
von Kate Flemming
Überarbeitete Version
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Der nächste Tag brachte den Schülern Geschenke, denn schließlich war der erste Weihnachtstag. In der Großen Halle gab es heute einen Brunch, damit alle genug Zeit hatten, ihre Geschenke auszupacken. Die Hauselfen hatten die Geschenke noch in der Nacht zu jedem Schüler direkt ans Bett gebracht. Kate bekam von einigen Kollegen kleine Geschenke, ein paar Bücher, hübsche Halstücher, von Charity einen zauberhaften Umhang und von Minerva einen spitzen Hexenhut. Natürlich hatte auch sie den Kollegen Geschenke zukommen lassen. Hoffentlich freute sich Minerva über den selbstgestrickten Schal mit dem komplizierten Schottenmuster. Für Charity hatte Kate ein besonderes Parfüm ausgesucht.
Früh am Morgen hatte Kate das leise Schließen der Tür gehört, als Snape die Wohnung verlassen hatte. Danach hatte sie nicht mehr schlafen können. Vorsichtig schlich sie in das Wohnzimmer und zur Tür, die in seine Wohnung führte. Sie öffnete die Tür und tastet mit der Hand verstohlen auf die andere Seite. Der Strumpf war fort. Sicherheitshalber öffnete Kate die Tür etwas weiter und schaute nach unten. Er war nicht heruntergefallen, also hatte Snape ihn gefunden. Rasch schloss sie die Tür wieder und zog sich in ihr Zimmer zurück, denn es wäre unverzeihlich gewesen, in seiner Wohnung zu spionieren.
Als sie fertig war, ging sie zum Brunch in die Große Halle. Es war trotz der Kälte ein sonniger Tag und Sonnenstrahlen fielen durch die hohen Fenster in die Halle. Wieder war nur im vorderen Teil gedeckt. Es gab ein langes Buffet und die Tische stand in immer für sechs Personen gedeckt im Halbkreis davor. Im Saal hallte das Lachen und Geplauder der Schüler und Lehrer wider. Kate setzte sich zu Minerva und Charity, Professor Sprout und Professor Sinistra. Später kam Septima noch und nachdem sich alle für die Geschenke bei den anderen bedankt hatten, wurde es ein fröhliches Frühstück. Erst weit nach der Mittagszeit löste sich die Gesellschaft auf. Am späteren Nachmittag wollten sich alle in wieder hier treffen, Professor Dumbledore hatte mit Kate noch ein besonders Vergnügen vorbereitet.
Als die Lehrer und Schüler später wieder in die Große Halle kamen, hatte sich das Bild gänzlich verändert. Statt der Tische und Bänke gab es in der Mitte eine große, spiegelnde Eisfläche. Am Rand waren Bänke platziert worden, die Weihnachtsbäume begrenzten die Eisfläche am hinteren Ende. Es gab rechts und links kleine Stände, an denen man sich Tee, Kürbissaft, Butterbier oder heiße Schokolade holen konnte. Außerdem gab es heiße Kastanien in kleinen Tüten.
Erfreute und erstaunt Ausrufe kamen von den Schülern und den Lehrern. Im vorderen Bereich konnte man sich Schlittschuhe anziehen und dann aufs Eis gehen. Kate hatte ihre Schlittschuhe bereits an und bewegte sich auf dem Eis. Sie war schon einige Zeit nicht mehr gelaufen, aber nach einigen Minuten wurden ihre Bewegungen wieder flüssiger. Nach und nach wagten sich die ersten Schüler auf die Eisfläche und bald wurde es voll. Dazu erklang Musik und alle hatten viel Spaß. Zwischendurch räumten die Läufer die Eisfläche und machten Platz für die Schüler, die Eishockey spielen wollten. Der Nachmittag ging schnell vorüber und draußen wurde es dunkel. Auch die verzauberte Decke verdunkelte sich und die Kerzen an den Weihnachtsbäumen gaben der Szene einen romantischen Anstrich. Einige Pärchen liefen Händchenhaltend langsam übers Eis.
Ein spätes Abendbrot beendete den wunderschönen Tag und alle waren sich einig: es war eines der schönsten Weihnachtsfeste auf Hogwarts gewesen!
Auch die nächsten Tage vergingen schnell. Viele Lehrer hatten sich Freizeitaktivitäten für die Schüler ausgedacht und die Schüler gingen begeistert darauf ein. Natürlich hatten die meisten auch noch für die Schule zu arbeiten, so dass die meisten Aktivitäten auf den Nachmittag verlegt wurden. Kate verbrachte viel Zeit im Tanzsaal und trainierte abends noch eine Weile. Morgens nutzte sie die Zeit, schon den Unterricht nach den Ferien vorzubereiten. Zusätzlich ließ sie sich von Professor Sprout die Pflanzen in den einzelnen Gewächshäusern erklären, eine Sache, die sie schon seit Oktober sporadisch gemacht hatten.
Als sie an einem Abend wieder Mal müde in ihrem Sessel am Feuer saß, dachte sie darüber nach, welchen Tag sie hatten. Schließlich wurde ihr klar, dass es schon der 28. Dezember war. Also würde Snape bald wieder da sein, es waren schon drei Tage vergangen, seitdem er Hogwarts verlassen hatte. Sie hatte die Zeit nicht genutzt, schließlich hätte sie das Wohnzimmer alleine für sich gehabt. Kurz entschlossen stand sie auf und betrat nach einem letzten Zögern den Raum. Sie fühlte sich wie ein Schüler, der unbefugt in das Lehrerzimmer eingedrungen war. Auch hier brannte ein Feuer, die Hauselfen zündeten es abends immer an, damit die Räume nicht so auskühlten. Mit dem Buch in der Hand setzte sie sich einen Sessel. Erst fühlte sie sich noch unbehaglich, aber bald hatte sie sich in das Buch vertieft und las bis spät in die Nacht.
Auch am nächsten Abend schlich sie sich ins Wohnzimmer. Sie hatte sich Musik angemacht und eine Flasche Saft auf das Tischchen gestellt. Es war der vierte Tag und sie erwartete eigentlich, dass Professor Snape jeden Moment zur Tür hereinkam. Sie überlegte kurz, ob ihr Verhalten klug war. Aber schließlich war das auch ihr Wohnzimmer, dachte sie aufsässig. Dann musste sich über sich selbst lächeln, anscheinend machten ihr die Streitgespräche mit ihm mehr Spaß, als sie gedacht hatte. Wenn er nicht gerade richtig gemein wurde.
Aber er kam nicht, obwohl sie lange gelesen hatte. Sie ging schlafen, vielleicht würde er in der Nacht ankommen. Am nächsten Morgen erwartete sie halb, ihn beim Frühstück zu sehen, doch er war nicht da. Vielleicht schlief er ja noch. Der Tag verlief wie die Tage zuvor. Morgens Vorbereitungen für den Unterricht und am Nachmittag Spiel und Spaß mit den Schülern in der Halle und auf dem Gelände der Schule. Professor Flitwick hatte die Eisfläche wieder in die Große Halle gezaubert und es war sehr voll geworden.
Als Kate am späten Nachmittag wieder in die Wohnung kam, war sie bereits sehr beunruhigt. Sie hatte, wie sie hoffte, unauffällig Minerva angesprochen, doch die hatte nur mit den Schultern gezuckt: „Severus kann auf sich aufpassen. Bestimmt ist etwas Unvorgesehenes dazwischen gekommen und er ist aufgehalten worden. Er kommt bestimmt bald.“
Professor McGonagall hatte Kate prüfend und eindringlich übe den Rand ihrer Brille angeschaut, worauf Kate schnell das Thema gewechselt hatte. Doch es war bereits der fünfte Tag und auch der würde bald um sein. Obwohl sie es sich erst nicht eingestehen wollte, machte sie sich langsam Sorgen. Sie betrat das Wohnzimmer und schaute sich um. Niemand. Dann ging sie zu seiner Tür, legte ein Ohr an sie und lauschte. Nichts zu hören. Ob sie es wagen sollte? Vielleicht lag er ja im Bett und schlief. Sie öffnete vorsichtig die Tür und lauschte wieder. Es war alles ruhig. Kate drückte sich durch den schmalen Spalt und stand in seinem Flur. Bei ihr waren die Wände weiß getüncht und einige Bilder hingen an den Wänden. Bei ihm waren die Wände zur Hälfte mit dunklem Holz vertäfelt und darüber gab es eine dunkelgrüne Tapete bis zur ebenfalls getäfelten Decke. Nur der Fußboden war schwarz-weiß gekachelt, wie bei ihr. Sie schlich durch den Flur bis zu seinem Arbeitszimmer und klopfte leise. Nachdem keine Antwort kam, öffnete sie vorsichtig die Tür und sah dann in den Raum. Es war niemand da. In der Mitte stand ein großer Schreibtisch und die Wände waren ringsherum mit Regalen vollgestellt. Kate trat ein und schaute sich um. Die Regale waren voll mit allerlei Gefäßen, Flaschen und Tiegeln. In den durchsichtigen Gefäßen schwammen Dinge in Flüssigkeit, die Kate lieber nicht so genau ansehen wollte. Alles war sorgfältig beschriftet und sehr ordentlich. Auch der Schreibtisch war peinlich sauber und nichts lag herum. Kate schauderte beim Anblick der ‚Dinge‘ und sie zog sich schnell zurück.
Die Badezimmertür stand einen Spalt breit auf. Sie konnte sich nicht beherrschen und stieß die Tür noch etwas weiter auf. Auch hier herrschte penible Ordnung. Die Wände waren ebenfalls holzvertäfelt und das Waschbecken, die Badewanne und alle anderen sanitären Objekte waren cremefarben. Einige weiße Badetücher hingen ordentlich an den Stangen und das war alles. Sehr unpersönlich. Es hätte auch ein Hotelzimmer sein können. Keine Zahnpasta lag herum, kein Bademantel, nichts, das auf den Bewohner hätte schließen lassen.
Kate ging wieder in den Flur zurück und stand dann vor seiner Schlafzimmertür. Es wäre eine empfindliche Verletzung seiner Privatsphäre, wenn sie dort hineingehen würde. Sie zögerte einen Moment, dann sah sie sich um. Sie war immer noch alleine. Sie würde nur schnell hineinschauen, nicht hineingehen. Trotzdem war sie hin und hergerissen. Doch dann siegte ihre Neugier und sie klopfte leise. Nichts. Sie klopfte noch einmal etwas lauter. Nichts, kein Laut war zu hören. Sie holte tief Luft und legte die Hand auf die Klinke. Dann drückte sie sie langsam herunter und die Tür öffnete sich lautlos. Bald war sie weit genug auf, um hineinzuschauen. Kate gab sich einen Ruck und trat näher. Sie spähte hinein. Es war niemand da. Das Bett war ordentlich gemacht und sichtlich unbenutzt. Auf dem Boden lagen spiegelnde Dielenbretter und die Wandtäfelung zog sich um den ganzen Raum. Die darüber gelegenen roten Tapeten waren mit einem feinen goldenen Rankenmuster verziert. Wie bei ihr im anderen Teil der Wohnung, stand ein Himmelbett im Raum. Es war um einiges massiver und größer als ihres. Die schweren roten Samtvorhänge gaben dem Bett einen sehr warmen und gemütlichen Touch. Auf dem Boden lagen einige kostbare orientalische Teppiche. Am Kamin stand ein schwerer Ohrensessel, daneben ein kleiner Tisch. Vorsichtig trat Kate näher. Ein Buch mit einigen Sonetten von Shakespare lag darauf.
Auf dem Nachtisch lag ebenfalls ein Buch, es war von einem ihr unbekannten Autor, wahrscheinlich aus der magischen Welt. Auch in diesem Raum hatte alles seine Ordnung, keine persönlichen Dinge lagen herum. Ob es in Snape auch so leer aussah? Nichts ließ auf ihn als Mensch oder Mann schließen. Fast sah es so aus, als hätte er kein Privatleben. Etwas enttäuscht drehte sich Kate noch einmal herum. Irgendwie hatte sie etwas anderes erwartet, sie wusste nur nicht genau, was eigentlich.
Rasch verließ sie jetzt den Raum, schloss die Tür sorgfältig und zog sich ins Wohnzimmer zurück. Dort las sie noch eine Weile, dann ging sie schlafen.
Sie träumte wirres Zeug und fuhr mitten in der Nacht mit Herzklopfen auf. Kate brauchte eine Weile, bis sie sicher war, dass sie wirklich wach war. Doch als sie sich gerade wieder hinlegen wollte, hörte sie Geräusche, die sie nicht einordnen konnte. War da jemand in ihrer Wohnung? Sie sprang aus dem Bett und hastete zur Tür. Angespannt öffnete sie und lauschte wieder.
Da! Ein Klirren! Es kam aus Richtung des Wohnzimmers. Vorsichtig schlich sie näher und öffnete zitternd auch diese Tür. Das Klirren wurde lauter und kam eindeutig aus Snapes Wohnung. Ihr klopfte das Herz bis zum Hals und an seiner Tür zögerte sie kurz. Dann hörte sie einen leisen Fluch. Das war doch Snapes Stimme! Ohne weiter zu überlegen, machte sie die Tür auf und eilte in Richtung des Arbeitszimmers, denn von dort kam der Krach.
Wieder klirrte etwas, gefolgt vom Zerbersten von Glas. Snapes Fluchen war nicht zu überhören. Kate riss die Tür auf und stürmte in den Raum. Snape lehnte mit einer Schulter an einem Regal. Seine Haare hingen ihm wirr ins Gesicht und seine Züge waren schmerzverzerrt. Sein Gesicht war voller Blut. Er keuchte und konnte sich nur mit Mühe aufrecht halten. Sein Arm war verletzt und blutete und er versuchte, mit der anderen Hand ein Fläschchen vom Regal zu holen. Doch er konnte es nicht greifen.
Kate eilte zu ihm und griff an ihm vorbei nach dem Fläschchen. Sein Kopf flog herum und sein Gesichtsausdruck ließ sie erschaudern. Er sah aus, als wäre er kurz davor, sein Bewusstsein zu verlieren.
„Sagen Sie mir, wie ich Ihnen helfen kann“, verlangte Kate mit fester Stimme.
Es fiel ihm schwer, aber er brachte mit zusammen gebissenen Zähne ein paar Worte hervor: „Das Fläschchen… vierzehn Tropfen…schnell.“
Er wies auf den Schreibtisch, auf dem ein Löffel lag. Kate riss den Löffel an sich, mühte sich mit dem Korken auf der Flasche ab und bekam ihn nach einigen vergeblichen Versuchen doch auf. Sorgfältig zählte sie genau vierzehn Tropfen ab und hielt ihm den Löffel dann an die Lippen. Mühsam öffnete er den Mund und Kate zwängte den Löffel hinein, bemüht, nichts zu verschütten. Seine Lippen schlossen sich um den Löffel und er schloss die Augen. Kate hielt den Atem an, doch dann sah sie, dass er mühsam schluckte. Erst passierte nichts, dann holte er tief Luft und sie konnte den Löffel wieder aus seinem Mund ziehen. Seine Züge entkrampften sich etwas und dann öffneten sich auch seine Augen wieder.
Seine Atemzüge kamen etwas gleichmäßiger und sein Blick wurde klarer.
Mit der unverletzten Hand deutete er auf den Stuhl und keuchte: „Dort hinüber.“ Sie stützte ihn, so gut sie konnte, trotzdem war sie froh, dass er einigermaßen alleine laufen konnte. Sie hätte ihn nicht tragen können, denn er überragte sie um Haupteslänge. Erleichtert sank er in den Stuhl und schloss kurz wieder die Augen.
Eine Minute später blickte er sie erschöpft an und sagte stoßweise: „Auf der anderen Seite, im Regal, drittes Fach von unten, die kleine rote Flasche.“
Das Reden fiel ihm schwer, er musste fürchterliche Schmerzen haben. Mit zitternden Händen suchte Kate die verlangte Flasche. Endlich hatte sie sie gefunden und kehrte zu ihm zurück. Sie hielt sie ihm mit dem Etikett nach vorne hin und er nickte.
„Jetzt noch das Pulver im Tiegel… Fach ganz unten… ein Drachen drauf.“
Wieder eilte sie zum besagten Regal und fand den Behälter. Wieder nickte er und verlangte dann ein Glas Wasser aus der Küche. So schnell sie konnte, holte Kate die gewünschten Dinge und rührte auf seine Anweisung alles zusammen. Dann hob sie das Glas an seinen Mund und er trank mit tiefen Schlucken. Nach einer kurzen Weile bekamen seine bleichen Wangen etwas Farbe und das Keuchen ließ nach.
„Soll ich Hilfe holen?“ fragte Kate besorgt, „vielleicht Madam Pomfrey?“
Er schüttelte langsam den Kopf. Sie ließ ihm etwas Zeit, bevor sie fragte: „Was kann ich sonst tun?“
Langsam hob er den Kopf und sie konnte sehen, wie sehr er sich zusammenreißen musste, um ihr zu antworten. „An der Tür liegt mein Zauberstab.“
Schon war sie unterwegs und fasste den Zauberstab mit spitzen Fingern an. Sie legte ihn in seine unverletzte Hand. Fest umgriffen seine Finger den Stab und sie hatte das Gefühl, als würde Kraft aus dem Stab in seinen Körper fließen. Sie stand eine Weile still neben ihm und wartete.
Langsam hob er den Stab, richtete ihn auf seinen Arm und murmelte etwas für Kate Unverständliches. Dann passierten zwei Dinge auf einmal. Die Knochen seines Armes knackten und er verzog das Gesicht schmerzerfüllt und keuchte auf. Der Zauberstab entglitt erneut seinen Fingern und landete auf dem Boden. Erschrocken bückte sich Kate und hob ihn wieder auf. Ihr war klar, dass sie den Stab wieder in seine Hand legen musste. Sie bog seine vor Schmerz verkrampften Finger auf und zwängte den Stab hinein. Sofort entspannte sich sein Körper wieder etwas. Kate zitterte inzwischen am ganzen Körper. Es war kalt im Arbeitszimmer und sie trug nichts außer einem dünnen Nachthemd, außerdem war die Situation so gespenstisch.
Wieder richtete Snape den Zauberstab auf seinen Arm und stimmte einen kleinen Singsang an. Die Wunden begannen sich zu schließen und hörten auf zu bluten. Erschöpft ließ er die Hand in den Schoß sinken und ruhte aus. Kate eilte ins Badezimmer, griff ein kleines Handtuch und machte es nass. Dann lief sie ins Arbeitszimmer zurück und begann, ihm die Stirn abzutupfen. Sie strich ihm vorsichtig die Haare aus dem Gesicht und wusch das Blut ab. Er rührte sich nicht, hob nur den Kopf, damit sie besser an sein Gesicht kam. Sie spülte zwei Mal das Handtuch aus und bald sah sein Gesicht besser aus. Als sie ein letztes Mal über seine Stirn strich, öffnete er die Augen und sah sie an. Das erste Mal, seit sie ihn kannte, hatte er einen dankbaren Ausdruck in den Augen. Eine Weile sahen sie sich an, dann fielen ihm die Augen wieder zu. Er war mit seinen Kräften völlig am Ende. Kate straffte die Schultern, er gehörte in ein warmes Bett, hier konnte er nicht bleiben.
„Professor Snape, können Sie sich noch einmal aufraffen? Ich werde Ihnen helfen, damit Sie sich in Ihr Bett legen können. Sie können hier nicht den Rest der Nacht sitzen bleiben.“
Es schien ihn alle Kraft zu kosten, seine Augen wieder zu öffnen und zu nicken. Dann rappelte er sich auf und stand schwankend da. Wieder stützte Kate ihn und noch nie war ihr ein Weg so lang vorgekommen. Unendlich langsam kamen sie voran, doch irgendwann hatten sie das Schlafzimmer erreicht und Kate stieß die Tür auf. Sie schleppten sich die letzten Meter bis zum Bett. Kate öffnete die Knöpfe seines Reiseumhangs während er sich am Bettpfosten festhielt. Sie warf den Umhang achtlos zur Seite und zog ihm dann sein Jackett aus. Schnell schlug sie die Decke für ihn auf und endlich sank er auf den Bettrand. Er kippte zur Seite und sie zog ihm mit viel Mühe die Stiefel aus. Als er endlich im Bett lag, deckte sie ihn zu. Dann holte sie ein frisches Handtuch und wusch ihn mit warmem Wasser das Gesicht, den Hals und die Hände ab. Er schien das Bewusstsein verloren zu haben. Danach entzündete sie das Feuer im Kamin, holte sich ihre Decke und setzte sich in den Sessel am Kamin. Das würde eine lange Nacht werden, aber sie würde ihn jetzt nicht alleine lassen.
Und es wurde eine lange Nacht. Immer wieder tupfte Kate ihm die schweißnasse Stirn ab. Er schlief nicht richtig, war aber auch nicht bei vollem Bewusstsein. Er war unruhig, manchmal warf er den Kopf hin und her. Kate war einige Male kurz davor, doch Hilfe zu holen. Minerva oder Madam Pomfrey wären bestimmt bereit, hierher zu kommen. Sie überlegte, ob Dumbledore wohl wieder im Haus war. Noch während sie darüber nachdacht, wurde ihr klar, dass sie niemanden holen würde. Es würde Snape nicht gefallen, wenn jemand ihn so sehen würde, dass wusste sie genau. Wahrscheinlich war er auch nicht begeistert, dass sie hier war.
Sie legte von Zeit zu Zeit Holz nach und versuchte, ihm etwas Wasser zu geben. Doch nur einige wenige Schlucke konnte sie ihm verabreichen, oft hielt er auch dafür nicht lang genug ruhig. Was mochte ihn so quälen, was hatte er erlebt, oder hatte er nur solche Schmerzen? Als er sich bei einer Bewegung die Decke zur Seite riss, sah Kate, dass seine Hose an vielen Stellen eingerissen war, und dass am Stoff Blut zu sehen war. Sie versuchte, etwas genauer zu schauen, und wusch sauber, was sie erreichen konnte.
Gegen Morgengrauen wurde sein Zustand noch besorgniserregender. Sie hatte Angst, dass er aus dem Bett fallen würde, so heftig warf er sich hin und her. Sie legte ihm die Hand auf die Stirn, versuchte ihn zu beruhigen. Dazu redete sie mit leiser Stimme auf ihn ein. Schließlich fing sie vor lauter Verzweiflung an, leise zu singen. Langsam wurde er ruhiger und seine Bewegungen weniger heftig. Sie legte ihre Hände an seine Wangen. Er machte kurz die Augen auf und sah sie an, in seinen Augen war aber kein Erkennen. Dann schmiegte er sich an ihre Hand und sie hatte das Gefühl, dass er jetzt schlafen würde. Eine ganze Weile saß sie da. Als ihre Füße vor Kälte zu schmerzen anfingen, zog sie sich auf den Sessel zurück. In die Decke gewickelt, mit hochgezogenen Beinen beobachtete sie ihn, bis ihre Augen zufielen und der Schlaf sie übermannte.
Als Snape erwachte, dauerte es eine ganze Weile, bis er realisierte, wo er war. So langsam sickerte die Erinnerung an die letzten Tage in sein Bewusstsein zurück. Am Anfang war alles ganz gut verlaufen. Der Dunkle Lord war mit den Informationen, die er gebracht hatte, sehr zufrieden. Die Planung der nächsten Schritte verlief zügig und dann hatte er sich vor drei Tagen auf den Heimweg gemacht. Er hatte gerade den derzeitigen Aufenthaltsort des Dunklen Lords - er residierte auf dem Landsitz der Malfoys - verlassen, als es passierte. Mehrere maskierte Todesser hatten ihn eingekesselt und überfallen. Ihm war schon seit längerem klar, dass ihm einige von ihnen misstrauten und seine gute Stellung beim Dunklen Lord neideten. Snape hätte aber nie gedacht, dass sie sich wagen würden, ihn anzugreifen und so die Verärgerung ihres Meisters zu riskieren. Schnell war klar, dass sie durchaus nicht vorhatten, ihn lebend davonkommen zu lassen. Er war ein guter Kämpfer, aber die pure Übermacht und das Überraschungsmoment hatten seine Geschicklichkeit und Erfahrung bedeutungslos gemacht.
Sie überwältigten ihn und verschleppten ihn in ein kleines Bauernhaus, das offensichtlich zu den Besitztümern der Malfoys gehörte. Dort hatten sie ihn gefoltert und ihren Spaß dabei gehabt, ihn zu erniedrigen und quälen. Am Ende war er durch einen puren Zufall davon gekommen. Sie hatten sich nach ihrem „Sieg“ volllaufen lassen und nicht genug auf ihn geachtet. Er lag verletzt und blutend in einer Ecke und sie hatten sich sicher gefühlt. Er stellte sich weiterhin bewusstlos und wartete, bis sie müde wurden. Dann nahm er sein letztes bisschen Kraft und seine ganze Selbstbeherrschung zusammen und raffte sich auf. Sobald er seinen Zauberstab in der Hand hatte, den sie unvorsichtigerweise auf dem Tisch hatten liegen lassen, hatte er zugeschlagen. Er hatte sie alle mit einem Schockzauber versehen. Dann war er zum Dunklen Lord zurückgekehrt und hatte ihm von dem feigen Überfall berichtet. Der Zorn ihres Meisters hatte sie ihre Taten bereuen lassen. Allerdings konnten sie nicht lange bereuen, denn Voldemort brachte sie um. Es war ein kluger Schachzug von Snape gewesen, dem Dunklen Lord die Vergeltung zu überlassen. In Zukunft würden sich alle anderen Todesser keine Übergriffe mehr erlauben.
Dann war er sofort nach Hogwarts zurückgekehrt. Erst als er vor den Toren appariert war und den restlichen Weg zu Fuß zurücklegen musste, bemerkte er, dass er sich diesmal überschätzt hatte. Seine Kräfte verließen ihn einige Male fast und mit letzter Kraft schleppte er sich in sein Arbeitszimmer. Er wusste, dort hatte er die nötigen Mittel, die ihn schnell wieder auf die Beine bringen würden. Die Zeit wurde ihm knapp und er versuchte gerade verzweifelt, ein wichtiges Stärkungsmittel zu greifen, als Miss Flemming erschienen war. Sie hatte schnell und umsichtig geholfen, seine Anweisungen genau befolgt und sich um ihn gekümmert.
Er wusste nur noch, dass er in sein Bett gefallen war und danach nichts mehr. Geträumt hatte er, daran erinnerte er sich dunkel. Es waren Alpträume gewesen, wie er sie schon lange nicht mehr so intensiv gehabt hatte. Die Folter der Todesser mit dem Cruciatus-Fluch hatte lang vergrabenen Erinnerungen an die Oberfläche seines Bewusstseins gespült. Irgendwann hatte er wohl geschlafen, denn er fühlte sich etwas weniger müde. Er öffnete die Augen wieder und sah sich um. Die Vorhänge waren nicht zugezogen und es fiel das trübe Licht eines bewölkten Wintertages ins Zimmer. Snape drehte den Kopf auf die andere Seite und registrierte, dass der große Ohrensessel zum Bett gedreht war. Neben dem Sessel stand das kleine Tischchen, eine Schüssel mit Wasser stand darauf und am Rand hing ein blutbeschmierter Lappen.
Sein Blick glitt wieder zum Sessel und dort lag sie: ihr Kopf lag an der Lehne und sie hatte sich seitlich mit hochgezogenen Beinen in ihre Decke gekuschelt. Ihre Haare waren wirr und strähnig, sie verdeckten zum Teil ihr Gesicht. Die Decke war von ihrer Schulter gerutscht, der Ärmel des Nachthemdes ebenfalls und enthüllte eine leicht gebräunte Schulter.
Ihr Gesicht war angespannt und sie hatte tiefe Schatten unter den Augen. Es war wohl auch für sie eine lange Nacht gewesen. Erinnerungen an einen Traum kamen in sein Gedächtnis, er hatte von ihr gehandelt. Er hatte geträumt, dass sie sein Gesicht ihn ihre Hände genommen und leise gesungen hatte. Bei diesem Traum war ihm so warm ums Herz gewesen, es hatte sich so realistisch angefühlt. Leise seufzte er. Manche Träume vergingen zu schnell, andere dagegen viel zu langsam.
Sie bewegte sich im Schlaf und die Decke glitt noch weiter hinunter. Offensichtlich hatte sie nur ein dünnes weißes Nachthemd an. Es war kalt im Raum und sie schien zu erwachen. Schnell schloss er die Augen wieder. Sie schien sich zu strecken und gähnte leise. Die Decke raschelte und sie war wohl aufgestanden. Kurz darauf fühlte er eine kühle Hand auf seiner Stirn. Vorsichtig und sanft strich sie ihm einige Haarsträhnen aus dem Gesicht, dabei berührten ihre Fingerspitzen immer wieder seine Haut. Es fühlte sich an wie ein sanftes Streicheln. Vorsichtig öffnete er die Augen und sie zog schnell die Hand weg.
Aufmerksam beobachtete sie ihn und fragte dann leise: „Wie geht es Ihnen?“
„Könnte besser sein“, krächzte er mit trockener Kehle.
Sofort holte sie das Glas Wasser von seinem Nachttisch und gab es ihm zu trinken. Dankbar spürte er das kühle Nass durch seine Kehle rinnen.
„Ich bin immer noch der Meinung, wir sollten Hilfe holen, Professor Snape. Sie haben überall Verletzungen und brauchen dringend professionelle Versorgung. Lassen Sie mich Madam Pomfrey holen, wenn Sie nicht in den Krankenflügel wollen.“ Kate sah ihn eindringlich an.
„Ach, glauben Sie, ich wäre nicht fähig, mich selbst zu versorgen?“ Seine raue Stimme klang schon wieder sarkastisch.
„Dessen bin ich mir sicher“, lenkte sie ein. „Trotzdem! Sie sind geschwächt und es ist doch keine Schande, fremde Hilfe anzunehmen.“ Wieso war er nur so stur?
„Miss Flemming, das ist keine Frage der Schande, sondern der Notwenigkeit. Und es ist durchaus nicht notwendig. Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art. Ich bin durchaus in der Lage, mich selbst zu versorgen!“ Er sah sie finster an.
Die Sorge um ihn bekam Oberhand und ihre Erwiderung war harscher, als sie es beabsichtigt hatte: „Wie Sie wollen! Dann benötigen Sie mich sicher auch nicht mehr!“ stieß sie aufgebracht aus.
Miss Flemming stand neben dem Bett, die Hände in die Hüften gestützt und funkelte ihn wütend an. Ihr war wohl nicht bewusst, wie durchscheinend ihr leichtes Nachthemd war. Mit den ungekämmten Haaren, die ihr in einer wilden Mähne um den Kopf fielen und den blitzenden Augen sah sie anziehender aus, als je zuvor. Als ihm klar wurde, was er da dachte, schoss ihm ein Blitz des Zornes durch den Körper. Was hatte sie an sich, dass er anfing, sich von seinen von ihm und den Umständen festgelegten Lebensweg und Zielen ablenken zu lassen? Seit wann war er so schwach und wankelmütig? Es war alles ihre Schuld. Sie drängte sich geradezu in seine Gedanken und sein Leben. Aber das musste wieder anders werden. Er musste sich nur zusammenreißen und wieder auf seine eigentlichen Aufgaben fokussieren. Und er würde sofort damit beginne.
Seine Stimme war eisig: „Ich danke Ihnen für Ihre Hilfe heute Nacht, aber nein, ich benötige Sie nicht mehr. Und ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie sich in Zukunft nicht mehr in mein Leben einmischen würden. Bisher bin ich ganz gut alleine klar gekommen und ich sehe keinen Grund, warum das nicht weiterhin so sein sollte.“
Das war deutlich. Kate fühlte, wie sie blass wurde. Die Wut sammelte sich in ihrem Bauch und sie würde gleich Dinge sagen, die sie wahrscheinlich bereuen würde. Sie kratzte die Reste ihrer Würde zusammen und straffte sich.
„Sehr gut, ich habe schließlich auch besseres zu tun, als für Sie das Kindermädchen zu spielen!“ mit diesen Worten packte sie ihre Decke, drehte sie auf dem Absatz herum und schoss zur Tür hinaus. „Peng!“ Die Tür knallte so fest zu, dass sie gleich wieder aufsprang.
Snape sah ihr nach und tief unten in seinem Bauch spürte er Bedauern. Aber es war die einzige Möglichkeit gewesen. Romantische Anwandlungen irgendwelcher Art würde es für ihn nicht geben. Nicht mehr in diesem Leben. Sein einziges Ziel und sein verbleibender Lebenszweck war es, Lilys Sohn zu beschützen und Dumbledore zu helfen, den Dunklen Lord zu stürzen. Jede Ablenkung könnte ihn dabei scheitern lassen. Und das durfte nicht sein. Es war seine Sühne für die schlimmen Dinge, die er getan oder ausgelöst hatte. Und er musste leben, bis er seine Aufgabe erfüllt hatte. Erst dann durfte er sterben, endlich. Und das weiterleben müssen, Tag für Tag und Nacht für Nacht, war ebenfalls seine selbst auferlegte Strafe.
Gefühle für Miss Flemming zuzulassen, so sehr sein Herz in langsam dazu drängte, würde er sich nicht erlauben. Mit Bedauern dachte er an das Gefühl, dass ihre streichenden Fingerspitzen in ihm ausgelöst hatten. Nein! Schluss! Entschlossen schlug er die Decke zurück und schwang die Beine aus dem Bett! Er hatte eine Aufgabe zu vollenden, und genau das würde er jetzt tun.
Kate stürmte in ihr Zimmer. In ihrem Bauch brannte die Wut so heiß, dass sie am liebsten geschrien hätte. Sie wollte etwas zerschlagen, jemanden schlagen. Am besten den undankbaren Kerl zwei Räume weiter. Wie konnte er es wagen! Und er hatte ihr leidgetan! Der konnte das nächste Mal sehen, wo er blieb. Sie würde sich nicht nochmal eine Nacht wegen ihm um die Ohren schlagen. Der Zorn ließ sie hin und her laufen.
Schnell zog sie sich an und verließ kurz darauf die Wohnung. Sie stürmte durchs Schloss und war kurze Zeit darauf im Tanzraum. Minuten später dröhnte laute Musik durch den Raum, die noch einige Gänge weiter zu hören war und Kate tanzte ihre Wut, ihren Zorn und ihren Frust hinaus.
Nach zwei Stunden war sie ausgepowert und sank auf den Boden. Die Wut war fort, ein brennender Schmerz war übriggeblieben. Langsam begannen ihr Tränen über die Wangen zu laufen. Immer wieder musste sie daran denken, welchen Schrecken ihr sein Zustand eingejagt hatte, wie viel Angst sie um ihn gehabt hatte. Und wie sehr sie es genossen hatte, ihn zu berühren. Als ihre Gedanken an diesem Punkt angekommen waren, heilt sie erschrocken inne und lauschte in sich hinein. Was waren das für Gedanken? Wieso berührte sie das alles eigentlich so sehr? Sie zwang sich, ihre Gedanken und Gefühle genau zu analysieren. Und dann wurde ihre bewusst, was in ihr vorging.
Nein! Nein!
Das durfte ihr nicht passiert sein. Nicht dieser Mann. Sie sprang auf und sah sich gehetzt um. War sie von allen guten Geistern verlassen? Wie hatte er es nur geschafft, sich langsam in ihr Herz zu stehlen? Denn genau das war geschehen. Er war ihr so wichtig geworden, weil sie Gefühle entwickelt hatte. Ausgerechnet Snape!
Das durfte sie nicht zulassen. Es war ihr durchaus bewusst, dass er ihre Gefühle niemals erwidern würde, niemals! Sie musste diese Gefühlsregungen im Keim ersticken, sonst würde sie sehr unglücklich werden. Dazu war es noch nicht zu spät. Sie würde ihm konsequent aus dem Weg gehen, keine abendlichen Gespräche mehr, keine Streitereien, nichts. Nach den Erlebnissen heute Morgen sollte ihr das nicht allzu schwer fallen. Schließlich hätte er ihr nicht noch klarer zu verstehen geben können, dass er an ihr und ihrer Anteilnahme nicht interessiert war.
Kate nahm sich vor, noch mehr zu arbeiten und härter zu trainieren. Sie war schließlich erwachsen und durchaus fähig, Entscheidungen rationell zu fällen und umzusetzen.
Entschlossen machte sie sich auf den Weg in den Umkleideraum. Jetzt würde sie erst einmal etwas frühstücken. Dort würde sie die anderen Lehrerinnen treffen, dass würde ihr helfen und sie ablenken.
Am nächsten Abend gab es eine kleine Silvesterparty in der Großen Halle. In drei Tagen würde die Schule wieder beginnen und die Schüler würden das Schloss wieder bevölkern. Einige Schüler waren schon zurückgekehrt und nach dem Abendessen rückten Dumbledore, der von seiner Mission heimgekehrt war, und McGonagall einmal mehr die Tische zur Seite und ermöglichten den jungen Leuten, das Tanzbein zu schwingen. So hatte es der Schulleiter ausgedrückt, was ein Kichern von Seiten der Schüler zur Folge hatte. Auch Neville war schon da, er und ein paar andere ältere Schüler sorgten dafür, dass Kate kaum dazu kam, sich an den Tisch mit den anderen Lehrern zu setzen. Worüber sie ganz froh war, denn Snape war an diesem Abend das erste Mal zum Essen erschienen. Offensichtlich hatte er sich erholt. Sie ignorierte ihn komplett, nicht das er es bemerkt hätte, denn er würdigte sie keines Blickes.
Trotzdem wurde der Abend dann noch lustig. Madam Hooch hatte sich einige Spiele überlegt, die sie alle beschäftigte. Es gab einige Wettspiele, einen Luftballontanz, die Reise nach Jerusalem, das war für Kate besonders schwierig, weil es erlaubt war, sich die Stühle herbeizuzaubern. Sie hätte eigentlich keine Chance gehabt, aber Minerva und Dumbledore, die nicht mitspielten, sorgten jedes Mal unauffällig dafür, dass sie einen Stuhl hatte.
Dann tanzten Kate und Neville einen Tango, den sie extra für diesen Abend eingeübt hatten. Die Schüler jubelten, als Neville sie mit gespielter Gleichmut immer wieder davonschleuderte und sie ihn dafür mit Nichtachtung strafte. Zum Schluss verdarben die beiden die aufgebaute Spannung und den gespielten Ernst, weil sie so lachen mussten.
So ging die Zeit schnell herum und dann war es Mitternacht und das Neue Jahr begann. Wie bei den Muggeln auch, wünschten sich alle ein Frohes Neues Jahr und man stieß miteinander an.
Nach einer Weile trat Kate an ein Fenster und schaute auf den vom Mond beschienenen See. Heute Nacht gab es keine Wolken. Kate musste an ihre Freunde denken. Sie waren zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich auf dem Trafalgar-Square, so wie alle die Jahre zuvor, wie auch sie im letzten Jahr. Ob sie an Kate denken würden und wie es ihnen wohl ging? Was würde sie dafür geben, sie jetzt sehen zu dürfen. Ihnen kurz zu erklären, was passiert war und warum sie verschwunden war. Sie vermisste Jessica. Seit ihrem elften Lebensjahr waren sie Freundinnen gewesen, fast wie Geschwister. Kate hob ihr Glas und prostete Jessica zu, in der Hoffnung, dass diese es spüren würde.
„Kommen Sie, mein Kind“, erklang hinter ihr eine Stimme, Kate drehte sich um. „Wir wollen noch eine letzte Flasche öffnen“, sagte Minerva sanft und sah ihr mitfühlend in die Augen. Kate nickte und gemeinsam kehrten sie an den Tisch zurück. Zum Glück hatte sich Snape schon verabschiedet und so konnte sich Kate entspannt mit den Kollegen hinsetzen und den Schülern beim Tanzen zusehen.
Es wurde eine lange Nacht, wieder einmal. Professor Flitwick brachte sie an die Wohnungstür und Kate fiel kurz darauf todmüde ins Bett.
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