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Fanfiction

Wie vernünftige Menschen (Übersetzung) - Wie vernünftige Menschen (Übersetzung)

von Lapis

Wie vernünftige Menschen

„Malfoy.“

Malfoy blieb einen Augenblick wie erstarrt stehen, bevor er weiter von ihm fort eilte. Harry verdrehte die Augen und holte ihn mit einem einzigen großen Schritt wieder ein. Nur ein leichter Schlag auf Malfoys Schulter war nötig und der andere Mann wirbelte herum, mit rosa verfärbtem Gesicht und erhobener Hand, als könne er Harry mit zauberstabloser Magie gegen die Wand pusten.

„Potter, ich schwöre, wenn du mich noch einmal beschuldigst, dass ich deine Federn stehle, wenn ich es nicht- “

„Ich sehe doch, wie du sie immer von meinem Schreibtisch klaust“, sagte Harry und blickte sich einen Moment lang in dem gesichtslosen Korridor um, der von der Aurorenabteilung zu den Aufzügen führte. Dass er den Mut aufgebracht hatte, Malfoy anzusprechen, bedeutete nicht, dass er es vor ungefähr hundert Leuten tun wollte. Aber er sah niemanden. Harry war geblieben, um Überstunden zu machen und Malfoy war geblieben, um Harry zu beobachten, während er vorgab, genau das nicht zu tun. Befriedigt wandte sich Harry ihm wieder zu. „Aber mach dir nichts daraus. Das ist es nicht, über was ich mit dir reden wollte.“

„Was dann?“ Malfoy machte einen weiteren Schritt von ihm weg und gab sich sichtlich Mühe, locker zu wirken, was ihm aber nicht gelang. Sein Haar fiel ihm um das Gesicht und sein Atem kam in leichten Stößen, die nicht einfach entzückend waren, wie sich Harry streng zurechtwies. „Ich habe Shacklebolt den letzten Report rechtzeitig gebracht, dir schon ungefähr fünfhundert Mal dafür gedankt, dass du mir nach dem Krieg meinen Zauberstab zurückgegeben hast und in letzter Zeit keinen deiner Freunde beleidigt. Was willst du von mir?“

Harry bedachte ihn mit einem Lächeln, von dem er hoffte, dass es charmant wirkte. Doch als Malfoy ihn beäugte, als hätte er Essensreste zwischen den Zähnen, dachte er sich, dass er sich die Mühe hätte sparen können. Aber es war nicht genug, um ihn von seinem Plan abzubringen.

„Lust auf ein Rendezvous mit mir?“

Malfoy verschluckte sich. Dann beugte er sich vornüber und begann heftig zu husten. Harry, der ihn dies schon öfter hatte tun sehen, zog seinen Zauberstab hervor und hielt ihn bereit.

Und tatsächlich, Malfoy, der seinen Gegner überrumpeln wollte, hörte plötzlich auf zu husten und rannte seitlich zu den Lifts. Harry schnalzte einmal mit dem Zauberstab und errichtete einen Schild vor Malfoy. Er musste anhalten oder es riskieren, gegen den schimmernden, silbrigen Schleier zu stoßen und von ihm abzuprallen wie von einer Gummiwand. Er blieb mit dem Rücken zu Harry stehen und weigerte sich, ihn anzuschauen.

„Ich weiß, dass du auf mich stehst, auch wenn du dich nicht mit mir verabreden möchtest“, sagte Harry ruhig. „Du starrst mich nämlich ziemlich offensichtlich an. Und ich finde, du siehst recht gut aus, auch wenn ich bisher gedacht hatte, dass du zu unausstehlich bist, als dass ich dich besser kennen lernen möchte. Aber du warst in den letzten Wochen netter. Also. Ein Rendezvous? So weit ich weiß, macht man das unter diesen Umständen so.“

Malfoy drehte sich langsam um und sah ihn an. Er war nun bleich und Harry hob eine Augenbraue und war gespannt zu hören, welchen Unsinn er sich nun wieder in den Kopf gesetzt hatte.

„Du machst dich über mich lustig“, flüsterte er. Er hatte die Hände an der Seite und krallte sie derart in seiner Dienstrobe fest, dass Harry ein wenig überrascht war, dass er sich nicht selbst zwickte. „Alle hier wissen, dass du hetero bist. Die einzige Person, mit der du dich je verabredet hast, ist Weasleys kleine Schwester.“

Harry seufzte. „Malfoy, der Tagesprophet hat eine Woche lang Sonderbeiträge über meine Sexualität gebracht, als sie dieses Photo in die Finger bekamen, auf dem ich Marcus Flint küsse.“ Flint zu küssen war eine betrunkene Wette gewesen und der war prompt hingegangen und hatte die Bilder an den Tagespropheten verkauft. Aber es war schon in Ordnung. Harry hatte es ihm mit einem Fluch heimgezahlt, der dafür sorgte, dass Flint eine Woche lang in aller Öffentlichkeit Orgasmen nach dem Zufallsprinzip hatte. Außerdem war es ein schnellerer Weg gewesen, sich zu outen, als Harry sich jemals selbst hätte ausdenken können. „Du kannst mir nicht erzählen, dass dir das entgangen ist. Im Übrigen habe ich dich auch über Photos von mir schmachten sehen. Wahrscheinlich schneidest du sie aus und bewahrst sie in einer Art verrückter Sammlung auf.“

Malfoys Gesicht wurde noch blasser. „Da siehst du's.“

„Was sehe ich?“ Harry begann sich zu fragen, ob Malfoys gutes Aussehen es lohnte, diese lächerliche Geschichte durchzuziehen.

„Du kannst mich nicht mögen, wenn du dich über mich lustig machst.“ Malfoy streckte die Nase in die Luft und machte einen Schritt rückwärts. „Das ist ein riesengroßer Witz, um mich hereinzulegen und mich auszulachen, wenn ich dein Angebot akzeptiere. Auch wenn du denkst, dass du so ein toller Fang bist, Potter, ich kann dir versichern, dass ich andere Angebote habe.“

„Nämlich?“

Die Spitzen von Malfoys Ohren färbten sich leuchtend rot und er murmelte einen Namen, den es unmöglich wirklich geben konnte, es sei denn, es gab in Britannien einen Zauberer, der tatsächlich grausam genug war, sein Kind Persipolis Wishifgizzle zu nennen.

„Es ist kein Witz und auch keine Lüge“, sagte Harry. „Ich wollte nur sehen, wie du auf den Vorschlag reagieren würdest. Anscheinend magst du mich doch nicht so sehr wie ich dachte oder du ziehst es vor, mich aus der Entfernung anzuhimmeln. Das ist in Ordnung. Ich habe nur gefragt.“ Er war reif und erwachsen. Er würde vielleicht diesen Abend nach Hause gehen und sich betrinken, aber er würde sich nicht fühlen, als hätte ihm jemand ein Messer ins Herz gerammt, so wie er es damals als Vierzehnjähriger getan hatte, als Cho nicht mit ihm zum Weihnachtsball hatte gehen wollen.

Er ließ den Schild verschwinden und ging an Malfoy vorbei. Aber Malfoys Hand schloss sich um seine Schulter, bevor er weit gekommen war. Harry blickte zu ihm zurück und fragte in bewusst kühlem Ton: „Ja?“

Malfoy zwang seinen Kiefer, sich zu bewegen. „Ich - eventuell möchte ich mich mit dir verabreden“, sagte er. „Vorausgesetzt, ich darf entscheiden, wohin wir beim ersten Mal gehen. Ich traue dir nicht genug, um dich den Ort aussuchen zu lassen.“

Harry musste grinsen. Malfoy war so trotzig hilflos in solchen Momenten. Vielleicht fühlte Harry sich zu ihm hingezogen, weil er sich um jemanden kümmern wollte, der hilflos war. Es gab schlechtere Gründe jemanden zu mögen, besonders wenn man nicht viel über ihn wusste, außer, dass er gut aussah und zu einigermaßen erwachsenem Verhalten fähig war. „Geht klar. Wenn ich die Zeit festlegen darf.“

*

Draco Malfoy ist der frustrierendste Mensch auf Gottes Erdboden.

Harrys Kinn hatte einen energischen Zug, als er an Dracos Haustür hämmerte. Es war ein unscheinbares Gebäude aus tristen Ziegeln, das sich ausgerechnet in Muggel-London befand, und Steinen über einer Tür, die eindeutig schon bessere Tage gesehen hatte. Der Himmel über der Straße, wo es stand, war immer grau, selbst an Tagen, an denen es anderswo sonnig war. Als Harry ihn gefragt hatte, warum er hier blieb, hatte Draco ihn nur angefunkelt und gesagt, er hätte sich mit seinen Eltern gestritten. Harry hatte nichts weiter dazu gesagt, damit er nicht auf die Idee kam, Harry mache sich auch darüber lustig.

Aber jetzt würde er hereinkommen, ob Draco nun wollte oder nicht. Sie hatten sich zum vierten Mal verabredet, an einem kleinen See im Norden von Schottland. Als sie aus ihrem Mietboot geklettert waren, war Harry auf Draco gefallen und ihre Leisten hatten sich kurz berührt. Draco hatte Harry auf der Stelle weggeschubst, ihm irgendetwas Unzusammenhängendes in Richtung „willst die Situation ausnutzen“ entgegen gebrüllt und war appariert. Harry wusste, dass er nach Hause appariert war, weil er nirgendwo anders hinging, wenn er schmollte.

Er würde noch einmal klopfen, aber danach war Schluss mit Dracos Spielchen. Er tat es und wartete. Er hörte ein Schlurfen, das ihn vermuten ließ, dass sich Draco auf der anderen Seite der Tür befand, die er wahrscheinlich mit einem seiner Lieblingszauber in ein Ein-Weg-Fenster verwandelt hatte. Harry seufzte, trat ein paar Schritte zurück und rief: „Könnten wir das klären wie vernünftige Menschen?“

Keine Antwort.

Harry nickte. „Na dann“, sagte er und zielte mit dem Zauberstab. „Reducto!“

Dracos Tür flog auseinander. Harry hörte einen gellenden Aufschrei und wildes Getrappel, was ihn davon überzeugte, dass Draco nicht allzu schwer verletzt sein konnte. Natürlich wäre es ziemlich dumm gewesen, in der Nähe der Tür zu bleiben, sobald er die erste Silbe des Spruches gehört hatte, aber Dracos Misstrauen hatte sein Hirn schon öfter ausgeschaltet.

Die Tür führte - jetzt nur noch theoretisch - in einen kleinen Raum, den Draco in ein behelfsmäßiges Arbeitszimmer verwandelt hatte, falls man dem Schreibtisch und dem kleinen Regal voller Bücher und Federn Glauben schenken wollte. Harry ging am Schreibtisch vorbei, wandte sich seitwärts und spähte einen Augenblick in den hinteren, abgedunkelten Teil der Wohnung.

Dann kauerte er sich nieder und blickte unter den Schreibtisch.

Draco funkelte ihn beschämt und aufgebracht an. Sein Blick hätte einer ins Badewasser gefallenen Katze Ehre gemacht.

„Hör mir zu“, sagte Harry geduldig. „Es war ein Versehen, dass ich auf dich gefallen bin. Ich bin es nicht gewohnt, in Boote und wieder heraus zu klettern und das Gras am Ufer war nass. Kein Wunder, dass ich ausgerutscht bin. Denk nach. Würde ich wirklich mit so einem Überraschungsangriff alle meine Chancen ruinieren, wenn du es ganz eindeutig klar gemacht hast, dass du noch keinen Sex mit mir haben willst? Was klingt logischer?“

Draco schüttelte sich, als könne er immer noch das kalte Wasser fühlen, das ihn durchweicht hatte und sagte geringschätzig: „Woher soll ich wissen, was du willst? Wir sind jetzt einen Monat lang miteinander ausgegangen. Vielleicht kannst du nicht länger warten. Und wenn ich sage, ich möchte immer noch keinen Sex, dann machst du Schluss, nicht wahr?“

„Nein“, sagte Harry.

„Aber wieso bist du bereit zu warten?“ wollte Draco wissen. „Du hast schon einmal gesagt, dass du mich nicht besonders gern magst. Gutes Aussehen und dein Retterinstinkt sind als Gründe nicht gut genug, um mit mir zusammen zu bleiben, wenn es nur dürftiges gegenseitiges Wichsen gibt.“

Harry blinzelte. Es war ihm nicht klar gewesen, dass Draco sein Bedürfnis, ihn vor dem Rest der Welt zu beschützen, weil er selbst so miserabel darin war, irgendwie aufgeschnappt hatte. „Einen Monat lang gegenseitiges Wichsen würde ich kaum dürftig nennen“, sagte er langsam, während er versuchte, sich eine verständlichere Erklärung einfallen zu lassen. „Und ich glaube, ich fange an, dich als Person zu mögen. Denk drüber nach, ich habe heute über die meisten deiner Witze gelacht.“

Draco rutschte unter dem Schreibtisch hin und her, die Finger in fest in seine Beine gekrallt. Harry dachte sich, dass es ihm vermutlich langsam unbequem wurde, aber dass er viel zu stolz war, das zuzugeben. „Es schien zeitlich zu perfekt abgepasst, um zufällig zu sein.“

„Wenn du das wirklich glauben möchtest, werde ich dich nicht vom Gegenteil überzeugen können“, antwortete Harry. „Ich kann dir nur erklären, dass es keine Absicht war, mich für den Unfall entschuldigen und gehen, wenn du deine Meinung wirklich nicht änderst.“

Draco brütete noch eine kleine Weile vor sich hin. Dann streckte er eine Hand aus. Harry packte sie und zog und Draco schoss unter dem Schreibtisch hervor wie ein Korken aus der Flasche. Nur Harrys schnelle Seitwärtsbewegung verhinderte, dass sie wieder aufeinander landeten. Aber Draco fiel mit verrutschter Robe auf den Fußboden und Harry blickte auf ihn herab und konnte auf seinem entblößten Rücken eine erhabene, weiße Narbe in Form eines Kreuzes erkennen.

Er sah weg, da er Dracos Empfindlichkeiten respektierte und ihn nicht verärgern wollte, denn der war schon dabei, sich wieder umzudrehen. Aber er wollte wissen, was diese Narbe verursacht hatte, genauso wie er wissen wollte, welche Faktoren für Dracos störrisches, andauerndes Misstrauen ihm gegenüber verantwortlich waren. Schiefgegangene Beziehungen? Ein gewisser Unglaube, dass er ausgerechnet mit Harry Potter ausging? Vorsicht den Reportern gegenüber, die Harry noch immer verfolgten?

Ihm ging plötzlich auf, dass er eine ganze Menge über Draco Malfoy wissen wollte und hatte für den Moment, da Draco ihn wieder anschauen würde, ein warmes Lächeln bereit.

Draco starrte ihn an, dann hustete er, schloss den Mund und blickte weg.

*

Harry streckte sich genüsslich und grinste einen Moment lang mit geschlossenen Augen zur Decke hoch. Draco mochte seine Wichs-Diät aus Gründen verhängt haben, die Harry nicht verstand, aber es war die Wartezeit wert gewesen.

Harry dachte nicht, dass er sich jemals so warm gefühlt hatte wie am Abend vorher. Draco hatte ihn während ihres ganzen Zusammenseins beharrlich umarmt, als fürchte er, Harry für immer zu verlieren, wenn er seine Hände auch nur einmal von ihm nehmen würde. Sein Mund hatte dieselbe Beharrlichkeit gezeigt und an Harrys Hals und seinen Hüften gesaugt und geknabbert, als sein Kiefer schon längst schmerzen musste. Als Harry dachte, sie seien beide so erschöpft, dass sie zu nichts mehr in der Lage wären als in ihre Kissen zu plumpsen, hatte Draco eine Linie auf seiner Brust entlang geleckt, von seinem Nabel zu seinen Nippeln und wieder zurück, langsam und bedächtig, bis Harry vor Hitze und aufwallendem Blut gebebt und sich wieder auf ihn gerollt hatte.

Er streckte den Arm aus, um Draco wach zu kitzeln und ihm einen der vielen Gefallen zurückzuzahlen, die er vergangene Nacht erhalten hatte. Oder Draco dazu zu bringen, ihm einen zurückzuzahlen; er hatte da etwas die Übersicht verloren.

Er fand nur kühle Laken vor. Harry öffnete schließlich die Augen und wandte den Kopf, nur um Draco am anderen Ende des Schlafzimmers zu finden, wo er aus dem Fenster starrte. Das Fenster war verzaubert - von dem einen Fenster, das tatsächlich im Apartment eingebaut war, sah man nur auf eine Ziegelmauer - und Draco hatte Harry erklärt, dass er normalerweise einen Zauber darauf legte, so dass es seine eigene Stimmung widerspiegelte. Und nun zeigte es gerade einen grauen Ozean, auf den Regen herabströmte und Blitze aus schweren, dunklen Wolken herunterzuckten. Harry blinzelte, setzte sich auf und blickte sich im Schlafzimmer nach irgendeinem Zeichen dafür um, was Draco verärgert haben konnte. Es war ein angenehmes Zimmer, in hellen Blau- und Cremetönen und außer einem Stuhl, über den sie am Abend zuvor gestolpert waren und einem Phönix aus Porzellan, den sie zerbrochen hatten, konnte er nichts Ungewöhnliches erkennen.

„Draco?“ fragte er.

Draco versteifte sich, drehte sich aber nicht um, um ihn anzuschauen. Er sprach leise und zögernd. „Ich nehme es dir nicht übel, wenn du mich jetzt hasst.“

Harry fiel das Kinn herunter und war froh, dass kein Spiegel im Raum war, der Draco erlaubt hätte, ihn von dort zu sehen, wo er stand. „Was?“, fragte er hilflos. „Warum sollte ich dich hassen?“

„Du hattest gestern Abend einiges an Feuerwhisky“, sagte Draco. Er rieb sich mit einer Hand über den Kiefer und fuhr mit den Fingern durch die hellblonden Stoppeln, die dort wuchsen. Sein intensives Verlangen, mit dem Mund darüber zu fahren, erhöhte Harrys Konzentration kein bisschen. Er schüttelte den Kopf und zwang sich, über Dracos Worte nachzudenken. „Du hast gelacht und zugestimmt, es sei eine gute Idee, zu Bett zu gehen, als ich dich gefragt habe. Aber du hast nicht wirklich dein Einverständnis gegeben. Es war praktisch Vergewaltigung.“

Harry schaute verlangend zum Kopfende von Dracos Bett, aber anstelle eines Holzbretts hatte er nur einige, große Kissen dort, so dass Harry keine Möglichkeit hatte, seine Stirn dagegen zu schlagen. Er seufzte laut und blickte wieder zu Draco. „Du weißt doch, dass ich schon seit Monaten ganz wild darauf war, mit dir zu schlafen“, sagte er. „Das war keine Vergewaltigung.“

„Verlangen nach Sex im Allgemeinen hat nichts damit zu tun Sex zu einer bestimmten Zeit haben zu wollen“, sagte Draco. „Ich weiß das.“

„So betrunken war ich nicht.“

„Auch ein kleines bisschen ist genug.“

„Ich nehme dir nichts übel - außer vielleicht, dass du mich allein im Bett lässt und dir alberne Unterstellungen ausdenkst.“

Endlich wandte sich Draco um. Seine Augenwinkel waren gerötet. „Harry“, sagte er sehr sanft, „vielleicht denkst du jetzt so oder du versuchst, meine Gefühle zu schonen, aber deine Gefühle werden sich ändern.“

„Nein, das werden sie verdammt noch mal nicht“, verlor Harry zu guter Letzt die Beherrschung. „Draco, du tust das immer und immer wieder und es ist verdammt nervig. Ich werde ja wohl wissen, was ich fühle. Und im Moment bin ich sauer auf dich, aber ich fühle mich nicht missbraucht und ich werde meine Meinung darüber nicht ändern!“ Er klopfte mit den Fingerknöcheln gegen seine Schläfe. „Und ich habe nicht einmal Kopfschmerzen. Siehst du? Keinen Kater. So viel kann ich gar nicht getrunken haben.“ Er beugte sich vor. „Sag mir, verbringst du deine ganze Zeit damit, dein Glück zu sabotieren? Und falls ja, wieso? Ich dachte, ich wäre derjenige mit dem überentwickelten Schuldkomplex, weil ich im Krieg nicht alle retten konnte.“ Er war jetzt froh, dass er in den ersten Jahren nach dem Krieg tatsächlich einen solchen gehabt hatte, besonders wegen des Tods von Remus, Tonks und Fred. Ihn zu überwinden hatte ihn die Geduld gelehrt, die ihm nun half, mit Draco fertig zu werden.

Draco starrte ihn mit leicht geöffneten Lippen an. Dann schüttelte er den Kopf und sagte: „In meinem Leben passieren Dinge - sie passieren einfach nicht auf diese Art. Das Gute kommt immer mit dem Schlechten im Schlepptau.“ Er lachte rau. „Mein Vater denkt, dass ich zu sehr an das Schicksal glaube. Aber warum sollte ich nicht? Den größten Teil meines Lebens hat es mir großartige Versprechungen gemacht und mir dann ein Bein gestellt.“

„Ich bin kein Versprechen und ich bin auch kein Verräter“, sagte Harry. „Ich bin hier, genervt, allein, hungrig und lüstern.“ Er ließ seinen Blick mit einem bewusst anzüglichen Grinsen Dracos Körper auf und ab wandern und war erfreut, als er bemerkte, wie sich Dracos blasses Glied regte und aufzurichten begann. Es hatte Vorteile, wenn ein Liebhaber in einem frühmorgendlichen Anfall von Reue aus dem Bett stürmte, besonders, wenn er dabei vergaß, sich wieder anzuziehen. „Wirst du jetzt herkommen und wenigstens einen dieser Zustände lindern?“

Und Draco schlüpfte wieder ins Bett und klammerte sich erneut mit Lippen, Zunge und Händen an ihn. Harry schwelgte darin wie zuvor auch, aber dieses Mal gab er sich Mühe, so gut wie möglich mit seinem eigenen Mund, mit seinem Körperumriss, seinem Gewicht und seinem warmen Herzschlag zu antworten, während er auf Draco lag.

Ich bin wirklich und ich werde dich nicht verlassen.

*

„Wie lange, Harry? Wie lange geht das schon so?“

Harry brauchte ein paar Augenblicke, um wieder zu Atem zu kommen - nicht dass das einfach gewesen wäre, so fest wie sich die von Draco beschworenen Seile um Bauch und Brust schlangen und seine Rippen zusammenpressten wie eine Umarmung von Hagrid. Er war gerade in die Wohnung zurückgekehrt und freute sich auf ein Wochenende ohne die Notwendigkeit, Dunkle Zauberer zu verhören, als ihn Dracos Inkerkerus gefangen und an einen Stuhl gebunden hatte.

Er sah jetzt zu Draco auf, der bebend vor ihm stand. Sein Gesicht war nicht pink verfärbt, sondern rot, was, wie Harry sehr gut wusste, immer ein schlechtes Zeichen war. Sein Zauberstab glänzte und flackerte im Licht des Kaminfeuers, wie er so in Dracos Faust hin- und her schwankte. Harry musste ihn beruhigen und das bedeutete, dass er verstehen musste, was genau schief gegangen war.

„Wie lange geht was schon?“ fragte er mit flacher, ruhiger Stimme. „Was wirfst du mir vor?“

„Das weißt du verdammt genau!“ schrie Draco und kam einen Schritt näher. Sein Zauberstab war nun auf Harrys Fuß gerichtet. Harrys Unbehagen wuchs. Sie waren beide Auroren, sie hatten beide Zaubersprüche gelernt, die einen Kriminellen kampfunfähig machen und an der Flucht hindern konnten, aber ihn am Leben hielten, während er zum Ministerium gebracht wurde. „Du behandelst mich, als sei ich dumm, dabei hättest du dir denken können, dass ich es herausfinden würde. Sag mir, hast du je aufgehört, sie zu lieben? Wahrscheinlich nicht! Ich hätte es wissen sollen. Ein Slytherin kann nie gut genug für dich sein.“ Er lachte bitter und begann so rau und laut zu atmen, dass Harry einen Funken Besorgnis um ihn verspürte.

Harry kämpfte gegen die Versuchung an, die Augen zu schließen, was Draco in seinem verrückten Zustand vermutlich als Schuldeingeständnis auffassen würde. Ginny hatte mit ihrem Freund Michael Corner, mit dem sie sechs Jahre lang zusammen gewesen war, Schluss gemacht. Harry hatte Ginny besucht - er hatte sogar Draco mitgeschleppt, weil der darauf bestand, immer dabei zu sein, wenn Harry Ginny sah - und in den Arm genommen. Er hatte sich gewundert, als er aus dem kleinen Häuschen kam und Draco nicht mehr vorfand, aber er war auch ein wenig stolz gewesen, weil er dachte, dass Draco begann, ihm zu vertrauen. Er hätte wissen müssen, dass Draco ihn stattdessen beschuldigen würde, ihn zu betrügen.

„Ich habe dich nie behandelt als wärst du dumm“, sagte er und starrte Draco geradewegs an. „Vielleicht war das mein Fehler. Ich betrüge dich nicht.“

Draco sagte nichts, sondern wandte sich einfach ab. Harry fragte sich, ob er aus der Wohnung stürmen und ihn hier angebunden lassen würde oder herum wirbeln und einen der Kampf-Zaubersprüche auf ihn loslassen würde. Stattdessen wandte er sich mit einem Fläschchen Veritaserum wieder zu ihm um.


Harry sah ihn verächtlich an und öffnete den Mund. Draco hielt vielleicht einen Moment lang inne, bevor er drei Tropfen auf Harrys Zunge fallen ließ, aber nicht lange genug, dass es Harry zufrieden gestellt hätte. Harry schluckte und beantwortete geduldig die unsinnigen Fragen, die Draco ihm stellte, um zu beweisen, dass er nicht lügen konnte.

Dann lehnte sich Draco nach vorne und fragte nachdrücklich: „Hast du mit Weasley geschlafen, seit du mit ihr Schluss gemacht hast?“

„Kein einziges Mal“, antworte Harry auf der Stelle.

Das Fläschchen zerplatzte auf dem Fußboden, als es aus Dracos Hand fiel und hallte lauter, als es in dem relativ kleinen Raum der Wohnung eigentlich möglich war.

„Und ich habe es satt, weiterhin deine Vertrauensprobleme zu hätscheln, wenn nichts, was ich sage, einen Unterschied macht“, fuhr Harry fort. Er bezweifelte, dass er das ohne das Veritaserum jemals gesagt hätte. Angst, Draco zu verletzen, hatte ihn schweigen lassen. Aber dass Draco ihn an einen Stuhl gebunden und verlangt hatte, dass er einen Wahrheitstrank nahm, das überschritt alle Grenzen. „Jetzt, wo wir seit acht Monaten zusammen sind, hätte ich gedacht, du würdest mir vertrauen, wenn ich eine Freundin tröste, ohne gleich voreilige Schlüsse zu ziehen. Aber anscheinend magst du deine voreiligen Schlüsse wesentlich lieber als mich.“ Er schüttelte bitter den Kopf, als die Erinnerungen, an die er nicht denken wollte, sich in den Vordergrund drängten. „Du hast von Anfang an lächerliche Unterstellungen gebracht, nicht nur über meine Taten, was ich hätte verstehen können, sondern über meine Moral und meine Gefühle. Lass mich gehen und ich überlasse dich deiner Paranoia, an der du so hängst.“

Eine ganze Weile war es still, dann war ein lautes, scharrendes Geräusch zu hören. Harry blickte auf. Draco tastete auf dem Boden umher und schöpfte einige Tropfen Veritaserum auf eine Glasscherbe.

Die Augen auf Harry gerichtet, kippte er sie sich in den Mund. Harry starrte ihn an und fragte sich, ob er es wagen sollte zu hoffen.

Draco schluckte und sagte: „Seit dem ersten Tag, an dem du mich gefragt hast, ob ich mit dir ausgehen möchte, hat mir davor gegraut, dass ich eines Tages aufwachen würde und du wärst fort. Weil ich nicht gut genug bin, weil ich zu kaputt bin, weil du mich leid bist - alle möglichen Gründe.“ Er schloss fest die Augen und atmete auf die gleiche Weise wie Harry es tat, wenn er verhindern wollte, dass er weinte. „Es war einfacher, all diese Dinge zu glauben, weil es bedeutete, dass ich dich zurückstoßen konnte, bevor du es mit mir tun würdest. Aber jetzt - jetzt habe ich keine Entschuldigung mehr. Ich - mag dich sehr und wünschte, du würdest bleiben.“

Harry leckte sich die Lippen und sagte: „Schneid diese Seile durch.“

Wortlos und mit gesenktem Kopf schnitt Draco die Seile durch. Er blickte Harry nicht an.

Harry stand auf und holte sich seinen Zauberstab zurück. Dann zauberte er die Glasscherben weg. Draco wirkte freudig überrascht, als Harry vor ihm niederkniete und seine Hand unter Dracos Kinn legte.

„Dieses Mal verzeihe ich dir“, sagte Harry. „Aber es ist das absolut letzte Mal, dass so etwas passieren darf. Verstehst du mich, Draco? Von nun an werden wir miteinander reden wie die Erwachsenen, die wir seit acht Jahren sein sollten. Wenn du noch einmal schmollst und mich ohne jeden Beweis für schuldig hältst, ist es aus.“

Dank des Veritaserums musste Draco ihm glauben, er hatte keine andere Wahl. Sein Gesicht war bleich, als er nickte, aber er hob eine Hand, um Harrys Gesicht sanft zu berühren. Dann stürzte er sich plötzlich auf ihn und küsste ihn.

Harry erwiderte den Kuss mit einer Heftigkeit als wollte er Draco seine wilde Entschlossenheit allein durch den Druck seiner Lippen einprägen.

Es würde nie einfach sein. Aber von nun an vielleicht zumindest ein wenig einfacher.

Ende


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