
von aliena
Die Macht des Blutes
Unnötige Sorgen
Als Hermine erwachte, lieĂź sie die Augen geschlossen. Sie wusste sofort, wo sie sich befand. Anstatt des harten Steins, befand sich unter ihr eine weiche Matratze. Sie lag in ihrem eigenen Bett. Aber wie war es dazu gekommen, dass sie hier lag? Ihr kam die Wunde, an ihrem Kopf in den Sinn. Die Augen immer noch geschlossen tastete sie ihren Hinterkopf mit den Finger vorsichtig ab.
Nichts.
Kein Schmerz, kein Blut. Nicht mal in ihren Haaren.
Und da kam es plötzlich auf sie zu, mit der Geschwindigkeit, eines Feuerblitzes: Harry hatte ohne Grund einfach getötet. Er hätte es nicht machen müssen. Es bestand keine Notwendigkeit. Sie hatte ihn gebeten, es nicht zu tun!
Tränen der Wut und Enttäuschung liefen ihr übers Gesicht.
Dieser Mord hatte einfach nichts mehr mit dieser Macht des Blutes zu tun. Hermine setzte sich auf und stellte fest, dass jemand ihr auch andere Klamotten angezogen hatte. Sie wischte sich die Tränen weg und stand auf. Es war alles dunkel und sie hatte keine Ahnung, wo sich ihr Zauberstab befand, also tastete sie sich zu der Tür. Im Flur und die Treppe runter brannten noch Lichter, also waren die anderen wach.
Mrs Weasley, Ginny, Ron und Ted sassen alle zusammen im Wohnzimmer, der Junge hatte sich in einem Sessel zusammen gekauert und schlief.
“Hallo”, krächzte Hermine. Ihr Hals war völlig trocken.
“Komm her und setzt dich!”, forderte Mrs Weasley sofort.
“Nein, ich möchte mir vorher etwas zu trinken holen.”
“Das kann Ron für dich machen.”
“Ja, setzt dich hin. Ich mach das für dich.” Er war aufgestanden und ging in die Küche.
Hermine setzte sich neben Ginny und legte das Gesicht in die Hände.
“Wie geht es dir?”, fragte sie.
Hermine blickte auf. “Besser.” Zumindest, was die Schmerzen angeht, fügte sie in Gedanken hinzu.
“Du hattest eine ganz schön große Wunde am Kopf und eine Gehirnerschütterung”, erklärte Mrs Weasley
Hermine nickte nur. Darauf war sie eigentlich auch von alleine gekommen. Ron kam zurĂĽck mit einem Glas Wasser in der Hand. Er reichte es ihr und setzte sich dann neben seine Mutter.
“Danke.” Hermine trank es auf einmal aus. Die anderen betrachteten sie dabei. Sie setzt das Glas ab und fragte: “Wie spät ist es?”
“Ungefähr Vier Uhr”, antwortete Ginny.
“Morgens?”, vergewisserte sich Hermine.
“Ja.”
“Aber warum seit ihr denn noch wach?”
Schweigen.
“Warum seit ihr noch wach?”, wiederholte sie mit Nachdruck.
“Wir haben eine Geisel”, antwortete Ron plötzlich und lächelte schwach.
“Was?” was war des denn für eine Antwort auf ihre Frage.
“Ronald, sag das nicht so! Wir sind keine Kriminellen!”, tadelte Mrs Weasley ihn.
“Aber Mom, es stimmt”, verteidigte Ginny ihren Bruder.
“Ja, leider.”
Hermine biss sich auf die Unterlippe. Harry hatte Draco Malfoy nicht umgebracht. Aus irgend einen Grund viel ihr ein schwerer Stein vom Herzen.
“Meine Liebe, geht es dir wirklich gut? Du siehst immer noch blass aus. Solle ich dir vielleicht eine Suppe kochen?”
“Nein, danke, Mrs Weasley.” Harry hat nicht gemordet. “Wir haben eine Geisel...” Und Harry hat nicht unnötig gemordet. Sie fing an zu lachen.
“Ja, ziemlich lächerlich”, meinte Ron. Er deutete ihr Lachen falsch, aber Hermine nickte dennoch.
Sie lehnte sich entspannt zurück, das Glas immer noch in den Händen. “Es ist Draco Malfoy, oder?”
“Ja. Jetzt könnten wir alles mit ihm anstellen. Ihm zum Beispiel ordentlich die Fre-“
“Ronald, beherrsche dich!”
“́tschuldige.”
“Wenn ich mich recht erinnere, hat Harry ihn doch geschlagen”, sagte Hermine. Jetzt konnte sie leichter darüber reden.
“Muss ein ganz schön harter Schlag gewesen sein. Seine Nase war gebrochen.” Ron grinste.
Ginny verdrehte die Augen, wegen der Begeisterung zu der Brutalität, von ihrem Bruder.
“Wo ist er jetzt eigentlich?”
“Unten im Keller. Harry, Tonks und Arthur sind bei ihm”, erklärte Mrs Weasley.
“Und wo sind die anderen?”
“In Frankreich. Wir wollen einen Verita-Trank brauen. Und an Zutaten kommen wir in Frankreich leichter.”
Nun waren Stimmen zu hören die sich vom Flur aus dem Wohnzimmer nährten.
“Dafür, dass wir ihn gefangen halten, hat der Typ aber einen ziemlichen Befehlston drauf”, meinte Tonks zu Mr Weasley.
“Der Junge steht seinem Vater in nichts nach”, stimmte er zu.
“Ich bin dafĂĽr, dass wir ihm nachher zeigen, wer hier das Sagen hat. Geht́s dir wieder besser?”, wandte Tonks sich unerwartet an Hermine.
“Ja, danke.”
“Gut, dann sag ich mal gute Nacht. Sie ging rüber zu ihrem Sohn und hob ihn mit einigen Schwierigkeiten aus dem Sessel. Er grummelte kurz, wachte aber nicht auf.
Mr Weasley ließ sich auf den frei gewordenen Platz fallen. Er rieb sich erschöpft den Nasenrücken.
“Was habt ihr mit ihm gemacht?”, fragte Mrs Weasley.
“Harry ist noch bei ihm. Ich glaube er wolle in mit einem Schlafzauber belegen.”
Als wenn er auf ein Stichwort gewartet hatte, stand Harry plötzlich in der Tür.
“Ist er endlich ruhig?”
“Für ein Paar Stunden”, meinte er und setzte sich neben Hermine. Er sah wieder genau so aus, wie immer. Blitzförmige Narbe, Brille und leuchtend grüne Augen, die auch erschöpft wirkten.
Er lehnte sich genau, wie Hermine zurück, wodurch sich ihre Schultern fast berührten. Er gähnte. Sie musste schmunzeln, das hatte sie schon so lange nicht mehr bei ihm gesehen.
“Wie geht es dir?” Er blickte ihr in die Augen. Obwohl sein Blick müde schien, glaubte Hermine eine Spur Besorgnis darin zu sehen.
“Gut”, meinte sie.
“Schön. Tut mir leid, dass ist meine Schuld gewesen.”
“Nein, du kannst nichts dafür, dass ich so blöd gefallen bin.”
“Ich habe dich wirklich zu grob geschubst, also nimm meine einfach Entschuldigung an.”
“Angenommen.” Sie hätte ihn am liebsten an sich gedrückt, so erleichtert war sie, dass er nicht schon wieder ein Menschenleben genommen hatte.
“Ich glaube, wir sollten jetzt alles schlafen gehen. Das wird noch eine harte Zeit mit Malfoy junior.” Mrs Weasley stand stöhnend auf.
Hermine musste feststellen, dass sie auch wieder mĂĽde war.
Alle standen auf und stiegen gemeinsam die Treppe hoch. Aber bevor sie sich schlafen legte, wollte Hermine sich noch mal etwas zu trinken holen.
“Das mache ich schon für dich”, meinte Harry und nahm ihr das Glas, welches sie immer noch trug, aus der Hand.
“Harry, ich kann das wirklich alleine.”
“Du warst Ohnmächtig. Und damit ist selbst bei Zauberern nicht zu spaßen. Geh nach oben, ich bring es dir gleich.”
Obwohl sie sich seltsam vorkam tat sie es. Sie lieĂź ihre ZimmertĂĽr offen, damit etwas Licht vom Flur in ihr Zimmer schien und setzte sich auf ihr Bett. Sie musste nicht lange warten, da kam Harry auch schon wieder mit einem Glas Wasser in der Hand. Er stellte es ihr auf ihren Nachttisch.
“Danke.”
“Bitte.” Er wollte das Zimmer Verlassen, doch Hermine hielt ihn zurück.
“Wo schläfst du eigentlich?”
“Etwas weiter oben.”
“Ach so.” Plötzlich fiel ihr etwas ein. “Du beherrscht Okklumentik, ist doch richtig?”
“Ja.” Er hob eine Augenbraue.
“Legilimenthik auch?”
“Äh...ja.” Er schien leicht zu erröten, aber vielleicht bildete Hermine sich das auch nur ein.
“Hast du es je bei mir angewendet?”
Seine Augen wurden größer.
“Ach, weißt du was?”, meinte sie. “Ich will es eigentlich gar nicht wissen. Gute Nacht!”
“Schlaf gut.”
“Du auch.”
Harry schloss beim Hinausgehen die Tür hinter sich und Hermine schlüpfte deswegen im dunkeln unter ihre Decke. Sie nahm sich vor später ein Buch über Okklumentik zu suchen. Dann schloss sie ihre Augen und viel schnell in einen ruhigen Schlaf.
Wieder hörte Hermine die wütende Stimme von Draco Malfoy, als die Kellertür sich kurz öffnete. Wie oft schon, konnte sie nicht sagen, nur, dass es schon zu oft gewesen war.
“Ihm gefällt das Essen nicht”, verkündete Tonks in einer Singstimme, als sie die Küche betrat.
“Warum genau haben wir ihn noch Mal als Geisel?”, fragte Ginny genervt.
“Weil er, nach Harry, wusste wo wir uns verstecken und es zu gefährlich gewesen wäre ihn einfach liegen zu lassen, da selbst wenn sein Gedächtnis gelöscht wird es einfach zu gefährlich wäre, da es jeder Zeit wieder kommen könnte”, sagte Ron.
“Eigentlich, war diese Frage rhetorisch gemeint gewesen, aber trotzdem danke, Ron.”
Hermine wandte sich von den Geschwistern ab und stocherte weiter lustlos in ihren Nudeln rum. Sie musste sich eine Auseinandersetzung von den Beiden nicht antun.
“Keinen Hunger?”, ertönte eine tiefe und angenehme Stimme neben ihr.
Sie ließ ihre Gabel sinken. “Weiß nicht so recht.”
“Was weißt du nicht so recht?”
“Keine Ahnung...mir ist irgendwie langweilig.”
“Mh”, machte er. “Du könntest lesen.”
“Darauf habe ich auch keine Lust.”
“Du könntest nach unten gehen und Malfoy eine Ohrfeige verpassen, wie in unserem dritten Schuljahr, dass war witzig.”
“Abgesehen davon, dass ich es nicht witzig fand: Nein. Aber wenn wir schon mal bei Malfoy sind. Wann kommen die anderen aus Frankreich wieder?”
“Keine Ahnung. Ich schätze, dass sie spätestens Ende dieser Woche wieder da sind.”
“Und die Woche ist noch lang. Wir haben erst Dienstag.”
“Sie können natürlich auch schon früher kommen.”
“Aber auf jeden Fall wird es drei Monate dauern, bis der Trank fertig wäre.”
“Ja.”
“Also, drei Monate, in denen wir Malfoy ertragen müssen.”
“Ach, den bekommen wir schon irgendwie weich. “ Harry grinste, was ansteckend auf Hermine wirkte, doch dann kam ihr eine Frage in den Sinn und ihr Lächeln verschwand.
“Hättest du ihn getötet, wenn ich dich nicht gebeten hätte, es nicht zu tun?”
Auch sein Grinsen Verschwand. “Ich bin mir nicht wirklich sicher, aber ich glaube: Nein.”
Hermine fiel erst jetzt auf, dass sie die ganze Zeit leiser gesprochen hatten.
“Ich wollte nie zu denen gehören, die über Leichen gehen, um für ihre Sicherheit zu sorgen. Obwohl ich das ja mache. Ich morde, für eine sichere Zukunft. Aber diese Zukunft soll nicht nur für mich sicher sein, sondern für alle. Für Muggel, für Zauberer, Für Hexen, für dich, für alle.”
“Und für dich”, fügte Hermine hinzu.
“Und für mich, ja.” Er fuhr sich mit seiner Hand durch sein schwarzes, wildes Haar und zum ersten Mal fiel ihr auf, dass sie es mochte. Wenn es so in alle Richtungen abstand, sah es fast wie gewollt aus und das wichtigste, es passte zu Harry. Es war nie anders gewesen.
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