
von spiria
Kapitel 2: Wie überbringt man eine schlechte Nachricht?
Dann, nach einiger Zeit löste Molly sich von Arthur und krächzte (ihre Stimme war vom Weinen ganz rau): „Wie um alles in der Welt sollen wir das Jenna sagen?“
Arthur sah Molly an. „Ich weiß es nicht, Molly. Ich weiß es wirklich nicht.“ Lange stand das Ehepaar Weasley im Schuppen. Schließlich richtete sich Molly auf und sagte leise: „Wir müssen trotzdem versuchen es Jenna zu sagen. Sie erfährt es früher oder später sowieso.“ Arthur nickte. „Ja, du hast Recht, Molly. Wir machen es gemeinsam. Meinst du, wir sollen es ihr allein sagen und Charlie und Bill dann später oder sollen wir es ihnen allen gemeinsam sagen?“ Molly schniefte und fuhr sich mit der Hand über die Augen. „Ich glaube, wir sollten den beiden erst nachher Bescheid geben und ihnen dann sagen, dass sie sich gut um Jenna kümmern sollen.“ „In Ordnung, Schatz, dann machen wir das so.“, gab Arthur seine Zustimmung.
„Jenna? Kommst du bitte mal mit in die Küche?“, rief Molly ins Wohnzimmer hinein. Das kleine Mädchen stand auf und hüpfte zu ihr. „Was gibt es, Tante Molly?“ „Setz dich bitte, Jenna. Wir müssen etwas sehr wichtiges mit dir besprechen.“ Die Gesichtszüge der Kleinen nahmen einen ernsten Ausdruck an. „Hab ich was angestellt, Tante Molly?“, fragte sie schüchtern. „Nein, nein, überhaupt nicht!“, beschwichtigte Molly und musste sich zusammenreißen, dass sie ihre Tränen zurückhalten konnte. Arthur, der hinter ihr stand, drückte ihre Schulter. Dann wandte er sich zu Jenna und sagte: „Jenna, wir müssen dir etwas sehr, sehr trauriges mitteilen.“ Er musste schlucken. Das arme Mädchen, dachte Molly. Noch so klein und schon ohne Eltern. Ihr Mann holte noch einmal Luft und sagte dann leise: „Jenna, es tut uns so leid, aber deine Eltern sind auf ihrer Reise verunglückt.“ Die Augen des Mädchens weiteten sich. „Was ist mit ihnen, geht es ihnen gut?“, fragte sie angstvoll. Molly sah zu Arthur und wandte sich dann wieder Jenna zu. „Jenna, Schatz, die beiden … sie …“ Molly fing erneut an zu weinen. Arthur streckte seine Hände nach denen der Kleinen aus. Er sah ihr in die Augen und sprach schließlich die schreckliche Wahrheit aus: „Jenna, Liebes, deine Eltern sind tot!“
„NEIN!“ Jenna saß mit schreckgeweiteten Augen auf ihrem Stuhl und sah Molly und Arthur an. „Das … aber … Mum, Dad …“ Das Mädchen begann zu weinen, sprang auf und lief aus der Küche, die Tür hinter sich zuwerfend. „Jenna!“, schrie Molly und wollte ihr hinterherlaufen, doch ihr Mann hielt sie zurück. „Lass sie“, meinte er, „sie muss das erst einmal verdauen, wir reden später mit ihr.“ Molly ließ sich weinend in seine geöffneten Arme sinken, als die Küchentür plötzlich wieder aufging. „Mum, Dad, was ist mit Jenna los?“, fragte der Rotschopf, der in der Tür stand. Molly sah auf. Es war Charlie. Der Junge sah ziemlich verwirrt aus. „Sie ist gerade weinend an mir vorbeigerannt und auf ihr Zimmer verschwunden.“ Da bemerkte er, dass seine Mutter ebenfalls weinte. „Was ist los, Mum?“, fragte er vorsichtig. „Ist etwas Schlimmes passiert?“ Arthur erhob sich. „Jenna hat gerade eine schlimme Nachricht erhalten“, versuchte er die Situation seinem Sohn zu erklären. „Du weißt ja, dass Jennas Eltern auf einer Reise waren, nicht wahr?“ Charlie nickte. „Nun ja, weißt du, es ging da alles nicht so gut, wie sie es sich erhofft hatten, und sie hatten einen Unfall und sind … dabei gestorben.“ Charlies Augen weiteten sich. Er sah zu seiner Mutter, die immer noch still vor sich hin weinte, dann wieder zu seinem Vater, der ihn mit ernstem Gesichtsausdruck betrachtete. „Und was passiert jetzt mit Jenna?“, fragte er schließlich mit leiser Stimme. „Nun, das wissen wir noch nicht.“, antwortete Arthur. „Fürs Erste wird sie wohl bei uns wohnen, aber dann … vielleicht kommt sie auch in ein Waisenhaus.“ Charlies Augen wurden noch größer. „Aber das geht nicht!“, protestierte er. „Was soll sie denn in einem Waisenhaus? Kann sie nicht für immer bei uns wohnen?“ Arthur sah seinen Zweitältesten an. „Nun ja, es ginge wahrscheinlich schon, aber da muss das Zaubereiministerium zustimmen und deine Geschwister müssen einverstanden sein. Und Jenna natürlich. Wir können sie schließlich nicht dazu zwingen, bei uns zu leben. Außerdem sind wir nicht gerade eine reiche Familie. Andererseits wäre das meines Erachtens das geringste Problem.“ Charlie blickte zu seiner Mutter. „Mum, was sagst du dazu?“ Molly schniefte und putzte ihre Nase. Dann meinte sie: „Ich bin absolut dagegen, dass Jenna in ein Waisenhaus kommt. Aber sie muss selbst entscheiden, ob sie bei uns leben will. Ich meine, wir geben ihr einmal ein bisschen Zeit und fragen sie dann.“ „Wenn wir dann am Freitag zur Testamentsverlesung gehen, müssen wir aber Bescheid wissen.“, warf ihr Gatte ein. „Ich werde sie fragen“, flüsterte Charlie. „Aber ich werde erst mal mit Bill und Percy reden.“ Mit diesen Worten zog er die Tür hinter sich zu und ließ die beiden Erwachsenen allein.
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So, das war das zweite Kapitel. Ich hoffe, es hat euch gefallen. TBC
Vielen Dank an:
schnuffel1804: Danke für deinen netten Kommi, ich hoffe, dass dir dieses Kapitel auch gefällt.
LG spiria
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