
von Feenflügel
****Vorwort: Nichts ist so unwiderstehlich wie die Liebe und doch verliert sie an Reiz, wenn sie einen zerbricht. Wenn man in einer starken Freundschaft Liebe findet, muss man sich für eine Seite entscheiden oder etwa nicht?****
Die Sonne stach mir ungnädig ins Gesicht. Wie gemein, da war man doch grade einen Krieg losgeworden, schon musste das Leben weiter gehen. Ich sah mich gezwungen, alle Verstorbenen hinter mir zu lassen, in eine kleine Ecke meines Herzens zu verbannen. Mühselig stand ich auf, räumte meine Sachen zusammen und warf einen Blick aus dem Fenster. Das Gelände von Hogwarts war von dem goldenen Schimmer der Morgensonne bedeckt und ich seufzte tief, beim Anblick des blenden, wellenschlagenden Wassers vom See und dem Rauch der aus Hagrids Schornstein kam. Ich wusste nicht, ob ich hierher nocheinmal zurück kehren würde. Und da gab es noch etwas, was unklar war. Würden Ron und ich jetzt eine Beziehung führen? Nach all der Zeit, hatten wir zwar endlich zueinander gefunden, doch war es tatsächlich das was wir wollten?
Parvati bewegte sich im Nachbarbett und riss mich aus den Gedanken. Mit den Augen nach meinem Koffer suchend, legte ich meine Sachen erstmal auf dem kleinen Nachtischen ab. Mein Koffer lag unter dem Bett. Also zog ich ihn schnell hervor und warf einfach alles hinein, was ich besaß. Heute würde ich ertsmal wieder fortgehen und meine Eltern suchen, die es sich noch schön in Australien gemütlich machten. Mit meiner schweren Last taumelte ich die Treppe zum Gemeinschaftsraum hinunter. Ich drohte auf der letzten Stufe zu stürzen, doch vier Arme hoben den Koffer an und zogen ihn aus meinen Händen. Harry und Ron waren auch schon für die Abreise bereit. Zwei Koffer standen neben dem meinen. Ihre braune Verkleidung stach aus der sonst überwiegend roten Szenerie deutlich hervor. Dieses Bild führte mir genau vor Augen, was nun geschehen würde. "Ihr...wollt wirklich mitkommen?" "Klar!", antworteten sie im Chor.
Ron hielt mir die Hand hin und ich ergriff sie ohne nachzudenken. Ein wohliger Schauer durchzuckte mich und langsam erinnerte ich mich wieder daran, welches Geheimniss sich zwischen uns ausbreitete. Ron und ich waren solange nur Freunde gewesen, würden wir es als Paar auch schaffen? Harry sah nach draußen, während Ron mir einen flüchtigen Kuss auf die Wange gab, der Ärmste, er hatte noch gar keine Zeit gehabt mit Ginny zu reden. "Habt ihr was dagegen noch bis nach dem Frühstück zu warten?" "Wie bitte?" Harry sah mich verwundert und dankbar zu gleich an. Ich wusste es. "Ich schätze du musst noch eine Sache regeln, bevor wir noch einmal verreisen." Ron warf die Stirn in Falten. "Was-?" Ginny kam hinter uns die Treppe herunter geschlichen. "Ihr geht?" Ihre Stimme ließ uns alle drei zusammen zucken. "Nein, noch nicht", sagte Harry. Sie strahlte ihn erleichtert an, er erwiederte ihr Lächeln. "Vielleicht sollten wir kurz raus gehen, was meinst du Ron?" Seine Augen wanderten zwischen Harry und Ginny hin und her. Dann sah ich, wie sich eine Erkenntnis in seine Miene schlich. "Ja." Wir ließen die zwei allein und als das Portraitloch hinter usn zuschwang, sagte Ron: "Die beiden gehören zusammen, wenn ihre Liebe selbst diese lange Zeit, in der wir auf der Suche nach den Horkruxen waren, überlebt hat." Begeistert sah ich zu ihm auf, er konnte ja so verdammt toll sein. Nur... Würde das reichen um aus einer Freundschaft eine funktionierende Liebesbeziehung zu machen?
Wir gingen durch Trümmer und dunkle Erinnerungen hindurch, hielten einander fest und wussten nicht, ob die Schatten, die dieser Krieg über alles geworfen hat, jemals verschwinden würden. Oder zumindest sollten diese schrecklichen Schmerzen vergehen, wenn wir an die zurück dachten, die wir verloren haben. "Hermine, hör auf damit. Du weinst." Ich hatte lange auf die Stelle gestarrt, an der ich Fred hatte liegen sehen. Tot. Ron hatte recht, nasse Tränenspuren zogen sich über meine Wangen. Er nahm mich in den Arm, so wie ein Freund. "Ron?" "Hmmm?" "Ist unsere Freundschaft jetzt zerstört?" Meine Haare streifen sein Kinn. Daran erkannte ich, dass er den Kopf sanft schüttelte. "Aber wir... Haben uns geküsst." "Und? Kann man nicht jemanden lieben und ihn gleichzeitig als Freund ansehen?" Ich runzelte die Stirn. "Ehh." "Oder lass es mich anders sagen, wenn wir zusammen sind, heißt dass nicht, das wir nicht auch genauso einander vertrauen können, wie vorher oder das wair nicht genauso mit einanderf herumalbern können." Sowas von Ron zu hören war schon fast absurd, aber es war dennoch wundervoll.
Mein herz zersprang vor Glück. In einem wunderbaren Freund, hatte ich meine große Liebe gefunden. Den Mann, mit dem ich mein Leben teilen wollte. Als Freundin und als Geliebte. Denn beide Seiten, waren Bestandteil unseres gemeinsamen Seins.
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