
von Mica
Die Stimmung der beiden war den ganzen Tag lang nicht mehr so locker, wie sie am Anfang gewesen war. Sie redeten zwar noch, versuchten aber sehr gezwungen, ihre Gespräche am Laufen zu halten. Am Abend konnten sie endlich wieder zum Grimmauldplatz zurückfliegen.
Sirius hatte sie anscheinend schon sehnlichst erwartet, denn er hatte vor Langeweile alle Türen im ganzen Haus aufgemacht. Dabei war es ihm egal gewesen, ob es Schranktüren, Haustüren oder andere Türsorten gewesen waren. Also waren Tonks, Remus und Sirius den Abend über damit beschäftigt, alle wieder zuzumachen, und waren froh, als sie mehr oder weniger erschöpft ins Bett sinken konnten.
Am nächsten morgen stand Tonks natürlich wieder als letzte auf. Sie wagte einen ersten Blick auf Remus, und als er lächelte, wagte sie es, sich neben ihn zu setzen.
"Tut mir Leid wegen gestern, ich bin immer so neugierig",sagte sie zu ihm.
"Was war?",fragte Sirius sofort aufgeregt.
"Nichts, Tatze. Schon gut, war ja nichts dabei",sagte Remus zu Tonks.
Jetzt, als sie ihn aus der Nähe betrachten konnte, sah sie, dass er sehr blass und krank aussah.
"Geht's dir gut? Du siehst krank aus",fragte sie deshalb.
"Ja, geht schon",antwortete er sofort.
"Er sieht öfter krank aus. Einmal im Monat schon",sagte Sirius grinsend. Remus stieß ihm in die Seite und schien etwas zu sagen, was Tonks nicht verstehen konnte, da sie von einem Klopfen an der Fensterscheibe abgelenkt wurde. Es war eine Posteule, die den Tagespropheten brachte. Tonks bezahlte sie und nahm den Tagespropheten.
"Was steht drin?",fragte Sirius nach einer Weile.
"Es gab ein paar Morde... Ein neuer Scherzartikelladen macht in der Winkelgasse auf... es gibt ein neues Anti-Werwolfgesetz... und ein Anzeigen für Häuser, die man mieten kann.",leierte Tonks runter.
"Kann ich mal den Propheten?",fragte Remus und sah dabei etwas ängstlich aus.
"Klar",antwortete Tonks und reichte ihm ihn."Willst du eine Wohnung mieten oder was?"
"Öhm - Ja",sagte Remus, klappte die Zeitung auf und begann zu lesen. Bei jedem Mal, wenn seine goldenen Augen wieder von rechts nach links huschten, verfinsterte sich sein Blick immer mehr. Am Ende des Artikels sah er sehr wütend aus, klatschte die Zeitung auf den Tisch, sagte:"Ich geh raus", öffnete die Tür und ging.
"Was ist?",fragte Tonks Sirius erstaunt. "Sind sie zu teuer?
"Nein, ich schätze nicht...",sagte Sirius mit gerunzelter Stirn, schnappte sich den Tagespropheten, las den Artikel und auch sein Blick verfinsterte sich.
"Das kann doch nicht war sein...",nuschelte er.
"Was ist denn?",fragte Tonks deutlicher als zuvor.
"Du hast wahrscheinlich Recht, die Wohnungen werden ihm zu teuer sein",sagte Sirius. Das kam Tonks zwar seltsam vor, doch sie beschloss, dieses Mal nicht nachzufragen, sonst endete das noch wie in Hogsmeade.
Tonks ging in ihr Zimmer und stellte sich vor den Spiegel.
"Hm",sagte sie. Sie kniff die Augen zu, konzentrierte sich, und schon nahmen ihre Haare drei verschiedene Farben an: Pink, Grün und Lila.
"Sieht gut aus",sagte sie sich. Und da sie sonst nichts zu tun hatte, glotze ihr aus dem Spiegelbild mal Severus Snape, mal Celestina Warbeck, mal Michael Jackson oder Dumbledore entgegen.
Sie kam ein paar Stunden lang nicht aus ihrem Zimmer hinaus, irgendwann wurde es ihr dann doch zu langweilig und sie stieg die vielen Treppenstufen wieder hinunter. Gerade als sie die Klinge der Tür zum Wohnraum runterdrücken wollte, hörte sie leise, zischende Stimmen darin. Neugierig drückte sie ihr Ohr an die Tür und lauschte.
"Ich muss gehen, Sirius!",sagte eine Stimme, die nach Remus klang.
"Wenn du hier bleibst, hätte ich auch mal wieder etwas zu tun",erwiderte Sirius Stimme.
"Das ist nicht möglich, wenn Tonks hier ist. Sie würde mich hören!"
"Aber für dich ist es doch auch schöner hier, oder nicht?"
Remus seufzte. "Hast du gelesen, was im neuen Anti-Werwolfgesetz drinsteht?"
"Ja schon, aber -"
"Bis morgen, Sirius."
Tonks hörte Schritte, die immer näher kamen. Hektisch sah sie nach etwas um, worin sie sich verstecken könnte, fand allerdings nichts, und schon öffnete sich die Tür. Remus trat ihr gegenüber; er sah sehr schlecht aus.
"Was hast du gehört?",fragte er stirnrunzelnd.
"Nichts, ich wollte - gerade reingehen",log Tonks. Remus sah sie sehr lange an, wandte sich dann aber ab und ging zum zweiten Mal heute aus der Tür raus.
"Hast du etwa gelauscht?",fragte Sirius mit hochgezogenen Augenbrauen.
Tonks beantwortete Sirius Frage nicht. Stattdessen fragte sie ihn:"Was hatte das zu bedeuten?"
"Du hast also gelauscht",sagte Sirius und nickte. "Du weißt, dass ich dich jederzeit hier rauswerfen kann?" Seine Stimme war ganz ruhig. Tonks sagte aufgeregt:"Ja, tut mir Leid, dass ich euch belauscht habe, kommt nicht wieder vor. Jetzt sag mir, was euer Gespräch eben zu bedeuten hatte!"
Sirius sagte nichts. Tonks hatte den Eindruck, dass er sehr schnell nachdachte. Dann sagte er:"Setz dich", und deutete auf den Stuhl vor sich. Überrascht dass Sirius überhaupt reagiert hatte, trat Tonks näher und setzte sich.
"Du magst Remus",stellte Sirius fest.
"Ja",sagte Tonks. "Dich mag ich auch.
"Ich meine, du bist verknallt in ihn",sagte Sirius ernst. Tonks merkte, wie sie rot wurde.
"I-Ich-",stammelte sie.
"Ich sehe, wie du ihn anguckst, Nymphadora, ich bin nicht blind."
Darauf erwiderte Tonks nichts. Und mit einem Schlag wurde es ihr selbst zum ersten Mal klar. Sie war vollkommen verknallt ihn Remus Lupin.
"Er wird mich dafür zwar umbringen, aber ich denke, ich muss dir einige Dinge über Remus erzählen."
Tonks fand es sehr merkwürdig, wie Sirius, der lustige Herzensbrecher von Hogwarts, versuchte, mit ihr ein ernstes Gespräch zu führen. Doch es ging hier um Remus, und wenn Sirius meinte, es gibt etwas, was sie wissen musste, dann hörte sie ihm zu.
"Remus hat ein ziemliches Problem mit Frauen..."
"Was für ein Problem?",fragte Tonks.
"Ein ernstes."
"Hat er einen Kleinen? Das ist mir egal." Sirius lachte nicht.
"Du hast gemerkt, dass er krank aussieht. Morgen wird er wiederkommen, mit Wunden, und er wird sehr schlecht aussehen",sagte Sirius.
Tonks runzelte die Stirn.
"Das passiert einmal im Monat",sagte Sirius. Er schaute zu einem Fenster. Der runde Mond beleuchtete sein Gesicht.
"Ich versteh nicht...",sagte Tonks. Sie fühlte sich, als solle sie wissen, wovon Sirius redete, aber jede Faser ihres Körpers sträubte sich dagegen, als sollte sie das gar nicht wissen. Sirius schien sich zu bemühen, sich nicht die Hand auf die Stirn zu klatschen wegen Tonks schwerem Verständnis.
"Ich gebe dir einen letzten Tipp",sagte Sirius. "Wenn du hinter ihm stehst, kannst du ihn nicht erschrecken; er wird dich riechen. Wenn du dich im Dunkeln vor ihm versteckest, wird das nicht klappen; er wird dich sehen."
Tonks starrte ihn an.
"Denk drüber nach",sagte Sirius ernst und ließ Tonks allein auf dem Stuhl sitzend und grübelnd zurück.
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Episch, nicht? Nein.
Tut mir Leid wegen der Erwähnung von Michael Jackson, das musste einfach mal sein. Seid mir nicht böse :-)
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