
von Minimuffin
Entschuldigt bitte! Ich hab euch sau lange warten lassen ...
Das Kapitel hat mich ein paar Nerven gekostet, hab versucht, mir extra viel MĂĽhe zu geben. Ich weiĂź aber nicht, ob es geklappt hat. Ich hoffe es aber!
HEL Muffi
***
Der Morgen hatte so normal begonnen, doch jetzt war es … anders als sonst. Als Harry aus dem Fahrstuhl stieg und den Gang zu den Büros der Auroren betrat, bemerkte er es gleich. Irgendetwas war anders. Denn noch nie hatte hier so viel Chaos geherrscht.
Was auch komisch war: Niemand bemerkte ihn. Oder wollte ihn bemerken. Sonst wurde er oft von allen Seiten gegrüßt … Doch jetzt nicht.
„Was ist los?“, rief er. Doch keiner antwortete ihm. Er erblickte in dem Gewusel einen Rotschopf, der ihm sehr bekannt vorkam, und stoppte ihn.
„Ron!“, rief er. „Was ist los?“
„Da bist du ja, Harry!“, stöhnte er hektisch. Die ersten in der näheren Umgebung blieben stehen und lauschten. Bis schließlich alle Harry entdeckt hatten und stehen blieben. „Mann, wir haben ein ernsthaftes Problem! Oder besser gesagt zwei! Oder mehr!“
„Sprich Klartext, Ron!“
„Kingsley ist nicht aus Askaban zurückgekehrt sowie seine Leibgarde, bestehend aus den Auroren Hollow und Recess! Und alle Todesser, die wir erst eingeliefert haben, sind ausgebrochen! Und ein paar Dementoren sind verschwunden!“
Es herrschte Totenstille, als Harry der Atem stockte. Das bedeutete … Ihr Minister war verschwunden? Und zwei Auroren? Und viele Gefangene? Und … Dementoren?
„Habt … Seit wann wisst ihr das?“
„Seit eben … Noch gar nicht so lange, eine halbe Stunde vielleicht …“
„Und – und ihr habt noch niemanden nach Askaban geschickt, um zu sehen, ob Kingsley da ist? Oder … woher wisst ihr das mit den Gefangenen?“
„Daher“, grummelte Ron und reichte Harry ein Stück Papier.
Hat Spaß gemacht. War aber viel zu einfach, hätte mehr von dir erwartet, Harryspatz.
Sehen uns bestimmt ALLE mal wieder!
Theo
PS: Dementoren sind nette Haustiere …
„Das hat uns eine Eule gebracht. Vor einer halben Stunde etwa.“ Harry starrte sprachlos auf das Blatt Papier. Was das bedeutete, wenn …
… wenn die Öffentlichkeit davon erfuhr.
„Sorgt dafür, dass das nicht aus dem Ministerium dringt!“, schnauzte Harry die umstehenden Auroren an. „Am besten, wenn so wenig wie möglich Büros davon erfahren! Leitet sofort eine Suche nach den Flüchtlingen und den Dementoren ein! Ich gehe jetzt nach Askaban und schaue mir das Ganze vor Ort an! Ron, Sam, ihr begleitet mich! Snigelus, Sie passen hier bitte auf und übernehmen das Kommando!“ Ron und Stevens traten an seine Seite und sie gingen raschen Schrittes aus dem Ministerium. Gekonnt ignorierten sie die fragenden Blicke, die ihnen nachstarrten, als sie an ihnen vorbeihuschten und nur abwinkten, wenn jemand etwas fragen wollte.
„Apparieren?“, fragte Ron unsinnigerweise im Atrium.
„Was denn sonst?“, entgegnete Harry und ergriff seine beiden Gefährten am Arm und disapparierte mit ihnen.
Harry erstarrte, als er das riesige steinerne Gebäude vor sich erblickte. Alles war still, bis auf das Meer, das hinter ihnen rauschte.
Denn sie sahen etwas, das sie nicht erwartet hätten. Nämlich –
Nichts.
Es gab nicht einmal den kleinsten Hinweis auf einen Ausbruch, auf einen Angriff …
„Seid ihr sicher, dass der Brief keine Fälschung war?“, fragte Harry mit leiser Stimme.
„Vollkommen“, antwortete Stevens tonlos. Sie blieben noch einen Moment lang stehen, dann setzten sie sich in Bewegung und betraten langsam die lange Treppe, die außen am Gebäude entlangführte.
„In welchen Stock müssen wir?“
„In den dreizehnten.“
„Na toll.“
Schweigend stiegen sie nebeneinander die Treppen hinauf, wieso nur waren die Decken so hoch? Sie sollten sich wirklich mal was einfallen lassen, am besten eine Art Aufzug …
Jeder machte sich auf alles bereit, sie hatten keine Ahnung, was sie vorfinden wĂĽrden. Vollkommene VerwĂĽstung? War dies nur eine Falle gewesen und die Todesser wĂĽrden dort oben auf sie lauern? Und was war mit Kingsley geschehen?
Dann – endlich – hatten sie das richtige Stockwerk erreicht. Gespannt holten sie noch einmal tief Luft, holten ihre Zauberstäbe hervor, und traten dann um die Ecke.
Doch da war nichts. Nur die Zellen, alle leer. Nicht einmal ein Dementor lieĂź sich blicken.
„Meine Fresse“, murmelte Ron. „Ich hatte alles erwartet – nur nicht das.“ Harry öffnete seinen Mund, wie um etwas zu erwidern, doch er schüttelte dann nur den Kopf und trat langsam in den Gang, die Augen wachsam überallhin gerichtet.
„Harry?“, ertönte ein schwaches Stimmchen, gleich rechts von ihnen. Sie fuhren herum.
Es war ihr Minister, Kingsley, Merlin sei Dank, er lebte!
Doch sein Anblick … er war einfach nur erschreckend.
Er lag dort halb, lehnte halb an der Wand. Er war schrecklich blass und man sah, dass die Seile, die ihn fesselten, ihm in die Haut schnitten.
„Oh Merlin – Kingsley!“ Harry stürzte zu seinem Vorgesetzten und befreite ihn. „Wie geht’s dir?“
„Jetzt besser“, stöhnte der Minister und rieb seine Handgelenke. Harry half ihm auf.
„Wo sind Hollow und Recess, Kingsley?“
„Die sind … Oh nein!“ Kingsleys Augen wurden groß, dann sprang er auch schon aus der Zelle und lief den Gang hinab, Harry dicht auf seinen Fersen.
„Sag mal, war ihm nicht eben noch das Blut abgeschnitten?“, murmelte Ron kopfschüttelnd.
„Lass uns einfach mal hinterher“, sagte Stevens nur und sie schritten – im Vergleich gemächlich – weiter in das Gebäude hinein. Sie sahen, wie in der letzten Zelle Harry und Kingsley aufgeregt sich über etwas beugten. Ein Knäuel? Aus schwarzem Stoff?
Dann griff Kingsley in das Knäuel, umfasste ein paar Hände und zog. Das Knäuel hatte aus Hollow und Recess bestanden. Sie sahen Kingsley erschreckend ähnlich. Von der Blässe her. Und von den leichten Schnitten an Handgelenken und anderen Stellen.
„Geht’s?“, fragte Kingsley seine beiden Auroren.
„Ja“, murmelten die beiden nur zur Antwort und rieben sich an ein paar Stellen die Haut, um sie besser zu durchbluten.
„Was ist passiert?“, fragte Harry endlich und blickte die beiden anderen Auroren und Kingsley erwartungsvoll an.
„Ach“, murmelte der Minister, „wir waren anscheinend zu unvorsichtig. Ich bin erst zu Theodor Nott hinein gegangen, irgendjemand hat weiter hinten geschrien und unsere beiden Kollegen hier wollten nachsehen. Ich kann mir nicht erklären, wie sie es geschafft haben – aber die Dementoren haben keinerlei Wirkung gezeigt.“
„Sie waren bei vollständigem … Bewusstsein?!“
„Ja. Ich kann’s mir einfach nicht erklären …“
Sprachlos starrten sie sich an. Was war bloß schief gelaufen? Wie hatten sie anscheinend einen Plan schmieden können? Hatten die Dementoren versagt? Aber wie hätte das geschehen sollen?
„Was … bedeutet das?“, flüsterte Stevens. Zum ersten Mal konnte man bei ihm einen leisen Hauch von Angst heraushören. Er starrte Harry an – und der schien etwas zu verstehen, was kein anderer verstand.
„Ich glaube“, begann er bedächtig, „dass das auf jeden Fall nichts Gutes bedeutet. Ich – es ist schrecklich. Es ist irgendetwas passiert, was … was die Todesser „abgeschirmt“ haben muss, was ihnen gezeigt haben muss, dass es Hoffnung gibt … Anders hätten sie den Dementoren nicht widerstehen können.“
„Du meinst also“, sagte Ron langsam, „dass was passiert ist, das uns wieder in Angst und Schrecken versetzen wird?“
„Ja.“
„Meinst du – es wird eine neue Zeit anbrechen? Wie letztes Mal?“
Harry atmete tief durch.
„Ich weiß es nicht, Ron … Aber ich vermute. Und ich vermute ja, es kann gut sein, dass eine neue Zeit anbrechen wird. Denn was anderes hätte so toll sein können?“
„Doch, Kingsley, sei vernünftig!“
„Harry, zum letzten Mal – mir geht es gut!“ Harry schüttelte nur den Kopf. Kingsley war wirklich stur. Er wollte sich einfach nicht kurz untersuchen lassen, obwohl er doch zugab, kurz das Bewusstsein verloren zu haben in der Anwesenheit der Todesser …
„Na schön“, schnaufte er dann. „Aber es ist dann dein Problem, wenn du Beschwerden hast!“
„Sehe ich auch so.“
„Wir sollten vielleicht langsam mal ins Ministerium zurückkehren“, sagte Stevens schnell, um die beiden Streithähne abzulenken.
„Jaah. Stimmt.“ Harry und Kingsley warfen sich noch kurz böse Blicke zu, dann drehten sie sich am Fuße der langen Treppe und verschwanden mit den Auroren.
„Ich verschwinde“, murmelte Kingsley im Atrium. Er brauchte sich nur kurz umzusehen, um zu wissen, dass alle Bescheid wussten und nur auf ihn gewartet hatten.
„Ich dachte, dass sollen so wenige wie möglich erfahren“, murmelte Harry wütend.
„Ähm, Harry“, quiekte Ron plötzlich mit etwas höherer Stimme. „Ich … das … also … als du noch nicht da warst …“
Harrys Augen wurden kleiner, als er verstand. „Jaah?“
„Da … also, da haben wir schon ein bisschen … Alarm geschlagen …“
„Ein bisschen“, hustete Stevens unterdrückt neben ihm. Er hörte sofort auf, als er Rons Blick sah.
Harry jedoch stand nur da, starrte konzentriert in die Luft und kniff die Lippen zusammen.
„Harry?“, fragte Ron vorsichtig. „Was ist los?“
„Ich denke nach. Ich überlege, wie man … die Panik klein halten kann. Denn der Tagesprophet weiß davon schon, oder?“
„Ähm – ja.“ Plötzlich sah Ron sehr nervös aus.
„Seht mal!“, rief Stevens plötzlich und zeigte über sie in die Luft. Eine Eule flog auf sie zu …
„Wie ist die denn hier hereingekommen?“, rief Harry erschrocken und streckte seinen Arm aus, damit sie landen konnte. Stevens zeigte auf den Besuchereingang, von dem sich gerade ein Zauberer des Ministeriums entfernte. Die Kabine bewegte sich gerade wieder in Richtung Erdoberfläche.
Harry senkte seinen Blick wieder auf die Eule neben ihm. Sie trug einen Brief an ihrem Bein, der an ihn adressiert war. Neugierig nahm er ihn ab und drehte ihn um. Das Siegel Hogwarts’ verschloss ihn.
„Aus Hogwarts“, murmelte Harry überrascht und brach das Wachs. Dann faltete er den Brief sorgfältig auseinander und begann zu lesen.
„Ich bring die Eule wieder hinaus“, meinte Stevens und ging mit dem Kauz zum Besuchereingang.
„Jaja“, sagte Harry nur abwesend, seine Augen huschten über das wenig beschriebene Papier.
Sehr geehrter Mr Potter,
Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass ihr Sohn, Mr James Sirius Potter, erneut durch Fehlverhalten aufgefallen ist. Ich bitte Sie, mich unverzüglich in meinem Büro aufzusuchen, um die Angelegenheit mit ihrem Sohn und mir zu klären.
Mit freundlichen GrĂĽĂźen
Minerva McGonagall
Schulleiterin Hogwarts
„Und?“, fragte Ron neugierig und versuchte, auf das Blatt zu spähen.
„James hat irgendetwas angestellt“, seufzte Harry und steckte den Brief in seinen Umhang. „Ich muss los, das klären. Kannst du das hier …?“
„Klar. Sam wird mich schon noch unterstützen.“
„Ja, das macht er ja zu gerne.“ Ron lachte nur.
„Dann geh jetzt auch! Besser du als Ginny!“
„Stimmt“, grinste Harry leicht und drehte sich auf der Stelle, um zu apparieren.
Hogsmead sah toll aus im Anfang des Herbstes. Wenn ab und an schon das erste verfärbte Blatt an den Bäumen und Büschen hervorblitzte und wenn der Wind wehte und die Gerüche zum tanzen brachte.
Er sah noch kurz zu den drei Besen hinüber. Er wollte nicht dran denken, an die Situation, als er das letzte Mal an genau dieser Stelle hier apparriert hatte …
Er drehte sich um und ging auf das Schloss zu. Der Kies knirschte unter seinen Schuhen, als er durch das große Tor auf das Schlossgelände schritt.
„Hallo, Hagrid!“, rief er, als sein großer Freund um seine Hütte herumtrat.
„Harry!“, antwortete Hagrid strahlend und kam näher. „Wie geht’s?“
„Ganz gut, danke“, log er und versuchte ein Grinsen.
„Stimmt was nicht mit Ron und Hermine? Mit Ginny, Lily, Hugo?“
„Nein, nein, mit denen ist alles in Ordnung. Es ist nur … Ach, ich hab gerade einen Brief von Minerva bekommen, James soll schon wieder was angestellt haben“, log Harry weiter.
„Oh. Jaah. Das hat er“, murmelte Hagrid in seinen Bart.
„Ist – ist es schlimm?“
„Naja. Kommt drauf an, wie man’s sieht.“
„Klingt schon besser als im Brief“, sagte Harry erleichterter und setzte sich dann wieder in Bewegung. „Ich sollte wohl besser hinauf. Bis später!“
„Jaah. Man sieht sich!“
Die Sonne stand schon an ihrem höchsten Punkt, als Harry einen kurzen Blick gen Himmel warf. Das große Schlossportal stand weit offen, um die angenehme Luft hineinzulassen und kein Schüler begegnete Harry im Schloss. Klar, es war Unterrichtszeit.
Wie sehr hatte er Hogwarts doch vermisst. Er war zwar letztes Jahr wegen James das letzte Mal hier gewesen, doch Hogwarts war etwas ganz Besonderes fĂĽr ihn. Sein wahres zu Hause.
Auf den Gängen begegnete er aber hin und wieder einem Geist, unter anderem auch Nick, er grüßte sie, ging aber rasch weiter. Er verdrängte den Gedanken an sein neues, großes Problem und malte sich aus, was James hatte anstellen können. Er dachte an explodierende Toilettenschüsseln und Feuer spuckende Waschbecken, als er vor dem Wasserspeier zum stehen kam.
Er wusste das Passwort nicht.
„Okay“, sagte Harry und holte tief Luft. Hatte etwas im Brief gestanden? Er holte ihn erneut raus und las ihn Wort für Wort. Aber da war nichts.
„Okay“, sagte er erneut. „Lässt du mich so ein?“
Der Wasserspeier rĂĽhrte sich nicht.
„Wäre auch zu schön gewesen. Mh … wie wäre es mit … James? Potter? Fehltritt? Nein? Angelegenheit? Schulleiter? Harry? Fehlverhalten?“ Er ging den Brief Wort für Wort durch, las dem Wasserspeier jedes einzelne Wörtchen vor, doch er regte sich noch immer nicht. „Oh, schön!“, rief Harry leicht genervt. „Hintern versohlen? Strafarbeit? Umbridge? Sätze schreiben? Punktabzug? – Ach, komm schon! Lass mich durch!“
Ah, war es nur Einbildung, oder zogen sich die Mundwinkel der Statue wirklich weiter nach oben, als ob er Harry hämisch angrinsen würde?
„James! Sirius! Potter! Rumtreiber!“
Der Wasserspeier sprang zur Seite.
„Oh, toll“, murmelte Harry. „Was Besseres hätte sie sich auch nicht ausdenken können.“ Er stieg die Stufen hinauf und war eher oben als das Ende der Treppe. Als dies schließlich ankam, hatte er schon geklopft und war eingetreten.
Ah, ja. McGonagalls BĂĽro.
Harry wusste nicht wieso, aber er erwartete immer noch das ihres Vorgängers hier. Es sah so anders aus. Gemütliche, weinrote Knautschsessel standen vor dem Kamin, ein kleiner, dunkler Holztisch davor. Bücherregale türmten sich an den Wänden, doch sie hatte keinerlei Geräte wie ein Spickoskop hier stehen. Die Dinger hatten sie so derart genervt, dass sie sie weggeschlossen hatte.
„Guten Tag, Minerva“, grüßte Harry, lächelte leicht und trat näher. Eine Gestalt, ein Junge, ca. dreizehn Jahre alt, saß mit dem Rücken zu ihm auf einem Stuhl. Er zuckte leicht zusammen, als er Harrys Stimme vernahm.
McGonagall bedeutete Harry, sich neben James zu setzen und schwungvoll lieĂź Harry sich nieder. Er spĂĽrte den betretenen Blick seines Sohnes auf sich ruhen und versuchte einen tadelnden in seine Richtung, der jedoch grĂĽndlich misslang.
„Ich hoffe doch, ich habe Sie nicht gestört, Harry“, begann McGonagall.
„Nein, ganz und gar nicht. Ich bin sogar recht froh über ein klein wenig Ablenkung.“ Harry sah aus den Augenwinkeln, wie ein kleines Lächeln über James’ Züge huschte. Ginny hätte bei weitem nicht so reagiert. Zwar hatte sie selber genügend angestellt, doch bei ihren Kindern war sie streng. Er hatte nichts anderes von dem Jungen erwartet, blieb jedoch mit seiner Aufmerksamkeit bei der Professorin.
„Also, was hat James angestellt?“
„Er hat“, sagte McGonagall ernst und lehnte sich leicht vor. Sie atmete tief durch. „Ihr Sohn hat Peeves in eine Mädchentoilette im ersten Stock gelockt.“ Sie machte eine kurze Pause und Harry stockte der Atem. Sie konnte nichts anderes als das Klo der Maulenden Myrte meinen. Und dort war ein Eingang, den als letzter James finden sollte …. „Dort hat er mithilfe seiner Freunde und Myrte Peeves in eine Starre versetzt und … und ihm ein hässliches, rosanes Rüschenkleid gezwängt und geschminkt. Dann hat er ihn in die Eingangshalle befördert und dort mithilfe der anderen Schüler Tatoos mit diesem Stift hier gegeben.“ Sie hielt Harry einen Edding entgegen. Harry nahm in neugierig entgegen und lachte leise auf, als er ihn erkannte.
So ganz böse konnte er James nicht sein. Es war eine gute Idee gewesen und auch Peeves musste mal was einstecken. Nur sollte er sich jetzt etwas vor dem Poltergeist in Acht nehmen.
Wie konnte er seinem Sohn auch böse sein? Er war doch auch stolz auf seinen Vater gewesen und der hatte nichts anderes getan.
Harry räusperte sich und versteckte seine Belustigung.
„Das war natürlich nicht in Ordnung von dir, James“, versuchte er seinen Sohn zu tadeln. Es misslang ihm - mal wieder. James grinste nur.
„Ja, Dad.“
„Du wirst dich vor keiner Strafe drücken.“
„Nein, Dad.“
„Und du machst das nicht noch einmal.“
„Dad!“ James sah ihn entrüstet an. Als ob er einen Streich zweimal spielen würde.
„Ich meine ja nur“, grinste Harry und lehnte sich zurück.
„Nun, Mr Potter“, wandte sich McGonagall James zu. „Ich denke, es wäre angemessen, wenn Sie zweimal Hagrid aushelfen würden. Er hat schon die ein oder andere Arbeit für sie vorgesehen.“
„Okay“, meinte James.
„Dann können Sie jetzt gehen.“
„Ja, Professor.“
„Wartest du unten noch kurz?“, rief Harry ihm hinterher, als James schon an der Tür stand.
„Klar.“ Erst als die Tür sich schloss und sie sich sicher sein konnten, dass James schon außer Hörweite war, begann McGonagall mit eindringlicher Stimme zu sprechen.
„Was ist geschehen, Harry?“ Harry seufzte und schloss die Augen. Ihr konnte er nichts mehr vormachen.
„Wie viel wissen Sie bereits?“
„Nicht viel. Ich weiß nur, dass Kingsley Shacklebolt vermisst wird und zwei Ihrer Auroren.“
„Sie wurden bereits gefunden und ihnen scheint nichts passiert zu sein.“
„Merlin sei Dank“, stöhnte die Professorin erleichtert auf. „Aber was ist noch geschehen?“
„Ein paar Dementoren sind aus Askaban verschwunden“, sagte Harry mit immer noch geschlossenen Augen. „Und es gab einen erschreckenden Massenausbruch. Ich schätze etwa zwanzig Gefangene.“
„Oh mein …“, murmelte sie und starrte mir leeren Augen in die Luft hinter ihm. „Und keine Spur?“
„Nein. Nur ein Brief von einem der Todesser. Er dürfte Ihnen bekannt sein – Theodor Nott. Er war in meinem Jahrgang, aber in Slytherin.“
„Ja, ich kenne ihn noch … was hat er geschrieben?“
„Nur, dass sie ausgebrochen sind und Dementoren mitgenommen haben. Keinen Hinweis, nichts. Aber so blöd hätte ich sie auch nicht eingeschätzt.“
„Natürlich, natürlich …“, murmelte die Professorin und dann schwiegen sie, jeder seinen eigenen Gedanken nachhängend. Harry öffnete seine Augen wieder und betrachtete die Porträts an den Wänden. Ohne Ausnahme sah jeder Schulleiter besorgt und nachdenklich drein, dann blieb sein Blick an dem Porträt hinter McGonagall hängen.
„Haben Sie eine Ahnung? Oder auch nur eine Vermutung?“, fragte Harry seinen ehemaligen Schulleiter.
„Eine Vermutung, ja. Aber viel mehr leider nicht, Harry“, antwortete Dumbledore nachdenklich,
„Und – wollen Sie sie auch äußern?“
„Nun“, begann Dumbledore und rückte ein wenig zurecht. „Ich denke, dass die entflohenen Todesser an einen Ort zurückgekehrt sind, der eine große Bedeutung für sie hat. Mit dem sie ihre Freude in Verbindung bringen.“
„Moment mal“, sagte Harry und richtete sich auf. „Woher wissen Sie, dass die Todesser sich über etwas gefreut haben müssen?“
„Auch ich habe noch in Erinnerung, wie Sirius damals entkommen konnte, Harry. Es war recht einfach, eins und eins zusammenzuzählen. Ich habe nichts anderes getan als du.“
„Ah, ja.“ Harry schwieg kurz. „Aber wo sind die Todesser jetzt ihrer Vermutung nach?“
„Das weiß ich nicht. Dazu sollten wir dann doch wohl ihren Grund kennen, um nähere Vermutungen anstellen zu können.“
„Ja“, murmelte Harry und dachte angestrengt nach. Was, zur Hölle, war so erfreulich? Oder besser: Was war so schlecht, dass es Todesser erfreute?
„Müssen Sie nicht langsam in ihr Büro zurückkehren?“, riss ihn McGonagall nach einigen Minuten aus seinen Gedanken. „Und ihr Sohn wartet noch auf Sie, Harry.“
„Oh, jaah … Natürlich …“ Harry stand auf und reichte der Schulleiterin die Hand. „Ich schätze, wir sehen uns bald wieder.“
„Das glaube ich auch“, erwiderte sie mit düsterer Miene. „Ich glaube, wir sollten bald zusehen, den restlichen Orden wieder auf die Beine zu bekommen, wenn wir keine Entwarnung geben können.“
„Der Auffassung bin ich leider auch. Auf Wiedersehen, Minerva.“
„Auf Wiedersehen, Harry.“
Diesmal ließ er sich von der Treppe hinunterfahren. Er wusste nicht, ob er nicht vielleicht gestolpert wäre, so tief in Gedanken versunken war er.
„Dad?“, hörte er James’ Stimme und drängte seinen Grüblereien in den Hintergrund.
„Ah, James. Ich war gerade nur in Gedanken.“
„Ist was passiert?“, fragte sein Sohn besorgt.
„Nein, nein, wie sollte auch?“, log Harry erneut. „Es ist schon alles in Ordnung soweit – soweit deine Mutter nichts erfährt.“
„Oh, ja“, murrte James und verzog das Gesicht. „Mum.“
„Aber hast du das wirklich getan?“
„Ja, klar. Denkst du, Gonagall denkt sich so was aus?“
„Nein. Nein, natürlich nicht.“
„Stolz?“, grinste James breit und zog eine Augenbraue empor. Harry sah ihn nur an und das war ihm Antwort genug.
„Ah. Toll.“
„Aber denk bloß nicht, dass das eine Freikarte ist, James!“, setzte Harry rasch nach. „Du solltest dich vor Peeves ein wenig in Acht nehmen.“
„Weiß ich, Dad. Ist doch klar.“
„Ja, sag das aber auch Ter, Lee und Paul. Sie wissen das vielleicht nicht so.“
„Ach, Dad! Er hatte es verdient!“
„So? Was hat er denn gemacht? – Oder nein, sag es mir lieber nicht. Ich will es gar nicht wissen.“ Sie lachten.
„Aber James“, sagte Harry dann und senkte die Stimme. „Denk dran – ich hab immer noch die Karte und kann sehen, was du tust. Ich will in nächstes Zeit keine Beschwerden mehr über dich hören!“
„Bis wann?“, fragte James ehrlich entsetzt.
„Sagen wir, bis zu den Herbstferien vorläufig.“
„Bis wann?!“
„Du hast mich schon richtig verstanden, Jamsie!“, lachte Harry.
„Nenn mich nicht so!“
„Wie auch immer“, grinste Harry und wandte sich zum gehen. „Ich hab noch eine Menge zu tun und du hast auch noch Unterricht. Also beeil dich!“
„Ist doch nur Geschichte“, murrte James.
„Und trotzdem wirst du drin geprüft.“
„He! Du hattest auch eine schlechte Note in deinen ZAGs in dem Fach!“
„Ein Grund mehr, warum du keine bekommen solltest.“
„Oh, Dad!“
„Wir sehen uns, James“, grinste Harry weiter und setzte sich in Bewegung. „Und denk an die Karte!“
„Jaja!“, stöhnte James und ging in die andere Richtung.
„Ach, hat sich das Klassenzimmer verlegt?“
„DAD!“
Lachend ging Harry durch das Schloss, und wieder hinaus. Er sah, dass eine Klasse im Gewächshaus drei war und sah Neville wild gestikulieren. Er hatte wirklich den perfekten Job bekommen.
Wieder knirschte der Kies unter seinen Schuhen und seine Gedanken kehrten zurĂĽck. Was bloĂź war so toll, so grausam, so schrecklich? Er dachte in alle Richtungen, doch ihm fiel rein gar nichts ein.
SchlieĂźlich trat er durch das Tor und befand sich nun in der Zone, in der man apparieren konnte. Vielleicht haben sie im BĂĽro schon was herausgefunden, dachte Harry hoffnungsvoll und drehte sich auf der Stelle. Mit einem leisen Knall und einer leichten Staubwolke verschwand er, sein geliebtes Hogwarts hinter sich zurĂĽcklassend.
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