
von Kraehenfeder
Kapitel 48 – Akte Ced
„Er erinnert mich an den Raucher aus Akte X“, flüsterte Deans Stimme direkt neben seinem Ohr und Draco wandte den Blick von Sirius ab, der dort hinten im Schatten stand und eine Zigarette nach der anderen rauchte.
Mit fragendem Blick schaute er zu Dean hoch, der um einiges größer war als Sirius und dadurch auch den perfekten Platz bot, damit Draco sich öfter mal hinter ihm verstecken konnte. „Akte X?“, fragte Draco und drehte den Kopf schnell wieder weg, als er in Deans Augen sehen musste. Seit er Sirius geküsst hatte konnte er das nur noch schlecht. Musste er Dean davon erzählen? Es lief gerade ohnehin nicht gut zwischen ihnen und als er Sirius dann auch noch bei Dean gesehen hatte, war die Angst groß gewesen, dass der sich verplappern würde. Draco war dabei wieder einmal bewusst geworden, wie groß seine Angst war verlassen zu werden. Und ja, irgendwie von Dean im Speziellen.
„So eine Fernsehserie. Weißt du, da in dem Kasten, wo wir manchmal Fußball drin gucken.“
Draco machte ein verstehendes Geräusch. Das Teil war ihm immer noch unheimlich.
„Ich bin froh, dass sie die Serie nicht mehr produzieren. Seit Mulders Abgang ist das nur noch Bockmist“, sagte Dean, während Draco sich weiter suchend nach dem Brautpaar umschaute, dem sie noch gratulieren mussten. „Mulder war cool…“ Deans Hand streifte kurz testend Dracos, worauf der die Finger in die Hosentasche steckte. „Mulder und ich haben am selben Tag Geburtstag.“
Draco steckte auch die andere Hand in die Tasche, damit Dean glaubte, er hätte nicht gemerkt, dass er einen Versuch unternommen hatte Händchen zu halten. Konnte er ja mit seinem ach so geliebten Mulder machen… „Du hast mir noch gar nicht gesagt, wann du Geburtstag hast“, stellte er fest und lehnte sich abwartend zurück. „Hab ich ihn schon verpasst?“
Dean zwinkerte ihm zu. „Jaah“, sagte er, streckte den Arm aus und platzierte die Hand auf Dracos Schulterblatt, um ihn herumzuziehen. „13. Oktober. Es war also Geschenk genug, dass du in meinen Laden gestolpert bist.“
Leicht errötend ließ Draco sich von Sirius wegziehen. Dean freute sich also immer noch, dass sie sich wiedergetroffen hatten? Er lehnte sich etwas gegen seinen Freund und scherte sich kein Stück darum, dass Sirius freien Blick hatte, als Dean ihm einen Kuss auf die Schläfe gab.
„Schauen wir mal zusammen Akte X?“, fragte Draco leise. Er mochte es mit Dean fernzusehen, auch wenn sie es noch nicht oft getan hatten. Draco fand Quidditch auch besser, als Fußball, aber der Anblick von Männern in Shorts war auch nicht zu verachten, also machte er das Beste daraus und schüttete zusammen mit Dean jede Menge Bier in sich rein, wodurch er auch leichter übersah, wenn die Kartoffelchips auf dem schönen Teppich landeten.
„Nee“, sagte Dean hastig. „Ich sagte doch, ich bin froh, dass sie die Serie abgesetzt haben. Am Ende haben sie versucht jedes kleine Geheimnis aufzulösen und ohne Mulder und Scully ging’s eh nicht. Ich meine, dass sind so zwei, da weiß man von Anfang an, dass sie zusammengehören und sie selbst brauchen ewig, um das zu kapieren.“ Damit versuchte er es Draco leichter zu machen, aber leider dachte der selten in Serien-Klischees. Der Fernseher war eben neu für ihn. „Mann, warum glotzt der denn so?“
„Hm?“ Draco nahm die Hände aus den Hosentaschen, klammerte sich an Deans Hüfte fest und schaute über dessen Schulter. Sirius drückte gerade seine Zigarette aus und holte sich mit zittrigen Fingern eine neue heraus, was Draco seufzen ließ. „Wieso ist er überhaupt hier?“, wollte er von Dean wissen. „Kennt er Seamus oder Lavender irgendwie?“
Dean schüttelte den Kopf. „Nicht, dass ich wüsste“, sagte er und lehnte sich etwas näher. Draco schluckte unauffällig, als er den süßen Atem spürte; Dean hatte sich schon unauffällig an der Torte bedient. Er meinte, als Trauzeuge durfte er das. Als Trauzeuge durfte er auch neben Seamus stehen und Draco hatte ganz allein irgendwo in den Bankreihen sitzen müssen. Da hatte er sich schon unwohl gefühlt, vor allem, weil er einen bestimmten feuerroten Haarschopf hatte anstarren müssen.
„Ähm…“ Draco senkte das Kinn, als Dean die Lippen öffnete. So landete der kurze Kuss auf seiner Stirn und nicht auf seinem Mund. „Oh, sorry…“ Blitzschnell hob Draco den Blick und ließ sich angrinsen.
„Passt schon. Ich muss wohl vorher fragen, was?“, schmunzelte Dean. „Na ja, jedenfalls springt Lavender doch gern mal als Vertretung in Wahrsagen in Hogwarts ein und deswegen haben sie Lupin eingeladen. Ich denke, er hat Black mitgeschleppt oder… oder Black wollte unbedingt kommen.“
„Denkt er, man kann auf Hochzeiten leicht was abschleppen?“, gluckste Draco, aber Dean schien das nicht ganz so witzig zu finden. Die Stimmung zwischen ihnen war… nun ja, leicht angespannt und Draco war eigentlich auch nicht nach spaßen zumute.
„Keine Ahnung… Kann man?“ Dean schien auch lustig sein zu wollen, aber Draco fühlte bei dem Gedanken ihn jemanden abschleppen zu sehen Tränen aufsteigen. Er fing in letzter Zeit furchtbar oft einfach so an zu weinen, dafür musste er nicht einmal Zwiebeln schneiden. „Hey…“
Draco drehte sich weg und ließ Dean los. „Lass…“
„Draco…“ Dean seufzte und fasste Draco am Handgelenk, zog ihn wieder zu sich herum. „Tut mir Leid, ich hab das nicht so gemeint.“
„Ich… ich weiß doch…“ Draco versuchte sich an einem Lächeln und scheiterte kläglich. Er hob den Blick, als das Licht schummeriger wurde, wodurch wohl eine romantische Atmosphäre erzeugt werden sollte. „W-Wo ist das Brautpaar jetzt hin?“
„Reden wir kurz.“ Dean legte die andere Hand auf Dracos Hüfte und suchte seinen Blick.
„Worüber denn?“, fragte Draco und schaute sich bemüht interessiert um, was Dean dazu veranlasste ihm eine Hand auf die Wange zu legen, worauf Draco sich nicht mehr bewegte.
„Mir gefällt nicht, wie das seit Kurzem zwischen uns ist“, sagte Dean und seufzte auf. „Du weißt, was ich meine.“
Tränen bildeten sich in Dracos Augen. „E-Es tut mir Leid“, sagte er, dem Schluchzen nahe. „Wenn ich dich nerve, kann ich auch alleine na-nach Hause gehen.“ Er hickste und Dean seufzte erneut. „E-Entschuldige…“ Draco biss sich auf die zitternde Unterlippe und blinzelte schnell hintereinander, als Dean die Arme um ihn legte. Er presste ihn dicht an sich und Draco wischte sich die Tränen an dem beigen Anzug ab.
„Du nervst mich nicht, das hab ich nicht gemeint“, murmelte Dean dicht an seinem Ohr. „Aber es ist… ein bisschen verkrampft und das möchte ich nicht.“
Verstehend nickte Draco. „Jaah… Ich… Merlin, manchmal wünschte ich, wir könnten nochmal ganz von vorne anfangen.“
„Hm…“ Dean ließ ihn los und streckte ihm dann die Hand entgegen. „Dean Thomas, freut mich“, sagte er grinsend und Draco verdrehte die Augen. Es dauerte einen Moment, aber dann schlug er ein und schüttelte die große Hand.
„Draco Malfoy“, sagte er und erwiderte das Grinsen. Aus den Augenwinkeln hätte er bemerken können, wie Sirius sie ziemlich schräg anglotzte, aber im Moment war ihm das so ziemlich egal.
„Hey, Alter!“ Da war auch endlich das Brautpaar. Lavender hing quietschend an Seamus‘ Hand, während die andere gerade kraftvoll auf Deans Schulter gepatscht wurde. Das weiße Kleid war im Gegensatz zu dem dunklen Anzug des Bräutigams noch vollkommen tadellos und Lavender achtete auch sehr darauf, dass nichts herausrutschte. Zwar sah sie sehr hübsch aus, aber Draco sah das mit relativ nüchternem Blick. Mittlerweile hatte er sich vollkommen damit abgefunden nicht auf Frauen zu stehen.
„Mann, erschreck mich nicht so!“ Dean fuhr herum und drückte Seamus kurz an sich, bevor er Lavender viel sanfter drückte. Dann fasste er hinter sich und zog Draco näher. „Schaut doch mal, was ich gerade aufgegabelt habe.“ Er zwinkerte Draco zu, während Seamus und Lavender einen verwirrten Blick tauschten.
„Malfoy, du siehst aber gar nicht gut aus…“, grüßte Seamus und streckte die Hand aus.
Draco verzog leicht die Mundwinkel. „Herzlichen Glückwunsch“, brummte er, worauf Lavender ihrem Mann den Ellenbogen in die Seite rammte.
„Das sagt man auch einem Mann nicht, Schatz!“, beschwerte sie sich und bekam sofort ein paar Sympathiepunkte von Draco, der ihr jetzt die Hand hinhielt.
„Ist schon in Ordnung“, sagte er, lehnte sich vor und gab Lavender jeweils einen Kuss rechts und links auf die Wange, was sie wohl sehr begrüßte, denn Seamus bekam so einen „Das solltest du dir abschauen“-Blick geschenkt. „Alles Gute für euch.“ Er lächelte und ließ sich von Dean einen Arm um die Schulter legen, lehnte sich gegen ihn.
„Gleichfalls“, sagte Lavender und wollte noch etwas sagen, als Seamus ihr dazwischen kam.
„Sieht nicht so aus“, murmelte er. „Da brodelt’s, oder? Wie lange wollt ihr noch – Aua!“ Lavender hatte ihn wieder gestupst. „Mrs. Finnigan, Sie sollten sich schämen.“
Jetzt kicherte sie, während Draco schon wieder kurz davor war einfach loszuheulen. Dean massierte ihm leicht die Schulter und lehnte sich zu ihm.
„Er meint es nicht so“, wisperte er. „Bisschen unsensibel.“
Draco nickte kurz, machte sich aber trotzdem los. „Entschuldigt mich kurz. War schön euch mal wiederzusehen.“ Er winkte verkrampft lächelnd und rauschte dann so schnell er konnte davon, ließ die drei Freunde alleine zurück, wodurch sie sich sicherlich wohler fühlten.
„Vergiss aber nicht Dean einen Tanz zu reservieren!“, hörte er Seamus aber noch rufen.
Draco stöhnte entnervt auf und stützte sich am Buffet auf. Einen Moment wollte er einfach den Kopf in die Bowle stecken und sich ertränken, aber er beließ es dann dabei sich ein Glas einzuschenken.
„Kann nervig sein, der Gute, ne?“, hörte er eine unbekannte Stimme neben sich.
Draco drehte sich mit dem Glas in der Hand und musterte den schwarzhaarigen Mann, der ihm irgendwie bekannt vorkam. „Vielleicht“, murmelte er und lehnte sich mit der Hüfte gegen die Tischkante.
„Braut oder Bräutigam?“, fragte der Kerl, der sich gerade ein Häppchen nach dem anderen reinschaufelte.
„Trauzeuge“, gab Draco zurück und hörte ein Lachen, worauf er die Augen verdrehte. „Dean ist mein Freund.“
„Oh…“ Der Schwarzhaarige nickte und wandte sich wieder nach vorne. „Schwul?“
„Ähm… Ich glaube, ich bin ein Kerl, also… Ja.“ Schon wieder lachte diese Nervensäge. Draco ertränkte seine Nerven in Bowle, damit sie nicht von diesem Kerl abgetötet werden konnten.
„Lustiges Kerlchen biste“, sagte der Kerl und hielt ihm die Hand hin, nachdem er ein paar Krümel an seiner Hose abgewischt hatte. „Roger Davies. Seamus und ich arbeiten zusammen in der Abteilung für Magische Unfälle und Katastrophen.“
Draco hob eine Augenbraue. Ja, irgendwo klingelte es, aber er kam nicht drauf. „Draco Malfoy“, sagte er und schüttelte schon wieder eine Hand. Allerdings nur kurz, dann füllte er sein Glas wieder auf.
„Ah! Ich hab dich gar nicht erkannt“, sagte Roger und widmete sich wieder den Häppchen. „Siehst scheiße aus.“
„Sagt man mir öfter“, seufzte Draco.
„Na ja… Also… Eher fertig. Alles klar?“, fragte Roger versöhnlich.
Draco schüttelte den Kopf. „Lies doch Zeitung.“
Roger lachte auf. „Nee, das ist mir zu anstrengend“, meinte er und winkte ab. „Höchstens den Sportteil.“ Er kam etwas näher. „Malfoy, hm?“
Draco stöhnte entnervt auf. „Was denn? Darf ein Malfoy nicht in Ruhe Bowle trinken?“ Damit füllte Draco sein drittes Glas und allmählich stieg ihm der Alkohol auch schon zu Kopf. Aber irgendwie fühlte er sich dadurch besser.
„Ich wollte nur…“ Rogers Hand auf seiner Schulter reichte aus, damit der Pseudoheld im Raum angerast kam und ihn am Kragen packte.
„Pfoten von ihm, Junge!“, knurrte Sirius und brachte den anderen zum Röcheln. Draco starrte sie einen Moment an, leerte sein Glas und schupste Sirius dann weg.
„Was soll das denn?!“, schnauzte Roger entrüstet und auch Draco schüttelte den Kopf.
Sirius aber schien zu denken, dass er alles richtig machte. „Hat der dich angefasst, Draco?“, fragte er voller Sorge.
„Merlin, nicht jeder Zauberer ist schwul, Sirius!“ Draco fuhr sich durch die Haare und strich sich den schwarzen Anzug glatt. Man hätte denken können, dass es derselbe sei, den er auf der Beerdigung getragen hatte, aber es war tatsächlich ein ganz anderes Modell. Dean hatte das nicht verstanden und sich damit rausgeredet, Draco könne tragen was er wollte, er würde immer gut aussehen. Daraufhin hatte Draco weinen müssen und warum wusste er immer noch nicht.
„Ich erst recht nicht!“, beschwerte Roger sich und schüttelte den Kopf. „Männer sind gut für Quidditch, Frauen aber –“
„Schon gut, schon gut!“, fuhr Sirius dazwischen und stemmte sich an der Theke auf, wo er missmutig betrachtete, wie Draco ein weiteres Glas austrank. „Sorry, ich dachte… Na ja… Ich hab eben Angst um dich, Draco.“
Daraufhin kippte er sofort den gesamten Inhalt des Glases hinunter.
„Mir gefällt nicht, dass Diggory die ganze Zeit in deiner Nähe ist.“
Draco füllte sein Glas wieder, als Roger sich zu Wort meldete: „Cedric Diggory?“, fragte er. „Krass, du kennst ihn?“ Er wandte sich wohl lieber an Draco, der stumm nickte. „Es ist ewig her, dass ich ihn gesehen habe. Seit dem Kriegsende damals… Was macht er denn jetzt so?“
„Heiler im St. Mungos“, sagte Draco. „Mein Arzt“, spie er extra in Sirius‘ Richtung aus. Es ging ihm so sehr auf die Nerven, dass Sirius immer versuchte alles und jeden schlecht zu reden.
„Wirklich?“ Roger schien ehrlich überrascht. „Hätte ich nie gedacht. Obwohl es einleuchtend, nachdem was er im Krieg durchgemacht hat.“
„Hm?“ Die Augenbrauen zusammen ziehend und einen großen Schluck trinkend wandte Draco sich Roger zu und bemerkte dabei Sirius‘ misstrauischen Blick.
„Na ja… Wir waren Freunde, recht eng sogar, aber dann kam der zweite Krieg und Cedric…“ Roger seufzte. „Sie haben seine Eltern förmlich abgeschlachtet, direkt vor seinen Augen. Er war immer ein sanfter Kerl und wie es aussah fanden die Todesser es wohl amüsanter ihn so leiden zu lassen, anstatt ihn zu seinen Eltern zu schicken. Cedric hat das nie überwunden, hat sich richtig abgekapselt. Bist gar nicht mehr an ihn rangekommen und wenn dann redete er immer nur über Rache und dieses Zeug.“
Draco nippte an seinem Glas. Merlin, das hatte er nicht gewusst. Cedric schien immer so gefasst zu sein und die Freundlichkeit in Person. Rache wollte so gar nicht zu ihm passen. Obwohl er neulich Sirius ganz schön angegangen war. Jetzt konnte er diesen Ausbruch aber verstehen.
„Hat er sie bekommen?“, fragte Draco schließlich, nachdem Roger ein paar Mal geseufzt hatte und in alten Zeiten versunken war. „Seine Rache?“
Roger senkte den Blick, peinlich berührt. „Er saß in Askaban.“ Dracos Augen fielen ihm fast aus den Höhlen und er trank bestimmt zwei ganze Gläser, bevor Roger weitersprach. „Nicht lange, ne Woche vielleicht. Sie haben ihn freigesprochen, wegen mangelnden Beweisen. Aber wenn ihr mich fragt kann Cedric doch auch niemanden wirklich etwas antun.“ Draco nickte zustimmend, sagte aber nichts, weil seine Lippen am Glas hingen. „Es war sicher so ein blöder Zufall. Er wollte sie vielleicht umbringen, aber er hat’s nicht gekonnt. Und zu den Zeiten musstest du ja aufpassen, wenn du überhaupt einen Fuß vor die Tür setzt. Alles ein dummer Zufall.“
„Was genau ist passiert?“, wollte Draco wissen. Sirius hinter Roger hatte er schon komplett vergessen.
„Die Auroren haben Cedric inmitten von sechs Leichen gefunden. Blutüberströmt und – wie man sagt – mit einem ganz kalten Lächeln im Gesicht. Hat nicht gelacht, oder so. Einfach dagesessen und sich dann abführen lassen. Kurz darauf war der Krieg vorbei und Cedric dann weg. Hab gehört, er soll ein paar Jahre im Ausland verbracht haben, vielleicht hat er da seine Ausbildung gemacht.“ Roger zuckte mit den Schultern. „Ich wusste gar nicht, dass er wieder hier ist. Hat sich in den ganzen Jahren nie gemeldet. Da hab ich schon sonst was gedacht.“
„Merlin, der arme Kerl!“, sagte Draco und hickste, wischte sich wieder ein Tränchen aus dem Augenwinkel. „Hätt ich das gewusst, hätt ich ihn mal in den Arm genommen!“ Er lallte leicht, was Roger wohl lustig fand, während Sirius ihm wieder einen besorgten Blick zuwarf, ansonsten aber die Klappe hielt. „Ach… Hol ich nach.“
„Süß…“, sagte Roger und Sirius knurrte leicht. „Und du bist mit deinem Freund hier?“ Er lehnte sich etwas vor, aber bevor Sirius sich aufspielen konnte schlangen sich zwei Arme um Dracos Schulter und er bekam einen feuchten Kuss auf die Wange.
„Ja, mit mir“, sagte Dean und wirbelte den kichernden Draco herum. „Lässt du dich hier ernsthaft angraben?“
Draco schüttelte den Kopf und schmiegte sich an Deans Brust, seufzte wohlig auf. „Ich lieb nur dich, Dean…“ Er hörte ein Keuchen hinter sich und ebenfalls ein Glucksen, aber es interessierte ihn nicht. „Willst du mich nich‘ auch heiraten?“ Mit großen Augen und breitem Grinsen schaute er hoch.
Dean hob amüsiert die Augenbrauen, legte eine Hand auf Dracos Wange und lehnte sich vor. „Immer doch“, hauchte er, bevor sein Mund Dracos „Schön!“ dämpfte. Deans Lippen drückten sich nur leicht gegen Dracos und ließen ihm dadurch Platz genug dämliche Scheiße vor sich hinzubrabbeln, die Roger hinter ihm prächtig zu unterhalten schien.
„Ich glaub… irgend…wo… haben sie schon… die gleichgeschlechtliche… Ehe…“ Draco quietschte kurz, als er Deans Zähne an seiner Unterlippe spürte. „Dean!“ Glucksend drehte er den Kopf weg und schmiegte die Schläfe an Deans Schulter. „Nimm das doch mal ernst!“
„Wir kennen uns doch erst eine halbe Stunde.“
Draco kicherte und schlang die Arme fest um Dean. „Und ich weiß schon, dass ich dich liebe“, seufzte er. „Immer auf den ersten Blick.“
„Wie viel Bowle hast du getrunken, Draco?“, wollte Dean wissen, machte aber keine Anstalten das nicht auszunutzen, um mit Draco zu schmusen. Der schnurrte leise, anstatt Dean eine Antwort zu geben. „Ich denk, wir gehen mal besser.“
„Nein!“, begehrte Draco auf, fasste Dean an der Hand und zog ihn auf die recht volle Tanzfläche. „Tanzen!“ Er wollte gerade richtig loslegen, wobei Dean sich sichtlich unwohl fühlte, als ganz widerlich romantische Musik einsetzte und das Licht noch etwas abgedunkelt wurde. Draco seufzte enttäuscht auf. „Oh… Jetzt geht’s nich‘ mehr. Du bist zu lahm, Dean!“ Er piekte seinem Freund in die Brust.
Kopfschüttelnd zog Dean ihn zu sich und legte die Hände auf Dracos unteren Rücken. „So geht’s vielleicht“, murmelte er und bewegte sich ganz leicht. Draco ließ sich eine Weile schaukeln, dann grinste er und umklammerte Dean fest. Sie kassierten einige amüsierte Blicke, aber niemand schien sich daran zu stören, dass da zwei Männer miteinander tanzten. Vielleicht lag es auch daran, dass man dieses leichte Umherwippen nicht unbedingt als Tanzen bezeichnen konnte.
„Dean?“ Draco ließ die Wange auf Deans Schulter liegen, weshalb der den Kopf nur ganz leicht drehen konnte. „Bist du auch immer eifersüchtig auf Cedric?“
Dean presste die Lippen gegen Dracos Schläfe und wandte sich wieder nach vorne. „Er steht nicht auf Männer, da brauch ich mir keine Sorgen machen“, sagte er und seine Augen verengten sich leicht, als er Sirius‘ Blick begegnete, was Draco bemerkte, weil er nach der nächsten Drehung eine ganze Weile in diese traurigen Augen sehen musste. „Wieso?“
„Weil er ganz allein is‘ und mir Leid tut“, seufzte Draco, ließ seine rechte Hand tiefer wandern und kniff Dean so überraschend in den Hintern, dass der ihm fast auf den Fuß trat.
„Draco…“
„Dean?“ Grinsend lehnte Draco sich zurück und ließ die Augenbrauen hüpfen, weshalb sein Gegenüber verlegen an die Decke starrte. „Er hat seine Eltern im Krieg verloren“, fuhr Draco ganz normal fort und lehnte sich wieder gegen Dean. „Besonders an Weihnachten is‘ das doch hart…“
„Mhm…“ Deans Hände glitten unter Dracos Jackett und brachten ihn wieder zum Grinsen, auch wenn sie sich nicht unter das Hemd trauten.
„Du, vielleicht…“ Sich räuspernd hob Draco den Blick. „Damit er nich‘ einsam is‘ können wir ihn doch an Weihnachten zum Essen einladen, oder?“
Dean seufzte leise. „Wenn du das möchtest, Draco.“
„Ich möchte auch gerne mit dir zusammen feiern“, sagte Draco etwas scheu und drängte sich dicht gegen Dean, schob seine Hüfte extra etwas vor. „Und ich möchte… ähm… Ich möchte…“ Draco schüttelte den Kopf. „Vergiss es…“
Dean fuhr ihm über die Wange. „Du willst nicht auch noch Black einladen, oder?“
„Was?“ Draco schüttelte den Kopf und warf einen Blick zu Sirius, der versuchte mit Roger Kontakt aufzunehmen, indem er ein Gespräch über Häppchen anfing. „Nein… Hatte ich nich‘ vor. Aber kann sein, dass wir ihn sehen, wenn wir meine Tante besuchen werden.“
Dean verharrte scheinbar überrascht und schaute auf Draco herunter. „Deine Tante?“, krächzte er. „Du… willst mir deine Tante vorstellen?“
„Sie ist nich‘ so wie der Rest meiner Familie“, sagte Draco leicht schmollend. „Ich dachte, wir fahren diese Schiene… Mit Kennenlernen von Freunden und Familie…“
Deans Schienen ließen ihn wohl gerade entgleisen. „Äh… Ich… J-Ja.“ Er lachte etwas hysterisch auf, packte Draco kurzerhand und zog ihn hoch, um ihm die Lippen aufzudrücken. „Und ich hatte Angst dich zu fragen, ob du mit zu meiner Familie kommen willst“, murmelte er, bevor er Draco wieder heftig küsste. Etwas überrumpelt klammerte Draco sich an dem breiten Rücken fest und gluckste dumpf, als er nach hinten gedrückt wurde. Er musste seinen Griff verstärken, um nicht auf dem Boden zu landen. „Wi-Willst du denn?“, raunte Dean gegen die rotgeschwollenen Lippen seines Freundes.
Leicht keuchend ließ Draco sich wieder in eine aufrechte Position ziehen. „Ja, ich will.“ Er streckte Dean die Zunge raus, worauf der zu lachen begann. Draco fühlte sich augenblicklich viel besser, auch wenn ein kurzes Lachen die Schmerzen nicht ganz lindern konnte.
„Ich will ja nicht stören…“
Draco erstarrte und fühlte sich auf einmal sehr unwohl in Deans Armen. Gleichzeitig mit seinem Freund drehte er den Kopf und warf Sirius einen düsteren Blick zu. Dean rümpfte die Nase, als Sirius‘ Zigarettenqualm zu ihnen waberte und Draco husten ließ.
„Dann stör nicht“, fuhr Dean ihn an, während Draco sich wünschte, dass der Qualm einfach eine Mauer zwischen ihnen bauen würde oder besser noch, dass er den Rauch einfach nutzen konnte um hier zu verschwinden.
„Nur kurz“, sagte Sirius und seufzte. „Ich will nur…“ Er stockte, als Draco sich von ihm abwandte und die Wange an Deans Schulter lehnte. „We-Wegen Diggory.“
„Hast du endlich verstanden, dass er dir nichts tun will?“, fragte Draco leise, drehte sich aber nicht zu Sirius um.
„Merlin, hast du dem Jungen zugehört, Draco?“ Sirius rauschte um Dean herum, damit er Draco wieder ansehen konnte. „Diggory ist ein kaltblütiger Mörder!“
Dean prustete kurz und Draco schüttelte stumm den Kopf. „Black, du hast sie doch nicht mehr alle“, murmelte Dean und wollte Draco wegziehen, aber Sirius packte Draco schnell am Handgelenk. „Ey, loslassen!“, verlangte Dean und stolperte um Draco herum, löste Sirius‘ recht schwachen Griff, worauf der ein schmerzhaftes Stöhnen von sich gab. „Fass ihn nicht nochmal an.“
„Dean, du tust ihm doch weh“, sagte Draco leise und fing sich dafür einen ärgerlichen Blick von Dean ein, worauf er den Blick senkte.
„Ich wollte doch nur…“ Sirius setzte einen flehenden Gesichtsausdruck auf. „Warum glaubt ihr mir denn nicht?“
„Weil du ein scheiß Vergewaltiger bist, Black!“, polterte Dean und baute sich beschützend vor Draco auf. „Ein Junkie, ein Verbrecher! Du bist der Verräter, nicht Diggory!“
„Ruhig, Dean…“ Draco legte behutsam eine Hand auf Deans Schulter und spürte wie der Zorn seinen Freund richtig zum Beben brachte.
„Ruhig?“ Dean presste sich die Hände vors Gesicht, atmete tief durch und drehte Sirius den Rücken zu, um Draco anzusehen. „Draco, der hat doch keine Ahnung, was er wirklich will. Er sagt, er will dich in Ruhe lassen und trotzdem kommt er ständig an und will dir auf die Nase binden Diggory sei das personifizierte Böse. Absurder geht’s doch nicht!“
„Ihr lauft doch alle mit Scheuklappen durch die Gegend!“ Sirius machte einen Ausfallschritt nach vorne und versuchte erfolglos Dean etwas zur Seite zu drängen. „Er mischt dir was unter, Draco. Dir geht’s nicht gut, weil –“
„Weil du ihm ständig auflauerst!“, regte Dean sich auf, packte Sirius am Oberarm und zerrte ihn weg von Draco, der ziemlich verloren auf der Tanzfläche stand. Hilflos sah er mit an wie Dean Sirius richtig zusammenstauchte, als wäre er der Ältere, fast, als wäre Sirius sein Kind, das nicht pünktlich nach Hause gekommen war. Draco konnte nicht mehr als ein paar Wortfetzen raushören, aber genau das störte ihn gerade. Die Tränen wegblinzelnd stürmte er nach vorne und unternahm etwas dagegen so ausgeschlossen zu werden.
„Hört doch endlich auf zu streiten! Das hier ist eine Hochzeit!“ Draco packte Sirius an der Schulter und schnappte erschrocken nach Luft, als er die vor Zorn verhärteten Züge bemerkte. So hatte er Sirius schon ewig nicht mehr gesehen. Was hatte Dean ihm denn gesagt?
„Misch dich nicht ein, verdammt!“, schnauzte Sirius, wollte nur eine verscheuchende Bewegung machen, aber irgendwie schien er Entfernungen nicht mehr sehr gut einschätzen zu können und traf Draco mit der ganzen Hand im Gesicht, was schon ausreichte um den leicht angeheiterten Mann niederzustrecken. Wahrscheinlich wäre er ohnmächtig geworden, wenn ein Schrei ihn nicht wieder etwas nüchterner hätte werden lassen. Allerdings wünschte er sich lieber nicht mitbekommen zu haben, wie Deans letzter Geduldsfaden riss und er Sirius kurzerhand am Kragen packte. Er rammte ihn nach vorne und direkt in den mannshohen Hochzeitskuchen.
Draco tastete noch etwas benommen seine Wange und erstarrte als das Blut ihm in regelrechten Sturzbächen in den Kragen lief. Merlin, er musste aussehen, als hätte man ihn aufgeschlitzt, dabei war nur eine ganz alte Narbe wieder aufgerissen. Man sah sie normalerweise kaum bei Dracos bleicher Gesichtsfarbe, aber trotzdem war die Haut dort empfindlich und Sirius‘ Ausrutscher – es war ja nicht mehr gewesen – hatte das geschädigte Gewebe zu sehr strapaziert.
„Hilfe, Malfoy!“ Die Braut scherte sich gerade wenig um ihre schöne Torte und hockte sich auf den Boden, umfasste vorsichtig Dracos Gesicht. „Wie ist das denn… Ach, du liebe Güte.“
„Es ist nichts“, nuschelte Draco und wollte sich wegdrehen. Lavender hinderte ihn daran und zwang ihn so dazu auf die tiefroten Flecken auf dem schneeweißen Kleid sehen zu müssen. Diese Verunstaltung trieb ihm mehr Tränen in die Augen, als der Schmerz, der sich allerdings vergrößerte, als die salzigen Tropfen in die offene Wunde gerieten.
„Es tut mir Leid“, murmelte Draco und schniefte. „Hab alles kaputt gemacht…“
„Oh, nicht sprechen, Malfoy! Komm mal her…“ Diese widerwärtigen, netten Gryffindors. Draco ließ sich widerstandslos in den Arm nehmen und heulte Lavenders Kleid auch noch voll, wobei allmählich die anderen Geräusche wieder zu ihm durchdringen. Blinzelnd hob er den Kopf wieder und richtete den Blick auf die umgestürzte Torte, gleich daneben Sirius, der sich den Anzug von Sahneresten befreite. Wie er so ruhig bleiben konnte, während Dean nur zwei Meter von ihm entfernt von zwei anderen Kerlen festgehalten werden musste, verstand Draco nicht. Wahrscheinlich merkte Sirius einfach gar nicht, was um ihn herum passierte.
„Seamus, jetzt mach doch was!“, hörte er Lavender rufen, die immer noch einen Arm um Dracos Schulter gelegt hatte und ihn ganz mütterlich tätschelte. Ihr ganz frischgebackener Ehemann hastete erst auf diesen Ruf hin auf Sirius zu und zeigte ihm diverse Male einen Vogel, bevor er ihn unter wüsten Beschimpfungen nach draußen begleitete. Das reichte aber immer noch nicht, damit Dean sich beruhigte. Draco stellte gerade fest, dass er Dean lieber nie wütend machen sollte, denn der konnte es locker mit diesen zwei nicht mickrig aussehenden Kerlen aufnehmen.
„Dean, hier spielt die Musik!“, rief Lavender ihm zu und nickte zu Draco, als Dean sich verwirrt umdrehte. Einen Moment hielt er schwer atmend inne, riss sich dann ruckartig los und stolperte auf Draco zu. Er schenkte Lavender einen kurzen, entschuldigenden Blick und nahm dann ihren Platz an Dracos Seite ein.
„Tut’s sehr weh?“, fragte er vorsichtig.
Draco schluchzte auf. „Ich hab hier alles ruiniert“, presste er hervor und deutete mit zitternder Hand auf Lavenders Kleid. „Alles meine Schu-Schuld…“
„Das macht doch nichts!“, sagte Lavender schnell, zückte den Zauberstab und entfernte die Flecken von ihrem Kleid, was Draco aber irgendwie nur noch mehr weinen ließ. „Aber… Aber… Es ist doch gut!“ Lavender schüttelte ratlos den Kopf.
„Er weint schnell im Moment, Lavender“, sagte Dean heiser. Er musste sich die Stimmbänder wund geschrien haben und dabei konnte Sirius doch nichts für Dracos Ungeschicktheit. „Tut mir Leid… Die… Das ich so ausgerastet bin. Wir gehen jetzt lieber.“ Er zog Draco mit hoch und hielt den bebenden Körper dicht an sich gepresst.
„Dean, ehrlich, ist schon in Ordnung“, beteuerte Lavender. „Kann ich irgendwas tun? Braucht ihr was? Ich kann erstmal versuchen das zu heilen und –“
„Bitte, das ist nicht dein Problem“, sagte Dean. „Ist am besten, wenn ich ihn ins Bett bring. Schöne Flitterwochen. Tut mir wirklich Leid.“
„Es… macht doch nichts…“, seufzte Lavender und winkte den beiden noch eine Weile.
„Sorry, Dean…“, murmelte Draco mit tränenerstickter Stimme. „Aber Sirius konnte nichts –“
„Lass es“, schnaubte Dean dazwischen, während er Draco ins Freie schob um dann mit ihm disapparieren zu können. „Black kann was dafür, dass er in seinem zugedröhnten Schädel nicht mehr mitbekommt, was seine Faust tut.“
„Aber er hat doch gar nichts getrunken oder sonst was“, versuchte Draco Sirius zu verteidigen.
Dean schüttelte den Kopf. „Ich versteh dich nicht, Draco“, sagte er und seufzte resignierend. „Jetzt komm her.“ Er packte Draco am Oberarm und zog ihn dicht an sich. Draco ließ ihn und klammerte sich fest, als ihm schwindelig wurde, das unangenehme Gefühl des Apparierens machte es nur schlimmer. Sie tauchten direkt vor einer Tür in einem recht versnobt aussehenden Flur aus. Dean hämmerte gegen die Tür mit dem kleinen Schildchen, auf dem „Cedric Diggory“ stand. Als eine geraume Weile niemand öffnete schlug Dean mit seinem Klopfen beinahe die Tür ein. Er schien ziemlich gereizt zu sein und Draco fühlte sich ziemlich unwohl.
„Ich komme doch!“, hörten sie eine Stimme von drinnen und kurz darauf öffnete Cedric die Tür. Er sah vollkommen fertig aus, das braune Haar stand wirr von seinem Kopf ab und dunkle Schatten lagen unter seinen grauen Augen. Er blinzelte schläfrig und fuhr sich über das unrasierte Kinn. Sein Blick blieb an Draco haften und sein Mund öffnete sich leicht, als er die blutüberströmte Wange sah. Er trat beiseite und bedeutete ihnen hereinzukommen.
„Entschuldige die späte Störung“, sagte Dean, während er Draco auf die Couch zuschob. „Aber Draco und Ärzte ist so eine Sache.“
„Mhm“, machte Cedric verschlafen. „Nicht auf die Couch.“ Er deutete auf seine Schlafzimmertür. „Ich komm gleich…“ Damit verschwand er durch eine andere Tür, die wohl in sein Badezimmer führte.
„Er hat schon geschlafen, Dean“, flüsterte Draco, als er wieder in eine andere Richtung gezerrt wurde.
„Mir egal“, brummte Dean. „Ich will, dass das ordentlich gemacht wird. Wenn schon die Hochzeit meines besten Freundes so ruiniert wird, dann wenigstens das.“
Draco ließ sich beschämt auf die Bettkante drücken und spürte noch die Wärme, die Cedric auf seinen Seidenlaken hinterlassen hatte. Er schob die Finger ineinander und ließ sich das Blondhaar aus der Stirn streichen.
„Wusstest du, dass Fliegen ein Erinnerungsvermögen von 0,2 Sekunden haben und deswegen immer wieder gegen dieselben Dinge fliegen?“ Draco warf Dean einen verwirrten Blick zu. „Und du vergisst genauso schnell, was Black dir angetan hat. Immer wieder und wieder rennst du genau gegen ihn.“
Draco biss sich auf die zitternde Unterlippe und versuchte die Tränen zurückzuhalten, vor allem, als Cedric wieder auftauchte. Er trug nur ein Unterhemd und peinliche Boxershorts mit kleinen Hippogreifen als Muster, was Draco an den Hippogreif erinnerte, der ihn nicht gemocht hatte und das wiederum ließ ihn wieder in Tränen ausbrechen. Cedric runzelte verwundert die Stirn, senkte den Blick und griff sich schnell einen Morgenmantel um sich zu bedecken. Mit einem Räuspern trat er näher.
„Dürfte schnell gehen“, murmelte er, setzte sich neben Draco und holte seinen Zauberstab raus. Vorsichtig fasste er Draco am Kinn und zog seinen Kopf herum, damit er die Verletzung näher betrachten konnte. „Wie ist das passiert?“
„Es war –“
„Black.“
„– ein Unfall.“ Draco warf Dean einen tadelnden Blick zu, was der ignorierte.
Cedric seufzte. „Hast du jetzt mal darüber nachgedacht dir eine Auszeit zu nehmen, Draco?“, fragte er und ließ Dean so zusammensacken. Auszeit verstand er wohl falsch. „Bisschen Abstand wird dir wirklich gut tun. Deine Augen sind ganz aufgequollen.“ Er begann murmelnd mit dem Zauberstab die Verletzung nachzufahren.
„Auszeit? Davon hast du mir gar nichts gesagt, Draco“, sagte Dean sichtlich enttäuscht. „Aber… Ja, vielleicht ist es das Beste, wenn du eine Weile ausspannst. Ohne Black… oder mich.“
„Ja, das halte ich auch für das Beste“, sagte Cedric ungerührt von den Tränen, die aus Dracos Augen kullerten. Dean schien das schon näher zu gehen und er scharrte reuig mit dem Fuß.
„Du willst mich Weihnachten alleine feiern lassen?“, nuschelte Draco fassungslos. Dean öffnete den Mund, aber Cedric kam ihm zuvor:
„Weihnachten ist ein Familienfest, Draco“, sagte er und steckte den Zauberstab weg, als er Dracos Verletzung versorgt hatte. „Da wird selbst jemand wie dein Vater etwas weicher.“
Draco sah einen Moment in Cedrics freundliche Augen und nickte dann, bevor er aufstand. „Ja, wahrscheinlich ist es besser, wenn ich nach Hause gehe. Danke, für deine Hilfe, Cedric und entschuldige, dass wir dich gestört haben.“ Er schenkte Dean keinen Blick, als er aus der Wohnung marschierte und alleine disapparierte.
Dean folgte ihm auf dem Fuße und bekam dafür prompt ihre Wohnungstür vor die Nase geknallt. Draco war schon halb in seinem Zimmer, als er endlich hereinkam und sich mit reuigem Gesichtsausdruck gegen den Türrahmen lehnte.
„Das heißt doch nicht –“
„Dean, ich packe, siehst du das nicht?“, sagte Draco kalt und fuhr fort in seinem überfüllten Schrank nach einem Koffer zu suchen. „Geh schlafen und morgen bin ich weg.“
„Ich will doch nur dein Bestes, Draco!“ Dean trat ein und kassierte dafür einen bösen Blick aus trüben, grauen Augen.
„Mein Bestes, ja? Es geht dir doch nur darum, dass ich dich nicht mehr vollheule!“, schnauzte Draco wütend. „Von wegen, du hättest Gefühle für mich. Du fandest doch nur meinen Arsch passend für deine Bedürfnisse!“
„Das ist nicht –“
„Und ob das wahr ist!“, polterte Draco und fuhr herum. „Du hast gedacht, du lachst dir einen Bettwärmer an, wenn du mich hier wohnen lässt und sobald es etwas komplizierter wird setzt du alles daran um mich loszuwerden!“ Deans Augen weiteten sich und er öffnete den Mund, aber Draco ließ ihn nicht zu Wort kommen: „Du bist ein Arschloch, Dean Thomas. Sogar ein Größeres, als Sirius es jemals sein kann.“
„Das ist nicht dein Ernst, oder?“, keuchte Dean entsetzt. „Du vergleichst mich nicht mit einem Vergewaltiger, oder?“
„Wenigstens wusste der, was er mit gewissen Körperteilen machen musste!“
Dean erbleichte. „Du…“ Er schüttelte fassungslos den Kopf. „Woher soll ich denn wissen, dass du drauf stehst, wenn man dich vergewaltigt! Du hast mich ja nie rangelassen, wie ein kleines Mädchen.“
Mit einem Schnauben trat Draco näher und rammte seinen Zeigefinger in Deans Brust. „Du hättest dir ja einfach nehmen können, was du willst, anstatt immer diese billige Softpornomasche abzuziehen! Verständnisvoller Künstler passte dir aber besser, was?“, fauchte er. „Sag doch einfach, wenn ich dich anwidere, dann hätten wir uns dieses ganze Theater sparen können!“
Dean knurrte leicht. „Fick dich.“
„Mach du doch!“, gab Draco zurück, hatte noch einen Moment um nach Luft zu schnappen und bekam dann hart Deans Lippen aufgedrückt. Mit einer Hand in Dracos Nacken zog er den Kleineren zu sich, verwickelte ihn in einen ungestümen Kuss oder eher gesagt in ein ungeordnetes Aneinanderreiben von feuchtem Muskel. Deans Unterlippe blutete schon, so fest rammte Draco seine Zähne in das weiche Fleisch.
Mit einem einzigen Ruck riss Dean ihm die Hose von der Hüfte, grub die Finger tief in Dracos Oberschenkel und hob ihn hoch, knurrte erregt, als er die Hitze des nackten Fleisches selbst durch seine Kleidung spüren konnte. Draco zerrte das Jackett von Deans Schultern und wurde gleich darauf auf die Matratze gepresst, die ein merkwürdiges Quietschen von sich gab, was keinen von beiden interessierte. Ohne dem Stoff noch weitere Beachtung zu schenken warf Draco Deans Hemd hinter sich, als er es ihm fast vom Leib gerissen hatte; Dean tat das wortwörtlich und trotzdem dauerte es Draco viel zu lange bis er die anderen Lippen wieder bluten lassen konnte.
Dean streifte sich selbst die Hose ab, während Dracos Finger sich schmerzhaft tief in seine Seiten gruben, umklammerte die blassen Beine und schob Draco höher auf die Matratze. Ein ungeduldiger Laut von Draco reichte aus, sodass Dean mit einem einzigen Stoß in ihn eindrang. Der Schmerz interessierte Draco gerade nicht, damit konnte er sich später herumschlagen, alles, was er jetzt wollte, war mehr von diesem synchronem, beinahe identischen Stöhnen, Keuchen, Ächzen und Wimmern zu hören, mit jeder Bewegung lauter werdend und unterstützt von dem grässlichen Quietschen der Matratze.
Deans Stöße waren hart, so sehr, dass Draco glaubte, es würde ihn zerreißen, aber dafür erlebte er das erste Mal einen so intensiven Orgasmus. Er spannte sich wimmernd an und brachte dadurch auch Dean zu einem schier endlos anhaltenden Höhepunkt. Die Hände zu beiden Seiten von Dracos hochrotem Gesicht aufgestützt stemmte er sich hoch und biss sich auf die geschundene Unterlippe als er kam. Draco keuchte und wand sich unter dem anderen Körper, der genauso von Nachwellen erschüttert wurde, wie seiner.
Es schien Dean kaum möglich sich aus Draco zurückzuziehen und sich neben ihn fallen zu lassen, so schwer atmete er. Seine Muskeln wurden von dem glänzenden Schweiß betont und die vielen Tätowierungen schienen sich unter den Verkrampfungen zu verzerren. Draco wischte sich mit einer Hand das verschwitzte Haar aus der Stirn und starrte an die Decke, wusste nicht wirklich, was er jetzt tun oder sagen sollte. Als das Keuchen allmählich leiser wurde drehte er den Kopf und fühlte sich ziemlich zurückgewiesen, als Dean sich prompt auf die Seite rollte.
Draco verharrte einen Moment, dann zog er die Decke unter Deans Beinen hervor und warf den dünnen Stoff über sie drüber, blieb aber weiterhin auf dem Rücken liegen. Dean machte eine Weile auch keine Anstalten sich irgendwie zu bewegen, aber irgendwann räusperte er sich, worauf Draco den Blick auf den breiten Rücken richtete.
„Ich will nicht, dass du gehst“, sagte er heiser und Dracos Mundwinkel zuckten. Er rutschte näher und legte gerade dann den Arm um Deans Oberkörper, als der sich drehte. Draco nutzte das aus und bettete die Wange auf der sich noch immer schnell hebenden Brust. Einen Kuss auf Dracos Schläfe pressend legte Dean einen Arm um ihn und schaute an die Decke.
„Bleib heut Nacht hier“, sagte Draco, „und ich bleibe bei dir…“
Deans Griff verstärkte sich und Draco lächelte zufrieden.
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