
von Seraphin
Kapitel 11: In letzter Zeit bist du wirklich merkwürdig!
Gegen Mittag schaffte es Draco, sein Bett zu verlassen und obwohl er immer noch ziemlich viel Alkohol im Blut hatte, brachte er es irgendwie fertig, in die Krankenstation hoch zu wanken.
Madam Pomfrey sah ihn an und attestierte ihm ohne mit der Wimper zu zucken eine akute Darmgrippe. Sie kritzelte gelassen ein paar Entschuldigungen (unter anderem eine für Slughorn, dessen Nachsitzen er ja gestern hatte ausfallen lassen), die sie wie Papierflieger zusammenfaltete, mit einem Schwebezauber belegte und sie dann zu den betreffenden Lehrern flattern ließ.
Danach drückte sie ihm einen Katertrank in die Hand, wies ihm ein Bett am Ende des Zimmers zu und zog die Vorhänge um seine Kabine zu, damit er etwas ausruhen konnte.
Er schlief ein Weilchen, war wach und schlief wieder ein. So wollte er liegenbleiben. Sicher, geborgen und immer noch ein wenig benebelt. Weit weg von all dem, was ihm gestern Nacht geschehen war. Weit weg von den Sorgen, den Erinnerungen und all dem, was ihm sonst in der Nacht den Schlaf raubte.
Um sich von den Sorgen über seine Familie abzulenken, dachte er an das Schlammblut, Granger. Warum hatte sie das getan? Sie hätte es nicht tun müssen. Es wollte ihm kein halbwegs logischer, vernünftiger Grund einfallen, warum ausgerechnet sie ihm helfen wollte, wo ihre Freunde ein Komplott gegen die Menschen schmiedeten, in deren Kreis Draco aufgewachsen war.
Er hatte in Potters Erinnerung nicht genau erkennen können wie sehr und ob das Mädchen beteiligt war oder nicht, doch nun war es ziemlich sicher, dass sie zumindest nicht zu den Leuten gehören konnte, die… die gestern dort gewesen waren.
Aber immerhin gehörte sie zu Potter und sie war… ein Schlammblut. Das, was ihn in diesem Moment störte, war etwas anderes. Sie war doch nicht dumm, das gestand er ihr zu. Ihr musste doch klar sein, was seine Familie über Leute wie sie dachte. Was er über sie dachte. Was die Todesser für Ziele hatten.
Warum, in aller Welt, half sie Menschen, die ihre „Rasse“ umbringen wollten? Doch andererseits, wenn er so darüber nachdachte… Nein, er wollte sie nicht umbringen. Auch keine anderen Schlammblüter. Vielleicht könnte man sie stattdessen versklaven und irgendwo nützlich einsetzen. Manche von ihnen waren doch recht patent. Es wäre doch eine Verschwendung, darauf zu verzichten.
Wobei er Granger nicht als Dienerin in seinem Haus würde haben wollen. Wenn er so darüber nachdachte, dann würde es ihn nicht stören, wenn sie frei und zufrieden weiterlebte - solange sie das nur sehr weit weg von ihm tat.
Aber wie auch immer, warum half sie ihm? Nur um quitt zu sein? War sie wirklich ein so fairer Mensch? So pflichtbewusst, dass sie in dem Moment, als er sie brauchte, ohne nachzudenken ihre Freunde verriet, nur um ausgerechnet ihm zu helfen?
Und das, obwohl nicht der geringste Anlass dazu bestanden hatte. Sie hätte es nicht tun müssen. Mehr noch, er hätte nie erfahren, dass sie die Möglichkeit gehabt hatte, ihm zu helfen, wenn sie ihm nicht davon erzählt hätte. Und dennoch… wie auch immer sie davon erfahren hatte, sie musste sofort zu ihm gerannt sein.
… Und sie hatte auf ihn gewartet. Nur um zu sehen, ob es ihm gut ging.
Kein Mensch konnte doch so dumm und altruistisch sein, sich um Leute zu sorgen, die einen immer so schlecht behandelt hatten wie er sie.
Zweifellos war das Ganze für sie selbst nicht ungefährlich. Man wollte seine Familie ausrotten, man hatte in Kauf genommen, auch noch andere Leute zu töten, die zufällig im Wald um das Manor herum waren, als sich das Gas ausgebreitet hatte. Ihre Freunde würden doch sicher nicht gutheißen, wenn sie wüssten… aber warum hatte sie es getan? War sie wirklich so… dumm (oder gut)?
Draco drehte sich zur Seite und rollte sich zusammen. Einmal mehr fühlte er sich wie der allerletzte Dreck.
Quitt, von wegen. Als er ihr hätte helfen können, hatte er nichts anderes getan als dazustehen. Nein nicht ganz, er hatte bei dieser Gelegenheit auch noch seine Cousine erstickt.
Quitt… Draco wälzte sich auf die andere Seite und hoffte, dieses Bett nie wieder verlassen zu müssen, weil er Hermine Granger nie wieder sehen wollte. Was sollte er ihr sagen? Etwa die Wahrheit, dass er ihr in diesem Moment unendlich dankbar war und wie sehr er sie bewunderte? Unmöglich! Sie war ein Schlammblut und damit unter seiner Würde.
Er drehte sich auf den Rücken und presste sich die Hände auf die Schläfen. Aber er konnte etwas anderes tun. Wenn sich eine solche Situation wiederholen würde und er noch einmal die Möglichkeit bekäme ihr zu helfen, dann würde er nicht tatenlos daneben stehen und zusehen. Zumindest einmal wollte er kein Abschaum sein.
Xxx
Draco trottete geistesabwesend neben Pansy den Flur entlang. Er hatte ihr gesagt, was vorgefallen war, warum er es vorgezogen hatte, den darauffolgenden Tag im Bett zu verbringen und dass immerhin das Geld seiner Familie unbeschadet wäre. Vor allem Letzteres schien Pansy aufrichtig zu freuen.
Mit großen Augen lauschte sie seinen Schilderungen des brennenden Manors. Dass er ein Ordensmitglied in Lestrange Manor getötet hatte, gestand er ihr auch. Das erste Mal, dass er ihr so etwas aufrichtig gesagt hatte. Sie war entzückt.
Natürlich hatte er ihr nicht gesagt, wer ihn gewarnt hatte. Ihr gegenüber hatte er behauptet, dass er einfach zufällig Shackelbolt belauscht hätte.
Er hatte ihr auch nicht gesagt, dass eines der Ordensmitglieder ihn fast mitgenommen hätte. Er konnte sich immer noch keinen Reim darauf machen, wer es gewesen sein könnte und was man mit ihm vorgehabt hatte. Hatte man ihn entführen wollen? Vermutlich… vermutlich hatte man seine Familie mit ihm anlocken wollen, nur um den gesamten Malfoy-Clan in einem Aufwasch, praktisch als Heimlieferung, doch noch töten zu können.
Nicht ohne ihn vorher zu foltern. Bisher war es mehr eine Vermutung als eine Gewissheit, doch ging seit einiger Zeit ein Gerücht um, wonach der Orden Leute foltern würde, um an Informationen zu kommen. Und immerhin, Vaters Kollegen…
Granger hatte ja gesagt, die Aktion wäre ein Reinfall gewesen, weil sie alle noch lebten.
Er fragte sich, ob dieser andere, der, den sein Vater eigentlich hatte töten wollen, der dann jedoch von Snape übernommen worden war, ob dieser falsche Lucius noch lebte. Snape hatte sich dazu nicht wirklich geäußert. Vor allem, wo war dieser Doppelgänger jetzt? Sollte er nicht tot sein, wo war er dann?
Wenn wirklich Ordensmitglieder gekommen waren und Snape vertrieben hatten, dann hatten die doch ihren gefallenen Kameraden sicher geschnappt und mitgenommen.
Gas… er hatte nie groß darüber nachgedacht, wie viel tödlicher als der Avada Kedavra ein solches Gift war. Er hatte diesen Morgen eine Freistunde gehabt und diese in der Bibliothek verbracht. Fast hatte er erwartet - oder hatte er tatsächlich darauf gewartet? - Granger zu sehen. Warum? Vielleicht, weil sie so viel von ihm wusste und, soweit er abschätzen konnte, ihn dennoch nicht verraten hatte? Vielleicht, um weitere wichtige Informationen von ihr zu erlangen? So sicher war er sich selbst eigentlich auch nicht.
Doch wie auch immer, er hatte sie nicht gesehen und sich deswegen seinem Buch über Gifte gewidmet. Wenn Basilikenatem die verheerenden Folgen hatte, die dort beschrieben und ausgesprochen erschreckend bebildert waren… warum schreckte der Orden dann nicht davor zurück? Er erschauderte, als er an die gezeichneten Bilder dunkelblauer Menschen dachte, die unter Todesqualen schwarzen Schleim, nämlich ihre vom Gas zerfressene Lunge, erbrachen. Menschen, denen Blut aus Augen und der Nase lief. Deren Haut aufquoll und platzte, bevor sie starben.
Griff der Orden zu solchen Mitteln, solange man dadurch Feinde töten könnte? Die Rache für den Fuchsbau… zweifellos, der Orden hatte dazu gelernt. Wenn er ehrlich war, dann konnte er es verstehen. Immerhin bestand die Chance, nicht nur Todesser, sondern den dunklen Lord gleich mit zu töten. Es machte ihm Angst, doch die Logik dahinter konnte er nachvollziehen.
Wäre Granger nicht gewesen, hätte keiner im Manor überlebt. Aber was wäre dann mit ihm hier in der Schule geschehen? Hätte man ihn getötet, dem Anschein nach rein zufällig, um die Sache abzurunden?
Draco hatte Kopfschmerzen. Pansy neben ihm erzählte mit Blaise, der in letzter Zeit immer öfter an ihrer Seite war. Das hatte Draco durchaus bemerkt.
Er schielte zur Seite und erhaschte einen Blick auf ein Lächeln im Gesicht des dunkelhäutigen Slytherin. Draco mochte die Art nicht, wie Blaise Pansy ansah. Er streckte seine Hand aus und ergriff Pansys. Etwas, das er bisher sehr selten getan hatte, da sie es immer gewesen war, die auf ihn zugekommen war. Sie drehte sich leicht verwirrt um und sah aus, als sei ihr eben erst eingefallen, dass er auch dabei war.
Draco wollte eigentlich etwas sagen, doch wurde er von Weasley abgelenkt, der neben seinem angebeteten Potter und Longbottom heftig diskutierend in Dracos Richtung den Flur entlang eilte.
Er blieb wie angewurzelt stehen. Sein Griff um Pansys Handgelenk verkrampfte sich, bis diese vor Schmerz schrie und versuchte ihre Hand aus seinem Griff zu winden.
Er konnte aber nicht loslassen, sein Körper gehorchte ihm nicht. Er konnte eigentlich gar nichts tun außer auf Weasleys Nase zu starren, auf der eine blassrosa Narbe prangte, die er vorher noch nie gesehen hatte. Dort, wo Lucius dem Doppelgänger ins Gesicht getreten hatte.
Innerhalb von Sekunden wurde Draco von einer Million Gedanken gleichzeitig bombardiert. Bombardiert, bombardiert, überwältigt… Er begann zu hyperventilieren.
Er war hier umgeben von Feinden. Er war hier ganz alleine als Todesser umgeben von Ordensmitgliedern. Potter, Longbottom, Weasley… und wer wusste, wer sich noch anschließen würde. Überall um die Schule patrouillierten Auroren. Eine Schule, die von einem Ordensmitglied geleitet wurde. Ein Ex-Auror an ihrer Seite, der nur dazu da war, ihn zu bewachen.
Potter bemerkte ihn und wurde bleich. Er zog die beiden anderen zu sich. Sie gafften ihn in einer Art und Weise an, die er nicht einordnen konnte, dann steckten sie ihre Köpfe zusammen und tuschelten.
Das Blut rauschte in Dracos Ohren und alles wurde still. Nicht etwa im Flur, ganz sicher lärmten die durchströmenden Schüler nach wie vor. Doch Draco hörte es nicht mehr. Innerhalb eines Wimpernschlags konnte er nichts mehr hören. Als hätte man den Ton eines Radios ausgedreht, als läge ein Silencio-Bann über der Schule, doch niemand außer ihm hatte es gemerkt, dann alle redeten weiter.
Öffneten und schlossen ihre Münder, ohne für Draco, der sich fühlte als sei er von Wasser umgeben, das die Geräusche um ihn herum dämpfte, in irgendeiner Weise verständlich zu sein.
Weasley sagte etwas zu ihm, er hörte es nicht. Er konnte nicht einmal den Gesichtsausdruck des Wiesels deuten. Nicht einmal das, nicht einmal Gesichter konnte er mehr lesen. Alles verschwamm zu einer tödlichen, bedrohlichen Masse, die über ihn hereinzubrechen drohte.
Jetzt verstand, er was Snape gemeint hatte, als er sagte, dass er so oder so sterben würde. Ihm wurde klar, was sein Vater gemeint hatte, als Lucius sagte, dass er sich selbst ans Messer liefern würde. Er war hier in der Schule ganz alleine, umgeben von Menschen, die beschlossen hatten, ihn zu töten. Es gab niemanden, zu dem er gehen konnte. Er durfte sich auch nicht wehren, da ihnen das einen Grund geben würde, ihn offen anzugreifen. Zudem würde er seinen Auftrag nicht erfüllen können, wenn er man ihn von der Schule entfernte. Sein Tod würde Voldemort seinen Eltern gegenüber nicht sanfter stimmen.
Er war hier im Auftrag von Voldemort und hatte nichts anderes zu tun als darauf zu warten, dass eines der Ordensmitglieder Erfolg haben würde.
Dracos Beine versagten ihm den Dienst. Er kippte ungelenk nach hinten um und knallte auf seinen Hintern. So blieb er sitzen.
Nur am Rande war er sich Pansys bewusst, die an ihm zerrte und versuchte, ihn hochzuziehen. Da er sich nicht sicher war, ob das vor ihm wirklich Crabbe und Goyle waren, beachtete er sie nicht. Schließlich war ihm nun klar, dass er nie sicher sein konnte, wer um ihn war. Man hatte ihm gezeigt, dass er in diesem Spiel nicht Jäger, sondern Beute war.
Leute versammelten sich im Kreis um ihn. Pansy, oder wer auch immer, riss heftiger an ihm. Er wehrte andere Arme ab, die versuchten, ihn hochzuziehen. Hier saß er und hier würde er bleiben. Bis hierher und keinen Schritt weiter. Er war umgeben von Gefahr und jede Richtung, in die er gehen konnte, war gefährlich. Also blieb er hier… wie lange? Er wusste es nicht.
Das Nächste, das er bewusst wahrnahm war, dass es draußen langsam dunkel wurde und er schon wieder auf der Krankenstation lag. Er hörte Madam Pomfrey erregt mit seinem Hauslehrer Slughorn reden, der immer wieder von Kingsley unterbrochen wurde.
Draco stand auf, versicherte allen, er sei schlicht übermüdet gewesen und ging zum Abendessen.
Xxx
Malfoy war merkwürdig und er wurde immer merkwürdiger. Eigentlich war es allen aufgefallen. Doch Hermine konnte darüber mit Ron oder Harry nicht reden. Harry sah bei der Erwähnung des Namens „Malfoy“ immer aus, als würde er am liebsten wegrennen oder müsste sich übergeben und Ron, ja… Rons Augen funkelten mit einem teuflischen Glanz.
Ron hatte sich verändert, beängstigend verändert. Nicht erst seit dem Angriff auf das Manor, doch seit dem konnte sie beim besten Willen nicht mehr leugnen, dass Ron anders geworden war. Irgendwie fremd und so bedrohlich, dass sie beim Gedanken an ihn manchmal unwillkürlich fröstelte.
Hermine hatte nicht genau erfahren, was in dieser Nacht im Manor passiert war. Sie hatte einigen Andeutungen entnommen, dass es wohl nicht gut gelaufen war. Dass es ein Fehler gewesen war, die Familie als Ganzes anzugreifen, dass man zu lange gezögert hatte, nachdem man aus einer Hermine gegenüber nicht erwähnten Quelle die Besitzurkunden der Malfoys und Lestranges ergattert hatte und dass man nun noch energischer würde vorgehen müssen.
Was mit Draco, dem jüngsten Mitglied der Familie, geschehen sollte, war noch nicht geklärt.
Irgendjemand - Hermine war hinter einem Buch versteckt, als Neville darüber spekulierte - musste die Malfoys gewarnt haben. Ron spekulierte laut, dass Draco es vielleicht irgendwie geschafft haben könnte, sie zu belauschen, denn er war in der Nacht des Angriffs auf dem Manor gesehen worden, das konnte kein Zufall sein. Harry sollte ihn noch besser bewachen. Harry war grün-grau im Gesicht geworden, doch er hatte genickt.
Später, sobald Ron und Neville weg waren, hatte er Hermine gegenüber gestanden, dass er zur Zeit kaum noch auf die Karte des Rumtreibers schaute. Er wusste, er müsste es eigentlich tun, doch sei die Idee unerträglich, sich so intensiv mit jemandem zu beschäftigen, den man vielleicht töten müsste. Er wurde sehr blass und gestand Hermine, dass er die Karte am liebsten wegschmeißen würde.
So wie er wahrscheinlich diese ganze Idee am liebsten auf den Müll kippen würde, doch Hermine ahnte, dass es das schlechte Gewissen Dumbledore gegenüber war, das ihn weitermachen ließ. Bis jetzt hatte man nur einen weiteren Horkrux gefunden und zerstört, die Suche dauerte lange und schien nahezu vergeblich. Was immer Dumbledore auch zu seinen Lebzeiten zu Harry gesagt haben mochte, es musste eindrucksvoll genug gewesen sein, um ihn auch nach seinem Tod auf einen Weg zu drängen, der nur zu Gewissensbissen und Frust führen konnte. Dennoch machte er weiter, weil niemand ihm erlauben würde, etwas anderes zu tun.
Harrys Gesicht gewann jedoch schnell wieder ein sehr lebhaftes Rot, als die Sprache auf Snape kam. Offenbar hatte man nicht nur Draco, sondern auch seinen ehemaligen Lieblingslehrer auf dem Manor entdeckt. Es war nicht so ganz deutlich für Hermine, wobei man ihn gesehen hatte, nur dass er flüchtete, als Harry und Neville auf ihn zugekommen waren.
Dass Draco eine tickende Zeitbombe war, ließ sich leider nicht bestreiten. Selbst seine Hauskameraden schienen ihn mehr und mehr zu meiden. Beim Essen wollte niemand außer Crabbe, Goyle und Pansy neben ihm sitzen, und die, so schien es Hermine, fühlte sich dabei auch nicht wirklich wohl.
Hermine konnte es ihnen, besonders Pansy, nicht verdenken. Bei aller Liebe, falls es Liebe war, die irren Dinge, die Malfoy tat, waren sicherlich schwer zu ertragen.
Dennoch entging Hermine der Respekt in den Augen der anderen Slytherins nicht, mit dem sie ihn bedachten, wann immer der blonde Junge an ihnen vorbeiging. Entweder bestach er sie mit Geld, durchaus möglich, oder mit Heldengeschichten, die so eindrucksvoll waren, dass sie es noch nicht einmal wagten ihm vorzuwerfen, dass Slytherin allein seinetwegen keinen einzigen Hauspunkt mehr hatte.
Harmlos war ja noch, dass er in einer der letzten VgddK-Stunden, als Neville ein Referat über Todesser hielt, so lange gelacht hatte, bis Kingsley ihn zu Madam Pomfrey zum Drogentest schickte. Ob der positiv oder negativ ausgefallen war wusste sie nicht, jedoch sah sie am nächsten Tag einen reichlich missmutig dreinblickenden Malfoy gemeinsam mit Hagrid, beide prall gefüllte Eimer in den Händen, zu einem Schuppen gehen, in dem Hagrid sein neuestes Projekt hochzupäppeln versuchte.
Sie sah Malfoy alleine, statt eines Zauberstabes mit einer Mistgabel zum Stall der Hippogreife gehen, nachdem er einem Schüler die Nase gebrochen hatte, der es gewagt hatte, sich am Essenstisch auf seinen Platz zu setzen.
Wenige Tage später sah man Malfoy fluchend auf einer hohen Leiter stehend Bilder abstauben, ebenfalls per Hand, nachdem er Slughorn, der gerade Harry gelobt hatte, einen Kessel heißen Zaubertrankes übergekippt hatte. Und am nächsten Tag, und am übernächsten Tag, und danach auch. Er putzte eine ganze Woche, vor den Augen all der anderen Schüler, über die er sich immer lustig gemacht hatte.
An manchen Tagen waren die irren Dinge anders. Zum Beispiel warf er sich jedes Mal schreiend zu Boden, wenn Dennis Creevey in seiner Gegenwart Fotos mit dem Erbstück seines Bruders machte. An manchen Tagen erbrach er sich unvermittelt. Während des Essens, in manchen Unterrichtsstunden oder einfach so, wenn er durch die Schulkorridore ging.
Manchmal saß er Ewigkeiten mit starrem, leerem Blick in den toten Augen irgendwo herum, bis ihn jemand hochzog und mitnahm. Ein paar Mal, war er in unvermitteltes, vollkommen irre wirkendes Gelächter ausgebrochen und natürlich schlug er immer wieder ohne Vorwarnung auf Mitschüler ein.
Einen Sechstklässler z. B. folterte Draco mit dem Cruiatusfluch, als er in der Bücherei ein Buch auslieh, dass eigentlich Draco hatte mitnehmen wollen.
Gemessen daran benahm er sich ihr gegenüber eigentlich erstaunlich gut. Er bekam weder den panischen Ausdruck in die Augen, der jedes Mal in seinem Gesicht zu lesen war, wenn ihm ein Mitglied des Phönixordens über den Weg lief, noch verfiel er in seine alte, stichelnde Art zurück, die er früher fast zur Perfektion gebracht hatte.
An manchen Tagen brüllte er und schlug um sich, an anderen saß er alleine, still und unauffällig in den Klassenzimmern und wirkte gespenstischer als jeder Geist.
Sie hatten nicht mehr miteinander geredet, seit sie sich in dem Flur getrennt hatten. Es gab ja auch keinen Grund dazu, doch manchmal, wenn sie seinen Blick auf sich ruhen fühlte, drehte sie sich um, und er hielt ihrem ein Weilchen stand, bevor er sich wegdrehte.
Manchmal war Hermine knapp davor zu ihm zu gehen, wenn er mal wieder die Nerven verlor. Sie tat es aber nie, denn eigentlich ging sie das alles gar nichts an.
Xxx
Der Zauberkunstunterricht war recht beliebt. Hermine mochte ihn, weil ihr die Zauber alle leicht fielen und Flitwick nie an Lob und Punkten sparte, wenn ihr eine Aufgabe mal wieder schneller und besser gelang als den anderen Schülern, was eigentlich immer der Fall war.
Harry und Ron mochten den Unterricht, weil sie während all der praktischen Übungen immer viel Zeit zum Reden hatten. Nichts, was die Sache weiterbringen könnte. Ja, in der Regel noch nicht einmal etwas, was auch nur annähernd mit Unterricht zu tun hatte.
Auch heute. Flitwick war nicht im Saal. Er war vorhin hereingerauscht, nur um der Klasse zu sagen, dass er noch einmal kurz verschwinden müsse, um etwas vorzubereiten. Man könnte die Zeit bis zu seiner Wiederkehr für Wiederholungen nutzen.
Hermine stand mit ihrem „Lehrbuch der Zaubersprüche Band 7“ neben Ron, Neville und Harry und übte an deren Büchern Desillusionierungszauber. Ärgerlich war, dass die Jungs trotz wiederholten Räusperns nicht merkten, dass irgendetwas fehlte. Es klappte gut und so versuchte Hermine danach, noch Mäppchen und Schultaschen unsichtbar werden zu lassen.
Das war nicht einfach, denn im Gegensatz zu einem Buch, das nur ein Gegenstand ist, waren diese Dinge ja genau genommen nur Behältnisse für unzählige andere Dinge. Alles insgesamt musste transparent sein, damit die Illusion gelang.
Hermine biss sich auf die Lippen und runzelte die Stirn, konzentrierte sich auf Rons Tasche, die er auf seinem Stuhl gestellt hatte (er selbst saß auf seinem Pult). Sie zielte mit dem Zauberstab, murmelte „Desillusio“ und schloss einige Sekunden die Augen, um sich selbst mit dem Ergebnisse zu überraschen.
„Mist!“
„Was ist denn los?“ Ron drehte sich zu ihr und wollte eines der Beine, die über den Tischrand baumelten, auf den Stuhl stellen. Er stoppte aber kurz bevor seine Schuhsohle die Sitzfläche berührte, verengte die Augen und beugte sich nach unten. „Respekt!“, stieß er anerkennend hervor. „Du hast Dreck zum Schweben gebracht.“
„Fast“, korrigierte sie mit einem dünnen Lächeln. „Eigentlich schwebt der Dreck nicht. Ich habe einen Desillusionierungszauber auf deine Tasche gelegt. Der Rest ist unsichtbar, aber dein Abfall bleibt sichtbar.“
„Schade!“ Ron streckte eine Hand aus und betastete die Umrisse der unsichtbaren Tasche mit einem leicht erstaunten Grinsen. „Das wäre die perfekte Art aufzuräumen, nicht? Allen Dreck einfach unsichtbar zu machen.“
Harry kniete sich neben den Stuhl und stocherte mit seinem Zauberstab gegen das Nichts. Ein Spiel, das er noch intensivierte, als er die Öffnung der Tasche gefunden hatte und zusah, wie der Zauberstab Zentimeter um Zentimeter verschwand und wieder auftauchte, wenn er hinein und heraus getaucht wurde. „Ich weiß nicht, Ron. Irgendwann wirst du von einer Lawine unsichtbarer Küchenabfälle erschlagen und keiner findet dich.“
„Unwahrscheinlich, Potter. In dem Schuhkarton, in dem Weasley mal wohnen wird, wird man nicht allzu lange suchen müssen. Falls doch, könnt ihr ja immer noch seine Mutter vorbeischicken. Wenn dort was Essbares liegen sollte, wird sie es schon wegkriegen.“ Draco Malfoy schlenderte gelassen auf die Gruppe zu. Die Arme lässig vor der Brust verschränkt, baute er sich vor ihnen auf und bedachte die Vier mit einem hämischen Blick. Crabbe und Goyle, seine ungleich breiteren Schatten, folgten ihm auf dem Fuße und begannen pflichtschuldig über das zu lachen, was Draco für einen Witz hielt.
„Dreck, Granger?“ Er warf Hermine einen spöttischen Blick zu, doch errötete er augenblicklich, als er feststellte, dass sie nicht wegsah und, als schüchtere sie ihn ein, trat er einen Schritt beiseite. „Nun ja, gewöhn dich schon mal dran. Ich nehme an, so sieht eure Zukunft aus.“
Hermine biss sich wütend auf die Lippen. Wie konnte er es wagen, wie konnte er… nachdem…
Ja, sicher, er hatte nicht si, sondern Ron beleidigt, aber trotzdem. Sie holte tief Luft, um Paroli zu bieten, doch Neville war schneller.
Genau genommen kam seine Antwort nicht vor ihrer, doch bevor sie aussprechen konnte, was sie über Malfoys Sticheleien dachte, zog sich Neville seinen Umhang über den Kopf und warf ihn Malfoy vor die Füße.
„Boah, ist das heiß hier drin.“ Er streckte sich ausgiebig und schob die Ärmel seines T-Shirts bis zu den Achseln hoch. „Schwitzt du auch so, Malfoy? Sieht so aus, so rot wie du bist. Zieh doch mal dein Hemd aus.“
Harry und Ron sahen ihn kurz verwirrt an, doch als Neville sich wieder genüsslich dehnte und seine makellosen, sprich untätowierten Arme, dehnte, begannen sie schallend zu lachen.
Die Röte in Dracos Gesicht vertiefte sich noch. „Äh… sollen wir?“ Crabbe hob die gewaltigen Pranken, nickte zu Neville und knackte mit den Fingerknöcheln. Draco folgte seinem Blick, sah in die hämischen Gesichter von Ron, Harry, in Hermines verschämt zur Seite blickende Augen und dann zurück zu seinen Freunden.
„Nein, gehen wir“, murmelte er, schüttelte den Kopf und trat, gemeinsam mit seinem Gefolge, den Rückzug an.
Ron kicherte und schlug Neville anerkennend auf die Schulter. „Respekt. Gut mitgedacht.“
Neville, beflügelt von soviel Lob, konnte es sich nicht verkneifen noch einmal laut „Platz, Draco!“ quer durch das Klassenzimmer zu brüllen, als Malfoy sich, nun ohne Gefolge, zurück zu seinem Tisch begab.
Malfoy hob die Hand, reckte den ausgestreckten Mittelfinger in die Luft, doch davon abgesehen gab er sich anscheinend Mühe, dem Gelächter zum Trotz, das auf Nevilles Ruf folgte, unbeeindruckt zu scheinen. Stattdessen angelte er nach einem Buch in seiner Tasche und begann zu lesen.
Neville senkte die Augen und lächelte, als sei ihm der Beifall seiner Mitschüler unangenehm. „Ist doch wahr. Hat ihn einer von euch seit der sechsten Klasse auch nur einmal mit kurzen Ärmeln gesehen?“ Er blickte erwartungsvoll in ihre Gesichter, doch dann schüttelte er sich, als wolle er ein inneres Bild vertreiben. „So, jetzt aber. Was hast du vorhin über Selwin und Mulciber gesagt?“
„Oh ja!“ Ron strahlte über das ganze Gesicht. „Hast du heute Morgen den Tagespropheten gelesen?“
Neville nickte.
„Tja…“ Ron wollte gerade loslegen, doch stoppte er, als Harry seinen Arm ergriff und in Richtung Hermine nickte, die daraufhin sofort eifrig begann, mit ihrem Zauberstab in Richtung ihrer eigenen Tasche zu wedeln.
Die Jungen schienen zu glauben, dass sie nun wieder in ihre Übungen versunken sei, und so sprach Ron zwar mit deutlich gedämpfterer Stimme, doch ohne seinen Sitzplatz zu wechseln, weiter. „Moody hatte die Idee. Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit. Nachdem die Malfoys ja nichts mehr besitzen, war es nur eine Frage von Tagen, bis entweder sie selbst oder ein anderer bei Gringotts erscheinen würde, um dort Gold abzuheben. Eine neue Zentrale des Bösen zu bauen kostet schließlich reichlich Galleonen. Zumal sie ja ihrem Sonnenscheinchen da drüben“, er nickte abschätzig in Richtung Malfoy, „wohl auch regelmäßig große Mengen Taschengeld in den Rachen werfen. Lupin meinte, wir sollten die Bank bewachen. Irgendwann würde schon einer auftauchen. Wobei das gar nicht so leicht ist, denn Verließe in verschiedenen Ländern und…“
„Stimmt es eigentlich, dass die Malfoys Hauptaktionäre von Gringotts sind?“, unterbrach Neville interessiert.
„Äh…. ich glaub schon.“ Ron kratzte sich den Kopf, warf Malfoy einen fragenden Blick zu, als hätte der sich ein Schild mit der Antwort auf den Rücken geklebt und fuhr fort. „Soviel ich weiß waren die Malfoys eine der zwei oder drei Familien, die Gringotts gegründet haben. Diese Leute sind wirklich wahnsinnig reich, eine der reichsten Familien der Welt.“ Er brach ab, als hätte ihn diese Aussage und alles, was er im Geiste damit verband, so erschüttert, dass es ihm die Sprache verschlug. Harry fuhr an seiner Stelle fort: „Wir waren gerade dabei einen Plan auszuarbeiten, wer wann Wache schieben sollte, doch dann kam Bill und sagte, dass ein fremder Zauberer, mit zwei Vollmachten, eine unterschrieben von Lucius Malfoy, eine gezeichnet von Bellatrix Lestrange, erschienen sei, um in Vertretung riesige Mengen Gold abzuheben. Wir dachten aber, dass die bestimmt noch mehr brauchen würden. Moody meinte dann, dass es bestimmt jemand gewesen wäre, den wir kennen. Weder Lucius noch Bellatrix würden einem Fremden ihr Gold anvertrauen, also hat sich Moody meinen Tarnumhang geliehen und sich selbst in die Eingangshalle der Londoner Bank gestellt, da er dachte, dass sein magisches Auge durch solche faulen Tricks wie Vielsafttrank durchsehen könnte. Ja, und tatsächlich… gestern erschienen Mulciber und Selwin mit großen Taschen, getarnt als ein mittelaltes Ehepaar.“
„Und dann?“, flüsterte Neville begierig darauf, die Pointe zu hören. Auch Hermine spitzte die Ohren, neigte den Kopf leicht in die Richtung, aus der die Stimmen kamen und stocherte vollkommen geistesabwesend statt in ihrer Tasche nun in einem Sandwich herum, das sie vorhin angeknabbert und dann auf ihrer Tasche abgelegt hatte.
„Ich sagte doch, lies die Zeitung!“, schaltete Ron sich in verschwörerischem Ton wieder ein. „Gestern starb ein älteres Ehepaar in der Gringottsbank an einem Hirnschlag. Ganz zufällig… sie betraten die Bank und bumm, fielen sie beide tot um.“
Ron kicherte, Harry gab einen undefinierbaren Grunzlaut von sich und Neville schnalzte anerkennend mit der Zunge. „Und jetzt?“
„Weiß nicht“, hörte sie Harrys gedämpfte Stimme. „Sie werden noch mehr Geld brauchen. Sicher werden sie in der nächsten Zeit nichts mehr in London abheben und sicher schicken sie nur noch Leute, die sie für entbehrlich halten. Tja… aber wir bleiben dran. Die Aktion im Manor war zwar umsonst, aber immerhin haben wir zwei andere gekriegt. Also immerhin…“
Zustimmendes Gemurmel folgte als Antwort.
Hermine versuchte, sich wieder auf den Zauber zu konzentrieren, versuchte sich selbst einzureden, dass sie das alles gar nichts anginge und dass es sie außerdem nicht störte, weil es die bessere Lösung war.
Pansy Parkinsons schrilles Kichern ließ sie aufblicken. Pansy, so bemerkte sie erstaunt, kicherte nicht wie üblich mit Draco, sondern scharwenzelte schon wieder um Blaise herum, wie öfter in der letzten Zeit. Malfoy selbst beachtete weder seine Freundin noch Zabini, sondern saß still, brav wie ein Musterschüler, auf seinem Platz und las allem Anschein nach immer noch im selben Lehrbuch.
Das war das Merkwürdige an ihm. Die Hälfte der Zeit benahm er sich wie ein tollwütiger Neandertaler, den Rest des Tages sah man ihn immer öfter alleine in irgendeine Ecke gekauert, mit einem Buch in der Hand.
Die Tür sprang auf und Flitwick kam strahlend zurück. „Alles aufgepasst, Herrschaften!“, verkündete er feierlich. „In Gedenken an Fred und George Weasley“, er zwinkerte Ron freundlich zu, „werden wir heute alle Arten von Feuerwerken üben.“
Ein begeistertes Raunen erfüllte den Saal. Während Flitwick den Zauber erklärte, die Seite im Buch an die Tafel schrieb, die dafür nachzulesen sei und damit begann, den Saal zu verdunkeln, verbrachte Ron die Zeit damit, von dem heldenhaften Sieg seiner Brüder über Umbridge zu prahlen. Immerhin hatten diese die einstige Kurzzeitschulleiterin mit ihren Krachern fast in einen Nervenzusammenbruch getrieben.
Hermine rollte die Augen und drehte sich wieder um zu ihrem Pult. Es war nicht so, dass sie Fred und George nicht mochte. Sie bestritt auch nicht ihr Talent für Zauberei, doch die Art und Weise wie Ron über seine Brüder redete, verursachte ihr an manchen Tagen beinahe Übelkeit.
So voller Bewunderung. Fast so - aufgeschreckt von einem Geräusch drehte sie sich um und sah hinüber zum Slytherintisch, wo Malfoy sein Buch aus der Hand gefallen war- fast so, wie Malfoy von seinem Vater redete. Zu jemandem aufzuschauen konnte manchmal auch heißen, sich selbst klein zu machen.
Hermine schüttelte den Kopf, fischte das gesuchte Buch aus ihrer Tasche und ging wieder zu ihren Freunden zurück.
Der Raum war nun vollkommen dunkel, Flitwick hatte die Vorgehensweise erklärt und die ersten Schüler machten sich schon ans Üben. Die Szene erinnerte an den Tag, als sie zusammen mit der DA im Raum der Wünsche Patronuszauber geübt hatten. Auch damals hatte der abgedunkelte Raum von innen heraus, im Licht der silbernen Schutzgestalten, geleuchtet.
Hermine legte den Kopf in den Nacken und hob die Augen zur Decke. Es war…atemberaubend.
Flitwick hatte einen Zauber über die Decke gelegt, der dem, der auf der großen Halle lag, ähnlich war. Dort, wo eigentlich nur braun gemaserte Steinmauern sein sollten, wölbte sich eine tiefschwarze Nacht über ihren Köpfen. Myriaden funkelnder Sterne schienen wie diamantfarbene Fische durch die Nacht zu gleiten.
Rote, grüne, gelbe, blaue, goldene und lila Leuchtkugeln brachen aus den Zauberstäben der Schüler hervor, schossen hoch zu Flitwicks Himmel und explodierten. Funkenregen, prächtig schillernd, schwebten zu den Schülern hinunter.
Hermine hob ihren Zauberstab, konzentrierte sich und sprach die Formel in ihrem Geiste. Sekunden später begann ihr Zauberstab zu glühen. Eine Hitze, die von unten, an ihren Handballen, nach oben, über die Fingerspitzen hinweg bis ganz nach oben floss. Als sie die Spitze erreicht hatte, Hermine den Zauberstab kaum noch halten konnte, brach ein leuchtender Phönix daraus hervor und erhob sich majestätisch in die Luft. Das Tier war sogar größer als Dumbledores Phönix. Flackernd, als stünde er in Flammen, und doch durchsichtig glitt er durch schillernde Funkenschauer zum imaginären Nachthimmel empor.
„Wundervoll, Miss Granger!“, quiekte Flitwick unter ihr. Er hob die Hände über seinen Kopf und klatschte Beifall. „Zwanzig Punkte für Gryffindor, sehr schöne Arbeit. Sehr schön.“
Hermine wich einen Schritt zurück, da Flitwick immer noch den Zauberstab in seinen Händen hielt und jedes Mal, wenn sich seine Hände zum Applaudieren berührten, stoben schneeflockengroße, blaue Funken daraus hervor.
Ihr Gesicht glühte vor Stolz und ein wenig vor Scham, doch sie widersprach ihm natürlich nicht, denn der Phönix am Himmel, umgeben von Sternen und explodierenden Feuerwerken, war wirklich ein überwältigender Anblick. Sie wandte den Blick von Flitwick ab, um Ron zu suchen. Sie wollte ihn anlächeln, um sich mit ihm gemeinsam an der Schönheit dieses Augenblicks zu freuen.
Stattdessen sah sie Malfoy, der knapp einen Meter neben ihr stand und sich in die Zimmerecke presste.
Auch er hatte das Gesicht zum Himmel gehoben, aber er strahlte nicht, sondern war, soweit man das im Schein des Feuerwerks beurteilen konnte, kreidebleich. Fast sah es aus, als versuche er, in die Ecke hinter sich hinein zu kriechen und mit der Wand zu verschmelzen. Seine Augen flackerten nervös und er zitterte wie ein Alkoholiker unter schlimmsten Entzugserscheinungen.
Sie senkte ihren Zauberstab und drehte sich zu Flitwick um, der jedoch einem Augen rollenden Ron und einem höflich lächelnden, doch innerlich sicher genauso frustrierten Harry erklärte, was sie falsch gemacht hatten.
Hermine wusste nicht genau, was mit Malfoy los war, doch glaubte sie zu wissen, dass er die Blitze und das Feuerwerk um ihn herum nicht ertragen konnte. Etwas unsicher sah sie sich nach den anderen Slytherins um, die zwar in Dracos Nähe standen, ihn jedoch nicht im Mindesten beachteten und ganz selbstversunken an ihren eigenen Funkenschauern übten.
Malfoy neben ihr zitterte immer heftiger. Seine Finger hielten den Zauberstab, als hätte er einen spastischen Krampf. Sie streckte die Hand aus und berührte einen Oberarm. „Malfoy“, begann sie zögerlich, „brauchst du…“
Es passierte zu schnell, als dass sie es hätte verhindern können.
Harry verzog das Gesicht und nieste…
…Draco riss seinen Zauberstab nach oben, zielte auf Harry und schrie:
„Avada Kedavra!“
Ein elektrisierendes Knistern durchzog den Raum, als der grüne Lichtblitz durchs Klassenzimmer auf Harry zu schoss.
Viele Dinge passierten gleichzeitig.
Die um Harry herumstehenden Schüler schrien und warfen sich auf den Boden.
Ron, der direkt neben Harry stand, packte ihn am Kragen, stieß ihn zur Seite und warf sich auf ihn.
Hermine umschloss Dracos Arm, um ihn festzuhalten.
Malfoy stieß Hermine beiseite und setzte abermals zu einem Todesfluch an:
„Avada…“
Flitwick zielte auf Draco und schrie: „Expelliarmus!“
Neville, Hermine, Seamus, Ernie McMamillian, Padma und Parvati Patil zielten auf Malfoy und riefen gleichzeitig: „Stupor!“
Sechs rote Blitze schossen in die Richtung, aus der der Todesfluch nur einen Herzschlag zuvor gekommen war und brachten den Urheber des Fluches zu Fall. Draco verdrehte die Augen nach oben und schlug der Länge nach zu Boden.
Pansy schrie und wollte sich auf Draco werfen, doch Blaise umklammerte sie und zog sie an sich, als wolle er sie vor der eben präsenten Todesgefahr nachträglich beschützen.
Crabbe und Goyle schoben sich an den beiden vorbei und knieten sich neben Malfoy, wussten dann aber nicht, was zu tun war, sondern drehten sich verwirrt, ja regelrecht ängstlich, zu Flitwick um.
Der kleine Zauberer kämpfte sich an wimmernden Schülerinnen, schreienden Schülern und den sechs immer noch mit erhobenen Zauberstäben dastehenden jungen Leuten hindurch und kniete sich ebenfalls neben den bewusstlosen Jungen.
Er war… sprachlos. Aber Flitwick war doch ein Lehrer. Er musste doch wissen, was zu tun war. Alle Augen ruhten auf ihm, warteten darauf, dass er etwas sagen möge, das die Situation entschärfen könnte.
Perplex hob der kleine Mann seine kleinen Hände und zuckte ratlos mit den Schultern. Statt die Umstehenden mit einer Antwort zu besänftigen, wandte er sich zu Hermine und fragte vollkommen perplex: „Aber was ist denn geschehen? Haben Sie gesehen was…?“
Hermine zitterte, sie musste sich an der Wand neben ihr abstützen, da ihre Knie sie sonst nicht mehr länger zu tragen vermocht hätten. „Ich…ich“, stammelte sie nach Atem ringend, „ich glaube, er hatte Angst. Er sah als, als hätte er wirklich panische Angst …“.
„Was?“ Harry schob Ron zur Seite, der ihn schützend umklammerte und zog ein Gesicht, das sowohl Angst wie auch Verwirrung zeigte. „Aber ich, ich…“, er zuckte ratlos die Achseln und hob flehend die Hände. „Aber ich habe doch nur geniest. Ich hab doch gar nichts getan außer zu niesen.“
Flitwick schüttelte ungläubig den Kopf und legte die Hand auf Dracos weißen Hals, um den Puls zu fühlen. „Hmm… sechs Schockzauber…. Und der Junge sieht nicht allzu gesund aus.“ Er seufzte und erhob sich.
Flitwick warf einen nachdenklichen Blick auf den am Boden liegenden Draco, dann räusperte er sich und sprach nun lauter, zur Klasse gewandt: „Die Stunde ist zu Ende. Ich werde Mr. Malfoy zur Krankenstation bringen und sie…äh… Mr. Potter? Wie geht es Ihnen?“
Statt auf die Frage nach seinem Befinden einzugehen, klammerte Harry sich an Rons Arme und jammerte erneut: „Ich habe doch nur geniest.“ Er deutete mit dem ausgestreckten Arm auf Malfoy und wiederholte das Lamento: „Ich habe doch nur geniest. Will er mich jetzt schon wegen Schnupfen umbringen?“
Xxx
Draco klammerte sich an der Armlehne seines Stuhles fest und presste seinen Rücken so weit wie möglich nach hinten.
Er saß im Büro der Schulleiterin und wenn er ehrlich war, hätte er viel lieber unter anstatt auf dem Stuhl vor ihrem Schreibtisch gesessen. Oder besser, unter dem Schreibtisch selbst. Nein, zu nahe…
Er seufzte und sah sich im Raum um. Dort hinten führte eine offene Wendeltreppe in ein oberes Stockwerk. Dorthin könnte er zwar auch gehen, säße aber in der Falle.
„Mr. Malfoy!“, holte ihn McGonagall aus seinen Fluchtplänen heraus. Sie saß mit zusammengefalteten Händen an dem Schreibtisch, der so lange Albus Dumbledore gehört hatte. Über ihrem Kopf hing das Porträt des Schulleiters, der augenzwinkernd auf Draco herab lächelte.
„Sie sind kein Mörder“, hallte dessen Stimme in seinem Geist nach. Draco schluckte und sah wieder zu McGonagall, die ihn immer noch streng im Auge behielt.
Draco atmete schwer, rutschte unbehaglich auf seinem Stuhl herum und wischte seine schwitzen Hände an seiner Hose ab. Er drehte den Kopf zum Fenster und überlegte, ob er die Direktorin bitten sollte, es öffnen zu dürfen.
„Avada Kedavra“, stellte McGonagall in den Raum. Sie schlug ihre Hände auf den Tisch und zog die Augenbrauen hoch.
Die Porträts über ihr waren entsetzt. Eines kippte nach hinten in eine Landschaft hinein, ein anderes rannte schreiend weg. Phineas Nigellus schwang die Fäuste und drohte damit, sofort nachzusehen, ob nicht auch ein Bild von ihm in Bellatrix‘ Haus hinge, so dass er dort alles verraten könnte.
Dumbledores Bild senkte traurig die Augen und Draco meinte das Wort „Nein“ von seinen Lippen ablesen zu können
Draußen knallte ein Vogel gegen die Fensterscheibe. Draco zuckte zusammen und fuhr herum, doch von dem Tier war schon nichts mehr zu sehen. Er schluckte und fuhr sich mit zittrigen Händen durch seine Haare.
„Ich… ich wollte nicht… es war… ich dachte…“ Er schloss die Augen und versuchte seine Atmung zu beruhigen. Die Standuhr tickte, die Gerätschaften, die hinter McGonagall herumstanden, summten, während diese ihn immer noch missbilligend über den Rand ihrer quadratischen Brille musterte.
Er rieb sich seine Kehle, als könne er das Engegefühl dadurch vertreiben. „Ich… ich weiß eigentlich gar nicht, warum…“, er brach ab, da sie das Gesicht verzog. Draco presste die Lippen zusammen und sah McGonaggall zu, wie sie sich in ihrem Sessel nach hinten sinken ließ.
„Sie wissen nicht?“
Draco wurde rot und schüttelte den Kopf. „Nein, ich… es war… wie ein Reflex.“
„Sie töten Menschen also aus dem Reflex heraus!“, stellte sie trocken fest.
Draco wurde noch röter und senkte die Augen auf seine im Schoss gefalteten Hände. „Nein, natürlich nicht“, murmelte er. „Vielleicht das Feuerwerk über mir und dann… ich weiß nicht mehr. Ich… es tut mir leid, Professor. Ich kann es auch nicht erklären, aber es war weder Absicht noch geplant.“
Er beugte sich etwas weiter nach vorne, um seine Schuhe sehen zu können, so sah er McGonagall nicht, sondern hörte sie nur seufzen. „Lassen Sie uns offen, nun, zumindest so offen wie möglich sein, Mr. Malfoy.“
„Ja?“, antwortete er zittrig und hob die Augen, lächelte verlegen, als erhoffe er, dass dies erwidert würde. Doch vergeblich, das Gesicht der Direktorin war wie aus Stein gemeißelt.
„Ihr Benehmen in der letzten Zeit spottet jeder Beschreibung. Und dann heute… selbst wenn es nur ein Reflex war… Ich denke, Sie werden von heute an jeden Abend bei diversen Lehrern nachsitzen. Mit anderen Worten, ich stelle Sie unter Beobachtung. Mit Nachsitzen meine ich, Sie werden arbeiten. Sämtliche Ausflüge, Wochenenden und sonstige Vergünstigungen sind gestrichen. Ihnen ist auch nicht mehr erlaubt, Quidditch zu spielen.“
„Aber…“
„Ich bin noch nicht fertig! Mir ist durchaus bewusst, dass es Unruhen in Ihrem Leben gibt, die diese… nun ja… die Ihr Leben beeinflussen. Offen gesagt, ich mache mir Sorgen um Sie. Ich überlege, ob man nicht Ihre Eltern verständigen sollte.“
Draco brauchte einen Moment, um diese Botschaft in vollem Umfang zu erfassen. Sein Mund wurde trocken und fast meinte er, seine Zunge anschwellen zu fühlen.
„So viel ich gehört habe, musste Ihre Familie kürzlich umziehen, doch machen Sie sich keine Sorgen. Sollte es weitere Vorkommnisse dieser Art geben, so werden wir sie finden. Habe ich mich klar ausgedrückt?“
Er krallte sich an der Lehne fest, da ihm immer schwindeliger wurde. Der Stuhl, auf dem er saß, schien im Kreis herumzuwirbeln. Ihm wurde langsam übel von der Karussellfahrt. Er nickte schwach. „Ja!“
McGonagall nickte zufrieden. „Gut, Sie können gehen. Ich erwarte von Ihnen, dass Sie sich heute Abend bei Mr. Potter entschuldigen.“
Draco biss sich auf die Lippen und nickte. Er erhob sich taumelnd und hätte er sich nicht auf dem Schreibtisch abgefangen, wäre er zusammengeklappt. Viel näher als beabsichtigt sah die Direktorin einfach nur noch Furcht einflößend aus. War sie früher zwar durchaus hart doch gerecht gewesen, so schien sie das Interesse an Fairness und Respekt im Umgang mit ihm verloren zu haben.
Er verabschiedete sich leise und wankte mehr als er ging zur Tür.
Xxx
Draco blies sich gelassen die Haare aus dem Gesicht. Er gähnte und legte die Beine übereinander, weil er Pansy zeigen wollte, wie egal ihm ihr Geschwätz war.
„Weißt du Draco, es läuft doch schon eine ganze Weile nicht mehr gut“, erklärte sie, legte den Kopf schief und setzte eine mitfühlende Miene auf, deren Falschheit Draco im Innersten traf. „Wenn man es genau nimmt, haben wir ja auch gar nichts gemeinsam…“
Draco verzog keine Miene, während er gelassen seine abgekauten Fingernägel begutachtete. Ihre langweiligen Ausführungen konnte sie sich schenken. Während sie so vor ihm stand und zwar leicht rot im Gesicht war, doch ansonsten einfach nur erleichtert wirkend einen nicht enden wollenden Monolog von sich gab, stellte er fest, wie hässlich Pansy eigentlich war.
„…außerdem, Draco, kennst du Leute, die in der Schule ein Paar waren und als Erwachsene immer noch zusammen sind? Also ich kenne da kaum jemand, außer deinen Eltern vielleicht. Aber sonst… Eigentlich verlagern wir das Unvermeidliche doch nur vor.“
Zunächst mal hatte Potter recht. Sie hatte wirklich ein Mopsgesicht. Auch sonst war sie viel zu fett. Ihre Nase hatte Ähnlichkeiten mit einem Schweinerüssel und für eine Siebzehnjährige sah sie entsetzlich alt aus.
„…wir haben das doch wirklich nicht beabsichtigt. Es ist einfach passiert. Du musst ja jeden Abend nachsitzen und Blaise war so nett, mir bei den Hausaufgaben zu helfen und, ja…“, sie hüstelte und grinste entschuldigend, „auch sonst.“
Zudem war Pansy dumm. Sie hatte in den letzten Jahren immer schlechtere Noten gehabt als er und wenn er ihr nicht so oft bei den Hausaufgaben geholfen hätte, hätte sie bestimmt keinen einzigen ZAG geschafft. Ihr Problem… sollte sie jetzt mal sehen, wie sie ihre UTZ’s schaffen würde. Nicht eine einzige Prüfung würde sie bestehen.
Er rutschte in seinem Sessel nach hinten und rollte die Augen. Pansy war sich noch nicht einmal für die „Wir können doch Freunde bleiben“-Ausrede zu Schade.
„… und vielleicht, also vielleicht kommen Blaise und ich dich mal zusammen besuchen, in den Ferien. Oder besser, du besucht uns, wir wollen Weihnachten zusammen bei seinen Eltern verbringen und du könntest ja… also wir finden sicher einen Tag, wo du…“
„Bist du fertig?“, unterbrach er sie, so gelangweilt wie möglich. Ihm wurde allmählich übel, er war müde und er hatte für dieses Gefasel jetzt keine Nerven.
Pansy biss sich auf die Lippen und nickte. Sie senkte die Augen, hob sie dann wieder und lächelte verschämt. Ihr Blick ruhte jedoch nicht lange auf Draco, stattdessen huschten ihre Augen immer wieder zur Tür des Jungenschlafsaals hinüber. Sie wollte hinaus.
„Tja…“, begann er träge, „das war‘ s dann wohl, oder?“ Er sah von ihr weg, hinunter auf seine Schuhe. Das hatte nicht halb so gelassen geklungen wie beabsichtigt. Er gab sich solche Mühe, er kämpfte mit sich, dennoch wurde das erstickende Gefühl in seinem Hals mit jeder Sekunde intensiver. Er schluckte, um besser atmen zu können.
„Ja, also, ich geh dann mal.“ Wieder flackerten ihre Augen nervös hinüber zur Tür. Nein, nicht zur Tür, zuerst zu der neben der Tür stehenden Standuhr, und dann zur Tür.
„Bist du verabredet?“, fragte er überflüssigerweise und wurde für diese Frage augenblicklich mit einem verschämten, mädchenhaften Gekicher bestraft.
„Naja… Ja!“
„Blaise?“
„Natürlich.“
Draco verdrehte die Augen und stöhnte genervt. „Ja, natürlich. Wer sonst? Entschuldige bitte, das war eine dumme Frage.“ Er presste die Handflächen auf die Sessellehne, um sich abzustützen. Gut dass er das tat, denn er wie er voll Schrecken bemerkte, waren seine Beine viel wackliger als ihm lieb war. Beiläufig wischte er sich die Hände an seinem Pullover ab, da sie dieses Zeichen seiner Nervosität nicht bemerken sollte.
Sie lächelte noch einmal ein scheußlich falsches Clowns-Grinsen und kam näher. „Ja dann… dann gehe ich jetzt. Tut mir leid, Draco, aber ich muss mich etwas beeilen.“
Er nickte und kam langsam, etwas zu zögerlich vielleicht, ein paar Schritte auf sie zu, bis er mit in den Taschen vergrabenen Händen vor ihr stehen blieb, um sich mit tonloser Stimme von ihr zu verabschieden. „Also dann…viel Spaß heute Abend noch.“
Sein Hals schnürte sich zusammen. Es war okay gewesen, solange er gesessen, und sie geredet hatte. Aber jetzt, jetzt war sie ihm so nahe, dass er sie riechen konnte und ihm ihr wundervoller Geruch in die Nase wehte. Den Geruch, den er seit der vierten Klasse immer mit ihr verband. All die Jahre, in denen sie seine Freundin gewesen war. All die Jahre, in denen sie ihm immer wieder gesagt hatte, wie sehr sie ihn liebte und bewunderte.
Pansy tätschelte ihm mütterlich die Wange und breitete die Arme aus. Er hasste sich selbst dafür, er wollte einfach nur von ihr weg, dennoch kam er noch näher, ließ sich in ihre Umarmung hineingleiten und vergrub sein Gesicht in ihrer Schulter. Er schniefte und schämte sich, weil er spürte, dass feuchte, heiße Tränen über sein Gesicht rollten. Er verachtete sich dafür, vor ihr zu weinen, sich an ihr festzuklammern und sein Gesicht in ihren Haaren zu vergraben, wo er sie doch viel lieber ausgelacht und weggestoßen hätte.
Es ging nicht, es ging einfach nicht. Nicht wenn er sie so nah und warm bei sich fühlte und ihren Duft riechen konnte, der ihn schmerzhaft wie Messerstiche daran erinnerte, dass sie drei Jahre lang ganz selbstverständlich zu ihm gehört hatte, dass er mit ihr sein erstes Mal erlebt hatte, dass es für ihn, egal wie genervt er von ihr manchmal gewesen war, nie einen Zweifel daran gegeben hatte, dass sie auch nach der Schule zusammenbleiben und eines Tages heiraten würden.
Pansy tätschelte ihm wieder gelassen den Rücken und drückte ihn dann langsam, aber bestimmt von sich weg. „Oh… mein armes Baby.“
Er hätte sie erwürgen können, doch alles was er tat war das Taschentuch, das sie ihm reichte, mit dankbarem Nicken anzunehmen und sich mit zittrigen Fingern zuerst die Augen zu wischen und dann die Nase zu putzen.
Sie lächelte schief, sah wieder zur Uhr und seufzte. „Naja, also bis morgen.“ Sie hob die Hand zum Gruß und am liebsten hätte er geschrien, weil ihn das erleichterte Lächeln, das einen Moment lang über ihre Lippen gehuscht war, so verletzt hatte.
Sie drehte sich um, ging zur Tür und öffnete sie, doch anstatt einfach zu gehen, drehte sie sich noch einmal um und sah ihn nachdenklich an. „Du solltest zu einem Arzt gehen, Draco, wirklich. Oder besser so einem Psycho-Heiler. In letzter Zeit bist du wirklich merkwürdig.“
Draco griff nach einer Vase, die neben ihm stand und warf sie seiner Ex-Freundin nach, die es jedoch geschafft hatte, rechtzeitig zu verschwinden, so dass das Porzellan sein Ziel verfehlte und an der Tür zersprang.
Das war überflüssig gewesen. Draco hatte schon begriffen, dass sie nicht wegen Blaise Schluss gemacht hatte.
Xxx
Irgendwann gegen Mitternacht brannte das Mal.
Das Gute daran war, dass Crabbe und Goyle noch auf waren. Sie saßen im Gemeinschaftsraum und stopften sich mit irgendwelchem Kram voll, den sie aus der Küche besorgt hatten. Die Sache war abgesprochen. Diesmal war Goyle derjenige, der den Draco-Vielsafttrank nehmen musste. Draco ließ ihm weitere Ampullen da, falls er in einer Stunde nicht zurück sein sollte, was sowieso unwahrscheinlich war.
Das Schlechte dabei war, dass es durchaus möglich war, dass Potter ebenfalls noch wach war. Und der würde sicher nicht das Interesse daran verlieren, ihn weiterhin zu beobachten, solange Draco seine Fantasie weiterhin so fleißig fütterte wie heute. Doch was half es? Er musste gehen.
Wenn das Mal brannte, dann musste er gehen. Sofort!
Der Verbotene Wald war nachts um ein vielfaches unheimlicher als bei Tag. Die Zentauren ließen ihn in Ruhe, doch dafür zog eine ganze Herde Thestrale an ihm vorbei. Eines blieb stehen, kam langsam auf ihn zu und Draco begann zu rennen, da er fürchtete, mittlerweile so viel Blut an seinen Händen zu haben, dass dieses Thestral vielleicht sogar ihn selbst als „essbar“ einstufen könnte.
Der Weg bis zum Apparierplatz war recht weit. Zehn Minuten an guten Tagen, länger, wenn er sich im Wald verlief oder von den Waldbewohnern bedroht wurde. Seine Knie zitterten, sein Puls raste und am liebsten wäre er mit geschlossenen Augen bis zur Lichtung gelaufen, doch das war Unsinn, denn so würde er die von Snape gehexten Hinweise, wie zum Beispiel leuchtende, blaue Pilze, die ihn leiteten, nicht erkennen können.
Es dauerte vielleicht eine halbe Stunde, bis er endlich in Spinners End ankam. Der Raum war bereits gerammelt voll mit Leuten und selbst „Er“ war da und wartete mit verschränkten Armen auf Dracos Ankunft.
Draco ging vor Voldemort in die Knie und murmelte eine Entschuldigung. Der dunkle Lord hob seinen Zauberstab und deutete auf einen freien Stuhl, zwischen Alecto Carrow und Walden McNair.
Der Raum war so, wie Draco ihn in Erinnerung hatte. Abgesehen davon, dass Snape eine beträchtliche Zahl weiterer Sessel und Sofas in den Raum gestellt hatte, die allesamt so aussahen, als hätte er sie auf dem Flohmarkt gekauft und danach zehn Jahre im Keller zustauben lassen.
Neu gekauft hatte Snape seinem Besuch zuliebe mit Sicherheit nichts.
Nur ein Sessel schien neu und in gutem Zustand. Ein großer Ohrenbackensesel, der zwar noch aus dem letzten Jahrhundert zu stammen schien, doch gut gepflegt und mit makellosem Samt bespannt war. Er stand vor dem Kamin. Der Platz, der für Voldemort reserviert war.
Um den Sessel herum schlängelte sich die riesige Schlange, die, wenn Draco sich nicht irrte, ihrem Meister hin und wieder böse Bemerkungen über die Anwesenden zuzischte.
Voldemort forderte Bellatrix auf, den Anwesenden eine Zusammenfassung des Angriffs zu geben. Während sie sprach, ging Voldemort mit langsamen, schlangenhaften Schritten an seinen Gefolgsleuten vorbei. Nacheinander wurden alle von seinem Flammenblick geröntgt. Jeder Einzelne wurde geprüft. Nie lange, meist nur im Vorübergehen. Bei manchen blieb er jedoch stehen, verharrte etwas länger und Draco sah, wie diese Personen augenblicklich rot wurden, zu zittern begannen und zusammenzuckten. Sie wanden sich und Draco stellte sich mit wachsendem Unbehagen vor, dass Voldemorts Legilimentikangriffe ebenso schmerzten wie heiße Nadeln, die man in entzündetes Fleisch trieb. Auch Draco zuckte zusammen, als Voldemort vor ihm einen Moment verharrte, bis er weiterging.
Bellatrix endete und Voldemort übergab das Wort an Lucius, der daraufhin von Mulciber und Selwin erzählte, die in Gringotts tot zusammengebrochen waren.
Voldemort ging langsam auf Bellatrix zu, die ihn mit leuchtenden Augen anhimmelte, als wäre er ein Engel. Er legte eine Hand an ihren Kopf, woraufhin sie ihn fast in seine Hand schmiegte. Er lächelte und strich mit dem Daumen zuerst über ihren Mund, dann über ihre Wangen.
Bellatrix öffnete den Mund und schnappte nach Luft. Ihre schweren Augenlider hoben sich weiter als sonst. Tränen rannen ihr über das Gesicht, als Voldemort seinen Daumen ruhen ließ und ihr stattdessen die langen Finger über das Ohr gleiten ließ. „Du bist wütend, Bella. Ich sehe sehr viel Wut in dir, nicht wahr?“
„Ja!“, krächzte Bellatrix mit heiserer Stimme. Ihre dunklen Onyxaugen starrten wie hypnotisiert hinauf zu Voldemorts blassem Gesicht.
Er ließ von ihr ab, strich Rodolphus im Vorbeigehen über den Kopf, als sei er ein Haustier und ging auf seine ihm eigene, fast schwebende Art, hinüber zu Lucius, der sich in seinem Sessel aufrichtete und das Kinn vorreckte, als Voldemort ihm gegenüberstand.
Draco hielt den Atem an. Seit der Befreiung aus Askaban hatte Voldemort keinen Zweifel daran gelassen, dass Lucius für ihn abgemeldet war. Doch jetzt, als er vor ihm stand, als er ihm die Hand nicht angedeutet, sondern fest und bestimmt auf die Schulter legte, da lächelte er. Ohne Spott, ohne Verachtung.
„Und du, Lucius. All deine Besitztümer wurden vernichtet. Du musst diese Leute doch sicher hassen, oder?“
Lucius erwiderte den Blick ruhig, gelassen und nickte. Etwas an ihm, dieses Nicken, die Geste, die Art, wie er Voldemorts Blick erwiderte, erinnerte Draco sehr an den Mann, der er früher gewesen war. „Ja, Mylord. Ich verabscheue diese Menschen. Ich hasse sie zutiefst.“
„Und du?“, Voldemort drehte sich um und Draco fürchtete schon, dass Voldemort ihn ebenfalls ansprechen oder gar anfassen würde, und wandte sich wieder zu Rodolphus um. „Würdest du diese Leute nicht bestrafen wollen für ihre Tat? Würdest du sie nicht am liebsten alle mit ihrem Leben bezahlen lassen?“
Rodolphus nickte und erwiderte in feierlichem Ton: „Ja, Mylord. Ich möchte sie bezahlen lassen.“
Voldemort nickte bedächtig und blieb in der Mitte des Raumes stehen. Der tief hängende Kronleuchter strahlte wie ein Heiligenschein über seinem Kopf. Die Haut, die sich über den Schädel spannte, war so glatt und weiß, dass sich die Kerzenflammen auf ihr widerspiegelten.
„Auch ich bin wütend. Auch ich hasse diese Leute und ich bin ebenfalls der Meinung, dass wir sie bezahlen lassen sollten.“ Er sprach sanft, doch entschlossen: „Viele dieser Menschen wohnen gegenwärtig in Hogwarts oder sind in dessen Umfeld stationiert. Wir werden also dort angreifen.“
„Aber Mylord“, unterbrach Snape zaghaft die Jubelrufe. „Mylord, Ihr wisst, die Schule ist mit zahlreichen Bannen geschützt. Auch ich kann die Banne nicht aufheben und Draco besitzt keine Mittel, um uns dort hineinzulassen.“
Voldemort ging mit großen Schritten zum Fenster, legte seine sehr großen, weißen Hände auf den Fensterrahmen und den Kopf leicht in den Nacken als würde er den Sternenhimmel draußen beobachten. „Wir werden nicht nach Hogwarts hinein gehen müssen“, sagte er versonnen. „Sie werden herauskommen.“
Ohne sich umzudrehen sprach er gelassen weiter: „Draco, wann ist das nächste Hogsmeade-Wochenende?“
Draco fühlte sich, als hätte man ihm gleichzeitig in den Magen geboxt und den Hals zugedrückt. „In… in drei Tagen.“
Bildete Draco sich das nur ein oder sah Snape ebenso beunruhigt aus, wie Draco sich fühlte? Fahl sah seine Haut aus und Draco meinte, kleine Schweißperlen auf der Stirn seines ehemaligen Lehrers erkennen zu können.
„Ah… an Halloween. Natürlich.“ Voldemort schlug mit der flachen Hand gegen den Rahmen, als müsse er sich gewaltsam vom Anblick des Nachthimmels über Spinners End losreißen und drehte sich um. Ein böser Glanz funkelte in seinen Augen.
„Ist Halloween nicht der Tag, an dem sich die Seelen der Verstorbenen und der Lebenden begegnen? Wie passend. Wir werden dafür sorgen, dass die Toten nach Hogwarts kommen.“ Er lächelte sanft und gab seinen Todessern Zeit hämisch zu lachen und ihn voller Begeisterung anzustrahlen.
„Draco!“
“Ja, Mylord?“ Dracos Magen wand sich zu einem Knoten zusammen. Um äußerlich weiterhin ruhig wirken zu können, versuchte er etwas Spannung abzubauen, indem er seine Fingernägel in die Sessellehne bohrte.
„Wo geht Potter mit seinen Freunden an diesen Wochenenden hin?“
Draco senkte den Blick und bemühte sich, seiner ersterbenden Stimme noch etwas Kraft zu verleihen. „In die Drei Besen, Mylord. Die meisten Schüler gehen gegen Nachmittag dahin.“
„Sehr schön.“ Voldemort nickte zufrieden und wandte sich zu Snape um, der sich gegen den einzigen Meter Bücherwand presste, der nicht mit einer Sitzgelegenheit zugebaut war. „Und die Lehrer?“
„Die… die? Verzeihung, Mylord?“ Snape war nicht weiß, sondern gelb. Er sah aus, als müsse er sich gleich übergeben. Draco brauchte keinen Spiegel um zu wissen, dass er mindestens genauso schlecht aussah.
„Du hast mich schon verstanden, Severus. Wo gehen die Lehrer hin? Oder hast du etwa vor, deine ehemaligen Kollegen vor unserem gerechten Zorn zu beschützen?“
„Nein!“ Snape schüttelte den Kopf, richtete sich gerade auf und hob den Kopf, um Voldemorts prüfenden Blick zu erwidern. „Nein, sie, nun, viele gehen ebenfalls in die Drei Besen. Es wäre ratsam dort… dort werden alle sein.“
Voldemort trat auf ihn zu, versenkte seine glühenden Augen in Snapes und fing einen Moment später schallend an zu lachen. „Aber, aber Severus. Du wirst doch hoffentlich keine Skrupel haben, deine ehemaligen Schüler zu töten, oder?“ Er legte den Kopf schief und leckte sich die Lippen, als würden die Qualen, der Konflikt, den er Snape mit dieser Aussage bereitete, köstlich auf seinen Lippen schmecken.
Snape, nun wieder ruhig und gelassen, schüttelte langsam, doch entschieden den Kopf. „Nein, Mylord. Natürlich nicht.“
Voldemort lächelte freundlich. „Wir werden sehen, Severus, wir werden sehen. Du wirst mir doch nicht weich werden. Vielleicht sollten wir es überprüfen.“ Er legte den Kopf auf die andere Seite, „Ich denke, du wirst mir deine neuesten Flüche dort an ein paar“, Voldemort lächelte und drehte sich zu seinen Anhängern um, „Auserwählten“, er nickte befriedigt, als die anderen daraufhin in begeistertes Toben ausbrachen, „vorführen.“
„Natürlich, Mylord, aber… erlaubt mir die Frage, wolltet Ihr sie nicht auf Muggelweise töten?“
Voldemort machte eine wegwerfende Bewegung und lächelte, als er Bellatrix‘ begierigen Blick auffing. „Wir können sie nach unseren Experimenten doch immer noch erschießen. Nicht wahr, Bellatrix?“
„Aber natürlich, Mylord.“ Ihr Gesicht strahlte wie ein ganzer Weihnachtsbaum.
Lucius lächelte ebenfalls auf eine Weise, wie Draco es kaum zuvor gesehen hatte. „Nur eine Frage, Mylord. Potter?“
„Wird zusehen.“
„Zusehen?“
„Nun denn, lasst es mich euch erklären. Ihr“, er teilte die Gruppe der sitzenden mit der Hand in zwei Hälften und deute auf die linke Seite, zu der auch Draco gehörte. „Ihr werdet in Hogsmeade für Ablenkung sorgen, während ihr“, er deutete auf die rechte Seite, „vor den Drei Besen wartet. Sobald unsere Freunde dort sind, werdet ihr einen Schlafzauber über die Besucher des Hauses legen. Ich werde dann zu euch stoßen. Ihr legt eine Körperklammer auf Potter und last ihn zusehen, wie wir jeden Einzelnen seiner Freunde töten. Wir müssen ihn nicht selbst umbringen, um die Botschaft deutlich zu machen. Immerhin“, er lachte, „immerhin brauchen wir doch jemanden, der unsere Botschaft an den Rest des Ordens übermitteln kann.“
„Aber“, schaltete sich Wurmschwanz ein, der die Füße anhob, als die Schlange unter seinem Sofa durch glitt. „Dann weiß er doch, dann wissen sie doch, wer hinter den Anschlägen steckt.“
„Sie wissen es ohnehin“, schaltete sich Snape wieder ein und deutete auf Draco. „Nicht wahr?“
Draco nickte und murmelte, zu seinen Füßen hinab:. „Sie können es sich denken. Sie wissen auch, dass ich… aber…“
„Das ist unerheblich.“ Voldemort winkte gelangweilt ab. „Es ist egal, was Potter weiß und was nicht, solange er alleine ist und keine Beweise hat. Es wird ihn zerstören zu wissen und nicht handeln zu können.“ Er lächelte und strich über den Kopf der Schlange, der neben seiner Sessellehne erschienen war. „Ein Junge, der schon in der Vergangenheit als labil galt… wir werden uns diesen Spaß leisten können.“
„Verzeiht, Mylord“, wandte Lucius so gelassen ein, wie Draco ihn seit Monaten nicht gesehen hatte. „Doch was ist, wenn sie seine Erinnerungen überprüfen?“
„Nun in diesem Fall werde ich Severus erneut um seine Hilfe bitten müssen.“ Er deutete auf Snape, ohne diesen anzusehen. „Du wirst ihm nach unserer Darbietung eine Droge verabreichen, die seine Glaubwürdigkeit in Frage stellen wird. Etwas Nettes, etwas, dass ihm auch in den nächsten Tagen Halluzinationen verursachen wird. Der arme Junge.“ Er lachte laut auf. Ein Lachen, das von allen Mündern im Raum widerhallte. „Es muss doch wirklich schwer für ihn sein. Er, nutzlos, inmitten sterbender Freunde. Man wird denken, dass ihm der Schmerz den Verstand geraubt hat. Nicht wahr? Lass dir etwas Hübsches einfallen, Severus.“
Snape nickte kühl. „Natürlich. Ich habe einige Halluzinogene, die nicht nachweisbar sind.“
„Da fällt mir ein“, unterbrach ihn Voldemort, der sich auf dem Sessel niedergelassen hatte und die über seinen Schoß schlängelnde Nagini mit zwei Fingers streichelte. „Severus“, er drehte sich zu Snape um, der daraufhin unwillkürlich zusammenzuckte. „Hat Potter nicht diese Karte? Diesen Lageplan des Schlosses und seiner Bewohner?“
Snape nickte, „Ja, eine Spielerei seines Vaters, ähnlich dem….“
„Besorg mir diese Karte, Draco. Du wirst sie ihm entwenden, bevor die Schüler nach Hogsmeade gehen. Für uns ist diese Karte nützlich und es ist ohnehin besser, wenn man deinen Aufenthaltsort nicht immer überprüfen kann.“
„Aber“, Draco zuckte ratlos mit den Schultern. „Er wird sie mir ja nicht freiwillig geben und ich, Ihr sagtet doch, dass ich niemanden im Schloss angreifen soll. Also… ich weiß auch nicht, wie…“
„Es ist ein Befehl. Beschaffe diese Karte und übergib sie mir Samstag.“
Draco nickte, auch wenn er keine Ahnung hatte, wie er diesen Befehl ausführen sollte.
„Wir werden eine Nachricht in die Schule schicken, dass wir nacheinander alle Personen, die sich in den Drei Besen befinden, töten werden, falls die Schule nicht umgehend geschlossen wird.“
„Aber darauf werden sie doch niemals eingehen.“ Wurmschwanz presste sich so nah an den neben ihm sitzenden Rowle heran, dass die beiden wie ein Liebespaar wirkten. Von Rowles Gesichtsausdruck einmal abgesehen.
„Genau das ist meine Absicht. Sie werden darauf nicht eingehen und deswegen werden diese Morde ihre Schuld sein.“
Während Voldemort die jeweiligen Aufgaben weiter erläuterte, dachte Draco darüber nach, was ihn daran irritierte, seinen Vater bei dem Gedanken ans Morden so glücklich zu sehen.
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