
von goldenangel
Das Feuer war heruntergebrannt. Nur noch ein leises knistern der letzten nicht ganz verkohlten Holzscheite war zu hören. Die rote Glut erhellte nur den Boden vor dem Kamin und die beiden Personen, die sich auf dem rauen Boden gegenüber lagen. Braun starrte in schwarz. Zittrig ging der Atem des jungen Mädchens, während sie krampfhaft versuchte die passenden Worte für einen Moment wie diesen zu finden. Der Mann schien nicht daran interessiert zu sein, etwas zu sagen. Er beschäftigte sich lieber damit, seine Fingerspitzen sanft über ihre Schulter, den Arm hinunter und über ihr Hüfte und zurück wandern zu lassen, während er sie unentwegt anblickte. Sie hatten kaum noch Zeit, gerade mal zehn Minuten blieben ihnen wenn es hochkam und beide wussten es. Doch dem Mädchen schien es mehr zuzusetzen als dem Mann neben ihr. Tränen traten in ihre Augen, der Blick verschwamm und sie schluckte schwer. Nachdem, was sie gerade erlebt hatte zu weinen, dass wäre sehr dumm. Und dennoch, die Tränen kamen und kullerten stumm über ihre erhitzten Wangen. Seine Hand löste sich von ihrem Körper und umfasste sanft ihren Hinterkopf. Er beugte sich vor und küsste ihre Tränen weg.
„Es war ein Moment Granger. Nur ein Moment. Bewahren Sie ihn als eine Erinnerung, aber leben Sie weiter.“, murmelte Snape gegen ihre Schläfe und drückte dort einen letzten Kuss auf.
Ein Augenblick der Zärtlichkeit,
wir zwei vergaßen Ort und Zeit.
Es ist nicht viel gescheh’n und doch,
geschah so vieles.
Mein Lächeln gabst du mir zurück,
wir spürten einen Hauch von Glück.
Von Liebe hast du nichts gesagt,
und doch, ich fühl’ es.
In einer geschmeidigen Bewegung hatte sich der schwarzhaarige Zauberer aufgesetzt. Ohne das braunhaarige Mädchen neben sich anzusehen zog er sich an, spürte deutlich ihren Blick auf sich ruhen.
Was wollte sie denn noch von ihm? Er hatte ihr von Anfang an klar gemacht was es sein würde: Ein einziger Moment, rein körperlich. Sie beiden hatten vergessen können und für einen wundervollen Augenblick hatte sogar Severus Snape so etwas wie Glück empfunden als Hermine mit einem verzerrten Lächeln mit ihm entfloh. Eine dünne Andeutung eines Lächelns schlich sich in sein Gesicht als er sich erhob und sein Hemd zuknöpfte.
Sie war schöner als er es sich hätte vorstellen können und die Erinnerung ihrer weichen Lippen, welche unerfahren über seinen Körper tasteten, hatte in ihm dieses seltsame Gefühl ausgelöst. Es war bei Merlin keine Liebe oder Verliebtheit, doch es war ein Gefühl, das Gefühl, dass da mehr sein könnte wenn...
Ja, wenn.
Wenn er jünger wäre, wenn sie nicht einen anderem ihr Herz geschenkt hätte, wenn er nicht offiziell tot wäre. Es gab noch vieles mehr, doch warum darüber nachdenken, wenn es vorbei war ehe es überhaupt richtig angefangen hatte.
Mein Herzschlag ging ein bisschen laut,
Ich hab es gehört.
Dein Blick ging unter meine Haut.
Wir war’n ungestört.
Die Wärme deiner Augen hat das Eis getaut.
Hermine schloss ihre Augen als er ihre Tränen mit seinen Lippen fortwischte. Augenblicklich schlug ihr Herz lauter, wie zuvor, als er aus ihr eine Frau gemacht hatte. Oh wie kitschig sich das anhörte, dachte die junge Gryffindor.
Und dennoch entsprach es irgendwie der Wahrheit. Es bezog sich nicht nur auf den Sex, er hatte ihr die Kraft zurückgegeben, die sie benötigen würde um zurück in die Große Halle zu gehen und sich allem wieder zu stellen, vor dem sie noch vor weniger als einer Stunde weggelaufen war.
Ein Seufzer glitt lautlos über ihre Lippen und es erstaunte Hermine, dass sie so ruhig blieb ob der Tatsache, dass sie gerade mit einem ehemaligen Lehrer geschlafen und Ron betrogen hatte. Sie beobachtete stumm wie Snape sich anzog und dachte in diesem Moment nur daran wie warm seine Augen doch sein konnten, etwas, was sie nie für möglich gehalten hätte. Als er dabei war seinen Umhang zuzuknöpfen, erhob sich auch Hermine und schlüpfte rasch in ihre Kleidung.
„Was... was werden Sie jetzt tun... Professor?“
Es war seltsam. Obwohl sie miteinander intim geworden waren, und zwar auf mehr als nur körperlicher Ebene, hatten sie den Schritt zur Anrede ihrer Vornamen nicht getan. Immer noch Professor und immer noch Granger. So als würde dies bedeuten, dass es weitergehen konnte.
Was es allerdings nicht durfte und auch nicht würde.
„Das ist nicht von belang.“, schnarrte der Zauberer und war wieder ganz er selbst, so als hätte nichts stattgefunden. Doch dann wand er sich zu Hermine, trat dicht an sich heran und fasste sie an den Schultern. „Habe ich Ihr Wort, dass Sie nicht erwähnen, dass ich noch lebe.“ Seine Stimme hatte nun wieder diesen weichen Klang, der Hermine so verzaubern konnte.
Der Schülerin war klar, dass er sie jederzeit mit dem Obliviate-Zauber belegen konnte, und alleine schon deshalb würde sie es ihm versprechen. Doch wollte sie auch einfach nicht vergessen. Snape hatte ihr ein Geschenk gemacht, ein wertvolles Geschenk. Er hatte ihr gezeigt wie sie entfliehen konnte, wenn alles zuviel wurde. Einfach den Geist hinter sich lassen. Sie hatten etwas geteilt, was weit über das Körperliche hinaus ging. Es war der Geschmack von Erfüllung aller Träume, Hoffnungen und Wünsche, als würde man alles schaffen. Sie fühlte sich stärker und sicherer als jemals zuvor in ihrem Leben, und dies verdankte sie Severus.
Langsam nickte Hermine und unterdrückte den aufkommenden Seufzer. „Ich wünschte ich...“
„Nein.“, unterbrach sie der ehemalige Lehrer. „Keine Wünsche, die nicht in Erfüllung gehen. Es bringt nichts.“ Seine Hände schoben Hermine ein Stück von sich und er betrachtete sie eingehend. „Ich gehe meinen Weg und...“
„... und ich meinen.“ Ihre Stimme klang schwächer als sie es erwartet hatte. Sie würden getrennte Wege gehen und sich nie wiedersehen. Der Gedanke setzte ihr zu, lies sie traurig zu dem Zauberer aufblicken.
Good bye, my love, verzeih my love,
es darf nicht weiter geh’n.
Jeder denkt, ich lieb dich und er sagt auf wiederseh’n.
Jeder von uns geht die Strasse ohne Wiederkehr,
doch, was zwischen uns gescheh’n ist,
nimmt uns niemand mehr.
Good bye, my love, vorbei, my love,
nur manchmal ins Geheim,
werden wir zwei in Gedanken beieinander sein.
Und in meinen Träumen ist ein Traum von dir dabei.
Au revoir, my love, good bye.
Severus starrte Hermine an und war froh darum, dass sie ihr Geheimnis für sich behalten würde. Es wäre ihm schwer gefallen sie vergessen zu lassen. Ein Teil von ihm wollte nicht, dass sie vergaß. Sie sollte sich daran erinnern, wie an einen Traum, den man immer wieder träumte. Natürlich würde jeder seinen Weg gehen ohne zurückzusehen, aber niemand konnte ihnen die Erinnerung nehmen. Er hatte es in ihren Augen gesehen, dass sie genauso frei gewesen war. In diesem Moment waren alle beide dem Himmel so nah, dass nichts mehr von Bedeutung schien.
Doch nun musste es ein Ende haben. Der Kampf würde weitergehen bis Potter den Dunklen Lord vernichtet hatte und dann konnte er endgültig verschwinden. Irgendwohin wo ihn die Fehler der Vergangenheit nicht länger verfolgen würden.
„Leben Sie wohl.“ Schließlich war es Hermine, welche die Worte des Abschieds sprach.
Sie waren einfach so herausgesprudelt und als sie gesprochen waren ergriff etwas von Hermine besitz. Ihr Herz verkrampfte sich, als würde sich eine Hand darum schließen und zudrücken. Ein Kloß war in ihrem Hals und das Gefühl sich Snape in die Arme zu werfen und ihn nicht mehr loszulassen. Sie wollte wieder dieses Gefühl empfinden, wieder fliehen, am liebsten für immer.
Doch Hermine war klar, dass sie nicht einfach nach einem Gefühl handeln konnte und es auch nicht durfte. Sie waren im Krieg und da konnte man sich nicht einer Sehnsucht hingeben, welche am Ende doch keine Zukunft hatte. Immerhin war dies Severus Snape. Und egal wie wundervoll er in dieser Stunde zu ihr gewesen war, so war sie intelligent genug um sich davon nicht blenden zu lassen. Hinter dieser harten Schale befand sich kein weicher Kern. Er mochte vielleicht seine sanften Momente habe, doch wirklich nett war er trotzdem nicht. Und dennoch würde er ihr fehlen. Severus Snape würde Hermine Granger fehlen. Sie würde es für sich behalten, mit sich tragen und nur in ihren Träumen leben.
Die Wirklichkeit holte Hermine ein, als die Uhr an der Wand zur vollen Stunde schlug. Sie griff nach ihrem Umhang und hastete aus den Privaten Räumen des ehemaligen Lehrers. Kein Blick zurück mehr, sonst würde sie es nicht können, den Schritt zurück in ihr Leben.
Ich weiss, wir beide wollen mehr,
wir schenkten uns’re Sehnsucht her
und ahnten beide doch,
es wird kein Glück für immer.
Die Wirklichkeit lässt keinen Raum
für einen wunderschönen Traum
und jetzt seh’ ich in deinen Augen
Tränen schimmern.
„Lebwohl... Hermine.“, flüsterte Snape ihr dunkel nach, so dass sie es nicht hören konnte.
Ein kurzer Blick nur, dann war sie schon aus seinen Räumlichkeiten und der Zauberer blieb alleine zurück. Sie war fort und würde nicht wieder kommen. Kurz schloss Severus die Augen. Er würde sich erinnern an das braun ihrer Augen, an ihre rosafarbenen und so wundervoll weichen Lippen, an ihre samtene Haut und der Mähne aus wirren, braunen Locken. Ihr Bild hatte sich in sein Gedächtnis gebrannt und es würde ihn daran erinnern, dass nicht alles aus seiner Vergangenheit schlecht war, wenn er in ein neues Leben trat.
Doch jetzt musste er noch eine Sache tun. Mit einer schnellen Bewegung war sein Umhang gegriffen und übergeworfen. Die Flasche mit dem Vielsaft-Trank war schnell gefunden und aus den Sesseln im Gemeinschaftsraum der Slytherins ein Haar gefunden. Kurz darauf war er ein stattlicher junger Mann mit kurzem braunem Haar, vermutlich im letzten Schuljahr. Seine Schritte führten aus den Kerkern hinaus, hinauf zum Ende und zum Beginn eines neuen Lebens.
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Auf den Gründen Hogwarts war bis eben alles still gewesen, doch dann war die Hölle wieder los gebrochen und alle drängten ins Innere des Schlosses. Der schwarzhaarige Zauberer schoss Flüche auf jeden Todesser den er ausmachen konnte, während seine Augen unbewusst immer wieder nach braunem wildem lockigem Haar Ausschau hielten. Weder Potter noch Voldemort nahm er wahr, als sie entdeckte. Sie kämpfte zusammen mit der jungen Weasley gegen Bellatrix. Severus sah den Kampfeswillen in ihren Augen und die Bereitschaft alles zu geben. Doch dann ging ein Fluch nur Haarscharf an ihr vorbei und er konnte nicht anders, er musste eingreifen. Der Zauberer bahnte sich den Weg durch die Menschenmassen, die noch immer gegeneinander kämpften. Ginny Weasley wurde durch einen Fluch, den sie nur halbherzig abwehrte nach hinten geschleudert und Hermine stand Bellatrix nun allein gegenüber. Die Todesserin lachte und das Blitzen in ihren Augen genügte Severus, er wusste was kommen würde. Bevor der Todes-Fluch die braunhaarige Frau traf hatte Snape sie zur Seite gerissen. Er rollte mit Hermine zur Seite, sah aus dem Augenwinkel noch, dass sich Molly Weasley nun Bellatrix vornahm.
Hermine sah den Fluch mit grünlichem Blitz auf sie zurasen. Sie wollte einen Schildzauber projizieren, auch wenn ihr klar war, dass es wohl nichts mehr nützen würde. Doch ihre Beine bewegten sich nicht, sie konnte nicht zur Seite ausweichen. Aber dann wurde sie um gerissen. Hart knallte sie auf den Boden auf, rollte herum und fixierte sich an dem paar schwarzer Augen. Diese Augen schienen ihr fremdartig vertraut und für eine Sekunde vergaß Hermine den Kampf, doch dann riss ein Schrei Voldemorts sie aus der Starre und sie rappelte sich von dem schwarzhaarigen Jungen hoch, welcher sie gerettet hatte. Ein dankender Blick und Hermines Augen waren auf Harry und Voldemort gerichtet, welche nun im Zentrum der Großen Halle standen und sich wie zwei Raubtiere umkreisten. Ihr Herz schlug schneller und obwohl sie sich um Harry sorgte und sich eigentlich fragen sollte wo Ron steckte, war da nur eine Person mit schwarzen Augen und ebenso schwarzen Haaren. Wo er jetzt wohl sein mochte? War er schon außer Landes appariert?
Die Hoffnung hat in dieser Nacht
Denk nicht mehr daran.
ein Feuer zwischen uns entfacht.
Es fing so schön an,
doch morgens
sind wir in der Wirklichkeit erwacht.
Severus beobachtete den Kampf von Potter und Voldemort, doch sah er immer wieder zu Hermine, die nur wenige Meter neben ihm stand. Es gab nichts mehr was ihn hier hielt. Der Junge würde Voldemort den letzten Schlag versetzen, er würde siegen, es war sicher, also konnte er verschwinden. Und als das Jubelgeschrei losbrach, nachdem der Dunkle Lord zu Boden gesunken war, da spürte Snape, dass der Vielsaft-Trank seine Wirkung langsam verlor. Ein letzter Blick zu Hermine. Ihre Gestalt in diesem Moment sollte ihm in Erinnerung bleiben.
So jung, so wunderschön und am Leben.
Langsam entfernte er sich und war schon beim Tor, als er einen letzten Blick zurückwarf. Er sah wie Hermine sich durch die Menge kämpfte, doch auf einmal verharrte sie und ließ sich von der Masse zurückdrängen. Dann drehte sie sich um und starrte direkt in Severus’ Augen. Die Rückverwandlung war abgeschlossen, doch niemand der Anwesenden schien es zu bemerken, niemand außer der jungen Gryffindor.
Sie wollte zu Harry, wollte ihm in die Arme fallen, wollte zu Ron. Es war vorbei. Der Krieg war vorbei, es war ausgestanden. Mit den Ellbogen versuchte sich die braunhaarige junge Frau einen Weg nach vorne zu bahnen. Da spürte sie einen Blick auf sich ruhen, einen eingehenden und durchdringenden Blick. Es war als würde sie jemand bremsen und sie blieb stehen, ließ sich von den Menschen zurückdrängen und suchte mit den Augen nach der Person, deren Blick sie auf sich spürte.
Und dann sah sie den jungen Mann, der sie vorhin gerettet hatte, sah, wie er sich in Snape verwandelte. Ihr Herz schlug freudig schneller und sie vergaß Harry und alle anderen, hatte den unbändigen Wunsch, zu ihm zu laufen. Doch das konnte sie nicht, durfte sie nicht. Sie waren hier im Jetzt und da gab es nichts, was sie beide verband. Sie hatten sich verabschiedet und abgeschlossen. Ein Lächeln bildete sich auf Hermines Lippen und sie hob die Hand an selbige, schickte ihm einen letzten Kuss zum Abschied zu. Nein, sie würde nicht zu ihm gehen, sie würde zu Ron und Harry laufen, die beiden umarmen und ein neues Kapitel in ihrem Leben aufschlagen.
Dank Severus.
Good bye, my love, vorbei, my love,
nur manchmal ins Geheim,
werden wir zwei in Gedanken beieinander sein.
Und in meinen Träumen ist ein Traum von dir dabei.
Lebewohl, my love, good bye.
Der hakennasige Zauberer hob die Hand und fing den Kuss mit einem Schmunzeln auf. Ihm war klar, dass dies der endgültige Abschied war. Sie würde sich ihren Freund zu wenden, den rothaarigen Weasley vermutlich heiraten und einen Stall Kinder in die Welt setzen. Hoffentlich vergeudete sie dabei nicht ihr ganzes Talent. Und doch gab es ihm ein gewisses Maß an Befriedigung, zu wissen, dass sie in ihren Träumen daran denken würde, an ihr gemeinsames Geheimnis.
Ein letzter Blick. Schwarz. Braun. Ein Schmunzeln in Andeutung eines Lächelns. Ein Lächeln so hell wie die Sonne.
Severus nickte ihr ein letztes Mal zu und wand sich ab, verschwand mit wehendem Umhang in den letzten Schatten des neubeginnenden Tages.
Hermine sah noch einige Momente auf die Stelle an dem Tor der Großen Halle. Ein letzter Seufzer, dann kämpfte sie sich ihren Weg zurück zu ihren Freunden.
Au revoir, my love.
good bye.
E N D E
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