
von serotina
Der Tag war noch voller Hoffnung, als Hermione perplex den Klassenraum für Verteidigung gegen die dunklen Künste verließ. Es irritierte sie unsichtbar zu sein, doch letztendlich hatte die Magie, sie aus einer brenzligen Situation errettet. Auch wenn sie nun gerne den Ausschalter für ihre Nichtexistenz finden würde, war sie dennoch erstaunt über ihre Fähigkeiten, die anscheinend wirklich nicht viele Grenzen kannten.
An den berüchtigten Wasserspeiern vorbeilaufend, rätselte sie, was wohl so wichtiges passiert war, dass Severus sofort dort erscheinen sollte. Sich noch fragend, ob es vielleicht irgendetwas mit Häuserrivalitäten zu tun hatte, erregte das kratzende Geräusch eines Wasserspeiers, der über den Boden schabte, ihre Aufmerksamkeit. Sich gerade noch rechtzeitig umdrehend, sah sich Hermione mit einer völlig aufgelösten Lavender konfrontiert, die beinahe in sie reingelaufen wäre.
Ein Hechtsprung zur Seite, bewahrte Hermione vor komischen, nicht beantwortbaren Fragen und Lavender war zum Glück so sehr durch den Wind, dass sie auf die plötzlich scheppernde Ritterrüstung neben sich, überhaupt nicht reagierte.
Nun doch alarmiert, folgte Hermione ihr in den Gemeinschaftsraum. Als Lavender Harry und Ron entdeckt hatte, eilte sie zu ihnen, wobei sie Harry etwas ins Ohr flüsterte und Ron leicht ignorierte. Hermione stand viel zu weit entfernt um auch nur den Hauch einer Ahnung zu haben, in was für Geheimnisse Harry gerade eingeweiht wurde. Nach ein paar Sekunden angestrengtem Überlegen`s flüsterte Harry zurück und Lavender verschwand, ernst nickend, im Schlafturm der Mädchen.
Bevor Harry aufstand und zu Hermiones Tür eilte, unterhielt er sich noch kurz mit Ron, dessen Blick sich merklich weitete, doch Harry klopfte vergebens gegen die schwere Eichentür. Versteckt hinter einer großen Zierpflanze, hatte diese Szenerie für Hermione etwas leicht absurdes, zumal sie sich eigentlich nicht hätte verstecken müssen. Momentan könnte sie leicht bekleidet auf den Tischen tanzen ohne gesehen zu werden.
Schon in ihrem zweiten Schuljahr hatte sie Harry erklärt, dass es selbst für einen Zauberer unnormal war mit Schlangen sprechen zu können, das Gleiche galt wohl auch für spontane Unsichtbarkeit, wenn man nicht gerade Albus Dumbledore hieß.
So verbrachte Hermione die nächste Stunde damit auf die Rücken ihrer zwei besten Freunde zu starren und ihre Gespräche zu belauschen. Doch sie taten ihr nicht den Gefallen über brisant wichtige Dinge zu reden, wahrscheinlich warteten die beiden ironischerweise auf ihre Rückkehr, denn immer wieder warfen sie abwechselnd besorgte Blicke zu Hermiones Tür und dem Porträtloch.
Da war es wohl nicht weiter verwunderlich, dass sie nach der Quidditschturniermannschaftsdiskussion selbst zum Gesprächsthema avancierte.
Mit glühenden Wangen flüchtete Hermione aus dem Gemeinschaftsraum, als Ron immer noch von ihrer vorteilhaften Figur schwärmte und Harry nur mit den Augen rollte.
Ihre Freunde erwiesen sich als informative Sackgasse, deren einzig verlautbare Aussage, „Wir dürfen mit niemanden darüber reden, hat Dumbledore gesagt ...“ war. Sie hätte viel früher zu Severus gehen sollen, wahrscheinlich wusste er auch, wie sie ihr kleines Problem lösen könnte.
Doch seine Gemächer, wie auch sein Büro mit angrenzendem Labor, waren verlassen. Das Feuer im Kamin war verloschen, nicht einmal die Asche glühte noch leicht nach. Severus musste schon vor einer Stunde das Schloss verlassen haben, vielleicht sogar gleich nach dem Treffen im Büro des Schulleiters.
Vielleicht war er aber auch nur Kräutersammeln, versuchte sich Hermione einzureden. Vielleicht war er aber auch bei Voldemort. Sie musste unbedingt erfahren, was passiert war. Aber dafür musste sie wieder sichtbar werden, nur hatte sie keine Ahnung, wie sie etwas rückgängig machen sollte, was sie nicht bewusst getan hatte.
Sich immer wieder auf den Wunsch, Sichtbar zu werden, konzentrierend, stand sie vor dem Spiegel und beobachtete im Spiegelbild, wie die Zeit verstrich.
Seufzend machte Hermione sich auf den Weg in die Bibliothek, die zwar von spontaner Unsichtbarkeit in einigen Fällen zu berichten wusste, aber laut Jürgen von und zu Drachenfels,diese aber nie wieder aufgetaucht waren und seit je her ein Leben im Schatten führten.

Ungemein frustriert und leicht panisch stattete Hermione Severus immer noch verwaisten Gemächern einen weiteren Besuch ab und vergewisserte sich, ob sein Labor nicht vielleicht ein paar Sichtbarkeitstränke, von deren Existenz sie nicht gerade überzeugt war, beherbergte. 

Doch sein Labor erwies sich als Einbahnstraße der Hoffnungslosigkeit. Am Ende ihres Latein angelangt, stellte Hermione sich zum gefühlt hundertsten Mal vor einen Spiegel und suchte sich in ihrem nicht existenten Spiegelbild. Sie verlor ihre Konzentration und starrte irgendwann nur noch auf die große Wanduhr, die an der gegenüberliegenden Wand angebracht war und beobachtete, wie die Zeiger der Uhr genüsslich ihre Runden drehten.
 Ihr Innerstes fror, die Kälte kroch hinab bis zu ihren Fingerspitzen, verteilte sich in ihrem ganzen Körper und erweckte den Anschein, als wolle sie nie wieder verschwinden. Für immer sich in ihrem Herzen einnisten und ihre Gedankenwelt atmosphärisch kontrollieren. 

Bei dieser Gelegenheit fiel Hermione auf, wie weit ihre Gedanken momentan abschweiften und welche Abgründe sich dort auftaten. Sie war noch nie sehr melancholisch veranlagt gewesen und dieser neue Wesenszug irritierte sie doch sehr.

Kopfschüttelnd verließ sie die sicheren Gemächern und schlich durch die dunklen Flure, an großen Fensterreihen entlang, die nach und nach den Blick auf die Sterne freigaben. Erst jetzt merkte Hermione wie schnell die Zeit vergangen war. Sie wusste nicht mehr genau, wie lange sie in Severus Wohnzimmer vor dem Spiegel verharrt war, obwohl ihre Blicke eigentlich ständig an der Uhr geklebt hatten.

Noch immer hatte sie nicht herausgefunden, was vor ein paar Stunden, vor einem nun mehr halben Tag in Hogwarts passiert war und es fühlte sich so falsch an, unwissend, nichts ahnend durch die Schule zu streifen, den neuesten Klatsch und Tratsch ausgesetzt zu sein und nach ihrem Befinden, musste sie nicht unbedingt wissen, dass Blaise Zabini gerade mit Evelyn Schluss gemacht hatte, weil dieser mit Lavender rumgeknutscht hatte und jetzt mit Daphne Greengrass ging. Auch wenn sie Lavender nun mit anderen Augen sehen würde, oder doch eher Blaise? Sie war sich da noch nicht ganz so sicher, für wen von beiden, dieses Verhalten seltsamer war.

Als sie jedoch an Crabbe und Goyle vorbei kam spitzte sie ihre Ohren und lenkte ihre Schritte unauffällig weiter in ihre Richtung, auch wenn unauffällig in ihrem Falle nur bedeutete, dass sie darauf Acht gab, nicht aus Versehen gegen eine schlecht platzierte Rüstung zu stolpern.

„Mir ist schlecht!“ brabbelte Crabbe.

„Dann hättest du eben nicht soviel essen sollen.“, Goyle verdrehte verträumt die Augen, als er sich wieder an das köstliche Mahl erinnerte. Bohneneintopf mit Schweinshaxe.

„Ich hab doch nur Malfoys Portion mit verdrückt.“ seufzte Crabbe weiterhin und hielt sich schützend eine Hand vor seinen fülligen Bauch.

„Selbst Schuld.“ 

„Was meinst du, wo er heute wieder ist?“ fragte Crabbe, nachdem er sich durch unzählige Schulterblicke davon überzeugt hatte, keine unfreiwilligen Lauscher in der Nähe zu haben. Goyle zuckte unauffällig mit einer Schulter und vergewisserte sich noch unauffälliger ob sie irgendwer hören konnte. „Er ist nicht in der Schule, dass ist schon mal gewiss.“ 

„Woher...?“ 

„Ich habe vor ein paar Stunden beobachtet, wie er auf den Verbotenen Wald zumarschiert ist und wenn du mich fragst, hat er sich über den Zaun aus dem Staub gemacht. Schließlich setzt er seit dem ersten Schuljahr doch keinen Fuß mehr in den Verbotenen Wald.“

Hermione wusste nicht, ob Crabbe daraufhin lachte oder rülpste, wahrscheinlich war es auch eine Kombination aus diesen beiden Dingen.
Da die beiden nun an dem geheimen Eingang des Slytherins Gemeinschaftsraum angelangt waren, drehte Hermione sich um und verließ dieses Mal endgültig die kalten, zügigen Kerker, die dieser Tage, mehr als jeder andere Bereich des Schlosses von der kalten Dezemberluft beherrscht wurden.
 In Gedanken ließ Hermione, dass soeben gehörte Gespräch, Revue passieren. Malfoy befand sich also aller Wahrscheinlichkeit nicht im Schloss und erzählte, diese für seine Minianhängerschaft schmackhafte Information, nicht weiter. Zudem verabschiedete Hermione sich endgültig von der Hoffnung, dass Severus nur Kräutersammeln war. 

Ihre kalten Finger berührten die Messingklinke ihrer Tür, die durch einen eigens entwickelten Sicherheitsschlossmechanismuszauber, ihr sofort Einlass gewährte. Passwörter waren um einiges unsicherer als ein imaginärer Fingerabdruckscan, befand Hermione, als es plötzlich Dinge in ihrem Leben gab, die sie nur einer einzigen Menschenseele anvertrauen konnte. Oder besser gesagt anderthalb, wenn sie Audrey in gewissen Punkten mitzählte. 
Ihre Unsichtbarkeit für einen Moment vergessend, stürzte sie sich Halt und Wärme suchend auf Krummbein, der sofort mauzend und kratzend reißaus nahm und sich in der hintersten Ecke seines kleinen Reiches versteckte. Verdutzt setzte sich Hermione auf ihr Bett und schlug sich mit ihrer Hand gegen die Stirn, als ihr das Offensichtliche wieder einfiel. 

Kopfschüttelnd trat sie ans Fenster und ihre kalten Fingerspitzen berührten zaghaft das kühle Glas, welches sich unter ihren Fingern seltsam warm anfühlte. Nun war sie wieder der erfrorene Eiskristall, der in seiner Sorge um Severus zu zerspringen drohte. Immer mehr wurde ihr klar, dass sie im schlimmsten Falle, keine Hilfe für Severus wäre, wenn sie es nicht schaffen würde, wieder sichtbar zu werden. So vieles konnte in dieser Nacht geschehen oder schon längst passiert sein. Auch wenn es ihr fast unmöglich schien, so zog sich dennoch ein leichtes Frösteln ihren Rücken hinab.

Ohne darüber nachzudenken, oder ihren Blick von dem in Dunkelheit gehüllten Verbotenen Wald zu nehmen, wanderten ihre Fingerspitzen immer weiter die Fensterscheibe hinauf, wobei sich ihre Füße irgendwann vom Erdboden erhoben und den Weg ihrer Hände nach oben folgten. Mittlerweile hatte Hermione für sich das Schweben perfektioniert, doch noch nie war sie geflogen. Die glücklichen Erinnerungen durchfluteten ihren Geist, als sie sich immer weiter der Decke näherte. Irgendwann stieß sich Hermione leicht von der Fensterscheibe ab, breitete die Arme seitlich von ihrem Körper aus und ließ sich nach hinten fallen.

Mit aufgerissenen Augen starrte sie an die Decke und hätte dort ein Spiegel gehangen, so hätte sie endlich wieder ihr Spiegelbild darin erblicken können. 

Wenige Momente später, berührten Hermiones Turnschuhe wieder ihren weichen Teppich und sie hätte schwören können, noch nie in ihrem Leben so glücklich gewesen zu sein, ihre Schuhe zu sehen. Die frostige Kälte in ihrem Inneren war einer reiner Zuversicht gewichen, bis ein Klopfen an ihrem Fenster ihre unbedingte Aufmerksamkeit beanspruchte und die Fähigkeit besaß, ihren Herzschlag in die Höhe zu treiben. 

Mit einem Fingerzeig sprang das Fenster auf und ihr Freund, der zutrauliche Rabe mit den klugen Augen, breitete seine Flügel in ihrem Zimmer aus. Sie würde ihn unter tausenden Vögeln wieder erkennen, selten war ihr ein so stolzes Tier mit einer ebenbürtigen Liebenswürdigkeit begegnet, zudem kannte sie nicht viele Raben, die einen kleinen weißen Fleck auf ihrer Brust hatten. Krummbein, dem das langsam zu viel wurde, drehte sein kleines Köpfchen zu Wand hin und tat so, als würde die restliche Welt, für ihn nicht mehr existieren, nicht so Hermione, die aufgepeitscht durch Adrenalin, das Gefühl hatte jedes noch so kleine Detail zu bemerken. Wie auch den Zettel, den der Rabe ihr entgegenhielt, ungefaltet, stolperten ihr die drei krakligen Buchstaben nur so entgegen. SOS. 

Ihr Blick schnellte hoch zu dem Raben, der sich umgedreht hatte und im Anflug auf die äußere Grenze von Hogwarts war. Hermione zögerte nur kurz, als sie plötzlich apparierte und der Blut durchtränkte Zettel, langsam zu Boden fiel. 

Unsanft landete sie auf den harten Boden, die Füße bedeckt, von einer Zentimeter hohen Schneeschicht, rannte sie auf den wehenden schwarzen Umhang zu ihrer Rechten zu. Die Kälte ignorierend, kniete sie sich neben den nun bewusstlosen Severus nieder, keine Sekunde später, hatte auch der Rabe sie wieder eingeholt und tapste unbeholfen durch den Schnee. 

Mit zitternden Fingern tastete sie nach seinen Puls und konnte ihn nur noch erahnen. Die Finger fest um sein kaltes Handgelenk geschlungen, apparierte sie mit ihm Seit an Seit in seine Gemächer, starrte einen Augenblick auf die Holzscheite im Kamin und lies eine kleine Flamme auflodern, die bald darauf das Zimmer aufheizte. 

„Audrey!“ schrie Hermione, als sie verschiedenen Diagnosezauber über seinen verwundeten Körper sprach. Die Zeichen die über ihm schwebten, waren mehr als alarmierend, ihnen rannte buchstäblich die Zeit davon und alleine würde sie es nicht mehr schaffen, ihn zu retten. 

„Audrey!!“ Hermiones Rufen wurde immer verzweifelter. Audrey war kurz darauf zu Stelle, die Situation nicht zum ersten Mal so vorfindend, hielt sich ihr Schock in Grenzen und mit einem Fingerschnipsen füllte sie seinen Körper mit frischem Blut, während Hermione seine Wunden schloss und einen starken Schmerztrank in seinen Mund träufelte.
Nachdem er den Schmerztrank geschluckt hatte, folgte ein Stärkungstrank, der seine Augenlider flattern ließ und seinen Puls wieder herstellte. 

Hermiones Hände arbeiteten unentwegt, bis Audrey ihre kleine Hand über Hermiones Finger legte und sie zur Ruhe zwang. Das Schlimmste war überstanden und mit einem Nervenzusammenbruch seitens Hermione war auch keinem wirklich geholfen.

„Es ist alles in Ordnung.“ flüsterte Audrey. Hermione reagierte kaum auf ihre Worte. Erst als sie mit vereinten Kräften Severus auf die Couch bugsiert hatten, ließ sich Hermione auf den Boden nieder, seine Hand in ihrer haltend. 

"Er ist zäh, er wird sich auch davon erholen. Er hat sich immer erholt.“ versuchte Audrey Hermione irgendwie zu trösten und sie sollte Recht behalten. Es vergingen kaum Minuten als Severus seine Augen wieder aufschlug und Hermione verwirrt musterte. 

„Hermione?“ flüsterte er so leise, dass sich Hermione leicht nach vorne beugen musste, um überhaupt eine Silbe zu verstehen. 

„Du solltest nicht hier sein.“ Seine Stimme gewann wieder an Kraft, als er sich langsam versuchte aufzurichten. Sein Haar fiel im ins Gesicht, während sich seine Finger in die moosgrünen Polster gruben. In seinem Kopf wurde sein Gedankenkarussell nur vom dem pochenden Schmerz unterbrochen, während sich Emotionen darum stritten, wer als nächstes mitfahren dürfte und sich letztendlich alle dafür entschieden, zeitgleich zu fahren, sehr zu Severus Missfallen, der erhebliche Probleme bekam Prioritäten in diesem Gedankenchaos zu setzen und gleichzeitig die Erlebnisse der Nacht zu verarbeiten und sich mit einer den Tränen nahen Hermione auseinanderzusetzen. 

Er war es nicht gewohnt, ihre Gesellschaft, irgendeiner Gesellschaft nach den Treffen mit Voldemort ausgesetzt zu sein, außer Albus ertrug er niemanden in dieser Zeit, wo seine Mauern jeden Moment zusammenbrechen konnten. Einzig bei Albus hatte er davor keine Angst, denn bei ihm würde er nicht einmal einen minimalen Mauerriss zulassen, selbst wenn er sterbend vor seinen Füßen liegen würde.

„Du hast nach mir geschickt?“ antwortete Hermione zaghaft, während der Rabe ins Wohnzimmer tapste. 

„Verräter.“ zischte Severus ihm zu und dieser streckte herausfordernd seinen Schnabel in die Luft, bevor er auf Hermiones Schulter landete. 

Von seiner plötzlichen Anwesenheit irritiert, purzelten die nächsten Worte unbedacht aus Hermiones Mund. „Er gehört dir?“ 

„Da bin ich mir momentan nicht mehr so sicher ...“ antwortete Severus, als er beobachten musste, wie sein Rabe, seinen Kopf an Hermiones Haare schmiegte.
„Anscheinend kennst du ihn schon länger?“ fragte Severus, der momentan sehr froh war, seine Gedanken auf ein unverfängliches Gespräch zu konzentrieren, zumindest solange, bis der pochende Schmerz irgendwann nachlassen würde. 

„Seit einigen Monaten.“ 

Severus hob eine Augenbraue und musterte das ungleiche Paar, nun war ihm auch klar, warum Janus nicht zu Albus, sondern zu Hermione geflogen war, er hatte ihn reichlich unterschätzt. „Darf ich vorstellen, Janus. Janus, Hermione.“ 
Audrey lächelte über den kleinen Dialog und lockte Janus mit ein paar Leckerlis raus in seinen Turm. 

Nun alleine, nahm Hermione unsicher Severus Hand, die ihr entglitten war, als er aufgewacht war. „Was ist heute passiert?“ fragte sie in die Stille hinein, sie konnte es nicht mehr abwarten, endlich zu erfahren, aus welchem Grund der Dunkle Lord Severus beinahe getötet hatte. 

„Du weißt es noch nicht?“ 

„Nein, ich war bis eben noch ... unpässlich.“ gestand Hermione.

Unsicher darüber, wie sie die gesamte Wahrheit unvorbereitet aufnehmen würde, entschied sich Severus für eine ziemliche knappe Ausführung der Geschehnisse.
„Trelawney entführt und der Dunkle Lord kennt nun die erste, wie auch die zweite Prophezeiung und er vermutet, dass Harry nicht der Ausauserwählte ist und sucht nun nach seiner Nemesis.“ 

Mit einem Mal, ließ Hermione die angestaute Luft aus ihren Lungen entweichen, sie hatte ja mit vielem gerechnet, sich einige Szenarien ausgemalt und lag mit ihren Vorstellungen so weit von der Wahrheit entfernt, wie nur irgend möglich. Das was diese Nacht geschehen war, war eines der fatalsten Verknüpfungen von Pech und katastrophalen Konsequenzen, wie es schlimmer kaum hätte sein können. Ironischerweise war den Todessern klar, dass Harry mit der zweiten Prophezeiung nicht gemeint war, wohingegen die gute Seite informativ ein wenig hinterherhinkte. 

„Wie ...?“ fragte Hermione, als sie ihre Sprache wiedergefunden hatte.

„Ich weiß es nicht.“ 

„Hmm.“ Hermiones Blick glitt über die noch nicht recht verheilten Narben auf Severus Brust, die sehr nach dem Werk eines Sectumsemperas aussahen oder irgendeinem anderen Zauberspruch, der dazu erfunden worden war, zu töten. „Der Orden hätte durch einen unbedachten Fehler beinahe seinen besten Spion verloren.“ 

„Hermione, was diese Nacht geschehen war, ist ganz allein meine Schuld gewesen.“ unterbrach Severus sie und seine Stimme triefte nur so vor Selbstverachtung. 

„Nein! Du vergisst, dass der Orden aus mehreren Personen besteht, ihr alle habt die mögliche Gefahr vergessen, doch wer wurde zum Dunklen Lord geschickt? Du.“ Hermione hob ihren Blick und schaute Severus entschlossen in die Augen.

„Es ist meine Aufgabe.“ flüsterte Severus und sah zu, wie die Tränen in Hermiones Augen zurückkehrten, sie sich abwendete und zum Kamin schritt, um ihre klammen Hände an den züngelnden Flammen zu wärmen. Hermione schluckte ihre Verzweiflung hinunter und drehte sich wieder zu Severus um. „Ändert sein Wissen irgendetwas?“ 

„Ja. In der nächsten Zeit wird es im Schloss wahrscheinlich nur so von Todessern wimmeln. Sie wissen, dass diejenige Person laut der Prophezeiung im gleichen Jahrgang wie Sankt Potter sein muss und sie werden nichts unversucht lassen, sich selbst zu profilieren, indem sie dich dem Dunklen Lord ausliefern können.“

„Lass mich raten, durch deine Gedankenlosigkeit Trelawney betreffend, erwartet er gerade von dir, der in Hogwarts Tag ein Tag aus von potenziellen Hexen und Zauberern umgeben ist, mich auf einem schlangenverzierten Silbertablett zu präsentieren, oder?“, Severus senkte den Blick und Hermione lachte freudlos auf. 

„Du weißt, dass das nie passieren wird.“ 

„Ich weiß, doch will ich nicht wissen, wie seine Bestrafung für dich aussehen wird. Was wirst du Dumbledore erzählen?“ 

„All das was sich heute zugetragen hat, er entscheidet dann, welche Konsequenzen er daraus zieht.“ 

„Meinst du er wird sie nun endlich alle einweihen?“ 

„Ich weiß es nicht.“ Severus Blick wirkte kurzzeitig abwesend, als das Gespräch auf Albus gelenkt wurde, denn sein Gedankenkarussell fing plötzlich an sich wieder zu drehen und die Bilder, die er heute Nacht in den Augen von Bellatrix gesehen hatte, ließen ihn keine Ruhe mehr.

„Was ist los?“ fragte Hermione ruhig, die den Umschwung in seiner Stimmung durchaus wahrgenommen hatte. 

„Nichts weiter, ich hatte heute nur die Gelegenheit etwas merkwürdiges zu beobachten, doch bevor ich Theorien aufstellen kann, brauche ich noch mehr Informationen Bellatrix Lestrange betreffend.“ Er hatte den Satz kaum zu Ende gesprochen, als Audrey wieder im Zimmer erschien und aus Versehen die Teetasse zu Boden fallen ließ.
Hermione drehte sich zu ihr um, während Severus, dessen Blick von Anfang an auf die Tür gerichtet war, beobachtete, wie dass anfänglich versteinerte Gesicht seiner Hauselfe, sich schauspielerisch wieder aufhellte, so als wäre nichts gewesen. Mit einem Fingerschnipsen verschwand die zerbrochene Tasse samt Hauselfe. 

Irritiert drehte sich Hermione wieder zu Severus, der sich unter Schmerzen versuchte weiter aufzuraffen, bis er nach einigen Momenten auf wackligen Beinen stand.

„Ich werde Dumbledore jetzt informieren. Geh bitte zurück zum Turm und warte auf das bald stattfindende Ordenstreffen.“ Mit einer zittrigen Hand griff Severus nach dem Flohpulver auf seinen Kamin und warf es in die Flammen, während Hermione nickte und mit einem Plopp verschwand.

***

Gähnend trat Hermione durch das Porträtloch und strich sich ihre vorher zerzausten Haare glatt, Harry und Ron, die sich die letzten Stunden scheinbar nicht mehr bewegt hatten, sprangen sofort auf und stürmten auf Hermione zu.

„Wo warst du gewesen?“ fragten beide wie aus einem Munde. 

„In der Bibliothek.“ antwortete Hermione, als wäre es das Offensichtlichste auf der Welt und die beiden sahen irgendwie so aus, als hätten sie genau dort völlig vergessen nachzuschauen. 

„Wir haben dich in der Bibliothek gesucht. Selbst Madame Pince hat dich heute nicht dort gesehen.“ quietschte Ron.

„So sollte es auch sein, wenn man sich stundenlang in der Verbotenen Abteilung aufhält.“ 

Diesem Argument konnten sich die beiden nicht entziehen und nickten nur stoisch.

„Aber warum seit ihr eigentlich noch wach? Es ist fast drei Uhr nachts.“

„Du weißt es nicht?“ fragte Ron und tauschte mit Harry einen irritierten Blick aus. 

„Was weiß ich nicht?“

„Das ... Das ...“

„Ron!“ 

„Trelawney wurde von den Todessern entführt.“ klärte Harry die Situation.

Mit weit aufgerissenen Augen starrte Hermione abwechselnd Harry und Ron an, sie befand, dass ihre schauspielerischen Fähigkeiten sich in den letzten Monaten stark verbessert hatten.
„Oh Merlin!“

Betäubt von dem Gedanken, ließ sich Hermione in einen Sessel sinken, doch bevor die Nachricht zum wiederholten Male in ihrem Gehirn sacken konnte, wurden sie von Professor McGonagall gestört, die sie leise flüsternd, darüber informierte, dass jetzt, zu dieser späten Stunde ein Ordenstreffen stattfinden würde. 

Während Harry und Ron glücklich waren, dass endlich mal etwas passierte und sie richtig informiert werden würden, sehnte sich Hermione eher nach einer Nacht Schlaf, nach diesem anstrengenden Tag fühlte sie sich leicht emotional instabil. 
Mit gesenktem Kopf lief sie den Dreien hinterher, durch die leeren, dunklen Gänge des Schlosses, an den steinernen Wasserspeiern vorbei, die Wendeltreppe hinauf, hinein in das schon recht überfüllte Büro des Schulleiters.
Alle wichtigen Personen waren nun versammelt und Albus Dumbledore räusperte sich leicht, bevor er seine Stimme erhob und den Grund für dieses spontane Treffen offenbarte.

„Wie die wenigsten von euch wissen, wurde heute Professor Trelawney von den Todessern entführt.“ eine kunstvolle Pause gab vielen die Gelegenheit geräuschvoll nach Luft zu schnappen. „Wir konnten leider nicht verhindern, dass Voldemort an die Prophezeiungen gelangt ist.“ Wieder folgte eine minimale Kunstpause, die diesmal aber eher dazu genutzt wurde, Severus Rücken mit zweifelnden Blicken zu versehen, sodass Hermione fast übel wurde, bei diesem Schauspiel. „Dieser Erfolg auf der Dunklen Seite wiegt schwer, doch wir dürfen die Hoffnung nicht aufgeben. In dem letzten halben Jahr haben wir durch die Zerstörung seiner Seelenteile erhebliche Schritte nach vorn gewagt und wir können das Blatt immer noch zu unseren Gunsten wenden.“
Aufmunternd, fast Zitronendropsanbietend blickte Albus in die Runde von schockierten, verängstigten Gesichtern.
„Wo ist Sybill Trelawney?“ fragte Remus, der genau neben Severus saß.

„Sie befindet sich leider immer noch in der Gewalt der Todesser.“ 

„Albus, wir müssen sie retten.“ ereiferte sich Remus und weitere Ordensmitglieder stimmten kopfnickend und brummend zu. 

„Das werden wir.“ nickte auch Albus und richtete seinen Blick nun auf Severus. „Soweit es uns möglich ist, wollen wir sie noch diese Nacht befreien, bevor ihr noch mehr angetan werden kann.“ Albus Worte waren bestimmt, noch vor ein paar Stunden hatte er die Hoffnung gehabt, dass Severus sie sofort wieder nach Hogwarts zurück brächte, als Seherin war sie immer noch wertvoll, da man nie wusste, ob nicht noch jemand anderes, dazu bestimmt war, eine Prophezeiung von ihr zu hören, die ihrer Seite mehr als nützen könnte.

Severus versuchte sich seine Schmerzen nicht anmerken zu lassen, als er leicht nickte und jede einzelne Muskelfaser in seinem Körper brannte, Hermione hingegen war wie erstarrt, als sie dies alles mit ansah und sie wusste nicht, was genau zu ihrem folgenden Ausbruch führte. Ihre emotionale Instabilität, ihr aufkeimender Beschützerinstinkt oder die unfaire Behandlung von Severus, wenige Minuten zuvor. 

„Das können sie nicht machen.“ stolperte Hermione über ihre eigenen Worte und der halbe Orden drehte sich verdutzt zu ihr um, von Albus erntete sie nur eine hochgezogene Augenbraue, die seiner Gesichtsmimik nicht im mindesten stand. „Er ist noch zu stark verletzt ...“ 

„Miss Granger, ich möchte sie bitten, sich nicht in Angelegenheiten einzumischen, in denen sie keinerlei Befugnis besitzen Entscheidungen in Frage zu stellen .“ antwortete Albus scharf und lächelte dabei zuckersüß, als wenn er sie gerade für ihren Einfallsreichtum gelobt hätte. 
Hermione verstummte sofort, als Severus ihr einen zornerfüllten Blick zuwarf, der soviel besser zu Albus Ton gepasst hätte. 

Mit gesenktem Kopf wartete sie das Ende des Treffens ab, die Worte die nun gewechselt wurden, zogen wie ein Meeresrauschen an ihrem Ohr vorbei. Die mehr als nur irritierten Blicke seitens Harry und Ron ignorierte sie genauso, wie den verstehenden Blick von Ginny. 

Irgendwann war das Treffen zu Ende und Hermione wäre am liebsten sofort in ihr Bett gegangen, wenn sie nicht noch aus den Augenwinkel beobachtet hätte, wie Albus Severus zu sich zitierte und flüsternd auf ihn einredete. 
Mit klopfendem Herzen führten Hermiones Schritte, nachdem sie sich im Gemeinschaftsraum von Harry und Ron verabschiedet hatten, sie nach unten in die Kerker, es war fast kurz vor vier, als sie an seine Tür klopfte. 

Vergeblich wartete sie fünf Minuten lang auf Einlass, bis sie selbst die Tür öffnete und Severus in die Flammen seines Kamins starrend vorfand. Schweigend legte sie ihm eine Hand auf seine Schulter. „Es tut mir leid.“ flüsterte Hermione und es tat ihr wirklich leid, sie hätte beim Ordenstreffen nichts sagen dürfen, doch die Pferde waren mit ihrer Zunge durchgegangen und die Worte waren unaufhaltsam aus ihrem Mund gestolpert. Als Severus auf ihre Entschuldigung nicht reagierte, sprach Hermione weiter. „Was wollte Dumbledore von dir?“ 

„Mich an meine Prioritäten erinnern.“ 

Hermiones Hand zog sich langsam zurück und ihre Beine stolperten rückwärts. „Und was hat das zu bedeuten?“

„Er hat mich an meine Aufgabe erinnert und das dieser nichts im Weg stehen darf, dass sich dem alles unterzuordnen hat.“ 

„Severus ...“

„Hermione, dass mit uns hätte niemals, niemals so weit gehen dürfen.“ Severus hatte sich endlich umgedreht und hielt ihrem verzweifelten Blick stand ohne sich in ihren Augen zu verlieren. 

„Aber es ist bereits geschehen und es behindert dich doch keineswegs.“

„Noch nicht, aber wenn ich irgendwann Entscheidungen treffen muss, darf ich mich nicht von irgendwelchen Gefühlen leiten lassen.“ Plötzlich ohne es zu wollen, hatte Hermione wieder die Worte des Horkrux in ihren Ohren, laut dröhnte das Lachen in ihren Geist und die verdrängte Kälte nistete sich wieder in ihrem Herzen ein. War vielleicht wirklich alles nur ein Spiel gewesen? War sie nichts weiter als ein Instrument, dass es für die Große Sache zu Opfern galt, selbst für Severus? 

„Du hattest mir einmal versprochen, nicht zuzulassen, dass mir irgendetwas passiert.“ 

„Es tut mir leid.“ Severus senkte seinen Blick und hörte nur noch wie die Tür mit einer ungeheuren Wucht zuschlug . 

„Du bist ein erbärmlicher Lügner.“ antwortete Audrey an Hermiones statt, die die letzten Minuten stumm beobachtet hatte. Weder Hermione noch Severus hatten von ihr Notiz genommen und nun da Hermione fort war, meldete sie sich lautstark zu Wort. 

„So übel kann ich nicht sein.“ gab Severus schneidend zurück und starrte wütend zu Tür. 

„Und was glaubst du, wie lange sie dir glauben wird. Ein paar Stunden? Einen Tag, eine Woche? Und glaubst du wirklich, dass du dich deinen Gefühlen vollständig entziehen kannst? Dein Herz hat schon die richtige Wahl getroffen, denn sie wird nicht so leicht aufgeben.“

Severus blieb stumm, er wusste nicht was er darauf erwiedern sollte, einerseits wünschte er sich vom ganzen Herzen, dass Audrey Recht behalten würde, andererseits wünschte das gleiche Herz, dass sein Plan funktionieren würde. Er würde sie immer beschützen, er würde ihr Leben immer über seine Aufgabe stellen und sein Leben anstatt ihres opfern, doch wenn es soweit kommen sollte, brauchte er die Stärke um weiterzumachen und so wie es jetzt war, würde sie es nie zulassen, dass er sich für sie opferte. Ohne auf Audreys Worte einzugehen, schritt Severus langsam in sein Schlafzimmer und holte eine frische Robe aus dem Schrank. 

Audrey lief ihm hartnäckig hinterher und Severus wechselte anstatt eine Antwort darauf zu geben lieber das Thema. „Was weißt du über Bellatrix Lestrange?“ 
Audrey schluckte und kniff sich wiederholte Male schmerzhaft in die Hand. „Nur dass sie ein armes Mädchen war.“
„ War ihr Fall mit dem meinen zu vergleichen?“

„Ja.“ 

Severus seufzte und ließ sich letztendlich doch noch zu einer Antwort hinreißen. „Es gibt keinen anderen Weg, die Tür war und ist verschlossen.“ 

„Das mag sein, doch bitte leugne nicht, dass der Schlüssel genau vor dir liegt.“ Mit einem Plopp war Audrey verschwunden und ließ Severus in seinem dunklen Gemächern allein.
* * *
Vielen lieben Dank an meine Beta eule20^^
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