
von Lacrimosa
Rodolphus nahm die erste Tür die ihm im Blick war. Ein kurzes Anklopfen und der Zauberer öffnete die Tür einen Spalt, denn er wollte sicherlich nicht hereinplatzen wie ein Rhinozeros.
Er hatte Glück allem Anschein nach besaß jedes Untersuchungszimmer ein Vorzimmer mit einer eigenen Sekretärin, denn sogleich wurde er von einer strengeren älteren Dame mit schweren Brillengläsern und einer altmodischen Lockenfrisur fixiert.
„Guten Tag, Madam…“
„Schönen guten Tag der Herr. Wie kann ich Ihnen weiterhelfen?“ unterbrach ihn die Sekretärin in einem scharfen und missbilligenden Tonfall.
„Nun, ich such an meiner Frau vielleicht könnten Sie mir weiterhelfen, denn…“
„Nein, bedaure. Sie haben ohnehin hier nichts verloren, soweit ihre Frau sie nicht zu ihren Terminen mitnimmt.“ erwiderte die ältere Frau und fiel ihm ein weiteres Mal ins Wort.
Wie zuvor am Empfang entbrannte eine heikle Diskussion zwischen dem Todesser und der Sekretärin, doch Mr. Lestrange musste feststellen, dass sich die Alte nicht so leicht einschüchtern ließ, wie ihre Kollegin von vorhin. Das Ganze ging mittlerweile soweit und in einer Lautstärke, dass sich ein herannahender Pfleger verpflichtet fühlte, seiner Kollegin, die sich nun wie eine Kampfhenne vor dem groß gewachsenen Zauberer aufgebaut hatte, zur Hilfe zu eilen.
Die Szene, welche sich die ganze Zeit im Türrahme des Vorzimmers abspielte, wurde von einer Hexe, die mit verweinten Augen, ungläubigem Blick und Ansicht auf den Rücken des aufgebrachten Zauberers, beobachtet. Die Fassungslosigkeit der Frau wandelte sich doch schnell in Zorn. Die Beobachterin war sich sicher, dass der Unruhestifter sie nicht gesehen hatte, denn sonst würde er es nicht wagen einen solchen Aufstand vom Stapel zu brechen.
Rodolphus Lestrange indessen verspürte den innigen Drang diesem maulenden Waschweib und dem dreisten Helfer mit dem Cruciatus zu foltern. Doch wütend wendete er sich schließlich von den beiden Mitarbeitern des St.-Mungo ab und gerade als er über den Flur sah und schon die nächste Tür im Visier hatte, bemerkte er eine Frau. Sie war ihm anfangs in seiner Eile nicht aufgefallen, doch nun wünschte er hätte sie gesehen bevor er in das Vorzimmer gegangen war. Hinter sich hört Rodolphus noch die Zimmertür zuschlagen und gedämmte Stimmen, welche sich über seine Unverschämtheit echauffierten.
Es gab nicht viele Ereignisse oder Situationen die dem Reinblüter peinlich waren, doch unerwartet und zu seinem Ärger lief der sonst so kühle Todesser im Gesicht rot an.
Langsam bewegte er sich auf die Frau zu. Seine Frau. Bellatrix schaute ihren Mann immer noch mit einer Mischung aus Zorn und Unfassbarkeit an, unfähig sich zu entscheiden, wie sie reagieren sollte.
Mit einer unwirschen Handbewegung wischte sie noch die verblieben Feuchtigkeit der verräterischen Tränen von den Wangen, an der Rötung der Augen änderte dies jedoch nichts.
„Bellatrix“ presste Rod hervor und ging vor der sitzenden Ehefrau in die Hocke.
Keine Antwort kam von der Angesprochenen. Ihren Blick auf den Boden neben ihrem Ehemann gerichtet versuchte die Hexe ihr Gegenüber zu ignorieren.
„Bellatrix bitte.“
Immer noch keine Reaktion. Zaghaft wanderte die Hand des Todessers an die linke Wange seiner Frau. Schließlich umfasste er ihr Kinn und hob es sanft an. In dem Moment schloss Bellatrix die Augen und ihre Unterlippe zitterte.
Mit einem dicken Kloß im Hals und heiserer Stimme formte Rodolphus ein kaum hörbares „Bella, ich bitte dich.“
In Zeitlupengeschwindigkeit hob die Hexe ihre schweren Augenlider.
„Was machst du hier?“ fragte Bella.
„Ich… wollte. Ich dachte du würdest…naja du weißt schon.“
„Nein, weiß ich nicht. Also, was bei Luzifer veranlasst dich hier so einen Aufstand zu machen?“
„Was ist mit dem Kind?“
„Du beantwortest nicht meine Frage.“
„Du meine ja auch nicht.“
„Ich hab dich zuerst was gefragt, nicht wahr?“
„Könnten wir dann aufhören uns gegenseitig anzugiften, wenn ich dir jetzt eine Antwort gebe?“
„Vielleicht.“
„Vielleicht? Bellatrix, dass kann nicht so weitergehen mit uns beiden.“
„Uns?… Tsss…Was du nicht sagst.“
Seufzend entfernte Rodolphus seine Hand von dem Kinn der Todesserin. Er fühlte sich mit einem Mal unheimlich müde, erschöpft und zu seiner Schande musste er zugeben, dass ihn Hilflosigkeit umfing.
Mit einem weiteren Seufzer erhob er sich und nahm neben seiner Frau auf einem Sitz Platz. Den Kopf in den Nacken gelegt, fuhr er sich erschöpft mit beiden Händen über sein Gesicht.
„Ich dachte mir bereits in dem Moment als einer der Hauselfen mir erzählte, du seiest ins Krankenhaus, dass du dich gegen das Kind entschieden hast“ erklärte Rodolphus traurig.
Er machte eine kurze Pause, eher fort fuhr: „Wie es scheint komme ich wohl zu spät.“
Neben sich hörte der Zauberer ein kehliges Geräusch, ein kurzer Seitenblick versetzte ihm einen weiteren Stich im Herzen. Bellatrix hatte nun den Oberköper mit den Ellebogen auf den Knien abgestützt und versuchte verkrampft ihre Fassung zu behalten. Verräterische Flüssigkeit stieg der Hexe wieder in die Augen.
Rodolphus fühlte sich in der Annahme bestätigt, dass seine Frau an der Tatsache, ihr Kind getötet zu haben, zerbrechen würde. Dennoch saß er weiterhin völlig versteinert neben Bellatrix, die zitternd mittlerweile das Gesicht in den Händen vergraben hatte.
„Ich…“ weiterkam die Todesserin nicht, denn ihre Stimme bracht.
Mit enttäuschten Blick, mit welchem der Zauberer auf seiner Hände starrte, suchte er an Worten, mit denen er sich am besten mitteilen konnte, im Moment kam es dem Todesser nur so vor als habe er alles verloren, was ihm wichtig gewesen war. Sein Kind und seine Frau wie sie sonst gewesen war.
Traurig schloss er abermals die Augen, nach einer Weile öffnete er sie wieder und blickte wieder zu seiner Ehefrau, welche nun die Tränen auf ihren Wangen nicht schnell genug wegwischen konnte ohne dass sie von jemandem bemerkt worden wären.
Bellatrix wäre am liebsten vor Scham im Boden versunken. Ihr untypischer Gefühlsausbruch war ihr ungemein peinlich.
Plötzlich spürte sie die kräftigen Arme ihres Mannes um ihren Oberkörper, die sie in seine Nähe zogen. Eigentlich wollte die Hexe sich direkt wieder von ihm losreisen, doch Rod verhinderte es, indem er den Druck durch seine Arme verstärkte. Der Zauberer strich seiner Frau beruhigend über den Rücken und hauchte ihr einen Kuss auf die Stirn, froh darüber, dass sie ihn gewähren ließ.
„Ich… ich h-hab“ setzte sie an.
„Schh...Beruhige dich. Ich weiß“ mit tröstender Stimme versuchte Rodolphus seine Frau zu beruhigen und unterbrach sie im Satz, wobei er der Ansicht war, dass er nicht sehr überzeugen klang.
„N-Nein… du w-weißt nicht.“
„Doch ich weiß, Liebling. Du musst jetzt nichts erklären. Wir sollten erst einmal wieder zurück in unser Haus und dann…“
„Nein. Verflucht nochmal ich meine, ich hab es nicht getan, verdammt! Dreck, Bockmist, Trollscheiße! Ich!!! Das musst du dir mal vorstellen!!!!“
Rodolphus starrte Bellatrix an, wie ein Goldfisch, dem man Brausepulver ins Glas geschüttet hatte.
„Wie jetzt?“ fragte er ziemlich begriffsstutzig.
„Du hast mich ganz genau verstanden.“ antwortete Bella bereits wieder eine Spur biestiger.
„Du meinst, du bist immer noch schwanger?“ hackte Rodophus nochmals nach und konnte seine Freude, die in der Stimme mitschwang nicht verbergen, was sich als Fehler rausstellen sollte.
Gleich darauf sprang die Todesserin hoch, war wieder völlig die Alte.
„Rodolphus Lestrange, sind wir heute etwas begriffsstutzig? Ja, verdammt wie oft soll ich es denn noch sagen. Ja, ja… diese Billardkugel ist immer noch da drinnen. Ich weiß nicht warum, aber ich hab es einfach nicht durchziehen können. Kannst du dir das vorstellen? Ich, Bellatrix Lestrange geborene Black, die ich sonst vor Nichts kneife und Bedenken habe, muss mich von so etwas eines Besseren belehren lassen. “
Beinahe hysterisch zeigte sie auf ihren Bauch, machte aber zugleich wieder einen verzweifelten Gesichtsausdruck.
Rodolphus konnte nun nicht mehr an sich halten, aufgrund des Steines, der ihm soeben vom Herzen gefallen war. Zumal er es nicht in Erwägung gezogen hatte, dass genau das Gegenteil seiner Vermutung, Bellatrix so zu schaffen machen würde, es war wirklich zum Lachen, was er auch nun ausgiebig tat. Ein schon beinahe hysterisches Lachen erfüllte den Raum.
Bella indessen stieg die Zornesröte ins Gesicht, während ihr Mann aufstand sie wieder in die Arme nahm und ihr einen langen intensiven Kuss verpasste. Die Hexe versuchte sich noch gegen die Zuneigungen ihres Mannes zu wehren, doch dieser war körperlich absolut überlegen. Nach einiger Zeit ließ Rodolphus sie wieder los.
„DU SPINNST JA WOHL!“ keifte Bellatrix bockig, „Ich hab dir noch NICHT wieder VERZIEHEN.“
„Na und?“ erwiderte Rod belustigt.
„ICH GEHT JETZT!“ kam eine giftige Ansage von der Hexe.
„Schön, bis gleich“ antwortete ihr Mann mit einem Grinsen im Gesicht.
Wütend packte Bellatrix ihren Mantel und ihre Tasche in eine Hand und ging fuchsteufelswild die Treppe hinunter. Schmunzelnd schaute der Todesser ihr hinterher, er vermutete, dass Bella sich nun mit der Schwangerschaft abgefunden hatte. Natürlich würde sie es unter keinen Umständen zugeben, so war sie halt.
Ruhigen Schrittes folgte er seiner Frau.
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Ich hoffe das Kapitel hat euch gefallen. Bis zum nächsten Update.
lieben Gruß
Lady Black7 ;-)
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