
von QueenOfPain
Hermine saß gemeinsam mit Ron am Küchentisch ihrer kleinen Küche. Die Küche war klein, aber sie war gemütlich, die Möbel in einem mittelbraunen Ton gehalten, die Wände in einem weichen gelb. Sie zogen gleich nach ihrer Hochzeit in ein kleines Landhaus, welches sich weit abgelegen von den Muggeln befand.
Hier wohnten sie nun schon einige Jahre mit ihren Kindern Rose und Hugo, die der ganze Stolz der beiden waren und ihr Glück perfekt machten. Wie nicht anders zu erwarten, gingen auch die beiden nach Hogwarts, wie einst ihre Eltern.
Aber wie scheinbar jedes Paar lebten sich auch Ron und Hermine auseinander.
Ron war in die Fußstapfen seines Vaters gestiegen und arbeitete nun im Zaubereiministerium in der Abteilung für Muggelartefakte. Hermine blieb bis zuletzt Zuhause, um sich um den kleinen Hugo zu kümmern, der erst diesen Sommer den Brief von Hogwarts bekam.
>>Einsam, nicht?<<, seufzte Hermine, auf deren Gesicht sich schon einige Fältchen bildeten.
Ron, der sichtlich gut genährt schien, einen vollen, runden Bauch bekommen hatte, grummelte, er war vor wenigen Minuten erst aufgestanden, da er eine Nachtschicht im Ministerium einlegen musste. Jemand hatte die Tennisbälle eines Vereins verhext, so dass sie bei jedem Aufprall auf dem Boden wieder zurück kamen und auf ihren Schläger eindroschen.
>>Hugo ist nun auch weg... ich mache mir solche Sorgen um ihn! Er ist doch so klein und sensibel...<<
>>Rose wird sich schon um ihn kümmern<<, murmelte Ron und rieb sich die Augen. >>Wenn du mich deswegen geweckt hast...<<
>>Ich habe dich geweckt, weil ich ein komisches Gefühl habe, Ronald!<<, fauchte Hermine.
Ron schreckte etwas zurück. >>Beruhig dich doch, Schatz<<, er legte seine Hand auf ihre, die ausgestreckt auf dem Küchentisch lag. Ihr Gesichtsausdruck wurde etwas weicher, denn das hatte er schon lange nicht mehr getan. >>Du machst dir einfach zu viele Sorgen. Wenn etwas passiert wäre, hätte man uns schon längst kontaktiert.<<
>>Du hast ja recht... Es ist nur so... sonst schreibt er alle paar Tage mindestens einen Brief, wenn nicht zwei<<, ihre Stirn legte sich wieder in Falten.
Ron strich über ihre Hand. >>Weißt du noch, wie viel wir zu tun hatten, als es erst richtig los ging mit dem Unterricht?<<
Hermine nickte und sah Ron an.
>>Siehst du? Hatten wir dort Zeit unseren Eltern zusätzlich jeden Tag einen Brief zu schreiben?<<
>>Du und Harry schon<<, kicherte Hermine. >>Die meiste Arbeit habe ich ja schließlich für euch beide erledigt!<<
Ron schaute Hermine unschuldig an. >>Ich wüsste nicht, was du meinst!<<
>>Spinner<<, entgegnete Hermine nur, stand auf und räumte den Frühstückstisch ab.
Rons schaute ihr bei der Arbeit zu, fühlte sich jedoch sehr unwohl dabei und ging ins Bad, einem kleinen, hellen Raum.
Hermine pfefferte das Brettchen ins Spülbecken. Typisch, fluchte sie innerlich. Immer wenn es um den Haushalt geht verzieht er sich! Ich verstehe ja, dass er nach der Arbeit auch seine Ruhe braucht, aber ihn scheint es nicht zu interessieren, wie es mir bei all dem geht, dass ich mir Sorgen um Rose und besonders um Hugo mache.
Sie machte den Abwasch gewöhnlich lieber selbst, anstatt von Zauberhand, aber momentan stand ihr einfach nicht der Kopf danach, denn sie wusste, dass irgendetwas nicht stimmte, egal was Ron ihr versuchte einzureden, von wegen viele Hausarbeiten. Hugo schaffte es sonst auch immer, einen Brief zu schreiben, auch wenn oft nicht viel drin stand.
Hermine griff nach ihrem Zauberstab und spürte augenblicklich, wie die Magie auf ihren Stab überging. Das Geschirr flog ins Spülbecken, Wasser strömte aus dem Hahn, die Spülmittelflasche machte sich selbstständig und der Lappen begann sich um das Geschirr zu wirbeln.
Hermine sah währenddessen zum Fenster hinaus, drückte ihre Stirn an die Fensterscheibe und nahm das Geräusch des sich selbst reinigendem Geschirrs kaum noch wahr. Ihre Gedanken waren nur noch bei Hugo und Rose. Hugo, der sich immer die braunen Haarspitzen seiner Mutter um den Finger wickelte und Rose, die sich jeden Abend auf dem Sofa an sie kuschelte. Das vermisste Hermine so sehr. Die Nähe ihrer beiden Kinder, aber auch die Nähe von Ron. Anfangs saßen sie immer gemeinsam auf dem kleinen Sofa und hielten sich im Arm, während sie den Muggelnachrichten zuschauten. Aber mittlerweile saßen sie getrennt, Hermine auf dem kleinen Sofa, Ron auf dem Großen, ausgestreckt und abwesend. Und Zärtlichkeiten tauschten sie so gut wie gar keine mehr aus, Sex hatten sie schon seit Monaten nicht mehr.
Sie dachte an die alten Zeiten, als sie und Ron gerade erst zusammen waren und Hermine bei den Weasleys eingezogen ist, da sie nicht mehr nach Hause zurück konnte. Sie hatte ihre Eltern ja mit einem Vergessenszauber belegt um sie vor Voldemort zu schützen.
Alles war so neu, aber auch vertraut. Sie und Ron, von morgens bis abends zusammen, die Herzlichkeit der Weasleys, Harry, der ebenfalls bei den Weasleys eingezogen war und sich das Zimmer mit seiner Liebe, Ginny teilte. Alles war so wunderschön, nichts konnte ihnen mehr etwas anhaben, Voldemort war besiegt, die Welt in der sie lebten war außer Gefahr.
TOCK, TOCK!!!
Hermine schreckte aus ihren Gedanken, löste ihre Stirn von der Fensterscheibe und sah sich verwundert um.
>>Was zum...<<
TOCK, TOCK!!!
Ein kleiner Waldkautz hämmerte mit dem Schnabel gegen die Küchenfensterscheibe.
Und ich hatte doch Recht... dachte sich Hermine, als sie langsam das Fenster öffnete, um den Vogel hereinzulassen, der einen versiegelten Brief der Hogwartsschule für Hexerei und Zauberei im Schnabel hielt.
Der Vogel kam hereingeflattert und ließ den Brief auf den Küchentisch fallen und ließ sich dann auf der Fensterbank nieder. Hermine schluckte schwer als sie den Brief in die Hand nahm, welche unaufhörlich zitterte, als sie ihn öffnete. Ein dickes Stück Pergament befand sich in dem Umschlag. Sie entnahm es und entfaltete das Pergament mit pochendem Herzen.
Sie erkannte die saubere Schrift vom Schulleiter Severus Snape, der Dumbledore nach seinem Tod abgelöst hatte und auch nach den schrecklichen Vorwürfen weiterhin Schulleiter bleiben durfte, da sich alles geklärt hatte.
Sehr geehrter Mr Weasley, sehr geehrte Mrs Weasley,
ich, Severus Snape, Schulleiter der Hogwartsschule für Hexerei und Zauberei, bedauere Ihnen mitteilen zu müssen, dass sich ihr Sohn Hugo Weasley in akuter Lebensgefahr befindet.
Er hat sich, ich weiß jedoch nicht wie er dies angestellt hat, auf magische Weise die Pulsadern aufgeschnitten. Madam Pomfrey versucht alles, um die Blutung zu stoppen und die Wunden zu heilen. Sie kann jedoch nichts versprechen, da die Wunden immer wieder aufreißen und Ihr Sohn erneut Mengen an Blut verliert.
Ich muss dringend persönlich mit Ihnen reden. Noch heute.
Severus Snape
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