
von Kate Flemming
Obwohl Draco gewonnen hatte, wollte ihm außer der Slytherins niemand gratulieren, denn alle hatten seine hasserfüllten Worte gehört. So kam keine rechte Stimmung mehr auf und bald gingen die Schüler und Lehrer in Schloss hoch zum Abendessen.
Kate saß eine Weile am Rand der Tanzfläche und schaute auf den See. Sie war tief in ihre Gedanken, als sie bemerkt, dass sie alleine war. Langsam stand sie auf und ging zur Musikanlage. Noch war sie zu aufgewühlt und enttäuscht, um in die Große Halle zu gehen. Den Ausgang des Wettbewerbs hatte sie sich anders vorgestellt.
Sie fand ein Lied, das zu ihrer Stimmung passte und kehrte langsam auf die Tanzfläche zurück. Die Melodie von „Just the two of us“ schwebte leise über den See und Kate begann sich langsam zu drehen. Sie bewegte sich leise und sachte wie eine schwebende Feder. Wieder waren ihre Augen geschlossen und sie gönnte sich einen kurzen Moment des Träumens. In ihrer Fantasie tanzte sie mit dem Mann, den sie liebte. Fast konnte sie ihn spüren und sehen. Sie lächelte und war glücklich. Es war fast so, als wäre er wirklich da, sie spürte seine Hände und sah sein warmes Lächeln.
Doch auch dieser Augenblick ging vorüber, die Musik verklang und Kate kam mit gesenkten Schultern mitten auf der Tanzfläche zu stehen. Dann atmete sie tief durch, hob den Kopf und öffnete die Augen. Genug geträumt. Sie musste solche Augenblicke wohl dosieren, damit sie nicht durchdrehte. Aber manchmal fühlte sie sich dadurch weniger einsam. Dann lief sie zum Rand der Tanzfläche und holte ihre leichte Strickjacke und ihr Trinken. Jetzt wurde es Zeit, ins Schloss zurückzukehren, sie würde in ihren Räumen essen und früh ins Bett gehen.
Erst, als sie sich über die Wiese entfernt hatte und schon fast am Portal angekommen war, trat Severus Snape einen Schritt aus dem Schatten des Baums, unter dem er gestanden hatte. Er war besorgt gewesen, ob seine Slytherins nicht doch noch eine Gemeinheit planten, so war er unter dem Baum geblieben, um Miss Flemming zu beaufsichtigen. Als aber alle Schüler gegangen waren, hatte er sich gerade auf den Weg zum Portal machen wollen, als sie auf die Tanzfläche zurückkehrte. Die Musik war zart und leicht, nicht so, wie davor beim Wettbewerb. Miss Flemming tanzte mit geschlossenen Augen und sah glücklich aus. Fast, als wäre sie nicht alleine auf der Tanzfläche gewesen. Die Musik verklang und sie sackte in sich zusammen. Einen Moment lang stand sie einsam dort, dann packte sie ihre Sachen und ging. Snape hatte das Gefühl, einem sehr privaten Moment beigewohnt zu haben, als wenn er in ihrem Tagebuch gelesen hätte. Mit großem Abstand folgte er ihr ins Schloss.
Das Schuljahr ging mit großen Schritten auf sein Ende zu und so kam auch ihre Mission in London näher. Die Vorbereitungen waren fast beendet und sie hatten sich häufig getroffen um alle Planungen abzustimmen. Sie würden zuerst nach London apparieren und sich dort im Hauptquartier des Ordens treffen. Dann würden Kate und Minerva zu dem vereinbarten Termin in das Anwaltsbüro gehen. Wenn dort alles erledigt war, würden sie die weitere Vorgehensweise im Hauptquartier besprechen. Ein Auto stand schon bereit, auch die gefälschten Pässe und die Tickets für den Zug durch den Eurotunnel waren vor Ort. Auch einen gefälschten Totenschein für ihren „armen“ Verwandten, Tom Riddle war vorbereitet. Einige Mitglieder des Ordens waren eingeweiht und vorbereitet. An dem Tag, an dem die Schüler abreisen würden, würden sich Minerva und Kate auf den Weg nach London machen. Dumbledore würde nicht zu ihnen stoßen, er wollte mit Snape eine Mission zur Ablenkung unternehmen. Sie hofften, dass sie die Todesser auf ihre Spur lenken konnten. Allerdings sollte Snape vorher zu Voldemort und den Todessern zurückkehren, um die neuesten Informationen einzuholen.
Kate freute sich auf der einen Seite, nach einem Jahr aus Hogwarts herauszukommen, auf der anderen Seite wusste sie aber auch, dass die Mission sehr gefährlich werden konnte.
Aber bevor es losging, stand erst einmal der „Abend unter Sternen“ an. Die Prüfungen waren vorüber und die Noten standen fest. Die Schüler freuten sich auf die Ferien und auch die Lehrer waren froh, dass sie es – zumindest einige von ihnen – bald ruhiger angehen lassen konnten.
So waren es plötzlich nur noch zwei Tage, bis die Schüler mit dem Hogwarts-Express in die Ferien fahren würden. Professor Flitwick hatte mit Hagrid einen Freiluft-Ballsaal errichtet. Sie hatten es geschafft, eine Tanzfläche auf den See zu zaubern. Sie wurde von einem Geländer umgrenzt und am Ufer gab es Strandhütten, in denen es Getränke und Speisen gab. Davor lagen Decken auf dem Boden, es sollte wie eine große Strandparty sein. Lagerfeuer waren vorbereitet und ab 20 Uhr trafen die Schüler und Lehrer ein. Kate stand am Rand der noch leeren Tanzfläche und kontrollierte noch einmal die Musikanlage. Diesmal sollte es keine Show geben, die Sänger und Tanzgruppen würden einfach in den Tanzpausen auftreten. Dumbledore hatte außerdem eine in der magischen Welt sehr beliebte Live Band engagiert. Kate freute sich zwar auf den Abend, gleichzeitig war sie aber auch wegen der bevorstehenden Abreise nervös. Es hing so viel von dieser Mission ab und sie durfte nicht versagen.
Professor Flitwick eröffnete den Abend und bald waren die ersten Paare auf der Tanzfläche. Charity hatte Kate zu sich auf die Decke geholt und sie plauderten miteinander. Madam Hooch und Madam Pomfrey gesellten sich zu ihnen und schon bald wurde es lustig. Ein Großteil der Lehrer saß an Tischen, die in der Nähe der Tanzfläche aufgestellt worden waren, es war einigen der älteren Kollegen zu unbequem, auf dem Boden zu sitzen.
Professor Vector war in Feierlaune, es würde bestimmt noch heiter werden. Jetzt war die Tanzfläche schon voller und die jungen Menschen wirkten befreit und fröhlich. Kate hatte nicht die rechte Lust zum Tanzen und war froh, bei Charity und den anderen auf der Decke bleiben zu können. Neville hatte zwar zweimal den Ansatz gemacht, zu ihr zu kommen, aber sie hatte beide Male abgewinkt.
Die große Sensation war sowieso Harry Potter, der mit seiner Freundin Ginny Weasley das erste Mal offiziell auftraten. Es war der Abend der Paare. Die romantische Stimmung, das leise Glucksen des Sees, die jetzt brennenden Lagerfeuer und die Ferien zum Greifen nah. Die Musik war karibisch, dazwischen viele ruhige, romantische Lieder. Die Stimmung war sehr entspannt.
Doch ganz kam Kate nicht um das Tanzen herum. Plötzlich stand Professor Slughorn vor ihr und dem konnte sie schlecht einen Korb geben. Also ließ sie sich von ihm auf die Tanzfläche führen und tanzte eine behäbige Runde mit ihm. Doch dann wurde es ihm schnell zu viel und er führte sie an den Rand der Tanzfläche.
Dort stand Snape und langweilte sich scheinbar. Er hatte Slughorn und Kate anscheinend noch nicht bemerkt, als der Professor vor ihm anhielt und ihm Kate zuschob, die nicht wusste, was er vorhatte. „Ah, Severus! Bitte übernehmen Sie die junge Dame, ich hatte mich da ein wenig überschätzt.“ Und verschwand in Richtung der Nachspeisen.
Da die Paare in ihrer Nähe sie verwundert anstarrten, blieb Snape nichts anderes übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen und zumindest einen Tanz mit ihr zu tanzen. Schweigend bewegten sie sich zu der langsamen Musik.
Man konnte viel über ihn sagen, aber tanzen konnte er, dachte Kate. Hör auf zu denken, sagte sie sich, und genieße es, so lange es dauert.
Und so ließ sie sich von der Musik treiben. Es war voll und trotzdem bildete sich ein wenig freier Raum um sie herum, denn wie immer wollte keiner Snape in die Quere kommen.
Der hatte sich über Slughorn geärgert. Wie war er nur darauf gekommen, überhaupt mit Miss Flemming tanzen zu wollen? Es hatte so ausgesehen, als hätte er ihr mehrmals auf die Füße getreten. Dann hatte er geschaut, was McClaggen mit Miss Patil machte und plötzlich stand Slughorn vor ihm und drückte ihm praktisch Miss Flemming in den Arm. So tanzten sie miteinander. Das hatte er heute Abend auf keinen Fall machen wollen. Und, so wie es sich anfühlte, sie auch nicht. Sie sagte kein Wort und hielt krampfhaft Abstand zu ihm. Zumindest eine kurze Zeit. Sie konnte der Musik wohl schlecht widerstehen, auf jeden Fall entspannt sie sich.
Snape gestattete sich einen Moment des Friedens mit sich und ihr. So hätte es sein können, wenn sein Leben anders verlaufen wäre. Und dann dachte auch er einfach nichts mehr. Die Musik wechselte und es erklang das Lied, nach dem sie nach dem Wettbewerb alleine getanzt hatte. ‚Just the two of us‘. Kate erstarrte kurz und auch er stutzte kurz, dann fing er sich wieder und sie tanzten weiter. Kate konnte nicht anders, sie schloss die Augen und gab sich dem Augenblick hin. Es blieb nicht unbemerkt. Er zog sie vorsichtig etwas näher an sich heran, bis er den Orangen- und Zitronenduft wahrnehmen konnte. An wen sie wohl gedachte hatte, als sie dieses Lied das letzte Mal gehört und getanzt hatte? An wen sie wohl jetzt dachte? Für einen kurzen Moment wünschte er sich, dass er es sein könnte und dass er sie nicht nur für einen vergänglichen Moment im Arm halten dürfte, sondern für immer und offen für alle. Sie im Arm halten, sie küssen und… Das war der Moment, an dem das Lied zu Ende war.
Snape kehrte abrupt in die Wirklichkeit zurück und in einem Sekundenbruchteil verfinstere sich seine Miene. Was war er doch für ein Narr! Sie war verliebt in wen auch immer. Und für ihn würde es keine Liebe geben, diese Lektion sollte er doch inzwischen gelernt haben. Da er stehen geblieben war, war auch sie aus ihren Träumereien aufgewacht. Sie lächelte zu ihm hoch und dieses Lächeln verursachte einen Stich in seinem Herz. Schließlich hatte es nicht ihm gegolten. Zum Glück war es inzwischen dunkel geworden und der Schein der Lagerfeuer warf flackerndes Licht auf die tanzenden Paare. So sah Kate seine finstere Miene nicht. Er führte sie von der Tanzfläche und brachte sie an den Tisch, an dem Professor McGonagall saß. Er nickte kurz und verschwand dann.
Kate murmelte etwas von: „Etwas zu Trinken holen“ und ging in Richtung der aufgebauten Strandbar. Sie brauchte noch etwas Zeit, bevor sie bereit war, mit den anderen Lehrern zusammenzutreffen.
Snape sah sie diesen Abend nicht mehr, obwohl sie nach ihm Ausschau hielt. Er musste wohl gegangen sein. Es wurde eine lange Nacht. Einige Schüler sangen noch, dann gab es noch zwei Auftritte der Tanzgruppen. Es war eines der besten Jahresabschlussfesten, die es in Hogwarts jemals gegeben hatte, darin waren sich alle einig.
Es war vier Uhr morgens, als Kate in ihr Bett ging. Sie hatte nicht mehr getanzt in dieser Nacht und als sie in ihrem Bett lag, durchlebte sie die zwei Tänze mit Snape noch viele Male. Sie schlief mit einem glücklichen Lächeln ein.
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Das Schuljahr ist zu Ende und nun begeben sich Minerva und Kate auf die Jagd nach dem Becher von Helga Huffelpuff!
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