
von spiria
Kapitel 15: Erwachen
Am Grund des Grabens liegt eine Gestalt. Ihr rotes Haar ist von Schmutz bedeckt. Sie liegt am Boden, sieht zu Jenna hinauf. Aber in den Augen liegt kein Leben. Starr und reglos blicken die Augen ohne zu sehen zum Himmel hinauf. Es ist Charlie.
Jenna erwachte mit einem Schrei und setzte sich kerzengerade in ihrem Bett auf. Ein heftiger Weinkrampf schüttelte sie. Die Bilder des Albtraums standen ihr noch vor Augen, sie schlug die Hände davor, aber das half nichts. Erst als eine Hand sie sanft an der Schulter berührte, sah sie wieder auf. Sara kniete neben ihr im Bett und sah mit besorgtem Blick an. Als sie bemerkte, welche Angst in Jennas Augen flackerte, nahm sie die Freundin in den Arm und wiegte sie sacht hin und her. Jenna klammerte sich an ihr fest und schluchzte in Saras Pyjama. Nach einiger Zeit hatte sie sich schließlich soweit beruhigt, dass Sara mit leiser Stimme fragen konnte: „Jenna, was ist passiert? Hast du schlecht geträumt?“ Jenna nickte nur und vergrub ihr Gesicht wieder in Saras Schlafanzug. Ihre Freundin strich ihr über den Rücken. „Magst du mir vielleicht davon erzählen?“ Jenna schniefte, und nickte dann vorsichtig. Sie richtete sich auf und sah Sara mit verheultem Gesicht an. Dann berichtete sie stockend und von weiteren Schluchzern gepackt, was sie geträumt hatte. Sara hörte ihr aufmerksam zu und als Jenna geendet hatte, meinte sie: „Jenna, das alles war nur ein böser Traum. Charlie geht es ganz sicher gut! Nichts passiert, du hast alles nur geträumt! Shhh!“ Sara nahm sie noch einmal in den Arm und langsam beruhigte Jenna sich wieder. Das Schluchzen verstummte, die Tränen hörten auf zu fließen und Jenna sah ihre Freundin aus geröteten Augen an. „Danke Sara!“, flüsterte sie. Sara nickte nur. „Jenna, ich bin für dich da, wenn du mich brauchst. Wir kennen uns zwar erst seit zwei Monaten, aber in dieser Zeit bist du mir sehr, sehr wichtig geworden!“ „Du mir auch!“, wisperte Jenna. „Du bist die erste, mit der ich Dinge machen kann, die nur Mädchen machen. Ich hatte bisher nur die Jungs. Versteh mich nicht falsch, sie sind mir auch sehr wichtig, aber trotzdem etwas anderes als eine beste Freundin!“ Sara lächelte. „Ich versteh was du meinst. Ich bin froh, dass ich dich getroffen habe!“ Die beiden Freundinnen fielen sich in die Arme und saßen noch lange so da, bis es Zeit zum Aufstehen war.
Beim Frühstück musterte Charlie seine Freundin. Er erkannte, dass mit ihr etwas nicht stimmte. Ihre Augen waren ein wenig angeschwollen und gerötet. Hatte sie geweint? Doch er wollte sie nicht vor versammelter Mannschaft fragen, also wartete er ab, bis das Frühstück vorbei war und passte sie in der Eingangshalle ab, als sie mit Sara die Große Halle verließ. Zum Glück hatten sie jetzt eine Freistunde und so konnte er Jenna schnell dazu überreden, ihn an den See zu begleiten. Obwohl es jetzt tagsüber schon kühler wurde, wenn nicht sogar schon kalt, immerhin war es Anfang November, setzten sich die beiden unter einen der zahlreichen Bäume. Jenna blickte auf den See hinaus, während Charlie Jenna betrachtete. Schließlich fasste er sich ein Herz und fragte: „Jenna was ist los?“ Jenna drehte ihren Kopf zu Charlie und sah ihn fragend an. „Was meinst du?“, fragte sie mit gerunzelter Stirn. „Naja, du siehst aus, als ob … als ob du … geweint hättest.“, druckste Charlie herum. Jennas Blick wurde traurig und huschte wieder Richtung See. „Ach, das meinst du.“, flüsterte sie. Charlie nahm Jennas Kinn und drehte ihren Kopf wieder zu sich. „Jen, du weißt, dass du mit ihr über alles reden kannst, oder?“ Jenna nickte. „Willst du mir es erzählen?“, fragte Charlie vorsichtig. Jenna gab sich einen Ruck. „Heute Nacht“, begann sie zögernd, „hatte ich einen Albtraum. Er schien so real und ich hatte solche Angst, es war...“ Jenna stockte und Charlie sah sie mitfühlend an. „Ich verstehe, wenn du nicht weiter erzählen willst, dann musst du nicht.“ Das Mädchen schüttelte den Kopf. „Nein, es ist schon gut. Der Traum handelte von ... von dir Charlie. Ich hab dich gesehen und du ... du warst...“, Jenna schluckte, „du warst tot.“, schloss sie mit leiser Stimme. Neue Tränen tropften ihr aus den Augen. Sie wollte sie gerade wegwischen, als Charlie ihr zuvor kam. Sanft fuhr er über Jennas Gesicht, wischte die Tränen weg und nahm seine Freundin dann in den Arm. Jenna vergrub ihr Gesicht in Charlies Umhang. Lange saßen sie so da, bis sich Jenna schließlich von Charlie löste. Dieser sah sie ernst an und meinte dann: „Jen, wenn du wieder so einen Traum hast, dann kannst du jederzeit zu uns in den Schlafsaal kommen. Ich bin immer für dich da, okay?“ „Okay!“, antwortete Jenna. Charlie drückte ihre Hand und dann machten sie sich gemeinsam auf den Weg zurück ins Schloss.
Leider vergingen Jennas Albträume nicht so schnell. Sie kamen immer und immer wieder. Nicht jede Nacht, aber doch sehr häufig. Bald hatte Jenna tiefe Augenringe und folgte dem Unterricht nur mehr ermüdet. Auch für außerschulische Aktivitäten fehlten ihr schon bald die Kraft und die Freude. Sowohl Sara als auch Charlie und Daniel machten sich große Sorgen um ihre Freundin. Charlie beschloss, sobald er zuhause war, mit seinen Eltern über dieses Problem zu sprechen. Er hätte ihnen natürlich auch einen Brief schreiben können, aber er wollte lieber von Angesicht zu Angesicht mit ihnen sprechen. Es war einfach ein zu großes Problem als es in einem Brief zu schildern. Die Wochen vergingen und Jennas Zustand besserte sich nicht. Charlie war mittlerweile extrem verzweifelt, da er nicht mehr wusste, was er tun sollte. Auch sein Bruder Bill, dem er nach anfänglichem Zögern das Problem anvertraut hatte, wusste keinen Ausweg. So war Charlie froh, als schließlich die Weihnachtsferien vor der Tür standen. Er hoffte nur, dass seine Eltern helfen könnten, ansonsten würde es dieses Mal kein fröhliches Fest werden.
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Vielen, vielen Dank an:
Lily Potter
Ein dickes, fettes Dankeschön für deinen Kommi. Ich hatte echt schon die Hoffnung auf weitere Kommis aufgegeben...
Schön, dass dir die FF gefällt, ich weiß, ich schreibe eher kurze Kapitel, aber ich hoffe, das stört dich nicht allzu sehr :)
Wer weiß, ob aus den beiden mal was wird :p
Ich werd mich mit den weiteren Kapiteln beeilen :)
GGGLG spiria
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