
von Dr. S
Mit aller Kraft schlug Sirius die Tür hinter sich zu und suchte verzweifelt etwas, wo er gegen schlagen konnte. Allerdings konnte er sich nicht zwischen Schrank und Wand entscheiden und stampfte einfach wütend mit dem Fuß auf. Merlin, was war nur aus dem Orden geworden? Vor allem aus Harry… Cruciatus… Sirius schnaubte und ließ sich auf sein Bett fallen. Dafür kam man nach Askaban, ein unverzeihlicher Fluch, wortwörtlich. Harry wollte das doch nicht ernsthaft in Erwägung ziehen, oder? Was würde James nur dazu sagen? Als Pate hatte er wohl komplett versagt. Vielleicht sollte er sich Ratschläge bei Schniefelus holen. Der machte das immerhin schon länger und hatte… auch komplett versagt.
Na ja… Eigentlich nicht ganz. Das kleine Prinzesschen schien irgendwo doch ganz nett zu sein. Immerhin hatte er Fettklops Black die Treppe hochgetragen oder ihn schweben lassen… Davon zeugte der Zauberstab, der nicht mehr in seiner Hosentasche gesteckt hatte, sondern auf dem Schreibtisch lag. Damit hätte Malfoy sonstwas anrichten können. Er hätte Sirius foltern können, hatte es aber nicht getan.
Wenn Sirius sich nur etwas genauer daran erinnern könnte, was er mit dem Jungen geredet hatte… Es war alles etwas zu verschwommen…
Sich räuspernd ließ Sirius sich nach hinten fallen und starrte an die Decke. Er fühlte sich ein bisschen, wie ein Teenager, der verknallt war. Natürlich war er nicht verknallt und einen Malfoy würde er auch dann nicht anfassen, wenn der nicht abgeneigt wäre. Schwul war der ja nicht, oder?
Sirius fummelte sich etwas verträumt an der Unterlippe herum und hielt abrupt inne. Moment. Warum dachte er jetzt über so etwas Unpassendes nach? Er sollte sich damit auseinandersetzen, wie er Malfoy ausquetschen konnte, sonst bekam der wirklich noch den Cruciatus ab. Das würde Sirius schon nicht zulassen. Immerhin schuldete er dem Jungen etwas.
Das laszive Grinsen konnte Sirius sich nicht verkneifen. Für so einen schönen Traum musste man sich bedanken, auch wenn er es auf etwas anderes schieben würde. Als hätte er die weichen Fingerspitzen wirklich spüren können war das gewesen… Seufzend schloss Sirius die Augen, fuhr sich durch die langen Haare und merkte, dass seine Wange ungewöhnlich warm wurde, wenn er nur ansatzweise daran dachte, wie weich sich Dracos Lippen wohl auf seinen anfühlen würden…
Er ballte die Hand zur Faust und setzte sich ruckartig wieder auf. Nein, Sirius, nein. Er wollte darüber nachdenken, wie er Malfoy ausquetschen konnte und nicht wie es war, ihn zu küssen. Leider wollten seine Gedanken nicht zu einem anderen Thema schweifen, eher vertieften sie sich. Es war zwar nur ein Traum gewesen, aber das letzte Mal, dass er wegen einem Traum seine Bettwäsche hatte wechseln müssen, war gefühlte Jahrhunderte her.
Gut, gut… Solange Draco nicht wie Snape Legilimentiker war, konnte Sirius in seinem Kopf tun und lassen, was er wollte, wie er wollte und so oft er wollte.
Sich die plötzlich trockenen Lippen befeuchtend drehte Sirius den Kopf und betrachtete ein altes Foto von ihm und seinen Freunden. „So, Krone… All zu schmutzig wollen wir meine Gedanken ja nicht werden lassen, nicht? Wie soll ich also Malfoylein zum Reden bringen?“ Nachdenklich kratzte Sirius sich am Hinterkopf und stand auf um in seinem Zimmer herumzugehen. „Zum Schweigen bringen wäre einfacher… Ich könnte ihn nehmen… Nein, was du schon wieder denkst!“ Sirius kicherte vor sich hin. „Nein, nein… Ich nehm ihn, setz ihn auf den Stuhl und starre ihn böse an. Ungefähr so.“ Schwungvoll drehte Sirius sich um und verengte die Augen zu schmalen Schlitzen, während er sich selbst im Spiegel musterte. Probeweise hob er die rechte Augenbraue, reckte das Kinn und verschränkte die Arme vor der Brust. Perfekt.
Jetzt würde er Malfoy einen Besuch abstatten und Mad-Eye gleich mal beweisen, dass es nicht immer einen Auror brauchte, um kleine Jungs zum Reden zu bringen. Erst recht keinen, der solche Mittel einsetzen wollte. Machte Harry damit doch genau zu denjenigen, die der so hasste.
Sirius stockte, als er bemerkte, dass er sich die ganze Zeit die Haare richtete. Er sah doch gut aus! Was… bitte… Verwirrt schüttelte er den Kopf, brachte sein Haar extra durcheinander und marschierte aus seinem Zimmer.
Im ersten Stock angekommen räusperte er sich erst und klopfte dann an Dracos Zimmertür. Hm, eigentlich musste er ja gar nicht klopfen. Hatte er vorher auch nicht gemacht. Aber nachher zog der sich grad um, oder so. Sirius betrat das Zimmer, fand aber niemanden vor.
„Malfoy?“ Der machte sein Bett! Sirius stellte das etwas perplex fest. Oder Kreacher fühlte sich für den irgendwie verantwortlich. „Komm raus. Wir müssen reden.“ Sirius öffnete die Badezimmertür, da war aber leider auch keiner drin.
Dem Verdacht folgend, Malfoy hätte Hunger bekommen, bewegte Sirius seinen Hintern in die Küche und fand da wiederum Kreacher vor, der wiedermal sein übliches Zeug vor sich hinmurmelte.
„Ey, Kreacher“, sprach Sirius ihn an. Der Hauself hielt in der Bewegung inne und schaute über die Schulter. „Hast du Malfoy gesehen?“
„Master Sirius sucht den jungen Mr. Malfoy?“ Kreacher machte große Augen.
„Antworte doch einfach“, murmelte Sirius und wunderte sich kurz darüber, dass Harry nicht mehr da war, wo er doch versprochen hatte, heute zum Abendessen zu bleiben. Mad-Eye hatte sich wohl schon verabschiedet…
„Kreacher weiß es nicht, aber Kreacher hat einen bösen Verdacht!“ Tatsächlich tapste der Elf auf ihn zu und packte Sirius am Hosensaum, bis der ihn abschüttelte.
„Mir doch egal…“, winkte Sirius ab und machte sich wieder davon. Am Ende hatte Kreacher seinen Whiskey gefunden und wurde paranoid! Oder eher noch paranoider, als er ohnehin schon war.
„Schnäbelchen?“ Vorsichtig lugte Sirius um die Ecke in Seidenschnabels Kämmerchen. Der Hippogreif hob den Kopf und wartete wohl auf sowas wie Futter, aber er hatte heute schon genug bekommen. „Hast du was Blondes hier vorbeischleichen sehen?“, fragte er, lehnte sich seitlich gegen den Türrahmen und streckte die Hand aus, damit Seidenschnabel dagegen stupsen konnte. „Nicht?“ Sirius streichelte über den weichen Kopf und seufzte. „Mann, den sollte man einschließen, damit er sich am Ende nicht unter Schniefelus‘ Umhang versteckt und raus schleicht…“, schnaubte Sirius, streichelte Seidenschnabel noch eine Weile und machte sich dann weiter auf die Suche nach der verschollenen Prinzessin.
„Malfoy?!“ Nach einer guten halben Stunde und drei Stockwerken später ging es Sirius aber auf den Geist zu suchen. Das war, als würde er seinen Zauberstab vermissen und ihn dann hinter seinem Ohr finden. „Das nervt! Komm raus! Wir spielen wann anders verstecken…“
Einen Moment horchte er auf eine Antwort, aber da konnte er wohl ewig warten. Natürlich würde der auch nicht freiwillig in Sirius‘ Arme laufen. Egal, was ihn da erwartete.
Sich noch einmal im Flur umschauend schob Sirius schließlich die Tür zum Dachboden auf. Man konnte ja nie wissen, wo jemand, der bei Schniefelus schnüffeln gelernt hatte, rumschlich. Die Stufen knarrten unter Sirius‘ Füßen, als er die schmale Holztreppe hochstieg, die aufs Dach führte. Eine Tür lag noch vor ihm und als er die öffnete, verschlug es ihm die Sprache. Ohnehin hätte man ihn bei dem markerschütternden Schrei nicht gehört.
Malfoy lag am Boden, krümmte sich verzweifelt, direkt vor ihm Mad-Eye mit dem ausgestreckten Zauberstab und daneben Harry, der Malfoy nicht aus den Augen ließ.
„Ich weiß es nicht!“, schrie Draco heiser. Schweiß verklebte ihm die Stirn und machte das weißblonde Haar strähnig.
„Lügner! Pack aus!“, schnauzte Harry, schaute doch einen Moment weg, als Moody erneut den Cruciatus sprach, aber sein Mitleid mit Malfoy schien sich in Grenzen zu halten. Der schrie aus Leibeskräften, krallte sich zwischen den Holzdielen fest und scherte sich kaum darum das Gesicht in den Staub zu drücken.
„Du…“ Draco keuchte schwer, hob den Kopf und funkelte Harry wütend an. „Du kannst mich mal, Potter.“
„Cru…“
„Harry, nein!“ Sirius erwachte aus seiner Starre und sprang richtig vor Draco. „Was bei Merlin treibt ihr hier?!“
„Arbeiten!“, blaffte Harry sichtlich ungehalten. „Du kriegst das ja nicht hin!“
Sirius biss sich fest auf die Unterlippe und deutete auf die Tür. „Raus“, zischte er. „Sofort! Ich habe euch klar und deutlich gesagt, das ihr sowas nicht in meinem Haus macht!“
„Wie gesagt, dann bringen wir…“
„Raus, verdammt! Das ist unter meinem Niveau!“, schnauzte Sirius sauer. „Wenn dein Vater das sehen würde, Harry…“ Enttäuscht schüttelte er den Kopf.
Harry verzog die Mundwinkel, sagte aber nichts. Verächtlich betrachtete er Malfoy, der versuchte sich aufzurichten, aber immer wieder keuchend auf den Boden sackte.
„Du solltest dich selbst reden hören, Sirius“, schnaubte Harry und drehte sich auf den Absätzen um. Die Tür knallte er Mad-Eye vor der Nase zu, dessen normales Auge genervt rollte, als er Sirius einen letzten Blick schenkte.
„Wenn du doch noch Hilfe brauchst…“
„Ich kann das. Danke“, knurrte Sirius und drehte sich zu Malfoy um, der sich mit beiden Händen auf dem Boden abstützte. Schweißtropfen trafen auf die aufgewühlte Staubschicht, während Draco starr auf den Boden schaute. Sirius hockte sich neben ihn. Sofort schaute Draco wütend hoch, zumindest wollte er wohl wütend aussehen, aber die Schmerzen ließen sich kaum verbergen. Jetzt erkannte Sirius auch, dass es nicht nur Schweiß gewesen war, der da auf den Boden fiel. Tränen standen in den grauen Augen. Sirius schluckte bei diesem Anblick und drückte Draco ohne zu zögern an sich. Eine Hand legte er auf dessen Hinterkopf und hörte das erstaunte Aufkeuchen nur dumpf.
„Ist alles gut. Ich bin hier…“, raunte er, presste den warmen Körper so dicht wie möglich an sich und schmiegte die Wange gegen Dracos.
„Fass mich nicht an!“ Mit einer Kraft, die er dem am ganzen Körper zitternden Jungen nicht mehr zu getraut hätte, stieß Draco ihn weg. „So einen laschen Cruciatus übersteh ich auch ohne deine Fürsorge, Black! Ihr solltet das öfter üben.“ Sich die Tränen wegwischend setzte Draco sich aufrecht hin und versuchte etwas Abstand zu Sirius aufzubauen, der schwer schluckte bei dem kalten Blick. Mit aller Kraft versuchte Draco den Schein zu bewahren, es ginge ihm phantastisch.
„Ich wollte…“
„Mich ausfragen! Ich hab’s gehört! Mach ruhig!“ Draco tippte sich an den Kopf. „Ich weiß nichts! Da ist nichts drin, das euch helfen könnte. Kapiert es endlich und bringt mich nach Askaban. Alles ist besser als dieses verfluchte Haus!“
„Du weißt nicht, was du sagst…“, hauchte Sirius, rappelte sich hoch und behielt Draco im Blickfeld.
„Ist mir egal! Lass mich in Ruhe mit deinen Schauermärchen aus Askaban! Geh doch und starr deine Fotos an!“, schnauzte Draco und hickste, bevor er sich eine Hand auf den Mund presste. „Ihr wollt die Guten sein? Ihr seid nur peinlich… Alle miteinander.“
Sirius befeuchtete sich die Lippen und atmete tief durch. „Das wär nicht passiert, wenn ich dagewesen wäre. Glaub mir.“ Er streckte die Hand aus. „Komm. Wir machen dir was zu essen.“
Draco schlug seine Hand weg, hatte aber nicht viel Kraft um Sirius wehzutun. „Steck dir dein Essen in den Arsch. Magst es doch von hinten“, fauchte er, presste die Lippen dann fest aufeinander und schaute zur Seite, wo er einen uralten Karton fixierte.
Sirius schluckte die Wut über so eine Aussage herunter und zog Draco am Arm hoch. „Ich ess so ungern allein“, murmelte er, versuchte Dracos Blick einzufangen, scheiterte aber kläglich. „Malfoy, lass…“
„Draco.“ Prompt wurde der Jüngere rot, wie Sirius‘ Lieblingsboxershorts.
Sirius musste sich anstrengen Draco auf den Beinen zu halten. Wie lange hatten Harry und Mad-Eye das bitte gemacht? „Äh…“
„Gestern warst du schon bei meinem Vornamen“, murmelte Draco und schüttelte über sich selbst den Kopf.
Abrupt ließ Sirius Dracos Arm los, packte aber schnell wieder zu, als der Junge gefährlich schwankte. „Wenn ich da irgendwas gesagt hab, das dir unangenehm war, dann…“
„Du…“ Fragend schaute Draco ihn an und presste sich dann eine Hand vor die Stirn. „…kannst dich nicht mehr erinnern?“
Fast entschuldigend zuckte Sirius mit den Schultern und lächelte dann. „Hast du Lust mein Gedächtnis aufzufrischen?“ Draco schaute ihn nicht an. „Beim Essen?“ Immer noch nicht. „Wir finden sicher ein anderes Gesprächsthema als wo sich Lucius versteckt. Zur Not bietet sich da immer noch das Wetter an.“ Merlin, was redete er hier? Er wollte doch rauskriegen, wo Lucius war! Aber Malfoy sah so fertig aus und jetzt zuckten seine Mundwinkel leicht. Sirius deutete mit dem Kinn auf die Tür, als Draco ihn endlich mal anschaute. Vielleicht wusste er ja wirklich nichts… oder er würde reden, wenn er ein bisschen Vertrauen gefasst hatte.
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