
von QueenOfPain
Wie schon zu erwarten war, hatte Hermine das Geschehene des vergangenen Abends nicht vergessen. Sie hatte die ganze Nacht sehr unruhig, so gut wie gar nicht geschlafen. Immer wieder spielte sich die Szene zwischen ihr und Snape vor ihren Augen ab. Immer wieder spürte sie seine Lippen auf den ihren und in ihrer unteren Körperhälfte begann es fürchterlich zu kribbeln. Es machte sie fast verrückt. Schon lange hatte sie nicht mehr eine solche Erregung verspürt. Zwischen ihr und Ron lief sexuell ja eh nichts mehr. Sie hatte sich schon damit abgefunden, dass sich solche Gefühle in ihrem Leben nicht mehr zeigen würden, sie war ja nun auch nicht mehr die Jüngste. Doch sie taten es, intensiver als jeh zuvor.
Hermine warf sich das Kissen über den Kopf als der Wecker zu klingeln begann. Sie wollte nicht aufstehen, wollte am liebsten den ganzen Tag im Bett verbringen, niemandem begegnen, und schon gar nicht erst Snape. Wie sollte sie sich ihm gegenüber denn auch verhalten? Aber ihre Pflicht als Bibliothekarin und besonders ihre Pflicht als Mutter rief. Sie musste mit Hugo reden, musste ihm sagen, dass sie Bescheid wusste. Vielleicht würde er sich ihr ja dann doch ganz öffnen. Aber es graute ihr auch vor dem Gespräch, was würde Hugo ihr für Fragen stellen und wie würde sie darauf reagieren?
Getrieben von ihren Mutterinstinkten stand sie auf, ging in ihre Nasszelle und machte sich frisch für den Tag, zog neue Klamotten an und warf ihre alten, mit denen sie gestern Abend zu Bett gegangen war in die Ecke. Die Hauselfen würden sie schon wegräumen. Auch wenn sie der Gedanke anwiederte, den kleinen Geschöpfen noch mehr Arbeit zu machen, aber sie wollte nicht noch einmal den Geruch ihrer Bluse riechen, die so stark nach Snape roch.
Ohne den Weg in die große Halle zu suchen ging sie direkt in den Krankenflügel. Madam Pomfrey eilte direkt zur Tür als sie Hermine hinein kommen sah.
>>Guten morgen Mrs Weasley<<, begrüßte sie Hermine freundlich.
Hermine bemühte sich, einen gut gelaunten Gesichtsausdruck preiszugeben. >>Guten Morgen, ist Hugo schon wach?<<
Madam Pomfrey nickte. >>Gerade eben wach geworden, aber er ist immer noch nicht bereit zu reden<<, fügte sie etwas betrübt hinzu.
Hermine schluckte. >>Lassen Sie mich das übernehmen, okay? Ich wäre gerne ein paar Minuten alleine mit meinem Sohn.<<
Madam Pomfrey musterte Hermine, nickte aber dann. >>In Ordnung...<<
>>Danke<<, sagte Hermine freundlich und ging zu Hugos Bett hinüber.
>>Du brauchst nicht so zu tun als würdest du schlafen.<<
>>Ich schlafe aber Mum.<<
Hermine streichelte Hugo mütterlich über den Kopf. >>Ich weiß was mit dir los ist, mein Kleiner.<<
Als hätte ihn eine Biene gestochen fuhr Hugo hoch. >>Du weißt es? Aber wie? Wer hat es dir gesagt?<<
>>Er...<<, sagte Hermine nun ernster. >>Er hat es mir gesagt... und ich habe es mit meinen eigenen Augen gesehen.<<
Hugos Augen füllten sich mit Tränen. >>Du verlässt Dad doch nicht, oder?<<, schluchzte er. >>Nicht wegen ihm, er ist so gemein zu mir Mum!<<
Hermine konnte Hugo nicht weiter in die Augen sehen. Sie konnte ihm nicht genau sagen, was sie tun sollte. Der gestrige Tag hatte alles in ihrem Leben umgeworfen. Snape gab ihr die Wärme, die sie so sehr vermisst hatte, aber gleichzeitig stand auch ihre Familie auf dem Spiel.
>>Du hättest mit mir darüber reden sollen, das ist doch kein Grund sich das Leben zu nehmen!<<, wich Hermine Hugos Frage aus.
>>Ich hätte dich nur per Eule erreichen können und dann wäre die Gefahr dort gewesen, dass Dad den Brief gelesen hätte und das wollte ich nicht!<<, verteidigte sich Hugo.
Hermine wusste im ersten Moment nicht was sie antworten sollte. Sie spürte förmlich Hugos Angst davor, dass ihre Familie zerbrechen könnte, wenn er nur den kleinsten Fehler machte. Sie konnte einfach nicht anders, als ihn in den Arm zu nehmen und kaum hatte sie dies getan flossen auch bei ihr die Tränen, stille Tränen, denn sie wollte nicht, dass er ihren Kummer bemerkte.
>>Ich liebe dich, Mum<<, schluchzte Hugo. >>Und ich verspreche dir, dass ich so etwas nie wieder tun werde. Und ich werde auch nicht mehr in den privaten Sachen anderer schnüffeln.<<
>>Ich liebe dich doch auch mein Kleiner<<, antwortete Hermine mit zittriger Stimme. >>Wieso hast du das überhaupt getan?<<
Hugo wollte sich aus der Umarmung lösen, aber Hermine ließ ihn nicht, denn dann hätte er ihre Tränen gesehen. Also gab er nach und legte den Kopf auf ihre Schulter. >>Ich weiß es nicht... es war irgendwie so verlockend. Mich hat es interessiert, was ein Mensch wie Snape mit einem Tagebuch wollte.<<
Hermine huschte ein Lächeln über die Lippen. >>Jetzt weißt du wenigstens, dass man seine Nase aus privaten Dingen raus halten sollte<<, sie drückte Hugo nochmal enger an sich.
>>Ich wünschte, ich hätte das niemals gelesen...<<
Glaub mir mein Sohn, dachte Hermine. Auch ich wünschte, ich hätte es nie erfahren und hätte es niemals so weit kommen lassen...
Hermine gelang es, Snape den ganzen Vormittag nicht über den Weg zu laufen. Nach dem Gespräch mit Hugo hatte sie ein noch schlechteres Gewissen und war noch verwirrter als vorher. Sie wollte es nicht Schuld sein, dass sie den Kindern ihre Familie nahm und wollte sie selbst, dass ihre Familie zerbrach? All die Jahre, die sie glücklich zusammen gelebt haben? Aber wenn sie ehrlich war, war die Zeit des Glücks vorbei, als beide Kinder nach Hogwarts gegangen sind. Von da an lebten sie und Ron fast nur noch aneinander vorbei. Aber warum sah sie erst jetzt alles so klar, nachdem sie erfahren hatte, was Snape für sie fühlte? Sah sie die Dinge überhaupt klar? Oder bildete sie sich das alles nur ein? Wollte sie nur eine Ausrede dafür finden, weswegen sie sich Snape hingegeben hatte?
Fragen über Fragen und ein Haufen angestauter Gefühle, da blieb kein klarer Kopf mehr, ihre Arbeit zu verrichten. Ihr war es sogar egal, dass sich die Schüler, die sich in in ihren Freistunden in der Bibliothek aufhielten, sich laut unterhielten und scheinbar gar nicht in den Büchern lasen, die vor ihnen lagen.
Es läutete zum Mittagessen. Die Schüler in der Bibliothek sprangen direkt auf, packten ihre Sachen und verließen die Bibliothek, ohne die Bücher wieder wegzuräumen. Hermine schaute ihnen nur nach, ging dann jeden Tisch ab und sortierte die Bücher wieder ein. An Essen war jetzt gar nicht zu denken, also blieb sie in der Bibliothek und ließ sich auf den Stuhl hinter ihrem Schreibtisch sinken.
Irgendetwas musste sie tun, das wusste sie. Als erstes musste sie sich klar werden, was es mit den Gefühlen zu Snape auf sich hatte. Ob sie ihn wirklich liebte, oder ob sie in ihm nur den Mann sah, der sie begehrte und der ihr das Gefühl gab, geliebt zu werden. Und überhaupt wusste sie gar nicht, ob Snape nicht auch irgendwann so werden würde wie Ron, so kalt und gleichgültig, ein Mann, der nur noch seine Arbeit sah, eine Frau brauchte, die ihm täglich Essen machte und ihm ein sauberes Zuhause bescherte, die ab und an mal für Gelegenheitssex gut war, wenn er ein paar Gläser zu viel intus hatte.
Aber war Snape wirklich zu so etwas imstande? Wenn er so lange schon in sie verliebt war? Sie kannte keinen Mann, der so lange auf eine Frau wartete, sich nicht auf eine andere einließ. Jeder andere hätte die erste Gelegenheit genutzt, die sich ihm bot, um um eine andere attraktive Frau zu werben. Aber Snape wollte nur sie... Die Zeilen in seinem Tagebuch klangen so ehrlich, waren voller Sehnsucht und auch Schmerz... Wie musste es ihm nur ergangen sein? Erst verlor er Harrys Mum Lilly an einen anderen Mann, Harrys Vater James, dann starb sie und dann verliebte er sich nach Jahren in ein junges Mädchen, das sich zu dem Zeitpunkt nicht einmal für Jungs interessiert hatte, nur Augen für ihre Bücher und den Unterricht hatte. Und als sie reif für die Liebe war, nahm ihm auch dieses Mädchen jemand weg, Hermine, die nicht einmal ahnte, was er für sie fühlte...
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