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Fanfiction

Eine zweite Chance - Der lange Weg nach Genf

von Kate Flemming

Cliffhanger sind gemein, ich weiß! Aber es ließ sich nicht vermeiden! Dafür gibt es heute wieder ein sehr langes Kapitel! Vielen Dank für Eure Reviews Suschi und Severuss, es ist immer wieder spannend, zu sehen, wie unterschiedlich eine FF aufgenommen wird!

**********************************

Erleichtert huschte sie um die Ecke und presste sich kurz gegen die Wand. Dann drehte sie sich zur Hausecke, sie musste unbedingt mitbekommen, wenn sie sie verfolgten. Die Stimmen wurden lauter, sie diskutierten, ob sie in den Durchgang schauen sollten. Kate hielt den Atem an und überlegte gerade, ob sie weiter nach hinten gehen sollte, als sich ein harter Arm blitzschnell um ihren Oberkörper lege, so dass sie ihre Arme nicht bewegen konnte. Gleichzeitig legte sich ihr eine Hand auf den Mund. Sie wurde mit dem Rücken an eine harte Brust gepresst und erstarrte kurz vor Schreck. Sie musste sich fallen lassen, sofort, schoss es ihr durch den Kopf.
Da hörte sie direkt an ihrem Ohr eine nur allzu vertraute Stimme raunen: „Ruhig, Miss Flemming. Machen Sie keine Dummheiten.“
Erleichterung durchflutete sie und sie schloss die Augen. Und dann disapparierten sie. Als sie die Augen wieder öffnete, standen sie im Schatten einiger Bäume am Ufer der Themse. Snapes Arm umschlang sie immer noch, nur seine Hand auf ihrem Mund löste sich. Erst, als er sicher war, dass niemand ihr Auftauchen bemerkt hatte, ließ er sie langsam los.
Kate bemerkte erst jetzt, unter welcher Spannung sie in den letzten Stunden gestanden hatte. Ohne zu überlegen, drehte sie sich um und warf sich mit einem gehauchten „Severus!“ in seine Arme. Die Tränen der Erleichterung liefen ihr über die Wangen und für eine kurze Zeit schlossen sich seine Arme um sie.
Doch viel zu bald zog er sie wieder zurück und drückte ihr sein Taschentuch in die Hand. Sie wischte sich die Wangen und versuchte, sich zusammenzunehmen. Er wartete, bis sie sich gefangen hatte, reichte ihr die Schuhe, die sie fallen gelassen hatte. Er sah zu, wie sie die Schuhe wieder anzog, dann griff er sie unpersönlich am Arm und sie waren auf dem Weg zum Hauptquartier.

Augenblicke später apparierten sie auf der Türschwelle und die Tür wurde von innen aufgerissen. Mr Weasley stand dort, seine Frau nur wenige Meter hinter ihm im Gang.
„Gott sei Dank, Kate! Severus hat sie gefunden!“ Die letzten Worte rief Mr Weasley in Richtung Küche.
Augenblicklich öffneten sich die Vorhänge des Portraits von Mrs Black im Flur und sie begann zu schreien: „Unwürdige, Schlammblüter, Muggel, Blutsverräter…“
Mit einem Wink seines Zauberstabes brachte Snape sie zum Verstummen und dirigierte Kate in die Küche. Er hielt sie immer noch am Arm und sie war froh darum, denn ihre Beine gehorchten ihr noch nicht so richtig.
„Verdammte Schuhe“, murmelte Snape mit zusammengebissenen Zähnen, als sie strauchelte und nur seine Hand sie vor dem Fallen bewahrte. Er schob sie in die Küche, wo nur Ron mit seiner Schwester saß.
Mr Weasley ging zur Tür und sendete seinen Patronus aus, um allen, die Kate dort draußen suchten, mitzuteilen, dass sie in Sicherheit war. Snape schob Kate zu der Bank und sie ließ sich erleichtert darauf fallen.
Während Mr und Mrs Weasley durcheinander redeten und sie fragten, was geschehen war, sah Kate sich um und fragte: „Wo ist Minerva?“
Es wurde rasch still und Mrs Weasley räusperte sich: „Das ist so: sie ist nicht hier, weil sie verletzt wurde. Sie ist in St. Mungo und wird untersucht. Dumbledore ist bei ihr.“
Kate erbleichte und wollte gerade fragen, da sagte Snape, der immer noch hinter ihr stand: „Ein Fluch hat sie getroffen, und sie wurde verletzt. Sie schwebt nicht in Lebensgefahr, aber sie wird eine Weile dort bleiben müssen.“
Kate fühlte sich wie gelähmt. Sie starrte vor sich hin und hörte nichts von dem, was die anderen besprachen. Dann öffnete sich die Haustür und Mad Eye kam mit Tonks und Lupin herein. Kurz darauf erschienen auch die Weasley Zwillinge mit Charlie. Sie scharten sich sofort um Kate, Charlie nahm ihre Hand und wollte besorgt wissen, wie es ihr ergangen war.
Snape fuhr ihn an: „Jetzt lassen Sie sie doch erst mal zu Ruhe kommen. Sie wird dann früh genug erzählen, was passiert ist.“
Erst jetzt registrierten die Anwesenden so richtig, dass Snape bei dieser Mission vorher nicht dabei gewesen war. Sie sahen ihn neugierig an, aber keiner traute sich zu fragen. Bis auf Mad-Eye.
„Wo kommen Sie denn auf einmal her? Waren Sie nicht mit Dumbledore unterwegs?“ Er musterte Snape misstrauisch und auch die anderen Personen um den Tisch fixierten ihn.
Snape lächelte kalt: „So ist es. Da diese Mission hier aber schiefzugehen schien, beorderte Professor Dumbledore mich hierher, um Miss Flemming zu finden, was Ihnen ja offensichtlich nicht gelang. Er war in großer Sorge um Minerva und suchte sofort St. Mungo auf.“
Fred zog die Augenbrauen zusammen und musterte Snape finster: „Wie konnten Sie Kate so schnell finden?“
Snape sah ihn kühl an: „Ich denke nicht, dass ich Ihnen neuerdings Rechenschaft ablegen muss. Wenn Sie mir misstrauen“, er sah sie der Reihe nach herausfordernd an „dann sorgen Sie in Zukunft dafür, dass eine so wichtige Mission nicht schiefgeht!“
Damit drehte er sich auf dem Absatz um und verließ die Küche. Sekunden danach hörte man die Haustür ins Schloss fallen.
Kate sah sich verloren um.

Doch schon bestürmten sie die anderen mit Fragen und Kate erfuhr, was passiert war, als sie aus dem Park geflohen war. Anscheinend hatten sich die Todesser und die Mitglieder des Ordens ein regelrechtes Gefecht geliefert. Außer Minerva war zum Glück niemand verletzt worden. Während Shacklebolt und Tonks sie nach St. Mungo gebracht hatten, konnten die anderen die Todesser vertreiben.
Dann erzählte sie, wie es ihr ergangen war. Kingsley Shacklebolt kam herein und konnte sie beruhigen, Minerva McGonagall ging es soweit gut, sie würde sich erholen, aber sie war einige Zeit außer Gefecht gesetzt. Nachdem alle Informationen ausgetauscht worden waren, saßen sie ruhig um den Tisch herum. Mrs Weasley hatte einen kräftigen Eintopf gekocht, den sie nun verteilte. Kate bemerkte erst jetzt, wie hungrig sie war. Eine Weile hörte man nur das Klappern der Löffel und leise Gespräche.
Dann räumten Mrs Weasley und Ginny die Teller fort und Shacklebolt streckte seine langen Beine aus. „Eins ist klar, Minerva McGonagall kann morgen auf keinen Fall fahren. Wir müssen die Mission verschieben, oder es fährt jemand anderes mit Miss Flemming in die Schweiz.“
„Die Mission duldet keinerlei Aufschiebung!“ Dumbledores ernste Stimme ließ sie alle herumfahren.
Er war unbemerkt bis in die Küche getreten und legte seufzend seinen Umhang auf die Bank, bevor er sich auf einen der wenigen Stühle sinken ließ. Hinter ihm war Severus Snape eingetreten, der mit verschränkten Armen an der Tür stehen blieb.
„Bevor wir die weitere Vorgehensweise besprechen“ sagte Dumbledore müde, „möchte ich eines klar stellen: Severus Snape besitzt mein vollständiges Vertrauen und ich dulde es nicht, dass es im Orden zu Misstrauen kommt. Wenn wir uns schon nicht mal mehr vertrauen, dann hat Voldemort besiegt.“ Seine Stimme hatte nicht mehr müde, sondern sehr enttäuscht geklungen. Er sah sich um und bemerkte dann: „Wenn das geklärt ist, dann befassen wir uns jetzt mit den Dingen, die heute passiert sind und wie es weitergehen soll.“
Mrs Weasley reichte ihm einen Teller und sah dann Snape an. Der schüttelte den Kopf, setzte sich aber auf den äußersten Rand der Bank, so weit entfernt von den anderen, wie es ging.
Während Dumbledore aß, erzählte Shacklebolt, was geschehen war. Seine Informationen wurden immer wieder ergänzt, bis sich ein genaues Bild bot.
„Bis auf gewisse Punkte verlief unser Vorhaben gut. Dank Minerva und Miss Flemming“, dabei sah Dumbledore sie wohlwollend an, „haben wir die notwendigen Dokumente erhalten. Der nächste Schritt ist nun die Reise in die Schweiz und die Erledigung des Auftrages dort.“ Er sah immer noch zu Kate: „Miss Flemming, fühlen Sie sich nach den heutigen Ereignissen so wohl und auch fähig, sich weiteren Gefahren auszusetzen und die Mission wie besprochen durchzuführen?“
Kate spürte alle Augen auf sich ruhen und fühlte sich ausgesprochen unbehaglich, so im Mittelpunkt zu stehen. Dann sah sie Dumbledore fest an und sagte: „Es geht mir gut. Natürlich mache ich weiter. Aber ohne Minerva…?“
Dumbledore nickte erfreut: „Wir werden eine andere Begleitung für Sie brauchen. Tatsächlich habe ich schon einen Ersatz für Minerva gefunden.“ Er machte eine kleine Pause und fuhr dann fort: „Severus hat sich bereit erklärt, an Minervas Stelle zu fahren.“

Es wurde so still im Raum, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören. Kates Kopf war bei Dumbledores Worten zu Snape herumgefahren und sie dachte einen Moment, sie hätte sich verhört. Doch Snapes grimmiger Blick und das erschütterte Schweigen um den Tisch bestätigten das eben gehörte.
Dann sagte Charlie langsam, seine Worte sorgfältig abwägend: „Ich würde mich auch bereit erklären, mit ihr zu fahren. Miss Flemming und ich sind in einem Alter. Wäre das nicht unauffälliger?“ Dabei sah er Kate bittend an. „Sind Sie nicht auch dieser Meinung?“
Bevor Kate sich dazu äußern konnte, sagte Dumbledore in einem Ton, der keinen weiteren Widerspruch duldete: „Ich habe Severus ausgewählt, weil ich weiß, dass er für diese gefährliche Mission am besten geeignet ist. Die Ereignisse dieses Abends sollten uns allen klar machen, dass die Gefahr größer ist, als wir ursprünglich dachten.“
Sie begannen die Einzelheiten zu besprechen, aber Kate konnte sich nicht darauf konzentrieren. Sie konnte an nichts anderes denken, als daran, was das für sie bedeuten würde. Vier Tage alleine mit Snape in einem Auto eingesperrt, quer durch Europa unterwegs. Verfolgt von Voldemort und in Zeitdruck. Eines war ihr klar: mit niemand anderen würde sie sich so sicher fühlen. Aber welchen Preis würde sie dafür bezahlen?
Sie hatte heute Abend bewiesen, dass sie unter Druck ihre Gefühle für ihn nicht unter Kontrolle hatte. Und doch, einen kurzen Moment hatten sich seine Arme um sie geschlossen und Hoffnung hatte sich in ihr geregt. Doch er hatte sie schnell wieder zerstört. Wie sollte sie die nächsten Tage nur überstehen, ohne dabei zu zerbrechen?

Kates widerstreitende Gefühle waren für einen guten Beobachter an ihrem Gesicht abzulesen. Und es gab einen Beobachter, der sie sehr intensiv beobachtete. Severus Snape hatte seinen Kopf gesenkt und betrachtete anscheinend sehr interessiert seine Hände. Aber durch seine ins Gesicht gefallenen Haare sah er zu Kate hinüber. Ihm war ihre Unruhe nicht entgangen. Ruhelos bewegten sich ihre ineinander verschränkten Finger und sie bekam offensichtlich kein Wort von dem mit, was die anderen besprachen.
Was für ein Tag! Voldemort hatte ihn schon nach einem Tag nach Hogwarts zurückgeschickt, er war der Meinung, dass Snape Dumbledore nicht aus den Augen lassen sollte.
Er war mit Dumbledore unterwegs gewesen, sie hatten sich zur Ablenkung an einen Ort begeben, an dem die Todesser Gefangene untergebracht hatten. Auf Dumbledores Geheiß hatte Snape den Dunklen Lord aber vorgewarnt und die Todesser waren geflohen. Sie hatten drei Leute befreien können, als die Nachricht aus London gekommen war.
Der Schulleiter und er hatten sich sofort nach London auf den Weg gemacht. Da sie zu diesem Zeitpunkt schon wussten, dass Kate vermisst wurde, begab sich Dumbledore zu Minerva und beauftragte Snape, Kate zu finden. Snape war so froh gewesen, diesen Auftrag zu bekommen. Er machte sich große Sorgen um sie und war voller Unruhe gewesen. Allerdings wusste er, dass er sie schneller finden konnte, als die anderen. Schon Tage, bevor sie aus Hogwarts aufgebrochen war, hatte er ihr eine Spur auferlegt, die es ihm ermöglichen würde, sie zu finden, wenn sie nicht zu weit von ihm entfernt war
In London hatte er sich unauffällig in der Nähe des Parks umgeschaut, bis ihm klar war, dass sie dort nicht mehr war. So musste er sich dann nur in der Nähe des Treffpunktes verstecken und warten.
Sie hatte lange gebraucht. Als es dunkel geworden war, wurde er unruhiger und unruhiger. Wenn die Todesser ihr unterwegs aufgelauert hatten? Die Bilder, die dieser Gedanke in seinem Kopf hervorrief, trugen nicht dazu bei, dass er sich weniger Sorgen machte.
Dann, nach einer gefühlten Ewigkeit, konnte er ihre Nähe spüren. Er schlich durch die Gassen auf sie zu und dann kam sie in Sicht. Sie lief in den kleinen Durchgang und er näherte sich aus der anderen Richtung. Er war so erleichtert, sie zu sehen. Da hörte er das Lachen und die Stimmen der Todesser auch und wollte sie gerade aus dem Durchgang in den Schatten holen, als sie um die Ecke bog. Sie presste sich kurz an die Wand und drehte sich dann um, damit sie um die Ecke spähen konnte. Er trat von hinten an sie heran, legte den Arm um sie und hinderte sie mit der anderen Hand am Schreien.

Sie wollte gerade anfangen, sich zu wehren, da sprach er sie leise an. Sie erkannte ihn und die Spannung in ihrem Körper ließ mit einem Schlag nach, bevor sie disapparierten. Er hatte sie zum Ufer der Themse gebracht, es war der erste unauffällige Ort, der ihm eingefallen war. Er nahm die Hand von ihrem Mund und ließ sie nur zögernd los.
Sie drehte sich um und warf sich in seine Arme. Ihr gehauchtes „Severus!“ war ihm nicht entgangen und so konnte er nicht anders, er schloss sie in seine Arme. Es hatte sich so verdammt richtig angefühlt. Sie weinte, weil die Spannung in ihr nachließ. Er durfte ihrem Gefühlsausbruch nicht mehr zuschreiben, als da wirklich war: sie war erleichtert gewesen, dass er sie gefunden und ihrem Albtraum ein Ende bereitet hatte, nicht mehr.
Also ließ er sie wieder los, auch wenn es das Schwerste war, was er seit langem hatte tun müssen. Dann brachte er sie zum Hauptquartier.

Nachdem er von dort fortgegangen war, hatte Dumbledore ihn zu sich gerufen und ihm mitgeteilt, dass er mit Kate nach Genf fahren sollte. Er hatte ihm heftig widersprochen und sich schlichtweg geweigert. Aber Dumbledore wäre nicht Dumbledore gewesen, wenn es ihm am Ende nicht doch noch gelungen wäre, Snape umzustimmen.
Und so saß er jetzt hier und ließ sich von Miss Flemming ablenken, anstatt zuzuhören, was es am nächsten Tag zu beachten gab. Was sie wohl dachte? Ob es ihr der Gedanke, mit ihm unterwegs zu sein, zuwider war? Er wünschte, er könnte das Gleiche empfinden. Aber die Möglichkeit, alleine mit ihr zu sein, für vier ganze Tage, sie gefiel ihm besser und besser. Er würde sie für sich alleine haben. Wenn schon nicht richtig und für immer, dann wenigstens für diese vier Tage. An diesem Punkt seiner Gedanken riss er sich zusammen und konzentrierte sich auf das Gespräch.

Lupin und Tonks waren schon vor einiger Zeit aufgebrochen, um die notwendigen Papiere für Snape zu besorgen, denn schließlich brauchte auch er einen Pass und vieles mehr. Es dauerte nicht lange, dann waren sie mit den benötigten Papieren wieder da. Sie brachten gleich Muggel-Kleidung für Snape mit.
Jetzt, wo Kate zuhörte, bekam sie mit, was geplant wurde. Die finsteren Gesichter um sie herum bestätigten, was sie eben gehört hatte: Snape und sie würden als Ehepaar reisen, er mit einem Pass, der auf den Namen Henry Walters lauten würden. Sie hatte einen Pass auf ihren Namen, damit sie sich auf der Bank ausweisen konnte, ein zweiter Pass auf den Namen Julia Walters war für die Reise. Auch die Passage durch den Eurotunnel war auf diesen Namen gebucht. Sie holte tief Luft und war sich sicher: die nächsten Tage würden ihre ganz private Hölle werden!
Es war mitten in der Nacht, als alles besprochen und abgemacht war. Kate stieg müde die Treppe hinauf, für sie würde es heute Nacht nur wenige Stunden Schlaf geben, dabei musste sie ausgeruht sein. Schließlich würde sie das Auto nach Genf fahren müssen, denn weder Snape noch einer der anderen Zauberer hatte je ein Auto gefahren. Da sie erst am späten Vormittag aufbrechen würden, konnte sie wenigstens etwas ausruhen.
Sie fiel ins Bett und mit dem Gedanken an den kurzen Moment an der Themse schlief sie dann ein.

Der nächste Tag brach viel zu früh an. Obwohl es schon neun Uhr war, hatte Kate das Gefühl, erst eben ins Bett gegangen zu sein. Nach und nach fiel ihr wieder ein, was am gestrigen Tag so alles geschehen war. Sie setzte sich mit einem Ruck auf. Sie würde mit Snape nach Genf fahren! Es war kein Traum gewesen. Also stand sie auf, duschte und zog sich ihre Reisekleidung an. Dann packte sie ihre restlichen Sachen zusammen und stellte die Taschen an die Tür. Sie würde sie nach dem Frühstück holen.
Langsam ging sie nach unten, noch nicht ganz bereit für die Dinge, die ihr der neue Tag bringen würde. Sie erreichte die Küchentür, holte tief Luft und trat dann ein. Mrs Weasley bereitete gerade Rühreier und Würstchen vor, während Ginny ihrem Bruder Charlie einen Kaffee reichte. Von Tonks, Lupin, Fred, Georg und Mr Weasley hatte sich Kate schon in der Nacht verabschiedet, sie mussten heute Arbeiten. Sie setze sich an den Tisch und zwang sich, etwas zu essen.
Ginny brachte auch ihr einen Kaffee und Charlie rutschte mit seinem Teller näher. Er sah sie über den Rand seiner Tasse an und stellte sie dann ab. Anscheinend kämpfte er mit sich.
Dann gab er sich einen Ruck und sprach aus, was ihn beschäftigte: „Mir ist nicht wohl mit der Vereinbarung von Gestern. Ich denke nicht, das es eine gute Idee ist, dass Sie mit Snape fahren.“
Er sah sie eindringlich an und in Kate regte sich Ärger. Warum misstrauten sie alle Snape? Hatte er nicht immer wieder bewiesen, dass er auf ihrer Seite war?
Man sah ihr den Ärger an, als sie antwortete: „Charlie, bitte machen Sie sich keine Sorgen. Ich werde an dem Beschluss nicht rütteln. Außerdem bin ich wirklich der Meinung, dass ich bei Professor Snape in den besten Händen bin.“ Sie sah den jungen Mann fest an und sagte dann: „Ich vertraue ihm. Wenn es nötig wäre, dann würde ich ihm ohne weiteres mein Leben anvertrauen.“ Sie zögerte kurz, „Genau genommen ist es das, was ich in den nächsten Tagen tun werde“, fuhr sie mit einem kleinen Lächeln fort.
Charlie war nicht überzeugt: „Aber…“ setzte er an, als er von einer schneidenden Stimme unterbrochen wurde.
„Ich denke, Miss Flemming hat ihren Standpunkt klar gemacht. Weitere Diskussion erübrigen sich da!“ Von ihnen unbemerkt war Snape eingetreten.
Er sah ganz verändert aus. Die Muggelkleidung stand ihm nicht schlecht, aber sie war so…, so…, Kate überlegte: Ja, so unsnapehaft. Sie musste insgeheim lächeln. Er trug eine schwarze Hose und einen ebenfalls schwarzen, leichten Rollkragenpullover. Darüber hatte er ein leichtes Jackett gezogen. Er sah aus wie ein Mitglied der italienischen Mafia.
Charlie wendete sich ab und war sichtlich verärgert, von Snape ertappt worden zu sein. Während Kate ihr Frühstück beendete, gab Mrs Weasley Snape ebenfalls einen Teller und eine Tasse mit Tee.
Er sah Kate kurz an, als sie sich erhob und sagte: „Wir brechen in einer halben Stunde auf!“
Kate nickte und ging aus der Küche. In ihrem Zimmer kontrolliere sie ihre Handtasche, dass auch wirklich alle Unterlagen da waren, das Geld, die Pässe. Dann schaute sie sich im Raum noch mal um, nahm ihre Tasche, zog die Tür zu, lief nach unten und stellte die Tasche unten an die Treppe. Dort stand schon eine Tasche, wahrscheinlich die von Snape.
Sie seufzte, in ihrem Magen kribbelte es unangenehm. Dann straffte sie die Schultern, holte tief Luft und betrat die Küche.
Außer den Weasleys und Snape, waren noch Shacklebolt und ein ihr unbekannter Zauberer da. Shacklebolt stellte ihn vor. Er war ein Cousin der Weasleys, was man an der Haarfarbe sehen konnte. Sein Vater war ein Muggel und handelte mit Autos. Er hatte sich darum gekümmert, dass sie ein Fahrzeug bekamen.
Dann wurde es Zeit für den Aufbruch. Kate verabschiedete sich von Molly Weasley, Ron und Ginny. Die anderen würden sie bis in die Tiefgarage begleiten, wo das Auto bereit stand. Der Cousin und Shacklebolt nahmen die Taschen von ihnen, damit Snape die Hand frei hatte, falls ihnen eine unangenehme Überraschung bevorstand.
Charlie drängte sich im Flur zu Kate. „Ich werde Sie zur Garage bringen, kommen Sie!“ Ehe er sie am Arm nehmen konnte, war Snape zur Stelle.
Er funkelte den jungen Mann so eisig an, dass dieser unwillkürlich einen Schritt nach hinten trat. „Das glaube ich kaum. Miss Flemming kommt mit mir!“ Damit nickte er ihr zu und sie verließen das Haus.
Der Cousin verschwand vor ihren Augen. Es war schon fast Gewohnheit, dass Snape sie am Oberarm griff und sie disapparierten. Shacklebolt war als Erster gestartet und erwartete sie bereits. Charlie kam kurz darauf an. Es war sehr ruhig in der dunklen Garage, nur eine Notbeleuchtung gab ein schummriges Licht von sich.
Der Cousin steuerte auf ein Auto zu und betätigte die Fernbedienung. Die Blinker des Fahrzeuges blinkten zwei Mal auf und die Innenbeleuchtung ging an. Um sie herum hatten die Zauberer blitzschnell die Zauberstäbe gezückt und standen kampfbereit um Kate herum.
Die musste lachen und auch der Cousin grinste über das ganze sommersprossige Gesicht: „Muggelzauber! Beeindruckend, nicht?“
Die Zauberer nahmen die Zauberstäbe wieder herunter und schauten den jungen Mann missbilligend an.
„Was denn, ich konnte ja nicht wissen, dass ihr noch nie ein Auto geöffnet habt!“ Aber sein Grinsen strafte ihn Lügen.
Charlie stöhnte genervt: „Du Scherzkeks. Wirklich witzig!“
Dann verstauten sie das Gepäck im Kofferraum. Das Auto war dunkelgrau, eine unauffällige Limousine, wie man sie heutzutage überall sah. Es war ein deutsches Fabrikat, Kates Vater hatte vor Jahren ein ähnliches Auto gehabt. Der Cousin der Weasleys erzählte ihr allerlei Dinge, es war klar, dass er Muggel-Fahrzeuge liebte. Kate war häufiger mit dem Auto ihrer Eltern gefahren und hatte während des Studiums selbst ein kleines Auto besessen. In London hatte sie es aber nicht mehr gebraucht, man konnte mit den öffentlichen Verkehrsmitteln alles erreichen, so hatte sie es verkauft. Dieses Auto hier war offensichtlich neu und hatte allerlei Ausstattung. Das Navi konnte Kate bedienen und den Rest würde sie schon herausfinden.
Sie verabschiedete sich kurz von den Zauberern und setzte sich dann hinter das Lenkrad. Sie war ein Jahr kein Auto mehr gefahren, das letzte Mal im Urlaub mit Jessica, da hatten sie für einen Tag ein Auto gemietet, um von Neapel nach Amalfi zu fahren.
Es war ungewohnt, aber das Armaturenbrett war sehr übersichtlich. Kate stellte den Sitz und die Spiegel ein, während Snape neben ihr auf den Beifahrersitz sank. Sie schnallte sich an und er tat es ihr nach kurzem Zögern nach. Dann startete sie den Motor. Der Wagen vibrierte leicht und man hörte den Motor kaum. Okay, das war kein Vergleich zu ihrem alten Auto, dieser Wagen spielte ganz klar in einer anderen Liga.
Sie legte den Rückwärtsgang ein und sah sich um. Dann fuhr sie kurz an und der Motor starb ab. Abgesoffen, wie peinlich! Der Cousin bog sich vor Lachen und die anderen sahen ihr skeptisch zu.
Snape sah sie süffisant lächelnd an und sagte: „Aber Sie können schon fahren, oder?“
Sie fauchte ihn verlegen an: „Ich bin seit einem Jahr nicht mehr gefahren, aber wenn Sie es besser können, dann fahren doch Sie!“
Damit startete sie den Motor erneut und diesmal war sie vorsichtiger. Der Wagen rollte sanft rückwärts aus der Parklücke heraus. Dann legte Kate den ersten Gang ein und rollte zum Tor. Der Cousin öffnete und sie verließen die Garage.
Nicht lange, und Kate hatte sich wieder an das Autofahren gewöhnt. Sie fuhren eine ganze Weile durch London und die angrenzenden Vororte, bis sie auf die Autobahn kamen. Kate fuhr sehr konzentriert, da der Verkehr in London sehr dicht war. Als sie auf der Autobahn war, entspannte sie sich.
Es war sehr ruhig im Wagen, da weder sie noch Snape bisher einen Ton gesagt hatten. Nur das Navi hatte von Zeit zu Zeit kurze Anweisungen von sich gegeben. Kate hatte es nach einer Weile leise gestellt, es nervte schlichtweg. Aber diese gespannte Ruhe war auch nicht so toll, also drehte sie das Radio an und suchte einen Musiksender. Bald hatte sie ihren Lieblingssender gefunden und es ertönte die neuesten Charthits und andere Musik, die sie gerne hörte aus den Lautsprechern. Der Klang war phantastisch. Wenn sie jetzt alleine gewesen wäre, hätte sie laut mitgesungen.
Aus dem Augenwinkel schaute sie hinüber. Er saß ohne eine Regung auf dem Sitz, sein Blick starr nach vorne gerichtet. Es war nicht zu erkennen, ob er den Verkehr beobachtete oder im Gedanken versunken war. Ob er sich jemals entspannte? Kate hatte das Gefühl, den privaten Snape noch nie getroffen zu haben.

Nach gut zwei Stunden waren sie in Folkstone eingetroffen und standen in der Schlange, um auf den Zug verladen zu werden. Es ging zügig voran und dann waren sie unterwegs durch den Eurotunnel. Sie standen mit ihrem Auto in dem Eisenbahnwaggon. Er war geschlossen worden und sie durften Aussteigen. Kate ging kurz zur Toilette, wobei Snape finster hinter ihr her starrte. Es gefiel ihm nicht, sie auch nur kurz aus den Augen zu lassen.
Bald kam sie zurück und sie setzten sich wieder auf ihre Sitze. Ohne die Ablenkung des Fahrens entstand eine solche Spannung im Auto, das sie fast greifbar war. Kate wusste nicht, wohin mit ihren Händen und fühlte sich zunehmend unwohl. Nach kurzer Zeit stieg sie wieder aus und lehnte sich außen an die Fahrertür. Das war schon besser. Sie konnte sich einfach nicht entspannen, wenn er dabei war.
Severus war im Auto sitzen belieben. Auch er hatte die Spannung gespürt. Allerdings hatte er sie darauf zurückgeführt, dass Miss Flemming wahrscheinlich inzwischen bereute, dass sie Mr. Weasley so barsch angefahren hatte. Mit ihm wäre die Fahrt für sie sicher lustiger geworden. Er hatte sehr wohl gesehen, wie der junge Mann Kate angesehen hatte. Deshalb hatte es ihn um sehr mehr gefreut, als er heute Morgen ihre Worte gehört hatte. Sie vertraute ihm, hatte sie gesagt. Und dass sie ihm ihr Leben anvertraute. Selten hatten Worte so wohl getan, wie diese. Aber inzwischen sah sie es vielleicht anders.

Ein Summton erklang und die Menschen begaben sich wieder in ihre Autos, der Zug würde bald ankommen. Tatsächlich fuhr er bereits aus dem Tunnel heraus. Kate stieg wieder ein und schnallte sich an. Eine halbe Stunde später waren sie wieder auf der Straße unterwegs.
Bisher hatte alles reibungslos geklappt. Nur Kates Magen begann zu knurren. Sie hatte es eine Weile ignoriert, aber nun wurde es bald Zeit, etwas zu essen. Nachdem sie erneut auf die Autobahn gefahren waren, sprach sie Snape an: „Ich würde gerne an der nächsten Raststätte anhalten und etwas zu Essen kaufen. Wäre das für Sie in Ordnung?“
Er sah sie kurz an und nickte dann. So lenkte sie das Auto bei der nächsten Gelegenheit auf eine Raststätte und parkte. Der Motor verstummte und Kate zog den Schlüssel ab. Sie stieg aus und streckte sich. Auch Snape war ausgestiegen und sah sich aufmerksam um. Als er nichts Verdächtiges entdeckte, drehte er sich zu ihr um und musterte sie über das Dach des Autos: „Gehen wir?“
Kate nickte, nahm ihre Handtasche und verschloss das Auto mit der Fernbedienung. Wenn sie nicht darauf geachtet hätte, hätte sie die unauffällige Armbewegung nicht gesehen, mit der er das Auto wohl mit einem Zauberspruch zusätzlich sicherte.
Dann gingen sie zu dem niedrigen Gebäude, das ein Restaurant, Toiletten, eine Kiosk und eine Tankstelle beherbergte. Snape begleitete sie bis zur Tür der Damentoilette und Kate verschwand kurz hinter der Tür. Als sie wieder herauskam, war er immer noch oder schon wieder da. Dann gingen sie in Richtung Kiosk und Restaurant.
„Wollen wir hier essen oder etwas mitnehmen?“ fragte Kate ihren Begleiter.
Er musterte kurz den Kiosk und sagte dann: „Ich denke, wir können es wagen, uns kurz hinzusetzen.“
Er beobachtete sie aufmerksam, wie sie sich Essen auf ihr Tablett lud und tat es ihr nach. Dann bezahlt sie mit dem Muggelgeld, dass sie von Shacklebolt gekommen hatte. Sie besaß ebenfalls zwei Kreditkarten, jeweils auf ihren und den anderen Namen. Den Zauberern fehlte wohl der Bezug zu diesem Geld, den so viel Bargeld hatte Kate noch nie bei sich getragen.
Snape suchte einen Tisch aus, von dem er das Restaurant gut überblicken konnte und dann setzten sie sich. Das Essen war, wie Kate es erwartet hatte: nur lauwarm und die Qualität eher fragwürdig. Da sie aber wirklich Hunger hatte, aß sie schnell. Ihr Begleiter leerte seinen Teller, ohne die Miene zu verziehen und drängte dann zum Aufbruch.

Inzwischen war es schon fünf Uhr und sie wollten heute noch ein gutes Stück vorankommen. Hinter Paris wollten sie sich ein Hotel für die Nacht suchen und dann am folgenden Tag nach Genf weiterfahren. Bis Paris waren es noch drei Stunden zu fahren. Die nächste Stunde verging wieder schweigend. Kate begann sich zu langweilen, außerdem wurde sie müde.
Eine Weile versuchte sie einen neuen Radiosender zu finden, aber die französischen Sender kannte sie nicht und die, die der Sendersuchlauf fand, brachten keine Musik, die ihr gefiel. Die Landschaft war auch nicht wirklich interessant.
Sie sah kurz zu ihm hinüber und war sehr erstaunt, dass er zu ihr schaute, und das wohl schon eine Weile. Täuschte sie sich, oder hatte er tatsächlich einen amüsierten Zug um die Mundwinkel?
„Miss Flemming, ist alles in Ordnung?“ Eindeutig amüsiert.
„Nein, alles bestens“, beeilte sich Kate zu sagen. „Es ist nur…“ Sie sah wieder nach vorne, aber auch auf der Straße war nicht viel los.
„Ja?“ Warum musste er jetzt weiter bohren? Wieso hatte sie das Gefühl, dass er viel Spaß an ihrer Verlegenheit hatte.
Kate war jetzt alles egal, wenn er sich schon über sie lustig machte, dann wollte sie wenigstens ein bisschen Unterhaltung. „Ich habe mich nur gefragt, ob Sie schon jemals in Frankreich waren?“
„Ja“, antwortete er.
Und dann sagte er nichts mehr. Kate wartete kurz, aber da kam wirklich nichts mehr. Sie sah zu ihm hinüber, aber er machte keinerlei Anstalten, ihr zu antworten.
„Es ist immer wieder schön, sich mit seinen Mitmenschen auszutauschen, nicht wahr? Man kann Erfahrungen teilen und seinen Horizont erweitern. Genießen Sie das nicht auch immer wieder?“
Es sprudelte sarkastisch aus ihr heraus, ohne dass sie einen Einfluss darauf gehabt hätte. Dieser Mensch schien mit seiner Art ihre schlimmsten Seiten zu Tage zu fördern.
Wieder war er eine Weile ruhig und Kate würde sich eher die Zunge abbeißen, als wieder etwas zu sagen. Starr sah sie geradeaus.
Da räusperte er sich kurz und sagte leise: „Es ist viele Jahre her und es war keine schöne Erfahrung, keine, die man teilen möchte.“ Als sie kurz erstaunt zu ihm rüber sah, bemerkte sie den bitteren Zug um seinen Mund. „Deshalb habe ich Frankreich in keiner guten Erinnerung behalten.“
Er schien sich von den Erinnerungen loszureißen und schaute sie kurz an. Seine Augen waren so dunkel, und Kate glaubte, Schmerz in ihnen zu sehen. Dann musste sie wieder nach vorne schauen.
Nach einer Weile sagte er: „Aber hat Minerva nicht erwähnt, dass Sie letztes Jahr in Frankreich waren?“
Offensichtlich wollte er ablenken. Und sie ging darauf ein. Sie begann zu erzählen, wie sie und Jessica diese Reise schon so lange geplant hatten. Wie sie jeden Monat dafür gespart hatten und sich gegenseitig am Jahresende ihre Kontoauszüge gezeigt hatten.
Sie erzählte so amüsant, dass er bald seine dunklen Gedanken vergaß, die sie so unbedacht geweckt hatte. Als sie anfing, von den Reisevorbereitungen und dem Italienischkurs zu erzählen, musste er tatsächlich schmunzeln, so lebhaft spielte sie den alten Mann nach, der den Kurs abgehalten hatte und der, wie sich am Ende herausstellte, gar kein Italiener war. Dann fragte er sie, wie sie Jessica kennengelernt hatte und sie erzählte von dem Internat, dass Kate und sie besucht hatten, von ihrer Kindheit und ihren Eltern. Ihr Ton wurde liebevoll und man hörte, wie sehr sie ihre Eltern vermisste. Dann lenkte sie sich selbst ab, indem sie ihm von den Tagen in Frankreich erzählte. Sie beschrieb dabei die Leute, die sie und ihre Freundin kennengelernt hatten so lebendig, dass Snape das Gefühl hatte, dabei gewesen zu sein.

Die Zeit verging wie im Flug und so erreichten sie die Peripherie von Paris. Kate und Snape mussten trotz des Navis sehr gut aufpassen, dass sie nicht in die falsche Richtung fuhren, und einmal musste Snape sogar seinen Zauberstab auf seine Hand legen und sich von ihm die Himmelsrichtung anzeigen lassen. Schließlich ließen sie die letzten Vororte von Paris hinter sich.
Langsam wurde es dunkel und Kate konnte bald nicht mehr sitzen. Sie sah müde aus, fand Snape, als er zu ihr herüber sah.
„Wir sollten langsam ein Hotel suchen“, sagte er.
Bei der Planung hatte sie beschlossen, nicht an der Autobahn in einem der Motels zu übernachten, sondern lieber ein Stück ins Land zu fahren. Denn an den Autobahnen wären sie viel schneller zu entdecken, falls sie gesucht würden.
Also fuhren sie von der Autobahn ab, als sie den Wegweiser zu einer Kleinstadt entdeckten. Dort sollte es mit Sicherheit ein passendes Hotel geben. Sie fuhren eine Weile in der späten Dämmerung über eine Landstraße, vorbei an kleineren Dörfern und Weilern. Dann kamen sie in den Ort und fuhren auf der Hauptstraße, um sich zu orientieren und nach einem Hotel zu suchen.
Es gab drei kleinere Gasthöfe und ein großes Hotel, dessen Fenster hell erleuchtet waren. Snape entschied, dass es das Hotel sein sollte, da dort mehr Gäste abstiegen und sie so anonymer bleiben konnten. Kate drehte bei der nächsten Gelegenheit herum und steuerte den Wagen auf den beleuchteten Parkplatz des Hotels.
Sie stiegen aus und Kate war froh, sich endlich bewegen zu können. Sie streckte sich unauffällig und nahm dann ihre Handtasche. Snape öffnete den Kofferraum und nahm die beiden Reisetaschen. Sie stiegen über eine große Freitreppe zum Eingang des historischen Gebäudes hinauf. Es war offensichtlich ein altes Gutshaus, die riesigen Scheiben warfen ein warmes, einladendes Licht in die Dunkelheit. Sie traten durch das Portal in einen Windfang, der mit einer Glastür vom Inneren getrennt war. Da es warm war, stand die Glastür offen. Snape warf einen raschen Blick in die Runde, aber alles schien unauffällig.
Sie traten an die Rezeption. Eine elegante junge Frau sah vom Bildschirm ihres Computers auf und lächelte.
„Bon Soir“, sagte sie freundlich.
„Bon Soir“, antwortete Kate. „Je ne parle pas beaucoup de francais, parlez-vous anglais?" fragte Kate.
„Natürlich“, sagte die Dame auf Englisch.
Kate sah sie lächelnd an und fragte dann: „Haben Sie noch zwei Zimmer frei?“
Die Frau antwortete: „Wir sind sehr gut belegt, ich muss schauen“, und tippte etwas an ihrem Computer ein. „Bedaure, Madam“, sagte sie gleich darauf, „wie ich es mir gedacht habe. Es gibt nur noch Doppelzimmer.“
Sie sah Kate neugierig an und dann zu deren Begleiter, der sich scheinbar nicht um das Gespräch der beiden Frauen gekümmert hatte. Er stand abgewendet hinter Kate. Als Kate sich nicht gleich äußerte, drehte er sich zu ihr um und warf ihr einen kurzen Blick zu.
Dabei äußerte er, scheinbar gelangweilt: „Dann wirst Du heute Nacht ein Zimmer mit mir teilen müssen, Liebling.“
Seine Augen blitzen sie an und sie schien einen Funken Belustigung in ihnen zu sehen. Als sie jedoch sah, dass die Frau am Empfang sie interessiert musterte, verbiss sie sich die Antwort, die ihr auf der Zunge lag und drehte sich übertrieben langsam zum Tresen zurück.
„Wissen Sie, mein Mann schnarcht so fürchterlich. Es ist kaum auszuhalten.“ Sie zuckte die Schultern. „Aber wenn alles ausgebucht ist, dann muss ich das wohl aushalten.“
Die Empfangsdame war gut ausgebildet, sie verzog keine Miene und füllte die Anmeldung aus, nachdem Kate ihr die beiden Pässe gegeben hatte.
„Hier ist Ihr Schlüssel, Madam und Monsieur Walters. Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Aufenthalt in unserem Haus.“ Sie gab Kate den Schlüssel und wies auf eine weitere Glastür „Diesen Gang entlang, eine Treppe hinauf und dann das dritte Zimmer auf der linken Seite.“
Kate nickte und fragte dann: „Wie lange hat ihr Restaurant noch geöffnet?“
„Es gibt warme Küche bis 23 Uhr, Madam.“
Kate verließ die Rezeption und ging auf die Glastür zu, gefolgt von Snape. Bald kamen sie am Zimmer an und Kate schloss die Tür auf. Das Zimmer war nicht groß, aber gemütlich eingerichtet und es gab zum Glück zwei von Nachtischen getrennte Betten, wie in Frankreich üblich
Snape stellte die beiden Reisetaschen auf eine niedrige Anrichte und öffnete die Tür zum Balkon, trat hinaus und sah sich um. Kate ging ins Badzimmer und wusch sich die Hände. Sie sah in den Spiegel und betrachtete ihr blasses Gesicht, mit den immer noch verlegen geröteten Wangen. Wie hatte sie nur vergessen können, dass sie mit ihrem „Ehemann“ reiste! Als sich herausstellte, dass sie mit Snape fahren würde und nicht mit Minerva, da hatte sie nicht an die Nächte gedacht. Natürlich würde ein Ehepaar in ihrem Alter keine Einzelzimmer wählen. Wie peinlich! Aber was sollte das für eine Nacht werden? Sie würde nicht schlafen können, wenn er ihr so nahe und doch so fern war. Der Tag im Auto war schon schlimm genug gewesen. Aber… Nein! Sie würde nicht daran denken, irgendwie musste es gehen. Jetzt musste sie erst einmal den Abend herumbringen.
Sie verließ das Badezimmer und sah ihn in einem der Sessel sitzen, die an einem kleinen Tisch am Fenster standen. Er sah durchaus entspannt aus und sah ihr ruhig entgegen.
„Wollen wir noch etwas Essen gehen?“ fragte sie und er nickte.
„Wenn Sie schon wieder Hunger haben.“ Er sah sie übertrieben langsam von oben bis unten an und ihre Haut begann überall zu kribbeln „Und ich dachte immer, Tänzerinnen essen nichts. Wie behalten Sie bei dieser Völlerei nur Ihre Figur?“
„Ach, das ist kein Problem“, es war nicht zu fassen, wie schnell er sie wütend machen konnte. „Wenn ich mich ärgere, dann setzt das Essen bei mir nicht an. Und seit ich Sie kenne, habe ich tatsächlich abgenommen!“ Jetzt war sie sauer. Aber so konnte er sie wenigstens gefühlsmäßig auf Abstand halten.
Er erhob sich: „Kommen Sie, wenn Sie Hunger haben sind Sie noch unausstehlicher als sonst.“ Er griff den Schlüssel, öffnete die Tür und wartete auf sie.
Über seine Schulter sagte er zu ihr: „Ihnen ist schon klar, dass Sie als meine Frau etwas mehr Respekt zeigen müssen, als bisher. Und ich würde es vorziehen, wenn Sie etwas gefügiger wären.“
Sie rauschte an ihm vorbei und zischte: „Das träumen Sie wohl. Nicht in diesem Leben!“
Er nickte ergeben, schloss die Tür ab und folgte ihr dann: „So was in der Art habe ich mir schon gedacht!“
Er sagte es laut genug, dass sie es hören musste. Dann hörte er sie kichern und gestattete sich ein kleines Lächeln. Wenigstens war sie jetzt nicht mehr so angespannt!

Sie betraten das Restaurant und ließen sich an einen freien Tisch führen. Er war am Fenster und sie konnten in den Park schauen, der sich hinter dem Hotel ausbreitete. Einzelne Bereiche des Parks waren illuminiert und so gab es Lichtinseln, die dem Park in der Dunkelheit Tiefe gaben.
Der Kellner brachte die Speisekarte und fragte sie, was sie trinken wollten. Kate beobachtete Snape verstohlen und wunderte sich, dass er sich nicht unwohl zu fühlen schien. Er war weder unsicher, noch stutzte er bei einer Frage des Kellners. Wie oft er wohl in der Muggel-Welt unterwegs war? Der Kellner brachte die Getränke und Kate genoss den Schluck Wein. Wenn ihr das nicht die nötige Bettschwere geben würde, dann wusste sie auch nicht.
Bevor ein ungemütliches Schweigen aufkommen konnte, fragte Snape sie, wie es dann bei ihrer Reise weitergegangen war. Und bald setzten sie das Gespräch aus dem Auto munter fort, wobei sie hauptsächlich redete und er nur Zwischenfragen stellte. Dazwischen wurde ihnen das vorzügliche Essen serviert und Snape stellte fest, dass dieses Essen mit dem in der Raststätte nicht zu vergleichen war. Dann fragte er Kate etwas und sie plauderte weiter. Sie konnte sehr interessant erzählen und ihre Augen blitzten vor Begeisterung. Im sanften Kerzenlicht war es ihm möglich, sie zu beobachten, ohne dass sie es zu sehr bemerkte.
Aber es war spät geworden und morgen wartete ein anstrengender und gefährlicher Tag auf sie. Kate zahlte die Rechnung und dann gingen sie zum Zimmer zurück. Sie schwiegen auf dem Weg und Snape schloss die Tür auf und ließ ihr den Vortritt.
Befangen trat sie ein und legte ihre Handtasche auf die Kommode. Er ging an ihr vorbei und öffnete wieder die Balkontür. Dann ging er zu seiner Tasche und machte den Reißverschluss auf.
Beiläufig fragte er sie: „Wo wollen Sie schlafen, am Fenster oder auf der anderen Seite?“
„Auf der anderen Seite, wenn es geht.“
Er hatte etwas aus seiner Tasche gekramt und warf es auf das Bett am Balkon. Er zog einen Beutel aus der Tasche und sah Kate fragend an, die immer noch im Raum stand.
„Wollen Sie zuerst ins Bad?“
Kate schüttelte den Kopf: „Nein, gehen Sie ruhig zuerst.“
Er nickte, griff seine Sachen und ging in das Badezimmer.
Als Kate das Türschloss klicken hörte, wendete sie sich zu ihrer Reisetasche und öffnete sie, holte ihre Kulturtasche und das Nachthemd heraus. Das konnte sie unmöglich anziehen! Als sie es eingepackt hatte, war sie davon ausgegangen, dass sie alleine in einem Zimmer wäre, aller höchstens mit Minerva zusammen. Aber jetzt? Sie kramte in ihrer Tasche herum, aber sie hatte nur wenig dabei für die vier Tage. Ein T-Shirt hatte sie noch, aber nichts für darunter. Also doch das Nachthemd. Sie ging zum Nachttisch und machte die kleinen Lämpchen an. Dann löschte sie die Deckenbeleuchtung. Schon besser, jetzt war es wenigstens nicht mehr so hell.
Mit einem Seufzer der Erleichterung zog sie die Schuhe aus. Morgen würde sie wieder elegante Schuhe und ein Kostüm anziehen müssen. Heute hatte sie sich eher leger gekleidet.
Sie setzte sich auf das Fußende ihres Bettes, als sich die Badezimmertür öffnete und Snape herauskam. Er trug einen schwarzen Pyjama, der fast so aussah, wie seine übliche Kleidung. Er ging zu seinem Bett und schlug die Decke auf.
Kate nahm ihre Sachen und floh ins Bad. Vielleicht würde er schon schlafen, wenn sie herauskam. Sie putzte sich die Zähne und öffnete ihren geflochtenen Zopf. Dann wusch sie sich und bürstete die Haare aus. Nachdem sie sich umgezogen hatte, cremte sie sich noch sorgfältig ein. Dann gab es nichts weiter zu tun, also öffnete sie leise die Tür und schlich langsam Richtung Bett.
Sein Nachttischlämpchen war bereits aus. Im Dämmerlicht ihres Lichtes sah sie, dass er auf dem Rücken lag, aber ob er in ihre Richtung sah, konnte sie nicht sagen. Also legte Kate schnell ihre Kleider auf den Stuhl neben ihrem Bett, schlug die Decke auf und rutschte schnell ins Bett. Ihre Hand griff zum Schalter und sie löschte das Licht. Langsam entspannte sie sich und streckte sich genüsslich.
Sie drehte sich zur Seite und war fast eingeschlafen, als er leise „Schlafen Sie gut, Miss Flemming!“ sagte. Also war er noch wach gewesen.
Sie murmelte „Sie auch“.
Ihre tiefen Atemzüge zeigten ihm nach einer Weile, dass sie doch endlich eingeschlafen war.

Er dagegen konnte nicht so schnell einschlafen. Was für ein Tag! Miss Flemming war eine durchaus nette Reisebegleitung. Sie hatte den schweren Wagen sicher gelenkt und beherrscht. Sie immer wieder zu reizen, hatte ihm erstaunlich viel Spaß gemacht, man wusste nie, was von ihr kam.
Ihre Erzählungen hatten ihm viel über sie verraten. Sie war schon erstaunlich. Und im Gegensatz zu den meisten Frauen, die er kennengelernt hatte, schien sie keine Angst vor ihm oder seinen Reaktionen zu haben.
Im Kerzenlicht hatte sie bezaubernd ausgesehen und die Sehnsucht danach, sie berühren zu dürfen, war größer und größer geworden. Die Schlafsituation schien ihr Sorgen zu bereiten. Was dachte sie von ihm? Dass er über sie herfallen würde? Es war ihm klar, dass sie ihm niemals gehören würde. Dann war sie mit ihrem dünnen, durchscheinenden Nachthemd hereingekommen, nichts ahnend, dass er sie mit gesenkten Lidern sehr genau beobachtete.
Und er hatte bekommen, was er verdient hatte. Ihre offenen Haare, die ihr bis zur Taille fielen, das Nachthemd, das ihre Konturen deutlich zeigten, all das hatte sein Verlangen so stark entfacht, dass er nur mit Mühe hatte ruhig liegenbleiben können. In Zukunft würde er dafür sorgen, dass sie schon im Bett war, wenn er aus dem Bad kam. Er war auch nur ein Mann und wollte ihre Ängste durchaus nicht bestätigen.
In seinen Gedanken hörte er immer wieder ihre Stimme, als sie sich gestern in seine Arme geworfen hatte. „Severus“. Es hatte zärtlich geklungen, und erleichtert, so als wäre er der Einzige, den sie sich zu sehen wünschte. Es dauerte noch eine ganze Weile, bis auch er endlich einschlief.

Am nächsten Morgen war er bereits früh wieder wach. Durch die Spalten im Vorhang fiel Licht in das Zimmer. Es würde ein warmer Tag werden. Er hatte sich geduscht und angezogen. Dann hatte er sich in den Sessel gesetzt und hinausgesehen. Aber sein Blick schweifte immer wieder zu dem anderen Bett im Zimmer. Kate schlief noch tief und fest, sie musste sehr erschöpft gewesen sein. Sie hatte die Decke im Schlaf zur Seite getreten und lag nun seitlich halb auf ihr. Das Nachthemd war hochgerutscht und entblößte ihr Bein bis zum Oberschenkel. Die offenen Haare lagen wie eine Stola um ihren Oberkörper. Unter den Augen lagen Schatten, sie sah im Schlaf sehr verletzlich aus.
Er war sich bewusst, in welche Gefahr sie sich heute begeben würden. Um sich machte er sich keine Sorgen, er konnte sich wehren und im schlimmsten Fall… Er hatte mit seinem Leben schon vor sechzehn Jahren abgeschlossen. Er hatte keine Angst vor dem Tod. Es hatte genug Zeiten gegeben, da hätte er ihn mit offenen Armen willkommen geheißen. Aber nun musste er überleben, um sie bei dieser gefährlichen Mission zu beschützen.
Sie fing an, sich zu bewegen. Gut so, er hätte sie bald wecken müssen, traute sich aber nicht genug über den Weg, um sie anzufassen. Mit einem letzten Blick auf sie stand er auf und ging auf den Balkon. Sie würde nicht wollen, dass er sie so sah.
Kate streckte sich und gähnte. Dann schlug sie die Augen auf und sah sich schlaftrunken um: wo war sie? Langsam sickerte die Erinnerung in ihren Verstand zurück und sie blickte sich blitzschnell um.
Das Bett neben ihr war leer und ein Blick auf den Balkon zeigte ihr, dass Snape anscheinend entspannt auf einem der Stühle draußen saß. Sie entspannte sich ein wenig, dann setzte sie sich auf. Als sie an sich heruntersah, war es mit der Entspannung schon wieder vorbei. Sie zog schnell ihr Nachthemd weiter herunter und die Decke über sich. Ihr Blick wanderte wieder zum Balkon. Ob er sie so gesehen hatte? Sie spürte, wie sie wieder einmal rot wurde. Dann sprang sie aus dem Bett, nahm ihre Reisetasche und huschte ins Bad. Sie duschte, zog sich an und stecke ihre geflochtenen Haare hoch.
Erst jetzt fühlte sie sich ausreichend gewappnet, ihm entgegen zu treten. Sie verließ das Badezimmer und trat zu ihm auf den Balkon.
„Guten Morgen“, sagte sie zögernd.
„Guten Morgen, Miss Flemming“, er sah sehr interessiert in den Park.
„Schlafen Sie eigentlich nie?“ Kate hätte sich am liebsten auf die Zunge gebissen, sie konnte nicht fassen, wie schnippisch ihre Stimme klang.
„Ich meine“, stotterte sie entschuldigend „Sie müssen doch auch mal ausruhen und die letzte Zeit war für Sie ja auch eher viel los. Und für unsere Mission brauchen wir doch alle unsere Sinne beisammen…“ Sie hatte das Gefühl, alles noch schlimmer zu machen mit ihrem Gestammel und verstummte.
Er stand auf und sah sie an, das spöttische Lächeln in seinen Mundwinkel ließ sie Schlimmes erahnen.
Und so war es: „Um meine Sinne“, genüsslich zog er das Wort in die Länge „sollen Sie sich keine Sorgen machen. Die sind durchaus wach und geschärft.“
Bei diesen Worten warf er ihr einen Blick zu, der in ihr eine Hitze weckte, wie sie sie noch nie gespürt hatte. Er hatte sie vorhin gesehen, soviel war sicher!
Sie öffnete schon den Mund, um hitzig zu kontern, doch er wendete sich ab, legte die Hände auf das Geländer und sprach so leise weiter, dass sie sich anstrengen musste, um ihn zu verstehen.
„Wenn ich bei den Todessern und dem Dunklen Lord bin, dann kann ich es mir nur selten erlauben, zu schlafen. Von daher komme ich ganz gut ohne Schlaf aus, zumindest für eine Weile.“ Dann fuhr er lauter fort, und sein Tonfall wurde wieder etwas hämisch: „Zu Ihrer Information, nicht dass es Sie etwas angehen würde, ich habe heute Nacht geschlafen, aber die Aussicht war beim Aufwachen so faszinierend, da hielt es mich nicht im Bett.“
Er wies zwar mit dem Arm in Richtung des Parks, aber seine Worte waren so zweideutig, dass sie es nicht ignorieren konnte. Sie holte tief Luft, jetzt war er fällig! Da griff er sie sanft am Arm und dirigierte sie durch die Balkontür in das Zimmer: „Ich sehe schon, Sie sind schon wieder hungrig, nicht wahr? Wir müssen etwas gegen Ihre schlechte Laune tun!“
Okay, jetzt ging er eindeutig zu weit! Sie blieb störrisch wie ein Esel stehen, stützte ihre Hände in die Seiten und funkelte ihn an: „Das würde ich ja tun, aber dann muss Dumbledore sich einen neuen Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste suchen!“
Er stand da, schaute sie erst verdutzt an und … begann zu lachen!
Mit einem Aufschrei der Wut stürzte sie sich ohne nachzudenken auf ihn und schlug mit ihren Fäusten auf seinen Brustkorb ein. Er musste einen Schritt nach hinten treten, um sein Gleichgewicht zu halten, dann packte er ihre Fäuste mit beiden Händen und drückte sie mit dem Rücken an die Wand. Ihre Gesichter waren nur noch Zentimeter voneinander entfernt und sie spürte die Wärme, die von seinem Körper ausging. Ihre Augen wanderten nach oben zu seinen Augen, deren Blick ihr kurz die Luft abschnürte.
War das Hass oder etwas ganz anderes? Bevor sie reagieren konnte, wanderte sein Blick von ihren Augen zu ihrem Mund und er sagte gefährlich leise: „Seien Sie vorsichtig, Miss Flemming. Auch ich kann mich nur bis zu einem gewissen Punkt beherrschen. Wenn Sie mich reizen, müssen Sie mit dem leben, was dann passiert.“
Mit diesen Worten ließ er sie los, drehte sich um und ging zur Tür. Kate schloss die Augen und traute ihren Beinen nicht. Ihr Körper fühlte sich heiß an und sie zitterte, aber nicht aus Angst. Warum nur hatte er sie nicht einfach küssen können? Hätte er nur Sekunden später angefangen zu sprechen, dann hätte sie ihn geküsst! Und sich unendlich dabei blamiert! Die Enttäuschung durchflutete ihren Körper und ihren Verstand und löschte die Leidenschaft in ihr zuverlässiger als Eiswasser.
Sie öffnete die Augen wieder, holte tief Luft und sah ihn immer noch an der Tür stehen. Sie nahm ihre gepackte Tasche, die Handtasche und die Autoschlüssel. „Ich habe keinen Hunger“, sagte sie und ging an ihm vorbei. „Ich werde bezahlen und warte im Auto auf Sie.“
Er holte seine Tasche, folgte ihr und wartete in der Lobby, bis sie bezahlt hatte. Dann folgte er ihr zum Auto. Sie startete das Auto und dann waren sie wieder auf dem Weg.

Es war eine ungemütliche Fahrt. Kein Gespräch kam auf und beide hingen ihren Gedanken nach. Nach einer Stunde machte Kate das Radio an und hörte lieber schlechte Musik, als noch eine Minute länger das gespannte Schweigen zu ertragen. Ihre Hände hatten das Lenkrad fest umfasst und sie wendete ihren Blick kaum von der Straße vor ihr. Sie fuhr zügiger als gestern, überholte häufiger und fuhr dicht auf. Einige Male ertappte sie sich dabei, dass sie viel schneller fuhr, als sie durfte. Die Strafzettel wären ihr egal gewesen, aber jetzt aufgehalten zu werden, konnten sie sich nicht leisten. Also behielt sie den Tacho scharf im Blick.
Sie kamen schnell voran und nach vier Stunden kamen sie schon in die Vororte von Genf. Der Plan war, das Auto etwas außerhalb der Stadt zu parken, mit öffentlichen Verkehrsmittel zur Bank zu fahren und danach, wenn nichts dazwischen kam, auf dem gleichen Weg zum Auto zurückzukehren. Sollten sie aufgehalten oder angegriffen werden, dann würden sie unverzüglich zum Auto apparieren und die Flucht ergreifen.
Kate hatte einen kleinen Park außerhalb der Innenstadt als Ziel in das Navi eingegeben. Sie steuerte ihn an und suchte einen Parkplatz ganz in der Nähe.
Als Kate den Motor abstellte und den Schlüssel aus dem Schloss zog, sprach Snape sie kühl an: „Der Plan ist klar, wir werden ihn befolgen, soweit es geht. Sollten wir angegriffen werden…"
Kate unterbrach ihn scharf: „Dann versuche ich, als unnützer Muggel, so wenig wie möglich im Weg zu sein, ich weiß!“
Er schaute sie verschlossen an und dann stiegen sie aus, verriegelten das Auto und liefen zur nächsten Bushaltestelle. Auf dem Weg dahin kamen sie an einem Taxi-Stand vor einem Hotel vorbei. Kurz entschlossen disponierten sie um und stiegen in ein Taxi. Kate nannte ihr Ziel und schon fuhren sie los in Richtung Innenstadt.
Snape sah sie kurz von der Seite an. Ihre Miene war wie versteinert. Was ging in ihr vor? Er konnte sich auch nicht erklären, was heute Morgen in diesem Zimmer passiert war. Er wusste nur noch, dass er sich noch niemals in seinem Leben hatte so zusammenreißen müssen. Er war kurz davor gewesen, sie nicht nur zu küssen. Ihm war noch in dem Moment dieses Gedankens klar gewesen, dass er mehr gewollt hatte. Es wäre nie bei diesem Kuss geblieben. Er hätte sie zu der Seinen gemacht, mit allen Konsequenzen. Doch wie hätte er nur? Sie war so bezaubernd und verletzlich, sie hatte ihr ganzes Leben noch vor sich, zumindest wenn sie dem Dunklen Lord entkommen konnte. Sie hatte so viel mehr verdient, als einen alten, von seiner Vergangenheit gequälten Zauberer.
Also hatte er sich von ihr losgerissen. Sie hatte die Leidenschaft ebenfalls gespürt, dass wusste er. Aber nun? Sie war … Ja, was war sie eigentlich? Wütend? Sauer? Entsetzt? Er wusste es nicht. Sie hatte die ganz Fahrt über nicht ein Wort gesprochen. An ihrer Fahrweise erkannte er, dass sie aufgebracht war. Irgendwann hatte sie das Radio angemacht und so laut gedreht, dass er sie beinahe angesprochen hätte.
Je näher das Taxi der Innenstadt kam, desto voller wurden die Straßen. Genf war eine schöne Stadt, mit alten Gebäuden, die kein Krieg zerstört hatte. Das Flair der Jahrhundertwende war überall zu spüren. Aber die beiden auf dem Rücksitz des Taxis hatten keinen Blick dafür.

Sie hielten vor einem Gebäude mit einer imposanten Fassade an. Kate bezahlte den Fahrer und dann stiegen sie aus, wobei Snape ihr die Tür aufhielt. Ohne ihn eines Blickes zu würdigen, ging sie an ihm vorbei auf das Portal der Bank zu. Sie öffnete die Tür und ging mit schnellen Schritten auf den Empfangsschalter zu. Er folgte ihr, ohne das es so aussah, als würde er hinter ihr herlaufen. Dabei behielt er die Personen in der Eingangshalle im Auge. Er hatte die Arme vor seinem Bauch leicht verschränkt und den Zauberstab, den er in dem einen Ärmel verborgen hielt, in der Hand.
Kate hatte schon mit der Empfangsdame gesprochen, die kurz telefonierte. Es dauerte nicht lange, da kam ein Mann aus einer der die Empfangshalle umgebenden Türen und ging auf Kate zu. Er deutete eine Verbeugung an und Snape entging der Blick nicht, mit dem er sie kurz taxierte. Seine Augen weiteten sich ein wenig und er setzte ein, wie er wohl dachte, gewinnendes Lächeln auf.
„Miss Flemming, herzlich willkommen in der Schweiz. Mein Name ist Jean-Claude Favre. Ich hoffe, Sie hatten eine gute Reise?“ fragte er geschäftsmäßig freundlich, wobei seine Blicke durchaus nicht so geschäftsmäßig waren.
Kate lächelte freundlich und antwortete: „Vielen Dank! Es gab ein paar kleinere Unannehmlichkeiten, aber nichts, was mir die Freude an Ihrem schönen Land nehmen könnte, Monsieur Favre.“
Sie wies kurz mit der Hand auf Snape und sagte, ohne mehr zu erklären: „Darf ich Ihnen Mr. Walters vorstellen.“
Favre musterte Snape kurz, der ihn mit einem knappen Nicken begrüßte. Favre wusste nicht genau wieso, aber ihm wurde unter dem Blick dieses Mannes unwohl. Welche gefährliche Aura dieser schwarzgekleidete, düstere Mann ausstrahlte. Unwillkürlich trat Favre einen kleinen Schritt von der Dame zurück.
Dann wies er mit der Hand auf die Tür, aus der er eben gekommen war: „Wollen wir alles Weitere in meinem Büro besprechen?“
Kate nickte und er sagte: „Wenn ich Ihnen bitte vorausgehen darf?“
Er öffnete die Tür, ließ Kate und Snape eintreten und schloss die Tür leise. Das Büro mit den hohen Fenstern war sehr minimalistisch, aber elegant eingerichtet. Er deutete auf einen runden Tisch und schob Kate den Stuhl zurecht. Dann fragte er sie, ob sie etwas trinken wollten. Kate verneinte mit der Bemerkung, dass sie gerade in einem Café gewesen waren und noch eine Verabredung mit Freunden zum Abendessen hätten.
Daraufhin setzte er sich hin und sah Kate erwartungsvoll an. „Wie kann ich Ihnen helfen, Madam Flemming?“
Kate holte die Papiere aus ihrer Handtasche und erklärte ihm in Ruhe: „Monsieur Favre, vor mehr als hundert Jahren hat ein Vorfahre von mir ein Banksafe in Ihrem Institut gemietet. Ich weiß nicht, wie lange dieser Safe nicht mehr geöffnet wurde. Nun hat sich meine Anwalt mit mir in Verbindung gesetzt, weil wohl der letzte Eigentümer verstorben ist. Durch Umstände, die hier nichts zur Sache tun, dauerte es eine Weile, bis geklärt war, wer der rechtmäßige Erbe ist.“
Kate machte eine kleine Pause und Monsieur Favre sah sie interessiert an. Dann fuhr sie fort: „Ich wurde als Baby zur Adoption freigegeben und wuchs unter dem Namen ‚Flemming‘ auf. Jetzt hat sich herausgestellt, dass ich wohl die letzte Nachfahrin dieses ersten Mieters bin.“ Sie sah auf ihre Hände. „Mir ist bewusst, dass in diesem Schließfach keine Reichtümer auf mich warten, aber etwas, das für mich viel wertvoller ist. Es soll alte Dokumente enthalten, die mir Aufschluss über meine Abstammung und Familie geben könnten. Daher habe ich den langen Weg gerne auf mich genommen, um hierher zu kommen.“
Sie sah den Mann von der Bank mit einem traurigen Lächeln an: „Da meine Adoptiveltern gestorben sind, bieten mir diese Unterlagen vielleicht die Möglichkeit, weiter entfernte Verwandte ausfindig zu machen.“
Snape war beeindruckt, wenn er es nicht besser gewusst hätte, er hätte ihr die Geschichte sofort abgekauft, aber vielleicht glaubte sie es wirklich. Dieses Weib spielte mit diesem ahnungslosen Mann, er hatte keine Chance!
Mitfühlend sah Monsieur Favre sie an und sagte dann: „Wenn Sie mir die Papiere übergeben, die Ihr Anwalt vorbereitet hat, dann sollte es kein Problem sein, die Formalitäten schnell zu erledigen, Madam!“
Mit einem kleinen Lächeln schob sie den Umschlag mit den Unterlagen zu ihm hinüber. Er öffnet den Umschlag und sah die Papiere durch. Dann erhob er sich mit einem höflichen: „Wenn Sie erlauben?“ und trat hinter seinen Schreibtisch an den Computer. Er setzte sich auf den Stuhl und tippte eine Weile.
Dann lächelte er sie kurz über den Schreibtisch hinweg an und sagte: „Der Safe wurde vor zwanzig Jahren das letzte Mal von Mr. Tom Riddle geöffnet, dessen Sterbeurkunde Ihr Anwalt hier beigefügt hat. Er hatte wohl keine Kinder.“
„Ja, das hat mir mein Anwalt auch schon gesagt. Dabei hatte ich so gehofft, dass ich so doch noch ein paar Verwandte finden würde.“
Wieder tippte er ein paar Dinge ein und erhob sich dann. Er zog einige Schriftstücke aus dem Drucker und kam dann wieder an den Tisch zu Ihnen.
„Die Dokumente sind lückenlos und bestätigen Ihren Anspruch auf das Erbe. Wenn Sie diese Schriftstücke unterschreiben, kann ich Sie im Anschluss zu dem Banksafe führen. Es hat eine Kombination, die hier für Notfälle hinterlegt ist.“ Er sah kurz zu ihrem Begleiter: „Möchte Mr. Walters Sie begleiten?
Kate nickte. „Dann bräuchte ich Ihrer beide Identitätskarten. Sie müssen mir bestätigen, dass Sie wirklich Sie sind“, sagte er entschuldigend
Sie nickte und gab ihm ihren Personalausweis. Snape zog seinen aus der Jacke und gab den Ausweis an Favre. Der nahm sie dankend an und begab sich dann wieder zu seinem Computer. Dabei sah er sie wieder an: „Nicht, dass Sie denken, ich würde Ihnen misstrauen, aber ich muss das überprüfen.“
Kate beeilte sich zu sagen: „Natürlich müssen Sie das. Was man heute so hört…“ sie schüttelt den Kopf.
„Ich könnte Ihnen da Sachen erzählen, die würden Sie nicht glauben“ bestätigte er.
Schon nach kurzer Zeit kam er zurück: „Alles ist in bester Ordnung, natürlich. Wenn Sie dann noch hier kurz unterschreiben, können wir uns auf den Weg in den Tresorraum begeben.“
Kate unterschrieb das letzte Schriftstück und Monsieur Favre entschuldigte sich kurz, um die Kombination aus einem anderen Safe zu holen. Es war still im Raum, durch die geschlossenen Scheiben war der Verkehr nur sehr gedämpft in dem klimatisierten Büro zu hören.
Sie sprachen nicht. Kate schaute konzentriert auf ihre Hände und Snape lauschte aufmerksam auf die gedämpften Geräusche. Und als Kate schon dachte, die Spannung nicht mehr aushalten zu können, da kam Monsieur Favre wieder herein.
Er spürte die Spannung im Raum und stutzte einen Moment. Ein komisches Pärchen war das, das hatte er vorher schon gedacht. Sie schien aufgewühlt zu sein und er wirkte einfach nur gefährlich. Ob da alles in Ordnung war? In einer Bank erlebte man die merkwürdigsten Sachen, vielleicht war sie nicht so freiwillig in dieser Begleitung? Oder er war extrem eifersüchtig, dass würde sein Verhalten auch erklären.
Doch Favre konnte nicht viel tun, solange sie ihn nicht um Hilfe bat. Diskretion war die oberste Devise des Hauses und er wollte auf keinen Fall einen Kunden brüskieren. Er beschloss, die beiden weiterhin gut zu beobachten.
Snape entging der misstrauische Blick des Bankangestellten nicht. Er musste reagieren, und zwar bald und konnte nur hoffen, dass Miss Flemming auch weiterhin so gut schauspielerte, wie bisher.
Als sie sich erhoben, trat er daher zu ihr herüber und legte einen Arm um sie. Sie erstarrte kurz und sah zu ihm hoch. Da sie Favre dabei den Rücken zuwendete, konnte dieser ihren verwirrten Blick nicht sehen.
Snape sagte gerade laut genug, dass Favre es mitbekam, zu ihr: „Du bist sehr angespannt, das kann ich verstehen.“
Er sah sie dabei mit einem sanften Lächeln an „Aber egal, was Du in diesem Schließfach findet oder auch nicht findest, es ändert nichts daran, dass ich für Dich da bin!“ Er zog sie noch näher und neigte den Kopf zu ihr, „Du wirst nie alleine sein, auch wenn Du keine Verwandten findest. Also sei nicht zu enttäuscht, Liebling.“
Kate starrte ihn an, als ob er durchgedreht wäre, aber die Finger seiner Hand klopften vorsichtig auf ihre Schulter und so nickte sie nur. Normalerweise wusste Professor Snape, was er tat, es gab immer einen guten Grund für seine Worte und seine Handlungen. Zumindest, wenn sie nicht alleine miteinander waren.
So legte sie kurz den Kopf an seine Schulter, biss ihn, ohne das Favre es mitbekam in den Oberarm und hauchte: „Du hast Recht Schatz, ich messe dem Ganzen zu viel Bedeutung bei!“
Sie bemerkte sein leises Zusammenzucken mit Genugtuung und wendete sich dann wieder an Favre. „Trotzdem, jetzt bin ich sehr gespannt und möchte diese Dokumente gerne sehen. Lassen Sie uns gehen!“
Favre war beruhigt. Das erklärte Einiges, natürlich, die junge Frau war angespannt. Wie liebevoll dieser düstere Mann mit ihr gesprochen hatte, und wie vertraut sie miteinander umgingen. Er seufzte innerlich. Warum zog es die zarten, schönen Frauen immer zu den gefährlichen Männern? Normaler Durchschnitt konnte doch auch sehr nett sein!

Sie verließen das Büro und schritten durch die Halle auf die andere Seite. Dort gab es eine schwere Holztür, die Favre öffnete. Die andere Seite des Türblattes war aus dicken Stahlplatten. Der Gang dahinter war sehr nüchtern und weiß. Sie gingen mehrere Treppen hinunter. Auf jeder Ebene habe es dicke Stahltüren. Schließlich hielten sie vor einer an und Favre tippte eine Nummer in eine Tastatur ein. Ein Summen ertönte und die Tür entriegelte sich. Favre zog sie auf, sie war dick gepanzert. Dahinter erstreckte sich ein weiterer Gang. Sie liefen an vier Türen vorbei und Favre schaute auf die Unterlagen, die er dabei hatte. Schließlich hielt er vor einer Panzertür an und gab eine weitere Nummernfolge ein. Danach drückte er seinen Finger auf einen Scanner. Dann ertönte wieder ein Summen und Favre zog erneut die schwere Tür auf. Ein Sensor schaltete die kalte Deckenbeleuchtung ein.
An allen Seiten gab es Schließfächer, kleine und große. In der Mitte stand ein hoher Tisch. Monsieur Favre ging zu einem der kleineren Schließfächer und stellte die Kombination ein. Das Schließfach sprang auf und Favre trat einen Schritt zurück.
„Ich werde nun den Raum verlassen und Sie alleine lassen. Wenn Sie fertig sind, oder etwas benötigen, dann drücken Sie bitte diesen Knopf.“ Er wies auf einen grünen Knopf neben der Tür „Und keine Angst, dieser Raum ist belüftet. Wir haben seit vierhundert Jahren keinen hier unten vergessen!“
Er lächelte Kate an und verließ den Tresorraum. Bei der Planung hatten sie einkalkuliert, dass die Tresorräume vielleicht überwacht wurden. Kameras waren keine zu sehen, aber man wusste nie.
Daher sagte Snape ruhig zu ihr: „Nur Mut mein Schatz. Auf diesen Moment hast Du doch schon lange gewartet.“
Kate funkelte ihn von unten an und sagte zuckersüß: „Ich bin so froh, dass Du bei mir sein kannst. Ich wüsste nicht, was ich ohne Dich machen würde.“ Dann drehte sie sich um und ging zum Schließfach.
Er folgte ihr und sie verharrte kurz, während er unauffällig seinen Zauberstab über die Tür des Schließfaches gleiten ließ, falls Voldemort einen Schutzzauber hinterlassen hatte. Dann tat Kate so, als würde sie die Tür öffnen. Dabei berührte sie sie aber nicht, sondern Snape tat das mit Zauberkraft. In dem Fach lag eine Kassette.
„Ich werde sie Dir herausholen“, sagte Snape und ließ die Kassette mit einem Schwebezauber zum Tisch schweben, wobei es so aussah, als würde er sie tragen.
Ebenso verfuhr er mit dem Deckel.
Snape nickte. Also verspürte er Magie darin. In der Kassette lagen Schriftstücke und der Becher von Helga Hufflepuff. Snape holte ein Säckchen aus der Jackentasche. Es war voller Magie und würde einen Fluch, der möglicherweise auf dem Becher lag, einschließen. Mit dem Zauberstab versenkte er den Becher und verschloss schnell den Sack mit der Kordel. Dann überprüfte er den restlichen Inhalt der Kassette. Hier war keine Magie zu verspüren.
Also nickte er und Kate blätterte die Unterlagen kurz durch und sagte dann: „Die Schrift kann ich nicht so gut lesen, das müssen wir übersetzen lassen. Aber hier das scheint ein Stammbaum zu sein.“ Und wirklich sahen die Seiten des alten, vergilbten Papiers interessante Hinweise zu enthalten. Kate packte die Unterlagen in ihre Tasche.
Laut sagte sie: „Das schauen wir uns in Ruhe zu Hause an, meinst Du nicht?“ Snape nickte und sagte dann: „Ich denke auch. Bei einer Flasche Wein im Wohnzimmer werden wir uns auf eine Reise in die Vergangenheit Deiner Familie begeben.“
Er steckte den Sack mit Hufflepuffs Becher in die Innentasche seiner Jacke. Sie stellten die jetzt leere Kassette in das Schließfach zurück und begaben sich zur Tür. Kate drückte den Knopf und kurz darauf öffnete Favre die Tür von außen. Er musste davor gewartet haben.
Kate lächelte ihn an und sagte: „Wie ich es erhofft hatte, ein alter Stammbaum und viele alte Dokumente. Einen Teil werden wir übersetzen lassen müssen. Ich bin schon so gespannt, was wir herausfinden werden.“
Favre zeigte sich erfreut und führte sie wieder nach oben. Dort musste Kate ihren Besuch noch in einem Protokoll quittieren und unterschrieb direkt unter der Unterschrift von Tom Riddle. Dabei jagte ihr ein Schauer über den Rücken. Snape hatte ihr über die Schulter geblickt und legte ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter. Dann bedankte Kate sich bei Monsieur Favre und sie kehrten in die Empfangshalle zurück. Favre verabschiedet sich von ihnen und sie gingen zum Ausgang.
Draußen erwartete sie ein warmer Sommertag. Die Menschen schlenderten durch die Straßen, in den Cafés war kein Tisch mehr zu bekommen. Kates Magen knurrte vernehmlich, seit gestern Abend hatte sie nichts mehr gegessen.
Doch zuerst mussten sie aus Genf heraus und das, so schnell es ging.
Kate winkte ein Taxi heran, sie stiegen ein und Kate sagte: „Parc Sarasin, s’il vous plais“.
Der Taxifahrer nickte und fädelte sich geschickt in den Verkehr ein. Dann lehnte sie sich in den Sitz zurück und atmete tief durch. Snape sah sie von der Seite an und lächelte knapp.
„Gut gemacht“, sagte er leise.
Verwundert sah sie ihn an. Ein Lob von ihm!
Dann sah sie wieder aus dem Fenster. Ihr war langsam schlecht vor Hunger. Der Taxifahrer fuhr zügig und schon bald waren sie aus der Innenstadt heraus. Nach einer Viertelstunde hielt der Taxifahrer vor dem Hotel am Rande des Parks an und nachdem Kate gezahlt hatte, stiegen sie aus.
Sie liefen zu ihrem Auto und Kate ließ sich erleichtert auf den Fahrersitz fallen. Snape war ebenfalls eingestiegen und Kate startete den Wagen. Dann programmierte sie das Navi um, denn sie würden, wie vereinbart, einen anderen Weg zurück fahren. Es war zwar ein großer Umweg, aber dort würden sie die Todesser, sofern sie sie verfolgten, nicht so schnell finden. Sie würden durch die Schweiz bis Basel fahren und dann durch Deutschland nach Brügge in Belgien reisen. In Deutschland gab es keine Geschwindigkeitsbegrenzung und sie würden zügiger vorankommen. In Belgien angekommen, wollten sie mit einer Fähre nach Felixstowe übersetzten. Von da sollte es direkt nach Hogwarts gehen. Oder sie würden apparieren. Wie es die Lage gerade erfordern würde.
Kate fuhr auf die Autobahn in Richtung Lausanne. Wieder meldete sich ihr Magen. Mit hoch gezogener Augenbraue schaute er sie von der Seite an.
„Wir sollten etwas essen“, war alles, was er bemerkte.
Kate nickte und schlug vor, an der nächsten Raststätte anzuhalten.
Doch er schüttelte den Kopf: „Diese Essen möchte ich mir nicht noch einmal antun. Lassen Sie uns von der Autobahn herunter fahren, in Richtung See. Auf der Autobahn können sie uns eher vermuten. Am See gibt es bestimmt einige Restaurants.“
Kate stimmte ihm müde zu. Sie fuhren noch eine Weile, dann nahm Kate eine Ausfahrt und folgte der Beschilderung zum See. Wieder war es still im Auto und Kate spürte, dass ihre Beherrschung und ihre Kraft am Ende waren. Sie fanden ein kleines Restaurant in einem malerischen Ort am See und hielten auf dem Parkplatz.
Snape wollte gerade aussteigen, da sagte Kate: „Warten Sie noch einen Moment.“ Fragend sah er zu ihr und schloss die Tür wieder. Sie zögerte, holte tief Luft und fing an zu sprechen: „Professor Snape, weder Sie noch ich haben uns diese Situation ausgedacht, noch ausgesucht. Mir ist klar, dass Sie diese Mission nicht freiwillig übernommen haben, aber Sie konnten sich, ebenso wie ich, nicht anders entscheiden.“ Sie starrte aus dem Fenster, ohne ihn anzusehen. „Wir werden noch eine ganze Weile unterwegs sein. Was für mich kein Problem ist, ich fahre gerne Auto und bin gerne unterwegs, wobei ich auf die drohende Verfolgung durchaus verzichten könnte.“ Sie lächelte traurig und müde. Aufmerksam wartete er, worauf sie hinauswollte. „Was ich aber nicht länger ertrage“, hierbei sah sie ihn kurz an, „ist die gespannte Atmosphäre. Wir müssen einen Weg finden, miteinander auszukommen, auch wenn Sie mich nicht mögen. Aber dieser Kleinkrieg übersteigt meine Kräfte.“
Und es war offensichtlich, dass sie kurz davor war, ihre Fassung zu verlieren. Dann sagte sie lange nichts.
Er räusperte sich und sagte leise: „Ich stimme Ihnen zu. Vielleicht standen wir beide zu sehr unter Druck. Und ich hege keinerlei Abneigung gegen Sie.“ In ihrem Gesicht zuckte es skeptisch. „Sie sind eine mutige junge Frau in einer unvorstellbar schwierigen Lage. Die Sie übrigens, den Umständen entsprechend, hervorragend meistern.“
Kate konnte nicht glauben, was sie da hörte. Das klang wirklich nicht nach Abneigung.
Sie lächelte zaghaft und sagte dann: „Es ist leichter, wenn man einen außergewöhnlichen Zauberer an seiner Seite weiß.“ Sie schwiegen eine Weile, dann streckte sie ihm die Hand entgegen und fragte: „Freunde?“
Er sah sie prüfend an und schlug dann ein: „Freunde!“
Dann stiegen sie aus und gingen in das Restaurant.

Nach einem guten und ausgedehnten Mahl sah die Welt schon wieder besser aus. Zwar war Kate jetzt angenehm müde und hätte noch eine Weile auf der Terrasse mit Blick auf den Genfer See und das Alpenpanorama auf der anderen Seite des Sees sitzen können. Aber sie mussten weiter. Jede Stunde, die sie unterwegs waren, erhöhte die Gefahr, dass die Todesser sie aufstöbern würden.
Also stiegen sie wieder in das Auto und verließen das Seeufer. Auf der Autobahn kamen sie gut voran und es war nicht viel Verkehr. Es war schon nach sechs Uhr und Kate machte das Radio an. Um halb sieben kam die Verkehrsdurchsage und Kate musste sich anstrengen, um das schnelle Französisch zu verstehen. Aber zur Not würde das Navi sie auch vorwarnen. Snape richtete seinen Zauberstab kurz auf das Radio und nach einer kurzen Beschwörung sprach der Radiosprecher plötzlich englisch.
„Wie praktisch!“
„Ich finde Magie auch sehr nützlich!“ kam es von Snape, als auch schon die Nachrichten begannen.
Der Sprecher berichtete von einem Terroranschlag und Kate und Snape waren mit einem Schlag mehr als nur aufmerksam. Der Anschlag hatte sich vor zwei Stunden in Genf zugetragen, eine Bank war das Ziel gewesen. Einige Angestellte waren verletzt worden, zwei waren sogar gestorben. Es hatte wohl mehrere Explosionen gegeben, auch im Tresorbereich. Dann war dort alles eingestürzt, so dass noch keine näheren Angaben gemacht werden konnte. Eine arabische Terrororganisation hatte sich zu dem Anschlag bekannt.
Kates Hände zitterten heftig. Sie fuhr am nächsten Parkplatz von der Autobahn und hielt an. Sie schaltete den Motor ab, während der Sprecher weitere Einzelheiten brachte. Mit schreckgeweiteten Augen sah sie zu Snape.
Er sah sie kurz an und nickte dann: „Es sieht so aus, als wüsste der Dunkle Lord Bescheid. Ab jetzt müssen wir sehr viel vorsichtiger sein.“ Er verstummte kurz und dachte nach. Jetzt würde es auf jede Minute ankommen.
„Aber diese Leute in der Bank, Monsieur Favre, die Leute in der Eingangshalle…?“ Er sah sie ernst an. Sie war sehr bleich und ihre Hände zitterten immer noch.
„Sie glauben doch nicht ernsthaft an einen Terroranschlag?“
Sie schüttelte langsam den Kopf, aber die Erkenntnis dessen, was wirklich in dieser Bank geschehen sein musste, erschlug sie fast. Die Tränen traten ihr in die Augen.
„Wir hätten sie warnen müssen, oder beschützen, oder…?“
Snape drehte sich halb zu ihr um und sah ihr fest in die Augen: „Sie hätten uns kein Wort geglaubt. Und wir hätten nichts tun können, um die Todesser aufzuhalten. Wir wären bei dem vergeblichen Versuch gestorben.“ Er machte eine Pause und fuhr dann fort: „Das Einzige, was wir wirklich tun können, das tun wir gerade. Wir sind auf dem Weg, den Dunklen Lord endgültig zu vernichten. Nur das wird alle Muggel und auch die magische Welt auf Dauer wieder sicher machen. Wir dürfen nicht versagen.“
Er schaute sie so intensiv an, dass sie einfach nicken musste.
Sie holte tief Luft und startete den Motor wieder: „Sie haben Recht, wir müssen unsere Mission zu einem guten Ende bringen.“ Entschlossen lenkte sie den Wagen wieder auf die Straße.

Nach weiteren zwei Stunden verließen sie die Schweiz und waren in Deutschland. Hier gab es nicht so viele Geschwindigkeitsbegrenzungen und Kate fuhr schneller. Der Verkehr war dichter geworden. Kate merkte, dass sie langsam müde und unkonzentriert wurde. Snape schlug vor, eine kurze Pause zu machen.
Also lenkte Kate den Wagen von der Autobahn auf eine Raststätte und hielt vor dem Gebäude an. Sie stiegen aus und streckten sich. In der Raststätte holte sich Kate einen Kaffee und Snape nahm einen Tee. Hunger hatten beide nicht, allerdings hatten sie sich Sandwiches für später eingekauft. Sie tranken ihre warmen Getränke, dann liefen sie wieder zum Auto zurück.
Bevor sie dort ankamen, meinte Snape: „Geben Sie mir die Schlüssel, ich werde eine Weile fahren, Sie sind müde!“
Kate blieb kurz stehen: „Sicher nicht, Sie können nicht Auto fahren!“
Er kniff die Augenbrauen kurz ein und sah sie von oben herab an: „Ich habe einen Führerschein!“
Kate schnaubte und fauchte: „Der ist gefälscht, wie Sie wissen.“
Jetzt waren sie am Auto und er lehnte sich mit dem Rücken an die Fahrertür. „Ich habe Sie jetzt zwei Tage beobachtet. So schwierig wird es schon nicht sein. Ihnen und auch mir ist klar, dass wir uns keinerlei größere Pausen mehr gönnen können. Wir werden durchfahren. Das können Sie alleine unmöglich. Also geben Sie mir die Schlüssel und vertrauen Sie mir.“
Dabei sah er sie sehr intensiv an und schließlich ließ sie die Schlüssel in seine auffordernd vorgestreckte Hand fallen.
Sie sah ihm fest in die Augen und sagte leise: „Das tue ich.“
Dann wendete sie sich ab und ging um das Auto herum. Sie öffnete die Tür und ließ sich auf den Beifahrersitz gleiten. Snape saß schon auf dem Fahrersitz und stellte den Sitz auf seine längeren Beine ein.
„Die Spiegel“, sagte Kate und er nickte, stellte sie ein und machte sich mit den Schaltern und Hebeln vertraut. Er deutete darauf und Kate erklärte ihm, wofür sie waren und wann man sie benutzte. Dann startete er den Wagen, legte den Rückwärtsgang ein und wollte losrollen. Der Motor erstarb. Kate musste sich ein Lachen verkneifen und er bemerkte es natürlich.
Sie öffnete den Mund und sagte: „Aber Sie können schon fahren, oder?“
Er sah sie an und sagte: „Still, sonst laufen Sie!“
Sie kicherte immer noch, als er den Motor wieder anließ und ein bisschen stockend anfuhr. Dann legte er den Vorwärtsgang ein und der Wagen rollte erst langsam, dann immer schneller vorwärts. Er hatte sie wohl sehr genau beobachtet, denn er schaltete an den richtigen Stellen. Der Verkehr war weniger geworden und nach einer Weile entspannte sich Kate. Wie hätte es anders sein können, natürlich beherrschte er das Autofahren. Sie sah eine Weile auf die Lichter, die in der Dunkelheit an ihnen vorbeihuschten, dann rollte sie sich auf ihrem Sitz zusammen und schlief ein.
Snape warf einen Blick zu ihr hinüber und verspürte einen tiefen Frieden. In ihrer kleinen Welt in diesem Fahrzeug war es warm und er hatte sie für sich. Jetzt wo sie schlief, konnte er sie anschauen, wann immer er wollte. Was auch immer die Zukunft für sie oder ihn bringen mochte, in diesem Augenblick gehörte sie ihm. Sie vertraute ihm wirklich, sonst wäre sie nicht eingeschlafen.

Als sie wieder aufwachte, war es Mitternacht weit vorbei. Sie brauchte einen Moment, um wieder ganz zu sich zu kommen. Ein Blick auf das Navi zeigte ihr, dass sie vier Stunden geschlafen hatte. Snape hatte eine Hand auf dem Lenkrad liegen, die andere hatte er am Rand der Seitenscheibe aufgestützt. Er schaute konzentriert nach vorne. Er sah aus, als wäre er schon sein ganzes Leben Auto gefahren.
Sie gähnte. „Na, ausgeschlafen?“ fragte er leise.
„Einigermaßen. Soll ich wieder übernehmen?“
Er nickte: „Ich sollte auch ein wenig Schlaf bekommen. Ich habe so das Gefühl, dass es nicht so ruhig bleiben wird.“
Also tauschten sie auf dem nächsten Parkplatz und kurz darauf war Snape eingeschlafen. Im Licht der Autobahnbeleuchtung konnte sie sein Gesicht nur ungenau erkennen. Doch schienen sich seine beherrschten Gesichtszüge noch nicht einmal im Schlaf zu entspannen.
Sie passierten die Grenze nach Belgien. Sie hatten Brüssel schon lange hinter sich gelassen, als Snape erwachte. Er richtete seine Rückenlehne wieder auf und sah auf das Navi.
Sie bemerkte seinen Blick und sagte: „Wir werden in einer Stunde das sein. Wie wollen wir weiter machen?“
Er überlegte eine Weile. „Es ist mir nicht wohl dabei, vier Stunden auf einer Fähre festzusitzen. Dort sind wir angreifbar.“ Er sah auf die Anzeige des Navis. „Ich denke, es wäre sicherer, wenn wir das Auto verlassen und apparieren. Wir sind schneller und nicht mehr so leicht zu finden.“
„Aber wohin dann? Nach London ins Hauptquartier oder nach Hogwarts?“ fragte Kate.
Snape antwortete ohne zu zögern: „Hogwarts! Dort haben wir die nötigen Mittel, den Horkrux sofort zu zerstören.“
„Wird Professor Dumbledore uns nicht in London erwarten?“ Kate sah Snape zweifelnd an.
„Orte sind für Dumbledore unbedeutend. Aber ich könnte mir vorstellen, dass die Todesser inzwischen vermuten, wo das Hauptquartier ist. Sie können es nicht finden, weil Dumbledore der Geheimniswahrer ist, aber sie können trotzdem überall Wachen aufgestellt haben.“
„Das gilt für Hogwarts unter Umständen auch, nicht wahr?“
„Möglich wäre es. Aber in Hogwarts können wir freier agieren. Wir werden in zwei Abschnitten apparieren, dann kann ich vom Zwischenstopp den Orden informieren und so sollten einige von ihnen bei unserer Ankunft bereits da sein.“
Kate nickte und dann suchten sie auf der Karte des Navis einen guten Platz, um das Auto abzustellen. Nach zwanzig Minuten waren sie da und Kate parkte den Wagen ein letztes Mal. Es war sehr still um sie herum, als sie ausstiegen. Sie holten ihre Sachen aus dem Kofferraum und nahmen die wichtigsten Dinge heraus. Die Kleidung benötigten sie nicht, sie würde im Auto bleiben.
Snape gab Kate das Säckchen mit dem Becher. „Es ist besser, wenn Sie den in Ihre Tasche stecken.“
Kate nickte und steckte den Becher sicher in eines der Reißverschlussfächer. Dann schloss Kate den Wagen ab, hängte sich ihre Handtasche über ihre Schulter und strich mit der Hand über das Dach des Autos.
„Abschiedsschmerz?“ ertönte Snapes Stimme mit leicht spöttischem Unterton. Kate lächelte und bemerkte mit einem letzten Blick auf das Auto: „So einen Wagen hätte ich mir von meinem Gehalt nicht leisten können. Es tut mir leid, ihn einfach so stehen zu lassen.“
Snape schüttelte nur kurz den Kopf und murmelte etwas, das wie „Frauen“ klang und ging dann langsam von der Straße weg, auf eine kleine Grünfläche. Kate trat nah zu ihm und sah zu ihm hoch.
Er sah auf sie herunter und sagte leise: „Auf ein Neues, Miss Flemming!“
„Ich bin bereit.“

Mit der Hand auf ihrem Oberarm disapparierte er und zog sie mit sich. Es wurde nicht angenehmer, egal, wie oft sie es erlebte. Als sie die Augen wieder öffneten, standen sie am Rand eines Wäldchens. Snape nahm seinen erhobenen Zauberstab fester in die Hand, und ließ ihn einmal wie eine Peitsche um den Kopf schwingen. Ein silbriger Faden wurde schnell zu einem silbernen Nebel, der die Form eines Jaguars annahm.
Kate wusste, dass jeder Zauberer seinen eigenen Patronus hatte. Dieser Jaguar passte zu Severus. Geschmeidig setzte sich das Tier in Bewegung und war bald verschwunden.
Snape allerdings sah seinem Patronus erschüttert hinterher. Ein Jaguar, keine Hirschkuh! Lily war endgültig aus seinem Leben verschwunden. Wenn er einen Beweis dafür gebraucht hätte, dass er für die quirlige, junge Frau neben ihm Gefühle entwickelt hatte, sein Patronus wäre es gewesen.

Sie warteten eine kurze Zeit, dann kam ein Patronus zu ihnen. Er hatte die Gestalt eines großen Hundes. Als der Patronus bei ihnen landete, hörten sie die Stimme von Tonks: „Hauptquartier wird beobachtet. Kommen nach Hogwarts, Treffpunkt Heulende Hütte in einer halben Stunde! Netter Patronus“ Dann löste sich der Patronus auf.
„Gut“, sagte Snape, „dann haben wir noch ein wenig Zeit.“

Kate setzte sich auf einen umgefallenen Baum, der auf der Wiese unter zwei Bäumen lag. Wie plötzlich ihre Reise jetzt zu Ende gehen würde. In einer Stunde würden sie wieder in Hogwarts sein.
Und dann? Kate wusste es nicht. Die letzten Tage waren ein Wechselbad der Gefühle gewesen. Wie würde sie es ertragen, ihn nicht mehr jeden Tag zu sehen? Sie konnte nicht einmal sagen, ob sie sich näher gekommen waren. Natürlich hatte sie ihn von anderen Seiten gesehen, als das in der Schule der Fall gewesen war. Wie würde es sein, ihn nicht jederzeit ansprechen oder ansehen zu können? Was würde sie in den Ferien in Hogwarts machen? Es war kaum jemand dort. Alle waren auf Missionen unterwegs oder im Urlaub. Kate war noch nicht einmal sicher, ob Hagrid wenigstens da wäre.
Snape bemerkte ihren Trübsinn wohl, denn er sagte: „Sie sind nicht wirklich traurig wegen des Autos, oder?“
Was sollte sie sagen? Die Wahrheit würde er nicht hören wollen. Dass sie ihn vermissen würde. Dass sie nicht wusste, wie sie die langen Tage ohne ihn füllen sollte. Verzweiflung machte sich in ihr breit und sie wünschte, eine dieser Frauen zu sein, die jeden Mann um den Finger wickeln konnte. So eine Frau hätte gewusst, was sie zu ihm sagen musste. Sie hätte gewusst, wie sie ihn dazu gebracht hätte, sie zu lieben. Sie unterdrückte einen Seufzer, denn sie war keine solche Frau. Bei den jüngeren Männern hätte sie wahrscheinlich noch Chancen, aber bei einem Mann wie Severus Snape?
Laut sagte sie gleichgültig: „Ich musste nur gerade darüber nachdenken, dass wir in Frankreich waren, und ich mein Lieblingsparfum nicht gekauft habe.“
Er schnaubte und sagte: „Ich musste ja fragen!“
Dann warteten sie schweigend, bis es an der Zeit war. Auf ein Zeichen von ihm erhob Kate sich und ging die wenigen Schritte zu ihm hinüber. Obwohl es dunkel war, fühlte sie seinen Blick auf ihr ruhen.
„Jetzt haben wir es gleich überstanden. Sie sind sicher froh, mich wieder loszubekommen.“
Mit gepresster Stimme sagte sie leise: „Wenn Sie es sagen.“
Ohne ein weiteres Wort zog er seinen Zauberstab, dann griff er wieder ihren Arm und sie disapparierten.

Als sie ankamen, explodierte die Welt um sie herum. Sie waren erwartete worden und platzten mitten in einen Kampf hinein. Die Mitglieder des Ordens mussten in eine Falle geraten sein, denn die Verteidigung setzte nur zögernd ein. Snape schickte Flüche über Flüche in die Reihe der Angreifer und versuchte gleichzeitig, Kate mit seinem Körper abzuschirmen. Sie versuchte, ihm so wenig wie möglich im Weg zu sein, aber sie wurden von allen Seiten angegriffen. Nur langsam gelang es dem Orden, sich zu sammeln und zu organisieren. Anscheinend hatten die Todesser Kate erkannt, denn um Snape herum war der Angriff am heftigsten. Noch nie war Kate sich so hilflos vorgekommen. Doch die Verteidiger hatten sich von dem Überraschungsangriff erholt, ihre Flüche und Beschwörungen wurden zielgerichteter und langsam gewannen sie an Boden.
Ein schrille weibliche Stimme rief: „Da ist sie! Schnappt sie Euch lebend. Unser Meister will persönlich mit ihr spielen, bevor sie stirbt!“
Daraufhin wurden die Angriffe auf Snape wieder heftiger und er musste sein ganzes Können aufbieten, um sie und sich zu verteidigen. Tonks gelang es, sich zu ihnen durchzukämpfen, dicht gefolgt von Lupin. Um Mad Eye hatte sich eine freie Stelle gebildet, denn seine Flüche zischten unkontrolliert um ihn herum.
In diesem Moment traf Snape ein gezielter Schockzauber und er wurde von ihr fortgeschleudert. Sie ließ sich sofort fallen, um kein gutes Ziel zu bilden. Angeschlagen richtete Snape sich wieder auf und versuchte verzweifelt, zu ihr durchzudringen. Kurz bevor er sie erreichte, traf sie etwas hart in die Seite und das Letzte, was sie klar sah, war sein von Grauen verzerrtes Gesicht.
In ihrem Körper explodierte der Schmerz. Durch jede Nervenbahn wütete die Qual. Das Denken wurde ausgeschaltet, ihr Körper bestand nur noch aus Höllenpein. Dann wurde es dunkel um sie herum.


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