
von Gx2^4
Harry atmete schwer. Immer wieder blinzelte er.
Vor ihm verflĂŒchtigte sich so langsam der Rauch. ZurĂŒck blieb ein Berg aus Steinen und Zement.
Nur einen Moment schloss Harry seine Augen. Einen Moment durch atmen. Einmal kurz die Zeit anhalten. Das war es, was er jetzt wollte.
Plötzlich packte ihn eine kalte Hand an seinem Arm. Erschrocken fuhr Harry herum.
âKomm schon Harry. Sie werden gleich hier sein!â
Judith!
Sie starrte ihn an. Unbeweglich blieb ihr Gesicht, und Harry merkte, dass sie ihre souverĂ€ne Maske wieder zurĂŒck gewonnen hatte.
Langsam nickte er. Da drehte sie sich auch schon um, und lief los, die Treppe, die zum nĂ€chsten Stockwerk fĂŒhrte hinauf.
Harry musste sich beeilen Schritt zu halten.
Doch in dem Moment, da er los rennen wollte packten ihn zwei kurze Arme, und zogen ihn in eine Umarmung.
Der Mann, den Harry vor dem Cruciatus gerettet hatte â Harry hatte ihn schon wieder vergessen.
âDanke Junger Mann... Danke!â
Harry war völlig ĂŒbertölpelt. Warum bedankte sich dieser Mann bei ihm? Er selbst hatte doch den Gang zum Einsturz gebracht.
Als er sich wieder von ihm löste sah ihn der Mann immer noch freudestrahlend an.
Sein Blick blieb an Harrys Blitz förmigen Narbe hĂ€ngen â wie es Harry bereits so oft erlebt hatte.
âWas ist das?â fragte der Mann neugierig.
Harry hielt den Atem an.
Wer war dieser Mann, das er ihn nicht erkannte? Wie konnte jemand im Zaubereiministerium ihn nicht kennen? Nicht das es ihn stören wĂŒrde, aber ungewöhnlich war es schon.
âSir... sind sie ein Zauberer?â fragte Harry erstaunt.
Der Mann schĂŒttelte den Kopf.
Langsam fuhr Harry seine HĂ€nde in sein Gesicht â vor seine Augen.
Er konnte es nicht glauben.
Was war nur geschehen? Wie kam es dazu, dass Muggel in dem Zaubereiministerium herum liefen, und offensichtlich wahllos gefoltert wurden?
Harry war sich sicher, dass das gegen das Geheimhaltungsabkommen verstieĂ. Und nicht nur das â es verstieĂ gegen sĂ€mtliche Menschenrechte.
Und ein weiteres Mal, seit Voldemorts Tod, traf ihn diese grausame Erkenntnis.
Mit Voldemorts Tod hatte sich nichts â aber auch gar nichts geĂ€ndert.
Schlimmer noch â es war vielleicht sogar noch grausamer geworden. Noch Wahlloser. Noch GröĂenwahnsinniger.
Harry rieb sich die SchlÀfen.
Dies war zu viel fĂŒr ihn. Er konnte nicht glauben, was er hier mit ansehen musste. Er konnte es einfach nicht fassen.
Nur eins wusste er â er musste zu seinen Freunden, denn sie schwebten nun wohl mehr denn je in Gefahr.
âJudith, wir mĂŒssen...â abrupt endete Harry.
Er sah sich um.
Judith war weg. Sie war einfach verschwunden. Ohne ihn.
Augenblicklich rannte Harry los.
Unentwegt rannte Harry. Stufe um Stufe. Es kam ihm vor als wĂŒrde er es nun schon Stunden lang tun.
Immer weiter. Immer weiter.
Er musste sich selber zwingen. Jedes mal. Er musste sich zwingen das Bein erneut zu heben, um die nÀchste Stufe zu erreichen.
Wieder und Wieder.
Scheinbar endlos fĂŒhrte die Treppe hinauf.
Harrys Blick wanderte unentwegt. Auf der Suche.
Nach Menschen. Menschen, die sie umbringen wollten.
Menschen, die aufgeschreckt worden sind, von der Explosion in einem Gang Mitten im Zaubereiministerium.
Doch Harry sah niemanden. Keiner war da. Keiner, der ihn versuchte aufzuhalten.
Auch Judith war nicht in Sicht.
Er hatte keine Ahnung wohin sie verschwunden war. Sie war wie vom Erdboden verschluckt.
Harrys FĂŒĂe wurden schwer, wĂ€hrend er am FuĂe einer weiteren, der Zahllosen Treppen stand â wenige Sekunden stehen blieb, um einmal durch zu schnaufen, und sich nur kurz seinem Selbstmitleid hinzugeben. Es schien unendlich dieser verdammten Treppen zu geben, die Harry besteigen musste.
Doch dann setzte er sich auch schon wieder in Bewegung.
Zweiundzwanzig Treppenstufen spÀter hatte er eine weitere Treppe hinter sich gebracht, doch Harry wusste, dass er sich nur einige Schritte drehen musste, um sich erneut an dem Fuà einer dieser verdammten Treppen wieder zu finden.
Doch bevor es dazu kommen konnte passierte etwas anderes.
Was als nÀchstes passierte, geschah so schnell, dass es Harry praktisch unmöglich war, es tatsÀchlich wahrzunehmen, als es auch schon vorbei war.
Rechts neben Harry, schneller als dass er hĂ€tte reagieren können, tauchte ein muskulöser Arm aus einem kleinen Seiteneingang auf, gegen den Harry prompt lief, sodass er knallhart auf den Boden fiel, und sein Kopf ungeschĂŒtzt auf dem Boden aufschlug. Heftig schleuderte es seinen Kopf auf den harten Steinboden. Es fĂŒhlte sich an, als wĂŒrde sein Kopf zerbersten. Es dröhnte. Es knirschte. Es schmerzte.
FĂŒr einen Moment blieb die Zeit stehen. Wie in Zeitlupe sah Harry, wie schattenhafte Gestalten ĂŒber seinem Körper auftauchten.
Harrys Blick wurde unscharf, und er erkannte nichts als schemenhafte Gestalten.
Das Licht blendete, und es schmerzte in seinen Augen, sodass er diese schnell schloss. Nun sah er gar nichts mehr.
Und auch seine Ohren dröhnten, sodass es ihm schwer fiel ĂŒberhaupt etwas von seiner Umgebung wahrzunehmen.
Doch Harry wusste, dass er jetzt nicht das Bewusstsein verlieren durfte. Denn wenn er das tat, dessen war er sich sicher, hĂ€tte er verloren â dann wĂ€re er verloren!
Er verengte seine Augen zu Schlitzen und versuchte angestrengt die Schemenhaften Formen und Figuren ĂŒber ihm zu identifizieren. Zu erkenne, was dort vor sich ging. Wer ihn zu Boden geschlagen hatten.
Sein Blickfeld war begrenzt. Er sah nichts, bis auf eben jene Schatten und Figuren. Vom linken Rand von eben jenem Blickfeld erkannte Harry dann eine Bewegung, die ihn zusammen zucken lieĂ. Ein Arm mit einem Zauberstab in der Hand deutete direkt auf sein Stirn.
Der Schreck hatte gar nicht die Zeit in seine Glieder zu fahren, da handelte Harry auch schon, mehr aus einem Reflex heraus, als das er wirklich darĂŒber nach gedacht hĂ€tte.
Blitzschnell fuhr sein Bein in die Höhe und traf genau die Hand des Mannes, der sich ĂŒber ihn gebeugt hatte. Der Zauberstab in eben dieser Hand flog sich um sich selbst drehend quer durch die Luft, wĂ€hrend Harry auch schon aufsprang und mit all seiner Kraft, die er in diesem Moment mobilisieren konnte seinem GegenĂŒber, von dem er immer noch nicht mehr als die schemenhaften Umrisse erkennen konnte mit geballter Faust in den Magen schlug und diesem damit fĂŒr einige Sekunden die Luft weg blieb, und er sich unter Schmerzen krĂŒmmte.
Ohne den Mann weiter zu beachten fuhr Harry auch schon herum, beugte sich noch schnell herunter und schnappte sich, einer plötzlichen Eingebung folgend den Zauberstab des Todessers und rannte auch schon weiter, den Gang entlang auf die nĂ€chste groĂe, und festlich verzierte Treppe zu.
Als sich Harry um blickte und damit rechnete, den Mann nur einige Schritte hinter sich zu sehen, sah er âŠ
Nichts.
Rechts und Links standen einige Menschen, ihren ruhigen GeschÀften nachgehend, niemand schien es zu scheren, dass Harry gerade zwischen ihnen her gerannt war, und auch schien es sie nicht zu scheren, dass der Mann, der Harry zu Boden gehauen hatte nun durch den Gang rannte.
Jetzt konnte ihn Harry zum ersten Mal richtig erkennen.
Er war ziemlich rundlich und hatte eine Glatze, eine moderne schwarze Brille zierte seine Augen, und SchweiĂ perlte seine Haut herunter, die wohl auf seine kaum vorhandene Ausdauer hindeutete.
Harry drehte sich wieder um und rannte die beinahe königlich wirkende Treppe hinauf.
TBC
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@Cute_Lily: Danke fĂŒr deinen wahnsinnig netten Kommentar. Freut mich sehr, dass es dir gefĂ€llt!
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