
von anna molly
„Aufwachen! Hey du Schlafmütze, heute wird Party gemacht!!“ „Klar“, murmelte ich in meine Bettdecke hinein; „wenn ich ausgeschlafen bin vielleicht. Also dann, bis später.“ Ich drehte mich auf den Bauch, doch bevor ich mir die Decke über den Kopf ziehen konnte, wurde ich von mindestens zehntausend Kissen bombardiert. „HAPPY BIRTHDAY!“, rief Amira nun noch lauter und Nessa und Jenny fingen an ein Geburtstagslied zu singen. Sehr laut. Und sehr schief. Ich befreite mich aus dem Kissenberg und setzte mich im Bett auf. Am Fußende meines Bettes standen alle drei, aufgereiht wie die Orgelpfeifen, und brüllten soeben die letzte Strophe. „Vielleicht hättet ihr noch `n bisschen lauter singen sollen, ich bin mir nicht sicher, ob die anderen Griffindors euern Engelsgesang auch gehört haben.“, bemerkte ich grinsend. Amira lachte und schmiss sich mit voller Wucht auf mein Bett. „Also, heute Abend Party im Gemeinschaftsraum?“, fragte sie und duckte sich unter meine Decke, da Nessa gerade eine Konfetti-Schlacht anfing. „Klar, warum nicht?“, antworte ich, nahm schnell meinen Rosenholz-Stab vom Nachttisch und feuerte eine Salve Luftschlangen auf Jenny ab, die soeben versuchte sich klammheimlich aus dem Staub zu machen.
Aus den Augenwinkeln sah ich, dass Nessa nun zu härteren Maßnahmen gegriffen hatte. Eine Wasserbombe flog direkt auf mich zu. Ich rollte mich erschrocken zur Seite und landete eine Sekunde später auf dem Fußboden. Und die Wasserbombe landete auf mir. Natürlich verzaubert. Was sonst. Ich hörte Nessa laut lachen und Jenny eilig ins Bad laufen. Amira war natürlich trocken geblieben und lugte von meinem Bett aus auf mich herunter. „Naaa schon so alt, dass die Reflexe langsam nachlassen?“, stichelte sie. Ich streckte ihr die Zunge raus und setzte mich auf. Amira grinste noch mal und ging dann zu ihrem Schrank, um wie jedes Wochenende darin rumzuwühlen und die Klamotten, die infrage kämen, aufs Bett zu werfen. Ich schüttelte bloß den Kopf und ging duschen.
Als ich fertig angezogen aus dem Badezimmer kam, stand Amira - oh Wunder - auch schon angezogen und frühstücksfertig an der Tür. Als sie sah, dass ich meine Haare wie immer offen trug, zog sie eine Schnute und runzelte die Stirn. Ah ja, sie dachte schon wieder darüber nach, was für tolle Frisuren sie mir machen könnte. Ich ignorierte ihren Blick und machte die Tür auf. „Komm schon“, drängte ich, „ wir sind schon spät dran!“. Sie zuckte die Schultern und wir gingen los.
Am Griffindor-Tisch in der Großen Halle angekommen, setzen wir uns zu Nessa und Jenny, die schon fertig waren und sich zum Tisch der Hufflepuffs gedreht hatten. Nessa schmiss sich offensichtlich an Nick Tompson, den Sucher der Hufflepuff-Quidditchmannschaft, heran, was Jenny missbilligend verfolgte. Sie war die Griffindor-Hüterin. Sie war eigentlich sehr ruhig und still, beim Quidditch war sie jedoch nicht zu schlagen.
Ich nahm mir etwas Müsli und wollte gerade Milch in meine Schüssel gießen, als Amira meinen Arm festhielt. „Das würde ich lassen“, warnte sie und zeigte mit der freien Hand nach oben, „warte lieber bis die Eulen, die dir wie immer Berge von Geburtstagspost bringen, wieder weg sind!“ Stimmt. Nur ich hatte so viel Familie, die einen mit so einer Menge Post überschütten konnte. Und schon ging es los.
Ein paar große Eulen landeten so schwer auf dem Tisch, dass das Geschirr klirrte. Ich beeilte mich schnell die riesigen Päckchen abzunehmen, doch schon hörte ich den ersten Schrei. „AAAHH!“. Ich sah auf und entdeckte Pigwidgeon, die schon etwas ältere, aber immer noch sehr agile winzige Eule von Ron. Ich stand auf und beugte mich über den Tisch rüber, um Pig aus dem Müsli einer Viertklässlerin, Ladina Gibbard herauszufischen. „Sorry, Dina!“, sagte ich und lächelte sie entschuldigend an. Sie nickte nur und wischte sich Milch von ihrem T-Shirt. Ich setzte mich wieder, nahm Pig in meine linke Hand und föhnte ihn mitsamt Brief mit meinem Zauberstab trocken, was die kleine Eule sehr genoss.
Ein paar Sekunden später wühlte ich mich durch einen kleinen Berg von Paketen und Briefen. Von den meisten bekam ich Glückwunschkarten und -briefe und Süßigkeiten. Meine Großeltern schickten Torten und Geld, Mom und Dad schenkten mir ein silbernes Armband mit lauter kleinen Anhängern und hatten dem Brief ein Bild von sich, Dominique und Louis beigefügt. Nachdem Amira sich genug über das Armband („Oh, das ist echt schön“) gefreut hatte und ich ihr versicherte, dass meine kleinen Geschwister nicht immer so süß waren wie sie aussahen (sie war einfach noch nicht oft genug bei uns gewesen, um das zu erkennen), hingen wir beide noch etwas unseren Gedanken nach.
Amiras Gedanken drehten sich wohl - anders als bei mir- um die Schule, denn sie hatte sich inzwischen abgesetzt und unterhielt sich mit Lena MacGowan über die Arithmantik-Hausaufgaben.
Ich erhob mich und überlegte gerade mit welchem Zauber ich am besten meine ganzen Geschenke in den Gemeinschaftsraum kriegte, als ich plötzlich von hinten gepackt wurde. Dieser jemand - und ich war mir ziemlich sicher wer es war - drückte mich so heftig, dass mir die Luft wegblieb. „Alles Gute zum Sechzehnten.“
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