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Fanfiction

Weasleys’ Wizard Wheezes – Wilde Weihnachten - Nicht-ganz-so-dringende Rettung

von S_ACD

Hahahaha, ich bin noch NICHT an ĂŒbermĂ€ĂŸigem Junkfood-Konsum gestorben!
Jahhhh! Grund zur Freude. :D

Ach ja, und meine Motivation hab ich auch wieder gefunden. Die war die ganze Zeit da, tief vergraben unter dem riesengroßen Berg Ferien-Faulheit.
Enjoy!



~-~-~-~

Der Fall ist kurz und schmerzlos, die Landung hingegen eher weniger.

Irgendetwas geht splitternd in die BrĂŒche, als ich mit viel zu viel Schwung rĂŒcklings dagegen knalle und keine Sekunde spĂ€ter rieselt eine gewaltige Menge Schnee auf mich herab – nette Begleiterscheinung, die mir von oben gefolgt ist. Jemand schreit ĂŒberrascht auf und irgendetwas geht polternd zu Boden.

Ich kann nicht sehen, um wen es sich handelt, weil die weißen Flocken herumwirbeln, als gĂ€be es kein Morgen. Ehrlich, es staubt und glitzert, dass es eine wahre Freude ist. Eigentlich kommt nur Lance fĂŒr den Aufschrei infrage, aber der Tonfall klang ganz und gar nicht nach ihm. Etwas sticht mir ins Kreuz und mit einiger MĂŒhe rapple ich mich auf.

„Woah“, sagt eine Stimme, die mir verdammt bekannt vorkommt, „Heilige Scheiße.“

„Das ist doch...“, faucht eine andere Stimme ungehalten, „Das darf nicht wahr sein. Nicht doch schon wieder!“

Inzwischen habe ich mich in eine einigermaßen aufrecht sitzende Position manövriert, aber als ich mich mit der Hand nach hinten abstĂŒtzen will, gibt der Untergrund nach und zerbricht krachend in zwei HĂ€lften. Etwas verdutzt starre ich darauf – nicht so sehr aus Interesse, sondern eher, weil ich im Moment nicht besonders viel von meiner restlichen Umgebung erkennen kann. Es ist... ein Brett.

Ein ziemlich kaputtes Brett, um genau zu sein.
Okay...?

Dann erst geht mir auf, dass rund um mich noch eine ganze Menge weiterer Bretter sind – und keines davon ist in besonders gutem Zustand. Bis vor wenigen Sekunden bin ich noch im tiefsten rumĂ€nischen Nadelwald durch Schneewehen gestapft und jetzt, jetzt habe ich ganz offensichtlich gerade einen Tisch zertrĂŒmmert.
Auf den ich noch dazu gefallen bin. Liegt es an mir oder macht diese Feststellung verdammt wenig Sinn?

Bevor ich aber noch zu einer einigermaßen zufriedenstellenden Antwort kommen kann, arbeitet sich aus dem ganzen Durcheinander ein Schatten hoch, fuchtelt den herumwirbelnden Schnee zur Seite und streckt mir eine Hand entgegen.
„Merlin, ihr habt wirklich was ĂŒbrig fĂŒr spektakulĂ€re Auftritte. Alles klar bei dir?“

Und ich denke im ersten Moment doch tatsĂ€chlich, ich bin tot, bei meinem Sturz durch einen unglĂŒcklichen Zufall ums Leben gekommen und direkt im Himmel gelandet. Die Gestalt, die mir hier wieder auf die Beine helfen will, ist nĂ€mlich ganz und gar kein Unbekannter. Wenn man es ganz genau nimmt, kann man wahrscheinlich sogar sagen, dass ich sie kenne, seit ich geboren worden bin.

„Charlie?!“
Ich ergreife die Hand und komme mit seiner Hilfe etwas unsicher zurĂŒck auf die Beine. ZusĂ€tzlich habe ich den Verdacht, dass ich gerade ein selten dĂ€mliches Gesicht mache und irgendeine Ahnung, was hier gerade vor sich geht, habe ich schon gar nicht, aber die Erleichterung darĂŒber, ihn gesund, munter und vor allen Dingen lebendig vor mir zu sehen, ist mit einem Mal so stark, dass ich einen Kloß im Hals habe.

Angst, von der ich bisher anscheinend nicht einmal wusste, dass sie ĂŒberhaupt da war, löst sich in nichts auf. Sekundenlang bin ich einfach nicht in der Lage, etwas anderes zu tun, als ihn sprachlos anzustarren.
Zum Teufel, was soll’s.

Dann falle ich ihm um den Hals.
(Schließlich ist das hier Charlie – abgesehen von George und vielleicht auch Ginny immer noch das einzige Familienmitglied, bei dem mir das nicht peinlich sein muss.)

Er ist spĂŒrbar ĂŒberrascht.
„Holla“, sagt er, aber er legt mir einen Arm um die Schultern – was nicht besonders schwierig ist, weil wir so ziemlich dieselbe GrĂ¶ĂŸe haben, „Versteh das jetzt nicht falsch, ich freue mich auch, dich zu sehen, aber...“

„Scheiße“, krĂ€chze ich, ohne ihn loszulassen, halte aber wenigstens inne, um mich entsprechend zu rĂ€uspern, „Scheiße noch mal, wo hast du die ganze Zeit gesteckt?“

Charlie antwortet vorerst nicht, sondern wartet, bis ich einmal tief durchgeatmet habe. WĂ€re er kein Kerl und dieses Adjektiv somit eine tödliche Beleidigung, könnte man ihn wohl durchaus als „sensibel“ bezeichnen. Schließlich schiebt er mich vorsichtig von sich weg und mustert mich durchdringend.

Wenn er will, kann er einen genauso forschend ansehen wie Bill.
„Alles klar? Uhm...“, er wirft einen raschen Seitenblick auf meine MĂŒtze, die meine Ohren verdeckt, „...Fred? George?“

„Fred“, ich nicke nachdrĂŒcklich, „Yep, alles bestens.“

Er lÀchelt beruhigt.
„Freut mich zu hören. Mann, du hast uns ja ’nen Schrecken eingejagt.“

Das kleine Wörtchen „uns“ entgeht mir keineswegs und ich nehme es zum Anlass, mich zum ersten Mal richtig umzusehen. Das Schneegestöber hat sich gelegt und ich befinde mich in etwas, das verdĂ€chtig nach einem Wohnzimmer aussieht.
Es sieht nicht allzu gemĂŒtlich aus und besonders aufgerĂ€umt ist es auch nicht, aber hey- wer bin ich, um so was beurteilen zu können? Unsere eigene Wohnung ist ein einziger Saustall. Wenigstens Im Kamin flackert ein fröhliches Feuer.

Ein StĂŒck hinter Charlie steht ein gebĂŒcktes, verhutzeltes Wesen, dass ich erst auf den zweiten Blick als alte Frau erkenne. Sie sieht mich finster an.
„Das war mein Tisch, den du da gerade ruiniert hast, Söhnchen.“

„Oh“, sage ich und realisiere im selben Moment, dass ich immer noch halb auf dem Bretterhaufen stehe, „Verzeihung. HĂ€tte ich gewusst, dass ich auf Ihrem Dach rumlatsche, wĂ€re ich selbstverstĂ€ndlich vorsichtiger gewesen.“

„Keine Panik“, sagt Charlie, „Das kriegen wir schon wieder hin.“
Er zieht seinen Zauberstab. „Ach, und bevor ich’s vergesse... Hazel, das ist mein Bruder Fred.“

Ich mache ein paar Schritte ins Zimmer hinein und hebe eine Hand zum Gruß.
„Hi.“

Sie guckt immer noch nicht besonders freundlich.
„Wer hat dich denn erzogen?“, blafft sie mich an, „Das heißt Guten Tag! Keine Manieren, dieses Pack...!“

Ich stehe stramm und salutiere. „Guten Tag, Ma’am.“

Das scheint sie erst recht auf die Palme zu bringen.
„Das ist doch...!“, empört sie sich, aber Charlie geht hastig dazwischen.

„Er meint das nicht ernst.“

Ich sehe ihn grinsend an. „Tue ich nicht?“
„Nein“, sagt er entschieden, „Und jetzt sei so gut und lass’ mich das hier flicken.“

WĂ€hrend er den Tisch repariert, deutet Hazel mit einem langen, dĂŒnnen Zeigefinger Richtung Decke.
„Das Loch dort oben auch, wenn’s recht ist.“

„Kein Proble-“

„Charlie, warte“, sage ich hastig, „Die Anderen... die werden sich fragen, wo ich stecke.“

„Und deshalb soll ich’s mir in die Stube schneien lassen, Söhnchen?“, echauffiert sich Hazel, „Ich denke ja nicht dran.“

„Warte, warte“, Charlie macht eine beruhigend Handbewegung in ihre Richtung, aber er sieht mich dabei an, „Die Anderen? Was soll das heißen... wer außer euch rennt denn noch da oben rum?“

Ich kann nicht umhin, einen winzigen Funken Stolz zu spĂŒren, als er das sagt.
Wer außer euch...
Es ist immer wieder schön zu sehen, wie selbstverstÀndlich (und folgerichtig) unsere Familie jedes Mal annimmt, dass George und ich unzertrennlich sind.

„Ein paar von deinen Kumpels“, sage ich, „Äh, Traian und Lance und...“
„Ach du meine GĂŒte“, murmelt Charlie.

„Tjaha“, sage ich grinsend, „Du scheinst hier unten ja ’nen richtigen Fanclub zu haben.“
Gleichzeitig frage ich mich verwundert, wo zum Teufel der kleine, nervige Brite eigentlich abgeblieben ist. Immerhin war er direkt hinter mir, als ich Richtung Erdkern gesegelt bin...

„Das ist nicht gut“, reißt mich Hazels Stimme aus meinen Gedanken. Jetzt sieht sie doch tatsĂ€chlich beunruhigt drein. „Wir mĂŒssen sie suchen. Das hier ist unsicheres Gebiet, vor allem um diese Jahreszeit.“

„Entschuldigen Sie mal“, ich kann mir die Bemerkung einfach nicht verkneifen, „Unsicheres Gebiet? Sie wohnen hier.“

Sie baut sich in voller GrĂ¶ĂŸe vor mir auf.
„Das ist was anderes“, sagt sie mit blitzenden Augen, „Söhnchen, ich war schon hier, da warst du noch nicht mal geboren!“

Redet sie jetzt wirr?
Ich drehe halb mich zu Charlie um, doch der nickt zustimmend. Auf seinem Gesicht liegt ein besorgter Ausdruck. „Hazel ist mit Harvey Ridgebit hergekommen, dem Zauberer, der das Reservat gegrĂŒndet hat und seitdem... sie kennt das ganze Gebiet wir ihre Westentasche.“

„Inklusive jedes einzelnen Drachen, der hier jemals seine FlĂŒgel ausgebreitet hat.“
Bei diesem Satz starrt sie beinahe verklĂ€rt in die Ferne. Na ganz toll, noch so eine VerrĂŒckte. Aber schön langsam beginne ich zu verstehen, warum in diesem bescheuerten Reservat nur Drachenfanatiker arbeiten. Um diesen Job auszuhalten, muss man ihn wohl wirklich mögen. Entweder das, oder man ist hochgradig lebensmĂŒde.

Es krachte und knistert und als ich mich umwende, sehe ich, dass Charlie auch die Decke wieder in ihren Ursprungszustand versetzt hat.
„Aber...“, protestiere ich.

„Nichts aber“, sagt Charlie, durchquert den Raum und schlĂ€gt mir im Vorbeigehen auffordernd gegen die Schulter, „Los, komm. Wir mĂŒssen raus, den Rest einsammeln. Was habt ihr euch bloß dabei gedacht? Mitten im Winter ist das, uhm... das Futter fĂŒr die Biester doch sowieso schon knapp und...“

Er lĂ€sst den Satz unvollendet, aber ich kann mir ohne Probleme vorstellen, wie es weitergeht. Großartig. Ganz großartig. Mit einem Mal wĂ€re es mir dreitausend Mal lieber, ich hĂ€tte George auf der Stelle hier neben mir. Wenigstens ist er mit Traian unterwegs – der scheint die meiste Zeit ĂŒber nĂ€mlich zu wissen, was er tut.

Hazel hat es jetzt auch eilig.
„Auf geht’s, Söhnchen“, kommandiert sie, wĂ€hrend Charlie noch damit beschĂ€ftigt ist, sich in seinen dicken Umhang zu hĂŒllen, „Abmarsch. Hier gibt’s nĂ€mlich auch ’ne VordertĂŒr, weißt du? Ihr mĂŒsst nich’ alle durch die Decke kommen.“

„Meine Fresse“, murmle ich mehr zu mir selbst als zu irgendjemand anderem (wĂ€re George jetzt da gewesen, hĂ€tte ich die Bemerkung wahrscheinlich an ihn gerichtet), „Was hat sie nur mit ihrer bescheuerten Zimmerdecke?“

Charlie schenkt mir ein hastiges Grinsen.
„Nimm’s ihr nicht ĂŒbel“, sagt er, „Ich hab vor n’paar Tagen genau denselben Auftritt hingelegt wie du.“

Hm.
Na gut, das erklÀrt vermutlich einiges.


~-~-~-~


Hazel ist im hohen Schnee schneller unterwegs als Charlie und ich zusammen. RĂŒstige alte Lady, das muss man ihr lassen.
Ich bemĂŒhe mich, Schritt zu halten und versuche gleichzeitig mein bestes, um einen einigermaßen akkuraten Lagebericht abzugeben.

„George und Traian“, wiederholt Charlie und sieht dabei glĂŒcklicherweise genauso beruhigt aus, wie ich mich vor wenigen Minuten noch gefĂŒhlt habe, „Das ist... ganz gut, eigentlich. Wer war dieser Fleury noch mal?“

„Der... ach, weißt du was“, ich winke ab, weil ich absolut keine Lust auf detaillierte ErklĂ€rungen habe, „Ist echt nicht wichtig.“
Was so eigentlich nicht ganz stimmt, weil Fleury immerhin der Mann ist, mit dem Charlie heute ĂŒber Spendengelder hĂ€tte verhandeln sollen – was er irgendwie vergessen oder verdrĂ€ngt zu haben scheint.

Hazel, die uns schon die ganze Zeit ein paar Schritte voraus ist, hÀlt inne und dreht sich mit missbilligendem Blick zu mir um.
„Unwichtig genug, um gefressen oder geröstet zu werden?“

Ich gestatte mir, diesem Gedanken ein paar Sekunden lang ernsthaft nachzuhÀngen.
„Nein“, seufze ich dann, „Leider nicht. Wir haben ihn beim Zelt gelassen.“

TĂ€usche ich mich, oder hat Charlie gerade aufgeatmet?
„Okay“, sagt er in seinem patentierten Na-dann-ist-ja-alles-halb-so-wild-Tonfall, der frĂŒher immer dann zum Einsatz gekommen ist, wenn er uns in einer Diskussion gegen Mum unter die Arme greifen wollte, „Könnte schlimmer sein. Solange er im Zelt bleibt, kann ihm wenig passieren.“

Schön, die Frage ist vielleicht dumm... ich stelle sie trotzdem.
„Warum?“

Hazel schnaubt, wendet sich wieder ab und stapft uns voraus.
Mein großer Bruder hat anscheinend mehr Geduld.
„Unsere Zelte sind... machen wir’s einfach und sagen unsichtbar.“

„Wir konnten das Teil aber sehen“, werfe ich ein.

Charlie verdreht die Augen.
„Hast du Schuppen, FlĂŒgel und ein Talent dafĂŒr, Feuer zu speien, von dem ich noch nichts weiß?“

Ich grinse.
„Wenn ich jetzt mit ja antworte, zwingt ihr mich dann, hier im Reservat zu bleiben?“

„Merlin...“, murmelt er, bevor er fortfĂ€hrt, als wĂ€re nichts gewesen, „Drachen können die Dinger jedenfalls nicht sehen, aber wie du dir wahrscheinlich vorstellen kannst, ist es praktischer, wenn sie fĂŒr uns Menschen sichtbar sind.“

„Was du nicht sagst.“

„Jahh“, sagt er, „Weißt du, frĂŒher war das anders, aber das gab dauernd Schwierigkeiten... Leute konnten ihre Zelte nicht mehr finden und sind verhungert oder erfroren-“
Bei Charlie kann man sich nie hundertprozentig sicher sein, ob er einen gerade auf den Arm nimmt oder nicht-
„-und dann sind auch noch ein paar Drachen draufgegangen, weil sie sich beim Anblick der im Wald rumlaufenden Idioten richtiggehend totgelacht haben...“
-obwohl... hin und wieder ist es recht eindeutig.

Hach, schön dass er wieder da ist. Ich hab ihn vermisst.

Zwei Minuten spĂ€ter beschließt Hazel, sich von uns zu trennen, um auf diese Art und Weise „mehr Boden gutzumachen“. Prinzipiell halte ich es ja fĂŒr verantwortungslos, nette alte Damen alleine in tief verschneiten WĂ€ldern herumrennen zu lassen, aber in diesem Fall... na ja, sie scheint sich hier auszukennen.
Und besonders nett ist sie auch nicht.

„Okay“, sagt Charlie, wĂ€hrend er mir einen drohenden Seitenblick zuwirft, der mir wohl klarmachen soll, dass es unangebracht wĂ€re, ihr zum Abschied zuzuwinken, „Wir treffen uns dann bei dir.“
Sie macht eine wegwerfende Handbewegung und verschwindet zwischen den BĂ€umen.

„So“, sagt Charlie, kaum dass sie weg ist und vergrĂ€bt gleichzeitig die HĂ€nde in den Taschen seines dick gefĂŒtterten Umhangs, „Jetzt mal Klartext, warum zum Teufel seid ihr hier?“
Sein Gesicht ist so ernst, dass ich mir jede dumme Bemerkung verkneife. Unser Bruder versteht eine Menge Spaß, aber wenn er etwas ernst nimmt, dann richtig. Und fĂŒr halbgare Witze hat er in solchen Moment nicht allzu viel ĂŒbrig.

„Wegen dir“, sage ich wahrheitsgetreu, „Ist doch logisch.“

Das verwirrt ihn offenbar nur noch mehr.
„Ja“, sagt er, „Soweit hab ich das schon kapiert, nur... wieso?“

„Weil du weg warst“, informiere ich ihn, „Puff, und fort. Wie vom Erdboden verschluckt. Mum war krank vor Sorge... ist vermutlich krank vor Sorge, weil sie ja schließlich immer noch keine Ahnung hat, dass du lebst.“

„Weg?“, hakt Charlie nach, „Wie, weg? Ich meine, ich arbeite hier, das solltet ihr mittlerweile doch schon mitgekriegt haben...“

„Mann!“, ich kann nichts gegen den vorwurfsvollen Unterton machen, der sich in meine Stimme eingeschlichen hat (Mal ehrlich, unsere Familie ist chaotisch und laut und zugegeben, es sind sehr viele Menschen; außerdem kann sie verdammt nervtötend sein, aber das ist keine Entschuldigung dafĂŒr, seine Verpflichtungen ihr gegenĂŒber nicht ernst zu nehmen.), „In vier Tagen ist Weihnachten! Wie hast du dir das vorgestellt, hah? Wolltest du dich einfach bei Hazel verkriechen, bis Heiligabend vorbei ist?“

Laut ausgesprochen macht das Ganze noch weniger Sinn als vorher in meinem Kopf.
Ich meine, Charlie ist – man kann es gar nicht anders ausdrĂŒcken – der Familienmensch schlechthin. Über Geschenke denkt er so lange und intensiv nach, dass wir mitunter durchaus schon den Verdacht hatten, er wĂŒrde bereits Ende August damit anfangen. Warum in aller Welt sollte er da ĂŒberhaupt-

Die entgeisterte Miene, die er macht, ist vermutlich ein Anzeichen dafĂŒr, dass ihm gerade ganz Ă€hnliche Dinge durch den Kopf gehen– das, plus die Tatsache, dass er wie angewurzelt stehengeblieben ist.
„W-was? Warte, warte... in vier Tagen?“

Er sieht so ehrlich verblĂŒfft aus, dass ich lachen muss.
„Hast du deinen Kalender verlegt? Ja, in vier Tagen. Und du bist einfach verschwunden – mal ehrlich, du hĂ€ttest doch wissen mĂŒssen, dass wir uns Sorgen machen...“
Irgendwie habe ich das GefĂŒhl, dass meine Gebrabbel bei ihm nicht so richtig ankommt.

„In VIER Tagen?!“

„Ja“, bestĂ€tige ich geduldig, „Weihnachten steht im wahrsten Sinne des Wortes vor der TĂŒr, mein Freund. Trag’s mit Fassung.“

„Aber das... warum...“
Er fĂ€hrt sich durch die Haare (aus irgendeinem Grund bringt er es fertig, in dieser EiseskĂ€lte ohne MĂŒtze durch die Gegend zu laufen, ohne dass seine Ohren blau anlaufen und abfallen), dann dĂ€mmert auf seinem Gesicht so etwas wie Erkenntnis herauf.
„Ich bring sie um“, sagt er und wirkt dabei so, als wĂŒrde er in weite Ferne starren, „Das darf doch nicht wahr sein. Ich bring. Sie. Um.“

Ich setzte an, um ihn zu fragen, wen er damit im Speziellen gemeint hat (hauptsĂ€chlich deshalb, weil ich wissen möchte, ob es sich ĂŒberhaupt lohnen wĂŒrde, den beabsichtigten Mord zu verhindern), als mich das laute Krachen von Schritten im Schnee unterbricht.

„Charlie!“

Und wie sich keine zwei Sekunden spÀter herausstellt, ist mein Zwillingsbruder doch noch nicht im Verdauungstrakt eines fliegenden Reptils gelandet.


~-~-~-~


George vergewissert sich mit einem kurzen Blick bei mir, dass auf dem Geschwister-Sektor bereits alles getan worden ist, was getan werden muss und verzichtet darauf, Charlie zu umarmen.
Traian hingegen lĂ€sst sich dieses VergnĂŒgen nicht nehmen – man kann die Rippen unseres Ă€lteren Bruders förmlich um Hilfe schreien hören, als er von dem Riesen in eine Umklammerung gezogen wird, die jeden schwĂ€cheren Mann höchstwahrscheinlich umgebracht hĂ€tte.

Neben mir atmet George zischend ein und dieses eine, kleine GerĂ€usch löst einen inneren Frieden in mir aus, der beinahe schon unheimlich ist. Nicht, weil es Charlies unangenehme Lage auch ohne Worte perfekt auf den Punkt bringt, sondern einfach, weil wieder jemand da ist, der das, was ich mir gerade denke, von sich gibt, noch bevor ich mich ĂŒberhaupt dazu entschlossen habe, es publik zu machen.

George schnaubt.
„Du fĂ€llst jetzt aber nicht mir um den Hals, oder?“

„Nahh... hier findet auch so schon bei weitem genug Umarmung statt.“

Charlie schnappt gequÀlt nach Luft, klopft Traian auffordernd auf die Schulter, um ihm klarzumachen, dass es Zeit wird, wieder loszulassen und mein Zwillingsbruder grinst.
„Kann man wohl sagen.“

Sie beschließen, sich nach Lance umzusehen (wo genau der Kerl steckt, wĂŒrde mich wirklich mal interessieren. Schließlich bin ich direkt vor seinen Augen abgestĂŒtzt – man sollte doch meinen, da wĂŒrde er zumindest versuchen, mir zu helfen...), wĂ€hrend wir zurĂŒck zum Zelt gehen und Fleury aufgabeln sollen.

Anscheinend steht das Teil gleich hier um die Ecke – keine Ahnung, ob das tatsĂ€chlich der Fall ist, denn fĂŒr mich sieht ein Baum aus wie der andere, aber George kennt den Weg anscheinend und das ist mir allemal gut genug. Charlie geht es sichtlich gegen den Strich, uns auf eigene Faust losziehen zu lassen, aber Zweierteams sind immer noch die beste Option, die wir haben. Und ich weigere mich, meinen Zwillingsbruder hier ohne mich herumstolpern zu lassen, wenn es Drachen gibt, die hungrig sind.

„Na schön“, sagt unser Bruder widerstrebend, „Aber ihr passt auf, verstanden?“

„Ist gut“, sage ich, „Ach, und wenn wir schon mal dabei sind... wie sehen die eigentlich aus, diese Drachen?“
„Jaah“, ergĂ€nzt George, „Nur damit wir Bescheid wissen... damit sie sich nicht von hinten anschleichen können oder so.“

„Das ist nicht witzig!“

Okay, da hat er wahrscheinlich recht... aber hey, irgendwie muss man mit dieser verkorksten Situation ja fertig werden. Was sollen wir machen, uns unter dem nÀchstbesten Stein verkriechen und losheulen? In weiser Voraussicht verzichten wir vorlÀufig auf beides, blöde Witze und trÀnenreiches Rumgezicke, versichern stattdessen Charlie, dass wir vorsichtig sein werden und machen uns auf die Socken.

George geht voraus und scheint nachzudenken. Eine paar Sekunden lang lasse ich ihm seinen Freiraum, dann komme ich mir vernachlÀssigt vor.
„Hey. Was?“

Er schĂŒttelt den Kopf.
„Nichts“, sagt er, „Es ist nur... mal angenommen, Fleury steht im Wald rum, ein Drache kommt vorbei und entscheidet, dass er fĂŒr diesen Tag noch nicht genug Frischfleisch im Magen hat...“

„HĂŒbsches Szenario“, sage ich zustimmend.

„Nicht wahr? Korrigiere mich, wenn ich mich irre, aber... wĂŒrde das nicht ’nen Haufen Probleme lösen, die wir im Augenblick sowieso nicht brauchen können?“

Was soll ich sagen... er hat Recht. Mal abgesehen davon, dass wir diese Art von Problemen genau genommen niemals brauchen können, aber wer wird denn schon so kleinlich sein?

„Falls ich dich also recht verstehe, fragst du dich gerade, warum wir dann ĂŒberhaupt zu seiner nicht-ganz-so-dringenden Rettung eilen, wenn wir ohnehin dankbar sein sollten fĂŒr jede Möglichkeit, den Kerl loszuwerden.“

„Exakt, Bruderherz. FĂŒr Gegenargumente wĂ€re ich enorm dankbar.“

„Weil... uh.“ Gute Frage.
Woher soll ausgerechnet ich das wissen? Ich bin auf schließlich auf seiner Seite.
„Wir holen ihn, weil wir tief drinnen gute Menschen sind?“

Er schnaubt so abfĂ€llig, als wĂ€re das der grĂ¶ĂŸte Blödsinn, den er je in seinem Leben gehört hat.
„Was Besseres fĂ€llt dir nicht ein?“

„Na gut, na gut, warte... ich hab’s. Weil wir Fleury heldenhaft vor einem monströsen Drachen retten werden, der ihn anfallen und bei lebendigem Leib verschlingen will, woraufhin er uns so dankbar ist, dass er uns sein ganzes Vermögen schenkt.“

Ziemlich sicher sagt es einiges ĂŒber den Geisteszustand meines Zwillingsbruders aus, dass er auf diesen Satz hin so aussieht, als wĂ€re das die wahrscheinlichste Variante, die er bis zu diesem Zeitpunkt gehört hat.
„Schön“, sagt er und grinst anerkennend, „Einfach. Unkompliziert. Leicht zu merken. Richtig klassisch.“

„Danke“, ein StĂŒck weiter vorne entdecke ich ein StĂŒck Zeltplane, das zwischen schneebedeckten Zweigen durchschimmert, „Und da wĂ€ren wir auch schon.“

Im ersten Moment sieht es so aus, als wĂ€re der Platz einsam und verlassen, aber nachdem wir einmal unisono und nach LeibeskrĂ€ften „Eduard!“ gebrĂŒllt haben, kommt er mit zornsrotem Gesicht aus den Tiefen des Zelts hervorgeschossen.

„Ich habe Ihnen beiden nie gestattet, mich so zu nennen!“

„Oh“, sage ich, „Verzeihung, Eduard, ich wusste nicht, dass wir dafĂŒr ’ne Erlaubnis brauchen.“

„Sie impertinenter Mistkerl!“, faucht er, „Wie können Sie es wagen! Erst lassen Sie mich hier sitzen und dann-“
Mit einem Mal wird sein Gesicht aschfahl. Sein Mund bleibt halb offen, aber Worte kommen keine mehr – vermutlich zittern seine Lippen dafĂŒr zu stark. Seine Augen fixieren einen Punkt irgendwo hinter unserem RĂŒcken.

Und dann schnaubt etwas tief und lange und ein gewaltiger Schwall warme Luft fegt ĂŒber uns hinweg.

Ich kann förmlich spĂŒren, wie George neben mir zur SalzsĂ€ule erstarrt.
Oh, oh...

Langsam drehen wir uns um. Zwar kann ich nur fĂŒr mich sprechen, aber im Augenblick könnte ich mich nicht einmal schnell bewegen, wenn ich es wollte – und der Anblick, der sich uns bietet, trĂ€gt nicht unbedingt dazu bei, dieses Problem zu beheben.

Zwischen den BĂ€umen, keine zehn Meter entfernt, hockt ein großes dunkelgrĂŒnes Etwas mit lange, goldenen Hörnern und betrachtet unsere kleine Zusammenkunft mit schief gelegtem Kopf.
Aus irgendeinem Grund schießt mir ausgerechnet jetzt der einzige Fetzen Information durchs Hirn, den ich ĂŒber RumĂ€nische Langhörner behalten habe – die Biester spießen ihre Beute erst auf und grillen sie mit ihrem eigenen Feueratem, bevor sie sich dazu herablassen, sie zu verzehren.

Und zum zweiten Mal muss ich sagen – kein. Bisschen. Hilfreich.

Hinter uns ist ein leises Wimmern zu hören. Höchstwahrscheinlich stammt es von Fleury, jemand anderes kommt dafĂŒr nĂ€mlich nicht wirklich in Frage. Ich habe immer noch nicht das GefĂŒhl, mich ohne enorme Schwierigkeiten von der Stelle bewegen zu können.

„Sag mal, Fred?“, sagt George neben mir leise und auch ohne hinzusehen weiß ich, dass er seine Lippen dabei kaum bewegt, „Ich frage aus reiner Neugier... kannst du seit neuestem hellsehen, oder was?“

Es dauert seine Zeit, bis ich kapiert habe, dass er auf meinen grenzgenialen „Plan“ fĂŒr Fleurys heldenhafte Rettung anspielt, der mir, obwohl er bis vor wenigen Minuten durchaus noch einleuchtend geklungen hat, jetzt nur mehr völlig hirnrissig erscheint.

„Was denn“, gebe ich genauso leise zurĂŒck, „Hab ich dir das etwa nicht erzĂ€hlt?“

„Nein“, sagt er, „Aber sei’s drum, wenigstens-“
Der Drache schnauft tief durch – irgendwie wirkt er dabei fast gelangweilt – was dazu fĂŒhrt, dass die allgemeine Temperatur in der nĂ€heren Umgebung um ein paar Grade anzusteigen scheint.

Etwas krallt sich mit Nachdruck in den Umhangstoff ĂŒber meinem Unterarm und als ich unauffĂ€llig nach unten spĂ€he, wird mir klar, dass es sich um Georges Finger handelt.
Es ist beruhigend und absolut erschreckend zur gleichen Zeit. Schön, dann kann ich im Gegenzug ja wenigstens das aussprechen, von dem ich weiß, dass wir es beide denken.

„Scheiße“, flĂŒstere ich, „Was machen wir jetzt...?“


~-~-~-~


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