
von spiria
Kapitel 1: Die Nachricht
Molly Weasley stand summend am Herd und bereitete das Mittagessen vor. Neben ihr stand ein kleines Mädchen, etwa fünf Jahre alt, und sah ihr fasziniert zu. Plötzlich flog die Tür zur Küche auf und Mollys zweitältester Sohn, Charlie, kam hereingestürmt. „Ach hier steckst du, Jenna.“, rief er. „Bill und ich haben schon nach dir gesucht.“ Das kleine Mädchen, Jenna, dreht sich zu ihm und fragte: „Und warum, was gibt’s leicht?“ „Was ganz tolles, na los, mach schon, wir wollen dir was zeigen!“ Jenna sah zu Molly. Die lächelte. „Geh ruhig, Jenna.“, meinte sie. „Aber seid pünktlich zum Essen wieder da!“, rief sie Charlie noch hinterher, der Jenna schon am Arm gepackt hatte und sie nun hinter sich herzog. „Ja ja!“, schrie dieser zurück, dann fiel die Haustür hinter den beiden ins Schloss. Molly lächelte. Sie freute sich, das Mädchen hier im Haus zu haben, sie war eine tolle Spielkameradin für ihre beiden Ältesten.
Jenna war die Tochter ihrer Freundin Elaine und deren Ehemann Simon. Die beiden waren ein paar Tage auf eine Reise aufgebrochen, die sie von Simons Eltern zum Hochzeitstag geschenkt bekommen hatten. Da sie Jenna aber beim besten Willen nicht mitnehmen konnten (die Reise war nur für zwei Personen), hatten sie Molly und deren Mann Arthur, mit denen sie schon seit Hogwarts befreundet waren, gefragt ob sie nicht für ein paar Tage auf Jenna aufpassen könnten. Freudig hatte Molly zugestimmt und auch Arthur hatte nichts dagegen gehabt. Jenna war begeistert gewesen als sie gehört hatte, dass sie einige Tage bei den Weasleys wohnen würde. Sie und Charlie waren praktisch seit ihren Geburten Spielkameraden, und auch mit Bill, der schließlich nur zwei Jahre älter war als sie, verstand sie sich ausgezeichnet.
Molly warf einen Blick aus dem Küchenfenster. Draußen auf der Wiese lief Jenna gerade hinter Bill und Charlie her, die irgendetwas in der Hand hatten, Molly konnte nicht genau erkennen was. Aber die drei schienen Spaß zu haben, sie lachten so laut, dass man es sogar durch die geschlossene Scheibe hören konnte. Auch Molly lächelte. Es war schön, dass ihre Kinder und Jenna so viel Spaß miteinander hatten. Dann wandte sie ihren Blick wieder auf den Herd und fünf Minuten später rief sie ihre Familie zu Tisch.
Nach dem Essen legte Molly ihre einjährigen Zwillinge für einen Mittagsschlaf ins Bett und ging dann wieder in die Küche zurück. Durch die offene Tür sah sie Charlie und Jenna im Wohnzimmer mit Charlies Quidditchset spielen. Bill war nirgends zu sehen, doch der dreijährige Percy saß ebenfalls im Wohnzimmer und sah sich ein Bilderbuch an. Molly fing gerade an, das Geschirr, das vom Essen übriggeblieben war wegzuräumen, als plötzlich eine Eule durch das offene Küchenfenster hereingeschwebt kam. Die Eule trug einen an Molly und Arthur Weasley adressierten Brief vom Zaubereiministerium. Molly runzelte die Stirn. Was um alles in der Welt wollte das Zaubereiministerium an einem Sonntag von ihr. Sie riss den Umschlag auf und überflog die Zeilen. Als sie zu Ende gelesen hatte, war sie kalkweiß im Gesicht, ließ sich auf einen Stuhl sinken und schlug die Hand vor den Mund. Nein! Das konnte nicht wahr sein. Molly war außerstande irgendetwas zu tun, sie konnte nicht einmal nach ihrem Mann rufen. Nach zehn Minuten, die sich für Molly anfühlten wie Stunden, stand sie schließlich mit wackeligen Beinen auf und ging in den Schuppen, in dem sich ihr Mann um diese Tageszeit meistens aufhielt. Dieser schaute lächelnd auf, als sie hereinkam, legte aber sogleich die Stirn in Falten, als er ihren Gesichtsausdruck sah. Stumm hielt Molly ihm den Brief hin, Tränen fingen an ihr übers Gesicht zu laufen. Arthur nahm den Brief und fing an zu lesen:
Sehr geehrte Mrs. und Mr. Weasley,
zu unserem großen Bedauern müssen wir Ihnen mitteilen, dass das Ehepaar Elaine und Simon Creaton auf ihrer Reise nach Venezuela tödlich verunglückt ist.
Wir möchten Sie bitten, sich in den nächsten Tagen um die einzige Tochter Jenna Joan Creaton zu kümmern, die sich, wie wir wissen, zur Zeit in Ihrem Haus aufhält. Zudem bitten wir Sie am kommenden Freitag zur Testamentsverlesung ins Zaubereiministerium zu kommen. Die Entscheidung, ob Sie Jenna Joan Creaton mitnehmen, überlassen wir Ihnen.
Des Weiteren wird am kommenden Freitag über den Verbleib des Kindes und die Übergabe des Familienbesitzes und gesprochen.
Mit freundlichen Grüßen
Cornelius Fudge, Zaubereiminister
Arthur ließ den Brief sinken und sah Molly an, der die Tränen nun ungehindert über das Gesicht strömten. Langsam stand Arthur auf und nahm seine Frau in die Arme. Er konnte es nicht fassen. Seine Freunde Simon und Elaine tot! Das konnte doch nicht sein! Nun traten auch ihm Tränen in die Augen. Lange standen er und Molly da und hielten sich in den Armen. Dann, nach einiger Zeit löste Molly sich von Arthur und krächzte (ihre Stimme war vom Weinen ganz rau): „Wie um alles in der Welt sollen wir das Jenna sagen?“
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Die ersten beiden Kapitel werden aus Mollys Blickwinkel erzählt. Danach wird aus Jennas Sicht erzählt.
TBC
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