Prophets quote Destiny - Ohne Gnade Teil 2
von serotina
Mitten in der Menge von schwarzen und bordeauxfarbenen Umhängen, stach das pinke Kostüm der bösen Hexe heraus, die Hermione aus wutentbrannten Augen musterte, woraufhin sich ihr der Magen umdrehte.
Sie hatten einen Plan. Sie hatten sogar einen guten Plan. Doch mit der eisigen Atmosphäre die Hermione entgegenschlug, hatte sie nicht gerechnet. Bis heute kannte sie die Rechtsbarkeit des Ministeriums nur aus Harrys Erzählungen und seine Worte hatten es noch nie vermocht die erschreckende Realität in ihrer Gesamtheit zu erfassen.
Dunkle Kacheln bedeckten die fensterlosen Wände, die bleichen Gesichter hoben sich in einem starken Kontrast von der düsteren Fassade ab. Mit gierigen Blicken beobachtete die Menge sie, immer wieder drängten sie sich nach vorne, um ja nichts von der groß angekündigten Verhandlung zu verpassen. Selbst der letzte Platz im Saal war besetzt. Alle waren sie hier um den strahlenden Stern von Hogwarts fallen zu sehen und wenn Hermiones Zukunft von den hier Anwesenden abhängen würde, so würde sie tief fallen, nur um in der dunklen Einsamkeit zu verglühen.
Alle waren sie hier um zu sehen, wie ein weiteres Schlammblut nach Askaban geschickt werden würde. Es war erschreckend, wie sich die Zeiten in einer so kurzen Spanne ändern konnten.
Waren vor ein paar Jahren Askabans Zellen noch überfüllt mit Todessern, so tummelten sich dort nun Muggelstämmige Hexen und Zauberer. Ein deutlicheres Anzeichen für die Macht des Dunklen Lords, gab es kaum, denn Askaban lag eigentlich in der Hand des Zaubereiministeriums und soweit Hermione informiert war, war dieses noch nicht vom Dunklen Lord unterwandert worden. Jedenfalls nicht offiziell.
Zaghaft ließ Hermione ihren Blick durch den Raum wandern und erhaschte einen kurzen Blick auf Severus, welcher ein selbsterfüllendes Grinsen auf seinem sonst eher emotionslosen Gesicht zu Schau trug, welches besser zu einer Verleihung des Merlin Ordens erster Klasse gepasst hätte, als in eine Gerichtsverhandlung.
Sie hatten einen Plan, doch noch jeder gute Plan, konnte zum Scheitern verurteilt sein.
* * *
4 Tage zuvor
* * *
„Wir haben keine andere Wahl!“ resignierend ließ sich Severus in seinen Sessel sinken. Nun diskutierte er schon Stundenlang mit Hermione über unwichtige Dinge, wo sie doch noch immer keinen Plan hatten, wie sie das Medaillon am besten zerstören konnten.
„Es gibt immer Alternativen!“ erwiderte Hermione nur trotzig und wollte schon wieder zu ihrer kleinen einstudierten Rede ansetzen, die Severus schon letzte Nacht auswendig hätte aufsagen können. Er kannte ihre Argumente, bei Merlin er teilte sogar ihre Meinung. Doch in diesem Moment ging es nicht darum, was ihnen beiden am besten gefiel, sondern welches die sicherste Alternative war.
„Egal was passieren sollte, wir können nicht handeln ohne ihn vorher einzuweihen. Es wäre viel zu gefährlich und das weißt du!“ versuchte er es erneut.
„Wenn Dumbledore eingeweiht werden wollen würde, meinst du nicht, dass er dann nicht schon längst vor deiner Tür stehen würde?“
Und wieder gab Severus ihr in Gedanken recht. Albus Dumbledore, war nicht gerade der Zauberer dem irgendetwas entgehen würde oder einer der nur darauf wartete, dass man auf ihn zugehen würde. Nein, würde etwas nicht nach seiner Façon laufen, dann wäre er der erste, der durch Wände marschieren würde, nur um sich die Aufmerksamkeit aller zu sichern. Wahrscheinlich hatte Dumbledores Zurückhaltung mal wieder etwas mit dem Wunderjungen zu tun und mal wieder dürfte es Hermione ausbaden. Er wusste nicht ob er sich dies alles gefallen lassen würde, wenn das Ende des Krieges nicht so in greifbarer Nähe wäre.
Kopfschüttelnd lehnte er sich zurück. Es war zum Verzweifeln. Seit Tagen taten Hermione und er nichts weiteres als ihren Plan an den Plan vom Wunderjungen und Dumbledore anzupassen. Das ihnen das mehr schlecht als recht gelang, sollte unerwähnt bleiben.
Vor ihm stand noch immer Hermione, die gleichzeitig ihre Erschöpfung sowie auch ihre Stärke preis gab. Er wusste das sie nicht nachgeben würde, er wusste, dass er eh bald einknicken würde.
Vielleicht war es besser so. Albus hatte seine Gründe und auch er würde in Erklärungsnot geraten, wenn genau jetzt alles ans Licht kommen würde. Die Zerstörung des Rings, wäre nur eine Sache, die ihm gefährlich werden konnte. Wieder schaute er hinüber zu Hermione und gestand sich ein, dass Albus wahrscheinlich nicht sehr begeistert wäre, wenn er von ihrer Beziehung wüsste.
Vielleicht hatte Hermione recht, vielleicht gab es eine bessere Alternative als Dumbledore einzuweihen. Ihn ins Vertrauen zu ziehen und es ihm zu überlassen, ihre Geschicke zu lenken.
Minutenlang hatte Hermione ihren Mund gehalten, mittlerweile konnte sie sehr gut einschätzen, wann es besser war zu schweigen als zu reden. Sie sah es an seinem Blick, dass Severus nicht nur über ihre Worte nachdachte, sondern auch die Konsequenzen beider Entscheidungen abwägte.
Dann beugte er sich nach vorne und schaute sie wieder mit diesem durchdringenden Blick an, welcher ihr immer zeitgleich eine angenehme Gänsehaut bescherte.
„Also gut, wir werden keine schlafenden Hunde wecken, die nicht geweckt werden wollen. Aber wenn unser Vorhaben gelingen soll, so dürfen wir nichts dem Zufall überlassen.“
* * *
wieder im Gerichtssaal
* * *
Mit Zufall hatte ihr Plan am Ende wirklich nichts mehr zu tun gehabt, auch das letzte Detail war in einer Erbsenzählermanier ausstaffiert worden. Nicht nur das dies wahrscheinlich ihnen helfen würde, den Horkrux zu zerstören, es half Hermione auch ihre Nervosität etwas entgegenzuhalten, da jede ihrer Gesten mit Severus abgesprochen war. Sie spielte nichts anderes als eine Rolle und konnte in diesem Moment nur hoffen, dass ihre Vorstellung Oscarreif sein würde.
Mit erhobenem Kopf betrat sie die Stufen der Tribünen und steuerte auf die Plätze der Angeklagten und deren Begleitern zu. Ihre Haar trug sie offen, sodass ihre Locken leicht über ihre Schultern und das weiße Hemd fielen, was sie in Kombination mit ihrem Schulrock trug. Ihre Hand war eisern mit der von Harrys verflochten. Einerseits damit der Auserwählte Stellung bezog, andererseits brauchte Hermione dringend einen freundlichen Zuspruch.
Ron und Dumbledore trotteten erhaben hinter den beiden her. So weit so gut, dachte sich Hermione, als sie sich auf die Bank setzte und den einsamen Stuhl musterte, der unfreiweillig den Eindruck machte, eigens für sie gemacht worden zu sein.
Plötzlich ließ Harry ihre Hand los und ihre Herzschlag geriet ins Stolpern. Unruhig beobachtete sie ihren besten Freund, der mit einem mal unkonzentriert vor sich hin starrte. Sie wollte schon fragen, ob mit ihm alles in Ordnung war, als sich Harry auch schon zu ihr herüber beugte.
„Spürst du das auch? Sie trägt den Horkrux!“ wisperte er in Hermiones Ohr und ihre Aufmerksamkeit konzentrierte sich auf den pinken Fleck in all der Düsternis, doch sie spürte rein gar nichts. Doch wenn man genau hinschaute, sah man die Umrisse des Medaillons, welches sich unter ihrer leichten Robe deutlich abzeichnete. So nickte sie Harry zu und beide beobachteten, wie Umbridge zu Severus ging um ihm ihr Mitgefühl und äußerste Betroffenheit auszusprechen.
Mit einem einzigen Händedruck und einem zusprechenden Nicken, konnte Severus Umbridge zufriedenstellen und von sich vertreiben. Gefühllos ließ er seinen Blick durch die Menge streifen. Vor aller Augen verborgen, atmete er auf, bis auf Dumbledore und ihn war keine Hexe oder Zauberer anwesend, der in der Lage war, eine mächtige Aura zu erspüren. Er hatte bis zuletzt gehofft, dass Lucius nicht erscheinen würde, dass er diesen Affront gegen seine Familie einfach ignorieren würde. Er hatte sich in ihm nicht getäuscht und das war auch gut so. Denn Lucius war mit all seiner charakterlichen Mängel, dennoch in der Lage, eine mächtige Hexe zu erkennen, wenn man sie direkt vor seiner Nase abstellte und Zaubern ließ.
Umbridges Blick haftete immer noch auf den geheimnisvollen Gesichtszügen von Severus. In ihren Augen, war er genau der Richtige für diesen Job, wahrscheinlich hätte sie bei keinem anderen Lehrkörper wirklich ein Tribunal zusammenrufen und einfach einen Schulverweis verhängen können, doch bei ihm, war sie sich sicher. Er würde die Verhandlung gegen eines von ihm verachteten Gryffindor bis zum bitteren Ende durchziehen.
Selig lächelnd trippelte Umbridge auf ihr Podest und richtet ihren Blick auf die Menge.
„Wir sind heute zusammengekommen um das Verhalten einer Schülerin zu richten, die nicht nur die Schulregeln von Hogwarts gebrochen, gegen die Regeln des Anstands gehandelt und die vor allem anderen gegen das Gesetz des Ministeriums verstoßen hat, indem sie einen Lehrkörper auf's Schändlichste angegriffen hat.“ Umbridge machte eine kleine Pause und ließ ihre gesagten Worte wirken, als sie mit einer piepsigen Feindseligkeit fortfuhr.
„Hiermit rufe ich Hermione Jane Granger auf.“
Stille senkte sich über den Gerichtssaal, als Hermione mit starrem Blick auf den in der Mitte positionierten Stuhl schritt. Ihre Hände waren klamm, sie hatten nur diese eine Chance, sie durfte es auf keinen Fall vermasseln.
Mit gesenkten Blick setzte sie sich Umbridge gegenüber, die ein Lächeln der Vorfreude nicht verbergen konnte. Nicht so wie Hermione, die auf alle im Saal nun mehr eingeschüchtert wirkte.
Ein kleiner untersetzter Mann richtete sich auf und verlas einen Fetzen Pergament. „Hermione Jane Granger, Muggelstämmig, nach dem Gesetz her volljährig wird aufgrund eines Angriff auf einen Lehrkörper vom Zaubergamot angeklagt.“
Der Fetzen Pergament verrauchte im Wind und der Zauberer saß wieder auf seinen Platz. Pflicht erfüllt, nun war Umbridge wieder an der Reihe und es machte ihr sichtlich Spaß. Vielleicht hätten die Zentauren damals keine Gnade walten sollen, dachte Hermione kurz, bevor sich ihre Aufmerksamkeit wieder auf das aktuelle Geschehen richtete.
„Haben sie den hier Anwesenden Lehrer Severus Snape angegriffen?“ fragte Umbridge lauernd.
„Ja.“ antwortete Hermione mit fester Stimme und sah so aus, als wolle sie noch etwas nachsetzen, als Umbridge sich schon dem nächsten Thema zuwandte.
„Mr. Snape haben sie eine bleibende Verletzung davongetragen?“
„Da ich dem Zauber ausgewichen bin, konnte ich dem entgehen, aber durch den Sturz habe ich mir ein blaues Handgelenk zugezogen.“ eröffnete Severus mit leidvoller Miene. Ein emotionales Zugeständniss, dass selten über sein Gesicht huschte.
Wieder ignorierte er Hermione und nahm seinen Blick nicht mehr von dem pinken Übel.
„Ist ihnen in dieser Art schon mal etwas passiert?“ fragte Umbridge weiter.
„In der Tat.“ antwortete Severus ruhig „Schon in ihrem ersten Jahr hatte sie versucht mich anzuzünden. Dann im zweiten Jahr hatte sie mich bestohlen, bevor sie mir im dritten Jahr einen Expelliarmus angehext hatte, der mich durch die Luft schleuderte.“
Plötzlich horchte Hermione auf, früher hatte sie immer gedacht, dass die Wucht des Expelliarmus daher rührte, weil Harry, Ron und sie ihn gleichzeitig gesprochen hatten. Aus dieser Sicht hatte sie es noch nie betrachtet, hatte sich damals vielleicht schon etwas von ihrer Magie gezeigt?
„Ihr jetziger Angriff ist also nur ein Versuch unter vielen gewesen ihnen zu schaden?“ schlussfolgerte Umbridge und man könnte meinen, dies stelle den schönsten Moment ihres Lebens dar, so erfüllt ging sie in ihrer Aufgabe auf.
„In der Tat, und aus diesem Grund, habe ich mich auch für diesen drastischen Schritt entschieden. Hermione Granger stellt eine Gefahr für alle dar.“
,Wenigstens kann er mir jetzt dies alles nicht mehr unter die Nase reiben, da er hiermit die Möglichkeit für eine formvollendete Rache hatte.‘ dachte Hermione als sie betreten ihren Kopf senkte und Demut präsentierte, während Harry aufsprang und lautstark für sie einstand.
Mal sehen wie viel Wert das Wort des Auserwählten hat?
Severus und Hermione hatten lange Zeit überlegt, wie sie es bewerkstelligen können, dass Harry alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen würde, schlussendlich hatten sie sich für den leichtesten Weg entschieden, ihn einfach zu provozieren.
Es hatte funktioniert, alle Blicke glitten zu Harry, selbst Umbridge ließ Hermione aus den Augen, Dumbledore der ruhig neben Harry saß, wartete ab, was als nächstes passieren würde. Bis jetzt hatte sich Severus an seinen Plan gehalten, auch wenn es nicht vorgesehen war, Hermione derart vorzuführen.
Doch das alles interessierte Hermione nicht mehr, denn Harrys Reaktion war ihr Zeichen mit dem Zauber zu beginnen. Mit gesenktem Blick fixierte sie den Horkrux und bevor sich in ihrem Kopf auch nur die Ahnung eines Zauberspruchs entwickeln konnte, ging Voldemorts Seelenteil schon zu einem Angriff über.
Schwarzer dicker Rauch quoll aus den Ritzen des Medaillons und waberte das kleine Podest hinunter, genau auf Hermione zu. Sie war sich sicher, dass sie die Einzige im Raum war, die dieses Schauspiel sah, denn die Menge war immer noch auf Harry fixiert, obwohl sich aus dem Rauch langsam Krallen formten, die wie ein Ungeheuer auf sie zugekrochen kamen.
Erstarrt saß Hermione auf ihren Platz, als unbarmherzige Kälte sie überfiel, in sie eindrang und ihren Geist aufsuchte. Der Rauch hatte sie nun vollständig eingehüllt und sich ihrer Gedanken bemächtigt. Dies war anders als beim Ring, dieser Horkrux schien um einiges mächtiger zu sein, denn plötzlich spürte Hermione eine Präsenz in ihrem Geist, die vorher noch nicht da gewesen war.
„Hermione.“ es sprach ihren Namen aus, als wäre sie ein kleines törichtes Kind, dass noch lernen musste, wo ihr Platz im Leben war. Ihre Hände verkrampften sich und sie verlor den Blickkontakt zu dem Medaillon, als sie versuchte den Horkrux durch Okklumentik aus ihrem Geist zu vertreiben, doch es war zu spät, ihn mit dieser leichten Hexerei noch zu beeindrucken.
Er flutete ihren Verstand mit Bildern aus ihrer Vergangenheit. Bilder von ihren Eltern, die ihr Unverständnis für die neue Welt ihrer Tochter nur schwer verbergen konnten. Hänseleien in der Muggelschule wie auch in Hogwarts wechselten sich ab, wie auch all die Niederträchtigkeit, die Severus ihr gegenüber versprüht hatte. Dieses Mal war kein Vertrauen mehr da, dieses eine Mal verspürte sie Angst. Angst vor der Wahrheit, Angst vor dem Spiel, dass sie vielleicht doch nicht beherrschte.
„Bist du dir sicher dass alle Leute dir nicht nur vorspielen dich zu lieben, damit du dich für sie opferst?“ seine Stimme klang wie blanker Hohn. „Bist du dir sicher dass Severus dich liebt?“ Noch vor fünf Minuten hätte sie diese Frage mit Gewissheit beantworten können, doch nun war sie von der Angst dieser Frage überwältig, Angst davor, dass alles doch nur ein übler Scherz war, dass er nur wollte, dass sich die Prophezeiung erfüllte. Hatte er nicht immer betont, dass dies ihm das wichtigste sei?
Doch dann rezitierte sie den Spruch aus dem Lehrbuch für Tränke, den Abschnitt des Armortentia, dem Trank, der nicht lügen kann. Das Wesen lachte hohl und nun konnte auch Umbridge den Beschimpfungen von Harry nicht mehr folgen, da sie merkte, dass irgendetwas sie attackierte. Umbridges Augen wurden schwarz , als sie sich auf Hermione konzentrierte und der Horkrux ihre Magie anzapfte um auch diese Energie gegen Hermione zu richten.
Dumbledore richtete sich leicht auf, als er die Veränderung der Magie im Saal bemerkte, die gewiss nicht von seiner rechten Seite kam, wo Harry immer noch Hermione aus vollem Herzen verteidigte.
„Du bist nichts weiter als eine armselige Spielfigur.“ Doch damit traf es Hermione nicht, dass wusste sie auch schon vorher. „Der Preis wird hoch sein, den du zahlen wirst. Bist du bereit jeden Preis zu zahlen, Hermione?“ Die Antwort auf diese Frage fiel ihr leicht, und brachte ihren Geist wieder dazu sich zu konzentrieren.
Leicht hob sie ihren Blick, aber nicht zu sehr, dass irgendwem eine Veränderung auffallen würde, die Aufmerksamkeit lag immer noch auf Harry, dessen Geschrei dumpf an ihr Ohr drang, doch noch immer blendete sie die Worte aus. Für sie zählte in diesem Moment nur noch eines, sie würde jeden Preis zahlen um die Unsterblichkeit des Seelenteils zu vereiteln. Ihr entschlossener Blick klebte förmlich an dem Medaillon, in ihren Gedanken reckte sie ihr Kinn trotzig in die Höhe, hielt ihren Rücken gerade und schleuderte dem Wesen ihre Antwort in Form eines Reducto entgegen. Ihre ganze Kraft in den Zauber legend, hörte sie das schrille Lachen des Horkrux in ihren Ohren. Doch jetzt hatte sich das Lachen verändert, er wusste, dass er besiegt war, doch nach seiner Ansicht wusste er noch viel mehr.
„Du wirst alles verlieren, Hermione, Alles!“ flüsterte er zum Abschied, als auch schon eine leichte, fast durchsichtige kleine Rauchfahne, sich aus dem Medaillon erhob. Severus sah sie und gab Potter unauffällig, dass vereinbarte Zeichen. Aus den Augenwinkel sah er, dass Hermione ihren Kopf immer noch gesenkt hielt und eine einzelne Träne ihre Wange hinab rann. All die Abscheu, die er bei diesem Bild empfand, die Wut gegenüber allen, die Hermione in diese Situation gebracht hatten, die Wut auch auf sich selbst, weil er es nicht vermochte sie besser zu beschützen, all das legte er in seine nächsten Worte, die noch nie so verletzend geklungen hatten, wie in diesem Moment.
„Miss Granger hätte sowieso nie eine Chance gehabt, da kann sie auch gleich in Askaban versauern.“
Harry sah planmäßig rot und erhob nicht nur seine Stimme, sondern auch seinen Zauberstab, als er den Stupor abfeuerte, der durch einen kleinen Fingerzeig von Hermione zu Umbridge umgelenkt wurde und zielsicher das Medaillon traf.
Das Gleichgewicht verlierend, stolperte Umbridge zurück und prallte gegen die Rückwand der Tribunen, als mit einem Rasseln das Medaillon zu Boden fiel. Die Kette war durch den Stupor aufgesprungen und das glänzende Goldgelb des Anhängers war Ruß geschwärzt.
Harry murmelte Entschuldigungen, Umbridge die vom Bann erlöst worden war, wirkte im ersten Moment mehr als nur verwirrt und die Menge konnte Harry sowieso nichts übel nehmen. Genau diesen Moment nutzte Severus um Umbridge noch ein wenig mehr zu verwirren.
„An diesem Punkt möchte ich vorbringen, dass ich alle Anklagepunkte gegenüber Miss Granger fallen lassen werde.“
Unüberhörbar schnappte Umbridge nach Luft. „Das können sie nicht tun.“
„Doch das kann er.“ Dumbledore richtete sich zu voller Größe auf. „Laut dem Zaubergamotgesetz 323 Abschnitt 3.4 darf ein Anzeigensteller, zu jeder Zeit der Verhandlung seine Anklage zurückziehen und die Verhandlung somit beenden. Da die meisten Prozesse das Ministerium zum Anzeigesteller haben, wurde dieser Paragraph erst einmal angewendet, doch das ändert nichts an seiner Existenz und vor allem an seiner Gültigkeit.“
„Aber ... aber, wollten sie den Prozess von Anfang an beenden?“ wendete sich Umbridge an Severus.
„Nein.“ antwortete er kühl. „Miss Granger zeigte auch nach der Tat kein Einsehen, weswegen ich diesen Weg gewählt hatte und auch bis zum Ende gegangen wäre, würde sie keine Zeichen der Reue zeigen. Was ich vorhin gesagt habe, diente nur der Erniedrigung der eben genannte Hexe und reicht für mich als Bestrafung vollends aus, sodass sie in Zukunft keine Grenzen mehr überschreitet. Denn ihre Intelligenz darf nicht in Askaban verrotten.“
Langsam schritt Severus die Stufen hinab und klaubte unbemerkt das Medaillon von den steinernen Treppen.
„Nachsitzen für den Rest des Schuljahres Miss Granger und Mr. Potter sie dürfen ihre Strafe mit dem Schulleiter absprechen.“
Severus war nun bei Hermione angekommen, die noch immer verkrampft auf ihren Stuhl saß. Die Tränen waren verschwunden und bis auf Severus hatte sie auch keiner bemerkt. Irgendetwas muss vorgefallen sein, denn dies war kein Zeichen ihrer normalen Erschöpfung gewesen.
Irgendwie war Hermione immer noch in ihrer eigenen Welt gefangen, sie hatte den Horkrux besiegt, doch er hatte sie bestohlen. All die Hoffnung, die sie in den letzten Tagen aufrechterhalten hatte, war weg.
Schmerzlich vermisste Hermione das Gefühl und verabscheute gleichzeitig die Angst, die sich statt dessen in ihrer Brust festgesetzt hatte und ihr das lebenserhaltene Atmen beschwerte.
Nur am Rande bekam sie mit, wie Severus sich ihr näherte und wie die Mutter von Hannah Abbott aufstand und die Verhandlung für beendet erklärte.
Mechanisch erhob sich Hermione, den Blick konzentriert auf den Boden gerichtet, und hoffend, dass ihre Kräfte noch ausreichen würden um aufrecht aus dem Saal zu gehen.
Severus bemerkte sofort, dass Hermione leicht wankte, als sie sich erhob und mit gesenktem Blick aus dem Saal schritt. Hoffend, dass sie es bis zum Durchgang schaffen würde ohne ohnmächtig zu werden, wich er nicht mehr von ihrer Seite.
Aus dem Augenwinkel sah er, wie Albus Harry fast liebevoll auf die Schulter klopfte und irgendwas von gut gemacht murmelte. Unbändige Wut wollte sich an die Oberfläche kämpfen, doch er wäre nicht er selbst, würde er jetzt seinen Gefühlen nachgeben. Auch wenn er jetzt mit Sicherheit sagen könnte, dass Albus wusste was hier gespielt wurde, wenn er es nicht sogar selbst inszeniert hatte.
Doch war gerade er nicht in der Position Albus zu Rede zu stellen, auch wenn er nicht wüsste, wie lange er dieses Schauspiel noch ertragen würde. Jahrelang hatte er jeden Auftrag ausgeführt, ohne auch nur den leisesten Gedanken seinerseits in Frage zu stellen. Doch dieses mal betraf es nicht ihn, sondern Hermione. Doch auch wenn sich sein Blickwinkel geändert hatte, so war die Ausgangssituation noch immer die gleiche. Albus Dumbledore war der Zauberer der weißen Seite, man stellte ihn genauso wenig in Frage, wie den Dunklen Lord.
Angewidert wandte Severus seinen Blick von dem falschen Wunderjungen und seinem unterstützenden Mentor ab, zu Hermione, die mit jedem Schritt langsamer wurde. Bald hatten sie den Durchgang erreicht, der nur von ein paar Wachen flankiert war, die Hermione komisch beäugten. Doch das schien sie nicht mehr mitzukriegen, da ihre Schulter unsanft die steinerne Wand streifte, bevor sie vor aller Augen zusammenbrach.
Severus reagierte schnell und fing ihren leblosen Körper auf, er konnte noch Potter und das Wiesel schreien hören, als er mit ihr apparierte und sie in Sicherheit brachte. Weit weg von ihren vermeintlichen Freunden und Beschützern. Weit weg von dieser zerstörerischen Welt.
* * * * * * *
Vielen Dank an meine Beta eule20 *knuddelknuff* *mehr Schoki rüberschieb*^^
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Samstag, 01.07.
Freitag, 02.06.
Mittwoch, 24.05.
Ich will mehr wie jeder andere, dass Joanne K. Rowling mit meiner Luna zufrieden ist, denn es ist ihr Charakter. Ich hatte schon einen Albtraum davon, auf der After-Show-Party zu sein, Jo zu treffen und sie schüttelt nur ihren Kopf und schaut traurig. Das ist mein Irrwicht. Aber bis jetzt hat sie sich mir gegenüber positiv verhalten, also bin ich optimistisch.
Evanna Lynch