
von Kate Flemming
Überarbeitete Version
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Ein leises Summen war das Erste, das Kate hörte, als sie erwachte. Wohlig räkelte sie sich und zuckte dann zusammen, als ihre Füße an das Fußende des Bettes stießen. Langsam kamen die Erinnerungen an den gestrigen Tag wieder in ihr Bewusstsein und sie setzte sich abrupt im Bett auf. Der Raum, in dem sie sich befand, war in ein schwaches Dämmerlicht getaucht, denn die schweren Vorhänge schafften es nicht ganz, das helle Sonnenlicht auszusperren.
Sie lag in einem Bett und es standen noch drei weitere Betten auf dieser Seite des Raumes, vier andere standen gegenüber. Um jedes Bett gab es eine Schiene, mit der ein Vorhang um das Bett herum geschlossen werden konnte.
Sie war die einzige, die sich in Raum befand. Durch die geöffnete Tür konnte sie jedoch das Summen hören. Anscheinend werkelte jemand im Nebenraum herum.
Kate versuchte ihre Gedanken so weit zu sammeln, dass sie sich einen Reim darauf machen konnte, wo sie eigentlich war. Der Raum war sehr hoch, Halbsäulen stützen die gewölbten Decken. Die Fenster waren ebenfalls sehr hoch und schmal. Der Boden bestand aus ausgetretenen Steinplatten. Es schien ein altes Gebäude zu sein. Wahrscheinlich war sie in dieser Schule, von der der geheimnisvolle Mann erzählt hatte. Snape war der Name des Mannes gewesen. Auch im Rückblick schienen ihr die Ereignisse des vergangenen Tages nicht realistischer. Sollte das alles wirklich passiert sein? Unwillig schüttelte Kate den Kopf, eigentlich konnte es nicht sein. Aber wie wollte sie sich dann erklären, dass sie plötzlich an einem Ort erwachte, den sie noch nie gesehen hatte? Und wenn das wirklich geschehen war, wie hatte sie dann den letzten Rest des Weges zurückgelegt? Sie konnte sich noch an die Höhle erinnern, aber dann? Sie ließ sich in das Kissen zurücksinken. Wie spät es wohl war? Wo war der Mann, der sie hierher gebracht hatte? Je länger sie überlegte, desto nervöser und beunruhigter wurde sie.
Eine Frau erschien in der Tür und spähte herein: „Oh gut, Sie sind aufgewacht, mein Kind.“
Sie kam mit raschen Schritten näher. Sie trug einen hellen Umhang und eine Art von Häubchen.
Kate sah sie mit großen Augen an und fragte leise: „Wer sind Sie und wo bin ich?“
„Mein Name ist Pomfrey und ich kümmere mich hier in Hogwarts um die großen und kleinen Wehwehchen. Wir werden uns später um Ihre Füße kümmern. Aber machen Sie sich keine Sorgen, das wird nicht wehtun, meine Liebe.“
„Hogwarts?“
Die Frau, die so etwas wie eine Krankenschwester zu sein schien, nickte eifrig: „Ja, Hogwarts! Das hier ist eine Schule für Hexerei und Zauberei. Sie sind heute Nacht mit Professor Snape angekommen.“ Also ging ihr Traum wohl weiter, oder –was schlimmer wäre- sie träumte nicht. Was das hieß, darüber wollte sie immer noch nicht nachdenken.
Madam Pomfrey schüttelte Kates Decke etwas auf und griff nach Snapes Umhang, der noch immer halb um Kate gewickelt war. Nachdem Kate ihn entfernt hatte, gab sie ihn der Frau. „Sie sind sicher hungrig, ich werde Ihnen etwas bringen. Möchten Sie Kürbissaft oder Tee, meine Liebe?“
„Kann ich auch einen Kaffee bekommen?“ fragte Kate zögernd während die Frau den Umhang über einen Stuhl legte, der neben dem Bett stand.
„Na, heute werden wir mal eine Ausnahme machen, nachdem, was Sie so alles erlebt haben“, sie hob mahnend den Zeigefinger „aber nur heute!“
Kate nickte dankbar und schon wuselte die Frau wieder hinaus. Man hörte Geschirr leise klappern und wieder summte sie, diesmal etwa lauter. Kate kannte das Lied nicht.
Schule für Hexerei und Zauberei! Das hatte der Mann gestern auch erzählt. Nachdenklich sah Kate zum Fenster hinüber, doch durch die geschlossenen Vorhänge konnte sie nicht hinaussehen. Ihr entfuhr ein Seufzen: was sollte sie machen, wenn sich diese Geschichte als wahr herausstellte? Ihr Verstand weigerte sich, solchen Unsinn zu glauben. Aber vorerst würde sie einfach sehen, was so auf sie zukam.
Als die Frau wieder hereinkam, hatte sie ihren Zauberstab erhoben und ein Tablett schwebe vor ihr her. Es landete sanft auf einem Tischchen neben dem Bett. Kates Augen hingen wie gebannt an dem Tablett. Das konnte unmöglich passiert sein. Doch ein weiterer Schlenker mit dem Zauberstab der Frau öffnete die Vorhänge weiter. Heller Sonnenschein fiel in das Zimmer. Es musste später sein, als Kate gedacht hatte. Die Frau bemerkte Kates ungläubigen Blick und sah sie lächelnd an: „Ich kann mir vorstellen, dass das alles für Sie etwas ungewöhnlich ist. Aber Sie werden sich bald daran gewöhnen, glauben Sie mir.“ Sie sah aus dem Fenster: „Es ist schon früher Nachmittag, Sie haben lang geschlafen. Nun essen Sie und dann kümmern wir uns um Ihre Füße, damit Sie wieder laufen können. Später werden Professor Dumbledore und Professor McGonagall vorbeischauen.“
„Und Mr. Snape?“ fragte Kate. Der abweisende Mann war ihre einzige Verbindung zur Realität und sie hatte das Gefühl, seine Anwesenheit würde alles etwas einfacher machen. Madam Pomfrey‘s Augen zogen sich etwas zusammen und sie zuckte mit den Schultern: „Wir werden sehen, ob er kommt.“
Mit großem Appetit machte sich Kate über die belegten Brote und den Kaffee her. Dazu gab es Obst und etwas Joghurt. Dabei schaute sie durch die Fenster auf die grandiose Umgebung. Hohe Berge grenzten einen großen See und herrliche Wiesen ein. Weiter hinten konnte man die schwarze Masse eines sehr dichten Waldes sehen. Oben auf den Bergen wuchsen keine Bäume mehr, sie mussten sehr hoch sein. Sie hatte heute Nacht schon das Gefühl gehabt, hoch im Norden zu sein. Wahrscheinlich Schottland. Vor vielen Jahren hatte sie mit ihren Eltern Urlaub in den Highlands gemacht. Dort hatte es teilweise auch so ausgesehen.
Nachdem sie genug gegessen hatte, schob sie das Tablett beiseite. Kurz darauf kam die Frau wieder herein. „Schön, schön. Das tat sicher gut, nicht wahr?“
„Es war köstlich, danke. Ich wusste gar nicht, wie hungrig ich war. Aber gestern hatte ich außer einem Kaffee nichts. Es war ein langer Tag.“
„Das glaube ich Ihnen. Ich hole nur gerade die Sachen, dann legen wir los.“ Sie nahm das Tablett und eilte hinaus, nur um kurz darauf wieder herein zu kommen. Diesmal schwebte eine Schüssel mit einer blauen Flüssigkeit vor ihr her. Über ihrem Arm hingen verschiedene Tücher.
Die Schüssel stellte sich vor das Bett auf den Boden. „So, mein Kind. Setzen Sie auf den Rand des Bettes und tauchen Sie ihre Füße hier hinein. Es wird ein bisschen brennen, aber es sollte auszuhalten sein.“
Kate zögerte erst, doch dann setze sie sich seitlich auf das Bett und zog ihre Hosenbeine hoch. Dann senkte sie langsam ihre Füße in die Schüssel. Es brannte wirklich ein wenig, aber es war in Ordnung. Nichts gegen die Schmerzen, die sie gestern auf dem Weg gehabt hatte. Madam Pomfrey hob ihren Zauberstab und murmelte ein paar Worte, dann deutete sie auf die Schüssel und die Flüssigkeit änderte ihre Farbe von Blau auf Violett. Wieder prickelte es ein bisschen. Ein paar weitere Worte und die Farbe änderte sich von violett zu orange. Diesmal fühlte Kate nichts.
„So, das sollte es gewesen sein“, sagte die Frau zufrieden.
Ein kurzer Schwenk mit dem Zauberstab und die Schüssel rutschte von Kate fort. Es tropfte etwas von der inzwischen orangenen Flüssigkeit auf den Boden. Madam Pomfrey fing sie mit einem Tuch auf. Kate konnte keine Wunden mehr sehen und fühlte keinerlei Schmerzen mehr. Es war wie ein Wunder! Wenn sie es nicht selbst gesehen und gespürt hätte, sie würde es nicht glauben. Madam Pomfrey brachte ihr eine weitere Schüssel, etwas Seife und eine Zahnbürste. Dankbar wusch sich Kate und versuchte ihre Haar mit einem groben Kamm zu bändigen. Zum Schluss flocht sie ein Zopf, das war am einfachsten. Wohlig streckte sie sich auf dem Bett aus und döste noch ein wenig. Wieder nahm sie sich vor, den Dingen ihren Lauf zu lassen. Die Frau war geschäftig in den Nebenraum zurückgekehrt.
Etwa eine Stunde später hörte Kate aus dem Vorraum Stimmen. Madam Pomfreys Stimme kannte sie nun schon, aber es waren auch zwei weitere Stimmen zu hören, die einer Frau und die eines Mannes. Natürlich wollte sie nicht lauschen, aber die Menschen sprachen nicht gerade leise, deshalb konnte sie sie gut verstehen.
„Na Poppy, wie geht es ihr?“ hörte Kate die Frauenstimme fragen. Sie klang streng und bestimmt, so als ob sie selten mit Widerspruch zu rechnen hatte.
„Oh, es geht ihr ganz gut. Ihre Füße haben wir verarztet, sie sollte eigentlich schon wieder laufen können. Ich dachte nur, sie sollte sich noch ein wenig ausruhen, bis Ihr kommt. Sie hat lange geschlafen und war sehr erschöpft.“
„Hat sie Fragen gestellt? Schließlich hat sie gestern eine für sie völlig neue Welt entdecken müssen“, hörte sie eine ruhige, tiefe Männerstimme.
„Nein, Fragen hat sie eigentlich keine gestellt. Sie war ruhig und scheint den gestrigen Tag gut überstanden zu haben. Natürlich war sie ein wenig erstaunt über alles.“ Das war wieder Madam Pomfrey.
„Dann wollen wir mal zu ihr gehen. Sie wird eine Menge Fragen haben“. Die Männerstimme.
„Kommt Severus auch? Sie hat nach ihm gefragt.“
„Wirklich?“ hörte Kate die mild verwundert klingende Stimme der Frau.
„Ich habe ihm Bescheid gesagt, aber er hat etwas Ruhe verdient, die letzten Wochen waren sehr anstrengend und gefährlich für ihn. Und wer hätte gedacht, wie knapp es gestern werden würde“, hörte man wieder die tiefe, dunkle Männerstimme.
Die Stimmen näherten sich der Tür und Kate setzte sich im Bett auf. Sie stopfte das Kissen in ihren Rücken und wartete gespannt auf die Personen, die zu den Stimmen gehörten.
Die Tür wurde weiter geöffnet und Madam Pomfrey erschien wieder. Ihr folgte eine Frau mit hochgestecktem schwarzen Haar, durch das sich schon viele graue Strähnen zogen. Sie trug einen schwarzen Umhang, darunter konnte man eine rote Bluse erkennen. Sie hatte strenge Züge, aber ihre Augen schauten gütig und interessiert auf Kate. Auf der Nase trug sie eine Brille mit eckigen Gläsern. Ihr folgte ein beeindruckender, großer, älterer Mann. Er hatte lange, weiße Haare und einen ebenfalls langen Bart, den er in der Mitte zusammengebunden hatte. Seine Nase sah aus, als wäre sie gebrochen und er trug eine Brille mit halbmondförmigen Gläsern. Dahinter sah Kate strahlend blaue, wache Augen, die sie ruhig anschauten.
Sie kamen näher und blieben neben Kates Bett stehen. Wohlwollend schaute der Mann auf sie herab: „Herzlich Willkommen in Hogwarts, Miss Flemming. Ich freue mich, Sie so wohlauf zu sehen.“ Er hatte eine angenehme Stimme, mit viel Wärme, das hatte sie schon gehört, als sie dem Gespräch vor der Tür gelauscht hatte.
„Vielen Dank“, antwortete Kate und musterte die beiden Besucher aufmerksam.
Die ältere Frau fragte lächelnd: „Wie geht es Ihnen?“
Kate sagte ebenfalls lächelnd: „Madam Pomfrey hat sich sehr lieb um mich gekümmert. Es ist erstaunlich, wie schnell sie meine Füße geheilt hat. Noch ein oder zwei solche ‚Wunder‘ und ich werde das mit der Zauberei wohl glauben müssen.“ Die Drei verzogen amüsiert das Gesicht. Kate musterte den Mann erneut und sagte dann: „Sie sind bestimmt Professor Dumbledore?“
„Das ist richtig, mein Kind. Sie sind also schon ein wenig im Bilde?“ Er lächelte sie an: „Das hier ist Professor McGonagall“, stellte er die Frau an seiner Seite vor. Madam Pomfrey verließ das Zimmer wieder, nachdem sie sich versichert hatte, dass Kate alles hatte, was sie benötigte.
„Dies alles muss für Sie sehr verwirrend sein, nicht wahr? Wir werden versuchen, es Ihnen zu erklären“, sagte Professor McGonagall mit einem geschäftigen Nicken. Kate entfuhr: „Oh ja, das ist mehr als nur ein bisschen verwirrend. Ich habe mehrmals gezweifelt, ob ich nicht doch noch schlafe. Einige Erklärungen wären wirklich sehr hilfreich.“ Ihr Gesicht verzog sich: „Ich schlafe also wirklich nicht mehr und träume das alles nur?“ Ihre Stimme hatte einen hoffnungsvollen Ton angenommen.
„Nein, mein Kind, ich befürchte, Sie sind wach und das hier alles ist die Realität. Eine andere, als Sie sie kennen, aber nichts desto trotz doch die Realität“, äußerte Professor Dumbledore bedauernd.
„Wir erklären Ihnen gerne einige Dinge, aber dazu sollten wir wissen, was genau gestern und auf Ihrer Flucht so geschehen ist“, fragte die Frau und schaute sie interessiert an.
Kate sah sie etwas unsicher zu ihr auf: „So genau habe ich das nicht verstanden. Hat Ihnen Mr. Snape nicht erzählt, was passiert ist? Wo ist er überhaupt?“
Eine kalte Stimme kam von der Tür: „Für Sie immer noch ‚Professor Snape‘! Ich dachte, das hätten wir gestern geklärt.“
Mit diesen Worten kam er hinein und stellte sich den beiden anderen gegenüber an ihr Bett. Sein Blick streifte sie nur kurz, dann fixierte er einen Punkt hinter dem Schulleiter. Kate konnte ihn nicht richtig sehen, da sie das Licht vom Fenster blendete.
„Ah Severus, gut das Sie da sind. Dann können wir uns ja auch setzen“, Professor Dumbledore zückte gut gelaunt seinen Zauberstab und sofort erschienen drei Stühle. Er und die Frau setzten sich, Snape blieb stehen. Nach einem auffordernden Nicken von Dumbledore erzählte er kurz und präzise, was am Tag davor geschehen war. Seine Stimme klang gelangweilt und distanziert. Anscheinend waren Abenteuer dieser Art alltäglich und der gestrige Tag eher langweilig gewesen. Kate hatte es völlig anders erlebt.
„Das war ja denkbar knapp“, sagte Professor McGonagall erschrocken, „das hätte auch ganz anders enden können.“
„Aber es ist zum Glück gut gelaufen“, beruhigte Dumbledore sie, wobei er ihr beruhigend die Hand tätschelte. Er schaute Kate an: „Aber Sie haben bestimmt noch eine Menge Fragen?“
Kate nickte: „Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Mr… , äh Professor Snape erwähnte was von einer Verwandtschaft, die mich wohl in die ganze Geschichte hineingezogen haben soll. Wer soll das sein?“
„Sagt Ihnen der Name Tom Riddle jr. vielleicht etwas?“ fragte Dumbledore und beobachtete sie genau.
Kate dachte sofort an den Brief ihrer Anwaltskanzlei und nickte: „Ja, von ihm habe ich gerade erst gestern gelesen. Dieser Tom Riddle ist ein entfernter Verwandter, der Enkelsohn meines Urgroßvaters väterlicherseits. Aber er soll schon lange nicht mehr in England sein, ist vielleicht schon tot.“
Dumbledore nickte bedächtig: „Und alle Ihre anderen Verwandten, konnten die Ihnen etwas zu ihm sagen?“
„Ich habe keine anderen Verwandten. Meine Eltern sind schon kurz nach meiner Geburt gestorben und ich wurde von einem Ehepaar adoptiert. Die sind letztes Jahr bei einem Autounfall gestorben. Erst dann habe ich angefangen, Nachforschungen zu meinen leiblichen Eltern anzustellen. Eine Anwaltskanzlei und eine Detektei helfen mir dabei. Sie Kanzlei hat auch den Nachlass meiner Adoptiveltern geregelt.“
„Und woher wissen Sie von Tom Riddle?“ fragte der alte Zauberer kurz.
„Die Kanzlei hat mir geschrieben. Wie ich erst im Frühjahr herausgefunden habe, ist mein Geburtsname Catherine Riddle und so haben sie den Rest herausgefunden. Sie sind auf der Suche nach diesem Tom Riddle jr. Und nach meinem Großvater William Riddle, der aber auch schon lange nicht mehr in England gemeldet ist.“
„So etwas hatte ich befürchtet, meine Liebe.“ Dumbledore wandte sich an Snape, „Wie weit haben Sie ihr von Voldemort erzählt?“
„Für Gespräche dieser Art hatten wir gestern nicht die Muße.“ Snape betrachtete wieder sehr interessiert die Wand hinter Dumbledore und seine Stimme klang unbeteiligt: „Ich dachte, es wäre besser, wenn Sie ihr alles erklären würden.“
Dumbledore sah ihn kurz ernst an und wandte sich wieder zu Kate. „Ich muss etwas weiter ausholen: Vor vielen Jahren erfuhren der damalige Schulleiter dieser Schule von einem Jungen, der anscheinend ein Zauberer war. Er war elf Jahre alt und lebe in einem Waisenhaus. Seine Mutter war dort eines Abends aufgetaucht, sie war hochschwanger und bekam ihr Kind dort. Sie starb noch am gleichen Abend. Ich holte ihn dort ab und ab diesem Tag war er Schüler dieser Schule. Er war ein ernster, fleißiger Schüler.“
Seufzend wandte Dumbledore sich um und schaute aus dem Fenster: „Wir alle erwarteten viel von diesem Jungen. Aber es sollte anders kommen, wie wir heute wissen. Schon an dieser Schule wandte er sich den dunklen Künsten zu.“
Wieder wandte er sich zu Kate und schaute sie ernst an. „Denn, wie auch in Ihrer Welt, gibt es auch unter den Hexen und Zauberern gute und schlechte Menschen. Tom Riddle sollte ein großer Zauberer werden, nur leider auf der falschen Seite. Als er diese Schule verlassen hatte, hörte man eine Weile nicht viel von ihm. Aber nach ein paar Jahren sammelte er eine große Gefolgschaft um sich, die sogenannten Todesser. Gemeinsam verbreiteten sie Angst und Schrecken. Sie folterten und töteten Hexen, Zauberer und Muggel, manchmal nur zum Spaß und Vergnügen. Er wurde immer mächtiger und schon bald konnte die Zauberwelt ihm nicht mehr Herr werden.“ Von Erinnerungen gefangen, hielt er in seiner Erzählung innen.
„Es waren dunkle Zeiten“, fuhr Professor McGonagall leise fort, „schlimme Zeiten. Man wusste nicht, wem man trauen konnte. Es war entsetzlich.“ Dann seufzte sie: „Und es sieht so aus, als würde es bald wieder so schlimm um uns stehen. Oder noch viel schlimmer werden.“
Dumbledore nickte und fuhr dann fort: „Dann passierte etwas Unvorgesehenes. Voldemort, so nannte sich dieser Zauberer nach seinem Aufstieg, versuchte ein Kind zu töten und vernichtete sich dabei selbst. Er war Jahre verschwunden und viele Menschen dachten, er wäre für immer fort“, Dumbledore machte eine kurze Pause und räusperte sich: „Aber wie sich herausgestellt hat, lagen sie falsch. Vor einem Jahr ist er wieder aufgetaucht, und es sieht so aus, als wäre er stärker als jemals zuvor.“
Dumbledore und die Frau sahen beide müde und besorgt aus. Kate sah zu Snape hinüber, aber auf seinem Gesicht war keine Regung zu erkennen. Sie fragte sich, was er wohl gerade dachte.
Dann sah sie wieder Dumbledore an. „Eins verstehe ich nicht so recht. Professor…“, mit einem Lächeln betonte sie dieses Wort „…Snape sagte mir, dass ein böser Zauberer mich umbringen will. Ist das dieser Voldemort?“ Neben sich hörte sie Snape scharf einatmen. Als sie den Kopf umwandte, funkelten Snapes Augen sie an, als ob sie etwas wirklich Schlimmes gesagt hätte. Etwas verwirrt schaute Kate wieder zu Dumbledore.
Doch der lächelte nur und antwortete: „So ist es. Und gleichzeitig ist er auch Ihr leider gar nicht so verloren gegangener Verwandter Tom Riddle jr. Ich habe keine Ahnung, wie er jetzt von Ihnen erfahren hat, aber ich nehme an, Ihre Nachforschungen, oder die Ihres Anwalts werden ihn auf Ihre Spur gebracht haben.“
„Aber das erklärt doch noch lange nicht, warum er mich umbringen will. Ich kann ihm doch nun wirklich nicht schaden, oder? Ich kann nicht zaubern. Keiner aus Ihrer Welt kennt mich! Was will er von mir?“
„Sehen Sie, einer der Hauptpunkte, mit denen er seine Gräueltaten begründet, liegt in seiner Idee des ‚reinen Blutes‘. Also nur Zauberfamilien mit reinem Blut, die keine Muggel in ihrer Blutlinie haben, sind es wert weiter zu leben. Und sie sollen die Herrschaft über die Muggel übernehmen, die Geheimhaltung soll fallen. Das sind seine Pläne.“
Kate überlegte eine Weile und nickte dann: „Jetzt verstehe ich. Natürlich, keiner darf wissen, dass er auch einen Muggel in der Familie hat.“
„Es ist noch viel schlimmer, meine Liebe. Tom Riddles Mutter war eine Hexe, sein Vater aber ein Muggel und damit ist klar, Ihre und damit auch seine ganze Familie väterlicherseits besteht nur aus Muggeln. Das dürfen seine Anhänger niemals erfahren. Er kann sich erst wieder einigermaßen sicher fühlen, wenn Sie nicht mehr leben.“ Ernst sah Dumbledore sie an: „Deshalb habe ich Professor Snape geschickt, um Sie hierher in Sicherheit zu bringen. Hier können wir auf Sie aufpassen. Draußen wären Sie nicht mehr sicher.“
Kate dachte eine Weile über das nach, was sie eben gehört hatte. Dann sagte sie langsam: „Das hört sich so an, als würden Sie meinen ‚netten‘ Verwandten nicht so schnell überwältigen können, oder? Wie lange, meinen Sie, muss ich den hierbleiben? Ich habe schließlich auch ein Leben, ich kann nicht einfach für lange Zeit verschwinden!“ Besorgt dachte sie an ihre Schule, an ihre Freunde.
„Wie lange?“, kam es kurz von Snape. „Es muss Ihnen doch klar sein, dass Sie dort draußen niemals sicher sein werden, so lange der Dunkle Lord nicht endgültig besiegt ist.“
Verzweiflung machte sich in Kate breit: „Aber ich kann doch nicht hier leben! Ich gehöre hier nicht her. Ich bin keine Hexe. Was soll ich dann an einer Schule für Zauberei und Hexerei?“
„Sie haben keine Wahl. Nur in Hogwarts sind Sie sicher!“ Snape brachte die kurzen Worte mit verschlossenem Gesicht vor. Kate hatte das Gefühl, als hätte er sie lieber nicht hier.
Dumbledore sah sie lächelnd an: „Machen Sie sich keine Sorgen. Wir werden uns eine Geschichte ausdenken. Erst einmal werden Sie ganz regulär den Unterricht besuchen. Die Lehrer werden wir informieren. Dass Sie nicht zaubern können, werden wir mit einer kurzzeitigen Krankheit entschuldigen. Außerdem erzählen wir, dass Sie gerade von Amerika hergezogen sind. Professor McGonagall und ich sind der Meinung, dass Sie im Haus Gryffindor am besten aufgehoben sind. Dann kann Professor McGonagall ein Auge auf Sie haben, sie ist die Hauslehrerin von Gryffindor. Von den Schülern des Hauses Slytherin sollten Sie sich allerdings fernhalten.“ Ein Blick von Dumbledore streifte Snape mit besorgter Miene: „Die Eltern vieler Schüler sind Todesser. Das heißt aktive Anhänger von Voldemort.“
„Ich soll mich als Schülerin ausgeben? Das nimmt mir doch niemand ab. Dafür bin ich schon viel zu alt.“ Kate schüttelte lächelnd den Kopf.
„Aber mein Kind, unsere Schüler sind im letzten Schuljahr siebzehn bis achtzehn Jahre alt, genau wie Sie“, warf Professor McGonagall stirnrunzelnd ein: „Wo ist da ein Problem?“
Kate sah sie kurz verblüfft an, dann lachte sie: „Oh, da sehe ich schon ein Problem. Wie kommen Sie denn darauf, dass ich siebzehn bin? Ich werde in diesem Monat siebenundzwanzig Jahre alt.“
„Aber Sie besuchen doch diese Schule in London und in Ihrem Pass steht doch das Geburtsjahr 1979! Das habe ich überprüfen lassen“, Dumbledore sah sie etwas verwirrt an.
„Dann kann ihr Informant vielleicht nicht lesen.“ Kate lächelte immer noch: „Ich bin 1969 geboren und ja, ich besuche diese Schule, denn ich bin dort Lehrerin. Ich unterrichte Geschichte, Englisch, Sport und Tanz.“
„Ach du meine Güte“, sagte Professor McGonagall und schlug die Hand vor den Mund, um ein Lachen zu unterdrücken.
Dumbledore lächelte sie an: „Da muss ich Dir beipflichten, Minerva! Du meine Güte! Dann werden wir uns etwas anderes einfallen lassen müssen, um ihre Anwesenheit in Hogwarts zu erklären.“
Ein nachdenkliches Schweigen trat ein. Snape starrte immer noch vor sich hin. Er fühlte sich offensichtlich nicht wirklich angesprochen. Seine ganze Körperhaltung deutete mehr darauf hin, dass er keine Lösung des Problems anstrebte.
Nach einer ganzen Weile sagte Kate langsam: „Nun, dies ist eine Schule. Ich bin Lehrerin. Gibt es nicht irgendetwas, was ich hier unterrichten kann? Sport, Tanz, Geschichte? Gibt es diese Unterrichtsfächer hier nicht?“
Ungehalten brach es aus Professor Snape raus: „Das ist hier keine Muggel-Schule! Die Kinder lernen hier Sachen, die sie für ihr Leben in der Magischen Welt auch gebrauchen können!“ Severus Snape sah so aus, als hielt er sie für schwachsinnig. Seine schwarzen Augen funkelten vor verhaltener Wut.
Und in ihm brodelte es nicht zu knapp. Siebenundzwanzig! Das hätte er sofort erkennen müssen. Kein Mädchen mehr, eine Frau! Eine richtige erwachsene Frau. Kein Wunder, dass er auf sie reagiert hatte! Und als Schülerin hätte sie in einer ganz anderen Welt gelebt, hier an der Schule. Wenn sie jetzt als Lehrerin akzeptiert würde, dann würde er sie ständig sehen müssen: im Lehrerzimmer, bei den Mahlzeiten, eben ständig.
„Nicht so voreilig, Severus“, Dumbledore sah von Snape zu McGonagall und dann wieder zu Kate: „Wir sollten darüber nachdenken. Sicher gibt es etwas, was Sie unterrichten können. Tanzunterricht haben wir hier nicht, auch Sport –außer Quidditch natürlich- nicht. Wir könnten es aber anbieten.“
„Und sie könnte die Lehrerin für Muggelkunde unterstützen. Beschwert sich Charity Burbage nicht immer darüber, dass ihr der Unterricht oft zu viel wird? Vor allem, wenn Muggelkunde in Zukunft schon ab dem ersten Schuljahr gelehrt werden soll?“ warf Professor McGonagall ein.
Begeistert rief der Schulleiter: „Das ist eine hervorragende Idee, Minerva. Da könnte Miss Flemming wirklich helfen. Gerade Kleidung und Alltagsgewohnheiten der Muggel sind immer Problemprojekte. Sie könnten auch Musikgeschichte der Muggel unterrichten oder Muggelliteratur“, fuhr er an Kate gewandt fort.
„Das klingt doch schon ganz anders. Ich helfe gerne überall. Denn ich hasse es, tatenlos herum zu sitzen.“ Kates eben noch vergnügte Miene verdunkelte sich aber schnell wieder: „Aber was wird aus meiner Anstellung, wenn ich länger hier bleiben muss? Aus meinen Freunden, aus meinen Sachen in meiner Wohnung?“ Jetzt wurden ihr langsam die Konsequenzen der gestrigen Ereignisse bewusst. „Das kann ja unter Umständen Jahre dauern, bis ich wieder nach Hause kann, oder?“ Erschrocken sah sie von Dumbledore zu Professor McGonagall, zum Schluss blieb ihr Blick an Snape hängen.
Mitleidig schaute Dumbledore sie an: „So ist es. Ihre Anstellung, Ihre Sachen, ich denke, da können wir nur wenig machen. Wir können versuchen, ob jemand ein paar persönliche Sachen holen kann, aber das ist riskant. Die Todesser werden die Wohnung noch sehr lange überwachen. Außerdem werden sie wahrscheinlich einiges zerstört haben.“
Entsetzt sah Kate Dumbledore an: „Nein, ich möchte nicht, dass noch jemand wegen mir sein Leben riskiert. Das sind ein paar persönliche Dinge nicht wert!“
Sie schwiegen einen Moment, während Kate versuchte, mit dem eben gehörten zurecht zu kommen.
„Ich muss Sie noch um eine Sache bitten“, meinte der Schulleiter nach einer Weile des Schweigens und sah Kate mit ernster Miene an: „Niemand darf erfahren, dass Professor Snape Sie hierher geholt hat. Das ist sehr wichtig! Wenn Sie gefragt werden sollten, dann sagen Sie einfach, es war ein Ihnen unbekannter Zauberer. Haben Sie das verstanden?“ Eindringlich sah er sie an.
Kate nickte nach einem schnellen Seitenblick auf Snape langsam: „Natürlich habe ich das verstanden. Aber warum ist das notwendig?“
Dumbledore sah ebenfalls zu Snape, der Blick nachdenklich. Snape erwiderte mit finsterem Blick und schüttelte leicht den Kopf.
Der Schulleiter dachte einen Moment nach und seufzte dann: „Ich glaube, wir können Ihnen vertrauen“.
Snape fuhr auf und wollte gerade etwas sagen, als Dumbledore ihm mit einem Wink der Hand zum Schweigen brachte. „Nein Severus, vertrauen Sie mir und ihr.“ Und an Kate gewandt: „Professor Snape ist nicht nur Lehrer an dieser Schule. Aus Gründen, die wir heute hier nicht näher erläutern wollen, hat es sich ergeben, dass er das Vertrauen von Voldemort erringen konnte. So hält er den Kontakt zu den Todessern und Lord Voldemort. Dieser denkt, dass Severus uns ausspioniert. In Wirklichkeit versorgt er aber uns mit Informationen.“ Er lächelte Snape kurz zu. „Das ist natürlich nicht ganz ungefährlich, denn keiner der Todesser oder Voldemort dürfen jemals Zweifel an seiner Loyalität bekommen.“ Wieder sah Dumbledore sie ernst an: „Deshalb ist es sehr wichtig, dass niemand jemals davon erfährt.“
Kate nickte ernst und sah etwas beeindruckt zu Snape hinüber. Kein Wunder, dass er so ernst und reserviert war. Jedes falsche Wort konnte sein Ende bedeuten, und das an jedem Tag in seinem Leben. Wie konnte man in so einer Situation leben? Und wie war er da hinein gekommen? Snape sah wieder einmal mit ernster Miene auf einen Punkt an der Wand und man konnte ihm ansehen, dass er nicht damit einverstanden war, dass Dumbledore sie ins Vertrauen gezogen hatte.
Dumbledore und McGonagall diskutieren noch einige Details für die nächsten Tage. Gemeinsam überlegten sie, in wie weit und welchen Kollegen sie vertrauen konnten. Dann wandten sich beide wieder an Kate, der noch etwas eingefallen war und die tief Luft geholte hatte.
Sie schaute Professor McGonagall an, als Frau würde die ihre Sorgen sofort verstehen: „Ich werde Kleidung und ein paar andere Dinge benötigen. Ich habe ja nichts mitnehmen können.“
„Das wird kein Problem sein“, beruhigt diese sie mit einem freundlichen Lächeln. „Darum werde ich mich kümmern. Sie werden sehen, wie schnell sich manche Probleme mit Magie lösen lassen. Außerdem werde ich Ihnen in den nächsten Tagen noch umfassendere Informationen über unsere Welt zukommen lassen, damit Sie nicht so unvorbereitet auf die Schüler treffen. Schließlich müssen Sie wissen, wie wir die Dinge in unserer Welt handhaben.“
Sie machte eine Pause, dann schien ihr etwas einzufallen: „Aber Albus“, sie wandte sich erschrocken an den Schulleiter „wo soll sie denn wohnen? Wir können sie ja jetzt schlecht - wie geplant - bei den Schülern unterbringen. Und die Lehrerwohnungen sind doch alle belegt.“ Als stellvertretende Schulleiterin hatte sie natürlich einen Überblick über die Räumlichkeiten des Schlosses.
Dumbledore musterte sie ratlos: „Du hast Recht Minerva, das ist ein Problem.“
McGonagall wandte sich wieder zu Kate: „Die nächsten Tage können Sie bei mir wohnen, meine Liebe. Aber auf Dauer ist meine Wohnung zu klein, denn Sie müssen auf dem Sofa schlafen“.
„Das ist sehr nett von Ihnen, aber ich möchte Ihnen nicht zur Last fallen“ Kate war die Aufregung, die sie verursachte, unangenehm: „Mir genügt ein kleines Zimmer, ich brauche keine komplette Wohnung.“
Aber Dumbledore warf ein: „Sie müssen ja den Unterricht vorbereiten und gerade in Ihrem Fall ist es wichtig, dass Sie eine Wohnung haben, damit Sie sich zurückziehen können, wenn es schwierig wird. Ich denke da gerade an die Slytherin-Schüler.“ Mit einem aufmunterndem Blick zu Professor McGonagall: „Wir lassen uns etwas einfallen. Vorerst ziehen Sie zu Minerva, dann sehen wir weiter.“
Es wurde einen Moment still im Raum und Kate versuchte die Neuigkeiten und Veränderungen in ihrem Leben zu begreifen. Bisher war sie sich nicht sicher gewesen, ob das alles hier tatsächlich geschah, und wenn, dann hatte sie gedacht, dass es alles nur vorübergehend sein würde. Aber nun konnte sie die Augen nicht länger davor verschließen, dass sich ihr Leben in den letzten vierundzwanzig Stunden für immer verändert hatte.
Traurigkeit machte sich in ihr breit und sie fragte sich, ob sie ihre Freunde jemals wieder sehen konnte. Und in ihr normales Leben zurückzukehren schien nur noch in sehr ferner Zukunft möglich. Ohne dass es ihr bewusst war, wurde ihr Blick traurig und sie fühlte sich mit einem Mal unendlich alleine. Nur noch eine winzige Hoffnung gab es in ihr: die Chance, dass das hier doch nur ein besonders langanhaltender Traum war und sie bald aufwachen würde.
Dumbledore sah sie aufmerksam an und schien genau zu wissen, was in ihr vorging. Sanft ergriff er ihre Hand und sagte leise mit einem leichten Kopfschütteln: „Nein, meine Liebe. Ich befürchte, dies hier ist kein Traum. Ich weiß, wie unfassbar das hier alles für Sie sein muss, aber es gibt uns wirklich. Und Sie werden wohl eine ganze Weile hier bleiben müssen.“
Kate sah ihn einige Minuten schweigend an, dann nickte sie matt: „Das hatte ich befürchtet!“
„Gibt es noch etwas zu klären, oder kann ich mich zurückziehen?“ Professor Snape hatte es sichtlich satt, herumzustehen. Aus einem Grund, der sich seiner Erkenntnis entzog, setzte ihm ihre Verzagtheit zu und er wollte jetzt einfach nur noch gehen.
„Ich denke, alles Wichtige ist besprochen“, meinte Dumbledore mit einem tiefen Seufzen. „Severus, ich muss Sie gleich noch wegen einer anderen Angelegenheit sprechen. Poppy?“ rief er ins Nebenzimmer, „kann Ihre Patientin gehen?“
Während Snape den Raum verließ, um im Vorraum auf den Schulleiter zu warten, kam Madam Pomfrey herein: „Lassen Sie mich noch einen Blick auf Ihre Füße werfen, meine Liebe.“
Nachdem sie alle noch einmal gründlich kontrolliert hatte, lächelte sie zufrieden: „Das sieht wunderbar aus. Sie sollten wieder ohne Schmerzen laufen können. Aber Sie sollten sich ein paar Schuhe besorgen.“
Kate lächelte zaghaft: „Ich danke Ihnen, Madam Pomfrey. Es ist wie ein Wunder.“
Sie schwang die Füße aus dem Bett und stand auf. Es tat nichts mehr weh, nur der Fußboden war kalt. Sie folgte Professor McGonagall nach einem unmerklichen Zögern aus dem Krankenflügel, warf im Hinausgehen Snape einen kurzen Blick zu und gemeinsam machten sie und McGonagall sich auf den Weg zu deren Wohnung. Noch im Gehen straffte sie ihre Schultern und schwor sich, das Ganze als Abenteuer zu betrachten und sich einfach darauf einzulassen. Allerdings hatte sie auch keine andere Möglichkeit, als sich in die Situation zu fügen.
Dumbledore und Snape traten ebenfalls in den Gang. Sie sahen den beiden Frauen nachdenklich hinterher, die munter plaudernd den Gang entlang liefen. Dabei deutete Professor McGonagall immer mal wieder in die eine oder andere Richtung und erklärte der jungen Lehrerin wohl, was es in Hogwarts für besondere Dinge zu beachten gab.
„Sie hat alles ganz gut akzeptiert, finden Sie nicht?“ sagte Dumbledore fast beiläufig. Aber bei Dumbledore gab es nie beiläufig gemachte Bemerkungen, wie der finstere Mann neben ihm wusste. Snape schaute ihn verschlossen an: „Ich denke nicht, dass es eine gute Idee ist, sie hierzubehalten. Wir hätten Sie an einen anderen sicheren Ort schicken sollen. Zu den Weasleys zum Beispiel.“
„Wir können keinem im Orden diese Bürde auferlegen. Voldemort sucht sie, und er wird sie finden, egal, wo sie gerade ist. Es ist eine zu große Gefahr für die anderen. Aber Hogwarts ist etwas anderes, zumindest jetzt noch. Voldemort akzeptiert die Besonderheiten von Hogwarts, Zuflucht für alle, noch! Aber wenn Hogwarts fällt, ist die Welt, wie wir sie kennen und für die wir kämpfen sowieso untergegangen.“ Eindringlich schaute er Severus an. „Wir müssen Miss Flemming mit allen Mittel beschützen, achten Sie auf Ihre Slytherins. Die Eltern werden bald herausfinden, was es mit Miss Flemming so auf sich hat. Dann werden die ein oder anderen Todesser ihre Kinder beauftragen, Miss Flemming hier irgendwie herauszubringen oder sie zu verletzten.“
„Und wie soll ich das bitte verhindern? Sie können nicht von mir verlangen, dass ich die ganze Zeit ein Auge auf dieses Mädchen habe…“, er stutzte kurz „… oder auf diese Frau! Ich muss unterrichten und habe, wie Sie ja besser wissen als jeder andere, auch noch diese nette Nebenbeschäftigung.“
„Dann werden wir uns halt abwechseln müssen, sie darf nie unbeschützt sein.“ Dumbledore sah Snape durchdringend an. „Noch etwas anderes, Severus. Ich war in den Ferien bei Slughorn. Er wird im neuen Schuljahr wieder hier unterrichten.“ Snapes Mine verzog sich nicht um einen Millimeter, aber in seine Augen trat ein interessierter Schimmer.
„Er wird den Zaubertrankunterricht wieder übernehmen“, sagte Dumbledore mit einem leichten Lächeln.
Beide dachten daran, wie Professor Slughorn vor vielen Jahren schon einmal Lehrer an dieser Schule gewesen war. Tatsächlich hatte er auch schon Severus Snape unterrichtet.
„Da er Ihren Unterricht übernimmt, müssen wir für Sie etwas anderes finden, nicht wahr? Sie werden den Unterricht in Verteidigung gegen die dunklen Künste erteilen“, Dumbledore sah Snape ernst an: „Ich habe Ihnen all die Jahre vertraut, Severus, aber nun haben Sie auch endlich das richtige Alter und die nötige Reife erreicht. Das Ungestüm der Jugend sollte nun kein Problem mehr sein. Und ich bitte Sie, lassen Sie sich nicht von persönlichen Abneigungen leiten. Daraus entsteht selten etwas Gutes, ist es nicht so?“
Man sah Snape nicht an, ob er erfreut war oder nicht, keine Gefühlsregung war seiner Miene zu entnehmen.
„Dann werde ich wohl mal den Kerker ausräumen, damit Professor Slughorn sich dort einrichten kann. Außerdem muss ich meinen Unterricht vorbereiten.“ Mit federnden Schritten entfernte er sich.
Nachdenklich sah Professor Dumbledore ihm nach. Er schien intensiv über etwas nachzugrübeln. Dann lächelte er, schüttelte den Kopf und machte sich ebenfalls auf den Weg zu seinen Räumen.
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