
von aliena
Die Macht des Blutes
Veränderungen
„Wie habt ihr euch eigentlich unsere Zusammenarbeit vorgestellt?“
Hermine hatte keine Ahnung, was sie jetzt sagen sollte, stattdessen zog sie die Decke noch ein Stückchen weiter nach oben. Wie konnte er es nur wagen, einfach in ihrem Zimmer aufzutauchen? Wer wusste, wie lange er schon hier war, vielleicht hatte er sie beim Schlafen beobachtet.
„Ihr habt doch einen Plan, oder?“ Harry deutete Hermines Schweigen falsch.
„Ich würde vorschlagen, dass du mit Mr Weasley und Lupin sprichst“, meinte sie.
Er grinste und sie bekam ein seltsames Gefühl dabei. „Wie wäre es, wenn du die Decke ein Wenig runter nehmen würdest?“
„Wie wäre es, wenn du aus meinem Zimmer verschwinden würdest?“, platzte es aus ihr heraus.
„Das könnte ich natürlich machen, aber, wo soll ich dann hin?“
„Nach unten“, antwortete sie, als wenn es selbstverständlich wäre.
„Aber würde es nicht seltsam kommen, wenn ich jetzt nach unten gehe, wo schon einige sind? Ich nehme an, dass du ihnen nicht erzählt hast, dass du mich wieder getroffen hast.“
„Gut“, gab Hermine sich geschlagen. „Warte hier!“ Schnell stieg sie aus dem Bett und verließ fast fluchtartig ihr Zimmer, rannte ins Badezimmer und klatschte sich eine Ladung kaltes Wasser in ihr Gesicht. Nachdem sie sich abgetrocknet hatte ging sie die Treppe nach unten. Tatsächlich waren schon einige Hausbewohner wach.
„Morgen!“, wurde sie von Ron und Ginny begrüßt. Mr Weasley und Lupin nickten ihr zu.
„Setzt dich doch, meine Liebe“, meinte Mrs Weasley.
Hermine wollte etwas sagen, doch ihr blieben die Worte im Hals stecken.
„Alles in Ordnung?“, fragte Ginny.
„Ja“, presste Hermine hervor. „Äh, ihr wisst doch, dass ich diesem Mann, der gestern vor unserem Haus stand das Angebot gemacht habe, mit uns zusammen zu arbeiten“, fing sie an.
„Dem Attentäter.“
„Genau. Nun, er ist hier.“
„Ehrlich?!“, Ron sprang auf.
„Warte!“ Hermine hob die Hände. „ Da gibt es noch etwas, was ich euch sagen muss.“
Alle blickten sie interessiert an.
„Ich weiß, es klingt unglaubwürdig, aber es ist H-.“ Noch bevor sie den Satz ganz ausgesprochen hatte, wurde sie unterbrochen.
„Harry“, keuchte Ginny. Hermine nickte.
Mrs Weasley schien fassungslos, Ginny und Ron lächelten und Mr Weasley und Lupin warfen sich nachdenkliche Blicke zu.
„Wo ist er?“, fragte Lupin sehr angespannt.
„Oben. In meinem Zimmer.“ Ginny warf Hermine einen Blick zu, der eindeutig fragte Was hat Harry in deinem Zimmer zu suchen?. Hermine zuckte nur hilflos mit den Schultern. „Wenn ihr wollt, könnt ihr nach oben.“
Lupin und Mr Weasley waren die ersten, die aufstanden und an Hermine vorbei rauschten, der Rest folgte ihnen. Die Tür von Hermines Zimmer wurde geöffnet und alle starrten wie gebannt auf Harry, der immer noch am selben Platz saß und sich nicht bewegt zu haben schien.
„Hallo!“ Harry schien gelassen.
Remus Lupin stand in der Tür und versperrte den anderen den Weg. „Harry“, fing er schließlich an, „kann ich dir ein paar Fragen stellen?“
„Natürlich“, sagte er und schien dabei leicht belustigt.
„Erinnerst du dich noch, wie Rons Ratte hieß?“
„Das ist eine Frage, die auch Todesser beantworten könnten, schließlich war Rons Ratte einer.“
„Mir ist eine Frage eingefallen!“, warf Ron dazwischen. „Von wem bekamst du deinen ersten Besen?“
„McGonagall“, antwortete Harry knapp.
„Es reicht!“, rief Mrs Weasley. „Wie soll sich ein schwarzer Magier denn in Harry verwandeln?“, fragte sie. Keiner antwortete. „Eben. Man bräuchte schon einen Vielsafttrank und dafür bräuchte man auch etwas von Harry.
Mr Weasley schaute seine Frau an und nickte. „Ich glaube, wir können darauf vertrauen, dass es der wirkliche Harry ist.“
„Nun gut.“ Lupin kratzte sich am Kinn. „Es tut mir leid, Harry.“ Er gab den Weg frei und Mrs Weasley ging an ihm vorbei. Harry stand auf und ließ sich von ihr umarmen. Dieses Wiedersehen fiel nicht ganz so herzlich, wie das mit ihren Söhnen aus, was auch daran liegen mochte, dass Harry die Umarmung nicht wirklich erwiderte.
Alle hatten sich in der Küche niedergelassen. Mrs Weasley bereitete ein Frühstück zu. Sie hatte sich Harry missbilligend angeschaut und gemeint, dass er mal wieder etwas ordentliches zu sich nehmen müsste. Hermine konnte jetzt nicht sagen, dass Harry so aussah, dass er alle die Jahre Hunger gelitten hatte, aber die Mutter von Ron sagte so etwas ständig.
Fred und George waren erstaunt gewesen, als sie Harry wieder sahen, aber auch sie begrüßten ihn nicht ganz so überschwänglich.
„Als wir davon hörten“, erzählte Lupin, als sie mit Harry zusammen saßen, „dass sich jemand traut, sich gegen Voldemort zu stellen, beschlossen wir, den Phönixorden neu zu gründen. Wir hatten vor, uns mit dem Attentäter zu verbinden. Ihm zu helfen. Nun, da wir wissen, dass du dieser Mann bist, hat sich unsere Entscheidung nicht geändert. Es liegt an dir, ob wir zusammen arbeiten werden.“
Harrys Miene ließ nicht erahnen, was er dachte. Sein Blick fixierte die Tischplatte.
Jeder der Anwesenden wusste, dass Harry in solchen Punkten lieber alleine war, um niemanden in Gefahr zu bringen. „Ihr wollt mir also helfen?“, fragte er nach.
„Wir wollen dir nicht helfen. Wir wollen mit dir zusammen gegen Voldemort kämpfen“, korrigierte Remus ihn.
Harry nickte nachdenklich. „Ich nehme an, dass ihr euch nicht aus dieser Sache raushalten würdet, wenn ich es ablehne“, sagte er mehr zu sich selbst.
„Da liegst du vollkommen richtig.“
Der schwarzhaarige seufzte und fuhr sich durch sein Haar. „ Wenn wir zusammen arbeiten, dann müsst ihr auch was können. Ich zweifle nicht daran, das Tonks oder du, Remus, schlecht seit, aber ich rede von den Fähigkeiten der anderen.“
„Wir haben trainiert!“, entrüstete sich Ron.
„Dennoch seit ihr noch zu schlecht. Wenn wir gemeinsam was machen wollt, müsst ihr besser werden. Viel besser.“ Er herhob sich. „ Solange das nicht geschieht mache ich noch alleine weiter.“ Harry zog sich die Kapuze seines Umhangs, den er nicht abgelegt hatte, über den Kopf. „Grüßt Tonks von mir.“ Er machte sich daran zu gehen.
„Warte!“, hielt Ginny ihn zurück. „Du kommst doch wieder?“
„Ja. Ihr braucht mich nicht zur Tür bringen, ich finde alleine raus.“ Dann ging er.
„Das war doch klar, dass es so kommen würde!“, brauste Hermine auf, als die Haustür ins Schloss gefallen war. „Wir werden doch jetzt nicht warten, bis Harry der Meinung ist, dass wir gut genug sind?“
„Doch!“, erwiderte Lupin ruhig.
„Dann werden wir nie etwas tun. Er wird weiter alles alleine machen!“
„Das glaube ich nicht Hermine“, sagte Mr Weasley. „Er hat selber gesagt, dass er weiß, dass wir uns nicht raushalten werden, nur weil er uns schützen möchte. Wir werden weiter trainieren.“
Hermine sagte nichts mehr, sondern stand auf.
Sie würde nach den Sleeves sehen. Die Muggel trauten sich vermutlich nicht aus ihrem Zimmer.
Hermine wusste selber, dass sie überreagierte, aber sie hatte plötzlich so viel Wut in sich.
Sie klopfte an die Tür von Mr Sleeve und einer Tochter. Aber es kam keine Antwort. Sie klopfte erneut und reif dieses Mal auch. Als auch daraufhin keiner antwortete betrat sie einfach den Raum. Er war leer. Wie eine Statur stand sie in der Tür und starrte auf das scheinbar unbenutzte Bett. Hermine rannte in ihr Zimmer, um sich wärmere Klamotten über zu ziehen. Sie konnte sich nur einen Ort vorstellen, wo Vater und Tochter sein könnten. Bei dem Pub. Mr Sleeve war zu stur, um davon weg zu bleiben.
Sie schlich die Treppe herunter, um von den anderen nicht gehört zu werden und schloss leise die Haustür hinter sich. Erst als sie draußen war, bemerkte sie, dass sie ein Gewitter zusammen braute, doch es war egal. Sie fing an zu laufen, um nicht allzu viel vom einsetzenden Regen abzubekommen. Obwohl es mittlerweile hell sein sollte, war es wie in der Nacht.
Hermine umklammerte ihren Zauberstab, als sie nur noch wenige Meter vom schwarzen Pferd entfernt war. Da, wo eigentlich die Tür des Pubs sein sollte, war ein Loch. Sie trat in die Kneipe ein und bei jedem Schritt war ein Platschen zu hören; auch im Raum war es nass.
Ein Blitz zuckte über den Himmel, gefolgt von einem grollen und erhellte für einen kurzen Moment den Raum. Ein bleiches Gesicht starrte sie an. Hermine wich ängstlich ein paar Schritte zurück. Ihr Herz raste. Die Leichen waren immer noch hier, aber wer hätte sie auch weg schaffen sollen? Sie traute sich nicht sich zu bewegen oder einen Lichtzauber zu wirken, aber sie musste etwas machen. Schließlich nahm sie all ihren Mut zusammen. „Mr Sleeve?“, rief sie. „Sind Sie da?“ Es war so still, dass sie ihr eigenes Herz wild schlagen hörte.
„Du solltest hier nicht sein“, ertönte plötzlich eine tiefe Männerstimme hinter Hermine.
Sie drehte sich ruckartig um und richtete ihren Zauberstab auf die Gestallt. Mal wieder hatte sie ihn nicht kommen hören
„Du bringst dich nur unnötig in Gefahr.“
„Lass das mal meine Sorge sein“, erwiderte sie ohne den Zauberstab zu senken. Da kam ihr ein Gedanke. „Wo sind Mr Sleeve und seine Tochter?“
„Nicht hier“, sagte er und Hermine wusste, dass er unter seiner Kapuze grinste.
„Witzig!“, keifte sie. „Ich bin mir sicher, dass du weißt, wo sie sind.“
„Nein.“ Seine Stimme wurde so tief, dass man fast nur ein Brummen war nahm.
Hermine lief ein Schauer über den Rücken, doch sie ignorierte ihn. „Harry, es sind Muggel. Es ist gefährlich für sie, alleine zu sein.“
„Ich weiß nicht, wo sie sind.“ Er klang so gleichgültig und da wurde Hermine bewusst, dass sie nicht wütend auf Harry war, sondern enttäuscht. Sie hatte sich oft gewünscht, dass Harry wieder kommen würde, aber nicht so. Sie wollte den Harry wieder haben, mit dem sie befreundet war. Der sich um andere sorgte...nicht kaltblütig mordete. Sie würde auch gerne wieder genervt von ihm angeschaut werden, wenn sie zum x-Mal irgendein Thema durchkaute.
„Verschwinde!“, sagte sie, mit den Tränen kämpfend. Hermine stieß ihn unsanft zur Seite und machte sich auf den Rückweg.
Als Hermine am Grimmauldplatz angekommen war, ist sie sofort in ihr Zimmer gerannt und hatte sich eingeschlossen.
Es passte nicht zu ihrem Alter, sich in ihr Zimmer einzuschließen und die anderen nicht an sich ranzulassen. Doch es war ihr egal.
„Alles ist mir egal!“, flüsterte sie bitter.
Das stimmt nicht Hermine, erwiderte eine leise Stimme in ihrem Kopf.
Wieso konnte sie sich nicht freuen, dass Harry wieder da war, egal wie. Hatte sie denn wirklich geglaubt, dass er genau so ist, wie er gegangen war?
Es klopfte an ihrer Tür. „Hermine, ich soll dir sagen, dass es Essen gibt.“ Es war Ron. „Kannst du mir bitte antworten?“, flehte er, als sie nichts sagte.
Anstatt etwas zu antworten ging Hermine zur Tür und öffnete sie.
„Du hättest wirklich nur etwas sagen müssen!“
„Ich bin eh hungrig“, meinte sie müde.
Ron lächelte. „Das ist ein gutes Zeichen.“ Er legte ihr einen Arm um die Schulter und sie gingen gemeinsam nach unten.
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