Prophets quote Destiny - Selbstauferlegte Grenzen Teil 1
von serotina
Eine mit sich und der Welt äußerst zufriedene Junghexe saß schon früh morgens am großen Holztisch der Weasleys und verspeiste grinsend ihr Haferflockenmüsli.
„Wie ich sehe, ist der gestrige Abend doch mehr mit einem Ohnegleichen beendet worden, ganz im Gegensatz zu deiner trolligen Vorhersage.“ grinste Hermione als sie sich neben Ginny auf einen Stuhl fallen ließ.
„Nicht nur das, auch der Morgen hielt schon ein paar Erwartungen übertroffen bereit.“ Stolz zeigte Ginny auf ihren Zaubererumhang auf dem unschwer das silberne Zeichen der Vertrauensschüler prangte.
„Ginny, dass ist ja toll!“
„Jep, ich dachte schon, sie hätten mich vergessen, dabei hat Erol sich bloß verflogen und ist erst heute im Morgengrauen erschöpft gegen unser Küchenfenster geflogen. Für dich war auch ein Brief mit dabei.“ sagte Ginny mit einem verschwörerischen Unterton auf den Lippen und reichte Hermione den schwer wirkenden Umschlag herüber.
Mit etwas nervösen Finger öffnete Hermione ihren Hogwartsbrief und erblickte das Schulsprecherabzeichen, welches zwischen den Pergamentseiten golden schimmerte.
„Hab ich es mir doch gedacht!“ rief Ginny aus.
„Vielleicht solltest du Wahrsagerin werden.“ rief Harry die Treppe herunter, welcher den Anfang des Gesprächs von oben mit angehört hatte.
„Nein, dafür hab ich kein Talent, zudem ist es nur eine logische Schlussfolgerung gewesen.“ klärte Ginny Harry auf.
„Herzlichen Glückwunsch Hermione.“ sagte Harry und zauberte sich eine Tasse heißen Kaffee herbei, während Hermione die bekannte Schrift von Professor McGonagall überflog und dabei auf ein paar interessante Informationen stieß, die wohl eher zu Ginnys trolligen gestriger Tagesversion gepasst hätten, als ihre Angst vor ihrem ersten offiziellen Date mit Harry.
„Was bist du denn auf einmal so blass Hermione?“ fragte Harry, nach dem ersten Schluck Kaffee.
„Wo wir gerade bei der schönen Kunst des Wahrsagens sind, wie wäre es damit, dass das nächste Schuljahr ziemlich trollig werden wird, ein Grimm könnte auch ab und zu gesichtet werden, denn Draco Malfoy ist Schulsprecher.“ sagte Hermione und starrte finster aus dem Fenster.
Harry verschluckte sich an seinem Kaffee und Ginny war bemüht ihren beinahe Freund und den Jungen der eigentlich alles überlebte, erstmal das Leben zu retten, als Molly Weasley erzürnt durch das Küchenfenster blickte. „Was sitzt ihr hier noch so gemütlich herum, ich dachte ihr seit schon längst fertig? Wir reisen in zehn Minuten ab! Hop Hop!“
Hermione und Ginny schnappten sich ihre Briefe und verließen im Laufschritt die Küche in ihr Zimmer, während Harry nun mit einem Schluckauf gesegnet ihnen hinterher schlurfte und den noch schlafenden Ron aus dem Bett schmiss.
* * *
Das pfeifende Geräusch des Hogwartsexpress vermochte es beinahe die Belehrungen von Molly und Arthur zu übertönen, aber nur beinahe. So versprachen all ihre Schützlinge brav in einer Reihe aufgestellt, dieses Jahr auch wirklich nichts anzustellen, sich absichtlich wie unabsichtlich nicht in gefährliche Situationen zu begeben und immer wachsam zu sein.
Doch irgendwie bekam Hermione das Gefühl nicht los, dass sie dieses Versprechen nicht einmal die ersten 24 Stunden halten würde können.
Der Zug rollte los und Hermione und Draco begannen ihren Rundgang, beide waren gewillt diese Zusammenarbeit schnellst möglich hinter sich zu bringen, um danach wieder so tun zu können, als würden sie beide in verschiedenen Welten existieren.
Nach ihrem Rundgang ging Hermione schnell in ihr Abteil und ließ sich erschöpft auf den Sitz sinken, wie von selbst ging ihr Blick in die weite Ferne der schottischen Berge und ihre Gedanken kehrten zu dem ewigen Kreislauf dieses Sommers zurück. Severus Snape. Der Kuss. Severus Snape. Die Rettung. Severus Snape. Armontentia. Der Kuss ... Wann würde sie ihn wohl das erste mal wieder sehen, abgesehen von den täglichen Mahlzeiten natürlich. Innerlich Merlin um einen Gefallen bittend, hoffte sie, dass ihre erste Verteidigung gegen die dunklen Künste Stunde erst am Freitag stattfinden würde. Denn vielleicht hatte sie bis dahin schon rausfinden können, ob die Legenden über den Armontentia wirklich der Wahrheit entsprachen oder doch nur ein Hirngespinst einer romantisch veranlagten Hexe waren.
Wenn Dumbledore sich bei seiner alljährigen Willkommensansprache überraschend kurz fassen würde, könnte sie noch heute der Bibliothek einen kurzen Besuch abstatten.
Jedes mal wenn sie darüber nachdachte, nahm ihr Herz einen schnelleren Rhythmus auf. Was wäre wenn Ginny Recht hatte? Würde das irgendwas verändern?
Die Landschaft rauschte unweigerlich an ihnen vorbei und brachten sie an dem Ort, der so viele Rätsel beherbergte, die nur darauf warteten entschlüsselt zu werden.
* * *
Ruhig saß Severus in Dumbledores Büro und wartete bis dieser das Wort ergriff, da er ihn gerufen hatte, würde er irgendwann schon mit der Sprache herausrücken, auch wenn Severus jetzt schon wusste, dass es ihm wahrscheinlich nicht gefallen würde.
„Du warst gestern bei einem Treffen?“ fragte Dumbledore in die Stille hinein.
„Ja.“
„Gibt es etwas wichtiges zu berichten?“
„Nein.“
„Wie hat Tom auf unseren Plan reagiert?“
„Ich würde sagen, dass dein Plan nach hinten losgegangen ist, wenn ich ihm noch einmal mit Halbwahrheiten gegenübertrete, dann kannst du dich nach einem neuen Spion umsehen.“
„Das war nur einer seiner Drohungen, nichts weiter.“ entkräftete Dumbledore Severus Worte.
„Albus, was willst du?“ fragte Severus, am Rande seiner Geduld.
„Ich wollte dich darüber in Kenntnis setzen, dass ich vorhabe heute das Gespräch mit Harry und Ms. Granger zu führen. Je früher sie alles wissen, desto eher können wir mit dem gezielten Training beginnen.“ sagte Dumbledore.
„Wenn es dir nichts ausmacht, würde auch ich gerne anwesend sein.“ bat Severus.
„Das ließe sich glaube ich einrichten, da du die außergewöhnlichen Fähigkeiten von Ms. Granger entdeckt hast, wollte ich dich sowieso bitten, sie zu trainieren, damit ich mich voll auf Harrys Ausbildung konzentrieren kann.“
„Wie du wünscht.“ Wenigstens lief eine Sache nach seinem Plan, wenn Dumbledore die Prophezeiung schon nicht anerkannte, konnte er wenigstens dafür sorgen, dass ihre Kräfte nicht im Dunklen verborgen bleiben würden. Vielleicht würde das den Sinn der Prophezeiung schon erfüllen, in der ja von der Erkennung der Macht die Rede war um sie auch wirklich nutzen zu können.
„Wann wolltest du mit ihnen reden?“ fragte Severus.
„Gleich nach dem Festmahl, ich werde ihnen beide, vorher noch eine Nachricht zukommen lassen.“
„Ich werde dann da sein.“ Mit diesen Worten verabschiedete sich Severus und verließ das Büro des Schulleiters.
* * *
Sie konnte nichts dagegen tun, mit jedem weiteren Wort von Dumbledore, starrte Hermione grimmiger zum Lehrertisch hinauf. Es war nur eine winzige Hoffnung von ihr gewesen, dass Dumbledore sich dieses Jahr kurz fassen würde, doch nichts desto trotz hatte sie sich an diese eine Hoffnung geklammert, wie ein Ertrinkender an einen Schilfhalm. Doch allem Anschein nach, würde es die längste Rede seit ihrer Einsortierung werden.
Die große Wanduhr tickte unaufhörlich in Richtung Sperrstunde, als Dumbledore endlich die wichtigsten Themenpunkte des Verbotenen Waldes abgehandelt hatte und sich Merlin sei Dank auf seinen Platz setzte, ein Steak mit seiner Gabel aufspießend.
Hermiones Augen waren während dem Essen fast ausschließlich auf die große Wanduhr gerichtet, was zu einem den Vorteil hatte, dass ihr Blick nicht auf Severus Snape lag. Sie musste unbedingt noch an diesem Tag in die Bibliothek gehen, Verteidigung gegen die dunklen Künste stand schon am Dienstag recht manifestiert in ihrem Stundenplan und nur Merlin allein weiß, wie lange sie brauchen würde um das entsprechende Buch zu finden.
Sie musste unbedingt wissen, ob der Armontentia nur die wahre Liebe offenbarte.
Fast siegesmutig schob Hermione sich ihren letzten Bissen in den Mund, Harry und Ron luden sich derweil noch einen Berg von Süßspeisen auf den Teller, als eine kleine piepsige Stimme in ihrem Rücken, all ihre Pläne zunichte machte.
„Ms. Granger? Mr. Potter?“ piepste eine kleine Hauselfe, unüberhörbar.
Manchmal, es waren seltene Momente wie dieser, da wünschte sich Hermione, dass sie ihren Plan im dritten Schuljahr erfolgreich in die Tat umgesetzt hätte und alle Hauselfen nun schon befreit wären.
Verwirrt drehten sich beide zu der kleinen Hauselfe um die ihre beiden kleinen Hände empor streckte. „Professor Dumbledore bittet sie beide mich nun zu seinem Büro zu begleiten, da er etwas wichtiges mit ihnen besprechen will.“, wie als hätte die kleine Elfe Hermione Unmut gespürt, zog sie unablässig an einem Zipfel ihrer Schuluniform, bis Hermione sich erhoben hat. Bei Harry schien sie etwas nachgiebiger zu sein, weil er sich von seinem Schock nicht alleine ins Büro bestellt zu werden im sitzen erholen durfte. Ron löffelte weiter unbekümmert seinen Schokopudding und murmelte ein „bis später“ in die Sahne.
Mit zögerlichen Blicken machten sich die beiden auf den Weg. Ron der zurückgeblieben war, kam nicht drum herum sich zu fragen, warum nicht auch er zu Dumbledore gebeten worden ist. Da half auch der Schokopudding nicht mehr, seine Stimmung aufzuhellen.
* * *
Als Severus sah wie die beiden Gryffindors sich erhoben, legte er in aller Seelenruhe seine Gabel nieder und ordnete seine Roben, bevor er aufstand und Richtung Seiteneingang verschwand. Dicht gefolgt von Dumbledore.
Äußerlich die Ruhe selbst, konnte er sich selbst nicht so gut belügen, wie seine Außenwelt, denn er war schier ein wenig Nervös. Wie würde sie auf die Offenbarungen der heutigen Nacht reagieren, würde sie den Inhalt der Prophezeiung richten deuten. Würde es ihr überhaupt auffallen und wenn ja, was denn? Würde sie ihren Geist verschließen, würde Albus überhaupt genug Neugierde aufweisen um in ihren Geist einzudringen? Wenn dem so wäre, würde er in eine sehr große Erklärungsnot geraten. Angefangen von seiner Rettungsaktion bis zu ihrem Kuss.
Ein Kloß bildete sich in seinem Hals, was wäre, wenn er in ein paar Stunden Arbeitslos war?
* * *
Harry und Hermione bogen gerade um eine Ecke, als sie kurz vor sich Severus und Albus erblickten, in Sekundenschnelle gefror Hermione das Blut in ihren Adern. Wie konnte sie nur so naiv sein und denken, dass sie ihn bis Dienstag nicht näher begegnen würde. Wenn es nicht so lächerlich wäre, würde sie genau jetzt am liebsten gegen eine Wand rennen.
Innerlich wappnete sie sich auf das nun sehr baldige Zusammentreffen, was nur noch um die 100 Schritte auf sich warten ließ und verschloss sicherheitshalber schon mal ihren Geist. Man könnte ja nie wissen. Constant Vigilance!
„Zitronendrops“ sagte Dumbledore als sie vor seinem Büro stehenblieben.
* * *
„Ich möchte mich für die Unannehmlichkeiten nach ihrer langen Reise schon vorab entschuldigen. Kann ich ihnen irgendetwas anbieten? Zitronendrop?“ fragte Albus in seinem gemütlich wirkenden Büro, während er auf eine Sitzreihe nahe dem Kamin deutete, wo sich Harry und Hermione auf ein Sofa niederließen.
„Nein, Danke.“ sagten beide wie aus einem Mund.
„Severus?“ lächelte Dumbledore.
„Nein.“ sagte dieser unterkühlt, wann würde diese Farce endlich ein Ende haben?
„Ist irgendetwas passiert?“ fragte Hermione zögerlich und versuchte dabei die Angst so gut es ging aus ihrer Stimme zu verbannen.
„Nein, ich wollte euch wirklich nicht beunruhigen, aber es gibt ein paar Dinge zu besprechen, die keinen Aufschub mehr bedürfen. Wo fange ich am besten an? ... Ah Ms. Granger, Professor Snape hat mich vor ein paar Wochen darüber in Kenntnis gesetzt, dass sie es geschafft haben den causafides zu brechen. ...“ sagte Dumbledore.
„Den was?“ unterbrach ihn Hermione.
Seufzend fing Severus an den Zauber zu erklären, bevor noch mehrere Fragen die Gelegenheit bekamen, an die Oberfläche zu geraten. „Ms. Granger, sie erinnern sich doch bestimmt noch an ihre letzte Unterrichtsstunde bei mir.“
Wie könnte ich diese auch je vergessen, da diese Erinnerung sich wie ein unverzeihlicher Fluch in meine Seele gebrannt hat, dachte Hermione als sie Severus zur Antwort leicht nickte.
„Dann können sie sich bestimmt auch noch an den Wind erinnern, der das Buch, das zuvor unter einem magisch versiegelten Vakuum gelegen hatte, zu ihnen befördert hatte.“
„Das war ich?“ platzte es erschrocken aus Hermione heraus.
Oh Merlin, sie ahnt noch nicht einmal Ansatzweise wie viel Magie ihr innewohnt, wurde es Severus schlagartig klar. Wenn sie das schon so schockierte, dann hatte dieser Abend wirklich noch ein größeres Potenzial außer Kontrolle zu geraten, als er noch bei seinem vorzüglichen Mahl angenommen hatte.
Um sie nicht noch unnötiger zu verwirren entschied sich Severus für eine knappe Beantwortung ihrer Frage, „Ja.“ An die Dumbledore sogleich weiter anknüpfte, währenddessen über Harrys Kopf noch immer jede Menge imaginärer Fragezeichen herumhüpften. „Da sie in der Lage waren, diesen fortgeschrittenen Zauber zu brechen, würde ich es begrüßen, wenn wir im Dienste des Ordens ihre Fähigkeiten weiter ausbauen würden.“
Immer noch schien Hermione einfach weiter zu nicken, da ihr Kopf gerade dabei war alle Informationen zu verarbeiten. Sie hatte diesen Wind verursacht ... sie hatte Severus zu sich gehext, bevor sie rot anlaufen konnte, versuchte sie sich wieder auf die Worte des Schulleiters zu konzentrieren. Denn es behagte ihr absolut nicht, dass Severus wusste, dass sie für den Kuss verantwortlich war.
„Und um diese Fähigkeiten richtig auszubauen, habe ich Professor Snape gebeten, sie zu Trainieren.“ Wie auf Kommando schoss Hermiones Blick zum Professor, zur gleichen Zeit wendete sich Dumbledore Harry zu.
„Kommen wir nun zu dir Harry, wie du weißt existiert eine Prophezeiung von dir, doch das ist noch nicht alles, es gibt eine zweite Prophezeiung.“ Hermiones Blick war nach wie vor auf Severus gerichtet als sie die Worte von
Dumbledore hörte und das Gefühl hatte, das jemand einen riesigen Wassereimer über sie ergossen hatte, denn Dumbledores Worte hatten sie schlagartig an ihre eigene Prophezeiung erinnert. Irritiert über Dumbledores Annahme, dass Harrys Schicksal zwei Prophezeiungen beherbergen sollte, erinnerte sie sich an die endlosen Regalreihen, in der nur eine einzige Glaskugel Harrys Namen trug, dessen war sie sich sicher, schließlich war sie diejenige gewesen, die sie gefunden hatte.
„Die zweite Prophezeiung lautet, Dunkelheit ist die Abwesenheit von Licht, doch in sechs Jahren wird Mächtiges an diese Schule kommen, dieses vermag die Dunkelheit endgültig zu erhellen, für die Vernichtung eines Totgeglaubten, der in seinem Inneren die Dunkelheit sein eigen nennt. Diese Waffe muss erkannt werden um den Sieg zu garantieren.
Durch den Inhalt der Prophezeiung können wir davon ausgehen, dass du neben der Bestimmung Tom zu vernichten, auch die Macht besitzt es auch tun zu können, weswegen ich vorschlage, dass auch wir unser Training intensiver fortsetzen werden.“ beendete Dumbledore mit einem Lächeln seine Ausführungen.
Harry der erstaunt bei jedem seiner Worte an seinen Lippen gehangen hatte, nickte eifrig und erfreut, unendliche Erleichterung durchströmte ihn bei diesen Worten.
Nur Severus sah auf die einzige Person im Raum, die nach dem verlautbaren der Prophezeiung deutlich blass um die Nasenspitze geworden war. Immer noch schaute sie Severus in die Augen, der bei Dumbledores Worten den Blick nicht von ihr nehmen konnte, ihre aufgerissenen Augen, das zaghafte Kopfschütteln was sich in der leichten Bewegung ihrer Locken äußerte, ließen ihn innerlich erschaudern. Langsam zählte Hermione in ihrem Geist die Fakten wie das kleine Ein mal Eins zusammen, Harry der nur eine Prophezeiung besaß, ihre unbekannte Prophezeiung, ihre angebliche starke Macht, sie hatte von dem causafides gelesen und nur den wenigsten Zauberern gelang es ihn überhaupt zu brechen. All das ließ nur ein Ergebnis zu. Wenn es überhaupt möglich war, wurde sie noch blasser um ihre Nasenspitze herum.
Er hatte sie wahrlich unterschätzt, wenn er gedacht hatte, dass sie nicht eins und eins zusammenzählen könnte. Doch anscheinend war sie gerade dabei, den leichteren Weg einzuschlagen und Dumbledores Worten glauben zu schenken, dass Harry mit dieser Prophezeiung gemeint ist und nicht sie. Er musste etwas tun. Ohne unnötige Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, nickte er Hermione leicht zu, die daraufhin aussah, als würde die Welt über ihr zusammenbrechen.
Eine dunkle Ahnung der Eskalation beschlich Severus, als er den leichten Sprung in der Dropsschale des Schulleiters erblickte, die vor dem Gespräch noch nicht da gewesen war.
„Ms. Granger ...“
Doch Hermione senkte nur ihren Blick, straffte ihre Schultern und wendete sich mit kontrollierter Stimme an Dumbledore. „Entschuldigen Sie die Unterbrechung, ich wollte fragen, ob ich mich schon verabschieden könnte, die Reise hat mich doch mehr mitgenommen als ich gedacht hätte.“
„Natürlich mein Kind, gehen sie ruhig. Harry es macht dir doch nichts aus, noch ein wenig zu bleiben?“ fragte Dumbledore Harry und bekam so nicht mit wie Hermione fast aus dem Zimmer stürzte.
„Auch ich werde mich dann jetzt wohl verabschieden, Schulleiter, Mr. Potter.“ sagte Severus mit einem Nicken und verließ den Raum, die sich drehende Treppe herunterrennend um Hermione noch rechtzeitig einzuholen, bevor sie Merlin weiß was mit ihren Kräften anstellen würde.
Leicht aufatmend erblickte er sie am Ende des Ganges, als sie plötzlich vor seinen Augen apparierte.
Diese Hexe brachte ihn wirklich noch um den Verstand, warum konnte sie so etwas nicht vor Albus machen, selbst er könnte dann ihre Macht nicht mehr anzweifeln, alles andere wäre sonst mehr als lächerlich.
Zornig auf sich selbst, dass er es soweit hatte kommen lassen, machte sich Severus auf die Suche nach Hermione. Zielstrebig verließ er das Schloss und steuerte auf den großen See zu. Er hätte es selbst in die Hand nehmen sollen, selbst mit ihr reden und ihr alles in Ruhe erklären sollen. Warum musste er nur so feige sein? Dumbledore hatte noch nicht einmal Ansatzweise auf ihre Verstörtheit reagiert, da steckte doch noch etwas anderes dahinter, langsam schien es mehr als absurd, dass Dumbledore all die Zeichen so falsch deutete, was brachte ihm dieses Katz und Maus Spiel? Warum baute er so unbedingt auf Potter?
All diese Fragen rückten weit nach hinten in seinen Geist, als er Hermione inmitten einer Birkenbaumgruppe kauern sah. Ihren Umhang schützend um sich geschlungen, lehnte sie gegen einen Baum, ihr leerer Blick auf den Boden vor ihr gerichtet, so als würde die Welt um sie herum nicht mehr existieren.
Behutsam hockte er sich neben sie, am liebsten hätte er sie in die Arme genommen und solange getröstet, bis die Welt wirklich nicht mehr existierte, geschockt über seine erschütterte Gefühlswelt, streckte er beinahe ängstlich seinen Arm nach ihr aus und berührte sie sanft an der Schulter. Unendlich ängstliche Augen schauten zu ihm empor, Augen die nur eine Frage zu stellen schienen.
Doch zu seinem Erstaunen, entsprach ihre erste Frage nicht dem was er erwartet hatte. Aber anscheinend hatte Hermione in den letzten Minuten gelernt, warum einige Menschen lieber um den heißen Brei herumredeten, als Dinge bei ihrem wirklichen Namen zu nennen.
„Die Apparationssperre wurde nicht zufällig aufgehoben?“
„Wäre ich sonst hergelaufen?“ flüsterte Severus.
Ein lautes Schluchzen entwich ihrer Kehle und sie brach vor seinen Augen zusammen.
„Ich kann das nicht! Ich kann das einfach nicht! Ich hab so fürchterliche Angst. Wie kann ich es sein, wenn ich doch soviel Angst hab?“
Emotionalität und nicht angebrachtes Verhalten hin oder her, nahm er das kleine Häuflein Elend vor sich in die Arme und wiegte sie sanft hin und her. „Töricht ist derjenige der Stärke mit Mut gleichsetzt.“, flüsterte er ihr ins Ohr.
Seine samtweiche Stimme hatte ein beruhigende Wirkung auf ihr zerfetztes Seelenheil und so hob sie langsam ihren Kopf, bis sie in seine schwarzen Augen blickte und in den tiefen seiner Augen versank. So wie auch er. So nah.
Als hätte die Welt aufgehört sich zu drehen, näherten sich ihre Gesichter immer mehr an. Er konnte ihre Lippen beinahe auf seinen spüren, als er sich plötzlich zusammenriss und die Verbindung zu ihr unterbrach. „Wir sollten drinnen weiter reden“ sagte er und verfluchte seine leicht zitternde Stimme.
Sanft half er ihr auf die Beine, als sie unter ihrem Gewicht einfach nachzugeben schienen und er sie einfach auf seine Arme ins Schloss trug. „Wenigstens ist es für sie Kräftezerrend die Apparationssperre zu ignorieren, sonst hätte ich langsam wirklich Angst vor ihnen bekommen.“ Was stellte diese Hexe bloß mit ihm an, dass er binnen von Minuten seine Grenzen von menschlicher Nähe einfach überschritt, sie tröstete und jetzt sogar anfing zu scherzen. In ihrer Nähe war alles so leicht, so richtig. Merlin verfluchend trug er sie ins Schloss, hinunter in die dunklen Kerker, die nur noch von vereinzelten Fackeln beleuchtet wurden.
Vor seinen Gemächern setzte er sie ab um das Passwort zu sprechen und die Tür mit seinem Zauberstab zu öffnen, die ein erschreckendes Bild preisgab als sie knarrend immer weiter aufschwang.
Severus atmete ruhig ein, als er sich sein Büro sah und langsam über die Schwelle schritt.
„Alle Achtung, Dumbledores Dropsschale trägt einen einzigen Kratzer davon und mein Büro liegt in Schutt und Asche, na wenigstens haben sie meine Phiolen und Flaschen in einem Stück gelassen.“ sagte Severus. Stirnrunzelnd folgte Hermione ihm und japste erschreckt, als sie das ganze gesprungene Glas sah, welches in unzähligen Glasscherben auf dem Steinboden verteilt herum lag. Alle Bilder und Spiegel waren in scheinbar 1000 Teile gesprungen.
„Das ... das war ich nicht.“ sagte Hermione.
„Ich glaube schon, da ich es nicht gewesen bin und die Hauselfen trotz meiner widerspenstigen Art eher zu subtileren Mitteln greifen, um mich in die Schranken zu weisen.“
„Aber ich war doch gar nicht hier.“ versuchte sich Hermione herauszureden.
„Auch wenn ich es bevorzugt hätte, wenn sie ihre Magie an dem Büro des Schulleiters ausgelassen hätten, so ...“ Vorsichtig durchschritt er sein Büro genau auf die große Wanduhr zu, dessen Zifferblatt die ganze Aktion auch nicht unbeschadet überstanden hatte, die Zeiger aber dennoch deutlich auf der Stelle verweilten, als das ganze Spektakel stattgefunden hatte. „ ... gibt es keinerlei Zweifel an meiner Theorie und hier habe ich den Beweis dafür, wenn mich nicht alles täuscht, war es gegen halb neun, als Dumbledore zu seiner großen Offenbarung ansetzte und wie spät haben wir es hier, oh genau Acht Uhr fünfunddreißig. Zufall? Ich glaube kaum.“
„Es tut mir so leid“ stotterte Hermione nun mit hochrotem Kopf.
„Ihnen muss nichts leid tun, was ein kleiner Reparo nicht wieder in Ordnung brächte, wie schon gesagt, muss ich mich wohl bedanken, dass die Phiolen verschont geblieben sind.“ lächelte ihr Severus zu, der sogleich ihren verwirrten Blick bemerkte und seine Mundwinkel wieder die übliche Haltung einnahmen.
Das Severus sie plötzlich anlächelte versetzte ihr den nächsten Schock des Abends und sie setzte sich auf den nächst besten Stuhl. Wenn das so weiter ging, dann traute sie ihren Beinen und deren Standfestigkeit wirklich nicht mehr über den Weg.
„Reparo.“ flüsterte sie um wenigstens den verursachten Schaden zu beheben.
Wie von alleine fügten sich alle Gegenstände wieder zusammen und Severus hatte Müh und Not all den Scherben auszuweichen die quer durch das Zimmer schossen.
„Als ich von meiner Prophezeiung erfahren hatte, hätte ich nie gedacht, dass es sich dabei um so etwas Großes handeln würde.“ Ungelenk versuchte Hermione mit ihren Armen eine große Luftblase anzudeuten, bevor sie seufzend ihre Arme wieder sinken ließ.
„Sie wussten von ihrer Prophezeiung?“ auch Severus kam an diesem Abend irgendwie nicht mehr aus dem Staunen heraus.
„Nein, nicht wirklich. Neville hat mir bloß bei dem lächerlichen Maiball erzählt, dass er damals in der Mysteriums Abteilung auch meinen Namen in den langen Regalreihen von Schicksalsschlägen gelesen hatte.“
Jetzt wusste er zumindest schon mal, warum sie damals so überstürzt die große Halle verlassen hatte, was würde wohl als nächstes kommen? Vielleicht ein betrunkener Bergtroll der um die Ecke torkelte?
„Warum haben sie vorhin nichts davon erzählt?“
„Neben der Tatsache, das ich zu keinem vernünftigen Gedanken mehr in der Lage war, wollte ich es mir selbst nicht eingestehen, was meine Theorie für ein Ergebnis bereit hielt. Zudem, haben sie schon einmal dem Schulleiter widersprochen? Er klang so überzeugt, wie kann es sein, dass wir wissen, dass anscheinend diesmal nicht Harry gemeint ist? Ich mein Dumbledore ist einer der mächtigsten Zauberer.“
„Wie soll ich es sagen, sie standen zur falschen Zeit am falschen Ort.“
Fragend schaute Hermione Severus an, fast war sie versucht gewesen, eine Augenbraue fragend zu erheben, unterließ es aber lieber. Die ganze Situation war so schon absurd genug.
„Bei der Auswahlzeremonie standen sie genau neben Potter, selbst ich habe jahrelang geglaubt das Potter der Auserwählte sei ...“
„Was genau hat sie umgestimmt?“ fragte Hermione.
Nun hatte er sich in eine sehr unschöne Situation hineinmanövriert. Wo war der betrunkene Bergtroll der um die Ecke torkelte, wenn man ihn mal brauchte? Egal was er jetzt auch sagen würde, er würde sich dabei jedesmal um Kopf und Kragen reden, schließlich hatte alles damit begonnen, dass er sich seine Gefühle ihr gegenüber eingestanden hatte.
„Das ist unwichtig.“ sagte Severus, mit einem Tonfall der jegliche Gegenfrage von Hermione unterbinden sollte. Doch er hatte die Rechnung ohne ihre Sturheit gemacht, denn irgendetwas sagte ihr, dass er etwas wichtiges vor ihr zurückhielt, eine Wahrheit die sie schon seit Tagen ahnte. Alles, die Rettungsaktion, dass er sie in die Schule getragen hatte, der beinahe Kuss, alles würde auf einmal einen Sinn ergeben.
„Was hatte sie umgestimmt? fragte Hermione noch einmal.
„Wie ich schon sagte, ist diese Angelegenheit nicht von Belang. Dumbledore wird früher oder später ,eher später‘ einsehen, dass er auf das falsche Pferd gesetzt hat und sie werden in der Zwischenzeit lernen mit ihren Kräften umzugehen.“
„Und was werden sie tun?“ flüsterte Hermione.
„Ich ... ich werde das Richtige tun.“ sagte Severus mit einem Bedauern in der Stimme, dass Hermione beinahe das Herz zerriss.
Beiden war klar, dass er sich diesmal nicht auf die Prophezeiung bezogen hatte.
* * * * * * *
Wie hat es euch gefallen? Bin auf euer aller Meinung gespannt *hust*^^
Vielen lieben Dank an meine schnelle Beta eule20 und an die Leser die ein Kommentar hinterlassen haben. *freu*
Fanfanfan!!!: ja unsere Mine ist schon ne schlaue *grins*, ich glaube das wird Severus auch später irgendwann noch zum Verhängnis *grinsgrins* ich wünsch dir viel Spaß bei deinem FÖJ^^
NicoleSnape: hmm ja Ron, das wird noch ne heikle Angelegenheit werden und was Severus anbelangt, na ich will ja nicht zuviel verraten^^
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.
Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel
Samstag, 01.07.
Freitag, 02.06.
Mittwoch, 24.05.
Robert Pattinson ist die Rolle Cedrics praktisch auf den Leib geschrieben; er ist ein typischer Engländer mit dem attraktiven, gut geschnittenen Gesicht eines Privatschulzöglings.
Mike Newell