„Das ist nicht fair“, sagte Mary und spürte wie ihr die Tränen in die Augen stiegen. Hermine saß neben ihnen auf dem Sessel und hielt die kleine Eileen auf dem Arm. Es war traurig, aber früher oder später musste Neville es ihr sagen und er hatte wirklich lange damit gewartet. Lavenders Kind konnte jeden Moment kommen, die Vorbereitungen waren bereits getroffen und alle saßen bereits wie auf heißen Kohlen.
„Ich komme mit“, sagte sie schließlich fest entschlossen. Neville sah sie überrascht an, dann sah er fragend zu Hermine. „Geht das denn?“, wollte er wissen. „Ich weiß es nicht“, antwortete ihm Hermine, „das solltest du vielleicht Severus fragen.“
Bei der Erwähnung des Namen zuckte Neville zusammen, er hätte es um jeden Preis vermieden, dem grimmigen Tränkemeister irgendeine Frage zu stellen, aber ein Blick in Marys Gesicht, gab ihm den nötigen Ruck. Er sah bittend zu Hermine, die seine Angst augenblicklich verstand. „Ich komme mit“, sagte sie und erhob sich vom Sofa. So gingen sie zu dritt hinauf ins Labor, an dessen Tür Neville schüchtern klopfte.
„Herein“, hörte er und öffnete sie. Severus schien gar nicht erfreut über die Störung zu sein, hatte seine Gesichtszüge allerdings wieder geglättet als Hermine ebenfalls hinter den beiden das Zimmer betrat. Neville sah sie hilfesuchend an, doch sie nickte ihm nur ermutigend zu.
„Sie müssen mich mitnehmen, bitte Sir“, platzte es aus Mary heraus. Severus sah sie ruhig an. „Das ist nicht möglich“, sagte er schließlich, „Wir wissen nicht, welche Rolle du oder deine Nachkommen möglicherweise für die Zukunft spielen werden. Wenn wir dich mitnehmen, riskieren wir möglicherweise die Zukunft, so wie wir sie kennen, zu verändern.“
Ihre Augen füllten sich erneut mit Tränen, doch dieses Mal konnte sie sie nicht halten. Sie liefen ihr die Wangen herab. Neville hatte seinen Arm um sie gelegt, doch sie hörte nicht auf.
„Ich bleibe hier“, sagte er schließlich, was das Mädchen augenblicklich verstummen ließ. „Ist das möglich?“, fragte er Severus.
„Ich weiß es nicht genau, aber ich denke schon“, antwortete er.
„Hast du gehört? Ich bleibe hier. Mary, ich liebe dich und werde hier bei dir bleiben“, redete er auf das Mädchen ein und wischte ihr die Tränen weg.
Einige Stunden später saß Conner McCoy in seinem Studierzimmer und schrieb an einem Brief, als es an der dicken Eichentür klopfte. „Herein“, sagte er und sah Neville und Mary das Zimmer betreten.
Zittrig stand er vor dem Schreibtisch des großen Mannes und sah nervös auf seine Hände. „Sir“, begann Neville, „Ich wollte sie um die Hand ihrer Tochter bitten.“ Conner sah zu Mary. „Ist es das, was du willst?“, fragte er sie, worauf sie ihm strahlend zunickte. „Also gut Mr. Longbottom, ich dachte schon, sie trauen sich nie“, sagte er und senkte seinen Blick wieder auf seinen Schreibtisch.
***
Vielleicht war es kurzfristig, aber sowohl Neville als auch Mary hatten darauf bestanden zu heiraten, noch bevor ihre Freunde abreisten. Aus diesem Grund standen sie nun in der kleinen hübschen Kapelle, in Schale geworfen und hörten dem Orgelspiel zu, das größtenteils schief aus den verrosteten Pfeifen pfiff. Vor dem Altar warteten Neville und Harry, als Trauzeuge, zusammen mit dem alten Pfarrer.
Hermine drückte Severus die kleine Eileen in den Arm und stellte sich nun selbst auf die andere Seite des Altars, als Marys Trauzeugin. Die Orgel begann die Melodie erneut zu spielen und die Tür am anderen Ende des Saals öffnete sich, durch welche Conner seine Tochter bis zum Altar begleitete. Mary trug ein schlichtes weißes Kleid. Es war hochgeschlossen und passte gut zu ihrem zurückhaltenden Wesen. Ein Schleier verbarg ihr Gesicht, doch ihre komplette Körperhaltung strahlte Euphorie aus.
Als sie neben Neville, der bereits ungeduldig von einem Bein auf das andere stieg, ankam, schob sie den Schleier zur Seite und bestätigte mit ihrem sonnigen Lächeln Hermines Beobachtung.
Sie warteten bis die Musik aufgehört hatte, dann trat der Pfarrer einen Schritt vor. „Wir haben uns heute hier versammelt um diese beiden Menschen in den heiligen Bund der Ehe zu führen“, begann er, „und sollte jemand etwas gegen die Hochzeit dieser beiden vorzubringen haben, so soll er jetzt sprechen, oder für immer schweigen!“
Er wartete ein kurzen Augenblick und fuhr dann fort. „Neville Longbottom, wollen sie diese Frau zu ihrer angetrauten Ehefrau nehmen und sie lieben und ehren in guten wie in schlechten Zeiten, bis dass der Tod euch scheidet?“
„Ja, ich will“, sagte Neville und strahlte über das ganze Gesicht. „Und sie Mary McCoy, wollen sie diesen Mann zu ihrem angetrauten Ehemann nehmen und ihn lieben und ehren in guten wie in schlechten Zeiten, bis dass der Tod euch schiedet?“, wand er sich dann an Mary.
„Ja, ich will“, antwortete sie. „Kraft des mir verliehenen Amtes erkläre ich sie hiermit zu Mann und Frau“, sagte der Pfarrer. Neville holte einen Ring aus seiner Rocktasche und steckte ihn Mary an. „Sie dürfen die Braut jetzt küssen“, fügte der Pfarrer hinzu.
Es war ein schüchternen Kuss. War es möglicherweise ihr erster Kuss?, fragte sich Hermine. Mary strahlte sie an als sie sich endlich von Neville gelöst hatte und fiel Hermine um den Hals.
Beide sowohl Mary als auch Neville konnten sich vor Glückwunschbekundungen kaum retten. Sie hatten jedem Anwesenden die Hand geschüttelt, bis sie es endlich vor die Tür geschafft hatten, wo eine Kutsche bereits auf das frisch vermählte Brautpaar wartete. Ihre Gäste waren ihnen gefolgt um den beiden zu zu winken. Auch Hermine wollte vor die Tür, wurde allerdings von Severus am Arm gepackt und zum Stehen gezwungen. Fragend sah sie ihn an.
Er zog sie zu sich heran, dann nahm sie ihm Eileen ab und ließ sich von ihm fest an seine Brust drücken. „Was denkst du gerade?“, fragte sie nach einer Weile, als sie seine undurchdringliche Miene nicht entziffern konnte. „Wir sind nicht verheiratet“, sagte er schließlich, „ich hatte es so gesagt, aber dennoch sind wir es nicht.“ Sein Blick suchte den Raum ab.
Der Pfarrer stand noch immer hinter seinem Altar. Severus riss sich die Kette mit dem Ring seiner Mutter herunter und zog Hermine zum Altar. „Sie müssen uns trauen“, sagte er. Der Pfarrer sah verwundert auf, dann wanderte sein tadelnder Blick zu dem Kind. „Ihre Namen?“, fragte er nach einer angemessenen Zeit der Entrüstung.
„Severus Snape und Hermine Granger“, antwortete ihm Severus.
Der Pfarrer sah sich um, doch da die kleine Kapelle bereits leer war entschied er sich für die Kurzfassung. „Wollen sie Severus Snape diese Frau zu ihrer angetrauten Ehefrau nehmen und sie lieben und ehren in guten wie in schlechten Zeiten?“, frage er.
„Ja, ich will“, antwortete ihm Severus.
„Und wollen sie Hermine Granger diesen Mann zu ihrem angetrauten Ehemann nehmen und ihn lieben und ehren in guten wie in schlechten Zeiten?“, fragte er erneut.
„Ja, ich will“, antwortete sie lächelnd. „Kraft des mir verliehenen Amtes, erkläre ich sie hiermit zu Mann und Frau. Sie dürfen die Braut jetzt küssen“, schloss der Pfarrer.
Severus steckte ihr den Ring an, der perfekt auf ihren Finger passte und zog sie in einen leidenschaftlichen Kuss.
***
Ron tigerte im schmalen Flur hin und her, während Harry immer wieder versuchte auf ihn einzureden. Lavender lag bereits seit Stunden in den Wehen. Das laute Kreischen der jungen Frau hatte ihn fast wahnsinnig gemacht. Mit jedem Mal wurde er blasser im Gesicht. Jedes Mal wenn die Tür aufging und er blutige Laken auf dem Boden sah, musste er sich wieder setzen. Schwester Elis war stur geblieben und hatte ihn energisch aus dem Zimmer geworfen. „Männer stehen nur im Weg“, hatte sie gesagt und ließ auch nicht mehr mit sich reden.
Darauf hatten sie alle gewartet. Alle Vorbereitungen waren bereits getroffen. Das Haus hatten sie auf Neville überschrieben, der hier weiterhin mit Mary wohnen würde. Wintergrasp hatte das kleine Modell, welches das Treppengelände herunterraste umgebaut, so dass sie alle hineinpassten. Er hatte es auf einem Hügel nicht weit von hier aufgebaut, deren Steigung für die nötige Beschleunigung ausreichte. Auch Dumbledore wusste Bescheid und würde sie an eben diesem Hügel erwarten.
Wieder hörten sie Lavender schreien. Obwohl ihre Schreie ihnen noch immer das Blut in den Adern gefrieren ließ, hörten sie die Müdigkeit aus ihrer Stimme eindeutig heraus.
Erneut hörte sie für einen Moment auf, als die Tür aufgerissen wurde und Hermine, Ginny und Mary Ron freudig anstrahlten. „Es ist ein Junge“, verkündete ihm Schwester Elis und sammelte die blutigen Laken vom Boden auf.
***
Dr. Fander hatte Lavender noch einmal untersucht, doch scheinbar war alles in Ordnung. Sie war bereits auf den Beinen und der kleine Hugo hielt sie ganz schön auf Trab. Also gab es nichts mehr, das zwischen ihnen und ihrer Heimreise stand. Heute Mittag würden sie sich mit Wintergrasp treffen, dachte sich Hermine und sah sich noch ein Mal im Haus um.
„Bist du bereit“, fragte Severus sie. „Ja, ich denke schon“, sagte sie und ging nun ebenfalls nach draußen. Es standen zwei Kutschen vor der Tür, da sie nicht alle in eine gepasst hätten. Außer der Kleidung, die sie am Leib trugen und ihren Zauberstäben hatten sie nichts dabei.
Hermine sah dem Haus noch einmal hinterher, dann stieg sie, zusammen mit Eileen auf dem Arm, ein. Der Ort an dem sie sich treffen sollten, war etwa eine Stunde von Boston entfernt. Sie waren lange Zeit durch eine kahle, schneebedeckte Landschaft gefahren, bis sie schließlich schon vom Weitem ein eigenartiges Gerüst sahen, das einen steilen Abhang hinunterführte.
Während der ältere Wintergrasp seelenruhig in einem Buch las, werkelte Alphonso ununterbrochen an der Maschine. „Ah, da seid ihr ja“, rief er, als die Kutschen vor ihm Halt machten.
„Sollen wir da etwa hochklettern?“, fragte Lavender entsetzt und sah der großen Maschine, bis weit den Hügel hinauf, hinter her. „Nein, klettern müsst ihr nicht“, versicherte ihr Alphonso, „ihr könnt hiermit fahren.“ Er zeigte auf einen zimmerhohen Holzkasten, der stark an einen Aufzug erinnerte.
„Es ist schon alles eingestellt“, sagte er aufgeregt. Zwar hatten sie sich bereits verabschiedet, doch Hermine nahm Neville und Mary noch einmal in den Arm und stellte sich dann in den Kasten neben Severus.
Alphonso verschloss das Gitter vor ihnen, dann stellte er sich wieder hinter sein Pult und betätigte einen Hebel.
Der Holzkasten fuhr langsam auf der Schiene nach oben, ein Lämpchen leuchtete auf, als er oben eingerastet war. Ein weiterer Schalter baute die Kraftfelder um die Schiene herum auf. Wintergrasps Hand ruhte auf dem Letzten in der Reihe. Er zögerte kurz, dann betätigte er den Hebel und der Kasten sausten nach unten. Bei jedem Passieren eines Energiefeldes wurden sie schneller, ein schummriges Gefühl hatte sich in Hermines Bauch ausgebreitet, bis sie das letzte Feld erreichten und ein lauter Knall, ähnlich dem beim Apparieren, ertönte.
Der Kasten wurde langsamer, bis er schließlich wieder am Ende der Apparatur zum Stehen kam und Wintergrasp durch das Gitter sehen konnten, dass er leer war.
Hermine fühlte sich schwindlig und klammerte sich mit einem Arm an Severus, während der andere fest ihre Tochter umklammerte. Sie öffnete die Augen und stellte fest, dass sie nicht mehr in dieser Kiste standen, doch sie standen noch genau so da, wie zuvor. Um sie herum war eine weite Wiese. Es war dieselbe Lichtung, doch sie sah anders aus, auch der Hügel vor ihnen war derselbe, doch auch er sah anders aus.
„Severus!“, hörte sie eine vertraute Stimme rufen und erkannte Dumbledore nicht weit von ihnen, unter einem Baum stehen.
Ende
A/N: So das wars dann also. Danke an alle Reviewer! Liebe Grüße, vielleicht liest mas sich ja mal wieder, Aer :)
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Luna ist auch eine Person, in die ich mich von Anfang an verliebt habe. Sie gibt der Handlung einen wichtigen, neuen Anstrich und sie lässt Harry Dinge anders betrachten. Ich war ihr wirklich von Anfang an verfallen.