
von hbr_01
Kapitel IV – Schritt für Schritt
„Hallo“
Es war das wohl gewöhnlichste Wort auf dieser Welt, aber dennoch ließ dieses Hermine zusammenzucken.
Denn es kam von einer Person, von der sie es nicht erwartet hätte. Zum ersten Mal, als sich Emilia zu ihr setzte, kam ein leises „Hallo“ über ihre Lippen.
Hermine wusste nicht ganz wie sie reagieren sollte und lächelte ihr deswegen nur unsicher zu. Die Zaubertränke Stunde verging ansonsten ganz gewöhnlich, außer dass Snape Hermine und Emilia einen besonderen Lob aussprach (was er sonst eigentlich niemals tat), dass sie die Einzigen waren, die den Trank einwandfrei gebraut hatten.
Nach der Stunde trennten sich ihre Wege und Hermine versuchte es mit einem leisen „Tschüss“, wobei kein Ton von Emilia zurückkam.
Das Mädchen war wirklich außergewöhnlich, aber genau das schien sie so interessant zu machen. Hermine wollte sie kennenlernen. Es war eigentlich mehr ein Drang, als ihr eigener Wille.
Hermine und Ginny saßen am Gryffindor Tisch und aßen zu Abend, als sich Hermines und Emilias Blicke trafen. Sie sahen sie einige Sekunden lang an, bis Hermine wieder auf ihr Essen starrte.
„Sag Mal, Hermine. Ist bei dir und Ron alles in Ordnung?“, fragte Ginny plötzlich und Hermine verschluckte sich beinahe an ihrem Kürbissaft.
„Ja natürlich. Wieso fragst du?“
„Ja weil ihr kaum mehr was miteinander macht. Ihr seid nicht einmal gemeinsam beim Essen“, stellte Ginny fest und Hermine sah sich reflexartig um.
Sie hatte Recht und das Schlimmste dabei war, dass Hermine es nicht einmal wahr genommen hatte.
„Es ist momentan etwas komisch, du hast Recht. Aber mach dir keine Sorgen Ginny“
„Natürlich mache ich mir Sorgen. Ich meine, nach Jahren habt ihr endlich zusammengefunden und ich kann nicht zusehen, wie ihr euch trennt“
Hermine verdrehte die Augen und legte ihre Hand um Ginnys Schulter.
„Wir trennen uns doch nicht Ginny. Das ist nur eine Phase, die vergeht bestimmt bald wieder, okay? Mach dir keine Sorgen deswegen“
Ihre Stimme klang so, als müsste Hermine nicht nur Ginny, sondern auch sich selbst davon überzeugen. Aber sie hatte Recht.
Schließlich liebte sie Ron und sie hatten schon so viel miteinander durch gemacht, dass sie so schnell nichts trennen würde.
Trotzdem beschloss sie nach dem Essen wieder an den See zu gehen, anstatt sich mit Ron zu treffen. Morgen würde sie mit ihm reden. Sie selbst wollte doch auch, dass alles wieder in Ordnung wird, obwohl nicht gerade viel schiefging, außer dass sie kaum Zeit miteinander verbrachten.
Doch als Hermine an ihren Lieblingsplatz ankam, saß Emilia schon dort. Anstatt einer Zigarette, hielt sie ein Buch in der Hand. Sie hatte sich ein wenig nach unten gebeugt und Hermine beobachtete, wie sie vorsichtig umblätterte, als wäre das Buch etwas unheimlich Wichtiges.
Ohne zu überlegen, setzte sie sich neben sie nieder und begrüßte sie leise.
„Kennst du das Gefühl, wenn du unbedingt aus der Realität flüchten möchtest? Ich stelle mir manchmal vor, mein Leben wäre wie ein Buch, dass von jemand anderen geschrieben wird. Also hat alles was passiert hat einen Grund, den man erst am Ende erfährt, verstehst du?“
Emilias Stimme klang niedergeschlagen und sie legte ihr Buch zur Seite.
Hermine nickte und seufzte. „Was liest du da?“
Emilia zuckte bloß mit den Achseln. „Nichts Wichtiges“
Der Wind schlug Hermine plötzlich ins Gesicht und sie verzog ihre Miene. Es scheint langsam ein Gewitter aufzukommen. Zwar war noch kein Donnern zu hören, aber der Himmel hatte sich bereits stark verdunkelt.
„Angst vor Unwetter?“, fragte Emilia plötzlich und Hermine schüttelte den Kopf.
„Nein wieso?“
„Du siehst besorgt aus“
„Das hat Nichts mit dem Wetter zu tun“, gab sie zu und seufzte. Ja sie war ein wenig besorgt über Ron und sie. Sie wollte auf keinen Fall, dass sie sich auseinanderlebten. Schließlich gehörten sie zusammen, das wusste Hermine.
Plötzlich sah sie, wie Emilia ihr eine Flasche hinhielt, jedoch lehnte sie ab.
Emilia zuckte mit den Achseln und nahm selbst einen Schluck.
„Du schadest deinem Körper mit dem Trinken und Rauchen“, sagte Hermine.
Emilia grinste sie bloß an. „Ach, tatsächlich?“
„Das macht dir wohl nicht viel aus, oder?“
„Was glaubst du?“
Hermine wusste nicht so recht, was sie darauf antworten sollte und sagte deswegen Nichts. Sie spürte plötzlich kleine Regentröpfchen auf ihrer Nase und noch bevor sie aufstehen konnte, fing es stark zu regnen an.
„Oh verflixt“, hörte sie sich selbst sagen und sprang auf.
„Verflixt?“, lachte Emilia und gab das Buch unter ihren Mantel, der zur Schuluniform gehörte.
„Was ist?“
„Niemand sagt mehr ‚verflixt‘“
„Ich schon“, erwiderte Hermine und hielt ihren Mantel über ihren Kopf.
Sie standen beide unter dem Baum, was nicht die allerbeste Idee war, denn falls es zu blitzen begann, war ihr Unterschlupf wohl nicht so brilliant.
Trotzdem spürte Hermine schon nach wenigen Minuten, wie ihre Kleidung langsam nass wurde. Ihr Blick fiel auf Emilia, deren Haare schon komplett durchnässt waren.
Sie stand gelassen da und Hermine musste zugeben, dass sie selbst klitschnass wirklich hübsch war. Ein Lächeln überzog ihre roten Lippen und sie sah Hermine fragend an.
„Möchtest du nicht zurück ins Schloss?“
„Da werde ich ganz nass“
„Das bist du doch jetzt schon“
Emilia hatte Recht, aber sie wollte trotzdem hier bleiben. Sie wollte es zwar nicht wirklich zugeben, aber sie war sich sicher, dass sie wegen Emilia bleiben wollte.
„Man hört ziemlich Vieles über dich im Gemeinschaftsraum der Slytherins“, begann Emilia plötzlich.
Hermine sah sie fragend an. „Was zum Beispiel?“
„Nichts Besonderes“
Hermine hob die Augenbrauen. „Warum fängst du dann damit an?“
„Ich wollte mir meine eigene Meinung bilden“
„Wovon sprichst du?“
„Vieles stimmt zu. Aber es gibt vieles, was sie nicht an dir sehen“, redete sie weiter und Hermine spürte plötzlich, wie sie mit ihrem Finger langsam über Hermines Wange strich.
Hermine stand mit offenem Mund da und fühlte sich wie angewurzelt.
„A…ach ja?“, stammelte sie beinahe schon.
Emilia nickte und machte einen Schritt auf sie zu. Beinahe panisch verschränkte Hermine die Arme vor der Brust, damit wenigstens so viel Abstand zwischen ihnen blieb. Was zum Teufel war eigentlich los?
Hermine bräuchte lediglich nur einen Schritt zurück zu machen, aber sie tat es nicht.
Stattdessen schluckte sie und sah Emilia erwartend an.
Sie sah ihr direkt in die Augen und sie schien beinahe in ihnen zu versinken. Das Blau sah aus wie der Ozean und Hermines Atem beschleunigte sich.
Doch plötzlich katapultierte ein lautes Donnern sie wieder zurück zur Vernunft und sie trat einen Schritt von Emilia weg.
„Wir sollten zurück ins Schloss“
„Ja, dass sollten wir wohl“
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