
von Kate Flemming
Überarbeitete Version - Wie sieht es aus, ist die Überarbeitung nicht ein Review wert= Ich weiß, dass ich nicht so betteln sollte, aber ein Review (oder auch zwei) motivieren so herrlich!
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Ende Oktober stand dann das jährliche Halloweenfest an, der dieses Jahr auch ein Schulball für alle Altersstufen war. Die Kinder und Jugendlichen hatten die Idee mit Begeisterung aufgenommen und Kate hatte viele zusätzliche Tanzstunden geben müssen. Außerdem bereitete Kate mit der Jazz-Dance Gruppe und der Musical-Group kleinere Einlage vor. So waren ihre Tage lang und arbeitsreich.
Wenn die letzten Schüler am Abend in ihre Häuser zurückkehrten, dann unterrichtete sie die interessierten Lehrer noch im Tanzen. Erst wenn diese weg waren, widmete sie sich noch ihrem eigenen Training. Meistens schaute Minerva später noch vorbei und begleitete sie bis zur Wohnung, manchmal war es auch ein anderer Kollege. So sah Kate zu, dass es abends nicht zu spät wurde, damit ihre Kollegen nicht wegen ihr so lange aufbleiben mussten.
Einige Male bat sie Snape abends noch um Hilfe. Oft wurde aus den kurzen Fragen dann ein interessantes Gespräch, das sie sehr genoss. Auch ihm schienen diese Abende zu gefallen. Wenn sie klopfte und die Tür öffnete, sah er ihr oft erwartungsvoll entgegen. An diesen Abenden wurde es oft sehr spät, denn Snape konnte gut erklären und hatte fundiertes Hintergrundwissen. Charity fiel es etwas schwerer, die Vorgänge, die für sie ganz selbstverständlich waren, für Kate so zu erklären, dass sie es verstand. Außerdem hörte Kate einfach gerne zu, wenn Snape mit seiner tiefen, sonoren Stimme sprach. Manchmal dachte sie, dass er ihr auch einfach das Telefonbuch vorlesen könnte, sie hätte gespannt zugehört.
Der Halloweenabend kam schnell näher und schließlich war es endlich soweit. Am späten Nachmittag sollten die Aufführungen stattfinden, dann würde es ein Festessen geben und danach einen Ball. Die Große Halle war mit vielen schwebenden Kürbissen geschmückt, die den Raum später in ein geheimnisvolles Licht tauchten würden. Im Eingangsbereich waren die Riesenkürbisse, die Hagrid in seinem Garten gezogen hatte aufgestellt. In ihnen gab es Rundbänke mit einem kleinen Tisch in der Mitte, der Platz bot für bis zu sechs Schüler.
Die Kinder und Jugendlichen waren aufgeregt vor ihrem Auftritt. Kate hatte größere Schüler motivieren können, ihr bei den Vorbereitungen zu helfen, weil Kate unmöglich ihre Augen überall haben konnte. Sie halfen nun die Kostüme anziehen, die Requisiten zu suchen oder den Schülern zu sagen, wann ihr Auftritt sein würde. In einem Nebenraum der Großen Halle versammelten sich alle und zogen sich um. Es herrschte ein scheinbar planloses Gewusel und Kate wusste bald nicht mehr, wo ihr der Kopf stand. Zum Einstieg würde die Stepp-Aerobic Gruppe eine schnelle, energiegeladene Choreographie zeigen. Kate würde in vorderster Reihe mittanzen, damit die Schüler zur Not auf sie sehen konnten, wenn sie aus dem Takt kamen oder die Schrittfolge vergessen würden. Sie würden auf das Lied „Let’s get loud“ tanzen.
In der Großen Halle waren die Tische verschwunden und die Bänke zu Theaterreihen mit einem Mittelgang gestellt worden. Langsam füllte sich die Halle und die Schüler belegten die Bänke. Die Halle summte förmlich vor Anspannung und Vorfreude. Die Lehrer hatten ihre Plätze in den ersten Reihen auf der rechten Seite. Auch sie waren schon fast vollzählig. Pünktlich erhob sich kurze Zeit darauf der Schulleiter und sofort wurde es still in der Halle.
„Herzlich willkommen zu unserem diesjährigen Halloween-Fest. Wie ihr alle mitbekommen habt, verläuft unser Fest dieses Mal ein wenig anders. Wir freuen uns darüber, dass so viele Schüler Interesse daran haben, selbst etwas zu unserem Fest beizutragen. Wir danken aber auch allen Beteiligten, die ihre Freizeit geopfert haben, um unsere Akteure zu unterstützen. Nun freue ich mich auf einen unterhaltsamen Nachmittag.“ Applaus brandete auf und Dumbledore setzte sich wieder hin.
Gespannt schauten alle nach vorne auf die Bühne, dem erhöhten Teil der Halle, auf dem sonst die Lehrertische standen. Nun kamen die Schüler mit Kate auf die Bühne, stellen ihre Bretter hin und stellten sich in die Ausgangsposition. Die Musik setzte ein und los ging es. Die Kinder hatten Probleme, in den Takt zu kommen, doch nach den ersten Schritten legte sich die Nervosität und sie fanden sich in den Rhythmus der vertrauten Musik ein. Die Musik riss die Zuschauer mit und schon klatschten oder sangen die meisten mit. Viele Schüler waren aufgestanden. Die Lehrer hatten erst irritiert geschaut, die laute Musik war ihnen ungewohnt, aber die Begeisterung der Kinder griff auch auf sie über und so klatschten einige von ihnen auch mit. Der ein oder andere wusste nicht so recht, was er mit dieser Darbietung anfangen sollte. Die Mischung zwischen Sport und Tanz war vielen neu, aber die Begeisterung der Schüler griff bald auf sie über.
Tosender Applaus war am Ende für die Kinder auf der Bühne dann eine große Belohnung für die Mühen des täglichen Trainings und mit stolzer Miene liefen sie von der Bühne.
Einige Jugendliche lösten sie auf der Bühne ab und tanzten zu „Car-Wash“ eine lustige Choreographie, bei der sie immer wieder mit Putzlappen so taten, als würden sie ein Auto waschen.
Während sie auf der Bühne waren, bereiteten sich die anderen auf das Musical vor. Die Kostüme waren dank der Helfer schnell vorbereitet und die Kulissen würden rasch mit Zauberkraft an ihre Position gebracht werden. Professor Flitwick hatte die Aufsicht darüber übernommen. Kate hatte schon bei den Proben bewundert, wie schnell schwierige Probleme mit Hilfe der Magie gelöst wurden. Denn die Umbauten waren in ihrer vorherigen Schule immer einer der Knackpunkte gewesen. Nur eine Menge helfender Hände hatte die Arbeit bewältigen können. Aber nun? Mit einem einzigen Schlenker seines Zauberstabes bewegte Professor Flitwick die Kulissen. Und die Kulissen erst! Flitwick und seine Helfer waren sehr kreativ und ihre Einfälle einfach grandios.
Der Tanz war jetzt zu Ende und die Jugendlichen kamen lachend und schwatzend von der Bühne. Kate und die Helfer scheuchten die Kinder, die am Musical teilnehmen würden auf die Bühne. Professor Flitwick war mit den Kulissen fertig und dann begann das Stück.
Es war eine verkürzte Form von ‚Mamma Mia‘ und viele Kinder, auch aus der magischen Welt, kannten die Lieder. Bald sangen sie mit. Kate war auch auf der Bühne, sie spielte eine alte Frau, die immerzu Sachen herumtrug und Kleinigkeiten arbeitete. So war es ihr möglich, den Kindern und Jugendlichen auf der Bühne direkt zu helfen, wenn es Probleme gab. Das Stück war nach einer dreiviertel Stunde fertig und lang anhaltender Applaus belohnte alle Beteiligten.
Professor Dumbledore bedankte sich bei allen Schülern, die einen Teil des Programms übernommen hatten und auch bei allen Helfern, die hinter der Bühne fleißig gewesen waren. Dann forderte er die Schüler auf, sich zum Festmahl und zum Ball umzuziehen. Lachend und schwatzend verließen die Schüler die Halle und eilten in ihre Häuser, um sich für den Abend bereit zu machen.
Währenddessen nahmen sich die Lehrer die Halle vor. Die schwebenden Kürbisse wurden nun von Kerzen beleuchtet und rasch standen Tische in Gruppen um die Tanzfläche herum. Die Hauselfen hatten die Tische in Windeseile gedeckt und die großen Kürbisse standen rechts und links der Eingangstüren.
Kate zog sich schnell in der provisorische Garderobe um. Dann eilte sie zu den anderen Lehrern in die Große Halle. Sie wurde begeistert von ihnen begrüßt. Viele lobten sie für die Aufführungen und schon wurden alle Szenen des Musicals noch einmal durchgesprochen.
Nach und nach kamen die Schüler wieder zurück und eine feierliche Stimmung machte sich breit. Die Kinder und Jugendlichen sahen in ihren Festumhängen und auch teilweise Abendkleidern ganz verändert aus. Die Lehrer trugen alle Festumhänge, nur Kate trug ein Abendkleid. So ganz hatte sie sich noch nicht an die Umhänge gewöhnt. Ihr Kleid war dunkelrot und hoch geschlossen. Es war eng geschnitten und lief ab der Mitte der Oberschenkel dann in Glockenform aus. Ihre langen Haare hatte sie dieses Mal nicht hochgesteckt, nur an den Seiten. Die dunkle Masse fiel ihr über den Rücken bis zur Taille. Und das war auch ganz gut so, denn am Rücken gab es einen Ausschnitt, der auch bis zur Taille reichte, den man Dank der Haare aber nicht gleich sah.
Bald saßen alle an den Tischen und das Festmahl begann. Kate saß zwischen Charity und Professor Flitwick. Sie waren zu sechst an dem runden Tisch und unterhielten sich sehr gut. Immer wieder mussten sie über Professor Septima Vector lachen, die sonst immer so ernst war, aber am heutigen Abend zur Bestform auflief. Sie erzählte von ihren Urlauben und von ihrer Kindheit. Auch Professor Sprout erzählte lebhaft von allerlei lustigen Begebenheiten aus ihrem Unterricht und von Erlebnissen mit außergewöhnlichen Pflanzen. An den anderen Lehrertischen ging es nicht ganz so ausgelassen zu. Als Kate zum Nebentisch blickte, sah sie, dass Professor Snape zwischen Professor Binns und Sybill Trelawney gelandet war. Kate fand, er sah so aus als würde er sich hunderte von Kilometer weit weg wünschen. Sie musste lächeln, denn viel schlechtere Tischpartner konnte man nicht bekommen. Sie wünschte sich, dass er an ihrem Tisch hätte sitzen könne, obwohl sie sich nicht vorstellen konnte, dass er die ausgelassene Stimmung hätte teilen können oder wollen.
Später hatte Kate das Gefühl, nicht mehr einen einzigen Bissen herunterzubekommen, als auch noch die Nachspeisen auf ihrem Tisch erschienen. Doch genug war genug, auch so würde sie am nächsten Tag mit einem besonders langen Training für diesen Abend büßen müssen, also ignorierte sie die herrlich aussehenden Spezialitäten die sich auf dem Tisch drängten.
Schließlich begann die Musik lauter zu spielen und Professor Dumbledore erhob sich und eröffnete mit Minerva den Ball. Schnell war die Tanzfläche voll und Kate mit Neville Longbottom mittendrin. Er tanzte erstaunlich gut, denn er hatte bei ihr einige Stunden genommen und sie eben aufgefordert. Obwohl er aussah, als traue er seinem eigenen Mut nicht. Kate tanzte gerne mit dem schüchternen jungen Mann, er hatte ein gutes Körpergefühl und ein angeborenes Talent zum Tanzen. Danach forderten auch andere Schüler sie auf und so war sie die ganze Zeit auf der Tanzfläche.
Severus Snape stand am Rand der Großen Halle und beobachtete das Treiben offensichtlich sehr gelangweilt. Würde dieser Abend eigentlich nie zu Ende gehen? Schon beim Essen war er fast eingeschlafen und hatte sich über die übertriebene Fröhlichkeit am Nachbartisch geärgert.
Er hatte immer wieder hinüberschauen müssen und dabei natürlich auch Miss Flemming bemerkt. Sie schien sich bestens zu amüsieren und beteiligte sich lebhaft am Gespräch. Es war schon erstaunlich, wie schnell sie sich in den Schulbetrieb eingefügt hatte. Sie hatte in der kurzen Zeit ein erstaunlich gutes Verhältnis zu den anderen Lehrern aufgebaut.
Später konnte er nicht übersehen, dass sie ununterbrochen am Tanzen war. Die älteren Schüler rissen sich förmlich um sie und bei einem schnelleren Tanz waren ihre Haare geflogen und hatten einen skandalös tiefen Ausschnitt am Rücken offenbart. Kannte diese Frau denn kein Schamgefühl? Als müsste sie die Schüler noch zu etwas animieren. Wen wollte sie mit diesem Kleid denn beeindrucken? Severus schüttelte genervt den Kopf. Aber was ging das ihn an! Missmutig blaffte er ein paar Schüler an, die seiner Meinung nach zu eng miteinander tanzten. Hoffentlich war dieser Abend bald vorbei!
Kate hatte sich einen Moment von der Tanzfläche gestohlen und trank ein Glas Wasser. Ihr war so warm. Sie sah sich um, die Tanzfläche war immer noch sehr voll. Die Tänzer sahen nicht so aus, als wollten sie demnächst ins Bett gehen. Ein Junge kam auf sie zu, um sie zum Tanzen aufzufordern, aber sie winkte ab. Dieser Kerl würde nicht noch einmal auf ihren Zehen herumtrampeln.
Als sie sich herumdrehte, sah sie Professor Snape auf der anderen Seite der Großen Halle stehen. Sie hatte ihn heute Abend noch nicht auf der Tanzfläche gesehen. Ob er vielleicht gar nicht tanzen konnte? Sie zögerte einen Moment und beschloss dann, es herauszufinden.
Sie machte einen großen Bogen um die Tanzfläche und schlängelte sich durch die Tische hindurch auf die andere Seite. Snape blickte suchend über die Tanzfläche und hatte noch nicht bemerkt, dass sie neben ihm aufgetaucht war. Er reckte den Kopf und Kate schaute in die gleiche Richtung. Wonach er wohl schaute? Dann zuckte sie mit den Schultern, denn sie konnte nichts Außergewöhnliches entdecken.
‚So, dann los‘, dachte sie und räusperte sich. Er hörte sie nicht, denn die Musik war zu laut. Also musste sie ihn wohl lauter ansprechen: „Professor Snape?“
Sein Kopf fuhr herum und seine Augen weiteten sich überrascht. Sie versuchte es mit einem Lächeln, dass er natürlich nicht erwiderte. „Miss Flemming“, sagte er und zog eine Augenbraue hoch.
Sie riss sich zusammen und bevor sie der Mut verließ, sprudelte sie hervor: „Hätten Sie Lust, mit mir zu tanzen?“
Sie versuchte es wieder mit einem Lächeln. Seine Augen zogen sich zusammen und sie war sich, wie immer, nicht darüber im Klaren, was er wohl denken mochte. Sie glaubte außer Überraschung auch Wut in seinem Blick aufblitzen zu sehen.
Aber da es dafür keinerlei Veranlassung gab, hatte sie sich höchst wahrscheinlich getäuscht. Erwartungsvoll sah sie zu ihm auf und nach einem kurzen Zögern verbeugte er sich leicht und bot ihr seinen Arm an. Sie legte die Hand auf seine Armbeuge und dann gingen zur Tanzfläche. Snape ergriff ihre Hand und legte vorsichtig den Arm an ihre Taille. Das Lied war etwas ruhiger und so tanzten sie einen Foxtrott. Obwohl er sie auf Abstand hielt, als würde sie demnächst beißen, und obwohl er stur an ihr vorbei sah, tanzte er erstaunlich gut. Seine Schritte kamen elegant und mit einer gewissen Geschmeidigkeit. Außerdem führte er gut, im Gegensatz zu Neville, der immer wieder Probleme damit hatte, den anderen Paaren auszuweichen. Kate hatte allerdings noch nicht registriert, dass sich auch niemand wagte, Snape in den Weg zu kommen. Kate entspannte sich zusehends und erfreute sich an einem Tanz mit einem guten Partner.
Die mehr als nur erstaunten Blicke der Schüler und Lehrer um sie herum nahm sie nicht wahr. Professor Snape, der mit Abstand unbeliebteste Lehrer von Hogwarts tanzte: es war die Sensation des Abends! Noch nie war er auf der Tanzfläche zu sehen gewesen und alle hatten gedacht, dass er gar nicht tanzen konnte. Miss Flemming und Snape tanzten! Es ging herum wie ein Lauffeuer. Er nahm das Getuschel sehr wohl war und starrte einige Schüler finster an. Sie verdrückten sich rasch zum Rand der Tanzfläche.
Das Lied war zu Ende und ein neues begann: ‚Cecilia‘ von Simon and Garfunkel, eines der Lieblingslied von Kate. Sie passten ihre Schritte dem neuen Tanz an und schon nach kurzer Zeit summte Kate das Lied mit und bald sang sie leise. Auch die Tänzer um sie herum stimmten in den Refrain ein und bald sang der ganze Saal mit. Die Stimmung war ausgelassen und fröhlich und Kate strahlte vor Spaß am Leben.
Wieder war das Lied vorbei und es ertönte ‚Sweet Caroline‘ von Neil Diamond. Ein Quickstepp! Ob Professor Snape den auch konnte? Sie sah kurz skeptisch zum ihm auf. Sein Gesicht war unbewegt und verriet keinerlei Gefühlsregungen. Aber sie hätte sich keine Gedanken machen müssen. Er konnte ihn tanzen, und dass sehr gut. Schon bald machten die anderen Tänzer ihnen noch mehr Platz und so hatten sie genug Raum für die ausgreifenden Schritte. Bei den schnellen Drehungen musste Snape sie fester halten und näher an sich heranziehen. Dabei landete seine Hand auf der nackten Haut ihres Rückens. Kate erschauderte ein wenig, als sie seine warme, feste Hand auf sich spürte. Dann hörte sie auf zu denken und überließ sich den fließenden Bewegungen und der Musik. Das hätte ewig so weitergehen können, aber irgendwann war das Lied dann doch vorbei und Kate fand sich am Rand der Tanzfläche wieder.
Als sie lächelnd zu Snape hochsah, blickte sie in ein Paar äußerst wütende Augen. „So, Sie haben Ihren Spaß gehabt, meine Liebe! Ihr Plan ist nicht aufgegangen, dass dürfte sehr ärgerlich für Sie sein, nicht wahr?“ zischte er sie hasserfüllt an. „Sie wollten mich vor allen Leuten blamieren? Zu schade für Sie, dass ich durchaus tanzen kann. Sie müssen sich schon etwas anderes einfallen lassen!“
Fassungslos starrte Kate ihn an. Sie war wie erstarrt. „Aber…“ Dann begannen seine Worte, in ihr Bewusstsein zu dringen und die Erstarrung löste sich ein Stück weit. Wie konnte er nur so etwas von ihr denken? Wie kam er auf die Idee? An diesem Punkt angelangt, spürte sie Wut in sich aufkommen. Aufgebracht funkelte sie ihn an: „Sie sind ja völlig übergeschnappt! Wie können Sie mir so etwas nur unterstellen?“
Dann traten ihr ärgerlicherweise Tränen der Wut und Enttäuschung in die Augen. Sie wandte sich um, bevor sie sich noch mehr blamieren konnte und lief mit schnellen Schritten aus dem Saal.
Schon liefen ihr die ersten Tränen über die Wangen und wütend wischte sie sie ab. Ihre Schritte hatten sie zu den Treppen gebracht, die nach oben führten. Sie zog noch im Laufen ihre hohen Schuhe aus, raffte das Kleid ein wenig hoch und stürmte die Treppen hinauf. Die Wut schien ihr Flügel zu verleihen, denn sie lief immer weiter hinauf, so schnell sie konnte. Es war, als würde sie versuchen, ihrem Schmerz davon zu laufen. Erst oben hielt sie schwer atmend inne und registrierte, wo sie war: im Astronomie-Turm. Von hier oben hatte man normalerweise einen herrlichen Blick über die Ländereien von Hogwarts und die umliegenden Berge. Aber es war dunkel und Kate hätte für den Blick jetzt auch keine Muße gehabt. Sie war so wütend und so enttäuscht, wie noch nie zuvor in ihrem Leben. Sie konnte immer noch nicht glauben, dass Snape ihr so gemeine Absichten unterstellte. Was war sein Problem? Warum hasste er sie denn? Und sie hatte gedacht, dass sich ihr Verhältnis in den letzten Wochen verbessert hatte. Hatte sie der Eindruck, dass er ihre abendlichen Unterhaltungen ebenso genoss wie sie nur getrogen?
Der Wind war hier oben empfindlich kalt und Kate schlang ihre Arme um ihren Oberkörper, weil ihr langsam kalt wurde. Immer noch weinte sie und ihre Wut verebbte langsam. Nur die Enttäuschung blieb.
Sie hatte die leisen Schritte hinter sich nicht wahrgenommen. Snape stand dort an der Mauer und beobachtete sie unbehaglich. Als sie aus dem Saal stürmte, war er ihr unauffällig gefolgt. Schon gleich, nachdem er seine Worte ausgestoßen hatte, waren ihm Zweifel gekommen. Ihr Gesichtsausdruck war so geschockte gewesen, das hatte sie unmöglich gespielt haben können. Sollte er sich geirrt haben? Hatte er ihre Absichten falsch verstanden? Aber warum sollte sie ihn sonst zum Tanzen auffordern? Welchen Grund hatte sie dafür? Sie konnte doch mit jedem anderen im Saal tanzen, Verehrer hatte sie doch wohl genug. Wieso hatte sie ausgerechnet ihn gefragt?
Aber die Fassungslosigkeit in ihren Augen, nachdem er die wütende Anklage ausgestoßen hatte, ließen ihn an seinem Verdacht zweifeln. Als sie ihn dann anfuhr und er die Tränen in ihren Augen sah, da wurde ihm mit einem Schlag klar, dass er falsch vermutet haben musste. Wahrscheinlich hatte sie nur freundlich sein wollen, wie sie es zu allen war. So, wie sie auch keinen der tollpatschigen Trottel abgewiesen hatte, die ihre Füße malträtierten.
Jetzt stand er da und wusste nicht so recht, wie er reagieren sollte. Irgendwie musste er die Situation klären. Also straffte er die Schultern und trat langsam näher. Sie hörte ihn erst, als er schon hinter ihr stand und fuhr erschrocken herum. Anscheinend hatte sie geweint, er konnte ihm Mondlicht silberne Spuren auf ihren Wangen sehen. Das hatte er ja gründlich vergeigt!
Mit einem „Oh, Sie schon wieder!“ wandte sie ihm wieder den Rücken zu.
Da war wohl eine Entschuldigung fällig! Snape schluckte, denn ein schlechtes Gewissen war für ihn mal etwas Neues. Aber es fühlte sich nicht gut an.
Er musste sich tatsächlich räuspern und begann dann leise: „Es lag nicht in meiner Absicht, Ihnen schlechte Absichten zu unterstellen.“
Kate schnaubte undamenhaft und murmelte sarkastisch: „Ja, genau!“ Doch ihre Stimme klang nicht sehr sicher, anscheinend weinte sie immer noch.
Wieder setzte Snape zögernd an. Die Wahrheit zu sagen, fiel ihm schwer, aber hier konnte nur noch schonungslose Ehrlichkeit helfen: „Ich war so überrascht und konnte mir nicht vorstellen, warum Sie mich sonst auffordern sollten.“ Er stockte kurz und riss sich dann zusammen: „Das hat noch nie jemand gemacht. Mich zum Tanzen aufgefordert, meine ich.“ Seine Stimme war noch leiser geworden und am Ende kaum noch zu verstehen gewesen.
Kate hatte ihn trotzdem gehört. Er klang verbittert und unendlich traurig. Sie konnte kaum glauben, dass er so offen zu ihr war. Das war für seine Verhältnisse schon fast eine Entschuldigung.
Fast gegen ihren Willen entgegnete sie leise und zögerlich: „Das ist sehr schade, denn Sie tanzen wundervoll.“
Dann wusste sie nicht, was sie noch sagen sollte. Auch er schwieg. Verstohlen wischte Kate sich mit einer Hand die Tränen von der Wange. Plötzlich spürte sie ein weiches Tuch in ihrer Hand, er hatte ihr sein Taschentuch gereicht. Wie peinlich, also hatte er mitbekommen, dass sie weinte. Konnte die ganze Situation noch peinlicher werden?
Nachdem sie sich die restlichen Tränen abgewischt hatte, gab sie ihm das Tuch zurück und murmelte: „Danke!“
Eine ganze Weile schwiegen beide und hingen ihren Gedanken nach. Kate fasste einen Entschluss, straffte die Schultern, drehte sich um und fragte zaghaft: „Können wir die ganze unselige Geschichte nicht einfach vergessen?“ Verlegen sah sie zu ihm auf: „Es war ja offensichtlich nur ein Missverständnis.“
Er nickte und wirkte erleichtert über den Ausweg aus der peinlichen Situation: „Gerne. Und die ganze Angelegenheit tut mir leid!“ Da, jetzt hatte er sich tatsächlich entschuldigt. Das war das Letzte, was er tun wollte. Aber die Worte waren einfach aus seinem Mund gekommen.
Kate nickte und lächelte zögerlich.
Langsam stiegen sie gemeinsam die lange Wendeltreppe wieder hinunter. Am Fuß der Treppe trennten sich ihre Wege schnell und Kate ging zurück in den Saal. Sie sah sich schnell um, anscheinend hatte niemand mitbekommen, was passiert war.
Erleichtert atmete Kate auf und schon stand Neville wieder vor ihr: „Darf ich bitten?“ fragte er mit einer Verbeugung und Kate ging mit ihm zur Tanzfläche. Schon wenig später tanzten sie augenscheinlich ausgelassen einen Mambo, obwohl sie nicht mehr so unbeschwert aussah, wie bei ihrem Tanz mit Snape.
Aber ganz unbeobachtet waren die Geschehnisse nicht geblieben. Professor Dumbledore hatte sehr wohl mitbekommen, was passiert war und hatte aufmerksam auf ihre Rückkehr gewartet. Nachdenklich sah er jetzt zu, wie sie mit Longbottom tanzte. Und wie Snape sich scheinbar unbefangen an den Tisch zu Minerva setzte. Das war eine höchst interessante Entwicklung, die sich da heute Abend gezeigt hatte, fand Dumbledore. Er lächelte und dachte sich nur, wie wundersam sich manche Dinge ergaben. Eins war ihm klar: die nächste Zukunft würde noch einige interessante Dinge bringen.
Nach dem Halloween-Fest wurde das Wetter rasch schlechter. Es begann zu regnen und wurde kälter. Trotz allem lief Kate jeden Morgen ihre Runde über das Gelände. Dobby holte sie dazu direkt an der Wohnung ab und begleitete sie bis ans Portal. Draußen war dann Hagrid, der um diese Zeit allerlei magische Geschöpfe zu füttern hatte und kümmerte sich um ihre Sicherheit. Oft war sie völlig durchnässt, wenn sie ins Schloss zurückkam. Um diese Zeit waren dann schon eine Menge Leute unterwegs, so dass sie ohne Schutz bleiben konnte. Dennoch schaffte es Dobby jedes Mal, sie am Portal in Empfang zu nehmen. Dumbledore hatte das veranlasst, obwohl es Kate nicht wohl dabei war. Schließlich hatten die Hauselfen genug zu tun um diese Zeit. Sobald sie in der Wohnung war, duschte sie schnell und eilte dann zum Frühstück. An der Wohnungstür wartete jedes Mal Severus Snape auf sie. Wortlos gingen sie dann gemeinsam die Treppen aus den Kerkern hoch. Am Ende der Treppe trennten sie sich wortlos und jeder begann den Schulalltag auf seine Weise.
Seit ihrem Zusammenstoß am Halloweenabend ging Snape sehr höflich mit ihr um. Er blieb zwar distanziert, aber er war nicht mehr so abweisend, wie er es vorher gewesen war. Kate hatte jedoch keinerlei Lust mehr auf ihre abendlichen Unterhaltungen gehabt.
Sie war sich nicht so im Klaren darüber, ob sie ihn leiden konnte oder nicht. Sicher, er hatte sich entschuldigt und sie wusste zumindest, dass das so gar nicht seine Art war. Trotzdem. Seine Art brachte sie so schnell auf die Palme, wie es sonst niemand schaffte. Auf der anderen Seite konnte sie den Klang seiner Stimme nicht vergessen, als er auf dem Turm gemeint hatte, dass ihn noch nie jemand aufgefordert hatte. Die Einsamkeit und der Schmerz, den sie in seiner Stimme gehört hatte.
Snape war allerdings viel verwirrter als Kate. Er hatte sich dabei ertappt, dass er sie beobachtete. Jeden Morgen sah er ihr von seinem Fenster im Schlafzimmer aus zu, wie sie ihre Runde lief. Wenn sie dann geduscht hatte, wartete er schon vor der Tür der Wohnung, um sie zum Frühstück zu begleiten. Er hatte viel über den Abend des Halloween-Festes nachgedacht, war sich aber immer noch nicht über ihr Verhalten schlüssig. Warum hatte sie das gemacht? Verfolgte sie einen bestimmten Plan? Was hatte sie vor? Hatte sie vielleicht jemand geschickt? Oder entwickelte er langsam Paranoia? Sie ging ihm seit dem Abend aus dem Weg und er vermisste ihre abendlichen Gespräche. Es war wieder so ruhig, wie es vor ihrer Ankunft gewesen war. Er ertappte sich mehr als einmal dabei, wie er zur die Tür starrte, durch die sie immer gekommen war. Als ob er sie durch seinen puren Willen dazu bringen konnte, ihre abendlichen Gespräche wieder aufzunehmen. Aber sie kam nicht mehr.
Im Unterricht und zu den Schülern wurde er noch unausstehlicher als zuvor. Den Lehrern ging er noch mehr aus dem Weg. Da er aber auch vorher nicht wirklich gesellig gewesen war, fiel das den meisten seiner Kollegen nicht auf. Auf den Fluren gingen ihm alle Schüler inzwischen aus dem Weg, wenn sie ihn nur von Ferne sahen. Seine Launen waren so unberechenbar, dass es nicht ratsam erschien, Professor Snape in irgendeiner Weise auf sich aufmerksam zu machen.
Seine Stimmung verdüsterte sich von Tag zu Tag mehr. Als er sich eines Tages dabei erwischte, wie er das Taschentuch, das er Kate geliehen hatte, in die Innenjacke seines Umhang stecken wollte, da hielt er erschrocken inne. Was tat er hier eigentlich? Benahm sich wie ein verliebter Teenager.
Dieser Gedanke schockte ihn bis tief ins Mark. Er erstarrte und verfolgte den Gedanken, der ihm da plötzlich durch den Kopf geschossen war. Das konnte und durfte nicht sein! Ihm brach der kalte Schweiß aus und er musste sich an am Pfosten seines Bettes festhalten.
Nein!
Das würde ihm nicht passiert, das würde er nicht zulassen. Er hatte sein Leben einer anderen Sache verschrieben! Sein Herz hatte er nur einmal in seinem Leben verschenkt und sie hatte einen fürchterlichen Preis dafür bezahlt. Er hatte sich geschworen, dass er niemals wieder eine Frau lieben würde und dieses Versprechen würde er nicht brechen.
Entschlossen nahm er das Tuch, öffnete das Fenster und warf es kurzerhand hinaus. Er schloss das Fenster und verließ fast fluchtartig den Raum.
Ab diesem Moment holten morgens Dobby oder Winky Kate an der Wohnungstür ab und Snape erwiderte Kates Grüße nicht mehr, wenn er ihr auf den Gängen des Schlosses begegnete. Sein Gesicht war eisig und auch die Kollegen fingen an, sich darüber zu wundern. Er war schon immer ein Einzelgänger gewesen, aber so schlimm, wie im Moment, hatte er sich noch nie benommen. Wenn er jetzt das Lehrerzimmer betrat, verstummten die Gespräche und die Kollegen wandten sich von Snape ab.
Kate hatte sich bewusst fern gehalten, weil sie für sich ergründen musste, warum sie sein Verhalten so getroffen hatte. Eigentlich hätte ihr ja egal sein können, was er so über sie dachte. Aber das war es nicht. Ganz und gar nicht. Seine Vorwürfe hatten sie tief verletzt, dass hatte auch seine Entschuldigung nicht ändern können. Allerdings hatten seine Worte sie auch berührt. Sein Eingeständnis, dass ihn noch nie jemand zum Tanzen aufgefordert hatte, die tiefe Einsamkeit, die aus diesen Worten gesprochen hatte, verfolgten Kate in vielen schlaflosen Nächten.
Es fiel ihr sehr schwer, ihre Gefühle für ihn zu definieren. Sie war in ihrem Leben schon ein paar Mal verliebt gewesen, aber es war nie etwas Ernstes gewesen und so hatte es nur zu zwei oberflächlichen Beziehungen geführt. Aber in den letzten vier Jahren hatte es niemand mehr gegeben, der ihr Herz berührt hatte. Severus war ein ganz anderes Kaliber, als die jungen Männer, mit denen sie bisher zu tun gehabt hatte. Im Nachhinein kamen sie ihr vor wie große Kinder, alles war nur ein Spiel gewesen.
Doch Severus war kein Kind mehr. Da war nichts Oberflächliches an ihm, keine Leichtigkeit. Für ihn war das Leben kein Spiel. Eine Aura der Gefahr, der Traurigkeit umgab ihn und der Einsamkeit. Sich ihm gegenüber Gefühle zu erlauben, würde heißen, diese Mauer, die er um sich errichtet hatte, überwinden zu müssen. Kate war sich nicht sicher, dass es das war, was sie wollte. Ob sie die Kraft dafür aufbringen konnte. Und ob er es wert war. Vielleicht interpretierte sie zu viel in ihn hinein. Vielleicht war da nichts, was die Mühen wert war. Und was fühlte sie überhaupt für ihn? Freundschaft? Eher nicht. Faszination? Schon eher. Und Mitgefühl. Schließlich lebte er in denkbar schwierigen Lebensumständen. Aber fühlte sie wirklich Zuneigung für ihn? Darüber war sie sich nicht im Klaren.
Dann bemerkte auch sie seinen erneuten Stimmungsumschwung. Er übersah sie komplett und antwortete noch nicht einmal mehr auf ihre Grüße. Sein Gesicht wurde noch abweisender und verschlossener und er unterhielt sich nicht mehr mit den anderen Lehrern. Kate verstand gar nichts mehr. Was war jetzt schon wieder passiert, dass er so abweisend zu allen war?
Und so tat sie das, was sie in schwierigen Situationen immer machte: sie bewegte sich mehr. Sie steigerte ihr morgendliches Training um eine weitere halbe Stunde und trainierte im Tanzsaal länger und härter. Wenn sie alleine war in den Abendstunden, verordnete sie sich einige Stunden klassisches Ballett, bis sie zu müde war, um noch über irgendetwas nachzudenken.
Das Training mit den verschiedenen Gruppen nahm viel Zeit in Anspruch, seit dem Halloween Fest hatten sich viele neue Kinder und Jugendliche angemeldet. Einige der älteren Jugendlichen konnten einen Teil des Trainings bei den jüngeren Schülern übernehmen. Die Musical-Gruppe wurde zusehends selbständiger und brauchte Kate nicht mehr so häufig. Trotzdem war sie mit ihrer Arbeit ausgelastet. Und das war gut so.
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