
von hbr_01
Kapitel II â Es lĂ€sst mich vergessen
Es lÀsst mich einen Moment lang alles vergessen
âJa die kam mir schon von Anfang an so komisch vorâ, erzĂ€hlte Pavati, als Hermine im Schlafzimmer der MĂ€dchen auf Emilia zu sprechen kam.
Lavender setzte sich zwischen Pavati und Ginny nieder, um an der Konversation teilzunehmen.
âSandra hat mir erzĂ€hlt, dass sie sie mit einem Jungen aus dem MĂ€dchenklo gekommen hat sehen. Ich wette da ist Nichts Jugendfreies vor sich gegangen!â
Pavati schĂŒttelte entsetzt den Kopf.
âDie hat doch wohl nicht alle Tassen im Schrank!â
âAch Sandra sieht ziemlich vieles, wenn der Tag lang istâ, pflichtete Ginny bei und seufzte. âVielleicht hat sie einfach schwerwiegende Probleme?â
âOder sie ist einfach nur komplett durch geknalltâ, zuckte Lavender mit den Schultern und Pavati warf ihr einen zustimmenden Blick zu.
âJa das glaube ich auch. Ich meine rauchen und trinken am Schulhof, obwohl am nĂ€chsten Tag Unterricht ist? Das wĂŒrde nicht einmal mir einfallenâ, sagte Pavati.
Obwohl das GesprÀch noch weiter ging, klinkte Hermine sich aus und kramte ein Buch aus ihrem Koffer. Sie versuchte einfach nicht mehr an Emilia zu denken.
Wenn Hermine sie noch einmal mit einer Zigarette erwischen sollte, wĂŒrde sie sie auf jeden Fall den VertrauensschĂŒlern melden. Damit hatte sich das Thema fĂŒr sie abgeschlossen.
Es war bald Wochenende und Hermine wollte nicht den Tag damit abschlieĂen an Emilia zu denken. Sie schien Probleme zu haben, die Hermine weder etwas angingen, noch interessieren sollten. Aber komischerweise taten sie das. Sie wollte wissen, warum das MĂ€dchen so kalt war.
Emilia Moon setzte sich neben sie. Diesmal in Verteidigung gegen Dunkle KĂŒnste. Dieses und ZaubertrĂ€nke waren die einzigen FĂ€cher, die sie gemeinsam mit Slytherin hatten.
Hermines Miene verdunkelte sich und sie konnte im Augenwinkel erkennen, wie Ron die Augenbrauen hob und etwas mit Harry zu flĂŒstern begann.
Obwohl Hermine etwas sagen wollte, schienen ihr erneut keine Worte ĂŒber die Lippen zu kommen. Sie wollte Emilia sagen, dass sie sich gefĂ€lligst einen anderen Platz suchen sollte. Aber sie tat es nicht, sondern schwieg stattdessen.
Ihr Blick fiel unauffÀllig auf das MÀdchen neben ihr. An ihren Augen waren Augenrinnen zu erkennen und ihr Gesichtsausdruck schien erneut ausdruckslos zu sein. Ihre Lippen waren aneinander gepresst und ihre, sonst glatten, Haare ungewöhnlich zerzaust.
Hermine wandte ihren Blick wieder von Emilia ab und richtete ihre Aufmerksamkeit ihrem Buch zu. Sie verstand einfach nicht, warum sie sich immer neben sie setzte, obwohl noch so viele PlÀtze frei waren.
Der Unterricht verlief ziemlich ungewohnt. Eigentlich war Hermine diejenige, die sich die meiste Zeit am Unterricht beteiligten, aber Emilia war auch nicht gerade untĂ€tig. Sie schien eine Zielscheibe der Lehrer geworden zu sein. Was aber Hermine ziemlich faszinierte war, dass Emilia immer eine perfekte Antwort auf die Frage der Lehrer hatte und das auch noch ohne eine Sekunde nachdenken zu mĂŒssen.
Also beantwortete sie auch dieses Mal alle Fragen die ihr gestellt wurden und Hermines eifriges Aufzeigen wurde in den Hintergrund gestellt.
Nach dem Unterricht beobachtete sie, wie Emilia als Erste das Klassenzimmer verlieĂ.
âDie ist ja komischâ, hörte Hermine Ron plötzlich sagen. Harry und er hatten sich zu ihr gestellt und warteten darauf, dass sie zusammenpackte.
âKönnten wir vielleicht aufhören von ihr zu sprechen?â, fragte Hermine etwas genervt und Ron zog seine Augenbrauen etwas zusammen.
âJa, aber findest du es nicht komisch, dass ihr euch offensichtlich nicht leiden könnt und sie sich dann trotzdem zu dir setzt?â
âJa, Ronald. Könnten wir jetzt das Thema wechseln?â
Ron zuckte mit den Achseln und folgte Hermine und Harry aus dem Klassenzimmer. Heute war Freitag und ihre letzte Stunde war gerade zu Ende.
âWie wĂ€re es heute mit Hogsmeade?â, fragte Harry und fuhr sich durch seine schwarzen Haare. Hermine warf ihn einen dankenden Blick zu.
âJa, klar, manâ, grinste Ron und nahm Hermines Hand. âIch habâ schon ganz vergessen wie Butterbier schmecktâ
Die drei Besen.
Hermine hatte das Lokal viel schöner und platzreicher in Erinnerung. Sie hatten sich an einen Tisch gesetzt, welches schon voll mit anderen SchĂŒlern war. Darunter befanden sich auch Seamus, Dean, Pavati und Lavender. Ginny hatte sich auf Harrys SchoĂ gesetzt, weil sonst kein Platz mehr frei war und Hermine stand neben Ron. Nicht weil er ihr nicht seinen Sessel angeboten hĂ€tte, sondern sie hatte einfach keine Lust zu sitzen. Das Lokal war unbeschreiblich voll und von jedem Tisch hörte man irgendwelchen GebrĂŒll oder SchĂŒler, die sich lautstark unterhielten.
Hermine wurde jedes Mal von vorbeigehenden Personen angerempelt und selbst der Kellner tat sich schwer, sich durch die Masse zu drÀngen.
Hermines Blick schweifte ĂŒber die Menge, als sie plötzlich an Emilia hĂ€ngen blieb, die an die Wand gelehnt stand und ein Butterbier in der Hand hielt.
Sie trug einen kurzen Rock, darunter Leggings und ihre enge Bluse betonte ihren zierlichen Körper. Ihre dunkelbraunen langen Haare waren wieder glatt und Hermine fiel auf, wie hĂŒbsch sie eigentlich war. Sie hatte eine Stubsnase und unnatĂŒrlich schön geformte Lippen.
Ihre Haare reichten ihr bis zum Dekolleté und ihre Augen hatten einen Blauton, den Hermine bis jetzt noch nie gesehen hatte.
Sie waren dunkelblau, aber wenn Licht auf sie fiel (so wie in diesem Fall) reichten sie ins grau-blaue.
Doch plötzlich merkte Hermine, wie ihre Blicke sich trafen und sie drehte sich so schnell sie konnte von ihr weg.
âHermine? Was sagst du dazu?â
âWozu?â
Ginny seufzte. âHast du etwa nicht zugehört?â
âNein, tut mir leidâ
âDas wir uns nach der Schule immer eine Stunde zusammensitzen und HausĂŒbungen machen. Ich meine, so macht sie jeder und so manche â ihr Blick war auf Ron gerichtet â wĂŒrden sich nicht immer an deinen bedienenâ
Ron verzog sein Gesicht. âDas hab ich dieses Jahr noch gar nicht gemacht!â
âJaah, weil wir noch Nichts aufbekommen habenâ, grinste Harry und auch Hermine bildete sich ein LĂ€cheln auf den Lippen.
Ron verschrĂ€nkte beleidigt die Arme vor der Brust. Hermine nahm seine Hand und drĂŒckte sie leicht.
âOkay ich werde dieses Jahr versuchen so wenig wie möglich HausĂŒbungen abzuschreibenâ, kam kurz darauf seine Einsicht und nahm einen Schluck von seinem Butterbier.
Durch die vielen Menschen im Lokal war die Luft ziemlich stickig und Hermine wurde ein bisschen schwindlig.
âIch gehe kurz an die frische Luftâ, verkĂŒndete Hermine.
âIst dir schlecht? Soll ich mitgehen?â, fragte Ron und Hermine schĂŒttelte den Kopf.
âNein, ich komme gleich wiederâ
Nach diesen Worten kĂ€mpfte sie sich durch die Menschenmasse und es schien ihr wie eine Ewigkeit, bis sie endlich die TĂŒr erreichte und gierig nach der frischen Luft schnappte. Sie lehnte sich seufzend gegen die AuĂenwand der drei Besen schloss ihre Augen. Doch plötzlich hörte sie, wie die TĂŒr auffiel und sah wie Emilia aus dem Lokal schwankte. In ihrer Hand hielt sie eine Vodkaflasche und in ihrer anderen war ein leeres Butterbierglas. Emilia tat ungeschickt ein paar Schritte nach vorne und lieĂ unabsichtlich ihr Glas auf den Boden fallen, welches auf der Stelle in StĂŒcke zerfiel.
âVerdammtâ, hörte Hermine sie sagen.
Emilia war anscheinend sturzbetrunken. Ihre Schminke war etwas verlaufen â man konnte sehen, dass sie geweint hatte.
Emilia ignorierte das Glas und ging weiter voran. Hermine wusste zwar nicht wieso, aber sie folgte ihr unauffĂ€llig, bis Emilia sich gegen einen Baum stĂŒtzte und einen Schluck von ihrer Flasche nahm.
Hermine schĂŒttelte bloĂ unglĂ€ubig den Kopf. Sie konnte nicht glauben, was sich gerade vor ihr abspielte. Hatte sie etwa vor sich ins Koma zu trinken? Falls ja, schien sie erfolgreich zu sein. Sie wusste zwar nicht, was sie dazu geritten hatte, aber sie ging auf sie zu und nahm ihr die Flasche aus der Hand.
âMeinst du nicht, du hattest genug?â, fragte Hermine dann und Emilias Gesicht verfinsterte sich.
âMeinst du nicht, dass du mich endlich einmal in Ruhe lassen solltest?â, stellte sie eine Gegenfrage und versuche wieder nach ihrer Flasche zu schnappen.
âEs ist gefĂ€hrlich in deinem Zustand noch herumzulaufen. Du solltest in den KrankenflĂŒgelâ Hermine ignorierte Emilias Aussage und sie sah, wie das MĂ€dchen die Augen verdrehte.
Emilias Mundwinkel zuckten und sie beugte sich leicht zu Hermine hervor. âUnd du solltest endlich lernen dich aus Angelegenheiten anderer heraus zu haltenâ
âDas wĂŒrde ich ja gerne, wenn du es nicht darauf anlegen wĂŒrdestâ, fauchte Hermine beinahe schon.
Emilia verdrehte die Augen und schnappte mit einer gekonnten Handbewegung die Flasche aus Hermines Hand. âWie auch immerâ
Provokant nahm sie einen weiteren (ziemlich groĂen) Schluck und stieĂ sich vom Baum ab.
âGlaubst wahrscheinlich ich bin verrĂŒckt, nicht wahr?â, hörte Hermine sie sagen, als sie gerade weggehen wollte.
Sie drehte sich erstaunt um, antwortete aber nicht.
âIst doch so Hermineâ
Sie zuckte etwas zusammen, als Emilia ihren Namen aussprach.
âNein, ich glaube du hast Problemeâ, antwortete sie dann schlieĂlich.
âWenn du nur wĂŒsstestâ, murmelte sie dann und warf die Flasche in das GebĂŒsch neben ihr.
âProbleme lassen sich durch Alkohol nicht lösenâ
âDas Stimmtâ
âWieso trinkst du dann?â
âEs lĂ€sst mich vergessenâ, sagte sie. âEs lĂ€sst mich einen Moment lang alles vergessenâ
âWas vergessen?â, wollte Hermine wissen, doch Emilia antwortete nicht. Es bildete sich bloĂ ein Grinsen auf ihren Lippen und ihre blauen Augen funkelten Hermine an.
Es schien als wĂŒrde langsam eine TrĂ€nenwand Emilias Augen zu verdecken.
Ihr LĂ€cheln hielt sie auch nicht mehr lange aufrecht. âDu solltest zurĂŒck. Deine Freunde warten bestimmt schonâ
Doch bevor Hermine noch etwas sagen konnte, war Emilia schon verschwunden.
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