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Der edelkids-Verlag im Interview

Edelkids
v.l.n.r.: Stefanie Schn├╝rer, Katharina Beyer, Therese Hochhuth. Foto: Claudia Radtke
Im noch relativen jungen Buchbereich des Edelverlages erscheinen B├╝cher aller Art. Bei edelkids erschienen am 21. Mai 2009 die deutschen Versionen von Melissa Anellis Buch "Harry, A History". ├ťbersetzt von Gaby Wurster und gesprochen von Irina von Bentheim pr├Ąsentiert edelkids den deutschen Fans Lesevergn├╝gen im edlen Design und in professioneller Aufmachung.

Eine Woche vor Verkaufstart hatte HarrysPate die exklusive M├Âglichkeit, den Verlag in Hamburg zu besuchen und sich sowohl von der Potterbegeisterung der Lektorinnen als auch den ausf├╝hrlichen Antworten aller Befragten ├╝berzeugen zu lassen. Wie er von einer druckreifen Feier zum Erscheinen des vierten Romanes der Harry-Potter-Reihe bei Carlsen und noch von vielem ehr erfuhr, liest Du in diesem Interview.

Haben Sie die Potterromane selbst gelesen?

Stefanie Schn├╝rer (Lektorat): Jaaaah

Therese Hochhuth (Lektorat): Nat├╝rlich!

Katharina Beyer (Presse): Also ich, ehrlich gesagt, nicht.

Wann haben Sie mit den Romanen angefangen?

Hochhuth: Ich glaube ein halbes Jahr oder ein Jahr nach Erscheinen des ersten Bandes. Als noch relativ wenig Trubel war und ich noch im Buchhandel t├Ątig war, hat es mir eine Kollegin empfohlen.

HarrysPate: Dann sind Sie l├Ąnger Potterfan als ich, ich habe erst 2003 angefangen.

Schn├╝rer: Bei mir war das eigentlich ganz lustig. Ich habe ein Jahr in Edinburgh gelebt, von 1999 auf 2000. Und da gab es Band eins und Band zwei in den Bargain Shops, wo man sich drei B├╝cher kaufen konnte und nur zwei bezahlen musste. Da hab ich dann die beiden B├Ąnde gekauft und dann auch gelesen, weil ich zu der Zeit einfach Lust auf was Englisches hatte. Ich fand sie dann auch gut, war aber noch nicht so hin und weg. Mir ging es da also ├Ąhnlich wie Melissa, dass ich die B├╝cher zwar gelesen, dann aber einfach wieder ins Regal gestellt habe. Sp├Ąter habe ich dann ja bei Carlsen gearbeitet, wo das Thema "Harry Potter" schon etwas gr├Â├čer wurde und man als Mitarbeiter nat├╝rlich von dem Potterhype angesteckt wurde.

HarrysPate: Wie gesagt, ich habe erst Ende 2003 angefangen, da konnte ich bereits die ersten drei, vier Romane lesen und musste nur noch ein halbes Jahr auf den f├╝nften Band warten. Von daher war es f├╝r mich nicht ganz so schlimm, was das Warten auf den n├Ąchsten Band betrifft. Aber danach wurde es dann nat├╝rlich immer schlimmer und schlimmer...Das waren ├╝brigens auch die ersten B├╝cher, die ich tats├Ąchlich auf Englisch gelesen habe.

Welchen Band, welche Szene mochten Sie besonders?

Hochhuth: Also ich k├Ânnte jetzt keine Szene nennen; dazu ist es schon zu lange her, dass ich die B├╝cher gelesen habe, aber einen Band und zwar den "Feuerkelch". F├╝r mich waren in dem Band einfach sehr viele sch├Âne und gute Ideen drin, kleine charmante Einf├Ąlle, die Rowling hier verwirklicht hat.

Schn├╝rer: Mir geht es ├Ąhnlich. Ich halte den "Feuerkelch" f├╝r einen der st├Ąrksten B├Ąnde. Was mir sehr, sehr gut gefallen hat, war dieser "Aha"-Moment, als sich am Ende herausstellt, dass Professor Moody der Sohn von Barty Crouch ist. Das hat mir erz├Ąhlerisch sehr gut gefallen. Die ganze Planung, die dahinter stand - das komische Verhalten des ├Ąlteren Crouchs, die Verstrickung um Crouch und Moody und die Suche nach dem echten Moody. Sehr gut gefallen hat mir auch die Zeitreise im dritten Band, bei der Hermine und Harry sich selbst beobachten.

HarrysPate: Ich muss ja gestehen, dass mir der siebte Band zuerst gar nicht gefallen hatte, dass ich mich geradezu durch qu├Ąlen musste. Nachdem ich jetzt "Das Ph├Ąnomen Harry Potter" von Melissa gelesen habe, gef├Ąllt mir das Buch sogar. Ansonsten ist Band f├╝nf mein Lieblingsteil, gefolgt vom dritten und so weiter. Band 6 hat mir weniger gefallen, auf Grund der Pairings. Harry/Ginny gef├Ąllt mir so nicht wirklich und meiner Meinung nach hat Rowling nach dem f├╝nften Band leider nachgelassen.

Hochhuth: Ich fand den sechsten Band ziemlich verwirrend, vor allem wegen der Horkruxgeschichte, die nur noch wenig von der lockeren Erz├Ąhlstruktur hatte. Schwer zu lesen ist der Band vor allem, wenn man die vorangegangenen B├Ąnde nicht mehr so pr├Ąsent hat.

Schn├╝rer: Was mir weniger gefallen hat, was ich ├╝berfl├╝ssig fand, das war der Epilog. Ich finde, dass er so viel von der Fantasie zerst├Ârt, von den Vorstellungen der Charaktere. Es war f├╝r mich schwer, mir die Charaktere dann als Erwachsene vorstellen zu m├╝ssen. Die Namensgebung der Kinder ist absolut l├Ącherlich. Der Epilog hat mir tats├Ąchlich ein bi├čchen das Buch vermiest. Wir m├╝ssen nicht wissen, wie Harry und Ginny als Erwachsene ihre Kinder zum Gleis 9 ? bringen.

Hochhuth: Mir hat der Epilog auch nicht gefallen. Ich war nat├╝rlich auch wahnsinnig neugierig und habe den Band gleich auf Englisch gelesen und zuerst gedacht, ich h├Ątte da irgendetwas missverstanden. Wie sich dann herausgestellt hat, war dem leider nicht so. Wobei die Idee nat├╝rlich sehr klug ist, da Rowling ja sagte, sie werde nie wieder eine Zeile ├╝ber Harry schreiben. Da es jetzt aber die Kinder gibt, k├Ânnte man da wieder loslegen und weitermachen. Von daher ist der Epilog als Idee sehr gut, f├╝r den Leser aber bl├Âd.

HarrysPate: Ich habe den Epilog auch ├╝berhaupt nicht gemocht, vor allem den letzten Satz "All was well". Da h├Ątte ich das Buch am liebsten an die Wand geworfen und nie wieder aufgeschlagen. F├╝r mich war es einfach zu viel Kitsch, zu ├╝bertrieben. Und die Namen, wie schon gesagt, sind einfach nur grausam. Mir hat es ├╝berhaupt nicht gefallen. Wobei JK Rowling vorher nat├╝rlich versprochen hat, ├╝ber die Zukunft der ├ťberlebenen zu berichten, welche Berufe sie machen und so weiter. Von daher hat man als Leser nat├╝rlich sehr viel erwartet.

Schn├╝rer: Wobei ich mich f├╝r Neville gefreut habe. Seine Zukunft fand ich sehr sch├Ân.

Wie sieht es mit den Filmen aus? Haben Sie sie gesehen?

Hochhuth: Also ich habe sie sehr gemocht. Ich war nicht entt├Ąuscht von der Umsetzung. Vor allem ist die Entwicklung der Schauspieler und der Charaktere sehr toll. Ich habe sie sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch gesehen. Besonders gefallen hat mir - wie auch bei den B├╝chern - das Trimagische Turnier im "Feuerkelch".

Beyer: Ich habe nur mal so zur Weihnachtszeit reingezappt. Ich habe da aber auch sicherlich einen ganz anderen Zugang zu den Filmen als jemand, der die B├╝cher gelesen hat. Von daher kann ich kaum mehr zu den Filmen sagen, als dass sie toll gemacht sind, mit gro├čartigen Effekten.

Schn├╝rer: Ich habe sie auch alle gesehen, sowohl auf Deutsch, als auch auf Englisch. Aber ich war schon ein wenig entt├Ąuscht vom f├╝nften Film, einfach deshalb, weil so viel weggelassen wurde. Am besten hat mir der dritte Film gefallen, da der Regisseur [Alfonso Cuaron] die d├╝stere Stimmung des Bandes, das Auftreten Sirius Blacks, sehr gut umgesetzt hat und mir diese d├╝stere Variante sehr gut gefallen hat. Au├čerdem mag ich auch Gary Oldman sehr gern. F├╝r mich war der Film also ein gro├čes Highlight.

HarrysPate: Ich guck sie mittlerweile nur noch auf Englisch, sogar mit meiner Mutter zusammen, die praktisch ├╝berhaupt kein Englisch kann. Ich finde die Originalstimmen einfach sch├Âner, die Stimmung ist einfach anders als im Deutschen, zumal auch neue Stimmen gecastet werden mussten, f├╝r Alan Rickman zum Beispiel. Es ist schwierig, zu sagen, welcher Film am besten ist. Die ersten beiden sind nat├╝rlich am ehesten noch an den B├╝chern angelegt, da die Filme sehr lang und die B├╝cher noch recht kurz sind. Der f├╝nfte Film ist der k├╝rzeste bisher, beim l├Ąngsten Buch der Reihe, was doch einige Fans sehr verschreckt hat. Sie haben nat├╝rlich alle ihre H├Âhen und Tiefen. Michael Gambon entt├Ąuscht mich in den Filmen am meisten, Richard Harris hat den Dumbledore der B├╝cher einfach viel besser verk├Ârpert als Gambon, zumindest meiner Meinung nach.

Schn├╝rer: Ich habe neulich mal dar├╝ber nachgedacht, wer sich als Dumbledore-Darsteller geeignet h├Ątte und finde, dass Ian McKellen (Gandalf in "Herr der Ringe", Magneto in "X-Men"] sehr gut gepasst h├Ątte. Und es stimmt schon, Dumbledore ist in den Filmen sehr schwach und wird immer schw├Ącher. Im Buch hat man vor Dumbledore einfach immer Respekt und obwohl er immer wieder Fehler macht, kommt er einem doch unfehlbar vor. Das kommt in den Filmen einfach nicht r├╝ber. Die Charakterentwicklung ist, wie Sie sagten, in den ersten beiden Filmen nat├╝rlich am besten. Gerade die Dursleys sind - abgesehen von den ├Ąu├čerlichen Details - wunderbar getroffen, einfach gro├čartig.

HarrysPate: Als "Hardcorefan" sind diese Kleinigkeiten nat├╝rlich auff├Ąlliger, da man einfach ein sehr starres Bild von den Figuren hat und wenn das dann nicht umgesetzt wird, ist das nicht immer f├╝r jeden einfach so hinnehmbar. Was irgendwann einfach schade ist, da man automatisch vergleicht. Jede Szene wird mit der bekannten Geschichte verglichen und man genie├čt den Film selbst nur noch halb so sehr als wenn man diese Vergleiche nicht automatisch z├Âge.

Schn├╝rer: Das ist auch das, was Melissa sehr sch├Ân beschrieben hat.

Bevorzugen Sie die Originalromane oder die ├ťbersetzungen und sehen Sie die Filme lieber im Original oder synchronisiert?

Schn├╝rer: Lieber im Original.

Hochhuth: Ja, lieber im Original.

HarrysPate: Das ist die Antwort, die ich h├Âren m├Âchte. [alles lacht]

Harry, A History - einige Fragen zum Buch an sich

Wie fanden Sie das Buch? Welche Kapitel/Passagen gefielen Ihnen besonders?

Hochhuth: Gut, unterhaltsam, f├╝r mich war es teilweise wie eine Zeitreise. Was man selbst erlebt hat, ab dem ersten Buch, das man gelesen hat. Die Mitternachtsverk├Ąufe, bei denen ich immer freiwillig die Schicht ├╝bernommen habe, um einfach dabei sein zu k├Ânnen. Die Stimmung mitzuerleben und die B├╝cher mitten in der Nacht an die wartenden Leser verkaufen zu k├Ânnen war toll. Gefallen haben mir aber auch die Anekdoten, die Melissa erz├Ąhlt, wie zum Beispiel ihre Aufregung vor ihrem ersten Interview mit Rowling. Das war schon alles sehr spannend zu lesen und noch mal zu erleben.

HarrysPate: Hut ab vor Melissa Anelli, sie hat wirklich sehr viel erlebt. Ich h├Ątte gerne das eine oder andere Mal mit ihr getauscht.

Schn├╝rer: Mir ging es nat├╝rlich genauso. Ich hab durch meine Zeit bei Carlsen eine etwas besondere Historie, deswegen kann ich vieles nachempfinden. Zum Beispiel gab es zum Erscheinen von Band vier eine ganz gro├če Party, wo das B├╝ro in die Gro├če Halle verwandelt wurde und Sabine Wilharm Gem├Ąlde an die W├Ąnde gezeichnet hat. Alle Verleger Europas waren eingeladen, Christopher Little selbst war dabei. Am Abend durften dann neben den Gesch├Ąftsf├╝hrern auch die Mitarbeiter zu dieser Feier kommen. Auf den Tischen waren Servietten ausgelegt, die ebenfalls von Sabine Wilharm gestaltet waren. Das war schon alles sehr aufregend, vor allem weil auch der vierte Band seit einigen Tagen im Haus war und ich damals in einem Bereich gearbeitet habe, wo die B├╝cher zwischengelagert wurden. Meine Kollegin und ich haben nat├╝rlich immer fantasiert, was man mit den B├╝chern machen k├Ânnte - nur nat├╝rlich durfte wir all das nicht.

Carlsen war zu der Zeit nat├╝rlich sehr gepr├Ągt von Harry Potter und auch wenn man nicht direkt - wie ich - mit den Romanen zu tun hatte, hat man das nat├╝rlich mitbekommen.

Aus beruflicher Sicht ist das vierte Kapitel nat├╝rlich sehr spannend, wo es um die Geschichte geht, wie die Romane zum Verleger kamen, welcher Verlag das Buch warum abgelehnt hat, und wie die F├╝rsprecher sich vom ersten Moment an f├╝r die Romane eingesetzt haben. All das war wirklich ber├╝hrend und spannend.

Von alledem abgesehen mussten wir nat├╝rlich sehr viel lektorieren und redigieren und kurz vor dem Epilog wurde es durch die einzelnen Erz├Ąhlabschnitte, in denen geschildert wird, was parallel ├╝berall auf der Welt passiert, einfach unglaublich spannend. All das war sehr ber├╝hrend. Neu f├╝r mich war die Shippinggeschichte, von der man als Normalfan nicht viel mitbekommen hat. Das sind dann Kapitel, die uns ein wenig ├╝berrascht haben, aber gleichzeitig auch sehr interessant waren.

HarrysPate: Diese Spekulationen und Diskussionen waren teilweise wirklich krass. Vor allem knapp eine Woche vorm Erscheinen des letzten Bandes war bei uns im Forum die H├Âlle los, eben auch deshalb, weil vorab schon ein Buch an die ├ľffentlichkeit kam. Wo sich dann einige User einfach nur angemeldet haben, um ├╝berall im Forum zu verbreiten, wer auf welcher Seite stirbt.

Schn├╝rer: Die Spoilergeschichten habe ich in meiner Zeit bei Carlsen schon in der Mangaszene kennen gelernt, wo die Fans sich ├Ąhnlich vehement gegen├╝ber Spoilern verhalten. In den Foren war dann immer viel los und man konnte als Moderator nur selten die Beitr├Ąge schnell genug l├Âschen. Diesen Teil des Buches konnte ich also recht gut nachvollziehen. Zum Beispiel wurde ja auch schon vorab in einer gro├čen deutschen Zeitung verraten, dass Dumbledore stirbt, was man als Fan nat├╝rlich nicht wissen wollte, oftmals aber einfach mitbekommen hat. Von daher war es auch sehr interessant, zu lesen, wie Melissa auf ihrer Internetseite gegen Spoiler vorgegangen ist.

HarrysPate: Wir waren da nat├╝rlich sehr konsequent, einfach weil es Jahre sind, die man auf das letzte Buch wartet und die dann oftmals von einem User innerhalb von zwei Minuten zerst├Ârt werden, weil er zig Beitr├Ąge schreibt, die nichts anderes beinhalten als die Liste der Toten im letzten Band. Es ging sogar so weit, dass wir f├╝r mehrere Tage die Registrierfunktion abschalten mussten, um solche "Angriffe" einfach verhindern zu k├Ânnen. Das Team war damals wirklich sehr damit besch├Ąftigt, die anderen User zu sch├╝tzen, was uns selbst oftmals einiges verraten hat, aber zumindest konnten wir dem Rest das Lesevergn├╝gen g├Ąnzlich bewahren. Die teilweise nat├╝rlich noch auf den deutschen Band warten mussten, was nochmal drei Monate gedauert hat.

"Harry, A History" ist nat├╝rlich ein spannendes Buch, wobei ich zugeben muss, dass ich "Wizard Rock" teilweise zu lang fand, wenn es auch sehr witzig war und ich viel gelernt habe, was ich vorher so einfach nie mitbekommen habe.

Schn├╝rer: Gerade dieses Kapitel fand ich als Musikfan sehr interessant und war ├╝berrascht, dass so wenige hier die Pixies nicht kannten, von denen ja auch die Br├╝der de George beeinflusst wurden. Aber das Kapitel hat in der Tat L├Ąngen, wobei man diese unglaublichen Zahlen an Freunden, die die Bands unter anderem bei myspace bekommen haben, einfach nicht unterschlagen darf.

Beyer: Ich kann f├╝r meinen Teil sagen, dass ich das Buch sehr interessant fand, auch wenn ich die Romane selbst nicht gelesen habe. Melissa nimmt den Leser f├Ârmlich an die Hand und f├╝hrt ihn einfach auf eine wundervolle Reise, bei der man auch sehr viel ├╝ber die Autorin und ihre pers├Ânliche Entwicklung erf├Ąhrt. Man empfindet sofort Sympathie f├╝r Melissa und freut sich richtiggehend auf die weiteren Erlebnisse, von denen sie erz├Ąhlt.

Schn├╝rer: Sehr spannend und interessant ist auch, wie es Melissa gelingt, dieses Ph├Ąnomen "Harry Potter" zum Beispiel in Verbindung mit den Ereignissen des 11. Septembers zu bringen. Dar├╝ber hinaus finde ich es bewundernswert, wie Melissa den Spagat zwischen der professionellen Journalistin und dem Fan, der sich immer wieder auf den n├Ąchsten Band freut und einfach hin und weg ist von den Romanen, schl├Ągt.

Beyer: Gerade auch f├╝r Menschen, die selbst in der Verlagsbranche t├Ątig sind, ist es interessant, die Mechanismen noch einmal anhand dieses Beispiels zu sehen - was Harry Potter ausgel├Âst hat und wie das Buch ├╝berhaupt auf den Markt gekommen ist.

HarrysPate: Vor allem ja auch die Entwicklung des Kinderbuchbereiches, den es so vor Potter ja eigentlich gar nicht gegeben hat.

Schn├╝rer: Den Begriff "All-Ager" gibt es im Grunde erst durch Potter, lange vor Ergaon und Bartimaeus.

Haben Sie selbst Dinge erlebt, die in dieses Buch gepasst h├Ątten?

Schn├╝rer: Ich habe die B├Ąnde immer mit meinem damaligen Freund gelesen, zuerst eben immer den Originalband und sp├Ąter dann den deutschen Band. Wir hatten aber immer nur ein Buch. [alle lachen]

Wir haben uns teilweise wirklich um das Buch gestritten und uns irgendwann zwei B├╝cher gekauft, da wir einfach beide die B├╝cher lesen und nicht warten wollten, bis der andere fertig ist.

Hochhuth: Ich verbinde Harry Potter sehr stark mit meinem Neffen, mit dem ich auch immer die Filme sehe. Damals war er noch kleiner und ihm wurden die B├Ąnde abends immer vorgelesen, was nat├╝rlich sehr viel l├Ąnger gedauert hat. Es war sehr s├╝├č, diese Begeisterung von einem Kind zu sehen und mitzuerleben. Ansonsten habe ich diese Begeisterung nur im Buchhandel erlebt und auch da nur von den Mitarbeitern, die die B├╝cher gelesen haben.

HarrysPate: Ich hatte ja das Gl├╝ck, letztes Jahr bei Thalia zu arbeiten und hatte dort eben auch Kisten mit den "Geschichten von Beedle, dem Barden". Eben auch schon einen Tag, bevor das Buch erschienen ist und ich konnte mich auch nur schwer zur├╝ckhalten, eben nicht hineinzusehen.

Was bei mir in der Familie etwas schwierig war: meine Mutter hat die B├╝cher nat├╝rlich nur auf Deutsch gelesen, was bedeutete, dass ich bei den letzten B├Ąnden die Geschichte schon fr├╝her kannte und eben nichts verraten durfte, was nicht immer so einfach war.

Aber nat├╝rlich hat man immer versucht, das Buch so schnell wie m├Âglich durchzulesen, was nicht immer so gut f├╝r den Schlafrhythmus war [alles lacht], aber gl├╝cklicherweise hatte ich zu der Zeit nie Schule. Die deutschen B├Ąnde kamen immer samstags raus, die englischen meist in den Ferien, was doch sehr angenehm war.

"Das Ph├Ąnomen Harry Potter", so der deutsche Titel. Inwiefern ist f├╝r Sie die Buchreihe zum Ph├Ąnomen geworden?

Hochhuth: F├╝r mich ist es die Tatsache, dass sie einfach jeder kennt. Ob man die B├╝cher gelesen hat oder nicht, jeder wei├č, wer "Harry Potter" ist, egal in welchem Land man ist. Au├čerdem fasziniert mich diese neue Welt, die Rowling geschaffen hat. Nachrichten vom Carlsen-Verlag hie├čen zum Beispiel immer Eulenpost Nr. XY - das finde ich schon sehr faszinierend.

Beyer: Was ich wirklich ph├Ąnomenal finde, ist die Tatsache, dass die Romane so viele Altersgruppen ansprechen. Sowohl Kinder als auch Senioren sind Potter-Fans.

Schn├╝rer: Aus beruflicher Sicht ist nat├╝rlich das "All-Ager"-Ph├Ąnomen, das durch "Harry Potter" entstanden ist, spannend. Das beinhaltet vor allem auch f├╝r andere Autoren die M├Âglichkeit mit Jugendliteratur in den Bestsellerlisten zu landen und auch von ├Âffentlicher Seite eine Aufmerksamkeit zu erlangen, die es ohne Rowling so wohl kaum gegeben h├Ątte.Und nat├╝rlich achten auch die Verlage nun viel mehr auf dieses Segment. Im Gro├čen und Ganzen ist es einfach das Bewusstsein, dass Jugend- und Kinderliteratur durchaus auch f├╝r andere Altersklassen spannend sein kann.

Auch, dass in einer Welt von Wii und anderen Konsolen selbst vermeintliche Legastheniker zu diesem Buch greifen, ist fantastisch. Es ist ein Buch, das unabh├Ąngig von Alter, Stand und so weiter in seinen Bann gezogen hat...

HarrysPate: ...und Mitternacht in die B├╝cherl├Ąden getrieben hat, was es vorher auch nicht gegeben hat.

Neben der deutschen Buchausgabe bringen Sie ebenfalls bald eine H├Ârbuchversion des Buches raus. Wie muss man sich das Auswahlverfahren der deutschen Stimme vorstellen?

Beyer: Wichtig war nat├╝rlich vor allem der Bezug zu Melissa Anelli selbst - dass die Stimme zu ihr passt, dass die Sprecherin ihre Begeisterung richtig r├╝berbringen kann, wom├Âglich sogar im gleichen Alter ist. Und so haben wir unter anderem junge Schauspielerinnen, auch Nachwuchsschauspielerinnen gefragt. Letztlich musste die Sprecherin nat├╝rlich auch Zeit und Lust auf das Projekt haben. Die Stimme sollte auch eine gewisse Leichtigkeit haben, die zu Melissas Charakter passt.

H├Ątten Sie das Buch auch gelesen, wenn Sie nicht f├╝r die ├ťbersetzung verantwortlich gewesen w├Ąren?

Schn├╝rer: Also ich kann das definitiv bejahen. Da ich alles gelesen habe, die Filme gesehen habe und mich auch einfach als Fan bezeichne. Und wenn ich das Buch so im Handel gesehen h├Ątte, h├Ątte ich es mir sicherlich auch gekauft. Gerade weil es als Fan ja auch schade ist, dass es keine Fortsetzungen mehr geben wird.

Hochhuth: Ich kann das auch nur bejahen. Man wird neugierig, was Melissa erlebt hat und erf├Ąhrt einfach noch ├╝ber die B├╝cher hinaus etwas ├╝ber die Reihe und die Autorin.

Melissa Anelli - ein paar Fragen zur Autoren und zu deren Kontakt

Wie kamen Sie an das Manuskript Melissas und wann? Welche Seite hat sozusagen den ersten Kontakt aufgenommen?

Schn├╝rer: Eigentlich ist es ein ganz klassischer Weg gewesen. Die deutsche Vertretung von Melissas Agentur in den USA hat uns das Manuskript angeboten. Daraufhin haben wir den Text gelesen und auch recht schnell zugeschlagen. Zu Beginn hatten wir also noch gar keinen direkten Kontakt zu Melissa selbst, das lief erst alles ├╝ber die Agenten ab.

Und wie verlief im Weiteren der Kontakt zwischen Ihnen und der Autorin? Auf Melissas Internetseite steht, dass sie ├╝ber die Leipziger Buchmesse informiert wurde?!

Schn├╝rer: Der weitere Kontakt lief per Mail. Nachdem ich ├╝ber writer's house, der amerikanischen Literaturagentur, ihre Email-Adresse bekommen hatte, konnte ich sie anschreiben und einige Dinge mit ihr besprechen. Seitdem mailen wir regelm├Ą├čig hin und her, auf sehr ungezwungene, professionelle Art und Weise. Und ich glaube, Melissa freut sich einfach unglaublich auf die deutsche Ausgabe und ├╝ber alles, was wir auf die Beine stellen.

HarrysPate: Auch wir haben sie w├Ąhrend des Interviews und auch davor als sehr, sehr nett empfunden. Immerhin ist sie ja sozusagen eine Kollegin von uns und gleichzeitig doch durch ihre Erlebnisse und Kontakte einige Stufen ├╝ber uns. Und wir haben uns wahnsinnig ├╝ber das Interview mit ihr gefreut, haben ohne weiteres von ihr die Gru├čbotschaft bekommen, nachdem sie noch nach der Aussprache der W├Ârter gefragt hat. Sie ist doch sehr sympathisch.

Stehen Sie auch ├╝ber "HAH" hinaus im Kontakt mit der Autorin? Und k├Ânnten Sie sich eine weitere Zusammenarbeit - zum Beispiel bei weiteren Werken - vorstellen?

Schn├╝rer: Auch wir wissen nichts ├╝ber das n├Ąchste Buch. Wir sind schon an einer weiteren Zusammenarbeit interessiert, aber das h├Ąngt nat├╝rlich absolut von dem Thema ab, denn eigentlich sind wir ja ein Kinderbuchverlag. Von daher m├╝ssen wir erst einmal sehen, wovon ihr n├Ąchstes Werk handelt, um entscheiden zu k├Ânnen, ob es eine weitere Zusammenarbeit geben wird oder nicht.

Nicht nur Melissa Anelli ist durch Harry Potter zur Bestsellerautorin geworden, auch Cassandra Claire hat diesen Sprung geschafft und nach ihrer - unter Fans - weltber├╝hmten Draco-Trilogie nun eine weitere Trilogie ver├Âffentlicht. Wie bewerten Sie diesen Aufstieg anderer Autoren durch ihre Jahre als Potterfan? Ist das auch ein Teil das Ph├Ąnomen?

Schn├╝rer: Ich sehe das durchaus positiv, auch wenn es von Rowling sicherlich nicht geplant war. Aber ihre Haltung in Hinblick auf Fanfictions ist schon ein Zugest├Ąndnis an ihre Fans, das nicht jeder Autor einfach so macht. Nicht jeder kann sein Ego so weit zur├╝ckstellen und das Weiterspinnen der eigenen Ideen akzeptieren. Und nat├╝rlich ist es gro├čartig, dass durch ihre B├╝cher oder durch die Besch├Ąftigung mit ihren B├╝chern neue Autoren erwachsen sind. F├╝r mich gibt es daran nichts auszusetzen.

HarrysPate: Gerade die M├Âglichkeit der Fanfictions erm├Âglicht ja auch den einfachsten Einstieg ins kreative Schreiben, da Charaktere bereits vorgegeben sind, ihre Beziehungen zu anderen sind vorgegeben und auch die Welt selbst steht bereits in groben Z├╝gen fest. Als Nachwuchsautor hat man sozusagen bereits ein Grundger├╝st, an dem man sich entlang hangeln und mit dem man arbeiten kann.

├ťbersetzung, Lektorat & Pressearbeit

Wie sieht Ihre Arbeit im Zusammenhang mit "HAH" aus?

Schn├╝rer: Neben der Lektoratsarbeit konkret am Buch, bedeutet dies auch die Korrektur des ├╝bersetzten Textes, sowohl die Korrektur von Rechtschreibungs- und Grammatikfehlern als auch von stilistischen Aspekten. Da wir die Originalsprache verstehen, ist dieser Teil der Arbeit etwas umfassender .Ansonste ist der Lektor sozusagen der "Anwalt des Buches". Wir haben also auch die Schriftart des Buches ausgesucht, die Setzung, das deutsche Cover, die Farbe des Leseb├Ąndchens und so weiter. Nat├╝rlich mussten wir uns, gerade in Hinblick auf "Harry Potter", von Anfang an auch rechtlich absichern. Auch der deutsche Titel war Teil der ├ťberlegungen, weswegen das Buch im Deutschen auch nicht "Harry, eine Geschichte" oder ├Ąhnlich hei├čt.

Wir wollten einen Titel, der unmissverst├Ąndlich den Bezug zu Harry Potter herstellt. Die Absicherung mit Warner Brothers und Carlsen war nat├╝rlich zu jedem Zeitpunkt wichtig, weswegen zum Beispiel der Schriftgrad beachtet werden musste.

Auch die Website zum Buch musste organisiert und aufgebaut werden, genauso die Vermarktung und Pr├Ąsentation zum Beispiel auf der Leipziger Buchmesse.

HarrysPate: Also war die Lektorenarbeit fast noch das wenigste an der ganzen Arbeit.

Schn├╝rer: Da das Manuskript so umfangreich ist, war es nat├╝rlich schon sehr viel Arbeit, aber eben tats├Ąchlich nicht die einzige.. Auch intern haben wir als Lektoren nat├╝rlich die Aufmerksamkeit auf das Buch gelenkt, Werbung f├╝r das Buch gemacht und einfach jede Chance genutzt, das Buch bekannt zu machen - auch mit dem Hinweis zu Ihrer Schnitzeljagd nat├╝rlich.

Beyer: F├╝r die Pressearbeit bedeutet so ein Titel, dass man nat├╝rlich mit anderen Journalisten fr├╝hzeitig ├╝ber das Buch redet und schaut, wo Artikel oder Berichte zum Buch erscheinen k├Ânnten. Welche Redakteure fragt man, sind Interviews mit Melissa m├Âglich, welche Altersgruppen spricht man wo am besten an - diese Fragen stellen sich dann.

Stichpunkt Lektorat: Inwieweit unterscheidet sich Ihre Arbeit beim Lektorat einer ├ťbersetzung von der eines Originaltextes?

Schn├╝rer: Also es gibt definitiv Unterschiede, da es bei ├ťbersetzungen immer Auslegungsm├Âglichkeiten bestimmter W├Ârter oder Redewendungen gibt. Bei der Arbeit am Originaltext kann man noch eher am sprachlichen Aufbau arbeiten, wobei ein einheitlicher Stil nat├╝rlich auch bei einer ├ťbersetzung sehr wichtig ist. Dieser ist bei Frau Wurster aufgrund ihrer gro├čen Erfahrung gegeben. Nun sind wir des Englischen m├Ąchtig und k├Ânnen daher gut das Original mit der ├ťbersetzung vergleichen und gegebenenfalls auch noch mal etwas ver├Ąndern. Aber in beiden F├Ąllen muss man nat├╝rlich darauf achten, den Stil des Autors nicht zu verfremden, denn schlussendlich bleibt es sein Text, der eben auch urheberrechtlich gesch├╝tzt ist. So gesehen ist es nicht immer unbedingt leichter mit ├ťbersetzungen zu arbeiten, vor allem, wenn man auch die Originalsprache versteht.

HarrysPate: Was uns in der unkorrigierten Leseprobe aufgefallen ist, war die "Flinke-Schreibe-Feder", die jetzt in der Buchfassung in die gewohnte "Flotte-Schreibe-Feder" ge├Ąndert wurde.

Schn├╝rer: Hier war es nat├╝rlich von Vorteil, dass wir beide [gemeint ist sie und Frau Hochhuth] Potterfans sind und uns daher solche Sachen auffallen. Es w├Ąre sicherlich schwierig f├╝r einen Lektor gewesen, dieses Manuskript zu korrigieren, der die B├╝cher selbst nicht gelesen hat. So konnten wir sehr viel gezielter nachschlagen, wenn uns ein Begriff komisch vorkam.

HarrysPate: Die Leser werden es Ihnen danken, dass die gewohnten Begriffe verwendet wurden.

Schn├╝rer: Das denke ich auch. Mir ist zum Beispiel bei der ersten ├ťbersetzungsfassung aufgefallen, dass an einer Stelle "Gute Nacht, Frau Prof. McGonagall" steht. Ich bin dar├╝ber gestolpert, weil Harry sie immer nur "Prof. McGonagall" nennt.

Welche Tipps haben Sie, da sie so viel und so oft mit Autoren zu tun haben, f├╝r diejenigen, die selbst einmal ein Buch ver├Âffentlichen wollen?

Schn├╝rer: Was mich pers├Ânlich st├Ârt, ist die oftmals fehlende Selbstvermarktung. So ein Manuskript gleicht sehr stark einer Bewerbung um einen Job und dazu geh├Ârt eben auch ein vollst├Ąndiges Anschreiben und ein Expos├ę, das auf maximal zwei DIN A-4 Seiten beschreibt, was ich da gerade vor mir habe. Worum soll es in dem Roman gehen, welche Zielgruppe soll das Werk haben, auf wie viele B├Ąnde ist es ausgelegt, muss mir vermittelt werden. Wenn dieses Expos├ę fehlt, habe ich nur mehrere Dutzend Seiten Papier, die ich durcharbeiten muss, ohne vorher irgendetwas dar├╝ber zu wissen. Auf Dauer ist so etwas sehr anstrengend, da man Zeit f├╝r etwas opfern muss, was man eigentlich vorab pr├Ąsentiert bekommen sollte. Zumal wir nat├╝rlich auch von Verlagen aus anderen L├Ąndern eben genau diese Infos zusammen mit dem Manuskript bekommen.

Ich selbst w├╝nsche mir nat├╝rlich auch einen gewissen Grad an Ordentlichkeit und Sauberkeit. Dass das Anschreiben also nicht nur vollst├Ąndig, sondern auch ansprechend aufgebaut ist und nicht gleich im zweiten Satz ein Komma fehlt oder ├Ąhnliches.

Man muss auch nicht immer das gesamte Manuskript einschicken, manchmal gen├╝gen auch nur die ersten Kapitel, um einfach schon einmal klarzumachen, worum es geht, wie es aufgebaut ist und um neugierig darauf zu machen, wie es weitergehen k├Ânnte. Man sollte schon beim Lektor selbst die Neugierde wecken.

Hochhuth: Man muss sich einfach etwas unter dem vorstellen k├Ânnen, was man zugeschickt bekommen hat. 15 Manuskriptseiten werden da nicht reichen, genauso wenig wie eine grobe Idee oder einfach nur ein Titel oder ├Ąhnliches.

Und welche Tipps geben Sie denjenigen, die Ihren Beruf aus├╝ben wollen? Welche Voraussetzungen braucht man f├╝r Ihren Beruf?

Beyer: Um ein Praktikum in dem Bereich oder gar in dem Betrieb, in dem man sp├Ąter arbeiten m├Âchte, wird man sicherlich nicht herum kommen. Dann ist nat├╝rlich der Spa├č am Kontakt mit Menschen wichtig, man muss offen auf sie zugehen k├Ânnen, sich gerne mit Medien auseinandersetzen, die g├Ąngigen Medien nat├╝rlich kennen, vielleicht sogar mal in einer Redaktion gearbeitet oder dort ein Praktikum gemacht haben. Man sollte einfach ein Gef├╝hl f├╝r die Arbeit haben oder entwickeln k├Ânnen. Auch mit Zeitdruck und sehr kurzfristigen Abgabeterminen sollte man arbeiten k├Ânnen, wobei man sich in der Regel recht schnell daran gew├Âhnt.

Allgemein kann man nicht sagen, ob ein Studium oder eine Ausbildung besser sind. Entscheidend ist au├čerdem ein gewisses Gef├╝hl f├╝r Sprache.

Schn├╝rer: Bei einer T├Ątigkeit im Lektorat muss man einfach sagen, dass das auch sehr viel Betriebswirtschaft beinhaltet, da man nicht nur B├╝cher lesen und korrigieren, sondern eben auch verkaufen m├Âchte. Zudem ist der gesamte Bereich stark im Wandel. Einen Lektor, der in seinem Sessel sitzt und sich nur um die Manuskripte k├╝mmert, die er korrigieren muss, gibt es nicht mehr. Auch Lektoren m├╝ssen - leider - wirtschaftlich denken, also auch Abl├Ąufe im Vertrieb kennen und mit ihnen umgehen k├Ânnen. Was f├╝r Geisteswissenschaftler nicht immer leicht ist, weil man bis daher nicht unbedingt viel Erfahrung mit Controlling und den Zahlen hat, die auf einen dort zukommen.

Praktisch kann in dem Zusammenhang auch sein, wenn man Erfahrungen im Buchhandel hat, also die sp├Ąteren Stationen kennt, die ein Buch bis zum Verkauf durchl├Ąuft. Der klassische Weg zum Lektor geht zumeist ├╝ber ein Volontariat oder Praktika, weniger ├╝ber Ausbildungen. Wichtig ist nat├╝rlich, dass man Erfahrungen im Verlag sammelt, Kontakte kn├╝pft, und vielleicht auch mal in den Ferien als freier Mitarbeiter t├Ątig ist.

Nat├╝rlich braucht man ein Gesp├╝r f├╝r Texte und f├╝r Sprache, aber das Vergeistlichte einer solchen Ausbildung macht eben nur einen gewissen Teil der Arbeit aus und kann eben auch oft hinderlich sein.

Hochhuth: Wichtig ist, meiner Meinung nach, auch ein gewisser ├ťberblick ├╝ber den Markt. Zu wissen, was es schon gibt oder gab, was es noch einmal geben k├Ânnte oder was es eben noch nicht gibt. Au├čerdem muss man sich gut organisieren k├Ânnen, vieles gleichzeitig machen. Da man eben f├╝r viel mehr verantwortlich ist als nur f├╝r die Korrektur. Man ist als Lektor im Grunde Anlaufstelle f├╝r alle und, wie schon gesagt wurde, der "Anwalt des Buches".

Schn├╝rer: Meine ehemalige Kollegin bei Carlsen, Barbara K├Ânig, hat einmal gesagt, als Lektor m├╝sse man immer mit vier Augen lesen. Einerseits mit den Augen des Lektors selbst und andererseits eben auch mit den Augen des Lesers, der entscheidet, ob er weiterlesen will oder nicht .Dem kann ich mich nur anschlie├čen.

Nicht nur in Verbindung mit den Potterromanen werden ├ťbersetzungen und/oder Synchronisationen kritisiert. Was glauben Sie, woher diese Kritik kommt und wie sch├Ątzen Sie den Wert solcher Aussagen ein?

Schn├╝rer: Es ist nat├╝rlich aus Verlagssicht schwer, in dieser Angelegenheit Stellung zu beziehen, da man wei├č, wieviel Arbeit so ein ├ťbersetzer mit den Texten hat. Zudem arbeiten ├ťbersetzer - unter anderem eben auch Klaus Fritz - oftmals unter starkem Zeitdruck, haben viel zu wenig Zeit, um sich mit dem Text vollst├Ąndig auseinander zu setzen, die n├Âtige Distanz zum Text zu bekommen, um wom├Âglich noch nachtr├Ągliche ├änderungen vorzunehmen.

Nat├╝rlich ist Kritik der Fans, die manchmal jedes einzelne Wort auf die Goldwaage legen, Kritik an deren t├Ąglicher Arbeit, mit der diese ├ťbersetzer ihr Geld verdienen.

Andererseits kann ich aber auch die Sicht der Fans verstehen, da Fehler nat├╝rlich ├Ąrgerlich sind. Man muss aber eben auch einsehen, dass Englisch und Deutsch unterschiedliche Sprachen sind und sich vieles eben nicht 1:1 ├╝bertragen l├Ąsst. Von daher muss man den ├ťbersetzern schon den Respekt zollen, den sie verdient haben. Ich habe Hochachtung vor dieser Arbeit, Hochachtung davor, den Sprachduktus eines Autors in eine andere Sprache zu ├╝bertragen. Ich kann, wie gesagt, beide Sichten verstehen, aber nat├╝rlich m├╝ssen wir vom Verlag die ├ťbersetzer in Schutz nehmen.

HarrysPate: Aus Teamsicht vertreten nat├╝rlich nicht die Sicht, dass alles schlecht ist, was ├╝bersetzt wurde, sondern haben die Kritik mehr als Hinweise auf m├Âgliche Verbesserungen gesehen und immer wieder darauf hingewiesen, dass es eben viele Sachen gab, die au├čerordentlich gut ├╝bersetzt wurden. Von daher w├Ąre ein Interview eben mit Frau Wurster zumindest f├╝r mich der Versuch einer Verst├Ąndigung oder auch der Kl├Ąrung gewisser Missverst├Ąndnisse gewesen. Aber nat├╝rlich respektieren wir ihre Entscheidung.

Beyer: Man muss sich klarmachen, dass ├ťbersetzen auch eine Kunstform ist. Man kann nicht jede Redewendung ├╝bersetzen, aber die Suche nach einer Alternative ist auch ein Teil der literarischen Arbeit.


© Harry Potter Xperts 2009

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David Barron, ausf├╝hrender Produzent, ├╝ber das Casting f├╝r Luna Lovegood