
von aliena
Man glaubt es kaum: Ich habe es geschafft! Ich bin tatsächlich zufrieden mit einem Kapitel...
Also machen wir es kurz: Viel SpaĂź beim lesen und schreibt mir, wie ihr das chap findet.
LG aliena
Die Macht des Blutes
19. Das Ende?
Die Todesser steckten Harry in eine dunkle, stinkende und muffige Kammer, in der man kaum die Hand vor Augen sehen konnte. Sein Rucksack und natĂĽrlich auch sein Zauberstab wurden ihm abgenommen.
Er trug immer noch seinen Umhang und innerlich bereitete er sich schon darauf vor, was fĂĽr eine Freude Voldemort haben wĂĽrde, wenn er erfuhr, dass unter der Kapuze Harry steckte.
Die Stunden vergingen, aber anstatt, dass er zu dem “Meister” geführt wurde, schob man ihm etwas zu trinken und eine Schale Suppe durch die massige Holztür.
Harry rĂĽhrte nichts an, er wollte lieber krepieren, als etwas zu sich zu nehmen, was er nicht sehen konnte.
Missmutig stellte er fest, dass er wirklich keine Chance hatte zu entkommen und auch nicht die nötige Kraft dafür besaß. Er entledigte sich seines Umhanges, knüllte ihn zusammen und legte seinen Kopf auf ihn, damit er nicht vollständig auf dem harten Boden legen musste und versuchte etwas zu ruhen.
Falls sich mal die Gelegenheit bieten sollte, zu fliehen musste er möglichst ausgeruht sein. Bevor er die Augen schloss, verschloss er seinen Geist und glitt dann in einen traumlosen Schlaf.
Als er wieder erwachte hatte er keine Ahnung, wie spät es war, oder ob schon der nächste Tag angebrochen war. Aber überrascht stellte er fest, dass noch mal jemand bei ihm gewesen sein musste, denn soweit er erkennen konnte, war die Suppe verschwunden und ein hartes Stück Brot aufgetaucht, dass Wasser hatte sich nicht von der Stelle gerührt. Es konnte sich also entweder um Abendbrot oder Frühstück handeln.
Harry setzte sich auf und lockerte seinen verspannten Nacken. Seufzend stand er auf, ging zu der Tür und klopfte dagegen. “Hey”, rief er, “Nicht, dass ich es besonders eilig hätte zu sterben, aber könntet ihr mich jetzt nicht einfach verhören, oder was auch immer ihr mit mir vor habt?”
Keine Antwort, aber er hatte auch nichts anderes erwartet.
Wieder legte er sich hin und starrte an die Decke, oder versuchte es zumindest, denn sie war nicht zu erkennen.
Vielleicht wäre es normal gewesen, wenn er sowas, wie Angst verspürt hätte, doch nichts der gleichen. In ihm war nichts, er fühlte rein gar nichts, schließlich hatte er vermutet, dass es irgendwann so kommen musste. Das einzige, was Harry Sorge bereitet, waren die Menschen, die auf seine Rückkehr hofften, von denen er sich nicht mal richtig verabschiedet hatte. Ob sie wohl versuchen würden auch ohne ihn, einfach weiter zu machen? Oder würden sie sich aus England zurück ziehen und irgendwo ein neues Leben beginnen?
Auch das konnte er nicht sagen.
Seufzend nahm er die Brille ab und rieb sich die Augen.
Eigentlich war alles viel zu unwirklich, ja, es war viel zu schnell gegangen. Vielleicht hatte es gerade mal eine Stunde gedauert, mit Hermine zu diskutieren und dann gefangen genommen zu werden... und jetzt lag er hier, auf dem harten Steinboden, in der Dunkelheit, mit einem alten Klumpen Brot und nur seinen Gedanken.
Harry war es gewöhnt, nur sich selbst zu haben- durch die vergangenen Jahre- doch er hasste es.
Eigentlich musste er nicht wirklich ĂĽberlegen, als Hermine den Vorschlag machte zusammen zu arbeiten. FĂĽr ihn war es von Anfang an klar gewesen, nur die Moral war noch davor gewesen, oder viel mehr die Angst, andere in Gefahr zu bringen.
Jetzt war niemand in Gefahr, nur er, aber es musste so kommen.
Plötzlich machte ein verräterisches Knurren sich breit. Es war Harrys Bauch, doch er ignorierte ihn.
Harry hatte feststellen mĂĽssen, dass es nicht gut ist zu viel Zeit zum nachdenken zu haben, besonders nicht, wenn man auch noch zu viele Gedanken hat, die einem im Kopf rum schwirren. Er wusste einfach nicht, was er wollte.
Letzte Nacht hatte er ein Gespräch mit Ginny geführt. Nur er und sie, alleine... doch es war nicht einfach gewesen, es war gezwungen. Sie konnten nicht locker mit einander umgehen, denn irgendetwas lag zwischen ihnen und natürlich wusste Harry, was es war. Es war ihre Beziehung, die zwar beendet, aber nie ganz aus der Welt geschafft wurde. Er war sich sicher: Ginny liebte ihn noch und er, er wusste es nicht.
Wenn Liebe bedeutete, den anderen beschützen zu wollen, ihn glücklich zu sehen und ihn gerne in seiner Nähe zu haben, dann liebte er sie, aber gehörte für eine Beziehung nicht noch mehr dazu?
Harry wurde aus seinen Gedanken gerissen, als er ein Scharren hörte. Er setzte sich auf und starrte gebannt auf die Tür. Die junge und blonde Frau, die auch bei seiner Gefangennahme mit dabei war, kam durch die Tür und hinter ihr standen noch zwei weitere Personen, die den Zauberstab erhoben hatten. Ohne ein Wort zu sagen, stellte sie ihm zwei Schüsseln hin, eine mit dampfenden Wasser und einen Lappen, die andere war leer.
So was menschliches hätte Harry nicht von Todessern erwartet. “Danke!”, sagte er, was er auch so meinte, doch er bekam keine Antwort und war ein Paar Sekunden später wieder alleine und die einzige Lichtquelle war der schwache Schein, der durch den Türspalt durch kam.
Er begann sich von Schmutz und SchweiĂź zu reinigen und benutzte auch die zweite SchĂĽssel, um sich zu erleichtern, sie verschwand sofort, als er fertig war.
Dann setzte er sich wieder hin und wartete, worauf genau, konnte er nicht sagen.
Sein Blick war ununterbrochen, auf den Lichtspalt gerichtet, doch auch er verschwand nach einiger Zeit. Vermutlich legten sich nun die Todesser zum Schlafen. Dieser Gedanke lieĂź ihn ein Kribbeln verspĂĽren. Vielleicht wurde er jetzt nicht bewacht und konnte versuchen zu fliehen... irgendwie...
Auf allen Vieren kroch er zu der Holztür und drückte sein Ohr dagegen, um zu lauschen. Es war nichts zu hören, also tastete er alles ab, ob er nicht eine Art Riegel finden könnte. Aber natürlich fand er nichts dergleichen.
Wieder legte er sich schlafen, konnte dieses mal aber nicht so fest schlafen. Als er ein Geräusch hörte, schlug er sofort die Augen auf und richtete sich auf.
Es war wieder die blonde Frau, doch nun war sie alleine. Ihr Zauberstab, den sie auf ihn gerichtet hatte, war die einzige Lichtquelle. Harry blinzelte und bekam plötzlich etwas weiches an den Kopf, eine Decke.
“Falls dir kalt ist”, sagte sie und ihr Blick fiel auf die unangerührte Nahrung. “Du kannst ruhig essen und trinken, wir sind nicht so dumm und mischen etwas da runter, du brauchst also keine Angst zu haben.”
“Ich habe noch keinen Hunger und auch keinen Durst...”
“Sicher”, meinte sie. “Nun, wenn es dich dennoch mal überkommen sollte, kannst du zugreifen.” Sie wollte sich wiederumdrehen.
“Warte!”, hielt Harry sie zurück. “Wann werde ich endlich zu-“
“Unserem Meister geführt?”, beendete sie den Satz. “Das kann ich nicht sagen, er ist sehr beschäftigt und nur selten anwesend.”
Harry nickte stumm und schluckte, was mit einer trockenen kehle nicht sehr einfach war. So würdevoll, wie es in seiner Lage möglich war, stand er auf. Sofort zuckte die Frau zusammen. “Ich mach nichts!”, versuchte er sie zu beruhigen. “Ich möchte dich nur um einen kleinen Gefallen bitten.”
“Und der wäre?” Ihre Augen waren zu schlitzen verengt.
“Könntest du mit deinem Zauberstab mein Essen beleuchten, bitte?”
Sie zögerte noch kurz, doch tat es schließlich, in dem sie in die Ecke trat, wo es sich befand.
“Scheint nicht verschimmelt zu sein...”
“Natürlich nicht!”, entrüstete sie sich. “Das wäre unmenschlich dir so etwas zu geben!”
Harry zog eine Augenbraue hoch. Das aus dem Munde einer Todesserin zu hören, war mehr als befremdend.
“Ich lasse dich nun wieder alleine und komm nicht auf dumme Ideen!”, rückwärts ging sie durch die Tür.
Harry lachte tonlos auf. “Was sollte ich schon anstellen?!” Dann flog die Tür mit einem lautem Knall zu. Er tastete sich an der Wand längs zu seinem Essen und nachdem er es gefunden hatte, setzte er sich auf die eben bekommende Decke. Harry tauchte das Brot in das Wasser, um es aufzuweichen, weil er schnell merkte, dass es sonst zu hart gewesen wäre und begann mehr oder weniger zu schlürfen.
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“Noch eine Woche, dann können wir Malfoy endlich ausquetschen”, sagte Ron und ließ sich genießerisch auf Hermines Bett zurück sinken.
Hermine selbst saß auf dem Boden vor dem Trank. “Ja, aber ich frage mich immer noch, ob wir, selbst wenn der Trank fertig ist, nicht noch auf Harry warten sollten, falls er dann immer noch nicht wieder da ist.”
“Warum denn?”, fragte Ron. “Ich weiß auch, wie man einen Trank einflößt.”
“Es war nur eine Überlegung, vergiss es einfach.”
“Okay, ich habe keine Ahnung, was wir ihn fragen könnten”, redete Ron weiter, anscheinend hatte er nicht gemerkt, was Hermine gesagt hatte.
“Das übliche”, meinte sie. “Was die Todesser vorhaben, wie weit sie sind, woran sie besonders interessiert sind, wo Voldemort... sich… versteckt”, die letzten Worte presste sie zwischen ihren Lippen hindurch. Harry hätte nur noch etwas Geduld haben müssen, dann müsste er sich nicht unnötig in Gefahr bringen. “So ein Vollidiot!”
“Was?”
“Nichts Ron, ich war nur in Gedanken.” Und genau da machte sie weiter. Was denkt der sich eigentlich. Wenn alles glatt läuft, bin ich morgen wieder da, hat er gesagt und jetzt sind schon wieder drei Tage vergangen, ohne irgendeine Spur von ihm. Was soll ich jetzt denken? Dass etwas falsch gelaufen ist?
Sie zuckte leicht zusammen, als sie aus den Augenwinkeln eine Bewegung bemerkte. Ron war vom Bett runter und hatte sich neben sie gesetzt. Erschöpft lehnte Hermine sich an ihn.
“Ist der Trank wirklich fehlerfrei?”, fragte er.
“Ja, absolut. Das erkennt man an der Farbe des Rauches.”
“Was wäre das schlimmste, was passieren könnte, würde der Trank doch nicht richtig gebraut?”
“Er stirbt”, antwortete sie schlicht. “Doch daran möchte ich gar nicht denken.”
“Es wäre ziemlich blöd, würde er sterben, dann wäre es wohl umsonst gewesen, ihn hier zu haben.” Er legte seinen Kopf auf ihren und Hermine kam ein Gedanke.
“Du hast doch nicht etwa vor, den Trank zu präparieren, oder?”
“Quatsch! So etwas könnte ich doch gar nicht.” Ron gluckste und Hermine spürte das Vibrieren seines Körpers. Es schien Hermine zu beruhigen. Seltsam war es schon, dass der gleiche Mensch, der sie so oft zur Weißglut trieb, dennoch für ihr Wohlbefinden sorgen konnte.
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Sechs Schritte lang und sechs Schritte breit.
Das war ungefähr die Größe des Raumes, indem Harry sich befand. Immer und immer wieder hatte er seine Schritte gezählt und war auf und ab gegangen.
Mittlerweile hatte er wirklich jegliches Zeitgefühl verloren und hatte nicht mal eine Vermutung, wie lange er schon gefangen war. Harry hatte zwar versucht, sich an den Mahlzeiten zu orientieren, doch auch die schienen unregelmäßig zu kommen.
Sein ganzer Körper schmerzte, weil er auf dem harten Boden schlafen musste. Sein Magen knurrte unaufhörlich, obwohl er Essen bekam und auch, wenn er sich waschen konnte, fühlte er sich noch ungepflegter, als in den Tagen, die er in der Wüste verbracht hatte.
Mal wieder ließ er an die Wand gelehnt auf den Boden fallen. Starr blickte er auf die dunklen Umrisse der Tür und wartete, dass sie sich öffnete.
Er würde hier sterben, da war er sich nun sicher. Es war nicht das erste mal, dass Harry daran dachte, doch je öfter er es tat, umso deutlicher wurde es ihm.
Er fragte sich, ob sie ihn foltern und töten würden, oder ob er vorher noch eine Chance bekam, um sich zu wehren. Voldemort wollte schließlich seinen Spaß haben, aber dafür musste Harry sich nicht wehren. Vielleicht fand die Folter ja schon statt, vielleicht beobachtete Voldemort ihn und wollte sehen, wie er langsam den Verstand verlor....
“Beeil dich mal!”, rief Harry in die dunkle Leere und kam sich unglaublich bescheuert vor.
Irgendwie hatte er es sich anders vorgestellt, von Todessern gefangen genommen zu werden. Klar, schön war es nicht, aber viel zu harmlos. Er glaubte, dass sie härter sein würden, jetzt, wo es wirklich ernst würde. Dass sie jeden Tropfen ihrer Macht doppelt und dreifach auskosten würden.
Wenn er doch nur eine Möglichkeit hätte, nach Draußen Kontakt aufzunehmen oder, wenn er überhaupt etwas tun könnte.
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“Und, was tun wir jetzt?”, fragte Ginny. “Immer noch warten?”
Hermine zuckte mit den Schultern, sie hatte keine Ahnung. Der Trank war fertig und der Drang groĂź, ihn auch zu benutzten, doch Harry sollte dabei sein.
“Er wird nicht mehr kommen-”
“Sag so etwas nicht, Ron!”, fuhr Ginny dazwischen.
“Es ist doch so! Ich meine nicht, dass er nicht mehr lebt, halt nur, dass er nicht mehr kommt.”
“Ich bin dafür, dass wir es jetzt tun, wir können nicht länger warten, je länger wir warten, umso schwieriger wird alles”, meinte Tonks.
“Der Meinung bin ich auch.” Mr Weasley nickte.
Hermine schluckte. “Dann sollten wir ihn wohl hoch holen, oder?”
Warum machte sie es so schwer? Wieso schien sich etwas in ihr zu wehren? Weil Harry nicht da war, oder wegen etwas anderem?
“Gut, wir machen das, hol du den Trank!”
“Und wo werden wir es tun?”, fragte Mrs Weasley.
“Molly, sag das nicht so, man könnte denken, wir wollten ihn hinrichten.” Tonks verdrehte die Augen.
“Ich frage ja nur. Lasst es uns im Wohnzimmer machen.”
“Von mir aus.”
Hermine ging in ihr Zimmer, schnappte sich ein kleines Fläschchen und füllte etwas von dem Trank hinein. Zumindest versuchte sie es. Ihr Hand zitterte und erschwerte die Aufgabe ungemein, doch schließlich schaffte sie es und ging wieder nach unten.
Draco Malfoy war noch nicht da und nur Mrs Weasley und Ginny fand sie vor. Tonks brachte ihren Sohn in sein Zimmer und die Männer holten Malfoy.
Mrs Weasley hatte alle Möbel zur Seite geräumt und einen massiven Holzstuhl in die Mitte des Raumes gestellt.
“Jetzt sieht es wirklich wie eine Hinrichtung aus”, meinte Ginny, doch ihre Mutter tat so, als könne sie nichts hören. “Soll ich vielleicht noch ein Seil holen, damit wir ihn festbinden können?”
“Ich glaube es reicht”, meinte Hermine und stellte sich neben sie. Nervös fuhr sie sich durchs Haar. Tonks stieß wieder zu ihnen und dann waren die Schritte vom Keller her zu hören.
Dracos Gesicht verkrampfte sich panisch, als er seinen Blick zu dem kleinen Fläschchen in Hermines Hand schweifen ließ. Ihr wurde das Herz schwer, als sie es bemerkte.
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