
von Looney&Soey
Professor McGonagall stand mit von rot zu lila wechselnder Gesichtsfarbe, wirren Haaren und einem panischen Blick in den Augen vor ihrem Kleiderschrank und riss hastig sämtliche Kleidungsstücke heraus und warf sie in hohem Bogen hinter sich.
Nur leider fielen die Sachen nicht wie in jeder gängigen kitschigen Teenagerliebeskomödie, klischeehaft auf den Boden, sondern auf unseren allseits beliebten Zaubertränkelehrer, Professor Snape.
Dieser versuchte nun mit ein paar berüschten Kleidern auf dem Kopf und einem einzelnen Strumpf in der Hand, seine sonst so vernünftige und selbstbeherrschte Kollegin zu beruhigen.
Wahrscheinlich um etwaiges Erschlagen der Professorin seinerseits schon im Keim zu ersticken, bevor ihn der Drang überkam, sie mit einem uralten Kleid qualvoll ins Gras beißen zu lassen.
„Minerva! Beruhigen Sie sich!“, rief er unter einer Schicht Stoff hervor.
Doch Frau hörte nicht auf den sonst so furcht- und respekteinflößenden Typen und räumte ihren ganzen Kleiderschrank leer.
„Oh, mein Gott, was soll ich anziehen?!!!“, rief sie hysterisch mit ihren beringten Händen fuchtelnd. Snape riss grandios reflexartig seinen Kopf zurück und krachte beinahe in eine Kommode.
Während Snape sich noch leise fluchend aufrappelte, rannte McGonagall aufgescheucht durch den Raum.
Der arme Meister der Zaubertränke war sichtlich hilflos in Dingen, bei denen es sich nicht um das Werfen irgendwelcher Sachen in bedrohlich brodelnde Kessel handelte.
„Was ist eigentlich los!?“, schrie er schließlich entnervt, als ein paar Unterhosen ihn volle Kanne im Gesicht trafen.
McGonagall hörte schweratmend auf ihr Zimmer zu verwüsten und drehte sich zu dem schwarzhaarigen, wutschnaubenden Mann um, hinter dessen Stirn wahrscheinlich gerade vorging „mit welchem Gift bring ich sie am schnellsten um?“
„ES GEHT UM MEIN DATE, SEVERUS!!!“, schrie die wohl völlig Durchgeknallte so laut vor seinem Ohr, das der Professor erschrocken zurückzuckte, und weich in einem riesigen Klamottenhaufen landete. Er schnappte sich ein x-beliebiges Kleid und drückte es ihr in die Hand. Sie starrte ihn an, dann breitete sich ein überdimensionales, ziemlich gruseliges Grinsen in ihrem Gesicht aus. Sie fiel ihm plötzlich um den Hals und jauchzte in sein Ohr: „Genau das habe ich gesucht!“
Severus tätschelte ihr den Rücken und endlich fiel ihm ein, warum die gute Frau so einen monstermäßigen Aufstand machte.
Es war nämlich so, dass Professor McGonagall im Internet, das nicht weiß, das es in Hogwarts gar nicht funktionieren darf, jemanden kennen gelernt hatte, mit dem sie nun in den Drei Besen verabredet war.
Die Professorin hatte anscheinend die Anwesenheit einer gewissen Person, nämlich Severus Snape vergessen, denn sie ließ ihren Morgenmantel fallen und stand nur noch Unterwäsche vor ihrem Spiegel.
Snape drehte sich leicht angefressen um und wartete bis die Professorin sich ihr Kleid angezogen hatte und nun anfing ihre Haare zu kämmen. Erleichtert atmete Snape auf, und dachte (zu früh wohlgemerkt), er hätte es überstanden.
Aber Pustekuchen! Minerva fand nämlich ihre Haarklammer nicht mehr und stand kurz vor einem Heulkrampf.
Snape indessen massierte sich die Schläfen und suchte dann in seiner Fledermauskluft nach seinem Zauberstab, um die Spange auf vernünftige Art wie ein anständiger Zauberer zu beschaffen.
Doch er fand ihn nicht. McGonagall löste das Problem auf ihre Art. Sie verwandelte sich in ihre Animagusgestalt, eine Katze, und kroch unter sämtliche Schränke, Kommoden, und ihr Bett, ohne das gewünschte Objekt zu finden.
Schließlich fand sie sie auf dem Schrank. Das bemerkte man daran, das die Katze vor Freude so laut und schrill anfing zu miauen, als wäre ihr gerade ein Laster über den Fuß gefahren.
Die Katze schubste die Spange vom Schrank (das letzte was Snape wissen wollte, war, wie sie darauf gelangen konnte). Nichts destotrotz hechtete der Zaubertränkelehrer heldenhaft vor um das kostbare Stück zu retten. McGonagall dankte ihm dies, indem sie graziös auf seinen Kopf sprang und vom genervten Lehrer auf den Boden.
Snape rappelte sich auf, strich sich die Haare aus dem Gesicht und blickte auf die Katze hinunter.
„Was ist?“, fragte er ungeduldig. „Besitzen Sie soviel Güte sich wieder zurückverwandeln?“
Die Katze miaute nur leise und strich um seine Beine. Nun hingen Umhang des Professors ein halbes Kilo Katzenhaare.
Schließlich ging unserem Lieblingsprofessor ein Lichtlein auf.
„Oh nein“, stöhnte er. „Sie schaffen es nicht.“
Die Katze miaute kläglich und versuchte an seinem Umhang empor zu klettern.
Der allerdings stand nicht auf verwandelte Lehrerinnen, die auf seiner Schulter sitzen wollten und drückte das Tier energisch weg. Ein wenig ratlos starrte er nun in die Luft. McGonagall konnte nicht zu ihrem Date gehen. Normalerweise war das unserem lieben Severus so ziemlich scheißegal, aber seine Gehirnwindungen kamen zu dem Schluss, das Minerva ihn ewig bis zu seinem Tod nerven und nie wieder in Ruhe lassen würde, würde er ihr jetzt nicht helfen. Und der Meister der Zaubertränke bestand auf seine Ruhe.
Er seufzte resigniert, strich sich eine Haarsträhne aus der Stirn und sagte zu der Katze.
„Es tut mir ja soooo uneeeendlich Leid, dass Sie als Katze gezwungen sind ihre Schnauze zu halten und mich in Ruhe zu lassen“, bei diesem Satz grinste er fies. Doch McGonagall machte ihm das Gegenteil deutlich, indem sie ihre Krallen ausfuhr und dem guten Mann einen Kratzer verpasste. Snape hielt sich gerade noch davon ab, seine Kollegin wegzukicken und meinte der Situation entsprechend gelassen (er schrie die Katze an): „ Trotzdem! Na schön! Ich werde ihr verfluchtes Date für Sie absagen! Und jetzt lassen Sie mich in Ruhe, bevor das liebe Kätzchen hier vor mir bald aus dem Fenster fliegen wird!“
McGonagall verkroch sich eingeschüchtert unter dem Bett und beobachtete von dort aus, wie Snape mit wehendem Umhang aus der Tür stürmte. Erst dann fing sie an kläglich zu miauen.
Snape unterdessen stürmte die Treppen hinunter, rempelte ein paar Rüstungen um, zermatschte beinahe Flitwick und düste aus dem Schloss.
Im „Drei Besen“ angekommen, hielt er Ausschau nach einem allein an einem Tisch sitzenden Mann.
Er ließ seinen Blick über die Tische schweifen. Aber das einzige was anwesend war, waren ein paar Kobolde, eine völlig besoffene Sprout und passend dazu eine völlig besoffene Trelawney, die Sprout gerade ihre Zukunft voraussagte: „sie werden von einem riesigen rosa Marshmallow gefressen!“ und ein paar Hexen und Zauberer aus dem Dorf.
Ach ja, und Slughorn. Moment mal! Er saß alleine an einem Tisch und schien zu warten. Snape ging auf ihn zu und setzte sich ihm gegenüber. Slughorn starrte ihn schockiert an: „Sie sind „Sonnenscheinchen?“
„Wie haben sie mich gerade genannt?!“, fauchte Snape perplex.
„Also ich, ähm, äh“, stammelte sein Gegenüber und drehte an seinen Haaren herum.
„Meine Verabredung“, druckste er herum.
„Ach so!“, Snape grinste. McGonagall und Sonnenscheinchen. Wenn es nicht so lustig wäre, würde er kotzen. Die Professorin machte also als Sonnenscheinchen das Internet unsicher.
Slughorn starrte ihn nur verwirrt an. Er kannte sich nicht aus. Vor ihm saß ein Zaubertränkeprofessor und lachte sich den Arsch ab.
Als Snape sich dann wieder beruhigt hatte, klärte er Slughorn auf.
„Sonnenscheinchen“, er betonte dieses Wort mit all seiner Ironie „das heißt, Professor McGonagall, ist leider verhindert. Miau.“, hängte er noch kichernd an und wollte wieder seines Weges gehen.
„Warten Sie!“, rief ihm Slughorn hinterher.
„Was?“, fauchte Snape genervt. „Sie können wieder hoch ins Schloss gehen! Das wird heute nichts mehr!“ Mit diesen Worten drehte er sich endgültig um und rauschte ins Schloss zurück.
Wieder in Professor McGonagalls Privaträumen, empfing ihn eine getigerte Katze, die ihn ansprang, sobald er den Raum betreten hatte.
„Ich hab`s abgesagt! Hätten Sie jetzt eventuell die Güte aufzuhören meinen Umhang zu zerfetzen?!“
Die Professorin ließ von ihm ab und sprang auf den Boden. Doch noch bevor sie dort angekommen war, schaffte sie es endlich sich zurückzuverwandeln und krachte mehr oder weniger sanft auf den Boden.
Snape, nun ziemlich sauer, verließ das Zimmer und ging in den Kerker zurück, um sich erstmal eine volle Dröhnung Schlaftrank zu verpassen.
Slughorn unterdessen dackelte zu McGonagall hoch. Was sie dort machten, wollte Snape nicht wissen. Er suchte sich seinen stärksten Schlaftrank heraus und kippte ihn pur hinunter. Er schaffte es gerade noch sich auf sein Bett fallen zu lassen, dann pennte der gute Mann ein, um sich von diesem mehr als ungewöhnlichen Tag zu erholen.
Ende
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