
von Lily Longbottom
Es war ein Morgen wie jeder andere, als James Potter mit seinem besten Freund Sirius die Große Halle zum Frühstück betrat. Nun, er dachte zumindest, dass es ein Morgen wie jeder andere wäre, doch als er den Blick wie gewohnt durch die Große Halle schweifen ließ, bemerkte er, dass etwas nicht stimmte.
„Lily ist nicht da“, rief er und blieb dabei so abrupt stehen, dass Sirius gegen ihn lief. „Was ist los?“, fragte dieser gähnend. Sein bester Freund brauchte immer eine Weile bis er nach dem Aufstehen wirklich alle Sinne beisammen hatte.
Doch dann weiteten sich seine Augen. „Das gibt’s doch nicht“, rief er überrascht aus.
„Ja ich finde es auch komisch, schließlich sitzt sie normalerweise immer…“
„Heute gibt es Waffeln zum Frühstück“, unterbrach dieser James jedoch nur und eilte hastig zu ihren üblichen Plätzen am Ende des Gryffindortisches. Widerwillig folgte James ihm. „Heute ist mein Glückstag“, meinte Sirius zufrieden während er seinen Teller mit dem goldgelben Gebäck belud. „Lily ist nicht da“, wiederholte James nun ein wenig lauter. „Nein? Dann kommt sie bestimmt noch, oder du hast sie einfach nicht gesehen.“ „Sie sitzt nun schon seit drei Jahren spätestens ab halb neun auf dem zweiten Platz der rechten Seite des Gryffindortisches“, meinte James wie aus der Pistole geschossen. „Wirklich?“, fragte Sirius leicht erstaunt. „Das ist mir noch nie aufgefallen.“ Hungrig biss er in seine Waffel, und schloss dann genießerisch die Augen. „Weißt du, bevor ich nach Hogwarts kam, habe ich immer gedacht alle Hauselfen wären so wie Kreacher. Also dreckig, kriecherisch und unfreundlich. Bei ihm gab es jeden Morgen immer nur Haferschleim, den schleimigsten Haferschleim, den du dir vorstellen kannst, ohne Zucker, wohl gemerkt. Aber die Hauselfen hier in Hogwarts sind wirklich engelsgleiche, kleine Wesen. Ich glaube, ich werde ihnen morgen wieder einen Besuch in der Schulküche abstatten.“ James nickte gelangweilt. Er war immer noch dabei nach einer gewissen rothaarigen Hexe Ausschau zu halten und hatte keinen besonders großen Appetit.
Das schien auch Sirius aufzufallen. „Du isst ja gar nichts“; aus seinem Mund klang das wie eine Unterstellung.
„Mir vergeht der Appetit, wenn meine Tischnachbarn nichts essen.“ James bezweifelte, dass es irgendetwas gab, das Sirius den Appetit verderben konnte.
„Ich frage mich nur die ganze Zeit, wo sie sein könnte.“ Sirius, der natürlich wusste, wer mit „sie“ gemeint war, seufzte genervt. „Dann liegt es wohl am nächsten jemanden zu fragen.“
„Sue“, wandte er sich an seine Tischnachbarin, „weißt du wo Lily ist?“
Sue, ein schüchterne Gryffindor aus ihrem Jahrgang errötete, als sie von Sirius Black höchstpersönlich, dem wahrscheinlich größten Mädchenschwarm der ganzen Schule, angesprochen wurde. „Meinst du mich?“, fragte sie ungläubig. Sirius nickte wohlwollend. „Ihr seid doch im selben Schlafsaal, nicht wahr?“ „Jaaa, also…“ (Sirius beugte sich noch ein wenig näher vor, um sie besser zu verstehen, was aber nicht besonders hilfreich schien, da Sue dies nur noch mehr aus der Fassung brachte) „Lily ist im Hausflügel im Flügelkranken, ich meine, ähm, im Krankenflügelhaus.“ „Meinst du etwa im Krankenflügel?“, fragte James besorgt. „Ja, genau das meinte ich“, antwortete Sue und warf ihm einen erleichterten Blick zu. „Ihr fehlt doch hoffentlich nichts?“ „So weit ich weiß hat sie nur eine Grippe, aber Madame Pomfrey besteht darauf, sie noch mindestens für drei Tage dazubehalten“, antwortete Sue nun um einiges ruhiger. Wenn er James mit ihr sprach, brachte sie also zusammenhängende Sätze zu Stande. Wäre er nicht so um Lily besorgt gewesen, hätte er das wahrscheinlich glatt als Beleidigung aufgefasst.
„Das ist mal wieder typisch für Madame Pomfrey“, schimpfte Sirius fahrig. „Die arme Lily“, meinte James betrübt.
„Ach, so schlimm ist es nun auch wieder nicht, wenn man Besuch von Jarred bekommt." Diana ,eine bemerkenswert hübsche Gryffindor aus ihrem Jahrgang, die ihrem Gespräch anscheinend gelauscht hatte, lehnte sich zu ihnen rüber.
„Wie meinst du das?“, fragte James rasch.
„Jarred hat ihr heute Morgen schon einen netten kleinen Besuch im Krankenflügel abgestattet“, erklärte Diana grinsend.
„Jarred Brians aus meinem Quidditchteam?“, fragte James mit weit aufgerissenen Augen.
„Natürlich der, wer auch sonst?“
„Er hat ihr doch nur ein paar Schulbücher vorbeigebracht“, warf Sue schüchtern ein.
„Ja, so nennt man das dann wohl“, meinte Diana grinsend und wandte sich wieder ihrem Müsli zu.
James erinnerte sich an Jarred als einen ziemlich mittelmäßigen Quidditchspieler, bei dem er den vagen Verdacht hegte, dass er seinem Team nur beigetreten war um „in“ zu sein. Bei den Mädchen erfreute er sich allerdings ziemlicher Beliebtheit.
„Jarred hat sie besucht“, murmelte James betroffen. „Ich werde sie auch besuchen gehen.“
„Ich glaube nicht, dass das so eine gute Idee ist“, meinte Sirius prompt.
„Sie war in letzter Zeit nicht gerade besonders erpicht auf deine Anwesenheit. Vielleicht solltest du es etwas langsamer angehen.“ Wie sich James peinlich berührt eingestehen musste hatte sein bester Freund Recht. Er hatte Lily schon unzählige Male um Dates gebeten, doch seine Angebetete hatte sie jedes Mal abgelehnt.
„Ich könnte einen Hauselfen mit Pralinen und Blumen zu ihr schicken. Sie freut sich total darüber, schlägt die dazugehörige Karte auf , liest dort meinen Namen und schon verbindet sie meinen Namen mit etwas Positiven. Und das würde noch nicht einmal allzu aufdringlich wirken, meinst du nicht?“
„Das hört sich dafür aber an wie ein Werbespot aus dem Muggelfernsehen“, kommentierte Sirius grinsend. „Was ist ein Werbespot?“ Im Gegensatz zu Sirius kannte er sich mit solchen Muggelgeräten nicht besonders aus. „Ach, nicht so wichtig. Eigentlich ist die Idee ja gar nicht so schlecht, aber Pralinen… ich weiß nicht“, brummte Sirius und wischte sich geistesabwesend eine schwarze Haarsträhne aus dem Gesicht.
„Wieso? Was ist gegen Pralinen einzuwenden?“
„Na ja“, meinte Sirius und schielte ein wenig betrübt zu Diana herüber, die wieder angeregt mit Sue plauderte, „als ich Diana letztens eine Schachtel Pralinen aus dem Honigtopf mitgebracht habe, hat sie das als glatte Beleidigung aufgefasst. Sie hat behauptet, ich würde sie absichtlich mit dieser Schokolade in Versuchung führen, um sie von ihrer Diät abzuhalten. Dabei wusste ich noch nicht einmal, dass sie auf Diät ist.“ Missmutig schüttelte Sirius den Kopf.
„Aber Lily hätte eine Diät doch gar nicht nötig. Sie hat eine tolle Figur und die wunderschönsten Beine, die eine Frau nur haben kann“, rief James empört. Gelassen zuckte sein bester Freund die Schultern. „Die wenigsten Frauen haben eine Diät nötig und trotzdem machen sie es. Sie wissen ja gar nicht, was ihnen alles entgeht." Dabei fiel sein Blick auf den voll beladenen Frühstückstisch.
„Andererseits kann ich mir nicht vorstellen, dass Lily der Typ für eine Diät ist.“ „Das lässt sich leicht feststellen“, meinte James grinsend. „Di-“, rief er. „Weißt du zufällig, ob Lily auf Diät ist?“ Langsam drehte die Gryffindor ihren schönen Kopf zu ihnen um. „Ich denke nicht. Wieso fragst du?“
„Nur so.“
Sie runzelte die Stirn, nickte dann aber und widmete sich wieder ihrem Frühstück.
„Ich weiß jetzt, was ich mache“, rief James, erhob sich rasch, und rannte die Treppenstufen zum Gryffindorturm hoch. Im Jungenschlafsaal der Gryffindors fand er sogleich, wonach er suchte; die Schachtel Pralinen, die seine Eltern ihm zum Schulanfang geschenkt hatten. Eigentlich hatte er vorgehabt, sie einmal mit seinen Rumtreiberfreunden Sirius, Remus und Peter zu verputzen, aber nun hatte er wohl eine noch bessere Verwendung für sie gefunden. Dank seiner Begabung in Verwandlung schaffte er es sogar einen Strauß Schwertlilien, aus den Hogwarts-Beeten, in rote Rosen zu verwandeln. Dann schrieb er noch ein paar Worte auf ein Stück Pergament:
Liebe Lily,
Ich wünsche dir gute Besserung,
dein größter Verehrer J.P.
Anschließend bat er einen Hauselfen das Geschenk ins Krankenzimmer zu bringen.
***
Sein erster Gedanke, als James früh am nächsten Morgen aufwachte, galt Lily. Er fragte sich, wie sie wohl auf die Schokolade reagiert haben mochte. Diesmal, da war er sich fest sicher, hatte er nichts gemacht, was ihn vor Lily blamieren könnte.
Nachdem er sich sicher war nicht mehr einschlafen zu können, machte er es sich in seinem Lieblingssessel im Gemeinschaftsraum der Gryffindors bequem und betrachtete die tanzenden und knisternden Flammen des Kaminfeuers. Fast wäre er wieder eingenickt, wenn er nicht plötzlich lautes Gelächter aus der Richtung des Porträtlochs vernommen hätte. „Dieser Kerl ist unglaublich, nicht war?“, hörte er eine schrille Mädchenstimme kichern. Hastig fuhr er hoch. „Wo seid ihr denn gewesen, so früh am Morgen?“, fragte er ein wenig konfus, als Diana und Sue auftauchten. Die beiden schienen nicht minder überrascht ihn hier anzutreffen. Sofort hörten sie auf zu lachen. „Es ist sieben Uhr, also so früh ist es auch wieder nicht. Wir haben Lily besucht“, antwortete Diana. Sein Herz schlug plötzlich schneller, doch er versuchte sich seine Nervosität nicht anmerken zu lassen. „Wie geht es ihr denn?“ Wieder fing Di haltlos an zu kichern. „Den Umständen entsprechend.“, antwortete Sue, auch sie grinste. „Wie meinst du das?“, fragte James ein wenig lahm. „Sie ist krank, da ist es doch klar, dass es ihr nicht blendend geht“, antwortete Sue. „Sollen wir es ihm nicht sagen“, wandte sie sich an Di. „Ja, warum nicht“, meinte diese immer noch grinsend. „Stell dir nur vor: Jarred hat Lily einen Strauß roter Rosen und Pralinen geschenkt."
„Jarred hat was getan?“ James, Diana und Sue fuhren herum. Hinter ihnen stand Sirius in seinem dunkelgrünen Hochwasserschlafanzug mit der I-love-cookies - Aufschrift. „Was ist? Wieso starrt ihr mich jetzt alle an? Nur weil ich heute auch mal unter die Frühaufsteher gegangen bin?“ Dianas Mundwinkel zuckten verdächtig. „Wie kommt Lily darauf, dass das von Jarred war“, lenkte James unwillig ab.
„Weil er eine Karte mit seinem Namenszug dagelassen hat, warum sonst?“ Seinem Namenszug?“, fragte James schwach. Wie zum Teufel war Jarred’s Unterschrift in seine Karte gekommen? „Ja , seinen Namenszug, also J.P. Das steht für Jarred Percival“ , fügte sie unwirsch hinzu.
Hätte James aufgrund seines regelmäßigen Quidditchtrainings nicht so eine gute Kondition erlangt, wäre er jetzt wahrscheinlich in Ohnmacht gefallen. „Na ja, rein theoretisch könnte es natürlich auch für James Potter stehen“, rief Sirius schnell und mit einem seltsam gequältem Grinsen auf dem Gesicht. Eine Weile starrte Diana Sirius verdutzt an, dann brach sie in schallendes Gelächter aus. „Was ist daran lustig?“, fragte Sirius gereizt.
Sofort hörte Diana auf zu lachen.
„Lily kann James nicht ausstehen. Und James weiß das längst.“ Ihre zahlreichen Armreife klimperten, als sie theatralisch die Arme ausbreitete. „Die ganze Schule weiß es“, meinte sie und richtete ihre funkelnden Augen dabei auf James. „Er wäre ja wohl reichlich blöd, wenn er ihr solche Geschenke machen würde. Und überhaupt, ihr beide wärt ja wohl die Letzten, die überhaupt auf die Idee kämen einem Mädchen solche Geschenke zu machen“, rief sie, warf beiden noch ein keckes Lächeln zu, und zog dann Sue, die sich reichlich unbehaglich in ihrer Haut zu fühlen schien, mit sich in den Mädchenschlafsaal. Für einige Sekunden, die James wie Minuten vorkamen, herrschte Stille. „Dieses Mädchen ist unglaublich“, kam es schließlich von Sirius, der noch immer die Tür fixierte, in der Diana und Sue gerade erst verschwunden waren. „Ich würde zu gern wissen, was in ihrem Kopf vorgeht.
Ist alles okay bei dir? “, wandte er sich dann an James. „Du bist weiß wie eine Wand.“ Dieser zuckte die Schultern. Er wusste selbst nicht so recht wie er sich fühlen sollte. Da kam so viel zusammen: Trauer, weil Lily ihn anscheinend tatsächlich nicht ausstehen konnte, Wut, weil Lily die Karte für die Jarred’s hielt.
„Lass uns frühstücken gehen“, schlug Sirius betont munter vor.
Schweigend machten die beiden sich auf den Weg runter in die Große Halle. „Potter“, hörte er plötzlich eine Stimme hinter sich rufen. Es war Jarred Brians- Jarred Percival Brians wie er ja inzwischen wusste. „Was willst du?“, fragte James genervt. Jarred verzog angesichts der Feindseligkeit in James Stimme das Gesicht. „Ich wollte dir nur sagen, dass ich heute nicht zum Quidditchtraining komme.“ Quidditchtraining- irgendwo in seinem Hinterkopf konnte James sich erinnern für den Samstag eins angesetzt zu haben. „Ich muss nämlich noch einen Aufsatz für McGonegalll fertig schreiben. Und dazu muss ich dann noch einen neuen Zauber für Verwandlung einüben“, fügte er hinzu, als James nicht antwortete. „UTZte, du weißt schon wie das ist“, sagte er nun um einiges ungeduldiger. „Klar, weiß ich das, ich bin selber auch im siebten Schuljahr und natürlich kommst du zum Training, Brians“, zischte James. "Deine Leistung beim letzten Quidditchspiel war schließlich nicht gerade überwältigend“, meinte er und erinnerte Jarred somit daran, wie er, anstatt den Klatscher zu treffen, Franks Arm gebrochen hatte. „Geht klar, Kapitän“, murrte Jarred und zog unverkennbar beleidigt von dannen.
Als ob er Hausaufgaben machen wollte, wahrscheinlich wollte er nur den Nachmittag im Krankenflügel verbringen, um weiter Lily zu umgarnen.
„Weißt du, was ich jetzt mache?“, fragte James, nachdem sie ihre Plätze am Gryffindor-Tisch eingenommen hatten. (Die Wut war nun eindeutig das stärkste Gefühl) „Du wirst es mit bestimmt gleich sagen.“, erwiderte Sirius, während er sich Porridge auf den Teller tat.
„Ich schmeiße diesen Jarred aus meinem Team. So einen Kerl wie ihn kann ich in meiner Mannschaft absolut nicht gebrauchen.“
„Gute Idee. Aber wie willst du für das nächste Spiel gegen Slytherin noch einen neuen Treiber finden?“, fragte Sirius skeptisch.
„Hm“, brummte James verstimmt. Ständen ihm massenhaft Treiber zur Verfügung, wäre seine Wahl bestimmt nicht auf Jarred gefallen. „Und außerdem“, fügte Sirius hinzu. „Kommst du Lily damit auch nicht näher.“
Missmutig stocherte James in seinem Cornflakes.
„Was ich brauche ist eine Gelegenheit, um mit Lily zu reden. Und zwar am besten allein...“, überlegte er laut.
Dann kam ihm auf einmal eine Idee. Eine ziemlich gute Idee. „Tatze, hör mal zu, ich werde diesen Betäubungstrank schlucken." „Du meinst den, den wir einmal Miss Norris verabreicht haben, als wir unbedingt ungestört in der Verbotenen Abteilung recherchieren mussten?“, fragte Sirius überrascht. „Genau den. Ich nehme ihn zu mir und falle in Ohnmacht. Und dann bringt man mich in den Krankenflügel, wo natürlich auch Lily ist. „Ist deine Sehnsucht nach ihr inzwischen so groß, dass du es nicht mehr ohne sie aushältst?“, fragte Sirius und musterte ihn nun zum ersten Mal an diesem Morgen ernsthaft besorgt. „Natürlich nicht deswegen“, erwiderte James unwirsch. „Stell dir doch einfach einmal die Situation vor. Ich werde endlich die Gelegenheit haben allein mit Lily zu reden. Ihr zu erklären, was ich für sie empfinde, ohne dass sie wegläuft. Ihr sagen, dass die Karte von mir ist.“
„Nenn mir bitte einen Grund, der es rechtfertigt, so etwas Verrücktes zu tun“, knurrte sein bester Freund verdrießlich.
„Äh… ich bin ein Rumtreiber?
„Zugegeben, das ist tatsächlich ein Grund“, gestand Sirius. „Na schön, der Trank müsste noch oben in meinem Koffer sein. Willst du ihn jetzt gleich benutzen?“ Ein grimmiges Lächeln umspielte James Lippen. „Zuerst habe ich noch Quidditchtraining und dabei werde ich alle Vorzüge auskosten, die es mit sich bringt Kapitän zu sein." „Wie, willst du Brians etwa eine reinhauen?“
„Aber nein. Wie käme das denn rüber, wenn der Quidditchkapitän seine Spieler schlägt? Es gibt zum Glück auch noch andere Methoden, mit denen man Brians auf die Palme bringen kann.“
Voller Tatendrang betrat James eine halbe Stunde später das Quidditchfeld.
Die Mannschaft hatte sich schon fertig umgezogen auf dem Spielfeld versammelt.
Nur Jarred fehlte anscheinend. „Brians, komm mal her. Ich hab was mit dir zu besprechen“, rief er, als er Jarred aufs Spielfeld trotten sah. „Also, was gibt’s?“, fragte Jarred ungeduldig, sobald sie sich ein paar Meter von der neugierigen Mannschaft entfernt hatten. „ Das erste ist: halt dich von Lily fern."
„Bitte was?“
„Du hast mich schon verstanden und tu bloß nicht so als hättest du die Karte mit den Geschenken nicht für deine ausgegeben." Er sah eine Weile verwirrt aus, doch dann grinste er.
„Ich kann doch nichts dafür, wenn die Kleine auf mich steht, Chef.“
James spürte die Wut in seinen Knochen pulsieren, beschloss aber diese Bemerkung zu ignorieren. „Zweitens bist du ein absolut mittelmäßiger Spieler, und wenn du weiterhin so wenige Spieler vom Besen haust, wie beim letzten Spiel, kann es sein, dass ich mich nach einem anderen Treiber umsehen muss. Nur damit du das im Hinterkopf behältst, Brians. Und außerdem sucht Filch nach jemandem, der die Spielerkabinen aufräumt, und da du ja zu spät gekommen bist, fällt dir diese Aufgabe zu.“ Okay, diese zusätzliche Aufgabe war eine Lüge. Aber nun fühlte er sich gleich ein wenig besser. Außerdem konnte er stolz sein, der Versuchung Brians einen ordentlichen Kinnhaken zu verpassen, widerstanden zu haben.
„Longbottom. Mach die Bälle frei, und dann auf die Besen!“
Als der Fahrtwind um seine Ohren brauste, fühlte James sich gleich schon um einiges entspannter. „Fliegen ist schon eine tolle Sache“, dachte er bei sich, während er die kalte Herbstluft ein sog. Dann ging auf einmal alles sehr schnell: er drehte sich zu seinem Team um, um noch ein paar Anweisungen zu geben, als er etwas großes Dunkles auf sich zurasen sah und das nächste, was er vernahm war ein blendender Schmerz, sodass ihm übel wurde. Um ihn herum wurde alles schwarz.
Als James die Augen aufschlug war es schon finstere Nacht und er lag in einem Bett. Hatte er den Betäubungstrank etwa schon geschluckt? Ein stechender Schmerz durchzuckte seinen Kopf, als er versuchte sich aufzurichten. Erschöpft sackte er wieder in seine Kissen zurück. „James?“, hörte er plötzlich eine zarte Stimme sagen. Sein Herz schien für einige Sekunden auszusetzen, als ein rothaariger Engel vor seinem Bett auftauchte. Okay, eigentlich war es Lily, aber mit ihrem schneeweißen Nachthemd könnte sie tatsächlich als Engel durchgehen.
„Lily“, krächzte er. „Was ist passiert?“ „Beim Quidditchtraining…Brians hat dir einen Klatscher an den Kopf gehauen.“
„Oh“, machte James und fasste sich instinktiv an den Kopf. „Du hast eine Gehirnerschütterung.“
Auf einmal füllten sich Lilys smaragdgrüne Augen mit Tränen. „Oh James, es tut mir so unglaublich Leid. Das ist alles meine Schuld.“ „Aber nein, natürlich ist es das nicht “, meinte James, erschrocken über ihren plötzlichen Ausbruch. „Doch, das Team hat gesagt, dass Brians den Klatscher mit voller Absicht nach dir geschlagen hat, und sie haben auch mitbekommen, dass ihr beide vorher eine Auseinandersetzung hattet. Wegen mir. Weißt du ich wusste doch, dass die Geschenke von dir waren und ich habe sie absichtlich für die Brians ausgegeben. Jetzt hasst du mich bestimmt.“ „Nein, das könnte ich nie, ich meine, ich habe immer gedacht du würdest mich hassen.“ Traurig schüttelte Lily ihre roten Locken. „Ich war eine ganze Zeit lang wirklich wütend auf dich. Aber das hat sich mit der Zeit gelegt. Ich weiß doch, dass du dich geändert hast und ich war auch schon nahe dran deinem Werben nachzugeben. Aber Di meinte, na ja sie meinte, ein Mann müsste um eine Frau kämpfen, um sie wirklich zu verdienen."
„Ah“, machte James. Das musste er unbedingt Sirius verraten.
„Ich wusste natürlich von Anfang an, dass die Karte von dir ist, James. Ich habe mich wahnsinnig darüber gefreut. Und na ja… Di kam dann auf die die Idee die Karte für Jarred’s auszugeben, um zu sehen wie du reagierst und ob du auch weiter um mich kämpfen würdest.“ „Das heißt, du bist gar nicht in Brians?“ „Was? Oh nein“ - Lily schüttelte wild den Kopf- „ natürlich nicht! Eigentlich kann ich ihn sogar nicht ausstehen. Er kam nur einmal, auf Dianas Bitte hin, hierher um mir die Hausaufgaben zu bringen.“ James fühlte wie das Gefühl der Erleichterung ihn durchströmte und sich in jeder Faser seines Körpers ausbreitete. „ Jarred ist ein Idiot, aber ich bin ein noch viel größerer.“, fügte Lily kleinlaut hinzu.
„Warum immer diese Umwege, wenn es doch auch ganz einfach geht“, überlegte James laut. „Aber auch Umwege führen letztendlich zum Ziel“, sagte er mehr zu sich selbst und suchte dabei Lilys grüne Augen. Diese erwiderte seinen Blick. „Das heißt, du magst mich trotzdem noch?“ „Natürlich“, meinte James. „Denkst du denn, ich habe jetzt genug um dich gekämpft?“ Lilys Wangen erröteten leicht. „Mehr als genug. Ehrlich gesagt, war Diana begeistert.“ Peinlich berührt schaute sie zu Boden. Doch James musste lachen und auch Lily stimmte in sein Gelächter ein. Irgendwie war diese ganze Situation auch zu komisch.Leider rächte sich sein Kopf sofort, indem er wieder schmerzhaft anfing zu pochen. Anscheinend blieb das auch Lily nicht unbemerkt, denn sie hörte sofort auf zu. Lachen. „Hast du Schmerzen? Soll ich vielleicht Madame Pomfrey rufen?“
„Nein“, sagte James schnell. „Es ist alles okay."
„Lügner“, seufzte Lily und kroch in sein Bett. Sein Herz fing wieder wild an zu pochen.
„Ist es jetzt besser?“ Er bekam eine Gänsehaut als er ihren warmen Atem an seinem Nacken spürte. „Ja“, flüsterte er.
„Nicht jeder hat das Glück in den Armen eines Engels einzuschlafen.“
Das war sein letzter Gedanke bevor der Schlaf ihn übermannte.
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.