
von Mrs.Snape
"Wir werden umziehen." Das waren die Worte, mit denen ihre Eltern sie am Frühstückstisch begrüßt hatten. Es waren nur noch zwei Tage bis zum Beginn ihres siebten und letzten Zauberlehrjahres. Aber im Gegensatz zu anderen Jugendlichen in gleicher Situation war diese Nachricht für Rosalie kein Grund zur Trauer. Im Gegenteil: sie freute sich regelrecht darüber. Warum auch nicht? Sie hatte sich in dieser Großstadt noch nie richtig wohl gefühlt.
"Wo ziehen wir denn hin?" wollte sie wissen. Ihre Eltern sahen sich verwundert an. Sie hatten geahnt, dass es nicht viel an Überredung bedurfte, um ihre Tochter zu überzeugen. Aber mit dieser bedingungslosen Kapitulation hatten sie nicht gerechnet. Als sie sich wieder gefasst hatten, antwortete ihre Mutter :"Nach England. Genauer gesagt nach London."
Super. Schon wieder eine Großstadt. Aber we Rosalie gehört hatte, war es dort schöner als hier in Dublin. Mal sehen.
"Das Zaubereiministerium hat uns beiden dort gute Stellen angeboten. Da verdienen wir dann fast doppelt so viel wie jetzt. Du weißt ja, dass es mit unserer Anwaltskanzlei gerade nicht so gut läuft... Im Ministerium können wir als Juristen tätig sein und hätten ein geregeltes Einkommen. Natürlich wirst du dort auch zur Schule gehen. Und zwar nach Hogwarts. Du kennst doch Albus Dumbledore. Er ist der Schulleiter dort. Was hältst du davon, Rosie?" Ihr Vater sah sie hoffnungsvoll an.
"Ich finde, es ist einen Versuch wert.", sagte sie. Erleichtert und glücklich erklärten ihre Eltern Rosalie, wie sie sich den sehr baldigen Umzug vorstellten. Schon heute mussten alle Sachen gepackt werden...
Am nächsten Morgen war Rosalie so aufgeregt wie seit ihrem ersten Schultag nichtmehr. Eine neue Umgebung, neue Menschen... ein totaler Neuanfang eben. Natürlich hatte sie auch etwas Angst davor. Aber sie hoffte insgeheim, endlich richtige Freunde zu finden. Bis jetzt wurde sie nicht sonderlich beachtet oder nur wegen ihrer Gutgläubigkeit ausgenutzt. Das heißt nicht, dass sie dumm war. Im Gegenteil: sie war sogar ziemlich intelligent. Vor allem war sie letztes Jahr Klassenbeste in Zaubertränke gewesen, wofür sie von ihren Mitschülern häufig blöd angemacht worden war. Mittlerweile war sie jedoch schon relativ immun gegen solche Sticheleien. Das war wohl auch die Ursache dafür, dass sie anderen immer etwas Misstrauen entgegenbrachte. Aber wie könnte sie sich sonst vor erneuten Angriffen schützen?
Also versuchte sie häufig so zu tun, als ob ihr das alles nichts ausmachen würde und das war wohl die beste Strategie gegen Hänseleien.
"Bist du bereit zum großen Aufbruch?". Es war ihr Vater, der sie aus ihren Grübeleien gerissen hatte. "Ich denke schon... Wo bleibt Mum?". Mr. Parker lächelte und sagte:"Du weißt ja, wie sie ist.... sie braucht noch ein bisschen Zeit, um sich der Situation bewusst zu werden. Sie kommt gleich."
Ihr Vater behielt Recht. Nach etwa fünf Minuten kam Mrs. Parker mit geröteten Augen zu ihnen ins leergeräumte Wohnzimmer. Der Abschied vom langjährigen Heim war wohl doch nicht so leicht für sie gewesen.
Jeder von den dreien nahm zwei Koffer und so traten sie den Weg in ihr neues Leben an. Das Ministerium hatte im Park einige Straßen weiter einen Portschlüssel in Form eines alten Regenschirmes für sie platziert. Da es noch so früh war, war der Park menschenleer. Auf den Straßen war wenig Verkehr, sodass sie nach zehn Minuten Taxifahrt dort ankamen. Der Portschlüssel war an eine Parkbank gelehnt worden, damit die Parkers nicht lange im Gebüsch suchen mussten. Der Rest der Reise lief genau wie geplant ab, wie alles an diesem Tag.
Sie hatten Glück: ihre neue Wohnung lag ganz in der Nähe des Stadtzentrums. Sie war etwas größer als die alte und sehr gemütlich. Rosalie bedauerte es, schon am nächsten Tag wieder weg zu müssen.
Da ihre Eltern den Umzug schon länger geplant hatten, waren auch schon alle Möbel an ihrem Platz. Nachdem sie alles erkundet hatte, ging Rosalie in ihr neues Zimmer und räumte ihre Sachen ein. Hier war es also, ihr neues Zuhause.
Den Rest des Tages verbrachte sie zum einen mit dem Dekorieren ihres Reiches und zum anderen mit vielen Überlegungen...
Hatten ihre Eltern wirklich alle Bücher und Zauberutensilien für sie besorgt? Wie würde die neue Schule sein? Würde es schlimmer werden als vorher?
Nach dem Abendessen versuchte Rosalie zu schlafen. Natürlich gelang es ihr nicht. Sie schnappte sich ein Buch über die Geschichte der Zauberei und hoffte, vor lauter Fakten und Jahreszahlen müde zu werden.
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