Schattenschein - Haltung
von reewa
Sie hatten sich so fest vorgenommen zu feiern. Jetzt, da das Kleeblatt wieder im Alltag beisammen hockte, wollten sie endlich James‘ Geburtstag nachträglich begießen. Peter war von seinem Praktikum zurück, Remus hatte Lucy erklärt, er werde den Samstag im Schloss bleiben. (Nein, sie war nicht eingeladen, das war so ein Jungs-Ding, das war nichts für Mädchen, auch Sirius‘ neue Flamme Amanda Finnfield würde nicht da sein, nein, auch keine anderen Mädchen. Ja, da war er sich sicher. Nein, sie würden nicht über ihre Freundinnen herziehen. Ja, möglicherweise würden sie zu viel trinken. Nein, er würde am Sonntag nicht zum Frühstück nach Hogsmeade kommen. Vielleicht zum Tee. Ja, vielleicht, aber vielleicht auch nicht.)
Die 3 Freunde hatten jede Menge Butterbier und vier Flaschen Feuerwhisky organisiert, ein Trikot der englischen Quidditchnationalmannschaft besorgt und mit dem rückseitigen Aufdruck: ‚James Potter – Kapitän‘ versehen. Wenn das kein gutes Geschenk war!
Aber dann hatte James am Freitagmorgen diese Eule von seiner Mutter bekommen: Sein Vater war in der Nacht gestorben. Einfach so. „Das Herz“, hatte Mrs Potter geschrieben und James hatte schnell eine Tasche gepackt und war per Portschlüssel nach Hause gereist – im Gepäck nur das Nötigste und in Begleitung seines besten Freundes. Bis nach der Beerdigung.
Als sie 6 Tage später zurückkamen, lag so viel Trauer auf ihnen, dass James zum ersten Mal seit seiner Ernennung zum Kapitän ein Quidditch-Training ausfallen ließ. Und niemand versuchte, es ihm auszureden.
Am nächsten Tag stand dann wie aus dem Nichts plötzlich Lily Evans vor ihm in der großen Halle und am Abend saßen die Zwei nebeneinander auf einem der plüschigen Sofas im Gemeinschaftsraum und sie redete leise auf ihn ein. Seine Freunde sahen ihn manchmal nicken oder den Kopf schütteln und einmal wischte er sich mit dem Ärmel über die Augen.
Am Freitag sah man sie zusammen auf dem Gelände spazieren gehen, und am Samstagabend standen sie eng beieinander unter der riesigen Zeder, obwohl es erschreckend kalt geworden war, als ob der Frühling beschlossen hätte, sich in Anbetracht des großen Kummers wieder pietätvoll zurückzuziehen. Und wer genau hinschaute, konnte erkennen, dass die zwei Jugendlichen sich an den Händen hielten.
Am Sonntag trennte sich Sirius von Amanda Finnfield, weil sie ihm „mit ihrem Mitleidskuhblick auf den Sack ging“. Am Montag kam James erst nach Mitternacht vom Schulsprechermeeting zurück und am Dienstagmorgen lächelte er beim Frühstück. Am Samstag kam der Frühling mit aller Macht und brachte herrliche 17°C und am Sonntag war Vollmond.
Remus hatte ernstlich erwogen, auf den Wolfsbann zu verzichten. Er würde James und Sirius sicher gut tun, ihren Animagi freien Lauf zu lassen. Aber als Lucy ihm mit leuchtenden Augen erklärte, sie habe noch ein wenig an der Rezeptur gefeilt und jetzt sei der Wirkstoff noch besser als vorher – (Wobei sich Remus fragte, was da noch besser werden könnte, schließlich hatte er gewirkt) – da brachte er es nicht übers Herz, sie zu enttäuschen und sagte ihr nicht ab.
Und wer konnte schon mit Gewissheit sagen, ob sich in Hirschgestalt die Nacht ums Geweih zu schlagen, wirklich das war, was sich James derzeit wünschte? Denn es war offensichtlich: Lily Evans hatte ihn erhört.
***
Remus klopfte pünklich um 16 Uhr an die Haustür. Wider Erwarten war es nicht Lucy, die diese öffnete. Der Apotheker selbst stand in seiner imposanten Gestalt im Türrahmen und ließ den Gast eintreten. „Noch Zeit für eine Tasse Tee?“
Wie immer vor dem Ereignis, das sein Leben bestimmte, stand Remus nicht der Sinn danach, Nahrung zu sich zu nehmen. Ihm war schlecht und sein Körper schien schon jetzt nicht mehr ganz ihm zu gehören. Das äußerte sich durch eine Unbeholfenheit und Zerstreutheit, die ihn immernoch wütend auf sich selbst machen konnte, obwohl er wusste, dass er dagegen machtlos war. Aber es war unhöflich, eine Tasse Tee abzulehnen, zumal, wenn sie ihm vom Vater seiner Freundin angeboten wurde.
So sagte er: „Ja, gerne“ und ließ sich von Mr Stubbs in die Küche führen, wo eine dampfende Teekanne bereits auf dem Esstisch wartete. Lucy und ihre Mutter saßen an eben diesem Tisch und Lucy erhob sich bei Remus‘ Anblick, hauchte ihm kurz einen Kuss auf die Wange und setzte ihn neben sich. Der Tee war heiß und aromatisch, stellte Remus nach einem Schluck fest und schien ihm entgegen seiner Befürchtung gut zu tun.
„Ich hoffe, du weißt, was dieser Durchbruch für uns alle bedeuten kann?“, begann der Hausherr, der statt einer Teetasse ein halbvolles Glas Elfenwein vor sich stehen hatte. Neben ihm lag ein Stapel Papiere. Remus nickte verhalten. „Ein paar Feinheiten, dann die Transformation in einen Trank – und wir können diesen Haufen Formulare ausfüllen.“ Mr Stubbs schlug mit der flachen Hand auf den Stapel Dokumente.
„Der Antrag auf Zulassung als wirksamer Heiltrank durch das Ministerium“, erläuterte Lucy strahlend. „Der würde nicht nur dir helfen.“
„Ja, es gibt bestimmt viele wie mich, aber ich kenne keinen anderen, der so ist.“
Mr Stubbs lachte sein dröhnendes Lachen. „Meine Tochter dachte da wohl eher an unser Geschäft. Wenn wir den Trank auf den Markt bringen könnten, wäre das das Ende unserer finanziellen Misere.“ Er trank einen Schluck, bevor er fortfuhr: „Dann können wir es dem Bobbins-Clan einmal so richtig heimzahlen. Also, wir haben darüber nachgedacht, wie es weitergehen soll, und was ich dir heute anbieten will, ist eine Beschäftigung in unserem Unternehmen, falls du nach deinem Abschluss noch keine anderen Pläne hast.“
Remus schüttelte eindringlich den Kopf.
„Du wärst zuständig für Teile der Herstellung zusammen mit mir und meiner Frau. Ebenso wirst du lernen, wo und wie wir unseren Einkauf von Rohstoffen abwickeln und bei der Entwicklung von Vertriebswegen hilfreich sein. Bist du interessiert?“
„Ja, Sir, sehr, ich hatte nicht damit gerechnet, dass Sie ...“
„Gut“, fiel ihm der Hausherr ins Wort. „Dann schwöre, dass du niemals und unter keinen Umständen einem Außenstehenden – seien es diese verfluchten Bobbins, sei es, wer auch immer sonst – die Rezeptur des Wolfsbanntranks verraten wirst.“
„Aber Daddy, er kennt das Rezept doch gar nicht“, entrüstete sich Lucy.
„Vielleicht jetzt noch nicht, aber ich bin lieber vorsichtig. Bist du bereit zu schwören?“
„Damit wir uns richtig verstehen: Mein Mann meint natürlich einen unbrechbaren Schwur.“
Es waren die ersten Worte, die Mrs Stubbs sagte und sie fixierte Remus dabei so fest, als wolle sie direkt in seine Seele schauen.
„Ein unbrechbarer Schwur?“ Lucys Blick fuhr zwischen ihren Eltern hin und her. „Das ist doch nicht nötig. Es reicht doch, wenn er einen Vertrag unterschreibt, dass er nichts nach außen gibt.“
„Ach, und bei Vertragsverletzungen haftet er mit seinem ganzen Vermögen?“ Mr Stubbs schnaubte verächtlich. „Nichts für ungut, Junge, aber hier geht es um mehr als dein aufgespartes Taschengeld.“
„Remus wird nicht schwören. Jedenfalls nicht heute. Im Übrigen müssen wir jetzt sowieso los.“ Lucy war aufgestanden und zog ihren Freund von seinem Stuhl.
„Wenn er nicht hier und jetzt schwört, wird er heute allein und ohne das Serum in sein Refugium gehen“, sagte Mrs Stubbs bestimmt und erhob sich ebenfalls.
„Sie müssen mir nicht drohen.“ Remus fühlte sich erschöpft. „Schon gut, Lucy, es ist in Ordnung.“
Er räusperte sich. „Ich schwöre feierlich, dass ich nichts über die Zusammensetzung des von der Familie Stubbs entwickelten Wolfsbanns weder in schriftlicher noch in mündlicher Form verlautbaren werde. Zufrieden?“ Er sah in die Runde.
Plötzlich musste er lachen. „Aber wollen Sie wirklich, dass ich den Schwur mit Blut besiegle?“
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