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Fanfiction

Partners in Crime - Unser Schloss ist aus Sand

von Kraehenfeder

Hallihallo!

Hauself: Naah, Harry ist unkaputtbar, - du weiĂźt ja, Unkraut vergeht nicht. Oder, wie schon Ibsen sagte: "Man stirbt nicht mitten im fĂĽnften Akt" - Harry auch nicht. Obwoh,l er hier eigentlich nichts zu sagen hat... *Harry aus dem Bild scheuch* :D Vielen lieben Dank fĂĽr dein treues Kommentieren (:

Kapitel 25 – Unser Schloss ist aus Sand

Sirius saĂź bibbernd am Ufer der Themse. Seine Wut war von einem Moment auf den anderen einfach verpufft.
Er saß nicht dort wo Terry gefunden wurde. Auch nicht dort, wo er zusammen mit Draco ins Wasser gesprungen war. Eigentlich war er noch recht nah an seiner Wohnung, aber er hatte keine Lust weiter zu gehen. Um einen Fuß vor der anderen setzen zu können, musste sein Gehirn erst den entsprechenden Befehl geben. Das war mit Denken verbunden, und Denken wollte er gerade überhaupt nicht.
Eigentlich hätte er viel lieber einfach abgeschaltet. Alkohol oder die Weasly-Pillen wären das beste Mittel dafür gewesen und fast wäre er wieder in Versuchung gekommen.
Aber Sirius konnte Dracos Stimme nicht aus seinem Kopf verdrängen, die ihm einflüsterte, dass es vielleicht die letzte Chance war, die er bekommen würde. Er wusste, dass er viel Scheiße gebaut hatte – es immer noch tat.
Es lief einfach total schief. Draco war ein toller Junge und er ging ihm nicht halb so sehr auf die Nerven, wie er immer geglaubt hatte. Aber Sirius konnte einfach nicht damit umgehen.
Genau so wenig wie er mit der Tatsache klar kam, dass sein Patensohn um einen Stricher namens Terry trauerte. Harry verabscheute ihn.
Zu recht, oder? Merlin, er hatte ein Herz aus Stein bekommen. Er war nicht besser als Lucius Malfoy oder einer dieser ehemaligen Todesser. Ständig tat er den Menschen, die ihm helfen wollten weh. Und jedes mal wieder nahm er sich vor, damit aufzuhören. Warum konnte er das nicht?
„Sirius... Es ist zu kalt hier draußen.“ Dünne Arme schlangen sich um seine Hüfte. Der Junge hatte abgenommen. Schlank war er ja immer schon gewesen, aber...
„Du musst mehr essen“, stieß Sirius aus und drehte sich abrupt um. Draco warf ihm einen verwunderten Blick zu. „Guck dich doch mal an“, flüsterte Sirius und ließ seine Fingerspitzen über die enge Jacke des Blonden streifen. „Man kann die Rippen zählen, wenn du dein T-Shirt hochschiebst.“
„Du hast nicht getrunken, oder?“
Einen Moment lang überlegte Sirius, ob er nicht von Dracos mangelndem Vertrauen enttäuscht sein sollte, aber dann musste er ernüchtert feststellen, dass es eine berechtigte Frage war. „Nein“, erwiderte er leise.
„Gut.“ Draco schien noch etwas hin zu fügen zu wollen, verkniff es sich aber. „Harry war vorhin da.“
„Was...- Was wollte er?“ Der Ältere räusperte sich und legte Draco die Arme auf die Schultern.
„Er sah ziemlich fertig aus.“
„Wir sollten für ihn da sein. Du solltest dich nicht um mich kümmern müssen...“ Sirius furchte die Stirn. Er war so egoistisch. Harry hatte Terry verloren und egal, ob er diese Beziehung nun gut geheißen hatte oder nicht, er wusste doch, wie es war Menschen zu verlieren, die man geliebt hatte.
„Nein...“ Eine blasse Hand strich ihm das Haar aus dem Gesicht. „Pott- Harry braucht erstmal ein bisschen Zeit für sich. Wenn er Gesellschaft nötig hat, dann wird er sich an uns wenden. Aber, er hat mir etwas erzählt.“ Draco räusperte sich und rieb sich unbewusst das Kreuz.
„Hast du dir weh getan, als ich dich umgestoßen habe?“, fragte Sirius, augenblicklich wieder besorgt.
„Nein“, log Draco offensichtlicherweise. „Außerdem hast du mich höchstens fallen lassen.“
„Ach, nein?“ Sirius' Hand fuhr den Rücken des Blonden hinab und ertastete den Bluterguss, worauf Draco zischend die Luft einzog. Mit einem traurigen Seufzen schlang Sirius beide Arme um Draco.
„Was soll nur mit uns werden?“, murmelte er, knabberte an dem verlockenden Ohrläppchen des Kleineren und apparierte einfach mit ihm.
Als die beiden mitten in seinem Wohnzimmer wieder auftauchten, schĂĽttelte Draco zuerst ein paar mal den Kopf.
„Könntest du mich das nächste mal vorwarnen?“, krächzte er.
„Ist mir glaube ich entfallen...“, meine Sirius. Dann dirigierte er Draco sanft zu Archies Couch, der die beiden skeptisch beobachtete. Wahrscheinlich wurde sein armer Fisch auch nicht mehr schlau aus dem ganzen Hin und Her.
Mit einem kleinen Tiegel in der Hand stellte sich Sirius vor Draco, der genervt aufstöhnte.
„Du hättest Heiler werden sollen“, murrte der Blonde, zog aber widerstandslos sein T-Shirt über den Kopf.
„Meine Noten waren nie gut genug“, war die Antwort, wobei Sirius dem Anderen bedeutete, sich auf den Bauch zu legen.
Nachdem Draco das getan hatte, betrachtete Sirius mit einigem Unbehagen das neuerliche Zeichen seiner Verfehlungen.
„Ich mache deinen Körper kaputt...“
„Stimmt“, meinte Draco ungerührt. „Aber wir habe doch darüber gesprochen, diese ganzen alten Sachen jetzt ruhen zu lassen, oder?“
„Warum bist du immer noch hier? Warum lässt du das mit dir machen? Du bist nicht so abhängig, dass...“
„Weil ich dich mag. Nein, weil ich dich liebe. Auch wenn du das immer noch nicht hören willst. Und weil ich nicht, wie alle anderen, aufgeben werde.“
Damit legte er seinen Kopf auf die miteinander verschränkten Unterarme und ließ Sirius vorsichtig den Bluterguss mit Heilsalbe bestreichen.
„Besser?“, fragte der Schwarzhaarige schließlich.
Draco nickte und wollte sich schon wieder aufrichten, als ihn Sirius' Hand aufhielt. „Wer hat dir das Tattoo eingecremt?“, fragte er misstrauisch.
„Uhm...“ Draco, der einfach nicht wie ein normaler Mensch erröten konnte, bekam pinke Wangen. „Potter... Also, ich meine, er war da... hier. Ähm, ja. Weißt du? Und...“
„Ach.“ Ganz langsam hob Sirius eine Augenbraue. „Harry hat dich eingecremt?“
„Nicht so, wie du denkst.“
Seufzend schob Sirius Dracos Beine ein Stück zur Seite und ließ sich auf die Couch fallen. „Macht mir eh nichts aus. Du und Harry, ihr seid Feinde... bevor ihr im Bett landet müssen noch Wunder geschehen.“
Einen Moment lang schien es fast so, als würde Draco zögern, als der Blonde dann jedoch heftig nickte, tat Sirius seine Beobachtungen ab.
„Also...“ Draco klopfte mit den Fingern auf der Couch rum. „Harry hat mir von dir und Lupin erzählt.“
Augenblicklich versteifte sich Sirius. Hatte die jüngere Generation sich gegen ihn verschworen? „So, hat er das?“, meinte er betont gleichgültig, stand jedoch wieder auf, damit man ihm seine Unruhe nicht anmerkte.
Ja, Remus Lupin. Der gute, alte Werwolf.
„Und er hat von Teddy erzählt“, fügte Draco leise hinzu.
„Was willst du von mir? Dass Harry dem Kleinen ein tausend Mal besserer Pate ist, als ich es je für ihn war, das weiß ich selbst.“
„Du solltest dich nicht immer gleich angegriffen fühlen, Sirius. Harry sagt momentan viele Dinge, die er sehr bald bereuen wird. Bei dir es ist das gleiche.“ Draco seufzte. „Ihr müsstet nur alle mal mit euren Problemen fertig werden.“
„Ich versuche es. Aber sie werden nicht weniger“, meinte Sirius sarkastisch.

*

Remus Lupin wuchtete die alte Truhe mit brachialer Gewalt wieder zu. Die Pergamentrollen waren nur so daraus hervor gequollen, als er sie geöffnet hatte. Hätte er es nur mal gelassen.
Der Werwolf wischte sich mit der Hand über die Stirn und richtete sich ächzend auf. Noch ein paar Stunden trennten ihn von Teddy.
Jemand räusperte sich hinter ihm.
„Professor Lupin“, verhinderte eine unsichere Stimme, dass er überhaupt erst in sein übliches Selbstmitleid abglitt. Hätte er es nicht besser gewusst, hätte Remus vermutet, dass er einige Jahre zurückversetzt worden war. In die Zeit Voldemorts, des goldenen Trios und seines ersten Lehrjahres an Hogwarts. Er drehte sich um und das Gefühl verflüchtigte sich keineswegs, als er in die grauen Augen eines blonden, jungen Mannes starrte, der mit seinem jüngeren Ich noch sehr viel gemeinsam hatte. Und dessen Augen Remus außerdem plötzlich an Sirius Black erinnerten.
„Draco Malfoy?“
„Ich habe weder geheiratet noch bin ich adoptiert worden, Sir“, schnarrte Draco mit erhobener Augenbraue. „Mein Name ist tatsächlich noch Malfoy.“
Er hatte eine erschreckende Ähnlichkeit mit dem alten Draco Malfoy.
„Ja, nun“, stotterte Remus etwas unbeholfen und zuckte mit den Schultern. „Wie kann ich Ihnen helfen?“
„Sie helfen mir, indem Sie Ihrem alten Freund Sirius helfen“, erklärte Malfoy Junior lässig und ließ sich unaufgefordert auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch fallen.
„Könnten Sie das etwas genauer ausführen? Sollte sich Sirius in volltrunkenem Zustand in irgendwelche Spielschulden oder Verbrechen hinein manövriert haben, will ich nichts damit zu tun haben“, erwiderte Remus mit deutlich kälterer Stimme. Was hatte der Kleine denn bitte mit Sirius zu tun?
„Was ist der Grund für ihre Differenzen? Er wollte es mir nicht verraten.“
„Ich wüsste nicht, was Sie das angeht, Draco.“
„Na, schauen Sie mal, Professor.“ Seine schlanke, weiße Hand wedelte durch die Luft. „Ich bin sicher, es hat etwas mit ihrem kleinen Jungen zu tun. Was auch immer es war, sie sollten darüber hinweg kommen und die einmalige Chance nutzen, den alten Sirius Black wieder zu bekommen, ich bin nämlich gerade dabei ihn in einen radikalen Entzug zu führen. Leider, durch diesen unerwarteten Unglücksfall mit Terry Boot – Sie haben sicher davon gehört? – bedingt, muss ich auf Potters Hilfe verzichten. Aber ich bin mir sicher, dass es Sirius sehr helfen würde, wenn Sie…“
„Stopp!“, meinte Remus energisch und unterbrach damit Dracos Wortschwall. „Von was redest du?“
„Sirius und ich, wir haben… naja, wir führen so etwas wie eine Beziehung.“
Der Werwolf öffnete den Mund, brachte aber keinen Ton heraus und schloss ihn so wieder. Sirius Black und Draco Malfoy? Sirius Black und eine Beziehung? Das waren schon zwei Gegensätze in sich.
„Wie bitte?“, krächzte der Lehrer für Verteidigung gegen dunkle Künste schließlich aus.
Draco runzelte die Stirn. „Si-ri-us und ich füh-ren ei-ne Be-zieh-ung“, wiederholte er punktgenau akzentuiert, beugte sich leicht nach vorn und erinnerte Remus dabei irgendwie an Snape. Einen weit aus jüngeren Snape, den Draco niemals kennen gelernt hatte.
„Das… überrascht mich.“
„Natürlich überrascht Sie das, schließlich haben Sie ja auch schon sehr lange keinen Kontakt mehr zu Sirius.“
„Aber ich sehe trotzdem noch immer nicht, was ich damit zu tun habe, Draco.“
„Na, das ist doch vollkommen logisch.“ Übertrieben ungeduldig seufzte der Blonde auf. Da war schon wieder Snape! Waren die beiden eigentlich irgendwie verwandt? „Sie“, fuhr Draco fort, „sind der einzige, der noch übrig ist von ihrer netten, kleinen Bande. Über Wurmschwanz brauchen wir ja gar nicht reden. James Potter wiederum ist ein Thema, das Sie vielleicht mal mit Sirius erörtern sollten. Sie kannten ihn besser als ich. Aber Potter ist trotzdem tot. Also, ja. Damit bleiben wohl nur noch Sie und Sirius.“
Remus wollte schon etwas einwenden, als Draco eine abwinkende Handbewegung machte. „Ich weiß, Sirius hat sicherlich viel Scheiße gebaut. Das tut er immer noch. Aber Sie müssen verstehen, wie traumatisiert er ist. Wir beginnen gerade damit, das aufzuarbeiten.“ Malfoy Junior nickte.
„Ihr arbeitet Sirius’ traumatische Erfahrungen zusammen auf?“, versicherte sich Remus ungläubig, nur für den Fall, dass er sich doch irgendwie verhört hatte.
„Sie haben es erfasst, Sir. Und Sie sind das fehlende Puzzle-Stück, wie ich vermute. Der letzte Grund, der Sirius am glücklich werden und mit sich selbst ins Reine kommen hindert!“
„Und das heißt was genau…?“
„Gehen Sie zu ihm und reden Sie mit ihm! Beleben Sie ihre Freundschaft wieder“, rief Draco enthusiastisch aus.
„Draco“, begann Remus vorsichtig. „Das ist nicht so einfach. Es gibt da Dinge…“
„Natürlich ist das so einfach. Er braucht Sie. Ich wette mit Ihnen, er war auch für sie da, als Sie ihn brauchten, oder? Kurz nach dem Krieg. Nach Tonks’ Tod.“
Bei diesen Worten zuckte Remus zusammen. Draco achtete nicht darauf, wie die meisten anderen Leute die er kannte, ihren Namen zu vermeiden. Obwohl es nun schon länger her war, schmerzte diese einfache, ausgesprochene Tatsache immer noch. Wahrscheinlich würde es auch nie aufhören weh zu tun. Fast noch schlimmer war, dass Draco natürlich Recht hatte. Sirius war für ihn da gewesen, er war sogar der einzige, der wirklich verstanden hatte, wie er mit Remus’ Schmerz umzugehen hatte.
Doch dann kam sein Absturz und…
„Ich habe einen kleinen Sohn. Ich kann es nicht verantworten mit jemandem befreundet zu sein, der kifft, Drogen nimmt, ständig betrunken ist und mein kleines Baby auch noch beinahe fallen gelassen hätte!“
Draco nickte. „Hab’ mir so was ja schon gedacht… Genau das wollen wir ja ändern. Dafür brauche ich jemanden, der Sirius endlich davon überzeugt, dass er nicht an Potters Stelle hätte sterben sollen. Dass er genau so ein Recht auf Glück hat wie seine heldenhaften Freunde und so weiter.“
Remus erstarrte in der Bewegung. „Sirius macht sich Vorwürfe, weil er lebt und James sterben musste?“
„In der Tat. Er hat letztens versucht sich umzubringen.“
„Niemals!“ Das passte nicht. „So etwas würde Sirius nie tun.“
„Genau das will er Sie und jeden anderen glauben machen. Aber das stimmt nicht.“
„Lebt ihr… Ich meine, wohnt ihr zusammen?“
„Neuerdings schon. Also, diese Beziehungssache lassen Sie vielleicht lieber aus dem Spiel, wenn Sie mitkommen, Professor. Gefühle und feste Bindungen sind ein weiterer Problempunkt auf Sirius’ endloser Liste, wenn Sie verstehen.“
„Allerdings.“ Remus blinzelte ein paar Mal, ehe ihm auffiel, dass er ja eigentlich noch gar nicht zugesagt hatte mitzukommen.
„Also.“ Draco hüpfte elegant auf und trat zur Tür. „Holen Sie sich einen Mantel und auf geht’s.“
Mechanisch griff Remus zu seinem Umhang. Er hatte ja noch ein bisschen Zeit, bevor er Teddy besuchen konnte.

*

„Ich bin wieder da!“
Sirius seufzte und hob den Kopf. Er hatte nicht viel gemacht, seit dem Draco gegangen war. Der Blonde hatte ihm nicht verraten wollen wohin er ging, was schon genug davon zeugte, dass Dracos Vertrauen zu ihm langsam aber sicher zu Bruch ging.
Er musste das ändern. Vielleicht sollten sie es einfach mal mit einander probieren, so wie Draco schon seit vielen Tagen vorschlug. Die Methode mit dem Wegstoßen hatte ja ohnehin keinen besonders großen Erfolg gehabt.
„Und ich habe jemanden mitgebracht“, vollendete Draco in diesem Moment seinen Satz, bog um die Ecke ins Wohnzimmer und präsentierte strahlend einen Remus Lupin, der selbst einen eher unbehaglichen Gesichtsausdruck zur Schau stellte.
Sirius erging es da nicht anders. Er saß auf seiner Couch, in der Archie sich gerade neugierig auf den Rand seines Plastikbeckens zu bewegte und starrte seinen langjährigen Freund einfach nur an.
„Remus“, flüsterte er schließlich leise. Es war schon länger her, dass Moony in seiner Wohnung gestanden hatte.
„Hi“, meinte der Werwolf schwach, ehe er von Draco in Richtung der Couch gestoßen wurde. Misstrauisch beäugte er den darin schwimmenden Karpfen und setzte sich dann neben Sirius. Schweigend starrten die beiden Freunde sich an.
Archie blubberte unhörbar.
Sirius neuer Regenbogen-Benjamini gab ein fiependes Geräusch von sich und verstreute etwas seines glitzernden Pulvers in der Luft.
Draco räusperte sich. Schließlich ging er mit energischen Schritten auf die beiden zu, setzte sich auf die Kante des Couchtisches und klatschte in die Hände.
„Professor Lupin, Sirius wollte Ihnen sagen, wie gern er wieder mit Ihnen befreundet wäre. – Sirius, Professor Lupin wollte dir seine Vorbehalte erklären und dir einen Neuanfang vorschlagen.“
„Ich wollte nicht…-“, begannen beide gleichzeitig.
„Es tut mir leid“, murmelte Sirius kurz darauf in die entstandene Stille hinein.
„Das hast du damals oft genug gesagt.“
„Ich weiß, Moony, aber diesmal stimmt es wirklich.“
„Hast du endlich verstanden, dass es einen Weg hier raus geben muss?“
Sirius warf Draco einen kleinen Blick zu, der ihm wiederum ein kurzes Lächeln schenkte. „Ja.“
„Dann tut es mir leid, dass ich nicht da gewesen bin“, meinte Remus ernst.
„Was? Es braucht dir nicht leid tun, schließlich war das alles…“
Der Werwolf hob, seinem einstigen Rumtreiberfreund Einhalt gebietend, die Hand. „Ich habe deine Entschuldigung ohne Widerspruch angenommen, jetzt tu mir den Gefallen und verfahre mit der meinen genau so.“
„Okay.“ Nach kurzem Überlegen fügte Sirius hinzu: „Danke.“
Remus klopfte ihm leicht auf die Schulter und tauschte mit Draco einen erstaunten Blick. „Sie hatten Recht, Draco“, meinte er leise. Sirius verstand diese Aussage nicht wirklich, aber der Blonde nickte.
„Sind wir jetzt… einfach so wieder Freunde?“, fragte Sirius ungläubig aber voller Hoffnung.
„Ich denke schon“, meinte Remus lächelnd. Sirius konnte nicht anders als befreit aufzulachen.
„Erzähl schon, wie geht es Teddy?“
„Dem Kleinen geht es gut, er gedeiht prächtig. Er hat so viel Ähnlichkeit mit Tonks…“ Bei diesen Worten wurde Remus’ Ausdruck von Traurigkeit getrübt und Sirius stellte fest, dass sie in einer ziemlich beschissenen Welt lebten.
Okay, neu war diese Erkenntnis nicht wirklich, aber das war doch nicht mehr schön. Jetzt musste nur noch Harry ihren kleinen Kreis joinen und sie könnten eine Selbsthilfegruppe für vom Schicksal gebeutelte Menschen aufmachen…
„Vielleicht möchtest du ihn ja mal wieder sehen?“, fragte Remus, wohl in dem Bestreben sich der trüben Gedanken zu entledigen. „Ich bin mir sicher, er erinnert sich noch an dich.“
„Das würde ich wirklich gern“, antwortete Sirius. Ab und zu hatte Harry ihm von Teddy erzählt, doch auch sein eigener Patensohn hielt ihn wohl für ungeeignet, mit einem Kind umzugehen. Grübelnd wollte Sirius gerade zu einer neuen Frage ansetzen, als die Tür aufgestoßen wurde und Harry hereinspaziert kam.
„Draco, wir haben… - Remus!“ Harry sah vollkommen erschöpft, ungepflegt und bemitleidenswert aus, aber als er sich der Anwesenheit des Werwolfs bewusst wurde, flog ein glückliches Lächeln über sein Gesicht.
Mit einem leichten Anflug von Schmerz wurde Sirius bewusst, dass sein Name nicht genannt worden war.
„Hallo, Harry“, entgegnete Remus und erhob sich. „Ich wollte gerade gehen.“
Moony drehte sich leicht nach hinten, zögerte einen Moment und umarmte Sirius dann fest. Draco klopfte er auf die Schulter und Harry wuschelte er durchs Haar.
„Teddy wartet auf mich“, meinte er lächelnd und war auch schon verschwunden, bevor die anderen sich wirklich hatten verabschieden können.
„Was machte der denn hier?“
„Draco hat ihn geholt.“
Der Blonde grinste. Sirius ĂĽberlegte einen Moment, dann beugte er sich vor und drĂĽckte Draco zurĂĽck um ihm einen stĂĽrmischen Kuss zu geben.
„Nichts zu danken“, stammelte der Blonde mit roten Wangen, aber einem entzückten Lächeln. Harry gab hinter den beiden ein würgendes Geräusch von sich. „Könntet ihr das bitte auf wann anders verschieben?“, meinte er mit kratziger Stimme, als sei er gerade eben erst aufgestanden.
„Tut mir leid, Harry“, erwiderte Sirius vorsichtig und betrachtete seinen Patensohn. „Du siehst nicht gut aus. Hast du…“
„Ach, lass mich in Ruhe, Sirius“, murmelte Harry nur und wandte sich dann wieder Draco zu, der ihm einen warnenden Blick entgegen schoss.
„Was ist denn so dringend?“
„Du musst unbedingt jetzt gleich damit anfangen, deinen Vater zu beobachten. Zieh’ wieder zu Hause ein.“
Sowohl Draco als auch Sirius verzogen das Gesicht. „Nein!“, dementierten sie monoton.
„Willst du etwa verhindern, dass wir Terrys Tod rächen?“, kam es von Harry, mit einem harten Zug um den Mund.
„Ich… - Das…“, Draco ballte die Hände zu Fäusten und Sirius tat es ihm im Geiste gleich. Das war wieder einer der Momente, in denen er am liebsten in die Pillentüte gegriffen hätte.
„Du spielst nicht fair, Harry“, meinte er und legte Draco schützend eine Hand auf die Schulter. „Zwischen Draco und seiner Familie gibt es Schwierigkeiten, von denen du nicht wissen kannst. Außerdem möchte ich wirklich nicht, dass Draco dorthin zurückgeht und so eine schwierige Aufgabe allein übernimmt. Das ist viel zu gefährlich.“
Der Blonde versteifte sich unter seiner Hand. „Ich könnte das!“
Harry grinste triumphierend und Sirius schoss ihm einen bösen Blick zu, ehe er sich an Draco wandte. „Komm, Draco. Dein Vater hat ganz klar gesagt, dass er dich nur wieder aufnimmt, wenn du…“
„Wenn ich dich verlasse.“
„Aye. Und, willst du das tun?“, fragte Sirius nun schon gereizter.
„Es ist ja doch nur für ein paar Tage! Nur zu Tarnung, bis wir die Informationen haben, die Harry braucht.“
„Hör doch auf! Ich mein, bitte… Denk doch daran, was das letzte Mal passiert ist, als du im Alleingang Polizei Arbeit erledigen wolltest.“
„Nur weil du…“
„Du bist viel zu jung für so was!“ Sirius hatte Draco fest bei den Schultern gepackt und schüttelte ihn leicht. Außerdem sollte der Blonde nicht weg von ihm! Nicht jetzt. „Bei dieser Fraser-Sache wär’s dir beinahe an den Kragen gegangen, wenn ich nicht da gewesen wäre. Und jetzt willst du schon wieder…“
Klatsch.
Sirius verstummte abrupt, wobei er in ungläubiger Verzögerung die Hand an seine brennende Wange hob. Mit aufgerissenen Augen starrte er den vor Wut schnaubenden Draco an, der ihm gerade eine Ohrfeige verpasst hatte.
„Du kannst mich mal, Sirius Black!“, brüllte eben dieser gerade und setzte noch eines drauf in dem er die geballte Faust in Sirius’ Magen rammte, der – noch immer regungslos vor Verblüffung – einfach zusammenknickte und ächzend in die Knie brach.
„Ich bringe dir deine Informationen, Potter!“, knurrte Draco, drehte sich Snape-like auf den Absätzen um und stürmte aus der Wohnung. Seinen Abgang unterstrich er damit, die Tür zuknallen zu lassen, dass es wohl noch die Nachbarn in der Kellerwohnung hörten.
„Recht geschieht’s dir“, erklärte der Harry, der sich überhaupt nicht mehr wie sein Harry anhörte, gehässig und verschwand ebenfalls. Zurück blieb Sirius am Boden und Archie, dem der ganze Trubel zu viel wurde und der gegen die Rückwand seiner Couch anschwamm.

*

Drei Tage, vier Stunden. Solange war es jetzt her, dass Draco mit diesem überraschenden Auftritt aus der Wohnung gerauscht war und sich nicht wieder gemeldet hatte. Sirius war hin- und hergerissen. Einerseits war er wütend auf den Blonden. Einfach so abzuhauen, ihn hängen zu lassen, obwohl er versprochen hatte bei ihm zu bleiben. Andererseits hatte er es wirklich nicht besser verdient. Vielleicht war es gut gewesen, dass Draco endlich einmal zugeschlagen hatte. Mit unruhigen Fingern fuhr sich Sirius über die Wange. Niemand hatte etwas von Draco gehört, außer Harry, der aber meinte, unter beruflicher Schweigepflicht zu stehen.
Aber wenn ihm nun etwas passierte? Lucius Malfoy war kein Mensch, auf dessen Wort man sich verlassen konnte. Auch nicht, wenn man sein Sohn war. Angenommen Lucius durchschaute diese Farce…? Vielleicht würde er Draco irgendetwas antun. Und das nur, weil Harry total den Boden unter den Füßen verloren hatte und von Rachedurst getrieben wurde.
Das war etwas, von dem das Schicksal ihn wenigstens immer verschont hatte. Nach dem Tod eines geliebten Menschen hatte er nie das Bedürfnis gehabt, sich zu rächen. Nur bei Peter, ja. Aber nicht so sehr, weil er schuld war an Lilys und James’ Tod. Vielmehr einfach, weil er sie alle verraten hatte und sie zusammen um die wichtigsten Dinge gebracht hatte – zwei seiner besten Freunde um ihr Leben, Sirius’ um ein Stück seines eigenes, Harry um eine glückliche Familie, Remus um seine Freunde…
Es fiel vielleicht niemandem auf, aber Peter Pettigrew war der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte.
Irgendwie war er an allem schuld. Er hatte Harrys Eltern verraten und ihren Tod verschuldet. Damit hatte er gleichzeitig Voldemorts Untergang besiegelt und die Gewissheit, dass er das Baby aus der Prophezeiung kennzeichnen wĂĽrde, geschaffen.
Er war es auch, der Voldemort half sich wieder zu erheben. Aber durch Harry, der ja irgendwie seinetwegen zum Retter der Zauberwelt geworden war, fiel Voldemort auch wieder. Und diese miese kleine Ratte stand im Mittelpunkt.
Um seine wirren Gedankengänge zu unterbrechen entschloss sich Sirius, sich mit dem Regenbogen-Benjamini zu befassen und das Handbuch durchzulesen. Er wollte Dracos Geschenk ja angemessen würdigen. Außerdem fühlte er sich scheiße. Immer noch. Kaum zu glauben, wie schwer es ihm fiel, die Finger vom Alkohol zu lassen. Wahrscheinlich schaffte er es nur durch Remus, der jetzt jeden Tag wenigstens für ein paar Minuten vorbei schaute und ihn motivierte, so als wolle er Draco vertreten.
Er war gerade bei Kapitel vier angelangt – Gespräche mit dem Regenbogen-Benjamini: Wie führt man sie und was sollte man vermeiden? – als Stimmen im Flur laut wurden.
„Hier…“
„Genau! Das ist der Typ.“
„Er ist ein Geschäftsfreund meines Vaters.“
„Also einer seiner Schläger.“
„So genau weiß ich das nicht, aber…“ Seine Tür ging auf, was darauf hinwies, das er wieder einmal vergessen hatte sie abzuschließen.
„Wir werden noch einige Zeit brauchen um alles zusammen zu tragen, aber wenn wir den Verdacht erhärten können, dann werden wir auch deinen Vater vorladen und verhören. Du solltest dann nicht mehr bei ihm sein.“
„Keine Sorge, ich wollte nicht mehr dorthin zurück. Jedenfalls nicht, wenn man mich hier noch will“, vollendete Draco seinen Satz leise und trat mit Harry ins Wohnzimmer.
„Ich zieh mich hiermit mal in den Schlafzimmer zurück! Ich kriege ihn, diesen Dreckskerl, ich kriege ihn…“ Harry hatte noch immer tiefe Schatten unter den Augen und sah blasser aus, als Snape zu seinen schlechtesten Zeiten, aber Sirius widersprach nicht. Er konnte seinem Patensohn momentan genau so wenig helfen, wie umgekehrt.
„Bist du mir böse?“, fragte Draco schließlich leise, als Harry verschwunden war.
Sirius knallte das Buch zu. „Ja! Nein. Ich meine, ich bin mir nicht so sicher.“
Draco ging stumm auf ihn zu, ließ sich auf die Couch fallen und ignorierte die stürmische Begrüßung Archie’s, der seinen Hintern liebkoste.
„Wegen der Ohrfeige oder dem Schlag bin ich nicht sauer“, meinte Sirius schließlich. „Das hatte ich verdient. Aber, dass du einfach so… Naja, ich hab’ mir ein bisschen Sorgen gemacht.“
„Ach?“
„Ja.“ Sirius setzte sich neben den Blonden, erst recht steif. Dann jedoch seufzte und zog Draco an sich, der sich überrascht gegen ihn sinken ließ. Er vergrub das Gesicht in dem blonden Haar und atmete genießerisch ein. „Ich bin hier am verrückt werden. Jetzt erzähl schon, was hast du gemacht?“
„Naja, Vater war erst äußerst skeptisch. Aber dank meiner Mutter hat er schließlich akzeptiert, dass die Erfahrungen mit dir mich eines besseren belehrt haben. Er hofft wohl noch immer, auf eine Ehe mit Pansy oder so. Naja, jedenfalls habe ich eben ein paar Tage im Manor herumgesessen und darauf gewartet, dass ich irgendwas aufschnappen konnte. Hab’ ich auch, letztendlich, gestern Abend. Einer von Vaters Dinnerabenden stand an.“
„Und mit dir ist alles klar?“
„Schon.“
Sirius hob eine Augenbraue. „Aber?“
„Naja, ich hatte heute dann wieder einen heftigen Streit mit meinem Vater. Eigentlich hat er mich noch einmal rausgeworfen. Das ist nicht so schlimm, ich meine, ich finde es ja nicht in Ordnung was mein Vater macht. Ich komme damit klar, wenn er unsere Verwandtschaft bestreitet. Aber bei meiner Mum…“
Sirius tätschelte den Jüngeren. „Vielleicht wird deine Mutter eines Tages eine Möglichkeit finden, mit dir Kontakt zu haben ohne dabei deinen Vater in zu involvieren.“
„Ja, vielleicht“, seufzte Draco leise und kuschelte sich an Sirius. „Und dir? Geht’s dir besser?“
„Ich gebe mir Mühe“, antwortete Sirius und seine Mundwinkel zuckten kurz nach oben.
„Das finde ich toll.“
„Ja, ich auch. Glaube ich.“
„Wir werden nämlich morgen zusammen Teddy besuchen…“, murmelte Draco gegen seine Schultern, was Sirius dazu brachte, augenblicklich innezuhalten.
„Was hast du gerade gesagt?“
„Du hast mich schon verstanden. Remus hat selbst gesagt, dass du ihn besuchen sollst. Schließlich bist du auch mit ihm verwandt. Ich meine, irgendwie ist er doch sowieso der Sohn deiner Cousine.“
Sirius quietschte auf und schob Draco ein StĂĽck von sich.
„Genau wie du!“
„Meine Mutter ist deine Cousine?“ Dracos hübsche, graue Äuglein wurden kugelrund. Naja, er hatte ja gewusst, dass sie verwandt waren. Aber scheinbar wurde ihm gerade erst bewusst, dass es nicht mal ein paar Ecken waren.
„Ich fürchte, ja.“
„Uhm, egal“, meinte Draco nach kurzer Bedenkpause und ließ sich wieder gegen Sirius fallen.

*

„Onkel Sirius!“ Kichernd und kreischend stürzte Teddy Lupin auf den schwarzhaarigen Mann zu. Sirius konnte nicht anders als strahlend die Arme auszustrecken und den kleinen, dessen Haare heute ein Gummientchen-Gelb hatten, durch die Luft zu wirbeln. Er erinnerte sich wirklich noch an ihn.
„Hey, Großer. Lange nicht mehr gesehen“, meinte Sirius und wuschelte durch das gelbe Haar. Dann drehte er sich leicht zur Seite und deutete auf Draco, der sich respektvoll im Hintergrund hielt und ein Blicke-Duell mit seiner Tante Andromeda ausfocht.
„Und das da ist Draco“, erklärte er und drückte dem völlig überrumpelten Blonden den Jungen in die Hand.
„Hi“, quiekte Draco und setzte Teddy schnell wieder auf den Boden, der ein paar vergnügt seinen Namen wiederholte und sich dann an Sirius’ Bein klammerte.
„So ein lebendiges Kerlchen…“, seufzte der Schwarzhaarige.
Andromeda Black hob – mein Gott, woher kam dieses Gen bloß und warum hatte es ihm niemand vererbt? – perfekt durchorganisiert die Augenbraue.
„Mein ehrwürdiger Cousin erweist mir tatsächlich die Gunst eines Besuches und schleppt auch noch meinen Neffen mit an. Draco, ich habe da einige unschöne Dinge gehört.“
„Die bestimmt alle ausnahmslos wahr sind, Cousine“, meinte Sirius strahlend und schob Teddy an den Schultern Richtung Wohnzimmer.
„Unmöglich“, erklärte die Frau sarkastisch, bot ihren Gästen einen Platz an und ermahnte Teddy, sich langsam wieder ein bisschen zu beruhigen.
„Du hast also wirklich Pansy sitzen lassen, deinen Vater aufs Kreuz gelegt, mit Sirius Black zusammen gezogen und wirst seitdem laufend in kriminelle Machenschaften verwickelt?“, fragte sie streng. Andromeda hatte kaum Kontakt mehr mit ihrer Familie, durchaus verständlich wenn man in Betracht zog, wen sie geheiratet hatte. Aber Narzissa hatte wohl nicht umhin gekonnt, ihre Schwester gelegentlich zu besuchen und Draco mitzunehmen, der sich immer vor Tonks in Sicherheit bringen musste. Und dem die Strenge, die Andromeda an den Tag legen konnte, wenn die Black-Gene herauskamen, nur zu bekannt war.
„Naja, uhm, ja“, murmelte er und duckte sich schon einmal vorsichtshalber.
„Wunderbar!“, rief Andromeda aus und klatschte in die Hände. „Ich bin stolz auf dich, Junge!“
Sirius schmunzelte, ehe er sich Teddy und seinen Malsachen widmete, um den beiden ein bisschen Freiraum fĂĽr Unterhaltungen zu geben.
Wenn er jetzt hier saß, dann musste er feststellen, dass eigentlich alles genau wie früher war. Als wäre er nie weg gewesen und als hätte es diese Differenzen mit Remus nie gegeben. Die Möglichkeit, dass Draco wirklich recht gehabt haben könnte und es alles gut ausgehen würde, erschien immer realer zu werden.
„Sirius“, meinte plötzlich Dracos Stimme neben seinem Ohr.
„Was?“ Er hob den Kopf, wobei seine Wange die Dracos streifte. Diese Berührung jagte ihm einen ganz untypischen, teenagerliken Schauer über den Rücken.
„Ein Foto!“
„Ein Foto?“
„Wir machen ein Foto. Du, Teddy und ich…“
„Oh ja“, stimmte Teddy begeistert zu und sprang schon auf. Sirius runzelte die Stirn, bemerkte aber, dass diese Vorstellung ein glückseliges Glitzern in Dracos Augen zauberte, das er nicht verstand.
„Also gut.“
Andromeda schwenkte eine Kamera und bedeutete den beiden sich nebeneinander zu stellen. Draco schlang einen Arm um Sirius’ Hüfte und Sirius hob Teddy hoch.
Das war jetzt selbst für Sirius’ Geschmack schon fast ein bisschen zu kitschig, doch er lächelte brav und hörte erleichterte, wie die Kamera auslöste.
„Und jetzt müssen sich Draco und Onkel Sirius küssen“, quiekte Teddy freudig.
„Ich finde, dass du noch zu jung bist um…“ – begann Sirius, doch Draco hatte ihn schon zu sich herunter gezogen, und Sirius erhoffte Erlösung blieb aus.
Stattdessen existierte nun ein Foto, auf dem er Draco Malfoy kĂĽsste und ein Kind auf dem Arm hatte.
Gut, irgendwie war das ja süß. Aber man musste da doch echt aufpassen, wem es in die Hände fiel. Nicht auszudenken, wenn Remus sah, dass er vor den Augen seines Sohnes mit einem Mann geknutscht hatte. Sein Besuchsrecht wäre schneller wieder aufgehoben als er Quidditsch sagen konnte.
Die Großmutter dieses Jungen jedoch lächelte nur und bedeutete Teddy, dass er sich wieder seinen Malstiften zu wenden sollte. Dann drehte sie sich zu Draco und Sirius.
„Ich fand es schön, dass ihr hier wart. Es wird auch Remus gut tun, wenn man Weihnachten wieder zusammenfeiern kann. Er… Wir alle vermissen Tonks sehr“, murmelte sie leise und man sah deutlich, wie die Erinnerung an ihre Tochter dunkle Schatten über ihre Augen legte.
Sirius, der sich heute so unglaublich so stark, unwiderstehlich und unbesiegbar wie ein griechischer Gott fühlte, legte ihr tröstend eine Hand auf die Schulter. Er hatte den Entzug mit Sicherheit schon längst überstanden.
„Es tut mir Leid, Andromeda. Tonks war eine tolle Frau, auch wenn sie manchmal nicht einmal gerade aus laufen konnte, ohne hinzufallen.“
Die Angesprochene lächelte traurig und nickte. „Ich hoffe, wir sehen euch bald wieder.“
„Auf jedenfall… Grüß Professor Lupin von uns, wenn du ihn noch mal siehst“, meinte Draco.
„Denk dran was ich dir über deine Mutter gesagt habe“, erinnerte sie ihn im Gegenzug.
Der Blonde nickte, und die beiden Männer verließen das Haus.
„Was hat sie denn gesagt?“, kam es fragend von Sirius.
„Ungefähr das gleiche wie du“, erklärte Draco abschließend, griff nach Sirius Hand und zwinkerte.
„Na gut. Übrigens, es ist lächerlich, wenn du Professor zu Moony sagst.“
„Bei aller Liebe, Sirius, ich werde nicht anfangen den Wolf zu duzen oder beim Vornamen zu nennen.“
Sirius verpasste Draco mit der RĂĽckseite seiner Hand einen sanften Schlag gegen den Kopf.
„Idiot“, murmelte er.
Draco begann zu kichern.

*

Abends lagen die beiden aneinander gekuschelt auf der Couch und betrachteten Archie, der von der RĂĽckenlehne aus zu ihnen blickte.
„Ist jetzt wieder alles in Ordnung?“, fragte Sirius leise und dachte, dass es sich irgendwie so anfühlte.
„Naja, nicht ganz.“
„Mh?“
„Harry hat es mir vorhin gesagt. Sie haben Terrys Leichnam freigegeben. Die Beerdigung ist übermorgen“, gab Draco gedämpft von sich und schien wohl auf Sirius’ Reaktion zu warten. Der Ältere schluckte, nickte aber.
„Wir gehen zusammen hin?“
„Natürlich.“
Sirius seufzte, dann gab er Draco einen Kuss auf die Stirn. „Lass uns schlafen.“
Der Blonde gab ein wohliges Geräusch von sich, wie ein Schnurren und umschlang den Körper des Älteren mit den Armen.
Der nächste Tag kam und zog vorüber, ohne dass etwas nennenswertes passierte. Harry erreichten sie nicht, da er im Ministerium scheinbar total in seiner Arbeit versunken war. Beide fanden das etwas beunruhigend, aber Sirius gab Draco Recht, wenn dieser meinte, sie sollten erst einmal warten wie Harry den morgigen Tag überstand.
Beide waren äußerst gedrückter Stimmung als sie, in schwarze Anzüge gekleidet, vor den Friedhof apparierten.
Es nieselte nur leicht, doch der Himmel war grau und verhangen. Schon von weitem sah man, dass sich nicht viele Leute versammelt hatten, um Terry die letzte Ehre zu geben.
Seine Eltern waren da, außerdem standen etwas vom Grab entfernt ein paar junge Leute, die man eindeutig als, nun ja – Arbeitskollegen identifizieren konnte.
Harry kam kurz nach ihnen an und sah furchtbarer als furchtbar aus. Er war leichenblass, seine Unterlippe bebte ununterbrochen, dennoch weinte er nicht. Seine Augen waren gerötet und von dunklen Schatten umgeben, seine Kleidung hing zerknittert an ihm herab.
„Wir möchten heute Abschied nehmen…“, begann der Ministeriumsbeamte, der wohl ein Kollege Harrys war und sprach die nötigen Worte.
Zwei in schwarze Roben gekleidete Zauberer senkten den unscheinbaren Sarg in das ausgehobene Grab hinab, während das Nieseln zu einem ausgereiften Regen heranwuchs und die lockere Erde mit sich hinweg spülte. Terrys Eltern schluchzten laut und klammerten sich an einander, und auch Sirius wurde es klamm um das Herz.
Es war einfach schrecklich, Menschen so jung sterben sehen zu müssen, egal wie sehr sie ihr Leben weggeworfen hatten. Und seine Eltern, sie machten sich bestimmt Vorwürfe, weil sie sich nicht richtig mit ihrem Sohn ausgesöhnt hatten, bevor es zu spät war…
„Harry!“
Sirius Kopf ruckte hoch, als Draco den Namen seines Patensohns rief. Beide, auch Dracos Augen schimmerten verdächtig, stürzten auf Harry Potter zu.
Den Held der Zaubererwelt, den Bezwinger Voldemorts, den Jungen, der schon so viel ertragen hatte und der nun im Schlamm auf einem Friedhof in London kniete und einen lang gezogenen Schrei ausstieĂź.
„Gebt ihn mir wieder, gebt ihn mir zurück, bitte… bitte… Gebt ihn mir wieder. Nehmt mir Terry nicht weg…“ Hoffnungslos weinend und aufgelöst wippte er vor und zurück, stieß ein schrilles Heulen aus und schrie immer wieder Terrys Namen.
Sirius wusste, wie ihm zu mute war. Er kannte dieses GefĂĽhl.
Es war der Moment, in dem einem zum ersten Mal bewusst wurde, welche Konsequenz aus dem Tod des Menschen folgte, dem man sein Herz geschenkt hatte: Wenn man begriff, dass er nie wieder zurückkommen würde und dass es nichts auf der Welt gab, das diese Tatsache ändern könnte.
„Sh, Harry, ist gut…“ Sirius ließ sich kompromisslos neben ihm auf die Knie fallen und zog seinen Patensohn in eine Umarmung, der erst um sich schlug, dann erschlafft und sich schließlich, noch immer weinend und flehend an seinen Paten klammerte. „Lass es raus, Kleiner. Lass den Schmerz raus…“, murmelte er und rieb dem Jüngeren über den Rücken. Dann blickte er zu Draco auf, dessen Augen ebenfalls überzulaufen begannen, der sich aber scheinbar alle Mühe gab, stark zu erscheinen.
Sirius brachte ein schwaches Lächeln zustande.
„Komm her, Draco“, murmelte er leise und griff mit der freien Hand nach dem Blonden. Dieser gab ein ersticktes Geräusch von sich, nahm die ihm dargebotene Hand und hockte sich neben die beiden Männer am Boden.
„Wir bringen ihn jetzt nach Hause und dann… dann sehen wir weiter.“ Sirius hielt die schlanke Hand fest umklammerte und apparierte.


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