
von *Amira*
I would never forget
Der Wald verschluckte ihn. Seine Silhouette wurde schwächer, verblasste hinter den Bäumen. Das Blätterdach war vom Mond leicht beschienen; sein silbriges Licht fiel durch die Äste und brach sich mit dem dunkelgrün des Waldbodens. Seine karamellfarbenen Augen glänzten, das hellbraune Haar war zerzaust. Fahrig hob er eine Hand und strich die Äste zur Seite, schlüpfte hindurch und stolperte über Wurzeln.
Sein Atem ging schneller, seine Füße liefen ihm davon. Er jagte durch den Wald. Keuchend umrandete er eine dicke Buche, mit schnellen Schritten jagte er durch den kleinen Bach. Seine nackten Füße empfanden die Kälte nicht mehr. Auch das Frösteln war verschwunden. Seine nackten Arme waren mit braunem Fell überwuchert. Seine Füße waren krallenartig geworden. Riesige Tatzen trommelten auf den Boden, das Moos federte seine Schritte. Er fiel nach vorne, das Trommeln wurde lauter. Seine Vorderbeine knickten weg, trotzdem jagte er weiter. Hinein in die Schwärze des Waldes.
Der Schatten der Nacht holte ihn ein. Um ihn herum, war Stille. Der Wald schwieg. Das Rasseln seines Atems wurde schwächer. Er trottete weiter. Alleine.
„Remus.“ Ein leiser Schrei durchdrang die Bäume. Er hörte stolpernde Schritte. Dann durchbrach jemand das Geäst. Eine kleine, schlanke Gestalt fiel zu Boden. Ihre roten Haare ergossen sich auf dem weichen Moos. Als sie den Blick hob, durchstachen ihre grünen Augen die Seinen. Er begann zu knurren; probierte gleichzeitig es zu unterdrücken. Erschrocken sah sie zu ihm. „Remus?“, fragte ihre zitternde Stimme erneut. Ein Grollen drang aus seiner Brust, das er nicht mehr aufhalten konnte. Seine Tatzen trommelten auf dem Waldboden, als er zu Rennen begann. Bloß weg, weg, weit weg… Doch seine Schritte lenkten ihn zurück.
Es war wie ein innerer Drang. Durch das Blätterdach sah er den Vollmond klar am Himmel stehen. Sie stand immer noch da. Ihre großen grünen Augen leuchteten. Das rote Haar spiegelte sich um seichten Flussbett. Wellen kräuselten die Oberfläche, als ein Wind aufkam. Das Spiegelbild brach.
Als er sich langsam durch die Blätter wagte, sah er ihren erschrockenen Ausdruck in den Augen. Er sträubte sich, knurrte sich drohend an; probierte es aufzuhalten. Mit bebenden Tatzen lief er weiter. Er war knapp vor ihr, sie starrte ihn an. „LAUF WEG!“, probierte er zu rufen.
Sie sah ihn nur traurig an. „Remus“, flüsterte sie wieder. Das Knurren erhob sich im stillen Wald. Vögel stoben zwitschernd aus den Bäumen. Seine Schritte wurden hastiger. Ihr Duft vernebelte ihm die Sinne.
Wieder erhob das Knurren. Doch plötzlich brach jemand aus dem Geäst. Zwei Gestalten. Ein riesiger Hirsch kämpfte sich mit dem Geweih einen Weg, der große schwarze Hund kam knurrend auf ihn zu, schnappte nach ihm und rollte wütend mit den Augen. Zitternd stand er da, beobachtete den Hirsch, der sie wegführte. Hinein in das Grün der Blätter. In Sicherheit. Vor ihm. Dem Monster.
In der Hütte war es still. Der Wind jagte um das Holz, fuhr durch die Ritzen und säuselte. Er kauerte auf dem Bett. Zitternd und fröstelnd lag er da. Die großen karamellfarbenen Augen gen Himmel gerichtet.
„Alles okay bei dir?“, fragte eine leise Stimme. Er hob den schweren Kopf. James stand an der Tür, hinter ihm Sirius und Peter. Hass stieg in ihm auf. „Ja“, knurrte er. James sah ihn mit hochgezogenen Brauen an. „Sicher?“, fragte er dann ein wenig lauter. Er nickte zitternd. James grinste. Ein selbstbewusstes Grinsen. Wie er es hasste. So angestarrt zu werden, als wäre er etwas Schreckliches.
‚Du bist ein Monster‘, sagte die Stimme in seinem Kopf und er zuckte zusammen. Sirius trat einen Schritt vor. „Du solltest in den Krankenflügel“, stellte er fest. Das bedeutete Ruhe. Ruhe vor James. Vor seinem selbstbewussten Grinsen. James, der Retter.
Zitternd stand er auf. Hastig krabbelte er den Gang entlang. Peter schlüpfte an ihm vorbei und kurz darauf trat er ins Freie.
Der Morgentau glitzerte auf dem verlassenen Rasen. Er warf einen Blick zum Wald. Grün leuchtend lag er da. Strahlte Unschuld aus. Keiner würde erahnen können, dass dort nachts ein Monster hauste. Schweren Schrittes folgte er den dreien zum Schloss. Madam Pomfrey wartete bereits. Er nahm, ohne sich zu Sträuben den Saft ein, legte sich nieder, schloss die Augen. Monster, Monster, Monster… , echote die Stimme in seinem Kopf.
„Hallo Remus“, sagte eine Stimme leise. Er schlug die Augen auf. Draußen schien die Nachmittagssonne. Das Fenster gegenüber war weit geöffnet, Sommerluft strömte hinein.
Als er den Kopf hob sah er sie. Sie saß zaghaft lächelnd auf einem Hocker. „Hallo“, sagte er mit einer heiseren Stimme. „Wie geht es dir?“, fragte sie leise flüsternd. „Gut“, log Remus. Lily hob eine Augenbraue. „Scheiße“, sagte Remus mit verzerrtem Gesicht. Lily schenkte ihm ein kurzes Grinsen. „Mir geht es auch gut“, sagte sie und durchbohrte ihn mit ihrem Blick. „Schön“, sagte er leise. „Ich mag Hirsche“, sagte sie dann und warf ihm einen kurzen Blick zu. Er knurrte leise. „Ich nicht“, sagte er dann grummelnd. „Wieso?“, fragte sie erstaunt. „Selbstsüchtige, arrogante Tiere“, antwortete er mit zusammengebissenen Zähnen. Sie sah ihn stirnrunzelnd an. „Er hat mir gestern das Leben gerettet“, sagte sie dann vorwurfsvoll. „Na und?“, raunzte er sie an und sie schreckte zurück. „Das macht ihn noch lange nicht zum Held“, sagte er dann und biss die Zähne zusammen. „Wenn du so über ihn denkst…“, sagte sie. „Allerdings“, raunzte er zurück. „Hör mal, du brauchst nicht in so einem Ton mit mir zu reden“, sagte sie zischend. „Entschuldige“, sagte er leise. „Es geht einfach nicht“, sagte sie dann leise seufzend. Er sah sie verletzt an. „Es tut mir Leid, Remus“, sagte sie, beugte sich nach vorne und drückte ihm einen sanften Kuss auf die Stirn. „Es geht einfach nicht“, murmelte sie, wandte sich um und lief aus dem Saal. „Nicht gehen“, sagte Remus leise, wiederholte es. „Nicht gehen“, sagte er schluchzend, doch die rothaarige Person kehrte nicht zurück. Wimmernd brach er auf dem Bett zusammen.
„Mr. Lupin“, sagte Madam Pomfrey erschrocken und eilte an sein Bett. „Wo haben sie Schmerzen?“, fragte sie fachmännisch und sah ihn stirnrunzelnd an. „Hier“, sagte er heiser und deutete auf seine Brust. „Die Rippen?“, fragte sie und eilte zu einem der Fläschchen. „Nein“, sagte er leise. Dann wisperte er: „Das Herz.“
Im Schloss war es kalt. Die Kamine brannten, der frische Duft nach Wald machte sich breit. Die große Halle war wie immer geschmückt.
„Remus“, rief James laut und Remus kam langsam die Treppe hinunter geschlurft. Vor dem Weihnachtsbaum im Gemeinschaftsraum stand er, einen Arm um sie gelegt und ein weihnachtliches Grinsen auf dem Gesicht. „Frohe Weihnachten“, sagte er glücklich und drückte ihm ein Päckchen in die Hand. „Danke“, sagte Remus müde und zog ein eigenes hervor, überreichte es James, der sogleich das Geschenkpapier zerriss. „Ein neuer Quidditchumhang! Wow, danke Remus! Ich bringe ihn gleich hoch“, sagte er schnell und raste die Treppe zum Schlafsaal nach oben.
Sie räusperte sich leise. Er sah auf. Ihre roten Haare waren zu einem Zopf geflochten, die großen grünen Augen funkelten. „Frohe Weihnachten“, sagte er krampfhaft lächelnd. Ihre grünen Augen verblassten leicht. „Frohe… Weihnachten“, sagte sie dann leise und gab ihm eine Karte. Er schlug sie auf. Ein Foto war darin. Sie standen beide am See. Lily lachte glücklich und gab Remus einen sanften Kuss auf die Lippen. Er strahlte glücklich in die Kamera. Darunter standen vier Wörter in ihrer engen Handschrift.
„I would never forget“…
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würde mich über eure Kommis freuen *lächel*
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