
von Sev
Der Abend vor Tag 0
Langsam schlossen sich seine Augen. Er war alles andere als müde, viel zu starke Gefühle durchströmten seinen Körper.
Trauer gemischt mit einem Gefühl welches er nicht kannte oder zumindest nicht zuordnen konnte. Die warme Bettdecke schmiegte sich an seinen Leib, ließ ihn einen wunderbaren Moment glauben es wäre ein Fremder der ihm Wärme spendete und nicht ein lebloses Ding gefüttert mit Hühnerfedern.
Er klammerte sich an diesem Moment fest, wollte mit ihm in das Land der Träume sinken um sicher zu gehen keinen Alptraum zu durchleben.
Jahrelang hatte er nichts geträumt und dann, irgendwann, begannen diese unerträglichen Träume, die so realistisch waren das er vor Übelkeit erwachte…
Er träumte von riesigen Maden die sich in seinen Körper einnisteten und ihn langsam von innen heraus auffraßen.
Langsam und genüsslich, so dass er jeden Biss in seinem Leib spüren konnte. Die Tiere fraßen ihn, in all seinen Träumen und genau so wie sie ihn in seinen Träumen langsam verschlagen, taten sie es auch in der Realität.
Egal wo er war, egal ob er schlief oder wach war, niemand gönnte ihm Ruhe vor den Höhlenqualen, am wenigsten er.
Es war früh am Morgen als Severus Snape die Augen öffnete. Müde drückte er seine Handballen in seinen Augenwinkel und rieb sich die Schläfrigkeit aus diesen.
Es ging ihm außergewöhnlich gut an diesem Tag, die Slytherins schliefen noch und so hatte er das Bad ausnahmsweise einmal für sich alleine.
Er griff nach seinem Morgenmantel, zog ihn sich über und lief in das Gemeinschafts Badezimmer.
Leise schloss er die Tür hinter sich, hob seinen Zauberstab und tippte mit diesem auf das Schlüsselloch. Das Schloss klickte und Severus atmete erleichtert auf.
Für Severus war die morgendliche Dusche ein reiner Hürdenlauf mit etlichen Fallgruben in die er immer wieder hinein stürzte, egal wie oft er schon in diese gefallen war.
War das Bad überfüllt von Slytherin-Schüler ließ er das Duschen völlig ausfallen. Viel zu viel Angst hatte er vor den Reaktionen seiner Mitschüler wenn sie seinen Körper, oder noch schlimmer, seinen Penis, sahen.
Severus fand nichts an seinen Körper wirklich attraktiv. Er war nicht einer von den Menschen die sich in ihren Augen schön fanden, nur weil ihm nichts Besseres einfiel.
So tief war er dann doch nicht gesunken, er musste sich nichts selbst vormachen nur um Glücklich zu sein.
Und, das musste Severus selbst zugeben, seine Augen hatten eher Ähnlichkeiten mit zwei fetten Mistkäfern, als mit dem Meer, wie die Augen eines bestimmten, widerwärtigen Menschen.
Natürlich hackte alle Welt auf seiner langen Nase herum, aber die war ihm egal. Sollten sie ihn doch als Nashorn bezeichnen, oder als 'Magersüchtiger Nasenbär'.
Severus ließ den Morgenmantel zu Boden gleiten und betrat die Dusche. Wie immer würdigte er seinen 'kleinen, krüppligen Begleiter' wie Severus ihn abschätzig nannte, keines Blickes.
Die warme Dusche war Balsam für seinen, von blauen Flecken übersäten, Körper. Eigentlich liebte er das Gefühl des warmen Wassers auf seinen sich, allerdings... Er konnte sich einfach nicht nackt ansehen.
Seine 10 minütige Katzenwäsche hatte er schnell hinter sich gebracht und er würde es noch schaffen, vor allen anderen zu Frühstücken.
Severus hatte sich seit seinem ersten Schuljahr ein beachtliches Wissen über die Geheimgänge der Schule angeeignet.
So konnte er wenigstens ab und zu den Rumtreibern und den anderen Schülern ausweichen, aber irgendwie schafften sie es immer wieder über ihn zu stolpern.
Ab und zu, wenn er etwas später als gewöhnlich erwachte, lief er direkt in die Küche um zu Frühstücken und nicht in die große Halle. Er fühlte sich einfach nicht wohl zwischen den ganzen Reinblütern. Überhaupt zwischen Menschen.
Er war eher der Einzelgänger.
Wie erwartet war außer ein paar Hufflepuffs, die ihn meistens eh in Frieden ließen, niemand in der Halle.
Erleichtert ließ er sich auf die harte Holzbank nieder und schnappte sich ein halbes Brötchen, welches er dünn mit Kräuterbutter beschmierte.
Severus war nicht magersüchtig, aber er hatte gelernt mit Essen sparsam umzugehen und nach einen halben Brötchen hatte er partout keinen Hunger mehr und sich mehr Essen hinein zu würgen nütze eh nichts außer das ihm noch schlechter wurde, als ihm eh schon war.
Er schob sich das Brötchen mit zwei großen Bissen hinunter, trank einen Schluck Milch und verließ die große Halle nach wenigen Minuten schon wieder.
Gerade noch Rechtzeitig; denn die ersten Schülergrüppchen betraten die große Halle, just in den Moment, wo Severus heraus geschlüpft war.
Auch Lily Evans war dabei gewesen. Ein Mädchen aus seiner Klasse, für die Severus schon lange eine Schwäche hatte.
Früher war er sogar mit ihr befreundet gewesen. Sie war der einzige die Severus weder für seine Herkunft, noch für sein schlechtes Aussehen beschimpfte.
Und sie war es auch gewesen, der Severus so vieles anvertraut hatte. Über seinen Vater, der seine Mutter und ihn schlug, über die ständigen Alpträume die ihn quälten und über das Gefühl nichts wert zu sein.
Heute bereute er es ihr soviel über sein Leben preisgegeben zu haben. Nun, da sie keine Freunde mehr waren, würde es nicht mehr lange dauern und es würde das ganze Schloss, einschließlich der Bilder und der Ritterrüstungen wissen, die sich über Severus lustig machen konnten.
Selbst die Lehrer unternahmen nichts mehr gegen die Angriffe auf Severus. Er konnte es ihnen nicht verübeln, sich waren schlichtweg überfordert mit der Situation und solange die Schüler Severus nicht so sehr verletzten das er im Krankenflügel landete, nahmen sie es hin.
Selbst Dumbledore hatte angefangen zu resignieren. Wahrscheinlich hatte er sich auch damit abgefunden, dass es immer einen Buhmann in der Schule geben musste.
Severus wusste auch, das die Lehrer sich teilweise über ihn lustig machten. Er hatte mit anhören müssen, wie sie ihn „Sonderbar“ und „Unansehnlich“ nannten.
Kein Wunder dass er das Vertrauen zu den Lehrern so früh schon verlor.
Nur eine Person versuchte immer wieder mit Severus zu reden, die Krankenschwester des Schlosses.
Vier Jahre war sie nun hier und versorgte kleinere und größere Wehwehchen, oder tröstete wenn wieder mal der Liebeskummer einen Schüler quälte.
Auch um ihn hatte sie sich schon gekümmert. Jedes Jahr, wenn die Schule wieder anfing, ging Severus zu ihr und ließ sich seine Wunden und Brüche heilen.
Eigentlich sprach er öfter mit ihr, als mit allen anderen Leuten. Mit ihr hatte er sogar richtige Gespräche.
Nicht diese, die die Lehrer mit ihm führten, aus reiner Höflichkeit oder der Schule wegen.
Nein, sie meinte es mit ihm ehrlich. Sie drängte ihn jedes Mal zu sagen, wer ihn wieder so zugerichtet hatte.
Meistens waren es James oder Sirius, ab und zu auch jemand anderes. Aber er konnte es ihr nicht sagen, auch wenn er es wollte.
Sie war es auch gewesene, der ihn angeboten hatte, etwas in den Sommerferien gemeinsam zu unternehmen.
Okay – sie hatte es nur gesagt weil sie jedes Jahr sah, was sein Vater immer mit ihm anstellte, aber so konnte er sich vorstellen, dass sie ihn wirklich mochte.
Er hatte schon ja sagen wollen, doch aus seinem Mund kam ein Nein.
Heute hatte er einen Termin bei seinem Rektor. Seit drei Wochen war er nun wieder auf der Schule, sein sechstes Jahr hatte begonnen und würde heute enden.
Er hatte alles unterschrieben, die Einverständniserklärung seiner Eltern und eine kleine Einzimmerwohnung, weit weg von der Magischen Gesellschaft, stand in Aussicht.
Drei Stunden vergangen als Severus mit wummerndem Herz vor dem Büro seines Schulleiters stand und zögernd an die Tür klopfte.
Als kein „herein“ ertönte wollte er sich schon umdrehen und einfach verschwinden, aber eine sanfte Stimme hinter ihm hielt ihn davon ab.
„Mein Junge. Kommen Sie doch rein“.
Die Tür öffnete sich von alleine und die Hand, die bis eben noch auf seiner Schulter lag, drängte ihn in den Raum.
„Setzt dich“, der Schulleiter deutete auf einen Sessel vor seinem Schreibtisch und ging um jenen herum um sich selbst auf seinen thronartigen Stuhl zu setzen.
„Ich habe von Professor Slughorn gehört dass Sie sich von der Schule abmelden wollen“
„Oh, eh, ja Professor, Sir, ich ehm.“, immer noch stand Severus da, wie ein verängstigtes Reh. Die Schultern schlaff herunter hängend, die Augen verdeckt durch ein Vorhang vom fettigen Haar.
Eine erneute Geste des Professor zeigte ihm, er solle sich doch bitte hinsetzen. Nun, er hatte gedacht er müsse nur die Papiere abgeben und könnte dann einfach nach Hause via Flohpulver.
Ganz langsam, wie in Zeitlupe, ließ sich Severus auf den Sessel gleiten und fingerte an den Papiere herum, die seine Schulabmeldung bestätigten.
„Ich habe mich gefragt, wieso Sie dass tun wollen. Sie sind ein begabter junger Zauberer und stehen auf allen Fächern auf einem Ohnegleichen. In Zaubertränke lehrt Professor Slughorn sie sogar den Stoff aus den Hochschulen“
„Das stimmt nicht“, sagte Severus zu dem Fußboden. „in Pflege magischer Geschöpfe stehe ich nur auf einem E“
„Und Sie wissen auch wieso. Ihre Schriftlichen Arbeiten sind allesamt hervorragend, nur ist gerade in diesem Unterrichtsfach die Teilnahme am Unterricht sehr wichtig.“
„Ich war immer da!“
„Natürlich warst du immer da. Aber du hast dich nie gemeldet auch wenn du es wusstest. Du hast dein Wissen lieber auf ein Stück Pergament nieder geschrieben und es dem Professor nach der Stunde in die Hand gedrückt.“
Nun hob Severus doch den Blick ,so hatte er doch nie vor gehabt mit dem Professor über seine schulische Laufbahn zu reden sondern um ihr Ende.
„Professor Dumbledore, ich habe hier die Einverständniserklärung meiner Eltern und vom Jugendamt und hier sind die Unterschrieben Sachen von mir. Ich hab alles gelesen und zur Kenntnis genommen, außerdem brauche ich noch Ihre Unterschrift“, er legte die drei Dokumente auf den Schreibtisch und schaute in Dumbledores blaue Augen.
„Wieso möchtest du die Schule verlassen?“
Severus erhob sich. Er hatte keine Lust auf die Spielchen seines Direktors. Er hatte seinen Entschluss getroffen, ob es Dumbledore gefiel oder nicht.
„Severus. Setz dich bitte“, aber er dachte gar nicht daran das zu tun, was dieser Narr von Zauberer ihm befahl. Er war nicht mehr befugt über ihn zu bestimmen, was hatte Severus also zu befürchten? Punktabzug für sein ach so edles Haus?
Er schlurfte zu Tür, als Dumbledore erneut die Stimme hob: „Weil du Angst hast?“, es war eine schlichte Frage die Severus zum stumm stehen bleiben bewog. Angst? Er hatte doch keine Angst.
„Oder, weil du gehofft hattest das du hier Freunde findest? Severus ich weiß wie schwer es -“
„Sie wissen gar nichts“, wutentbrannte drehte er sich zu dem Professor um, der immer noch auf diesen Thron saß, die langgliedrigen Finger ineinander verknotet.
„Sie haben von rein gar nichts eine Ahnung. Sitzen hier 'rum und spielen allen die heile Welt vor.“
„Das tue ich nicht, Severus. Ich weiß -“
„In dieser scheiß Schule herrscht doch der Krieg! Und wissen sie was? Ich habe keine Lust mehr von irgendwelchen idiotischen Gryfindoreheinis eins in die Fresse zu bekommen wie -“, Severus verstummte. Er hatte Dumbledore, so wütend er auch in diesen Moment war, nicht anfahren wollen. Er schämte sich und die Übelkeit, sein ständiger Begleiter, versuchte ihn zum übergeben zu animieren.
„Wie bei deinem Vater?“, fragte er schlicht, so als würde er sich nach den heutigen Wetter vorhersagen erkundigen.
Eine unangenehme Stille, die nur von dem Ticken der Wanduhr unterbrochen wurde, machte sich in dem Büro breit.
Severus, der sich noch eben aggressiv gefühlt hatte, spürte plötzlich wie ein drückendes Gefühl, welches nicht mit der ständigen Übelkeit zu tun hatte, auf seinen Magen lastete.
Professor Dumbledore hatte den Nagel sprichwörtlich auf den Kopf getroffen.
„Wo willst du den hin, Junge? Zu deinen Eltern? Du hast keine abgeschlossene Ausbildung und deine Eltern können dich nicht Finanziell unterstützen.
Es würde schon rein technisch nicht klappen. Davon einmal ganz abgesehen, dass du deine ungewöhnlichen Talente wegschmeißt“
„Ich soll mich also entscheiden ob ich hier eins auf die Mütze bekomme und meine Ausbildung beende, oder ob ich zu Hause eins auf die Mütze bekomme?“
„Ja…“
Nach dem Gespräch mit Albus Dumbledore fühlte Severus sich ausgelaugt und hungrig. Dumbledore hatte versprochen die Formulare nicht weg zuschmeißen, jedoch verlangt dass Severus dieses halbe Jahr noch beenden sollte und sie sich dann wieder trafen und gemeinsam überlegten, ob es doch sinnvoller wäre zu gehen.
Als Dumbledore dann aber versuchte über sein Privatleben zu sprechen, hatte Severus sofort abgeblockt und sich verabschiedet.
Er schlurfte die Treppen herunter die zum Büro des Rektors führte und machte sich auf den Weg zur Küche, wo er nun mehr als 5 Jahre sein Mittagessen gegessen hatte.
Manchmal fragte er sich, ob noch ein Schüler sooft in der Küche gewesen war wie er, kam aber dann immer wieder zu der Antwort: Garantiert nicht.
Der Vorteil in der Küche zu essen war jedoch groß. Die Hauselfen, die das Essen für die hunderte von Schülern und Lehrer kochten waren sehr hilfsbereit und erfüllten jeden Wunsch.
Wenn die Schüler oben wieder einmal über das eigentlich wirklich gute Essen jammerten (meistens geschah das Mittwochs, da es an diesem Tag fast immer Suppe gab) , fragte Severus einfach nach etwas anderem und es wurde ihm gemacht.
Gestern hatte er sich eigentlich im großen Stil von den Wesen verabschiedet, immerhin war er der Meinung gewesen er würde sie zum letzten Mal sehen, aber sie würden sich sicherlich freuen wenn er doch auftauchen würde.
Das waren auch die einzigen...
Die meisten Wesen würden schreiend weg rennen, nur bei der Androhung täglich vorbei zu kommen.
Er bog um die Ecke, zu einer der Rüstungen in den zumeist Peeves steckte, als ein leises Kichern ihn ablenkte.
Irritiert drehte Severus sich um... Keiner war da...
Er setzte seinen weg, etwas schneller, voran, als eine leise Stimme hinter seinem Ohr „Schniefelus“ raunte.
Sofort begann er zu rennen, kam allerdings nicht weit da er irgendwie über seine eigenen Füße gestolpert war, obwohl er schwören könnte dass da eben ein paar frei schwebende Schuhe zu sehen gewesen waren.
Er fiel direkt auf das Gesicht und als er sich umdrehte standen da plötzlich Potter und Co. Alle grinsten, nur der eine, Remus Lupin, runzelte die Stirn, und versuchte so wenig Aufmerksamkeit wie nur irgend möglich zu erregen.
Peter, ein kleiner, blonder, dicker Junge, begann laut zu lachen und zeigte mit seinen wurstähnlichen Finger auf Severus.
Sirius, der Schönling, zeigte seine geraden Zähne die einfach nur unverschämt weiß waren.
James tat es Sirius gleich. Natürlich. Das goldene Duo mit Anhang.
„Ts. ts. ts. Schniefelus. Hat dir deine Mami nicht das Laufen beigebracht?“, James Stimme war wie immer ruhig und überheblich.
Gleich würde es wieder anfangen und sicher nicht schön für ihn enden.
„Wahrscheinlich“, warf Sirius ein „Ist seine „Mami“ vor ihm schreiend davon gelaufen als Klein-Schniefelus auf sie zugetapert ist?“
„Rede nicht so über meiner Mutter“, zischte Severus und versuchte das hallende Lachen, von Peter irgendwie aus seinem Kopf heraus zu halten.
„Ohh, haben wir deine Gefühle verletzt? Das tut mir aber Leid.“
Noch immer auf dem Boden liegend, rappelte sich Severus auf, doch ehe er sich in eine halbwegs würdige Position begeben hatte, drückte ihn ein schwarzer Zauberstab sanft auf den Boden zurück.
Erst als er wieder lag, den Kopf leicht angehoben um wenigstens etwas zu sehen, steckte Black seinen Stab zurück in die Tasche.
James begann an seine Gürtel zu fummeln und dann...
Severus war nicht mehr in Hogwarts, er war irgendwo weit weg. Flog über die Alpen, ohne diese Angst, die ihn sonst bei einem Besenritt begleitete.
Er flog weit... immer weiter Richtung Süden. Die Bergspitzen waren voller Schnee und Severus hätte ihn gerne berührt.
Schon als Kind hatte er den Winter immer dem Sommer vorgezogen. Ihm machte Kälte nichts aus, hingegen Hitze ihn in den Wahnsinn treiben konnte
Ein brennender Schmerz brachte ihn zurück in die Realität, als die kalten Fäuste immer wieder sein Gesicht taktierten.
Seine Hände lagen unbrauchbar zusammengebunden mit Potters teurem Gürtel über seinem Kopf. Er wollte einfach nur noch ohnmächtig werden, damit die Schmerzen aufhörten.
Das Blut floss über sein Gesicht. Es war heiß und schmeckte nach Metall.
Irgendwann waren die Schmerzen keine Schmerzen mehr, sondern ein Heilmittel gegen seine Übelkeit.
Severus schrie nicht mehr, lag einfach nur still da.
James war es, der als erstes die Lust verlor und vorschlug Severus doch noch einmal entkommen zu lassen.
„Einfach so?“, fragte Peter und blickte enttäuscht auf Severus.
Diese Ratte geilte sich einfach immer am Leid anderer auf und freute sich, wenn es nicht ihn traf. Er hätte genauso gut an Severus´ Stelle sein können und Severus an seiner, doch niemals, nie, hätte er gefragt „einfach so?“.
Es wurde einen Moment ruhig, ehe Sirius die Stimme erhob. „Hast du gehört Schniefelus? Du solltest Krone dankbar sein dass er dich einfach so davon kommen lässt. Ich für meinen Teil...“, er ließ den Satz ausklingen, was sicher noch mehr Angst in Severus schnüren sollte und wie immer gelang es Sirius.
James ging in die Knie und löste die Fessel, die er so leicht um seine Handgelenke schlingen konnte.
Anstatt sich wieder zu erheben, rückte James näher an Severus heran, so das er dessen Atem an seinen Ohr spürte.
„Nächstes Mal“, hauchte er „werden wir andere Register ziehen. Sei Morgen um Mitternacht in der Eulerei. Keine Sekunde später, oder es werden noch viel schlimmere Sachen passieren als eh schon...“
Endlich waren sie weg. Ganz langsam setzte Severus sich auf und tastete sein geschundenes Gesicht ab. Schon jetzt fühlte es sich geschwollen an und das Blut, welches an seinen Händen klebte ließ alles um einiges dramatischer erscheinen als es eh schon war.
Wie lange die vier Jungen auf ihn eingeprügelt hatten wusste Severus nicht, sicherlich nicht lange. Vielleicht Zwanzig Minuten. Jeder Fünf Minuten lang.
Wobei, der Dicke hatte nicht soviel Ausdauer und seine Schläge waren lachhaft und unkontrolliert, was sie leider jedoch auch gefährlich werden ließ.
Morgen um Mitternacht würde er sterben, sagte Severus sich immer wieder, während er in Nachmittagsunterricht saß.
Seine Verletzungen waren, Dank seiner selbst gebrauten Heiltränke, verschwunden und nur ein kleiner blauer Fleck, der über seiner rechten Augenbraue schillerte, zeugte von der Tat vor wenigen Stunden.
Wegen solcher kleinen Zwischenfälle ging Severus erst gar nicht mehr in den Krankenflügel. Das Blut konnte er ganz gut alleine wegwischen und die Heiltranklehre hatte er schon in seinem zweiten Jahr perfektioniert und auf die Fragen von Madam Pomfrey hatte er nun wirklich keine Lust.
Er machte sich ein paar Notizen über das Verhalten des Borkenkäfers während der Verwandlung in eine ansehnliche Brosche, kam aber zu dem Schluss das es überaus langweilig war dies zu studieren.
Der Sinn dieser Aufgabe, so McGonagall, war, dass sich der Käfer in etwa so wie der Mensch und jedes andere Lebenswesen verhielt und sie viel darüber erfahren konnten, was der Zauberer der sich verwandelte, durchmachen musste.
Severus empfand das als Unsinn. Der Borkenkäfer verhielt sich bei einer Verwandlung ganz anders als ein Frosch und ein Frosch verhielt sich wiederum anders als ein Mensch.
Außerdem konnte kein Zauberer dieser Welt, sich selbst, oder ein anderes Lebenswesen, das über 20 Zentimeter groß war in einer Brosche verwandeln und auch wenn man es könnte, wer würde dass tun wollen?
Sein Blick wanderte zu Lily Evans, die an ihren Kugelschreiber lutschte. Genau wie Severus hatte sie sich nie an die Federn, die man andauernd in Tinte eintunken musste, gewöhnt.
Severus hatte neulich, beim Sportunterricht, mitbekommen, wie zwei Mädchen sich darüber unterhielten, dass Potter es tatsächlich geschafft und ein Date mit ihr „klar gemacht“ hatte. Hochverrat! Sie hatte es ihm geschworen. Noch in der ersten Klasse. Auch wenn sie sich hassen würden, was Lily ja tat, würde sie niemals mit diesem Mann ausgehen.
Severus konnte einfach nur hoffen, dass es nicht mehr war, als ein Gerücht.
Es war Abend geworden, als Lily Evans, bepackt mit einem Stapel Bücher in den Gemeinschaftsraum taumelte, in Begleitung von Remus Lupin, der eben so viele Bücher balancierte wie Lily.
„...ich hab es dir tausendmal gesagt, Remus, und ich werde es dir auch noch tausendmal sagen, dass du dir nicht immer alles gefallen lassen sollst.“
„Sie sind meine Freunde“, erwiderte er schlicht und ließ die Bücher auf den Tisch fallen. „Wenn es deine Freunde wären, würden sie dich nicht zwingen zu Lügen.“
„Mein Gott Lily. Ich hab denen doch kein falsches Alibi bei einem Mordfall gegeben, ich hab einfach nur gesagt dass...“
„Es geht ums Prinzip!“
Remus erwiderte mit einem leisen Seufzer, es nütze doch nicht mit Lily über seine Loyalität zu diskutieren.
James, Sirius und auch Peter, waren seine ersten richtigen Freunde gewesen und auch wenn die Drei ab und zu Dinge taten, die Remus alles andere als gut hieß, würde er sie nicht verraten.
Er öffnete eines der dicken Bücher und suchte das Inhaltsverzeichnis nach Informationen über Runenkunde.
Wenig später kamen Sirius und James in den Raum, die sich nicht weit von ihnen setzten und begannen wie zwei Kinder zu tuscheln, die den Plan ausheckten, den Weihnachtsmann zu überfallen.
Immer wieder hörte man gedämpftes lachen zu ihnen herüber wehen und Lily hätte schwören können, den Namen Severus gehört zu haben.
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