
von Sisilia D.S.
Ginny ließ ihn an dem Abend nicht eine Sekunde alleine. Sie gingen zusammen zum Essen, bei dem übrigens Draco nicht erschien, dann gemeinsam in die Bibliothek und schließlich wieder in den Gemeinschaftsraum, wo sie zuerst zusammen lernten und später, als die jüngeren Schüler alle schon zu Bett gegangen waren, vor dem Kamin auf dem Teppich lagen und sich mit ihren Küssen fast gegenseitig auffraßen - wie Ron immer wieder an diesem Abend lautstark bemerken musste.
Harry hatte das Vorkommnis mit Draco den ganzen Abend in den Hintergrund gedrängt, fast vergessen, bis zu dem Zeitpunkt, als er alleine in seinem Bett lag und hörte wie Ron neben ihm schon leise schnarchte.
Wieder dachte er an den Brief. An diese Worte, die sich ihm in sein Gedächtnis förmlich eingebrannt hatten.
Wie gern möchte ich deinen Atem auf meiner Haut fühlen,
nur einmal deine Liebe spüren
Hatte er das wirklich so gemeint wie es da stand? War es wirklich möglich, dass Draco Malfoy, der Draco Malfoy, sich in ihn, Harry Potter, dass ein Junge sich in einen andern Jungen verliebt hatte?
Wieder glaubte er Dracos Finger auf den seinen zu fühlen. Zu spüren, wie das Kribbeln ihn erneut erfasste und sich über seinen ganzen Körper ausbreitete, mit nur einem Ziel.
Seinen Bauch.
Wiederholt flatterten kleine leichte Schmetterlinge in seinem Bauch umher und mit einem Mal tauchten Bilder in seinem Kopf auf … Bilder die ihn erschreckten und auch gleichzeitig faszinierten. Er sah sich mit Draco, alleine, und dieser strich mit der Hand über seine Wange, streifte seine Lippen kam ihm immer näher. Zu seiner Überraschung schreckte ihn der Gedanke, dass dieser ihn küssen würde nicht, im Gegenteil. Er konnte es kaum erwarten, seine warmen Lippen auf den seinen zu spüren …
Verdammt was dachte er da nur. Er liebte Ginny, er stand auf Mädchen und nicht auf Jungs. Draco hatte ihn total durcheinander gebracht. Außerdem würde Lucius seinen Sohn vierteilen, wenn dieser davon erfahren würde.
Harry drehte sich um und vergrub seinen Kopf unter seinem Kissen. Er versuchte diese ganzen Gedanken zu verdrängen und zu schlafen, was ihm leichter gelang, als er zuerst befürchtet hatte.
Doch dann holten ihn seine Empfindungen, seine Gedanken im Traum heftig ein.
Wieder lag er mit Draco unter diesem Baum am See. Sie hielten sich erneut an den Händen. Doch diesmal, sprang Draco nicht auf und rannte weg, als er Harry geküsst hatte.
Im Gegenteil.
Harry spürte Dracos lange und zarte Finger über seine Hüfte gleiten, wie sie den Weg unter sein Hemd fanden und dort sanft, ja fast schüchtern über seine Haut glitten. Im Traum öffnete der junge Gryffindor die Lippen und stöhnte leise, was zum Glück keiner im Zimmer hörte, denn alle schliefen tief und fest.
Auch er selber hatte die Hände unter das Shirt des Slytherins geschoben und ließ die Finger über die seidenweiche Haut gleiten. Das Gefühl war unbeschreiblich schön und erregend. Harry träumte weiter, träumte wie sie sich wieder küssten, wie ihre Hände mutiger wurden und er mit einem Mal etwas spürte, was ihn für eine Sekunde irritierte und als ihm klar war, was es war, erschrak er so heftig, dass er keuchend aufwachte und gegen den dunkelroten Vorhangstoff seines Bettes starrte.
Immer noch hielt ihn das Gefühl des Traumes gefangen … das erregende Gefühl, dass Draco ihn geküsst, ihn berührt hatte und dass dieser ebenfalls, wie er auch, auf diese Berührungen reagiert hatte. Er glaubte immer noch zu fühlen, wie Draco seine Hüften gegen ihn gepresst hielt und seine Härte an ihn drückte.
Heftig schüttelte Harry den Kopf … welche verwirrende Träume. Es war alles nur ein dummer - pubertärer - Traum, sagt er sich immer wieder, auch wenn er die Auswirkungen davon immer noch deutlich in seinem Unterleib spürte und diese nicht daran dachten so einfach wieder zu verschwinden …
Mehrere Tage vergingen und je mehr Zeit verstrich, umso mehr verblasste in seinem Kopf, was an diesem Tag geschehen war.
Ginny und die Schularbeit, taten ihr übriges und so hatte er das Ganze sogar nach zwei Wochen aus seiner Erinnerung verbannt. Vielleicht auch deshalb, weil Draco ihm zeitgleich auch aus dem Weg ging.
Gerade hatten er und Ginny sich verabschiedet, da sie alte Runen hatte, ein Fach, das Harry nicht belegt und er deshalb eine Freistunde hatte. Er wollte nach oben gehen, um seinem Besen mal wieder eine richtige rundum Pflege zu verpassen, als plötzlich jemand nach seinem Arm griff und ihn so schnell in einen kleinen Seitengang zog, dass er keine Chance mehr gehabt hatte, reagieren können. Er hatte gerade nach seinen Zauberstab gegriffen und ihn gegen den vermeintlichen Angreifer gerichtet, als er Draco erkannte, der sofort seine Hände hob.
„Nicht“, keuchte dieser und blickte auf die Spitze des Stabes.
„Verdammt, Draco. Warum musst du mich so erschrecken“, brummte Harry, dem wirklich der Schreck in die Glieder gefahren war. Kaum jedoch hatte der Dunkelhaarige seinen Zauberstab in den Umhang zurück gesteckt, drückte sich Draco gegen ihn, schob ihn nach hinten gegen die Wand und presste seinen Lippen auf Harrys Mund.
Im ersten Moment drückte Harry den Slytherin von sich, der aber nicht so einfach aufgab und sich gegen Harrys Griff wehrte und ihn weiter küsste.
Diese Lippen, sie schmeckten wie süßer Honig und ehe Harry selber verstand, was er da tat, wurde aus dem Wegdrücken, ein Heranziehen.
Dracos Hand glitt in Harrys Nacken und langsam öffnete er den Mund ein Stück, um seine Zungespitze über Harrys bebenden Lippen gleiten zu lassen. Zögerlich gab dieser den Weg frei und kam schließlich der forschen Zunge seines Gegenübers schüchtern entgegen.
Doch der Kuss wurde immer fordernder, ihr Zungen schienen einen Kampf auszufechten, während sie sich immer wieder abdrängten, um kurz darauf den andern erneut zu locken, bis sich ihr Zungen aufs Neue, schlangengleich umschmeichelten.
Keiner von Beiden hätte wohl zu sagen vermocht, wie lange sie da gestanden und sich geküsst hatten. Doch auf einmal wurde Harry klar, was er hier tat und gab Draco einen heftigen Stoß, so, dass dieser, der damit nicht gerechnet hatte, nach hinten stolperte und heftig auf seinen Po knallte.
Im ersten Moment war Draco erschrocken und wütend, doch dann lächelte er wieder.
„Du küsst verdammt gut, weißt du das?“, sagte er dann. Dennoch lag nichts in seiner Stimme, was ironisch klang oder so, als wollte er Harry ärgern. Er schien es wirklich ehrlich zu meinen, und das irritierte diesen noch mehr.
„Wie viel Mut besitzt du? Traust du dich heute Nacht in den 3. Stock zu kommen, ganz hinten in das Klassenzimmer, das nicht mehr benutzt wird?“, fragt der Slytherin ihn nun neckend.
„Ausgerechnet mich fragst du nach Mut?“
„Halb zwölf … bin gespannt, ob du es wagst“, sagte Draco und sein Blick sagte mehr als tausend Worte. Harry erschauderte und glaubte die Spannung, die in dem Moment in der Luft lag, überdeutlich zu spüren. Langsam drückte sich Draco auf die Beine, Harry nicht aus den Augen lassend und machte ein paar Schritte vorwärts. Doch als er genau vor ihm stand, hielt er an.
„Es ist das eine - mutig zu sein und sich dem Tod zu stellen … doch es ist etwas anders, mutig zu sein und sich der Liebe zu stellen“, sagte er nun leise.
Noch bevor Harry die Chance hatte, das überhaupt zu verstehen, geschweige denn darauf zu antworten, war Draco schon wieder verschwunden.
In der ersten Sekunde, dachte Harry nur: ‚Nein ich werde niemals dort auftauchen. Soll er doch denken was er will.’ Er musste nicht beweißen, ob er Mut besaß oder nicht, denn das hatte er schon längst getan.
Auf dem Rückweg in den Gemeinschaftraum, sinnierte er darüber, wie dieser Malfoy Spross es überhaupt wagen konnte, ihm so eine Frage zu stellen. Gerade er, der am wenigsten Mut von ihnen bewiesen hatte.
Doch als er dann dabei war, den Besenstiel mit einem Pflegemittel einzureiben und zu polieren, fragte er sich schon, wie viel Mut es Draco wohl gekostet haben musste, das überhaupt zu ihm zu sagen.
Als er einen halbe Stunde später den Besen wieder weggepackt hatte und auf seinem Bett saß, beschloss er hinzugehen, aber nur um Draco zu erklären, dass er Ginny liebte und er ihn in Ruhe lassen sollte.
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