
von aliena
Die Macht des Blutes
9. Menschen ändern sich
Die Tage vergingen, aber dennoch hatte keiner vom neuen Phönixorden mit Harry zusammen gearbeitet. Immer hieß es, dass er jetzt noch Dinge alleine erledigen müsste und sie noch weiter trainieren sollten.
Harry kam jeden Tag zwei Mal. Das erste Mal morgens, wobei er dann auch immer einen Tagespropheten dabei hatte und das zweite Mal Nachmittags; oft mit Dingen, die eh eingekauft werden mussten.
Hermine war natürlich wieder die einzige, die sich darüber aufregte. Sie wusste, dass Harry es tat, um niemanden aus dem Haus zu lassen. Das Schlimmste an dieser Sache war, dass es funktionierte. Niemand ging auf die Straße, weil es einfach keinen Grund mehr dafür gab.
Hermine hatte wenige Male versucht, etwas spazieren zu gehen, oder selber die Zeitung zu holen, doch egal wie früh sie aufstand, Harry war immer schneller.
Als sie an einem Morgen runter kam, betrat auch Harry gerade das Haus.
„Guten Morgen!“, begrüßte er sie und reichte ihr den Tagespropheten.
„Danke“, sagte Hermine nur und nahm die Zeitung an sich.
Während sie ging überflog Hermine schon mal die Titelseite.
Kurz blieb ihr Herz stehen. Er hatte es schon wieder getan. Schnell blätterte sie zu dem Text.
Scott Grisham(43) ist tot. Die Leiche des Todessers wurde vergangene Nacht im Ministerium aufgefunden.
„Ich hatte zusammen mit ihm Nachtwache“, erzählte ein Kollege von Grisham, der nicht genannt werden möchte.
Die Männer gingen getrennt durch das Ministerium, wodurch dem Opfer nicht geholfen werden konnte. Grisham starb durch einen Messerstich in die Brust, also ist der Tatverdächtige der Attentäter, der schon seit einigen...
„Alter“, rief Ron aus, der über Hermines Schulter mitgelesen hatte. „Du warst echt im Ministerium?!“ Er starrte Harry verblüfft an.
Der Angesprochene nickte nur.
„Ich bin beeindruckt“, sagte Tonks. „Wie hast du das angestellt. Ich habe gehört, dass es jetzt unmöglich sei, dort einzudringen.“
„Das kann ich euch leider nicht verraten“, brummte Harry.
Hermine reichte die Zeitung an Lupin weiter, der sie schnell überflog.
„Ich habe noch nie von einem Scott Grisham gehört“, bemerkte er.
„Er wurde erst zum Todesser, als Voldemort England schon unter Kontrolle hatte.“
„Weißt du, eine Frage würde mich schon interessieren“, fing Hermine an, „wieso kümmerst du dich nicht um die Todesser, die bekannter Maßen, zu Voldemorts besten Leuten gehören?“
„Lass das meine Sorge sein. Ich weiß, was ich mache“, antwortete Harry und sein Tonfall ließ keine Wiederworte zu. „Ich“, begann er langsam nach wenigen Sekunden, „habe hier eine kleine Liste.“ Er legte ein Stück Pergament auf den Tisch, um den alle saßen. „ Es geht um einen John Ahern. Ihr sollt etwas über ihn heraus finden. Die Uhrzeiten und Orte“, er deutete mit den Finger drauf, „habe ich schon selber heraus gefunden. Dort könnt ihr einiges über diesen Menschen erfahren.“
„Wir sollen also spionieren?“, fragte Ginny.
„Korrekt. Für mich ist es sicherer, wenn ich jetzt einige Zeit untertauche, also kann ich das nicht machen. Normaler Weise würde es jetzt Wochen dauern, bis ich meine Arbeit fortsetzten könnte, aber da wir zusammen arbeiten wollen, könnt ihr das machen.“
„Endlich machen wie mal was“, meinte Ron.
Harry schüttelte leicht den Kopf. „Ich will dich nicht enttäuschen, Ron, aber du wirst noch nichts machen.“
„Wieso?“
„Ich hätte es lieber, wenn Mr Weasley und Tonks das machen würden, sie haben die meiste Erfahrung, da sie mal selber für den Staat gearbeitet haben.“
„Das können wir gerne machen“, sagte Tonks.
„Gut. Es ist auch nicht gefährlich, wenn man sich unauffällig verhält. Ihr müsst eigentlich nur geduldig sein und genau beobachten. Ihr müsst wachsam sein, wenn ihr den Namen John Ahern hört.“
„Was genau macht dieser John eigentlich?“, wollte George wissen.
Harry atmete laut aus. „Er ist Todesser.“
„Und darum, willst du ihn töten?!“ Hermine verschränkte die Arme vor der Brust. „Vielleicht ist er nicht Mal aus Überzeugung Todesser, vielleicht ist er einer von vielen, die auf diese Seite gegangen sind, um ihre Familie zu beschützen. Also was macht er, dass er es verdient hat, zu sterben?“
„Ich glaube, dass es wichtig ist, dass wir das wissen“, stimmte Tonks zu.
„Schön...Wo fang ich an?“, murmelte Harry. „Ihr wisst bestimmt einiges nicht, was genau in England geschieht. Es ist kein Geheimnis, dass Muggel wie Dreck behandelt werden. Was allerdings nicht bekannt ist, ist, dass Muggelkinder gesammelt werden und eingesperrt. Es werden Versuche gestartet, neue Zauber entwickelt, die einem Menschen immer mehr Leiden zufügen und dennoch länger leben lassen. Das wird jetzt schon ungefähr drei Jahre gemacht.
Ahern hatte diese Idee. Er hält sich selbst für einen Ritter, der die Welt reinigen möchte.
Dieser Mensch muss verschwinden!“
„Aber nur weil du jemanden tötest, heißt es doch nicht, dass auch seine Idee verschwindet!“, warf Hermine ein.
„Ich weiß, was ich mache“, antwortete Harry wieder und blickte Hermine dabei in die Augen.
Sie blickte zurück und hoffte, dass er bemerkte, wie viel Verachtung darin steckte.
„Vielleicht sollten wir jetzt besprechen, wie genau ihr vorgehen solltet“, sagte er.
Hermine stand auf und verließ den Raum. Sie wollte nicht mehr länger mit Harry im selben Zimmer sein. Sie ertrug es einfach nicht länger. Sie ertrug es auch nicht, das es niemanden zu stören schien, dass Harry vor wenigen Stunden noch Blut an seinen Händen kleben hatte.
Es war so befremdend. Bevor Harry damals verschwunden war, hätte er niemals einfach so gemordet. Aber alle schienen Mord nicht so eng zu sehen, war sie es also, die sich seltsam verhielt?
Hermine verließ ihr Zimmer nicht mehr. Dieses Mal schloss sie sich nicht ein, aber dennoch kam niemand, um mit ihr zu sprechen.
In der Nacht, als schon alle schlafen waren, schlich sich Hermine dann doch nach unten. Sie wollte niemanden wecken und ging deswegen im Dunkeln. Hermine wollte sich etwas zu Essen nehmen. In der Küche angekommen entzündete sie schließlich doch Licht, da es hier niemanden mehr wecken konnte.
Am liebsten hätte sie es sofort wieder gelöscht und wäre zurück in ihr Zimmer gegangen.
„Was machst du denn hier?!“, fragte sie Harry grob, der tatsächlich so aussah, als wenn er auf sie gewartete hätte.
Er saß am Tisch auf dem ein Teller mit belegten Broten stand.
„Ich bin heute hier geblieben“, antwortete Harry.
„Willst du auch noch hier einziehen?“
„Würdest du denn etwas dagegen haben?“, stellte er die Gegenfrage und schaute sie interessiert an.
Damit hätte Hermine jetzt nicht gerechnet. Hier wurde plötzlich ziemlich heiß, aber dennoch antwortete sie: „Ja, irgendwie schon.“
Harrys Gesichtsausdruck veränderte sich nicht, doch seine Augen schienen kurz aufzublitzen. „Mrs Weasley hat diese Brote für dich gemacht“, erklärte er, ohne auf das einzugehen, was Hermine gesagt hatte. Er stand auf, nahm den Teller und reichte ihn ihr. „Du bist bestimmt sehr hungrig.“
Sie nickte und nahm ihn den Teller wortlos ab.
„Lass uns ins Wohnzimmer gehen, dort ist es gemütlicher.“
Hermine seufzte folgte ihm aber. Harry setzte sich ihr gegenüber, was dafür sorgte, dass Hermine nicht wirklich essen wollte.
„Ich hatte mir überlegt, mit euch zu trainieren. Nicht viel, nur, dass ihr wisst, wie ihr vorgehen solltet“, erklärte er.
„Lupin hat das schon mit uns gemacht“, versicherte Hermine.
„Ich weiß“, er beugte sich ein wenig vor. „Aber, ich glaube es würde nicht schaden, wenn ihr noch mehr üben würdet.“
„Glaubst du?“ Hermine schaute ihn prüfend an.
Harry grinste leicht. „Unter uns gesagt, Hermine...Das, was du neulich in der Winkelgasse getan hast, würde man nicht unbedingt, als Meisterleistung, der Spionage bezeichnen. Ich habe dich besonders schnell erkannt, weil ich dich kenne, aber früher oder später wären auch andere auf dich aufmerksam geworden.“
Hermine räusperte sich laut und knetete ihre Hände. Er hatte leider recht.
„Also, würdest du mitmachen?“, fragte Harry.
„Ich weiß nicht“, erwiderte Hermine ehrlich. „Ich bin ein bisschen ab geschreckt, von dir.“
„Menschen ändern sich“, grollte Harry.
Sie war verwundert, dass er so leicht reizbar war, lies sich allerdings nicht anmerken. „Mag sein! Ich habe mich auch verändert, aber du bist ein anderer Mensch geworden. Das Leben anderer scheint dich gar nicht mehr zu interessieren. Und, dann immer dieses Lachen, das sich überhaupt nicht mit deinem alten Lachen vergleichen lässt...“
„Trainierst du nun mit?“
„Äh...nein! Nicht mit dir.“ Sie stand mit dem Brotteller auf und wollte in ihr Zimmer gehen, doch etwas hielt sie auf. Hermine drehte sich noch mal zu Harry um.
„Die beiden Muggel sind in Sicherheit. Ich habe sie weggebracht, damit sie ein neues Leben anfangen können.“ Harry blickte zu ihr hinauf.
„Aha“, brachte Hermine nur hervor Wieso sagte er ihr das? So ganz plötzlich, dachte er, so würde sie mit trainieren? Sie würde nicht weiter darauf eingehen, es ignorieren, ihn ignorieren. „Gut zu wissen.“ Sie wandte ihm erneut den Rücken zu und verschwand in ihr Zimmer.
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