Gestrandet - IX
von Aereth
MrsLovett: Vielen Dank für dein Lob, freut mich sehr, dass dir die Geschichte gefällt :)
IX
Es war bereits später Nachmittag. Neville und Hermine waren seit heute Morgen in der Hütte am Fluss und brachten sie ein wenig auf Vordermann. „Was läuft da eigentlich?“, platze es aus Neville plötzlich heraus. Er hörte auf zu kehren und starrte Hermine wartend an. Sie sah verwirrt zu ihrem sonst so zurückhaltenden Freund. „Was meinst du?“, fragte sie vorsichtig. „Ich meine Snape“, erwiderte er anklagend, „Du bist ständig in seiner Nähe und ich meine nicht nur, wenn es gerade nicht anders geht.“ „Ach Neville“, sagte Hermine mit einer beschwichtigenden Miene, „Severus ist gar nicht,“ „Severus?“, unterbracht sie Neville mit verständnislosem Ausdruck im Gesicht.
Hermine lief von einem Moment auf den anderen rot an, als sie merkte welchen Patzer sie sich da gerade erlaubt hatte. „Na ja, die Leute hier halten mich doch für seine Frau. Da wäre es schon merkwürdig, wenn ich ihn Professor Snape nennen würde, oder?“, rechtfertiget sie sich. Die Erklärung schien einleuchtend, so dass Neville sich nicht weiter wunderte. „Hör zu Neville“, sagte sie nun bestimmt, „mag sein, dass es für dich, Harry, Ron und wahrscheinlich jedem anderen unglaublich vorkommt, aber ich mag ihn und ich bin auch gerne in seiner Gesellschaft. Wenn das ein Problem für dich ist, dann tut es mir Leid.“ Sie hatte sich in Rage geredet und funkelte ihr Gegenüber nun wütend an. Das einzige was Neville noch herausbrachte war stummes nicken.
„Wo ist er eigentlich hin?“, fragte er nach einer Weile wieder, als er mit dem Kehren fertig war. „Ich weiß nicht, als ich heute Morgen aufgewacht bin, war er schon weg“, antwortete Hermine. Ein leises Räuspern ließ beide bei ihrer Arbeit inne halten. In der offenen Tür stand Mary mit einem großen Korb in der Hand. „Hallo Mary“, begrüßte sie Neville schüchtern. „Hallo Neville“, antwortete sie und starrte verlegen auf den Boden. Es herrschte für einen Augenblick eine peinliche Stille in dem Raum. Hermine hatte sie aufmerksam beobachtet und ein leichtes Grinsen schlich ihr über die Lippen, bevor die beschloss die Situation ein wenig zu entschärfen. „Was hast du da?“, fragte sie.
„Oh, ich habe euch etwas zu Essen mitgebracht“, erklärte Mary und hob den Korb an. Sie stellte ihn auf den Tisch und stand nun etwas unbeholfen da. „Möchtest du uns nicht etwas Gesellschaft leisten?“, fragte Hermine und hoffte insgeheim, dass sie bleiben würde, um nicht mehr mit Neville über ihre Beziehung zu Severus sprechen zu müssen. „Ja, gern“, antwortete sie und nickte froh.
Sie setzten sich gerade an den Tisch und packten den Korb aus, als die Eingangstür ruckartig aufflog. Mary war sofort wieder aufgestanden und auch Neville war erschrocken zusammen gefahren. Sie warf dem grimmigen, neuen Hausbesitzer, der so schwungvoll hereingeplatzt war einen ängstlichen Blick zu. „Ich sollte doch lieber gehen“, murmelte sie und verließ eilig das Haus. Hermine fing sich einen finsteren Blick von Neville ein. „Guck nicht so, das ist schließlich nicht meine Schuld“, zischte sie ihm zu.
Severus stellte den Korb, den er bei sich hatte, auf den Boden und drehte sich um. Direkt vor ihm stand plötzlich Hermine, sie stemmte ihre Hände in die Hüften und sah ihn mit einem unerklärlichen Gesichtsausdruck an. „Wo warst du?“, wollte sie wissen und hatte ihre Stimme erhoben. Sie sprach kaum so laut, dass man es als unhöflich hätte bezeichnen können, aber lauter und mit einem Nachdruck, den sich kaum ein Schüler dem finsteren Professor gegenüber erlaubt hätte.
Severus hob eine Augenbraue, dann schaute er über Hermines Schulter zu Neville, der gebannt auf seine Schuhe starrte und es nicht wagte die beiden anzusehen. „Ich habe einige Zutaten für das Destillat besorgt um das Holz für die Zauberstäbe zu reinigen und da ihr hier einscheinend sowieso nur ein Kaffeekränzchen abhaltet, kannst du mir dann auch beim Brauen helfen“, sagte Severus mit herablassender Stimme. Hermine, die mit dem Rücken zu Neville stand, lächelte ihren Gegenüber an und nickte nur.
Severus hob den Korb wieder auf und ging die Treppe hinauf. „Wir brauen oben, es muss ja nicht jeder, der hier reinkommt sehen, was da im Kessel brodelt“, sagte er. Neville schaute endlich auf, als er sich sicher war, dass Snape oben verschwunden war. Sein Blick wanderte zu Hermine, die sich das fröhliche Grinsen noch immer nicht aus dem Gesicht wischen konnte. „Du bist echt unglaublich“, sagte Neville und schüttelte den Kopf. „Ich hab noch nie vorher ein Zauberstabdestillat gebraut“, erwiderte sie ihm und ging nach oben.
Sie lief die stämmige Holztreppe in den langen Flur hinauf. Am Ende des Flurs stand die Tür zum letzten Zimmer offen. Severus stellte den Korb auf einem langen Tisch ab, als Hermine herein kam. „Wo hast du denn diesen riesigen Kessel her?“, fragte sie erstaunt und ging auf den Tisch zu, auf dem der besagte Kessel stand.
„Den hab ich von den MacNeils“, erklärte Severus. „Von wem?“ Hermine sah ihn verwirrt an. „Der Mann, den du bei der Hochzeitsfeier zusammengeflickt hast“, erwiderte ihr Severus, „Sie wollten sich irgendwie erkenntlich zeigen und da hab ich mir gedacht, dass so ein Kessel momentan genau das richte für uns wär‘.“
Hermine zog den Korb zu sich heran und begann ihn auszuräumen. „Wolfskraut, Fingerhut, Sichelkappen, Treuwurz“, murmelte sie die Namen, der Gegenstände, die sie herauszog und auf dem Tisch ablegte, vor sich her. „Du warst in dem Wald“, sagte sie. „Ja, wo anders hätte ich all die Zutaten wohl kaum herbekommen“, antwortete Severus ohne auf ihren anklagenden Tonfall einzugehen. „Warum bist du alleine gegangen? Das ist gefährlich“, wollte Hermine wissen. „Genau deswegen“, sagte er ruhig und legte ihr eine Hand um die Taille.
Sie fühlte sich übergangen und räumte mit noch immer beleidigter Miene den Korb weiter aus. „Du kannst schon mal alles klein schneiden“, sagte Severus als der Korb leer war. Hermine nahm das kleine Messer, das er bereit gelegte hatte und schnitt die Zutaten klein, während er den Kessel am Fluss mit Wasser füllte. „Komm runter, wenn du fertig bist“, rief er ihr von unten entgegen, „Feuer können wir da oben wohl leider keins machen.“
Sie legte alles wieder vorsichtig in den Korb, und ging damit runter. Neville war nicht mehr in der Küche und Severus hatte gerade das Feuer im Ofen angezündet und den Kessel drauf gestellte. „So jetzt gib eine Hand voll Sichelkappen in den Kessel“, wies er sie weiter an, „wenn sich der Sud blau färbt, müssen sofort die Lupinen hinein.“ Hermine folgte genau den Anweisungen und tatsächlich hatte sich das Wasser in Verbindung mit den kleingehackten Pilzen nach wenigen Minuten blau gefärbt, worauf sie die Lupinen dazugab. „Drei mal im Uhrzeigersinn umrühren“, sagte er jetzt. Er stand direkt neben ihr und drückte ihr einen Holzlöffel in die Hand. Sie rührte um, wie er es gesagt hatte, dann gab Severus eine Handvoll Wolfskraut dazu. Der Sud im inneren des Kessels fing an zu zischen und grünlicher Rauch stieg auf.
„Das Destillat muss jetzt 24 Stunden abkühlen, bevor wir den Rest dazugeben können“, erklärte Severus, „Die Reihenfolge in der man die anderen Zutaten dazugibt ist unwichtig, es ist nur wichtig, dass zwischen jeder Zutat genau 10 Minuten vergehen.“ „Du wirst das Destillat alleine fertig brauen“, sagte Severus nach einer Weile. „Warum? Wo willst du hin?“, fragte sie verwirrt. „Ich werde Morgen früh zu den anderen zurückkehren. Conner und die beiden Cameronbrüder haben mir ihre Hilfe für den Umzug angeboten“, erklärte er ihr. „Longbottom möchte ich auch mit nehmen, es sei denn, du möchtest lieber, dass er mit dir hier bleibt.“ Hermine schüttelte den Kopf. „Nein nicht nötig, ich denke ich werde hier schon einen Tag alleine zurecht kommen“, sagte sie lächelnd, „Ihr hattet doch vor am nächsten Tag zurück zu kehren oder?“ „Ja“, stimmte ihr Severus zu. Er ging wieder nach oben in das Zimmer wo sie vorher die Zutaten kleingeschnitten hatten und Hermine war ihm still gefolgt. In der Ecke auf dem Stuhl lagen die unterschiedlichen Äste gestapelt. Severus legte sie auf dem Tisch ab und zog den Stuhl näher an diesen heran.
„Kann ich dir irgendwie helfen?“, wollte Hermine wissen. Nachdenklich musterte Severus sie einen Augenblick lang. „Nein eigentlich nicht“, sagte er schließlich, „Ich muss das Holz vorbereiten, damit du es dann in das fertige Destillat legen kannst. Vielleicht kann ich dann sogar schon mit dem eigentlichen Bau der Zauberstäbe beginnen, wenn wir wieder zurück sind.“
„Also gut, dann schau‘ ich, ob ich mich wo anders nützlich machen kann“, sagte Hermine und verlies wieder das Zimmer. „Sag Longbottom Bescheid, dass er morgen mit uns geht“, rief ihr Severus noch beim Verlassen des Zimmers hinterher. Hermine ging vor die Tür in den Garten, wo sie Neville richtig vermutet hatte. Mary leistet ihm wieder Gesellschaft, während er das wuchernde Unkraut herauszog. „Hallo Mary“, begrüßte sie das Mädchen erneut, „warum bist du denn so schnell wieder verschwunden?“ „Warum wohl, wegen Snape“, antwortete Neville anstatt, in einem Ton der genau verriet, dass er ihre Angst gut nachvollziehen konnte. Mary nickte und senkte verlegen den Kopf.
„Ach Neville, da fällt mir ein, ich sollte dir sagen, dass du und Severus morgen zu den anderen zurückkehrt und beim Umzug helft“, sagte Hermine beiläufig. Nevilles Gesicht war schlagartig ein paar Nuancen blasser geworden, doch er nickte tapfer. Ohne ein Wort zu sagen ging Hermine wieder rein und kam ein paar Minuten später mit einem kleinem Korb wieder raus. Sie packte Mary am Arm. „Du hast doch sicher nichts dagegen, wenn ich mir Mary kurz mal ausleihe“, sagte Hermine und zog sie schon durch das Tor des niedrigen Holzzauns. Neville hatte keine Gelegenheit gehabt zu antworten und Mary lief nur verwirrt hinter Hermine her.
„Wo wollen wir denn hin?“, fragte sie Hermine. „Ich hätte gern so ein Buch, wie Pastor Crawford eins hat“, erklärte sie ihr, „Kannst du mich zu diesem Buchbinder bringen?“ „Du meinst Lindsay. Ja ich bring dich hin, er wohnt nur ein paar Häuser weiter.“
Sie gingen eine Weile durch die engen Gassen bis sie an dem richtigen Haus angekommen waren. Es war nicht so groß, wie einige der anderen, aber daneben stand ein recht großer Schuppen, dessen Tür offen stand. Sie klopften, um nicht unhöflich zu sein, an die offene Tür. Der alte Lindsay war, wie sein Beiname schon verriet, wirklich alt, musste Hermine feststellen. „Kommt rein, was kann ich für euch tun?“, begrüßte er die beiden. Sie gingen hinein und Hermine sah sich neugierig um. Es war wie eine kleine Werkstatt eingerichtet. In der Ecke stand ein großer mit Papierbrei gefüllter Bottich. An den Wänden entlang waren überall Tische aufgebaut auf denen frisches Papier trocknete und darunter ein Stapel mit größeren und kleineren Sieben.
„Ich hätte gerne eins von ihren Büchern“, sagte Hermine schließlich. Der alte Mann sah sie prüfend an. „Und was können sie mir dafür bieten?“, fragte er. Hermine war darauf bereits gefasst und holte den kleinen Korb hervor. „Ich habe Seife“, sagte sie und reichte im den Korb. Er holte einen sauber geschnittenen grauen Seifeblock heraus und roch daran, wobei seine Augen nun anerkennend zu Hermine wanderten. „Das haben sie gemacht?“, wollte er wissen. Hermine nickte. „Ich habe, seit wir damals in Edinburgh abgereist sind, keine Seife mehr in der Hand gehalten. Das war vor mehr als 26 Jahren“, sagte er gedankenversunken.
Er ging zu einem großen Holzschrank und öffnete die Doppeltür. „Was darf ‘s denn für ein Buch sein Mistress?“, fragte er. Hermine stand vor der erstaunlich großen Auswahl. „Ich hab gehört sie waren früher Drucker. Wie kommt es, dass sie sich mit der Papierherstellung so gut auskennen?“, wollte Hermine wissen. „Die Druckerei, in der ich als Lehrling gearbeitet habe, hat ihr eigenes Papier hergestellt“, erklärte Lindsay und sah Hermine immer noch wartend an. „Ich glaube ich nehme dieses“, sagte sie schließlich und zeigte auf ein mittelgroßes Buch im Schrank. „Für ein zweites Stück Seife können sie auch Federn und Tinte haben“, bot er ihr an. „Warum nicht“, stimmte sie zu und nahm ein kleines Tonfläschchen und zwei lange Federn entgegen, die sie mit dem Buch in ihren Korb legte.
„Ich danke dir Mary“, sagte Hermine, als sie wieder raus gegangen waren. „Oh, das war doch keine große Sache“, erwiderte ihr Mary dchüchtern und lief rot an.
„Sag mal, wie ist das so verheiratet zu sein?“, fragte Mary sie auf dem Rückweg. „Was meinst du?“, erkundigte sich Hermine. „Na ja, ich habe gehört, wenn man verheiratet ist, dann zwingen die Männer einen schlimme dinge zu machen“, fügte Mary nun flüsternd hinzu. Hermine begriff langsam, worauf Mary hinaus wollte. „Was weißt du denn über das „Verheiratete sein“?“, fragte sie nun vorsichtig. Mary zuckte mit den Schultern. „Also, wenn dein Mann dich liebt, dann wird er dich zu nichts zwingen, das du nicht auch willst und wenn du ihn auch liebst, dann wirst du ES wahrscheinlich sogar gerne tun“, sagte Hermine mit einem Lächeln, „Du weißt doch, was ein Mann und eine Frau dann mit einander tun, oder?“ fügte Hermine vorsichtig hinzu. „Oh ja, ich hab es bereits bei unseren Kühen gesehen“, erklärte ihr Mary, worauf Hermine bei dem Gedanken grinsen musst.
Sie waren wieder beim Haus angekommen, wo Neville bereits einen großen Berg Unkraut neben sich liegen hatte. „Ich mache uns etwas zu trinken“, sagte Hermine und ging hinein. Sie ging in die Küche und stellte drei Gläser und eine Kanne Orangensaft auf ein Tablett, das sie wieder mit nach draußen nahm. Neville und Mary hatten sich auf eine alte zu gewucherte Holzbank, die nicht weit vom Zaun gebaut war, gesetzt. Sie nahmen ihr die Gläser ab und Hermine schenkte ein, dann setzte sie sich ebenfalls und lehnte das Tablett seitlich an die Bank.
Sie hatten eine Weile da gesessen, ihren Saft getrunken und sich unterhalten bis die Sonne fast komplett untergegangen war und sie nur noch schemenhafte Umrisse von einander erkennen konnten. „Es wird Zeit für mich nach Hause zu gehen“, sagte Mary und stand auf. „Ja, es ist fast dunkel“, stimmte ihr Hermine zu. „Dann bis morgen“, sagte sie schüchtern. „Hoffe es klappt alles mit dem Umzug“, wandte sie sich an Neville. „Ja das hoff ich auch“, stammelte er. „Also dann gute Nacht.“
Hermine und Neville waren ebenfalls ins Haus gegangen. Sie zündeten in der Küche eine Öllampe an und Hermine schnitt ein paar Scheiben von dem Brot ab, das ihnen Mary heute nachmittag gebracht hatte und belegte sie. „Hast du wieder Hunger?“, fragte Neville sie interessiert. „Äh nein, ich wollte Severus etwas bringen“, sagte sie vorsichtig und fühlte sich ertappt. „Du musst wohl selbst als falsche Ehefrau perfekt ein“, zog Neville sie auf, wobei sich Hermines Gesicht im nu dunkelrot färbte. Sie stellte den Teller mit den Broten, ein Glas und die Kanne Orangensaft auf das Tablett, das sie wieder mit reingenommen hatten. „Das ist nicht so wie du denkst“, sagte sie und eilte schnell nach oben, um sich nicht weiter rechtfertigen zu müssen.
Hermine stieß die Tür auf und stellte das Tablett auf dem Tisch ab, was Severus dazu brachte aufzusehen. „Ich dachte, du hast vielleicht Hunger“, sagte sie. Severus legte den Ast, der mittlerweile schon eine enorme Ähnlichkeit mit einem Zauberstab besaß und das Schnitzmesser zu Seite. „Ja, ich könnte tatsächlich was zu Essen vertragen“, sagte er und nahm ein Brot vom Teller. Er hatte das letzte Mal heute Morgen zum Frühstück gegessen, erinnerte er sich und verschlang die Brote förmlich. Hermine machte ihm das Glas voll und er trank in wenigen Zügen aus.
„Wie weit bist du gekommen?“, fragte sie als er fertig war. Er deutete still auf die fertigen Zauberstabhölzer am anderen Ende des Tisches. Es waren insgesamt sechs. Einen davon nahm Hermine in die Hand um ihn zu betrachten. Sie waren sehr einfach. So weit das Augenmaß es verriet, schienen sie gerade zu sein und am Ende hatten sie einen einfachen Griff, der sich durch den etwas größeren Durchmesser vom Rest abhob. „Das heißt, du musst noch den und danach noch einen machen?“, fragte sie ihn, worauf Severus nickte ohne von seiner Arbeit aufzusehen. „Hast du was dagegen, wenn ich solange ein wenig hier bleibe?“, wollte sie wissen. „Nein, bleib ruhig“, antwortete er ihr. Sie ging hinaus und kam wenige Sekunden später wieder rein, dann schob sie einen Stuhl auf die andere Seite des Tisches und setzt sich. Severus hatte nun aufgeschaut und sie neugierig beobachtet. Sie legte das ledergebundene Buch vor sich auf den Tisch und stellte das Fläschchen Tinte und eine lange spitze Feder daneben.
„Wo hast du das her?“, wollte er wissen. „Das habe ich vom alten Lindsay, ich habe es gegen Seife getauscht“, erzählte sie ihm während sie es auf der ersten Seite aufschlug und das Tintenfläschchen öffnete. Sie tauchte die Feder vorsichtig hinein und schrieb probeweise die erste Zeile — Zauberstabdestillat.
Die Feder lag angenehm in der Hand und hinterließ eine schnelltrocknende, saubere dünne Linien. Sie schrieb die genau Zubereitung des Destillats, das sie heute mit Severus Hilfe gebraut hatte, auf. „Was passiert, wenn ich nach 24 Stunden die letzten Zutaten dazugegeben habe?“, wollte sie wissen. „Dann ist das Destillat so gut wie fertig“, erklärte ihr Severus, „Es muss nur noch ein paar Minuten ziehen. Du wirst ganz einfach erkennen, dass es fertig ist, weil es ganz klar, so wie Wasser wird. Erst dann kannst du das Holz hineinlegen und dort bleibt es dann bis kurz vor der Einführung, der magischen Faser.“ Hermine hatte alles mitgeschrieben und sah nun auf, als er fertig war mit erzählen.
Severus warf ihr einen spöttischen Blick zu und hob demonstrativ eine Augenbraue. „Ich möchte das festhalten“, rechtfertigte sie sich, „was wenn ich etwas Wichtiges vergesse und dann keiner da ist, den ich fragen kann und auch kein Buch in dem ich nachschlagen könnte.“ Severus wandte sich wieder dem Holz in seiner Hand zu, während Hermine weiter in das Buch schrieb.
***
Am nächsten Morgen war Hermine erst spät aufgewacht. Der leere Platz neben ihr im Bett verriet ihr, dass Severus schon weg war. Sie wunderte sich wie er es geschafft hatte, ohne einen Wecker so früh aufzustehen, obwohl sie gestern erst so spät ins Bett gegangen waren, weil er noch bis spät in die Nacht an dem letzten Zauberstabholz geschnitzt hatte. Und er hatte sie überhaupt nicht geweckt, stellte sie bedauernd fest.
Sie zog sich an und ging in die Küche hinunter. Es war ein merkwürdiges Gefühl ganz allein in dem großen Haus zu sein. Hermine machte sich schnell ein Brot zum Frühstück und nahm es in die Hand, während sie durchs Haus ging und sich noch einmal umsah. Sie stand in dem großen Zimmer zu dem die eigentliche Eingangstür führte, auch wenn sie meistens durch die Hintertür direkt in die Küche gingen. Vielleicht könnte man hier raus eine Art Behandlungszimmer machen, überlegte sie sich und sah sich gedankenverloren in dem großen Raum um. Aber erst einmal musste sie wohl noch ein bisschen aufräumen. Sie ging wieder die Treppe hinauf und stand vor einem der Zimmer, die als Abstellkammer dienten. „Wir werde 4 freie Zimmer brauchen, wenn die anderen kommen“, überlegte sie sich, Na ja oder vielleicht 5, ich werde wohl kaum einen guten Grund finden, warum ich mir noch länger mit Severus ein Zimmer teilen muss, fügte sie bedauernd in Gedanken hinzu.
MacDougall, der Vorbesitzer dieses Hauses hatte scheinbar Schwierigkeiten damit, alte Sachen wegzuschmeißen, dachte sie sich als ihre Augen durch den Raum wanderten. Er war vollkommen zugestellt. An den Wänden entlang reihten sich Schränke, gefüllte Regal und kleinere Kommoden auf, während jeder weitere frei Platz, mit unterschiedlichen Kisten zugestellt war, in denen altes Werkzeug, Stoffe und Geschirr gestapelt waren. Es war kaum möglich den Raum zu betreten und bei dem Versuch doch etwas weiter vorzudringen entdeckte sie auch eine ganze Kiste voll mit alten Kokosnussschalen.
Missmutig hatte sie aufgegeben und schloss die Tür wieder zu. Hermine ging einen Schritt weiter zum nächsten Zimmer, das weitaus mehr Erfolgschancen versprach. Es war, bis auf einen einfachen Schrank, komplett leer. Neugierig ging sie zu dem Schrank und öffnete die Türen. Die Regale waren gefüllt mit unterschiedlichen Muscheln. Ungläubig schüttelte sie den Kopf und nahm eine faustgroße gewundene Muschel in die Hand, die im Licht perlmutfarben schimmerte. Sie waren wirklich schön, musste sich Hermine eingestehen, aber nichtsdestotrotz mussten sie weg. Sie musste nur etwas finden, wohin sie die Sachen reintun könnte, aber sie beschloss sich erst einmal einen Überblick zu verschaffen, wie viel Krempel sich noch in den anderen Zimmern befand, der weg musste.
Die anderen Zimmer waren weitgehend leer oder beherbergte einige ausrangierte Möbel. Vielleicht könnte man sie mit einem einfachen Reparo wieder in Ordnung bringen, wenn ihnen ein Zauberstab gelingen würde. Die Muscheln hatte sie in einen großen Korb gepackt und stellte ihn auf eine der Kisten im Abstellzimmer. Sie hatte gehofft, sie könnte sich etwas länger die Zeit mit Hausarbeit vertreiben, doch es gab bereits jetzt nichts mehr zu tun, zumindest nichts, was sie ohne Hilfe machen könnte.
Gelangweilt ging sie wieder in die Küche hinunter. Sie hatte Mary gestern eingeladen zusammen mit Brian nachmittags zum Essen zu kommen. Zwar war es noch ein bisschen zu früh um mit dem Kochen anzufangen, aber sie hoffte so vielleicht ein wenig Zeit rum zu bekommen. Sie packte sich aus der kleinen Abstellkammer neben der Tür einen Holzeimer und ging damit hinaus zum Fluss.
Während sie die paar Meter ging, überrannten sie bereits die Idee für das heute Gericht. „Pizza“, dachte sie sich und musste dabei zufrieden lächeln, „das wird ihnen sicher gefallen.“ Hermine stellte den Eimer ab und kniete sich zum Wasser herunter. Sie ließ ihre Hände eintauchen und schöpfte sich ein wenig davon ins Gesicht. Das Wasser war angenehm kühl und vereinzelte Tropfen liefen nun ihren Hals herunter. Sie nahm den Eimer und tauchte ihn in das Wasser. Als er voll war, zog sie ihn wieder heraus und stellte ihn neben sich, dann zog sie ihre Schuhe aus und ließ die Füße ins kühle Wasser gleiten. Sie wäre gerne eine Runde Schwimmen gegangen, doch der Fluss lag so nah am Dorf, dass sie den Gedanken, möglicherweise doch nicht so ungestört zu sein, einfach nicht loswerden konnte. Stattdessen schloss sie die Augen und stützte sich nach hinten auf ihren Armen ab. Die Sonne strahlte ihr ins Gesicht und der leichte Wind rauschte nun durch die Blätter der umstehenden Bäume. Ob es Dumbledore wohl jemals schaffen wird, uns zu finden, fragte sie sich seufzend.
Es herrschte eine so überwältigende Stille, dass sie fast glaubte jemanden ihren Namen rufen zu hören, doch sie verwarf den Gedanken sofort, schließlich nannte sie hier im Dorf keiner „Miss Granger“, weil niemand ihren richtigen Namen kannte. Sie streckte ihren Hals der Sonne weiter entgegen, als der Ruf plötzlich lauter wurde. Erschrocken riss sie die Augen auf und sah sich um, doch es war keiner da. „Miss Granger“, sagte die Stimme nun erneut. Sie schien direkt neben ihr zu sein. Etwas misstrauisch lehnte sie sich zu dem Holzeimer runter und sah hinein.
Mit einem spitzen Schrei schreckte sie zurück, dann lehnte sie sich abermals zum Eimer und sah nun ungläubig in das Gesicht des alten graubärtigen Mannes, der nach ihr gerufen hatte. „Professor Dumbledore“, sagte sie überrascht und fragend zugleich, „wie ist das möglich?“ „Ich bin froh, dass ich sie endlich gefunden habe, Miss Granger“, sagte er ruhig. „Wie haben sie das gemacht?“, wollte sie wissen und fasste vorsichtig auf die glatte Oberfläche des Wassers, was Dumbledores Abbild darin verzerrte.
„Ich suche schon, seit ich von dem Unglück erfahren habe, nach ihnen auf dieses Weise“, erklärte er, „und eben haben sie ihre Füße ins Wasser getaucht und deutlich meinen Namen gedacht. So konnte ich ihre Spur aufnehmen. Aber sagen sie, sind sie alleine?“ „Nein, wir sind zu acht“, erzählte Hermine, „Professor Snape, Draco, Harry, Ron, Neville, Ginny, Lavender und ich. Was ist mit den anderen, die mit uns auf dem Schiff waren, hat man sie gefunden?“, wollte sie nun wissen. „Sie wurden alle kurze Zeit nach dem Unglück von den Rettungsboten aufgesammelt, sie acht waren die einzigen, die wir bis eben nicht auffinden konnten“, antwortete ihr Dumbledore. Das erste Gefühl der Verwirrung war nun einer deutlicher Aufregung gewichen. „Heißt es, wir können jetzt wieder nach Hause?“, fragte sie voller Hoffnung. „Ich fürchte, ganz so einfach wird das nicht werden“, sagte er bedauernd und erstickte ihr freudiges Lächeln im Keim.
„Das Wasser kennt weder Raum noch Zeit, auf diese Weise konnte ich sie finden, ohne auch nur einen Anhaltspunkt zu haben, wo ich suchen sollte“, erklärte er, „Sie werden mir also sagen müssen, wo sie sich befinden.“ Hermine überlegte einen Moment. „Nun, es ist eine Insel“, begann sie, „Professor Snape konnte an den Sternen erkennen, dass wir nicht all zu weit vom amerikanischen Kontinent sein können, aber mehr wissen wir leider selbst nicht“, schloss sie bedauernd.
„Das macht die Sache natürlich nicht leichter“, sagte Dumbledore ruhig, „Nun, vielleicht können sie die Insel ja etwas beschreiben. Möglicherweise hat sie irgendwelche besonderen Merkmale.“ „Ja, da gibt es einen kleinen Durchgang hinter einem Wasserfall, der zu einem magischen Wald führt“, erzählte sie ihm, „und dort, steht ein großer steinerner Bogen, der links und rechts von steinernen Zauberern gehalten wird. Und daneben…“ „…daneben steht ein riesiger Steindrachen“, schloss Dumbledore ihren Satz. „Sie kennen diesen Ort?“, fragte Hermine überrascht.
„Ja und nein“, antwortete ihr das Gesicht im Wasser rätselhaft und hinterließ einen fragenden Ausdruck in Hermines Augen. „Dieser Steinbogen, den sie beschrieben haben, ist bereits seit einiger Zeit zerstört, es besteht die Möglichkeit, dass sie…“ „…einen Zeitsprung gemacht haben, ja das wissen wir schon“, beendete Hermine für ihn. Dumbledore musterte sie einen Augenblick leicht verwundert.
„Was ist das für eine Insel?“, wollte sie wissen. „Ah, ausgezeichnet Miss Granger, eine sehr kluge Frage“, lobte er sie, „Diese Insel wurde von den Zauberern, die den neuen Kontinent besiedelten, als eine Art Gefängnis benutzt. Allerdings wurden Mitte des 17. Jahrhunderts alle Gefängnisse mit der Errichtung von Askaban abgelöst. Ich vermute, die Insel ist in ihrer Zeit bereits still gelegt, wenn nicht, wäre ihnen das gewiss aufgefallen.“
„Heißt es dann, dass wir durch das Tor zumindest von dieser Insel runter kommen?“, wollte sie wissen. „Ja so ist es. Das Gegenstück steht auf dem Festland, einen Katzensprung von Boston entfernt. Von dort wird es für uns wesentlich leichter sein, sie wieder zurückzuholen, allerdings gibt es da noch etwas. Dieses Tor ist Teil einer sehr alten Magie und wird nur auf eine einzige Weise geöffnet. Um Punkt 12 Uhr in der Nacht zu Halloween. Das ist der einzige Zeitpunkt im ganzen Jahr an dem eine Verbindung zwischen den beiden Toren besteht, allerdings werden sie erst einmal an dem Steindrachen vorbeikommen müssen, der das Tor bewacht, der erwacht nämlich zum leben, wenn man sich dem Tor nähert.“ „Ja das mit dem Drachen haben wir schon herausgefunden“, sagte Hermine nachdenklich. Dumbledore nickte. „Die Schwierigkeit wird wohl eher darin liegen herauszufinden wann Halloween ist, schließlich könnten sie überall gelandet sein“, erklärte er.
„Nun wir haben da vielleicht eine kleine Ahnung, in welcher Zeit wir gelandet sind“, sagte Hermine nun vorsichtig. Dumbledore sah sie interessiert an und ermutigte sie so weiterzusprechen. „Auf dieser Insel sind wir vor kurzem einer Gruppe Schotten begegnet, die hier ebenfalls vor langer Zeit gestrandet sind“, erzählte sie, „Das war 1715, und laut ihrer Rechnung, müssten wir heute den 20. Mai 1741 haben. Es sei denn natürlich, sie hätten ebenfalls einen Zeitsprung gemacht“, schloss Hermine nachdenklich. „Muggel?“, erkundigte sich Dumbledore. Hermine nickte.
„Dann ist eine Zeitreise in ihrem Fall eher ausgeschlossen“, sagte Dumbledore, „Sie müssen wissen, mit den Zeitreisen verhält es sich ähnlich wie mit Portschlüsseln. Muggel sind dafür nicht empfänglich. Wir können also davon ausgehen, dass ihre Rechnung zumindest bis auf wenige Tage korrekt sein muss, außerdem wird sich die Halloweennacht im magischen Teil der Insel schon einige Tage vorher ankündigen, sie müssen lediglich auf die Vorzeichen achten.“ Hermine nickte dem alten Mann zu. „Es ist gut zu wissen, dass es scheinbar doch einen Ausweg gibt“, sagte sie und lächelte ihn an.
Dumbledore lächelte freundlich zurück. „Bis Halloween sind es dann noch fünf Monate, diese Zeit werden wir nutzen um uns einen Ausweg zu überlegen, wie wir sie aus Boston wieder sicher in unsere Zeit bringen können“, sagte er und sah sie aufmerksam über seine Halbmondbrille hinweg an. „Wären sie so freundlich mich vielleicht zu Professor Snape zu bringen?“, fragte er. „Oh, er und die anderen sind momentan nicht da. Ich bin alleine hier in diesem schottischen Dorf, aber er kommt morgen wieder.“ Dumbledore schien etwas verwundert, doch er fragte nicht weiter nach. „Na gut, ich werde sicher noch Gelegenheit haben mit ihm zu sprechen und sie wissen ja jetzt, wie sie mich erreichen können. Ich werde auch darauf achten, von jetzt an, immer ein Glas Wasser bei mir zu haben“, sagte er lächelnd. Das Gesicht auf der glitzernden Oberfläche verschwand und Hermine konnte nun deutlich den Boden des Holzeimers sehen.
Sie stand auf und brachte den Eimer Wasser ins Haus. Ein Blick auf die Uhr verriet ihr , dass es schon fast Mittag war. Ihre Gedanken schweiften immer wieder zu ihrem Gespräch mit Dumbledore ab, während sie den Teig anrührte. Mary hatte ihr gestern Vormittag die große Mühle auf dem Berg gezeigt. Es war zwar eine Weile zu laufen bis dorthin, aber die hohe Lage sorgte für immer ausreichend Wind um das grobe Korn zu mahlen und es war bei Weitem einfacher, als es selbst in einem Mörser zu machen, überlegte sich Hermine. Sie deckte die Schüssel ab und kochte nun ein paar Tomaten auf.
Es klopfte an der Hintertür, die Hermine nach einem kurzen Augenblick öffnete. Vor ihr stand Mary. Es war noch zu früh dachte sie sich und sah vorsichtig an ihr vorbei, doch sie konnte Brian nirgends ausmachen. „Ich dachte ich könnte dir helfen“, sagte Mary schüchtern als sie Hermine irritiertes Gesicht sah. „Ja gern“, antwortete sie ihr und ließ sie herein.
Neugierig schaute Mary erst in die abgedeckte Schüssel und dann in den kleinen Topf auf dem Herd. „Was ist das?“, fragte sie und zeigte auf die Tomaten, deren Haut vom Kochen schon einige Risse eingebüßt hatte. Hermine schien etwas verwirrt und ging nun ebenfalls zum Topf und schaute hinein, doch da war nichts außergewöhnliches. „Das sind Tomaten“, sagte schließlich, „Hast du noch nie eine Tomate gegessen? Die wachsen hier doch überall.“ Mary schüttelte den Kopf. „Was der Schotte nicht kennt, isst er nicht“, sagte Hermine grinsend und fing sich von Mary einen verständnislosen Blick ein. „Keine Sorge, du wirst sehen, die schmecken gut und giftig sind sie auch nicht“, fügte Hermine mit einem Zwinkern hinzu.
Sie holte ein Holzbrett und ein Messer hervor, das sie vor Mary auf den Tisch legte. „Du kannst schon mal Zwiebeln schneiden“, sagte Hermine und holte eine der der tropischen Knollen, deren scharfer Geruch stark an eine Zwiebel erinnerte, aus einem Körbchen in der Abstellkammer hervor. Mary nickte und begann die Zwiebel in kleine Stücke zu schneiden, während Hermine die gekochten Tomaten schälte und sie zerstampfte.
„Wie habt Mr. Snape und du euch eigentlich kennen gelernt oder wurdet ihr einfach verheiratet, ohne euch vorher zu kennen? Die Frauen im Dorf erzählen, dass das oft so gemacht wird“, wollte Mary wissen. Hermine war sich nicht sicher, was sie ihr antworten sollte, entschied sich jedoch einfach bei der Wahrheit zu bleiben. „Er war mein Professor an der Schule“, sagte sie. „Und ihr habt euch verliebt und dann geheiratet?“, fragte Mary neugierig. Hermine fühlte sich nicht besonders wohl bei dem Gespräch. „Ja, so in etwa“, sagte sie zaghaft. „Er jagt mir Angst ein“, sagte das Mädchen mir leiser Stimme. Hermine musterte sie einen Augenblick lang, wobei sie feststellte, dass ihr Gesichtsausdruck sie dabei an Neville erinnerte, wenn er von Severus sprach.
„Was ist mit dir?“, fragte Hermine sie nun lächelnd und ergriff die Gelegenheit das Thema zu wechseln, „Du magst Neville, nicht wahr?“, fügte sie hinzu, als Mary nichts darauf erwiderte. Auf einen Schlag färbte sich das rundliche Gesicht rot. Sie hatte große Ähnlichkeit mit einer Tomate, stellte Hermine amüsiert fest, während sie die zerstampften Tomaten im Topf würzte. „Deiner Gesichtsfarbe nach kann ich das wohl als „Ja“ deuten“, sagte Hermine amüsiert, doch Mary sagte immer noch nichts, stattdessen starrte sie auf ihre Finger.
„Ich glaube, er mag dich auch“, fügte Hermine nun so beiläufig wie möglich hinzu, worauf das Mädchen sofort aufschaute und in Hermines grinsendes Gesicht blickte. „Ja, ich find ihn sehr nett“, sagte Mary schüchtern.
Hermine rollte den Teig aus und strich fertige Soße darauf. Sie belegte die Pizza mit Zwiebeln, Schinken und Käse, den sie bei einem der Dorfbewohner gegen ein Stück Seife eingetauscht hatte und schob sie in den großen Steinofen. „Was ist das eigentlich“, fragte Mary nun. „Das nennt man Pizza. Das kommt aus Italien“, sagte Hermine. „Du warst in Italien?“, fragte Mary erstaunt. „Ja schon,“ antwortete sie ihr irritiert, „aber da wo ich herkomme ist man das auch, wenn noch nie in Italien war.“ Mary nickte verstehend. „Lass uns Brian suchen“, sagte Hermine, „Die Pizza ist bald fertig.“
***
Mary und Brian waren schon weg. Zögerlich hatten sie die Pizza probiert, aber nach dem ersten Bissen stellte Hermine zufrieden fest, dass es ihnen schmeckte. Sie räumte das Geschirr wieder zurück auf seinen Platz und ging nach oben. Der Trank war nun etwas länger als 24 Stunden abgekühlt und Hermine nahm die fertig geschnittenen Zutaten und ihre Uhr in die Hand.
Es waren noch 7 weitere Kräuter, Wurzeln und Pilze, die in das Destillat gehörten und zwischen jedem von ihnen mussten exakt 10 Minuten vergehen. Während sie die Zeit abwartete, schrieb sie weiter in ihr neues Buch. Nach jeder Zutat änderte das Gemisch seine Farbe. Gespannt stand Hermine nun mit der letzten Zutat in der Hand und gab sie hinein. Bereits beim Eindringen der Wespenranken änderte das Gemisch an diesen Stellen seine Farbe, bis sie komplett verblasste und die Flüssigkeit in dem Kessel so klar wie Wasser war. Erleichtert atmete Hermine auf. Es war fertig. Sie nahm die sauber geschnitzten Hölzer und tauchte sie vorsichtig in den Kessel.
Ihr Buch legte sie wieder zur Seite und ging hinunter. Jetzt konnte sie, wie sie es nach dem Essen versprochen hatte, Mary noch einen Besuch abstatten. Sie hing hinaus und machte sich auf den Weg zum Haus der McCoys. Die Sonne ging bereits unter und hüllte alles in ein schwaches Dämmerlicht. Hermine Klopfte an die Eingangstür, die ihr von Mary geöffnet wurde.
„Komm rein“, sagte sie freundlich mit einem Lächeln auf den Lippen. Hermine betrat die geräumige Küche. An dem Tisch in der Mitte saßen drei ihr unbekannt Mädchen. „Hallo“, begrüßte Hermine die drei überrascht. Sie starrten sie eine Weile misstrauisch an, bis die erste von ihnen ein knappes „Hallo“ erwiderte. „Das sind Amy, Erin und Megan“, sagte Mary und zeigte auf ihre Freundinnen. Erin, ein braunhaariges Mädchen mit einem sehr hübschen ebenmäßigen Gesicht, starrte Hermine noch immer an, während die anderen zwei ihre Blicke bereits gesenkt hatten.
„Meine Mutter sagte, sie ist eine Hexe“, sagte sie schließlich und hatte nun die volle Aufmerksamkeit ihrer Freundinnen. Hermine war für einen Moment zusammen gezuckt, doch sie belehrte sich gleich, dass sie nicht wirklich wissen konnte was sie ist. „Ach, so ein Blödsinn“, sagte Mary kopfschüttelnd. „Und wie erklärst du dir dann, dass sie die Frau des Teufels ist?“, setze das braunhaarige Mädchen wieder ein. Die beiden Schwestern Amy und Megan, die mit ihren roten Haaren den Weasleys Konkurrenz machen konnten, nickten zustimmend neben ihr. „Kannst du denn beweisen, dass Mr. Snape der Teufel ist?“, fragte Mary nun etwas gereizt und betonte das Wort Teufel dabei so sehr, dass es lächerlich klang. „Das muss ich nicht“, antwortet ihr Erin ruhig, „Hast du schon mal in seine Augen geschaut?“, fragte sie Mary und schaute direkt in ihre. Mary lief bei dem Gedanken an Severus ein eisiger Schauer über den Rücken und gab Megan die Bestätigung, die sie suchte.
„Und dann hasst du überhaupt keine Angst, dass ich dich verhexen könnte?“, fragte Hermine provokativ. Sie zog eine Augenbraue in die Höhe, so wie es Severus immer tat. Erin sah sie abschätzend an. Hermines Blick durchbohrte sie noch immer. „Wir sehen uns Morgen Mary“, sagte Erin und ging zur Tür. Sie sah sich um und fixierte die beiden rothaarigen Schwestern, die mit einem Mal aufstanden und ihr folgten.
Mit einem ängstlichen Blick zu Hermine und einem entschuldigenden zu Mary gingen sie durch die Tür. „Also ehrlich, das tut mir leid“, sagte Mary. „Das ist ja nicht seine Schuld“, erwiderte Hermine und tat es mit einer lockeren Handbewegung ab. „Ich weiß, dass du keine Hexe bist“, sagte Mary nun schüchtern. „Aber bei Severus bist du dir nicht so sicher?“, fragte Hermine nun grinsend worauf Mary nur unmerklich nickte. „Keine Angst, er ist nicht der Teufel, auch wenn er manchmal zu tut“, sagte Hermine und konnte sich ein Lachen nicht verkneifen.
Marys Gesicht trug einen deutlich erleichterten Ausdruck. „Magst du etwas trinken?“, fragte sie als ihr aufgefallen war, dass sie Hermine noch gar nichts angeboten hatte. „Ja gern“, antwortete sie ihr. Mary holte aus dem Schrank zwei Gläser heraus. „Komm mit“, sagte sie schließlich. Hermine folgte ihr in das angrenzende Zimmer und setzte sich auf die gepolsterte Sitzbank. „Wenn Pa, zum Jagen oder Fischen weg ist, dann trinken wir immer heimlich von seinem Whisky“, sagte Mary und holte die Flasche aus dem Regal. Hermine sah das Mädchen überrascht an und musste sich eingestehen, dass sie ihr das gar nicht zugetraut hätte. Mary hatte ihnen beiden eingeschenkt und setzt sich nun zu Hermine, die an ihrem Glas nippte. Das starke Getränk hinterließ ein heißes Brennen in der Kehle, das Hermine einen kräftigen Hustenanfall bescherte. Mary nahm ebenfalls einen großen Schluck aus ihrem Glas, verzog jedoch keine Miene, als sie es hinunter schluckte.
Sie hatte noch ein paar Schlucke Whisky gebraucht, bis ihr die Frage, die sie hatte endlich über die Lippen kam. „Glaubst du Neville mag mich wirklich?“, fragte sie schüchtern und lief dabei sofort wieder rot an. „Da bin ich mir ganz sicher“, antwortete ihr Hermine lächelnd, worauf Mary ihr Lächeln erwiderte. „Glaubst du, eure Freunde werden mich auch mögen?“, fragte Mary sie nun nachdenklich. „Ja, bestimmt“, antwortete ihr Hermine und nahm einen weiteren Schluck.
Mary hatte sie neugierig über Schottland und England und das Leben dort ausgefragt, doch Hermine tat sich schwer mit den Antworten, da sie eigentlich kaum was über das tatsächliche Leben im 18. Jahrhundert wusste und sie konnte ihr natürlich weder was von Zauberern, noch was von Autos, Computern und all den anderen Sachen der Muggelwelt aus ihrer Zeit erzählen. „Gibst du mir die Flasche, bitte?“ fragte Mary und streckte ihre Hand aus. Hermine ergriff die Whiskyflasche neben sich auf dem kleinen Abstelltisch und stellte überrascht fest, dass sie nur noch zur Hälfte gefüllt war. „Möchtest du auch noch?“, fragte Mary als sie ihr die Flasche gereicht hatte. Hermine schüttelte den Kopf und das unangenehme Drehen des Zimmers um sie herum, bestätigte ihr, dass sie bereits genug Whisky für heute hatte. „Ich sollte lieber gehen“, sagte Hermine gedehnt, „bei mir dreht sich schon alles.“
Sie standen auf und gingen zur Tür. „Dann bis morgen“, sagte Mary ruhig. Es gab keinerlei Anzeichen, dass sie der Whisky ebenfalls betrunken gemacht hatte, stellte Hermine fest. „Ja, bis morgen“, antwortete sie ihr und ging hinaus. Draußen war es bereits seit einiger Zeit dunkel gewesen. Der dünne Streifen des gerade erst aufgehenden Mondes spendete kaum Licht, so dass Hermine nicht das Geringste sehen konnte. Der Alkohol, der ihren Kopf vernebelte, wollte ihr einfach nicht die Erinnerung gewähren, welche die richtige Richtung zurück zum Haus war.
Sie beschloss einfach mal loszugehen in der Hoffnung sie würde schon irgendwann auf der breiten Straße herauskommen, doch vor ihr waren nur Häuser, die in der Dunkelheit alle gleich aussahen. Sie hörte ein leises Knacken hinter sich und drehte sich erschrocken um, doch es war nichts zu sehen als schwarze Dunkelheit. Ihr Herz schlug immer schneller, während sich die Welt um sie herum, in eben so ansteigendem Tempo zu drehen schien. Sie blieb stehen und stützte sich an eine Hauswand, als sie ein starker Arm von hinten packte und sie um die Ecke zog. Eine Hand umschloss fest ihren Mund und erstickte ihre Schreie. Der warme Körper an den sie gepresst war, drückte sie nun gegen eine Wand. Sie konnte die deutliche Erregung eines Mannes in ihrem Rücken spüren. Er ergriff ihre beiden Handgelenke mit einer Hand und drehte sie grob mit dem Rücken zur Wand, während er ihre Hände über ihrem Kopf festhielt. Sie spürte sein Gesicht näher kommen und roch seinen schlechten Atem.
Hermine drehte ihren Kopf zur Seite und seine Lippen erwischten sie knapp unter ihrem Ohr. Sein Gewicht drückte sie stärker an die Wand und zwang sie still zu stehen. Er presste seine Erregung gegen ihren Bauch und keuchte dabei auf, was ihr seinen üblen Atem abermals in die Nase trieb. Erst jetzt wurde ihr bewusst, dass er ihr den Mund nicht mehr zu hielt. Sie wollte laut schreien, als er mit der anderen Hand ihr Gesicht ergriff und seine Lippen auf die ihren presste. Der Druck gegen ihren Kiefer zwang sie ihren Mund zu öffnen. Seine Zunge drang ein und verbreitete einen widerlichen, süßlich fauligen Geschmack, der in ihr eine plötzlichen Übelkeit auslöst.
Er hatte ihren Kopf losgelassen, doch sein Mund verschloss immer noch den ihren und drückte sie hart gegen die Wand hinter ihr, dann ließ er ihre Handgelenke los und zog ihren Rock hoch, während er sie mit seinen Knien zwang ihre Beine zu öffnen. Hermine wimmerte ängstlich in den Mund ihres Gegenübers und spürte bereits ihre Knie nachgeben. Er strich gierig über die Haut ihrer Schenkel und schob seine Hand zwischen ihre Beine. Hermine versuchte sich zu wehren und schlug mit ihren nun freien Händen auf ihn ein, aber es schien den Mann nicht im Geringsten zu interessieren. Stattdessen glitt er weiter zwischen ihre Beine und schob das Stück Stoff ihres Unterhöschens zur Seite. Sie war wie erstarrt bei seiner Berührung, alles an ihrem Körper schrie und schüttelte sich vor Ekel und drohte vor Angst zu erstarren. Er strich mit einem Finger über ihre weiche Haut und löste sich mit einem lauten Keuchen von ihrem Mund.
Das war ihr Chance, sie ergriff die Gelegenheit, beugte sich vor und biss dem Mann vor ihr auf Lippe. Er lockerte überrascht seinen Griff um sie und sie rannte im selben Moment los. Der Rausch des Alkohols war dem Adrenalin in ihrem Blut gewichen. Die Nacht um sie herum war zwar noch immer schwarz, aber sie stand still und drehte sich nicht mehr. Hermine lief so schnell sie konnte. Sie wusste nicht in welche Richtung sie gelaufen war und auch nicht ob er ihr folgte. Ihr Herz pochte wild in ihrer Brust und ihre Knie wurden mit jedem Schritt weicher. Sie bekam kaum noch Luft, doch sie wagte es nicht, stehen zu bleiben.
Irgendwo in der Nähe hörte sie Schritte. Sie konnte die Richtung nicht erkennen. Ein leises Gefühl der Panik stieg in ihr auf und schnürte ihr die Kehle zu. Sie prallte mit voller Wucht auf einen weichen Körper. Zwei kräftige Arme hielten sie fest und hinderten sie am wegrennen.
„Was ist los?“, fragte eine tiefe Stimme.
„Severus“, entgegnete sie überrascht, als sie den vertrauten samtigen Klang die Nacht durchdringen hörte. Mit einem Mal brach die Barriere, die in der Panik ihre Gefühle staute, auf. Ihre Augen füllten sich mit Tränen und mit einem tiefen Schluchzen lehnte sie sich gegen seine Brust.
„Was machst du hier?“, wollte sie wissen, als sie sich endlich beruhigt hatte. Sie schaute in seine Richtung, doch sie konnte ihn nicht sehen. “Wir hatten beschlossen, direkt wieder aufzubrechen“, sagte er, „aber als wir ankamen war das Haus leer und Mary sagte, du seiest schon vor einer Weile gegangen. Ich habe nach dir gesucht“, er sah sie nicht, aber er spürte sie an seiner Brust mit jedem Atemzug zittern, „und jetzt sag mir was passiert ist“, fügte er sanfter hinzu.
Hermine wusste nicht, was sie ihm sagen sollte. Sie wollte nicht so hilflos dastehen, aber genau so fühlte sie sich. „Da war ein Mann“, sagte sie schließlich, „er hat mich gegen eine Wand gedrückt und mir den Rock hochgezogen“, fügte sie mit zittriger Stimme hinzu. Severus stand still neben ihr und zog sie näher an sich heran. „Ich habe ihm auf die Lippe gebissen und als er dann von mir abließ, bin ich davon gerannt“, erzählte sie weiter.
Zärtlich strich er ihr über das Gesicht, bevor seine Lippen zielsicher ihre fanden. „Ich finde ihn“, sagte Severus beinahe zu sich selbst, mit einer leisen Stimme, die Hermine einen eiskalten Schauer über den Rücken fahren ließ. Er hob sie hoch und trug sie zum Haus. Vor der Tür hatte er sie wieder abgesetzt. Licht drang aus dem Fenster und erhellte Hermines Gesicht. Severus wischte ihr eine einsame Träne von der Wange, dann öffnete er die Tür.
Fortsetzung folgt...
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Ich glaube nicht an Hexerei.
Joanne K. Rowling