ihm egal, was ihm aber schwer zu schaffen machte, waren die Familien derer, die beerdigt wurden. Ihre Trauer zu sehen, versetzte ihm jedes Mal einen Stich. Sein Schuldgefühl wurde größer und größer und auf jede weitere Beisetzung zu gehen, war für ihn eine neue Überwindung. Aber er hatte sich selbst geschworen, jeden, der in seiner Schlacht gestorben war, persönlich zu verabschieden.
Als er am Nachmittag am Fuchsbau ankam und gerade das Gartentor passieren wollte, kam jemand auf ihn zu gerannt. Auf den Tarnumhang hatte er nun verzichtet. Er rieb sich die Augen, denn er konnte nicht erkennen, wer da auf ihn zukam. “Ginny, bist du das?” “Ja Harry, ich bins. Ich habe schon auf dich gewartet. Wo warst du denn? Wir wollen gleich los.” Als sie bei ihm ankam, konnte er sie nun endlich klar erkennen. Sie war sehr blass. Der schwarze Umhang, den sie trug, verstärkte dies noch.
Sie musterte ihn skeptisch. “Ich muss dir sagen, du siehst noch schlechter aus als Mum. Und das will schon was heißen, denn sie heult eigentlich ununterbrochen. Ist alles in Ordnung mit dir?”, “Ja klar, warum denn nicht. Ginny, ich wollte dir danken, dass du gestern auf Collins Beerdigung für mich da warst.”, “Du hättest mir ruhig sagen können, dass du hingehst, dann hätte ich von Anfang an bei dir sein können.”, “Ich wusste nicht, dass du auch dort sein würdest. Ich hatte gar nicht damit gerechnet.”, “Die DA hat ein Mitglied verloren. Natürlich waren wir alle da, um ihm letztes Geleit zu geben.” Harry schluckte schwer. “Ginny? Darf ich dich in den Arm nehmen?” Ohne ihm zu antworten, trat Ginny näher an ihn heran und ließ sich in seine Arme fallen. Daraufhin flüsterte Harry sehnsüchtig „Bitte, küss mich!“ Ginny schluckte und sah zu ihm auf. Mit halb geschlossenen Augen kam sie seinen Lippen entgegen. Sie küssten sich, als hätten sie sich wochenlang nicht gesehen. Wie lange der Kuss dauerte, wusste Harry hinterher nicht mehr. Nur eins war ihm klar, das dies das erste Mal seit Beginn der Trauerveranstaltungen war, dass er sich gut fühlte.
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