
von aliena
Was wäre wenn...
8 ...Eulen das Schicksal beeinflussen könnten
Hermine blätterte lustlos eine Seite vom Buch um, welches sie gegen einen Milchkrug gelehnt hatte. Es war das erste Mal seit sehr langer Zeit, dass sie sich auf die Ferien freute.
Nur noch diesen einen Tag, nur noch diesen einen Tag..., sie wiederholte diesen Satz immer wieder, wie ein Gebet.
Ein Eulenschrei holte sie aus ihren Gedanken. Hermine blickte auf und sah unglaublich viele Eulen. Sie kramte ihr Geld aus der Tasche- welches sie jetzt immer an einer bestimmten Stelle hatte- und wartete dann auf ihre Zeitung. Zur ihrer großen Überraschung landeten zwei Eulen vor ihr: Eine, wie gewohnt, mit einer Zeitung und die andere mit einem Brief. Zu erst befreite Hermine beide Tiere von ihren Lasten. Während die Briefeule sofort wegflog, wartete die andere noch auf ihr Geld.
Hermine nahm den Brief in die Hand und schaute nach, an wen er adressiert war.
´Mein Name´, dachte sie und stellte gleichzeitig fest, dass ihr die Schrift bekannt vor kam. Sie öffnete ihn und begann zu lesen:
Hallo meine Süße,
es freut uns natürlich, dass du so in deine Studien vertieft bist, aber wir würden uns dennoch über ein Paar Zeilen von die freuen. (Dein Vater hatte schon Angst, dass dir etwas zugestoßen ist.) Wir wünschen dir schöne Ferien und hoffen, dass du uns demnächst Mal schreibst.
Viele Grüße und Küsschen
Mom & Dad
Hermine schlug sich die Hand vor die Stirn. Sie hatte vergessen ihren Eltern zu schreiben. Und der Brief war, vom Text her, erstaunlich gefasst, aber den Brief hatte auch ihre Mutter geschrieben, ihr Vater war in solchen Sachen immer temperamentvoller. Sie steckte den Brief weg und nahm sich vor heute Nacht etwas an ihre Eltern zu schreiben. Dann stand sie auf- nachdem sie dem Tier Geld gegeben hatte- und machte sich auf den Weg zum Unterricht. Als erstes hatte sie Verteidigung gegen die dunklen Künste, dann Geschichte der Zauberei, Verwandlung, Zaubertränke und zum Schluss noch alte Runen; natürlich gab jeder Lehrer Hausaufgaben über die Ferien auf.
Als Hermine völlig erschöpft von ihrer letzten Stunde zum Abendessen kam, wartete Luna schon auf sie. Sie hatte eben Pflege magischer Geschöpfe gehabt und schien überhaupt nicht müde. Sie hatte ein grinsen auf den Lippen und Hermine kannte nur eine Situation, wo Luna so war.
„Ja, wir können zusammen nach Hogsmead gehen“, begrüßte sie Luna genervt. Sie war der einzige Mensch, den Hermine kannte, der sich bei jedem Ausflug, genau so freute, als wenn es der erste wäre.
„Das wollte ich dich eigentlich nicht fragen“, erwiderte Luna.
„Nicht?!“, Hermine war irritiert.
„Nein, ich wollte fragen, ob es okay ist, dass ich Morgen mit Ginny hingehe?“
Hermine spürte einen Kloß in ihrem Hals, schluckte ihn aber runter. „Klar, kein Problem! Mach das...dann habe ich etwas Zeit für mich...“
„Gut. Wir sehen uns“, Luna wollte davon hüpfen.
„Wo willst du jetzt hin?“
„Zu Ginny.“ Und weg war sie.
Hermine stand ratlos in der Eingangshalle. Irgendwie, war ihr eben der Hunger vergangen.
Am nächsten Morgen blieb Hermine sehr lange in ihrem Bett liegen. Es war ungewohnt für sie, aber sie mochte es.
Die meisten Schüler waren schon früh aufgestanden, um den Zug nach Hause zu nehmen und deswegen war es ruhig.
Sie genoss es nur von Stille umgeben zu sein und von ihrem Bett aus auf die verschneiten Ländereien zu blicken. Die einzigen Geräusche, die ein mal kurz zu ihr durchdrangen, waren die Stimmen der Schüler, die ins Dorf wollten.
Sie würde auch gleich aufstehen und ein heißes Bad nehmen, den Anfang der Ferien genießen.
Als Hermine im heißen Wasser war, überlegte sie schon mal, wie sie den Tag heute gestallten würde.
Sie könnte die Hausaufgaben beginnen zu machen, aber irgendwie sprach dieser Gedanke sie nicht wirklich an...noch nicht.
Ein Buch lesen wollte sie auch nicht.
Das einzige, was sie machen könnte, wäre einen Brief an ihre Eltern zu schreiben.
Also stieg sie aus dem Becken und trocknete sich ab. Den Brief würde sie in der Eulerei schreiben.
Dick eingepackt, in ihre Mantel machte sie sich auf den Weg.
Hermine hatte keine Ahnung, was sie schreiben sollte. Erst wollte sie die Wahrheit schreiben, dass sie es einfach vergessen hatte, einen Brief zu schicken, doch dann fand sie es doch besser, wenn ihr Eltern glaubten, dass sie so in ihre Studien vertieft war.
Sie setzte sich auf den Steinvorsprung am Fenster der Eulerei und fing an zu schreiben.
Liebe Mom, Lieber Dad,
Entschuldigung, dass es so lange gedauert hat, aber jetzt in den Ferien werde ich mich bemühen, euch öfters zu schreiben.
In der Schule läuft es ganz gut, auch wenn ich das Gefühl habe, dass ich dieses Jahr nicht gut abscheiden werde. Alles ist schwieriger geworden und auch Schulsprecherin sein, habe ich mir besser vorgestellt. Ich weiß, dass ihr jetzt bestimmt sagen werdet, dass man sich seine Pflichten nicht aussuchen kann und, dass es eine Ehre ist, dass ich dieses Amt bekommen habe und ihr habt Recht. Ich muss mich wahrscheinlich nur immer noch daran gewöhnen, dass ich nun mehr Pflichten zu erfüllen habe.
Grüßt Grandma, Grandpa und all die anderen von mir
Eure Hermine
Hermine faltete den Brief zusammen und versiegelte ihn mit einem Zauber, dann schaute sie sich nach einer Eule um und entschied sich schließlich für einen Steinkauz.
Sie Band das Stück Pergament an den Fuß des Vogels, brachte ihn zum Fenster und erklärte ihm, wo der Brief hin sollte. Er stieß sich ohne Zögern in die kalte Dezemberluft ab.
Hermine blickte dem Kauz nach und dachte mit einem Lächeln an ihre Verwandten, die um diese Zeit alle zum Haus ihrer Eltern reisten, damit die Familie das Fest gemeinsam feiern konnte.
Plötzlich hörte Hermine ein aufgeregtes Zwitschern hinter sich und jemanden leise fluchen, als sie sich umdrehte sah sie Harry, der krampfhaft versuchte, eine kleine Kugel aus Federn an sich zu halten.
„Du kannst nicht ständig bei uns bleiben!“, murmelte Harry. Eine kleine Eule steckte ihren zerzausten Kopf durch eine Lücke von Harrys Fingern. Sie biss in dessen Hand. Harry fluchte vor Schmerz, taumelte zurück und stieß sich den Kopf an einem niedrigen Holzbalken. Die Eule konnte sich befreien, flog allerdings so ungeschickt, dass sie, anstatt aus dem Fenster zu fliegen, an Hermine prallte und mit einem Quieken zu Boden fiel.
Hermine beugte sich sofort nach unten und nahm den Vogel auf die Hand. Vorsichtig tätschelte sie den Kopf des Tieres.
„Du armer, kleiner...“
„Er markiert nur“, warf Harry ein, mit der Hand seinen Hinterkopf reibend.
„Bist du sicher?“, fragte Hermine nach und warf einen skeptischen Blick auf die Eule, die schlapp, mit halb offenem Schnabel, auf ihrer Hand lag.
„Ja, Pig ist ein Schauspieler...ein besonders schlechter.“
Das Tier gab einen verärgerten Laut von sich, doch Hermine beachtete ihn nicht. „Du nennst deine Eule Pig?“
„Er gehört nicht mir, dass ist Rons Eule“, erklärte Harry. Er schaute zu Hermines Händen, wo das Tier inzwischen wieder aufgestanden war und sich unter dem Flügel putzte. „Ich wollte ihn in die Eulerei bringen, weil er ständig die Schränke im Jungenschlafsaal ausräumt.“
„Wirklich?“, Hermine lachte. „Das kann doch nicht so schlimm sein. Ich meine, wie viel Chaos kann so eine kleine Eule machen?“
„Viel, wenn sie auf der Suche nach Eulenkeksen ist. Na ja, darf ich..?“ Harry deutete an, dass er Pig haben wollte und Hermine legte ihn in seine Hände.
„Er möchte anscheinend nicht wirklich hier sein“, meinte Hermine.
„Nein, er wird immer von den größeren Eulen geärgert.“
„Das machen Eulen?“
Harry nickte.
„Und wieso behaltet ihr ihn nicht einfach im Schlafsaal, ich kenne keine Regel, die es verbietet.“
„Habe ich doch gesagt“, erklärte er, „Pig räumt ständig unsere Schränke aus.“
Hermine seufzte. „Ich würde so eine süße Eule nicht einfach irgendwo hin stecken, wo sie nicht sein möchte.“
Pig plusterte sich auf.
„Wieso kümmert sich Ronald eigentlich nicht um sein Tier?“
„Er hat heute ein Date und er ist auch sonst immer sehr beschäftigt...“
Hermine dachte flüchtig an Luna und sie tat ihr leid, da sie sich gerade ihn Weasley verlieben musste.
Auch Harry seufzte. „Ich glaube ich nehme ihn wieder mit“, sagte er. „Wollen wir zusammen ins Schloss gehen, dann kannst du Pig auch tragen.“ Harry reichte Hermine die Eule, die sofort zu ihr flatterte.
„Okay“, erwiderte Hermine und die beiden gingen los.
Schweigend gingen sie nebeneinander her.
„Hast du schon deine Hausaufgaben für die Ferien fertig?“, fragte Harry plötzlich.
Hermine zog eine Augenbraue hoch. „Wir haben erst seit einem Tag Ferien.“
„Ja...aber ich dachte-“
„Du dachtest, da ich die Streberin bin muss ich sie schon fertig haben, stimmst?“ Hermine funkelte ihn böse an.
Er fuhr sich durch seine Harre. „Ehrlich gesagt: Nein. Ich wollte bloß ein Gespräch anfangen. Anscheinend ist es mir sehr gut gelungen.“
„Oh“, brachte sie nur zustande. „Entschuldigung, das...ist mir jetzt ein wenig peinlich.“ Sie wandte sich errötend ab.
„Weißt du, ich finde auch nicht, dass du ein Streber bist“, meinte er. Sie schnaubte und erinnerte sich an den Morgen, wo er sie Klugscheißerin genannt hatte. „Gut, du bist anstrengend, aber das ist nicht schlimm... Warum bist du nicht in Hogsmead?“, wechselte er schnell das Thema.
„Hatte keine Lust. Und du? Warum bist noch hier?“ Ihr kam der Wechsel ganz recht.
„Da gibt es mehrere Gründe. Erstens habe ich keine Lust, zweitens wüsste ich nicht, was ich da machen könnte, aber ich glaube, der Hauptgrund ist, dass ich mit niemanden hingehen könnte.“
„Okay, das ist auch ein Grund von mir. Luna war der einzige Mensch, mit dem ich jemals dort war und die ist heute mit Ginny unterwegs.“
„Und wieso bist du nicht mit beiden gegangen?“, fragte Harry.
„Wir wären zu viele gewesen“, murmelte Hermine.
„Zu viele? Drei Personen?“
„Für mich sind das zu viele! Ich bin lieber alleine“, sie strich Pig über den Kopf.
„Das glaub ich dir nicht!“
„Ja, weil du mich auch so gut kennst.“
Harry lachte. „Darum geht es nicht“, meinte er. „Menschen sind Rudeltiere, sie können von Natur aus nicht alleine existieren. Es gibt zwar ein Paar Ausnahmen, aber ich denke nicht, dass du zu diesen gehörst.“
Sie blieben stehen, denn ohne es zu merken, waren sie nicht zum Schloss sondern zum Rand des verbotenen Waldes gegangen.
Harry lächelte Hermine an und sie verspürte plötzlich das Gefühl zurück zu lächeln.
Ein Knacken von Zweigen ließ sie zusammen zucken. Hagrid stampfte aus dem Wald. Er trug einen großen Mantel und dicke Fellhandschuhe, ein schwarzer Hund folgte ihm.
„Hi, Hagrid“, begrüßte ihn Harry.
Der Wildhüter hob seine riesenhafte Hand zu einem Gruß. „Na, Harry! Was machst`n du hier?“
„Ich geh spazieren.“ Er deutete auf Hermine, die kurz ihre Hand hob.
„Ah ja!“ Hagrid schaute auf Hermine. „Du kommst mir bekannt vor.“
„Ich bin Hermine Granger.“
„Ahhhh!“, rief Hagrid so laut, dass sie erneut zusammen zuckte und Pig sich schüttelte. „Stimmt. Nun, wollt ihr Zwei mit ins Schloss kommen. Es sollt gleich Essen geben?“
Harry drehte sich fragend zu Hermine um. „Wollen wir?“
„Äh...ja. Aber was machen mit Pig?“
„Pig“, sagte Harry an die Eule gewandt. „Flieg zum Gryffindor- Turm!“ Nach kurzem Zögern stieß sich das Tier von Hermines Hand ab und flog los.
„Wie soll er denn da rein kommen?“, wollte Hermine wissen.
„Der wird schon ne Lücke finden, wo er reinfliegen kann“, meinte Hagrid. „Dann kommt mal, ich hab Hunger.“
Gemeinsam machten sie sich auf den Weg zum Schloss. Hermine war fassungslos, dass sie wie selbstverständlich von beiden behandelt wurde.
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