
von aliena
Danke an chap01 und viel Spaß beim lesen des nächsten Kapitels und schreibt mir, wie ihr es findet.
LG aliena
Die Macht des Blutes
20. Ein riesiges Missverständnis
“Steh auf!”, rief eine Stimme schroff.
Harry blinzelte verwirrt ins Licht. Er hatte gerade versucht zu schlafen, als die Tür aufgerissen würde und viel zu helles Licht hineinströmte. Er brauchte einen Moment um sich zu sammeln, doch da wurde er schon am Arm gepackt und hochgerissen.
“Ben! Sei nicht so grob!” Es war die blonde Frau, sie funkelte den Mann verärgert an, dann richtete sich ihren Blick auf Harry. “Streck deine Arme aus, Handgelenke aneinander!”
Harry ging der Aufforderung nach und sie fesselte ihn mit einem Zauberspruch.
“Nun, komm!”
Die beiden führten ihn durch einen kahlen und steinernen Gang. Harry stolperte mehrmals fast über seine Füße und seine Augen hatten Probleme sich an das Licht zu gewöhnen. Sollte Voldemort sich noch mit ihm duellieren, hätte er leichtes Spiel.
Plötzlich war ein dumpfer Aufschlag zu hören. Harry war für einen kurzen Moment zu unachtsam gewesen und war gestürzt.
“Reiß die dich zusammen, man!”
“Jetzt hör endlich auf, ihn fertig zu machen. Er war über eine Woche in diesem Loch eingesperrt, da würde ich dich gerne mal sehen!”
“Oh, die Retterin der Unterdrückten”, tönte Ben sarkastisch. “Wieso bist du überhaupt hier, wenn du so viel gegen unsere Methoden hast, häh?”
Sie schluckte. “Wir müssen zum Meister, wir haben jetzt keine Zeit dafür.”
Die drei gingen weiter.
Harry wusste nicht, wie lange sie gingen, denn er war zu sehr in Gedanken vertieft und stellte sich vor, was gleich geschehen wĂĽrde, doch Angst hatte er immer noch nicht.
Die zwei Todesser fĂĽhrten Harry wieder nach drauĂźen. Das Sonnenlicht erhellte alles und es wehte eine kalter Wind ĂĽber die riesige Steinplatte, auf der mehrere Todesser standen und warteten, doch Harry konnte nirgends Voldemort entdecken. Wo war er?
“In die Mitte mit ihm!”, sagte ein großer Mann mit italienischem Akzent. Er hatte wildes, dunkles Haar. Seine Augen waren genau so dunkel und wirkten fast schwarz, unter seinen dichten Augenbrauen.
Harry wurde vor ihn gestellt und musste sich hinknien. Er stellte fest, dass er wirklich keinen dieser Todesser kannte.
“Wie ist dein Name?”
Harry stutzte. Sie wussten nicht, wer er war. Er hatte sich schon gewundert, warum sich die Todesser nicht mehr an der Tatsache ergötzt hatte, dass sie ihn gefangen hatten, aber, dass sie ihn wirklich nicht erkannt hatten, wunderte ihn schon arg.
“Wie ist dein Name!” Dieses Mal war es eine Aufforderung.
“Harry Potter.”
Stille trat ein. “Wirklich?”, fragte der Anführer und plötzlich brach er in schalendes Gelächter aus, einige andere Todesser taten es ihm nach. “Wie ist dein richtiger Name?”
“Das ist mein richtiger Name”, erwiderte Harry. Was sollte das? Und wo war Voldemort? “Wirklich, ich…”
“Und was sollte Harry Potter hier bei uns wollen?”
“Vielleicht gefangen gehalten werden”, er tat, als würde er überlegen.
“Mmh, du hast Mut jetzt noch immer so frech zu sein, dabei könnten wir dich einfach hier runter werfen.”
“Früher oder später werdet ihr mich sowieso töten”, meinte Harry und zuckte mit den Schultern.
Der Anführer schüttelte den Kopf. “Wir werden dich nicht töten, diesen Gefallen würden wir dir niemals tun. Du wirst uns behilflich sein, unsere Feinde zu besiegen.”
Nun war es an Harry zu lachen. “Nichts werde ich tun.”
“Doch, du wirst. Aber dafür müssen wir ehrlich zueinander sein. Also: Wie ist dein wirklicher Name?” Er sah Harry scharf aus seinen dunklen Augen an.
“Mein Name ist Harry Po…” Bevor er zu Ende sprechen konnte, bekam er eine kräftige Ohrfeige verpasst. Er landete mit dem Gesicht auf dem harten Steinboden und atmete so viel Sand ein, dass er anfing zu husten.
“So kann es die ganze Zeit weiter gehen, Todesser!”
Harry blickte zu dem Anführer rauf. “Was?”, stammelte er verwirrt. “Todesser…?”
“Ja, warum sollte Harry Potter auf der Seite der Todesser sein?” Der Mann kniete sich zu ihm nach unten.
“Ich… ich bin kein Todesser!”
Klatsch! Noch ein Schlag in sein Gesicht.
“Wie ist dein Name?”
“Harry-”
Klatsch! Nun floss Blut aus Harry Mundwinkel.
“Wie ist dein Name?”
“Ich werde nicht lügen und mir einen anderen Namen geben!”, brüllte er und fand sich einen Moment später mit dem Rücken auf dem Stein.
“Sag die Wahrheit!”, knurrte der Anführer.
“Aber das tue ich doch. Wie soll ich denn beweisen, dass ich die Wahrheit spreche… ich weiß: Meine Narbe!”
“Die kann ein Todesser auch haben.”
“Und wie? Na gut, ich wäre auch bereit, einen Wahrheitstrank zu schlucken.”
Es entstand eine kurze Pause. Der Anführer leckte sich über die Lippen. “Netter Versuch, aber wir werden es dir nicht so leicht beim Sterben machen.”
Er wollte gerade wieder ausholen, da ging die blonde Frau dazwischen. “Wartet! Vielleicht ist er es doch.”
“Und wie, willst du das heraus finden, Nora?”
“Vielleicht finden wir ja noch eine alte Zeitung, wo ein Bild von Harry Potter drauf gedruckt ist. So können wir ihn überprüfen, ohne das sein Leben in Gefahr ist, denn ohne Vielsafttrank kann er sich schließlich nicht verwandeln.”
Der Anführer überlegte. “Na gut, aber mach schnell!”
Die Frau verschwand.
“Komm hoch!” Er zog Harry wieder auf die Beine. “Wenn du wirklich die Wahrheit sagst, dann hast du doch bestimmt eine Erklärung dafür, warum du hier eingedrungen bist.”
“Ich suchte das Versteck von Voldemort.”
Ein kurzen Zucken ging durch das Gesicht des Mannes.
“Aber vermutlich bin ich falsch gewesen.”
“Nicht nur vermutlich, sondern ganz bestimmt. Wir sind keine Todesser. Wir bekämpfen sie!”
Harry stutzte. “Davon merkt man aber nicht viel, die Todesser tun was sie wollen und wo sie es wollen.”
“Wir können uns nicht überall einmischen, Junge. Wer weiß, wie es sein würde, wenn wir nicht sein würden.”
“Und, wer sagt mir, dass ihr die Wahrheit sprecht? Dass ihr keine Todesser seid?”, fragte Harry.
“Du musst uns einfach vertrauen.”
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Es war diese Panik in Dracos Blick, welche in Hermine ein unglaublich schweres Gefühl verursachte. Etwas schien sich eh schon in ihr dagegen zu sträuben und nun das!
“Nein!”, stammelte Draco ganz leise und fixierte de Stuhl, der für ihn bereit gestellt wurde. “Nein, das geht nicht!”
Hermine ertappte sich dabei, wie sie versuchte das kleine Trankfläschchen hinter ihrem Rücken zu verstecken.
“Auf den Stuhl mit ihm”, keuchte Lupin, weil er Schwierigkeiten hatte Draco festzuhalten, der sich immer heftiger wehrte und sinnlos vor sich hin sprach. Er schien völlig unter Schock zu stehen.
Mit aller größter Mühe schafften es Mr. Weasley, Ron und Lupin ihn auf den Stuhl zu bekommen, wo sie ihn mit einem Zauber festhielten.
“Nein, bitte! Das geht nicht!”, brüllte Draco nun. “Ihr könnt das nicht machen, sonst…”
“Silentium!”, sagte Tonks und deutete mit ihrem Zauberstab auf sein Gesicht. Draco verstummte augenblicklich, nur die Panik in dem Gesicht blieb.
“Tut mir Leid, aber wir wollen dir nichts schlimmes. Wir werden dich nicht foltern oder ähnliches”, versuchte sie ihn zu beruhigen.
“Hermine, gib mir den Trank!”, sagte Lupin und sie reichte es ihm. Er entkorkte das Fläschchen und schritt auf Draco zu, der seinen Kopf hin und her bewegte.
Grob packte er ihn am Kiefer und drückte ihm so den Mund auf. “Es wird schon nicht all zu schlimm”, meinte er und träufelte Draco den Trank in den Mund.
Hermine schaffte es nicht hin zu schauen. Egal, was sie schon alles gesehen hatte und egal, was sie von dem Malfoysprössling dachte, dies ging ihr doch zu sehr an die Nerven. Es reichte ihr, nur die Geräusche zu hören.
“Gut”, sagte Lupin und klopfte Draco beruhigend auf die Schulter. “Das war alles! Es ist nur eine Absicherung, dass du auch die Wahrheit sagst.”
Hermine drehte sich wieder zum Geschehen und bemerkte, dass stumme Tränen über Dracos Gesicht liefen. Es wollte so gar nicht zu der furchtbaren Narbe passen, die sich über seine eine Gesichtshälfte zog.
“Wir werden den Zauber gleich von dir nehmen, wenn du versprichst nicht zu schreien, in Ordnung?”, fragte Tonks, doch es kam keine Regung. Draco hatte die Augen geschlossen und formte mit seinen Lippen stumme Worte.
“Der Junge muss einen Schock haben!, meinte Mrs. Weasley. “Das ist doch nicht normal!”
“Draco…”, begann Lupin, aber brach ab, als der Angesprochene anfing mit dem Stuhl vor und zurück zu wippen. Seine Lippen begannen zu zittern und sein Gesicht veränderte seine Farbe. Unter der sonst so blassen Haut, bildeten sich rote Flecken.
“Schnell, bindet ihn los!”
Tonks sprach sofort den Zauber und Draco rutschte auf den Boden. Er fasste sich an die Kehle und gab ein eigenartiges Gurgeln von sich.
Hermines Herz war stehen geblieben und ihr Kopf war wie leer gefegt. Verzweifelt versuchte sie einen Gedanken zu fassen, doch es gelang ihr nicht. Sie wollte schreien, dass jemand doch etwas tun sollte, doch es kam nichts ĂĽber ihre Lippen!
Dracos Hautfarbe wechselte von Dunkelrot zu Blau und das Gurgeln veränderte sich, es wurde gedämpfter. Dunkles Blut quoll aus seinem Mund hervor und benetzte sein Gesicht.
Nun reagierten Lupin und Mrs. Weasley. Sie knieten sich neben ihn und murmelten verzweifelt irgendwelche ZaubersprĂĽche. Mr. Weasley versuchte Draco wieder zum atmen zu bringen.
Hermine hörte nur noch die Geräusche, die Draco von sich gab, sah nur das Blut, welches inzwischen über den Boden lief und spürte nur ihre verdammte Leere in ihrem Kopf.
Lupin warf seinen Zauberstab quer durch den Raum und warf sich nun mit beiden Händen auf Dracos Brustkorb. Sein Gesicht war vor Anstrengung verzehrt. Mit all seiner Kraft drückte er auf ihn. Es war kein Gurgeln mehr zu hören, stattdessen ein tiefes, fast erleichtertes Aufatmen.
Alle starrten wie gebannt auf Draco Malfoy, der leblos und blutüberströmt auf den Boden lag. Wie lange es dauerte konnte keiner sagen, doch dann sprach Tonks aus, was niemand wahr haben wollte: “Er… ist tot…”
Ein Schluchzen war zu hören. Es kam von Ginny, die auf die Couch gesunken war und ihre Fingernägel in ihr Gesicht rammte.
Auch Hermine flossen die Tränen übers Gesicht. Ihr wurde schwindelig und sich sackte auf den Boden. Ihr Blick ruhte auf dem leblosen Gesicht von Draco, das starr auf die Decke gerichtet war.
Wie konnte das geschehen? Sie starrte auf das Trankfläschchen… war es möglich, dass sie etwas falsch gemacht hatte? Nein, sie hatte es doch mehrmals überprüft.
Sie blickte wieder in die Gesichter der anderen. Niemand rĂĽhrte sich. Es war so unwirklich, es war zu schnell und unerwartet gekommen.
Mrs. Weasley hatte sich neben Ginny gesetzt und wiegte sie in ihren Armen. Fred, George und Ron schauten einfach ausdruckslos irgendwo hin, Mr. Weasley schüttelte den Kopf und Lupins Gesicht war verzerrt. Auch ihm liefen Tränen über das Gesicht, doch sie hätten auch von der Wut herrühren können, die in seiner Mimik zu sehen war.
Hermine erhob sich langsam und schritt zu dem Fläschchen, welches auf dem Tisch stand. Sie streckte ihre Hand aus und betrachtete die restliche Flüssigkeit. Sie schien genau richtig, gerade zu perfekt. Ron schaute zu ihr auf und Hermine wusste, was er dachte. Er dachte wohl an das Gespräch, welches sie eine Woche zuvor gehabt hatten.
“Ich habe nichts getan, so etwas hätte ich nicht gewollt”, murmelte er.
Hermine schüttelte den Kopf. “Ron, dass hätte ich auch nicht gedacht!”
“Gibst du mir bitte den Trank?”, forderte Lupin tonlos. Auch er betrachtete ihn genauer, könnte aber keinen Fehler finden. Er seufzte und rieb sich die Augen, dann strich er mit der Hand über das Gesicht von Draco, um seine Lieder zu schließen. “Armer Junge”, flüsterte er.
“Wie könnte das passieren, Remus?”, fragte Tonks.
“Ich weiß es nicht, der Trank ist in Ordnung.”
“Wir hätten ihn aussprechen lassen sollen, vielleicht hatte er etwas dazu zu sagen”, sagte Fred.
“Wie sollten wir denn wissen, dass… das geschieht!”, erwiderte George. “Wer kommt denn darauf!?”
“Vielleicht hätte Harry…”
“Ach, jetzt hör endlich mit Harry auf, Hermine!”, fuhr Ginny ihr dazwischen. Sie wischte sich die Tränen mit dem Ärmel ihres Pullovers weg. “Was hätte Harry wissen sollen, schließlich war es doch seine Idee gewesen, dass wir Draco ausfragen sollen!” Sie sah Hermine böse an.
“Es tut mir leid, es war nur eine Überlegung”, murmelte Hermine und wandte sich ab, doch so erblickte sie Draco und sie drehte sich schnell wieder in die andere Richtung.
“Was machen wir jetzt, Arthur?”, fragte Mrs. Weasley. “Wir können den Jungen nicht hier liegen lassen.”
“Nein…”, Mr. Weasley seufzte. “Am besten wäre es, wenn wir ihn irgendwo vergraben könnten…” Ginny funkelte auch ihn an und er verstummte.
“Wir sollten ihn erst vom Blut reinigen”, sagte Tonks. “Dann machen wir uns weiter Gedanken.”
“Ich werde das erledigen.” Mrs. Weasley erhob sich und kniete sich neben Draco. Sie machte eine kurze Bewegung mit ihrem Zauberstab und reinigte sein Gesicht vom fast angetrockneten Blut. Traurig blickte sie auf ihn herab.
Tonks stand auf und holte eine graue Decke, dort wickelten sie Draco ein.
So mussten sie wenigstens nicht mehr sein Gesicht ertragen und auch, wenn die
Stimmung noch angespannt war, wirkte sie doch gelöster, als vorher.
Hermine schaute zu Ginny, die ihren Blick auf die Wand ihr gegenĂĽber gerichtet hatte. Ihre Gedanken schienen ganz woanders zu sein.
„Wir müssen ihn von hier fort bringen“, sagte Lupin und alle wussten, dass er recht hatte. „Am besten wohl heute Nacht.“
„Und wie tragen wir ihn? Es ist jetzt ja nicht so, dass er das Gewicht von einem kleinem Mädchen hat“, sagte George.
„Wozu sind wir Zauberer?“
„Und was tun wir jetzt, lassen wir ihn hier liegen, bis es dunkel wird?“
Alle schauten auf die Decke. “Legen wir ihn auf die Couch”, meinte nun Ginny und erhob sich von dieser. “So lange dauert es ja nicht mehr, bis es dunkel ist, schließlich haben wir Winter.” Sie stellte sich mit verschränkten Armen neben Hermine und Mr. Weasley und Lupin schafften Draco unter großen Anstrengungen auf die Couch; Mrs. Weasley reinigte auch den Boden von der Blutlache.
“Jetzt stellt sich die Frage, wo genau wir ihn hinschaffen”, sagte Ginny. “Einfach auf die Straße werfen kommt wohl nicht in Frage.”
“Vielleicht im Park”, schlug Ron vor.
“Ja, genau! Vielleicht sollten wir noch einen anderen Ort wählen, wo sich noch mehr Menschen aufhalten!”, murrte Fred.
“Vielleicht vor die Füße des Ministeriums?”, setzte George nach. Ron öffnete den Mund, um etwas zu erwidern, doch Tonks war schneller.
“Ein Park wäre gar nicht so schlecht. Dort könnten wir ein Loch graben und so viele Menschen werden schon keinen Spaziergang machen, erst recht nicht im Dunkeln.”
Hermine blickt auf die graue Decke und seufzte schwer.
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